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Kiki und der Elefant - Bilderbuch

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P6 / Gen
11.06.2019
11.06.2019
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3.450
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11.06.2019 3.450
 
Heute war Kiki mit ihrer Gruppe aus dem Kindergarten im Zoo. Als sie wieder zurückkommen, wartet Mama schon am Eingang und winkt von Weitem.
„Hallo mein Schatz!“ Sie nimmt Kiki auf den Arm und schwenkt sie durch die Luft. „Wie war es im Zoo?“
Kiki reibt ihre Nase an Mamas. „Gut! Und ich weiß jetzt auch, was ich mir zum Geburtstag wünsche.“
„Was wünschst du dir denn?“
Kiki sieht ihn vor sich: Groß, grau, vier Beine, ein paar Stoßzähne und einen Rüssel. „Einen Elefanten“, antwortet sie.
„Ein Elefant ist eine schöne Idee“, findet Mama und lässt sie wieder runter. Kiki nickt. Mit einem Elefanten bräuchte Mama sie ja auch gar nicht mehr in den Kindergarten zu bringen und abzuholen. Bestimmt ließe der Elefant Kiki auf sich reiten.
„Vorsicht“, ruft Mama und packt ihre Hand.
Erschrocken bleibt Kiki stehen. Beinahe wäre sie über die Straße gelaufen, ohne nach links und rechts zu sehen.
„Nicht vergessen“, mahnt Mama, „vor dem Überqueren der Straße immer erst nachschauen, dass kein Auto kommt.“
Kiki nickt. Das könnte in Zukunft ja dann auch der Elefant für sie tun. Und der könnte auch bestimmt rot von grün unterscheiden, schließlich würde Kiki es ihm ja beibringen. Zuhause angekommen überlegt sie, wo der Elefant denn wohnen könnte. Ob in der Garage Platz wäre?
Bestimmt, denkt sie. Papa könnte sein Auto ja auch auf der Straße parken. Ihr Nachbar macht das doch auch. Beim Mittagessen stochert Kiki in ihrem Essen herum. Kartoffelbrei ist zwar ihr Lieblingsessen, doch heute muss sie so viel nachdenken, dass sie beinahe das Essen vergisst.
„Hast du keinen Hunger?“, fragt Mama.
„Doch“, sagt Kiki und steckt den Löffel in den Mund. „Essen Elefanten auch Kartoffeln?“, fragt sie mit vollem Mund.
„Erst runter schlucken“, bittet Mama. Sie überlegt. „Elefanten essen jedenfalls Bananen“, weiß sie. Kikis Blick fällt auf die Obstschale. Bananen haben sie eigentlich immer, das müsste reichen. Und im Zoo hat sie gesehen, dass Elefanten ganz normales Wasser trinken. Zufrieden isst Kiki auf. Sie ist ein bisschen erleichtert, dass sie ihren Kartoffelbrei dann doch nicht teilen muss.

Den restlichen Tag verbringt Kiki, indem sie sich ihr Leben mit dem Elefanten ausmalt. Der bräuchte ja auch einen Namen. Oder hätte der schon einen, wenn Mama und Papa ihn kauften? Und könnte sie ihn Theo nennen? Oder Thea, falls es ein Mädchen wäre? Theo wäre ihr eigentlich lieber. Das muss sie gleich Mama sagen. Sie springt von ihrem Spielteppich auf und läuft ins Wohnzimmer. Mama sitzt auf dem Sofa und ließt Zeitung.
„Mama“, beginnt Kiki, „kann der Elefant Theo heißen?“
Mama sieht auf und lächelt. „Natürlich“, versichert sie. „Ich habe Papa schon gesagt, was du dir wünschst.“
Kiki freut sich.


