Einander blind vertrauen

GeschichteRomanze, Freundschaft / P16 Slash
Joachim "Joko" Winterscheidt Klaas Heufer-Umlauf
12.06.2019
16.06.2019
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Hallo :-)
auch von mir gibt es natürlich eine Kleinigkeit zum Zehnjährigen. Ich hoffe es gefällt euch. Insgesamt sind bisher vier Teile geplant, wovon drei fertig sind. Wobei ich bei dem vierten noch unsicher bin. Mal sehen. Meistens lasse ich mich ja gerne von euch beeinflussen :D <3


Sicht: Joko
Ort: Im Studio von JKvsP7 und drumherum.

..*..*..*..*..

„Das Finale Spiel heißt: vertrauen ist gut, blind ist es besser.“, sagt Steven.
Er sieht fragend zu Klaas, der aber weiter Steven ansieht.  
„Bei diesem Spiel muss einer den ersten Teil des Parcours absolvieren, den zweiten der andere und zum Schluss müsst ihr einen Parcours gemeinsam bewältigen. Erst wenn ihr beide zusammen hier im Studio ankommt, habt ihr gewonnen. Joko fängt an und dann macht Klaas weiter. Ihr werdet beim absolvieren des Parcours blind sein und über ein Knopf im Ohr Kontakt zum anderen haben. Der eine führt, während der andere ausführen und vertrauen muss. Das heißt, dass Joko jetzt mit Benni rausgeht und ich mit Klaas zum Ende von Joko’s Parcours gehe. Wenn Joko es schafft, bringe ich Klaas zu seinem Parcours. Alles klar?“
„Werden wir beim gemeinsamen Parcours auch blind sein?“, fragt Klaas.
„Nein. Da werdet ihr andere Handicaps bekommen. Das erkläre ich euch, wenn ihr es dorthin geschafft habt.“
„Super.“, murmelt der daraufhin.

Er sieht zu Klaas und weiß nicht, ob sie die Aufgabe schaffen. Zu oft haben sie einander versucht zu vertrauen und mussten am Ende doch irgendwo gegen laufen. Damit das hier klappt, müssen sie das erste mal ihr privates vertrauen ins berufliche ziehen. Er sieht in Klaas Augen, dass er das genauso sieht, also nickt er, umarmt den jüngeren kurz und macht sich dann auf den Weg nach draußen. Steven moderiert in der Zeit die Werbung an und Klaas wird zur Seite geführt, während man auf ihn eingeredet. Als er das sieht, wird ihm doch mulmig.

..*..*..

