Botucal

von Jedermann
GeschichteAbenteuer, Romanze / P16
Gin und Wodka "Männer in Schwarz" OC (Own Character) Vermouth
12.06.2019
20.01.2020
82
40389
14
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Tag 13, Samstag; Tokio

Punkt zwölf Uhr kam Baby zurück auf die Bühne. Etwa zwanzig Minuten später traf Cox mit einem Taxi ein.
Die Pause hatte Kawayeshi Baby gestrichen und ihr aufgetragen, sich in dieser Zeit mit den Gästen zu unterhalten. Großzügig dehnte sie diesen Begriff auf ihre Freundin aus, mit der sie allerdings nur ein paar Worte wechseln und ihr Andy vorstellen konnte, bevor Kawayeshi sie schon wieder finster von der Bar her anfunkelte. Jetzt in der Pause hatte Andy die Umkleidekabine wegen der anderen Tänzerinnen verlassen müssen und stand kreidebleich doch relativ aufrecht da. Cox nahm sich seiner an, während Baby wieder an die Arbeit ging.
Es stand ihr noch eine anstrengende Nacht bevor, Kawayeshi kannte da keine Gnade und wenn sie mal nicht tanzte, scheuchte er sie entweder durch die Gegend, oder er erwartete, dass sie die Leute zum Trinken animierte.
Er war wirklich sauer und obwohl sie heute nicht damit an der Reihe war, gab er den anderen eher frei und sie allein durfte der Putzfrau beim Aufräumen helfen. Das beinhaltete das Einsammeln der Gläser, Abwischen der Oberflächen und Rausbringen des Mülls.
Ihr taten mittlerweile sämtliche Knochen weh, als sie bereits ihren kleinen Rucksack auf dem Rücken trug und nur noch die Müllbeutel durch den Hinterausgang in die Gasse schleifte, in der die Tonnen standen.
Ein Bewegungsmelder ging an, als sie hinaus kam.
"Interessantes Outfit.", sagte eine raue Stimme.
Sie blickte auf und erkannte ein kleines, rotes Leuchten im Dunkeln. Dann trat der große, schwarz gekleidete Mann ins spärliche Licht.
Baby hatte mit so etwas gerechnet. In ihrer Hotpants, trug sie ein Messer mit sich, was sie da allerdings nicht allzu unauffällig raus bekam. Aber vielleicht musste sie das ja gar nicht.
"Willst du so heimfahren?"
Sie blickte an sich herab. "Gefällt es dir nicht?", fragte sie. Okay, Motorradstiefel, Hotpants und ein silbernes, knappes Glitzertop, dazu eine Motorradjacke mochten eine etwas außergewöhnliche Kombi sein, aber ihr schönes, grünes Kleid hatte dank Wodka und Andy Blutflecken abbekommen und das könnte durchaus Fragen aufwerfen.
Gin war noch näher gekommen – zu nah. Baby fühlte sich an die Wand gedrängt. Er sah sie durchdringend an. "Wir hatten heute Nacht eine Mausefalle vorbereitet.", begann er und lehnte sich über sie. "Gerade, als wir die Maus fangen wollten, kam ihr jemand zur Hilfe."
"Was genau willst du von mir.", erwiderte sie mit einer Ruhe, zu der sie sich zwingen musste.
"Der Stümper der Fume besendert hatte, hatte Hilfe von einer Frau.", sprach er nun Klartext. "Einer Frau mit einem solchen Helm und solchen Stiefeln." Er deutete auf den Helm, der an ihrem Rucksack hing und nun gegen ihre Schulter drückte. "Außerdem trug sie ein grünes Kleidchen und war recht sportlich."
"Ich versteh immer noch nicht, was das mit mir zu tun hat.", sagte sie.
"Ich glaube, du verstehst mich sehr gut." Mittlerweile flüsterte er. "Sollte sich herausstellen, dass du diese Frau bist..." Er presste eine Hand an ihre Schulter und der Rucksack glitt von der anderen.
"Ich musste arbeiten.", behauptete sie und versuchte eine Hand an ihr Messer zu bekommen. "Da hatte ich wohl kaum Zeit, irgendwelche Mausefallen zu sprengen."
Er schmunzelte. "Die Frau hat Spuren hinterlassen. Fingerabdrücke an ihren Wurfmessern und Vermouth' Pistole."
Ein Bluff. Sie hatte Motorradhandschuhe getragen. Die Pistole hatte sie natürlich nicht mitgenommen, sondern weggeworfen, als sie aufs Motorrad gesprungen war. Zwar hätte sie sie als nützlich empfunden, aber wollte sich weder von Kawayeshi, noch Cox oder sonst jemandem mit so etwas erwischen lassen. Davon mal abgesehen, kam sie ja gar nicht an Munition. Stolz hob Baby das Kinn und ihre Hand, um ihm die Zigarette aus dem Mundwinkel zu nehmen, die Asche an der Tonne neben sich abzustreichen und selbst daran zu ziehen. "Und jetzt willst du meine Fingerabdrücke?" Sie blies gemütlich den Rauch aus. "Wer spioniert hier wem hinterher?"
Seine Hand strich über ihre Schulter hinab. Oberhalb des Ellbogens packte er sie plötzlich und drückte ihr seine Lippen auf den Mund.
Baby spürte pure Erotik in sich hochkommen. Sie zögerte keinen Moment, um seinen feurigen Kuss zu erwidern. Der Rucksack mit Helm fiel zu Boden und Gin vergrub seine zweite Hand in ihrem Haar. Der Kuss dauerte eine ganze Weile an. Sie bemerkten gar nicht, wie das Licht über ihnen erlosch und kurz darauf wieder an ging.
Ein Räuspern trennte sie und beide blickten auf Kawayeshi, der empört zurück schaute. "Darüber sollten wir uns unterhalten, Baby.", sagte er ernst und ging.
Gin löste sich von ihr und sie griff sich verlegen ihren Rucksack.
"Wer war das?", fragte Gin und schaute Kawayeshi hinterher, als der die Gasse längst verlassen hatte.
"Mein Chef.", sagte sie atemlos. Grinsend wandte sie sich Gin zu. "Ich sollte dann besser mal heim gehen. Aber du kannst gern wieder kommen, wenn du Beweise hast." Damit spazierte sie auch schon davon und sah nicht mehr, dass auch er grinste. Die sollte er bald haben. Er hatte keinen Zweifel, dass sie diejenige war, auch wenn Vermouth behauptete, sie hätte keine Ahnung von dem Sender gehabt und ihr auch unmöglich folgen können.
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