In der Nacht kann sie nicht schlafen. Wo ist Theo denn nun? Wenn Mama Papa gesagt hat, dass Kiki sich einen Elefanten wünscht, hat Papa ihn doch bestimmt schon gekauft. Ist er wirklich in der Garage? Wie gerne würde sie aufstehen und sich aus dem Haus schleichen, um schon einmal nachzusehen. Doch das hat Mama ihr verboten.
„In der Nacht dürfen Kinder nicht raus“, hat sie gesagt und erklärt, dass böse Menschen Kinder manchmal einfach mitnehmen. Das möchte Kiki nicht, ihr gefällt es hier.
Morgen werde ich Theo ja sehen, denkt Kiki glücklich. Dann kann sie endlich einschlafen.

„Zum Geburtstag viel Glück, zum Geburtstag viel Glück, zum Geburtstag alles Gute, liebe Kiki, für dich.“
Müde öffnet Kiki die Augen. Mama und Papa stehen vor dem Bett und haben sie mit dem ganz leise gesungenen Lied geweckt. Papa setzt sich auf die Bettkante und nimmt Kiki hoch.
„Herzlichen Glückwunsch zu deinem sechsten Geburtstag, mein Schatz“, sagt er und küsst sie auf die Stirn.
Es ist Samstag und draußen schon hell. Auf dem Kuchen brennen sechs Kerzen. Kiki schafft es, sie alle mit nur einem Pusten auszublasen. Aufgeregt sieht sie sich um. Fünf Geschenke liegen auf dem Tisch, doch das größte ist nur so hoch und so lang wie ihr Unterarm. Da soll ein Elefant drin sein? Vielleicht ist das gar nicht Theo, sondern ein Babyelefant. Ganz vorsichtig, damit der Elefant sich nicht erschreckt, öffnet Kiki das Paket. Tatsächlich sieht sie einen Elefanten, doch ein richtiger ist es nicht. Er ist nur aus Stoff.
„Aber ich wollte doch einen echten Elefanten“, ruft sie enttäuscht.
Ratlos sehen ihre Eltern sich an. „Das geht nicht Kiki“, sagt Papa dann. „Elefanten darf man nicht einsperren. Die wohnen in Afrika.“
„Aber im Zoo gestern war doch einer“, sagt Kiki. Tränen steigen in ihre Augen und im Hals bildet sich ein dicker Kloß.
„Möchtest du nicht sehen, was in den anderen Päckchen drin ist?“, versucht Mama sie abzulenken.
Kiki schüttelt den Kopf. Für Theo wäre es doch so viel schöner, wenn er nicht im Zoo, sondern bei ihr leben könnte. Das sagt sie auch Papa, doch der schüttelt nur den Kopf.
„Im Zoo wird sich um ihn gekümmert. Es geht ihm gut da.“
„Bei mir ginge es ihm aber besser“, weiß Kiki. Die Vorstellung, dass Theo für immer ohne Freunde im Zoo eingesperrt ist, macht sie so traurig, dass sie nun richtig weint. Mama nimmt sie auf den Arm.
„Und wenn wir Theo besuchen?“, fragt sie. „Würdest du dich dann wieder freuen?“
Getröstet nickt Kiki.
„Aber vorher frühstücken wir noch, ja?“
Eigentlich möchte Kiki sofort los, doch da Mama und Papa das nicht wollen, isst auch sie ein Brötchen mit Honig. Nach einer Ewigkeit sind die Eltern fertig, ist Kiki gewaschen und angezogen, sind die Zähne geputzt. Mama nimmt sie lieber an die Hand. Der Verkehr ist ganz schön stark heute. Die Autos rasen von rechts nach links und von links nach rechts. Mit der Straßenbahn fahren sie in den Zoo.

