Black Market Auction

GeschichteRomanze, Thriller / P16
OC (Own Character)
12.06.2019
12.06.2019
1
1883
 
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--Prologue--




Tokyo, Japan

Im Zentrum der Stadt nahe einer verlassenen Gasse

1.Januar

An einem kalten Wintertag




Vergebens versuchte sie sich wenigstens durch das Aneinanderreiben ihrer beiden Hände etwas warmzuhalten. Allein die Wärme, die sie durch ihre kleine Schwester erlangte, konnte das Frösteln ihres Körpers nicht beständig aufhalten. Die schäbige, fast schon hauchdünne Decke, jene sie mal per Zufall gefunden hatte und nun um beide Mädchen geschlungen war, half in diesem Falle auch nichts.

Es war nicht einfach im Winter. Vor allem dann nicht, wenn man kein Haus über den Kopf hatte und man sich um sich selbst kümmern musste.

Während die Blondhaarige ein- und ausatmete, waren die durch die kalte Atemluft bedingten »Nebelwolken« keineswegs zu übersehen.

Und obwohl es so kalt war, versuchten sie es hier draußen zu überleben – irgendwie.

Aufgrund des Argwohns der Smaragdgrünäugigen verblieben sie hier in der Gasse und warteten beständig bis ihre Mutter wiederkommen würde, wo sie es ihnen doch ausdrücklich versprochen hatte. Doch es war einfach keine Spur von ihr.

Schaudernd blickte sie in das friedlich schlafende Antlitz ihrer jüngeren Schwester neben ihr, welche sich wortwörtlich an sie gekuschelt hatte.

Sie hatten einander und waren nicht vollkommen auf sich alleine gestellt, das war immerhin das Wichtigste. Wären sie alleine, dann hätten sie schon längst die Hoffnung aufgegeben. Die Hoffnung, dass sie nicht vergebens warten würden.

Shizuka liebte ihre jüngere Schwester über alles, und wollte sie koste es, was es wolle, vor dem Tode beschützen. Sie tat alles dafür, damit beide überleben konnten. Selbst wenn sie noch selber ein Kind gewesen war.

Sachte lehnte sie sich ebenfalls an ihre Schwester, ehe sich ihre müde werdenden Augäpfel von alleine schlossen.







Schlaftrunken spürte die Blondhaarige, wie sich eine fieberhafte Hitze in ihrem Körper ausbreitete, sie dazu brachte schneller zu atmen. Sie quengelte im Schlaf, sogleich sich ein bruchstückartiges Szenario ihrer Erinnerung vor ihrem inneren Auge abspielte.

Sie sah ihre Mutter, mit diesem Blick in ihrem Gesicht, das ihre Angst und Bange sichtbar widerspiegelte, während sie selbst zitternd im Türrahmen stand – ohne nur einen Mucks von sich zu geben, um nicht auf sich aufmerksam zu machen. Tränen liefen dem Antlitz ihrer Mutter entlang - ihre klagende und entsetzte Stimme war keineswegs zu überhören. Sie verstand nicht, was los war. Sie wusste nur, dass ihr der schwarzgekleidete Mann vor der Haustür nicht geheuer war. Er sah gefährlich aus – wie ein Raubtier, das sich zugleich auf ihre Mutter hätte stürzen können. Grob machte er sich an sie zu schaffen und packte ihr Handgelenk, damit sie nicht mal den Gedanken daran hegte, wegzulaufen.

»Das ist die letzte Warnung. Verlassen sie auf der Stelle die Wohnung«

Nachdem der Fremde diese Worte mitsamt seiner tiefen Stimme ausgesprochen hatte, öffnete Shizuka schlagartig ihre Augen, die mittlerweile zu tränen begannen. Tief ein- und ausatmend blickte sie instinktiv zu ihrer Schwester hinüber, die weiterhin friedlich schlief.

Wie lange saßen sie schon hier?

Mittlerweile war die Nacht bereits angebrochen. Der Himmel war wolkenklar und ließ einen Einblick auf die Sterne am Horizont. Der Mond leuchtete in seiner vollen Kraft.

Dass die Smaragdgrünäugige auf einmal von Fieber heimgesucht werden könnte, konnte sie nicht erahnen. Sie wollte einfach nur, dass ihre Mutter bald zurückkommt. Und dass es ihrer Schwester gut geht.

Schreckhaft zuckte sie zusammen, als sie wieder Kontrolle über ihr Sichtfeld erlangte und schwammig eine Silhouette wahrnahm, die sich den beiden annäherte – Schritt für Schritt. Dahingehend wurde sie dazu verleitet, sich noch mehr an die Braunhaarige neben ihr zu drücken und sich verteidigend vor ihr zu drängen.

Mit weit geöffneten Augen, die wortwörtlich Angst ausstrahlten, starrte sie einen schwarzgekleideten – der Finsternis geschuldeten - Mann an, dessen Hemd und Anzugsjacke in Blut getaucht war, und in ihre Richtung baumelte. Der widerwärtige Geruch der roten Farbe stieg ihr in die Nase und ließ sie fast aufstoßen. Sein Mund war ersichtlich auch davon beschmiert. Gerade dies machte ihr Angst.

Das Monster blieb vor ihr stehen und gab unartikulierte Laute von sich, die ihr Gänsehaut bereiteten.

Gierig riss es seinen Mund auf, um das hilflose Geschwisterpaar zu attackieren.

Wer oder was ist dieses Vieh?

Abrupt schloss Shizuka ihre Augenlider und wartete vergeblich auf den Schmerz, die Hölle, die sie erwartete. Doch sie spürte nichts. Rein gar nichts. Allein die Geräuschkulisse eines Aufstöhnens bahnte sich durch ihre Ohren.

Unsicher schlug sie ihre Irden wieder auf und erblickte einen Mann hinter dem Monster, der ihnen gerade augenscheinlich das Leben gerettet hatte.

Ein Holzpfahl lugte aus der Brust des mit blutbefleckten Mannes heraus, was ihn willkürlich zu Boden gebracht hatte.

»Hab keine Angst.«, entkam den Lippen des Hutträgers, ihres Lebensretters, während er beschwichtigend herantrat und eine Hand nach ihnen ausstreckte.

Erst jetzt war der 10-Jährigen aufgefallen, wie unaufhaltbar Wasser über ihre heißen Wangen lief und sie zum Heulen brachte. Es war einfach zu viel. Zu viel, womit sie nicht klarkommen konnte.

»Pssscht, alles ist gut. Ich will euch nur helfen.«

Das nächste, was sie spürte, waren Arme, die sich sanft um sie und ihrer Schwester Nanami schlangen und Shizuka zu beruhigen versuchten.
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