Malternativ x Klein aber Hannah: Tommy, Kiko und die Sache mit dem Kuss

OneshotHumor, Romanze / P12
12.06.2019
12.06.2019
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Hallo, liebe Ebay Kleinanzeigen WG! Falls ihr diese kleine Geschichte lest, die ich in ein paar Tagen fabriziert habe, nachdem ich das letzte Video gesehen habe, wär ich sehr froh, wenn ihr mich wissen lasst, wie ihr sie findet! ^^ Ich hoffe ich habe eure Charaktere gut getroffen und es ist niedlich genug. :D Sonst gibt's irgendwann eine Fortsetzung. Kann es kaum erwarten morgen zu vergleichen wie eure Folge verlaufen wird! Macht weiter so. ♥







Nach gefühlt einer der schlimmsten Nächte die Malte jemals hatte, brach ein noch schlimmerer Tag an.

Zu sagen er hätte schlecht geschlafen war noch eine gewaltige Untertreibung.

Er lag gefühlt 5 Stunden wie ein Brett qualvoll in seinem Bett, weil die endlosen Gedanken über dies und das ihn einfach nicht loslassen wollten. Es war einfach zu viel passiert.

Tatsächlich hatte er auch Gefühle... und sogar sehr stark ausgeprägte. Vielleicht etwas zu stark für seine Gesundheit.
Er wollte es nur nie zugeben. Es war alles immer unter einer Schicht von Sarkasmus, Witzen und Rhetorik begraben, die in der ausgefallendsten Weise seinen Gedanken und Gefühlen Ausdruck verlieh.

Aber diesmal wusste er nicht Mal wie er das machen sollte. Er dachte ganz alleine, in seinen Gedanken könnte er schnell alles herausfinden. Denn in seinen Gedanken log er sich nicht an. Oder doch?

Als er da mit Hannah auf dem Sofa saß, sich ihre Gesichter langsam näher kamen und sie fast Klartext sprachen, da hatte es sich alles so richtig angefühlt. Leider wusste er nicht mehr was richtig und falsch war. Begleitet wurde dies mit dem Fakt, dass er in einem flüchtigem Traum das Gesicht seiner asiatischen Exfreundin vor sich sah und nur noch an sie denken konnte. Erbärmlich wie er sich selbst bemitleidete, konnte er nur denken. Und das er die Situation mit seiner besten Freundin "ausgenutzt" hatte, dafür hatte er weder Verständnis, noch Gnade für sich übrig.

Zutiefst schlecht gelaunt schlenderte der Rothaarige in die Küche, die Augen halb zugekniffen und der Körper so schwer wie Beton. Leicht verschwommen konnte er durch seine verkrusteten Augen die Silhouette von Tommy am Esstisch erkennen.

"Guten Morgen.", lallte er in dem eigenartigsten Ton, den sein Mitbewohner je von ihm vernommen hatte.

Malte war so dermaßen erschöpft, dass er gar nicht mitbekam, wie sich die Züge des Anderen zu mitfühlend und sanft änderten, sobald er ihn erblickte.
Konnte auch daran liegen, dass sein sonst so aufgedrehter Mitbewohner noch nie so blass und durchgewühlt aussah wie heute. Der Mann konnte nicht Mal so richtig seine Augen aufkneifen!

"Hey, Champion. Na, wie geht's dir?", sagte Tommy in einem solch liebevollen und traurigen Ton, dass es fast einschläfernd wirkte.

Die Hand die aber nach seinem Arm griff, hatte ihn ein wenig wachgerüttelt. War wohl doch alles kein Fiebertraum. Tommy blieb noch hier. Aber für wie lange? Konnte er ihn umstimmten? Er wusste nicht, von was er ihn denn eigentlich überzeugen wollte, aber ganz gewiss, dass er gerade nicht genug aktive Hirnzellen dafür hatte.

Malte richtete sich leicht auf, sah dabei aus wie ein aufgeplustertes Kücken, mit seinen Haaren die ihm zu Berge standen und den durch die dunklen Ringe klein aussehenden Augen. Sein Blick war irgendwie abwesend und unfokusiert.

"Ginge besser...", brummte er leise und starrte zurück, zwang nun seine Stimme etwas beiläufiger klingen zu lassen, "Und selbst?"