„Bereit Winti?“, hört er Klaas zehn Minuten später auf seinem Ohr und ist hochgradig verunsichert. Was ist, wenn das private vertrauen in dem Moment erledigt war, als man Klaas zur Seite gezogen hat? Würde Klaas wirklich die Freundschaft riskieren, die sie haben? Für ihn ist die Freundschaft definitiv zu wertvoll, um sie für die Aufgabe zu riskieren.
„Vertrau mir.“, flüstert Klaas plötzlich und er entspannt sich instinktiv, ohne sich dagegen wehren zu können.
„Bereit.“, sagt er und wird von Benni zum Start des Parcours geschoben. Als das Startsignal ertönt, beginnt Klaas direkt zu sprechen.
„Zwei Schritte vor dir ist ein Netz gespannt. Du musst dich auf den Bauch legen und Robben.“
Kurz denkt er daran, wie albern das aussieht, wenn da gar nichts ist und alle ihn auslachen werden, doch dann legt er sich hin und robbt. Solange bis Klaas sich wieder einschaltet. „Halt.“
Sofort bleibt er stocksteif liegen.
„Steh auf und taste dich mit der Hand vor. Ungefähr zwanzig Zentimeter vor dir ist eine Wand.“
Er tut was Klaas sagt und findet tatsächlich eine Wand.
„Ein bisschen nach rechts. Gut, da fühlst du Stufen. Rechts und links ist das Geländer zum Festhalten. Du musst nach oben.“
„Wie hoch?“
Er erwartet fast einen Spruch wie, das siehst du doch eh nicht, doch nach einer kurzen Pause kommt „Fünfzehn Stufen von da aus, wo deine linke Hand liegt.“
Er hat tatsächlich die Stufen für ihn gezählt. Er nickt und schluckt schwer. Er will Klaas nicht enttäuschen, ist der erste Gedanke der ihm durch den Kopf geht, während er den Fuß auf die erste Stufe stellt. Er denkt nicht an die Höhe, die Bestrafung, die Niederlage, das Publikum, sondern nur an Klaas. Er steigt weitere Stufen hoch und denkt an die Umarmungen, die Zweisamkeit, die privaten Momente, bis er Klaas wieder hört. „Fünfzehn, vierzehn, dreizehn.“
Er atmet schwer, während ihm bewusst wird, dass er gerade dem Mann vertraut, der ihn beruflich so oft durch die Hölle geschickt hat. „Zwölf, elf, zehn. Super Joko du schaffst es.“
Er würde lachen oder wenigstens Lächeln, damit Klaas durch die Helmkamera sieht, dass es ihm gutgeht, doch er kann sich nur darauf konzentrieren, was sie alles zusammen erlebt haben. Wie Klaas für ihn gesungen hat, aber ihn auch aus einem Hubschrauber geworfen hat. Das berufliche Leben mit ihm war die Hölle und der Himmel gleichzeitig. „Neun, acht, sieben. Gehts dir gut?“
Er nickt nur, ist dankbar für die Veränderung die auch beruflich eingetreten ist und das sie jetzt auf allen Ebenen ihres Lebens ein Team sind. Kein gefährliches gegeneinander mehr. Keine schlimmen Streiche. „Sechs, fünf, vier.“ sie sind richtige Freunde geworden. Er genießt den Umstand und hofft, dass das immer so bleiben kann. „Drei, zwei, eins .. oben. Joko du bist oben!“, jubelt Klaas und er lächelt schwach, denn ihm ist klar, wo er rauf muss, muss er auch wieder runter.

„Okay, also vor dir sind Matten. Diese dicken blauen, deswegen fühlt es sich wackelig an. Du kannst aber nicht runterfallen. Muss er gehen oder kann er auch krabbeln?“, hört er Klaas Steven fragen. „Du musst gehen.“, hört er Klaas kurz darauf sagen. „Und wenn ich umfalle, wieder aufstehen oder darf ich dann krabbeln?“
„Aufstehen.“, hört er Klaas bedauernd sagen. „Es sind drei Matten. Zwischen den Matten ist etwas Abstand. Ich sag dir Bescheid, wenn du fast da bist und einen großen Schritt machen musst. Du darfst den Boden nicht berühren.“