„Na nu, dich kenne ich doch“, sagt der Mann an der Kasse. „Du warst doch gestern schon da.“
„Ich habe heute Geburtstag“, berichtet Kiki stolz. „Und jetzt besuchen wir Theo.“
„Alles Gute zum Geburtstag“, sagt der Mann und lächelt. „Aber wer ist Theo?“
„Mein Elefant“, erklärt Kiki. Der Mann lächelt weiter.
Mama bezahlt den Eintritt und endlich ist Kiki bei Theo. Er frisst gerade, doch Bananen sind es nicht. Es ist Heu. Im Gehege sind vier Elefanten.
Dann wird es ja gar nicht schlimm, wenn ich mir einen davon nehme, denkt Kiki. Der Wärter kommt mit einem großen Wasserschlauch. Er ist so lang, dass Kiki gar nicht sehen kann, wo er anfängt. Entschlossen geht Kiki zu dem Mann, der sie freundlich anlächelt.
„Kann Theo nicht bei mir wohnen?“, fragt sie. Der Wärter runzelt die Stirn und sieht Kiki verwirrt an. „Welchen Theo möchtest du mitnehmen?“, erkundigt er sich.
Kiki zeigt auf Theo.
Der Mann lacht. „Das geht leider nicht. Dein Theo wohnt hier, der ist hier zuhause. Du würdest ihn traurig machen, wenn du ihn von den anderen trennst.“
Zweifelnd schaut Kiki ihn an. Er sieht, dass Kiki nicht so leicht zu überzeugen ist.
„Möchtest du denn von deiner Familie weg?“ fragt der Mann.
„Nein“, sagt Kiki. „Aber Theo ist doch schon groß.“ Sie läuft zum Gehege und beobachtet Theo. Man müsste ihn mal fragen, ob er lieber im Zoo oder bei ihr wohnen möchte. Nur leider kann Theo nicht sprechen.
Mama ist unbemerkt hinter Kiki getreten. „Wir können Theo doch häufiger besuchen, was meinst du?“, schlägt sie Kiki vor.
„Au ja!“, freut sie sich.

Ihre Eltern gehen noch zu den Raubtieren. Bei den langen Zähnen der Leoparden, Löwen, Tiger und Geparden fühlt sich Kiki etwas beklommen. Sie ist froh, dass die Tiere eingesperrt sind. Theo ist das sicher auch lieber.
„Fressen Raubtiere auch Elefanten?“, möchte Kiki wissen.
Papa seufzt. „Was du alles wissen möchtest“, sagt er nur. Als sie an der Kasse vorbei zum Ausgang gehen, sieht Kiki etwas, das ihr Herz schneller schlagen lässt. Ein Buch über Elefanten!
„Mami, kann ich das haben?“, bettelt sie. Mama nimmt das Buch in die Hand.
„Das ist ein Bildband, Kiki, das können wir wirklich nicht bezahlen“, antwortet sie. Das Buch ist in Folie eingeschweißt, so dass Kiki es nicht einmal aufschlagen kann.

Als die Familie wieder zuhause ist, packt Kiki doch noch die anderen Päckchen aus. Neben dem Stoffelefanten hat sie noch eine Kette, eine Puppe und Kleidchen für die Puppe bekommen. Kiki freut sich. Am Nachmittag kommen Anja und Katie zum Spielen und es gibt noch einmal Kuchen. Anja schenkt Kiki ein Bilderbuch über die Feuerwehr und von Katie bekommt Kiki eine Haarspange, die wie ein Schmetterling aussieht. Dann spielen sie noch Topfschlagen und Blinde Kuh.

„Das war doch ein schöner Tag, oder?“, fragt Papa.
„Sehr“, stimmt Kiki zu. Am liebsten hätte sie jeden Tag Geburtstag. Obwohl es schon beinahe 22 Uhr ist, ist Kiki noch wach. Heute haben ihre Eltern erlaubt, dass sie erst schlafen muss, wenn sie müde ist. Da Mama und Papa müder als Kiki sind, gehen sie bald ins Bett. Auch Kiki zieht ihren Schlafanzug an und schlüpft unter die Decke. Auf dem Schlafanzug sind Giraffen und doch kann sie nur an Theo denken. Wenn es doch nur möglich wäre ihn zu fragen, ob er gerne bei ihr wäre oder nicht. Unruhig wälzt sie sich in ihrem Bett und sieht ihren Plüschelefanten an. Kurz entschlossen steht Kiki auf. Sie muss sich Klarheit verschaffen!
Leise, leise, damit Mama und Papa nur ja nichts hören, schleicht sie sich auf Zehenspitzen aus dem Zimmer. In der Garderobe streift sie die Sandalen über die nackten Füße und öffnet die Haustür.