Tommy biss auf seine Lippe, sich offensichtlich noch mehr Gedanken machend, als sein Gegenüber, zückte seine Brille zurecht und beugte sich weiter nach vorne. Den zuckersüßen Ton in seiner Stimme veränderte er kein bisschen: "Weißt du... ich mach mir nur Sorgen um dich. Du siehst so blass aus. Soll ich dir vielleicht... einen Tee machen?"

"Uhh... wieso. Mir geht's gut.", lallte er weiter, so als wäre er nicht ganz da oder als wäre er betrunken.

"Das wird schon...", murmelte der Schwarzhaarige, umarmte Malte halb beim Aufstehen, der kaum Notiz davon nahm und ging rüber zum Schrank um seine Tasse zu suchen.

Nachdem der Tee gemacht war, schlürfte der andere ihn bloß unaufällig, die Tasse dabei so nahe an sich haltend, dass es aussah, als ob er eine Inhalation machte.

Tommy kniff seine Augen zusammen beim Betrachten dieser Szene. Es war fast schmerzhaft. "Wie hast du bitte heute geschlafen?"

"Drei ganze Stunden und du?"

In seiner Sorge kam es ihm sogar noch vor, als sei seine Stimme etwas heiser. Er durfte nicht noch krank werden! Ganz stolz war er nun auf seine Entscheidung wieder umzukehren.

"Das kann nicht gesund sein."

"Und ich bin ja ganz klar ein glänzendes Beispiel für einen gesunden Lebensstyl. Schon verstanden."

Ah, da war der Sarkasmus wieder. Der Tee, schwarz wohlgemerkt, hatte ihm unwissentlich einen Energiekick gegeben. Wenigstens konnte er nicht mehr mit dem Gesicht in die Tasse fallen.

"Hey... um... vielleicht setzen wir uns heute ruhig auf's Sofa... gucken einen Film.. holen uns eine Decke. Hmm?"

"Essen eine Tonne Eis und heulen um schnulzige Liebesfilme oder was?", Malte legte seinen Kopf schief, offensichtlich von der Vorstellung angeekelt.

"Naja... nicht genau so. Aber wir könnten einen Filmmarathon machen. Etwas was dir gefällt."

"Pff. Was mir gefällt? Du weißt ich spiel lieber Videospiele... und ich brauch ein neues Video."

"Eine Doku über Konsolen?"

"Nope."

"Disney? Pixar? Netflix?"

"Einen Horrorfilm vielleicht."

Tommy's Augen leuchteten auf, obwohl er ganz genau wusste, dass er sich in's Hemd machen würde. Er lächelte seinen etwas desinteressierten Gesprächspartner breit an.

"Gute Idee. Du magst Horrorfilme?"

"Man kann sich schön über die Menschen aufregen oder wie wenig Sinn alles macht. Es ist einfach ein Traum."

Tommy fühlte sich etwas unbehaglich, als er eingeschüchtert mit gesenktem Blick erwiderte: "Ja gut...."

"Hey Leute. Uff. Malte, bist du in ein Unwetter gekommen?", sagte Hannah gutmütig, ihre blauen Augen nun eindringlich den Rothaarigen fokusierend.

"Dir auch guten Morgen."

Ihre Blicke kreuzten sich nur kurz, bevor er an ihr vorbei durch Tommy hindurch sehen zu schien. Es irritierte sie etwas und wollte schon fragen, was passiert war, als Tommy losstänkerte bevor sie überhaupt ansetzen konnte.

"Uh-uhm... ich hab vorgeschlagen, dass wir uns einen Horrorfilm ansehen... oder so... nur wir drei."

Hannah blinzelte verwundert, jede Silbe betonend: "Du hast vorgeschlagen, dass wir einen Horrorfilm gucken?"

"Naja... Oder einen Filmmarathon machen. Malte mag Horrorfilme, richtig?"

"Mhhhhmm", erwiderte er nur desinteressiert, seinen Kopf auf seine Hand gestemmt.

Die leicht beunruhigende Tatsache, dass Malte nichts auf der Welt zu interessieren schien, nutzten die beiden zu ihrem Vorteil als sie unbemerkt ein kurzes telepathisches Gespräch führten.

"Es läuft grad einer im Kino. Kennt ihr den?"

"Ouh... ja... ich gucke gleich Mal wann der heute läuft. Vielleicht quetschen wir noch etwas dazwischen!", Tommy kramte hastig und schlenderte weg vom Tisch um sein Handy zu suchen.