Er tastet sich mit dem Fuß vor, bis er gegen die Matte stößt und stellt dann einen Fuß darauf. Das wird wackelig. Nach ein paar Schritten Fluten Bilder seinen Kopf. Er in der Höhe, auf Matten die wackeln. Er sieht sich selber runterfallen und fällt keuchend auf die Knie. Er krallt sich in die Matte und rührt sich nicht mehr. Das klingeln in seinen Ohren ist so laut, dass er Klaas erst hört, als er ihm ins Ohr schreit. „Joachim!“
Er zuckt zusammen und dann redet Klaas leiser weiter. Man hört ihm direkt an, wie erleichtert er ist, zu Joko durchgedrungen zu sein. „Stell dir vor wir sitzen im Auto. Ich spiele dir Musik vor und du lehnst deinen Kopf an meine Schulter. Alles ist gut. Okay? Steh auf. Gut. Und nun geh langsam weiter. Stopp, jetzt den großen Schritt, als würde ich auf dem Boden liegen und du über mich steigen.“
Schwer schluckend tut er was Klaas ihm gesagt hat und atmet erleichtert auf, als er Klaas freudig lachen hört. Doch dann kommen die Bilder wieder, von ihm in der Höhe und er verkrampft. Gerade als er sich einfach auf die Matte sinken lassen und aufgeben will, beginnt Klaas leise zu singen. Er singt Leuchtturm von Nena und tatsächlich konzentriert er sich so auf den Gesang seines Kollegen, dass er ohne Probleme den nächsten großen Schritt hinkriegt und kurz darauf am Ende der dritten Matte steht.
„Perfekt. Das hast du sehr gut gemacht. Aber jetzt kommt wohl das schwerste.“
„Ich muss springen.“, sagt er trocken und hört Klaas leise seufzen.
„Ja. Ich bin nicht sauer, wenn du das nicht kannst.“
„Wo spring ich denn hin?“, fragt er, als würde das irgendwas gegen seinen Widerwillen tun.
„Ins Wasser. Du musst blind nach rechts schwimmen, bis du stehen kannst.“
Sehr beruhigend. Nicht. Das hat nichts mehr mit vertrauen in Klaas zu tun, denn das kann Klaas weder kontrollieren, noch verhindern.
„Wie viele Schritte bis zur Kante?“
„Ungefähr zwei. Vielleicht etwas mehr. Ich steh unten und sehe dich.“
Das beruhigt ihn tatsächlich etwas. Klaas würde ihn aus dem Wasser ziehen, wenn etwas ist. Natürlich ist immer für ihre Sicherheit gesorgt, aber irgendwie braucht er gerade nur Klaas.

Lange schweigt er. „Singst du noch was für mich?“, flüstert er irgendwann und kurz ist stille, bevor Klaas beginnt zu singen. Diesmal von seiner Band, wie sehr wir leuchten. Er tastet sich mit den Füßen bis zur Kante und hört dann einfach auf die Stimme seines Kollegen. Er hört „Ich komm dir näher, Stück für Stück. Doch bis jetzt halte ich mich zurück.“ und dann atmet er tief ein, hält die Luft an und springt. Kalt umschließt ihn das Wasser und kurz ist in seinem Kopf absolute Stille, bevor er prustend auftaucht und beginnt nach rechts zu schwimmen. Klaas sagt bis dato nichts, was ihm zeigt, wie angespannt der andere ist, doch dann hört er ihn „du müsstest stehen können.“ sagen. Tastend lässt er ein Fuß gen Boden sinken und tatsächlich spürt er festen Grund. Erleichtert atmet er ein und hört Klaas glücklich in seinem Ohr und irgendwo vor sich lachen. Kurz darauf spürt er seine Arme und weiß, dass sie es geschafft haben. „Geschafft“, rufen sie beide aus und klammern sich lachend aneinander. Beide stehen sie im Wasser und halten sich, im vollen Bewusstsein, was für ein großer Schritt das für ihre Freundschaft gewesen ist.

„Danke Klausi.“, murmelt er, als sie etwas ruhiger werden. Er zieht sich den Helm mit der blickdichten Taucherbrille vom Kopf, lässt sie achtlos ins Wasser fallen und blinzelt gegen die Helligkeit an. „Ohne dich hätte ich das nie geschafft.“, murmelt er und drückt den jüngeren noch mal. Ein paar Sekunden halten sie sich schweigend fest und sind einander dankbar, dass sie sich haben.

Klaas löst sich von ihm und nimmt von Benni seinen eigenen Helm entgegen. Er zieht die Augenbraue hoch. Klaas ist plötzlich so schweigsam und er sieht, wie angespannt und konzentriert der andere Mann ist. Er hat ihm vertraut, aber würde Klaas ihm auch vertrauen können?


..*..*..*..*..

Wie findet ihr es, bis hierhin? :)
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