Der Weg in den Zoo dauert gar nicht so lange, wie Kiki dachte. Ratlos steht sie vor dem verschlossenen Tor. Wie kann sie in den Zoo zu Theo kommen? Langsam geht sie an der Mauer entlang, bis sie einen schmalen Spalt sieht. Weil Kiki noch klein ist, passt sie ohne Probleme hindurch. Den Weg zum Gehege der Elefanten findet sie sofort. Kikis Herz schlägt so stark, dass ihre Knie zittern. Theo ist im Elefantenhaus. Es fällt Kiki leicht, die Absperrung zu überwinden.
„Theo“, ruft sie. Erst leise und schüchtern, dann etwas lauter: „Theo!“
Theo dreht sich um und sieht Kiki an. Er lächelt.
„Du bist Kiki. Ich habe gehört, wie du vorhin über mich gesprochen hast.“ Nun drehen sich auch die anderen drei Elefanten um.
„Der Theo gehört aber zu unserer Familie. Den darfst du nicht behalten.“
Kiki nickt traurig. Am liebsten würde sie nun nach Hause gehen, sich unter der Bettdecke verstecken und weinen.
„Sei nicht traurig“, tröstet Theo. „Nur weil ich hier wohne bedeutet das doch nicht, dass wir nichts miteinander unternehmen können.“ Langsam hebt Kiki den Kopf.
„Du meinst...“, beginnt sie und nun fängt ihr Herz an, heftig zu klopfen. Vor Freude kann sie ihren Satz nicht beenden, doch Theo scheint zu wissen, was Kiki sagen möchte.
„Wir könnten raus gehen und du zeigst mir, wo du wohnst“, schlägt er vor. Die drei anderen wünschen ihnen viel Spaß und Theo und Kiki gehen an eine dichte Hecke.
„Hier kommt man ganz gut raus“, verrät Theo. „Mit meinen Stoßzähnen ist es nicht schwierig, die Blätter zur Seite zu schieben.“ Er bahnt eine breite Schneise durch die Hecke. In seinem Schutz gelingt es Kiki, ohne Kratzer auf die andere Seite des Elefantengeheges zu gelangen.
„Darf ich denn auf dir reiten?“, fragt sie schüchtern.
Theo antwortet gar nicht erst, sondern schlingt ganz behutsam und vorsichtig seinen Rüssel um Kiki und setzt sie auf seinen Rücken.
Von hier oben sieht es gleich ganz anders aus als auf dem Boden, merkt Kiki. In der Nacht fühlt sie sich auf dem Rücken besonders sicher und wohl. Wie schön warm und runzlig seine Haut ist!
Kiki legt sich bäuchlings hin und beobachtet durch Theos Ohren ein Eichhörnchen, das im Geäst eines Kirschbaumes verschwindet.
„Vorsicht“, ruft Kiki leise. Gerade eben hat sie ein merkwürdiges Geräusch vernommen.
„Das ist Lukas, der Nachtwärter“, flüstert Theo. Schnell verstecken sie sich hinter dem Kirschbaum. Lukas pfeift ein Lied, das Kiki nicht kennt. Es klingt so lustig, dass sie fast lachen muss. Doch um sich nicht zu verraten, presst sie zur Sicherheit beide Hände vor den Mund. Auch Theo kichert nun.
„Lukas ist sehr musikalisch“, flüstert er Kiki zu.
Endlich ist der Wärter weiter gegangen, ohne den elefantengroßen Schatten bemerkt zu haben.
„Schade, dass es zur Zeit keine Kirschen gibt“, seufzt Theo. „Sonst hätten wir dem Wärter heimlich ganz viele rote Flecken auf seinen Overall machen können.“
„Ja, das wäre schön gewesen“, stimmt ihm Kiki zu und erinnert sich sehnsüchtig an den Geschmack frischer Kirschen. „Aber zuhause haben wir Kirschmarmelade“, fällt ihr plötzlich ein.
„Marmelade?“, fragt Theo verwirrt. „Was ist denn das?“
Kiki staunt. Dass Theo Marmelade nicht kennt, verwundert sie zutiefst.
„Es ist süß und schmeckt nach Obst und man schmiert es auf Brot“, erklärt Kiki. „Und Kirschmarmelade schmeckt nach Kirschen.“ Kiki merkt, dass Theos Interesse geweckt ist.
„Wo wohnst du eigentlich?“, möchte er wissen. Mittlerweile sind sie an der Außenmauer des Zoos angelangt. Die Mauer ist eigentlich zu hoch für Theo. Kiki ist ratlos.
„Halte dich mal ganz fest an meinen Ohren fest“, weist Theo Kiki an.
Kiki ahnt, was Theo plant. Ein bisschen mulmig wird ihr dabei, doch sie vertraut ihrem neuen, großen Freund. Nur die Augen, die kneift sie doch lieber fest zusammen. Schon setzt Theo zu einem gewaltigen Sprung an und Kiki fliegt durch die Luft. Sie jauchzt vor Vergnügen und Theo lacht.
„Jetzt müssen wir nach da“, sagt Kiki und deutet nach rechts.
„Nach wo?“, fragt Theo. Da er auf dem Kopf keine Augen hat, kann er nicht sehen, wohin Kiki deutet.
„Da, wo ich klopfe“, sagt Kiki und stößt mit der Sandale sacht an die rechte Seite.
„Das ist rechts“, sagt Theo und biegt in die Allee ein.