Malte strich beiläufig mit seiner Hand über die immer noch warme Tasse und fühlte sich wortwörtlich wie im falschen Film.

Noch bizarrer wurde es, als Hannah mit einem leichten Sprung in ihrem Schritt auf den gegenüberlegenden Stuhl wie auf einen Thron hüpfte und ihn sanft anlächelte. Aber er musste zugeben, ein wenig süß war es schon.

"Malte... wegen gestern."

Es war schon überraschend woher er die Energie genommen hatte, aber er unterbrach sie, bevor er Zeit hatte wieder alles zu überdenken.

"Hör mal. Ich war gestern nicht ganz ich selbst. Und dann taucht auch Tommy einfach wieder auf, dieser Vollhorst. Glaubst du er bleibt ganz oder er wie lange ist er noch da?"

Malte hatte mal wieder die außergewöhnliche Fähigkeit Hannah abzulenken, aber diesmal vielleicht ja nicht?

"Ich hoffe doch für immer."

"Für immer ist ein großes Wort. Werden wir dann alle mit 70 in unseren Rollatoren mit Gehstöckern sitzen und uns erzählen: 'Ahh... weißt du noch, als du ausziehen wolltest?'"

Hannah atmete fast erleichtert aus, als ein Grinsen über die Züge ihres besten Freundes glitt und sie kicherte ebenfalls, ihr Herz leicht aufgeregt klopfend, ihre Augen sich ein wenig in einander verloren.

Oh Gott, sie war in ihren besten Freund verliebt.

"Ich meine...", Hannah schnappte sich Malte's Tasse und stahl sich einen Schluck unter seinem eindringlichen, unbeeindrucktem Blick, "...als du das mit dem Verliebtsein gesagt hast."

Sie hatte doch wirklich nichts falsches gesagt, oder eher gefragt, aber sein Blick senkte sich und er seufzte, bevor er etwas frustriert aufblinzelte. Hannah konnte nur kurz bewundern, wie ausdrucksvoll seine Züge doch waren, in wie viele verschiedene er in sekundenschnelle wechseln konnte, bevor wieder ein Schwall aus Worten aus ihm herausschoss.

"Ich hab mich vor kurzem erst getrennt... ich glaub da hat erst Mal jeder die Schnauze voll von diesem Liebeszeugs, nich?", er schien mit jedem Wort noch angeregter zu werden, als er nun wild gestikulierte, "Ich glaube ich war einfach verwirrt. Nein, ich bin verwirrt. Weißt du, irgendwann später können wir uns gerne nochmal unterhalten, aber gerade ist mein Kopf voll mit Kiko und ich bin frustriert, dass Tommy sich wegen mir sein Leben ruiniert und ich will nicht noch den größten Fehler meines Lebens machen. Also können wir das erstmal vergessen?"

Die Hoffnung in Hannah war damit wie ausgestorben und sie hörte ihm nur still zu mit grunzelter Stirn.

"Aber... du ruinierst nicht sein Leben. Er muss doch selbst wissen, was ihn glücklich macht. Und naja... ich dachte. Egal, lass uns einfach den Film schauen."

Irgendwas war wohl falsch und er mochte nicht wenn Hannah die Stirn runzelte, aber er wusste nicht woran es lag.

"Was habt ihr eigentlich mit euren Filmen? Wollt ihr mich in eure täglichen WG Rituale einweihen?"

Sie zuckte nur mit den Schultern und sah nun echt so aus, als ob sie schmollte: "Naja... ich geh-"

"Hab ich etwas komisches gesagt?"

Hannah stand auf und biss sich auf die Lippe, bevor sie mutlos rausknirschte ehe es zu spät wäre.

"Naja... nur das es dein größter Fehler wäre."

In Malte zog sich alles zusammen, als er ihren Ton wahrnahm und wie das jetzt klang. Unbeabsichtigt.

"S-so.. uhh.. so war das nicht gemeint.", in seinem Hals war ein Frosch und er verstand nicht wieso er sich auf einmal so scheiße fühlte.

Das bekam nur Hannah hin.

"Wie denn anders?"

Er nahm einen tiefen, beruhigenden Atemzug, bevor er noch hyperventilierte und versuchte das Chaos in ihm zu ordnen, dass schon seit gestern Abend seinen Lauf nahm.

"Stell dir einfach vor da wäre nichts gewesen. Ich bräuchte einfach nur Zuneigung wegen Kiko und du erinnerst mich daran, weil du jemand bist dem ich vertraue und den ich gern hab. Dann würd ich dich verletzen, mich selbst, dass alles ruinieren und Tommy müsste dann die Stücke wieder aufsammeln. Nur mal hypothetisch ist es eine Möglichkeit und ein Risiko das ich überhaupt nicht eingehen möchte. Genau jetzt."

"Schon verstanden."

Es war wirklich wie in einem Film, wie sie sich wie eingefroren anstarrten, wollten etwas sagen, aber die Worte waren wie versiegt.

In einem wilden Wirbel sauste nun ein schon angezogener Tommy zurück zur Küche und verkündete gut gelaunt: "Fängt um 19:15 an. Soll ich Tickets online holen?"

Er sah sich erst um, als unpassende Stille vorherrschte, die nicht durchbrochen wurde.
Mit großen Augen betrachtete er seine Freunde. "Ist was los? Ihr seid so still."

Hannah schüttelte den Kopf und wandte sich letztendlich ab, mit einem humorlosen Lächeln sagte sie: "Ne... ich wollte nur gehn."

Damit machte sie sich auch auf in ihr Zimmer und Tommy erhaschte den beinahe sehnsüchtigen Blick mit dem ihr Malte hinterhersah. Er hatte nicht einmal bei der Sache mit Kiko je so einen derartigen Blick gesehen.

"Was ist denn?"

Malte meckerte wieder los vor Anspannung: "Nein, nichts ist."

"Sorry."

"Könnt ihr mich denn einmal in Ruhe lassen? Es ist noch viel zu früh heute! Wenn ich gleich noch über meine Beine, wie über meine Worte stolpere."

Malte bereute es ganz schnell wieder, weil Tommy, aus welchem Grund auch immer, so aussah als ob er gleich in Tränen ausbrechen würde. Letztendlich war es weil er Mitleid mit seinem Freund hatte, da er dachte, dass er unter seinem Verlust litt.

Malte machte nur ein kurzes, überraschtes Geräusch und schon stand der andere hinter seinem Stuhl und begrub ihn unter sich, nuschelnd: "Ach, Malte, es wird alles wieder gut..."

"Falls du vorhast, mich mit deinem endlosen Knuddeln zu ersticken, ist es höchst effektiv."

Aber er wurde nicht losgelassen und starrte in die Leere mit großen Augen, was nur damit endete, dass er abwesend Tommy's Arm tätschelte: "Ist gut, Tommy...."

"Mach dir einen schönen Tag heute... wir sind für dich da."

Mehr als einen Seufzer bekam er auch nicht mehr raus.







Später...

Malte saß gelassen und gelangweilt auf dem Sofa, ein Arm ausgestreckt und eine verhältnisweise sehr ruhige Hannah direkt neben ihm, während sie auf Tommy mit den Snacks warteten.

Und es herrschte eine peinliche Stille. Langsam drehte sie sich etwas zu ihm, beinahe fragend und er starrte bloß ausdruckslos zurück, als ob er komplett leer wär.

Zuzüglich zu Hannah's plötzlich erschienenem Liebeskummer, bekam sie auf einmal Schuldgefühle, da Malte wirklich nicht so gesund aussah.

Mehr Gedanken zu formen, hatte sie keine Zeit mehr, da die Snacks und damit auch Tommy eintrafen.

"Pizza. Schokolade, Erdbeeren und Saft!"

Und er quetschte sich direkt zwischen die beiden, woraufhin Malte nur die Augen weit aufreißen konnte, unterdessen sich Tommy etwas an Hannah kuschelte.

Die Blondine gab ihm ein süßes Lächeln: "Danke dir."

Der Rothaarige lies sie mit keiner Handlung wissen, wie nah er am Platzen war, konnte aber nicht den eifersüchtigen Blick auf die Beiden anderen zurückhalten.

Von außen sah Malte einfach nur sehr blass und erschöpft aus. Etwas überfordert mit der Situation kramte er sein Handy heraus um etwas zu checken.

"Wem schreibst du?", fragte der Schwarzhaarige mit einem verschwörerischem Blick.

"Niemandem?"

"Okay..."

Er nickte, als wüsste er etwas was der Rothaarige nicht wusste und erreichte damit, dass dieser noch irritierter wurde.

Hannah wackelte aufgeregt auf dem Sofa herum, während Malte sich fragte was der Sinn des Lebens war.

"Sollen wir uns einen Klassiker ansehen oder ein Remake?"

"Was ist denn gruseliger?", fragte Tommy interessiert, als er verschiedene Titel browste.

"Nightmare on Ebay-street. Weil der Alltag viel gruseliger ist als Fiktion!", quittierte Malte.

Die Blondine schüttelte überzeugt den Kopf.

"Spielverderber. Wir könnten uns eine richtige Reihe von Filmen ansehen. Oder wir wählen nach dem Zufallsprinzip. Wir sagen einen Buchstaben und eine Zahl... und suchen uns daraus einen Film aus der Liste, den wir schauen."

"Solange der nicht der absolute Müll ist."

Tommy wollte Streit vermeiden: "Also, ich finde er sollte aussuchen."

"Aber ich find's viel spannender wenn man nicht weiß was man schaut. Es ist wie eine Überraschung an jeder Ecke. Wie Weihnachten....."

Malte plusterte sich wieder auf, als er seine Freunde wie Verrückte ansah: "Oooookay, ich bin raus. Wir gucken Paranormal Activity."

Tommy blieb etwas still und legte seinen Kopf schief, nachdenklich: "Interessante Auswahl. Wieso?"

Hannah grinste: "Wieso nicht?"

"Es erinnert mich an meine Youtubekarriere."

"Ich... ich dachte du magst deinen Job.", meldete sich der Brillenträger besorgt zu Wort und betrachtete die finster aussehende Figur vor ihm.

"Tu ich. Aber die Sachen die ich mir manchmal geben muss, sind haarsträubend. Naja... und wenn du die Filmreihe kennst, weißt du das es sehr paranormal von mir ist, dass ich motiviert genug bin jeden Tag dafür aufzustehen."






Der erste Film verlief ganz gut. Je nach dem was man gut nennen konnte, da Malte die ganze Zeit irgendwelche fiesen Kommentare ablieferte und sich über jeden Stein auf der Straße aufregte. Sogar für ihn war das ein bisschen zu viel, also versuchten die anderen Beiden ihn unauffällig mit Essen vollzustopfen. Denn bekanntlich weiß man: Du bist nicht du, wenn du hungrig bist.

Es war gerade erst Anfang des zweiten Filmes als sich Malte fragte, worauf er sich da eigentlich eingelassen hatte. Er hatte keine Lust auf irgendetwas und würde am liebsten einfach schlafen. Für immer. Und ein Bad nehmen.

Tommy brannte es auf der Zunge: "Was ist denn eigentlich mit dem Kino?"

Malte brummte: "Nein."

"Wieso nicht?"

"Weil."

"Ach komm, ich dachte es ist alles geklärt schon..."

"Ihr könnt froh sein, dass ich hier mit euch sitze und mir diesen Scheiß gebe."

Stille kehrte für einen bestimmten Zeitraum ein.

Sein Mitbewohner erinnerte nun an einen Hundewelpen, der nun vorsichtig rausnuschelte, kaum fähig ihn zu lange frontal anzusehen: "Wenn du nicht mehr möchtest, ist es okay. Wir zwingen dich nicht."

Stille, die auch etwas weiter nicht unterbrochen wurde.

"Ich weiß nicht."

"Sag uns einfach Bescheid."


Was seinen Mitbewohnern nichts desto trotz auffiel war, dass er sie größtenteils ignorierte, vor allem Hannah. Es sagte niemand etwas, es gab nur viele Decken und Kissen, die sie von Ebay Kleinanzeigen hatten.

Bis eine etwas groteske Szene Tommy wie am Spieß aufschreien lies und er sich kurz darauf in Malte's Schoß wiedergefunden hatte, der ihm seinen typischen Blick gab.

"Alles okay bei dir, Großer?"

Tommy lächelte peinlich berührt: "Jetzt schon."

Von der Seite konnte man erkennen wie Hannah die beiden schelmisch angrinste. Sie war glücklich, dass Malte auch noch etwas von Tommy hatte, obwohl sie zu gerne den Platz mit ihm getauscht hätte.



Beim dritten Film hatten Malte's Züge schon etwas zombieartiges angenommen und er saß auf dem Sofa wie ein Sack Kartoffeln.

Etwas was seinen, nun wieso auch immer disskutierenden, Mitbewohnern kaum auffiel, bis es nicht schon zu spät war.

Sein Ton klang beinahe zynisch: "Tommy, wann gehst du eigentlich wieder?"

"Mal sehen."

"Du freust dich doch auch, dass er noch da ist!", schmollte Hannah.

"Falsch. Ich hasse Menschen."

Hannah nickte dann nur, offensichtlich verletzt: "Ja, sieht man."

"Eeeeerrr... Leute ... dritter Film? Ich will wissen was mit Katie passiert ist!"

Malte nahm sich kraftlos einen Schluck Kaffee: "Wenn du aufgepasst hättest, wüsstest du, dass der dritte Film ein Prequel ist."

"Ich hatte halt Angst!"




Des weiteren schien Malte's Laune immer mehr und mehr den Bach runter zu gehen, desto auffälliger es wurde. Er schnaubte andauernd, saß am Handy, starrte leblos an die Decke für ganze 10 Minuten.

"Malte...", versuchte es Hannah, doch wurde sofort unterbrochen.

"WAS!? Könnt ihr mal alle weggehen, es nervt!"

"Aber wir machen das doch für dich."

"Vielleicht geht's alleine ja besser!", schnappte er beleidigt.

Tommy fühlte eine eigenartige Spannung in der Luft, die ihn anscheinend nichts anzugehen schien und versuchte panisch die Ruhe zu bewahren: "Oooh das Popkorn ist fertig... Das hebt bestimmt die Stimmung, ich bin gleich wieder da!"

"Wenn du das willst.", erwiderte Hannah verkniffen zu ihrem eigenartig nach vorne gebäugtem Gegenüber.

Irgendwie tat das alles deutlich mehr weh, als die Trennung.

"Okay... Tschau.", Malte stand abrupt auf und machte sich auf zum Flur wütend, bevor ihn die Schuldgefühle stoppten.

Was genau machte er denn da?
Der Gesichtsausdruck den Hannah gezogen hatte, als er das gesagt hatte und wie schlecht sie es verbergen konnte, waren alles andere als beruhigend.
Er war einfach zu angespannt.

Daraufhin hörte er Schritte hinter sich und war überglücklich.

"Ich wollt' dich nicht nerven...", murmelte Hannah leise.

Malte machte mentale Atem- und Beruhigungsübungen, bevor er sich zu ihr umdrehte, sie still betrachtend. Ungeschminkt und in diesem weitem T-shirt, mit vor Schüchternheit runterhängenden Armen sah sie einfach zu süß aus. Das alles war viel zu dramatisch für ihn.

Sie blieb stumm für einen Moment und sah dann gen Boden, bevor sie in einem eigenartig normalen Ton anmerkte: "Aber weißt du, wenn das alles hoffnungslos ist, kannst du das gleich sagen... Du musst mir das nicht so klar machen, indem du mich abschreckst."

Oh, dass war es also gewesen. Er hatte den ganzen Tag über das Falsche gesagt, die falschen Signale gegeben und letztendlich das gemacht was er nie machen wollte: Er hatte sie verletzt.
Was konnte er denn dafür, dass er durch seine Müdigkeit so irritabel war?

"Hannah, nein...!"

Sie sah, dass es ihm leid tat, aber es musste nicht heißen, dass er es nicht auch so wollte. Da konnte seine Verzweiflung auch nichts daran ändern. Sie würde trotzdem immer für ihn da sein.

Den Mut sammelnd, sah sie hoch in seine Augen, nun komplett davon überzeugt, dass sie sich in ihn verschossen hatte und sagte standhaft: "Und ich will nur das Beste für dich. Selbst wenn es nicht ich bin."

Und dann ging sie einfach. Sie wusste nicht vor was sie floh, ob sie gleich losheulen würde, oder zusammen mit Malte in eine depressive Episode fiel oder alles egal war, sie wusste nicht wie sie die Situation noch retten sollte.

Doch eine warme, starke Hand um ihr Handgelenk hielt sie auf, die ihr keine andere Alternative gab als sich umzudrehen und hoch zu blicken.

Sie hatte noch nie einen solchen Blick in Malte's Augen gesehen. Er hatte noch nie Jemanden so angesehen, so eigenartig liebevoll und verletzlich. Sie glitzerten und sprachen mehr als tausend Worte.

Denn er sah nicht aus, als ob er wusste, was er sagen sollte oder ob davon etwas überhaupt Sinn machte. Irgendwie schaffte er es immer etwas Falsches zu sagen. Worte waren einfach zu spitz.

Also umfasste er ihre Wange und lehnte sich nach vorne, sie in einen Kuss ziehend.

Hannah war es immer und niemand anders. Und je mehr er darüber nachdachte, desto offensichtlicher kam es ihm vor als wär er schon eine ganze Weile in sie verliebt gewesen, nur wollte er es nie realisieren, nie wahr haben. Zu groß die Angst etwas falsch zu machen.


Es war kurz, viel zu schnell, aufregend und schön um alles sofort zu verstehen, aber als sie sich nun Stirn an Stirn gelehnt ansahen, war irgendwie alles klar.

Das Herz der Blondine schlug erfreut, was nur Malte verursachen konnte, weil er sie so unglaublich niedlich anlächelte.

"Vielleicht... sollten wir zurück... ehe sich Tommy fragt, wo wir bleiben...", flüsterte sie verstohlen, ohne die Atmosphäre zu zerstören.

Ein Nicken kam zurück, die ganze Anspannung und schlechte Laune wich von ihnen und sie kehrten Hand in Hand wieder zurück auf ihrem Platz, um sich auf dem Sofa zu einander zu kuscheln.

Nein, niemand anders könnte jemals dieses Gefühl auslösen.

Malte fühlte sich, als ob er gleich platzte, aber nun wegen etwas anderem. Sollte er sich zurückhalten? Mit einem kurzen Blick in die Ferne versicherte er sich, dass Tommy noch beschäftigt war und nicht in ihrer unmittelbaren Umgebung.

Ach, ist doch alles Grütze!

"Malte.", sagte die Blondine sanft, was leichte Nostalgie vom gestrigen Tag und ein Kribbeln in der Bauchgegend in ihm auslöste.

Diesmal gehört der Moment ihnen. Es würde sich niemand dazwischen drängen oder sie aufhalten können. Hannah fühlte sich wohl Malte beobachtend, der sich mit einem sanften Ausdruck im Gesicht nach vorne beugte, eine ihrer losen Stränen zur Seite schob und seine Lippen auf ihre legte. Sobald die Augen geschlossen waren, konnte Hannah nicht atmen und wollte doch jubeln gleichzeitig. Sie umarmte ihn, ihn erfolgreich an sich schmiegend, schmolz dahin in einen langsamen, liebevollen Kuss.

"Leute, Popkorn! OHH-OHHHH-OHHH!", Tommy, der heute keine Bremsen mehr hatte war direkt in's Geschehen gestolpert und das Popkorn hatte beinahe den Boden gegrüßt.

Er konnte sein Grinsen kaum verbergen, noch mehr als er sich neben die Beiden setzte und sie weder Anzeichen davon gaben, dass er störte, noch das sie bald aufhörten sich zu küssen. Kiko hatte er noch nie vor ihnen geknutscht.

Seine besten Freunde waren endlich zusammen!

"Ihr verpasst noch die beste Stelle!", kicherte Tommy mit roten Bäckchen, ehe er Play drückte und sich wieder dem Bildschirm zuwandte.

Malte hatte mittlerweile seine Hände um ihre Wangen und vertiefte den Kuss, genüßlich seine Lippen auf den ihren bewegend, keine einzige Notiz von allem nehmend.

"Ahhh, sie spielen Bloody Mary!", rief Tommy und stopfte sich mit Popkorn voll, während seine Freunde neben ihm weiterknutschten.







Tatsächlich waren es fast über 20 Minuten gewesen, ehe die beiden Turteltäubchen endlich beschlossen sich von einander zu lösen. In Teilen, wohlbedacht. Den einzigen Kommentar den sie bekamen, war nur der, dass sie so viel verpasst hätten und paar wissende Grinser, wenn z.B Malte Hannah's Hand streichelte, derweil gedankenverloren den Bildschirm musternd.

Letztendlich war es so angenehm kuschelig und ihm so leicht auf dem Herzen, sogar der Fakt, dass er einen Horrorfilm sah, konnte ihn nicht davon abhalten auf Hannah's Schulter einzuschlafen. Und als Tommy am Ende des Films seine schlafenden Mitbewohner betrachtete, konnte er es nicht lassen ein Foto zu schießen.

"Das kommt in's Album. Glückwunsch!", flüsterte der Schwarzhaarige glücklich, bevor er die Beiden zudeckte, dass Licht losch und in sein Zimmer ging. Es würde schon alles gut werden.
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