Die kleine Stadt, in der Theo und Kiki wohnen, ist vollkommen ruhig. Kein Mensch ist unterwegs, der sich darüber wundern könnte, dass ein Elefant mit einem kleinen Mädchen nachts spazieren geht. Sie gehen zum Haus von Kikis Eltern. Weil Theo sie nicht sieht, kann sich Kiki zum ersten Mal merken, wo rechts und wo links ist. Immer wenn sie klopft, wiederholt sie die Seiten laut. Erst rechts, dann zweimal links und geradeaus. Nach kurzer Zeit biegen sie in die Straße ein.
„Da“, sagt Kiki. „Dieses Haus links.“
„Wo ist denn nun die Marmelade?“, fragt Theo neugierig.
„Lass mich runter“, bittet Kiki.
Theo schlingt seinen Rüssel erneut sacht um sie und stellt sie auf die Straße. Die Wohnungstür ist noch angelehnt und leise schleicht Kiki zum Kühlschrank. Aus dem Geschirrschrank nimmt sie einen kleinen Teelöffel, bis ihr einfällt, dass Theo mit seinem Rüssel ja keinen Löffel benötigt. Der ist nämlich viel länger als so ein kleiner Löffel. Wirklich praktisch ist das!
Sie schraubt den Deckel ab und schleicht wieder hinaus. Theo wartet schon und tritt ungeduldig mit den vier Füßen auf und ab.
„Oh, das riecht aber toll“, sagt er aufgeregt und steckt seinen Rüssel in das Glas. Es schmeckt ihm hervorragend. Kiki nimmt ihm das Glas wieder weg und stellt es in den Kühlschrank zurück. Dann setzt Theo sie wieder auf den Rücken und sie nähern sich dem Waldrand.

Dräuende Schwärze empfängt die Beiden. Die Dunkelheit ist so dicht, dass sie wie eine Wand wirkt. Aber Kiki ist mutig!
Mit Theo zusammen hat sie keine Angst. Außerdem weiß sie, dass ihre Augen sich an die Dunkelheit gewöhnen werden, sobald die letzten Eindrücke der Straßenlaterne verschwunden sind. Aufgeregt schwingt Theo seinen Rüssel nach oben.
„Ich war noch nie in einem Wald“, freut er sich. Seine vier Füße gehen beinahe unhörbar über herabgefallenes Laub und am Boden liegende Ästchen. Nur manchmal knackt es ein bisschen. Kiki hält den Atem an, um noch besser hören zu können.
„Schuhuu“, hört sie. „Schuhuu.“
„Ein Uhu“, sagt Kiki und lächelt. Vor Theos Füßen raschelt es und erschrocken springt er zur Seite. Beinahe wäre Kiki von seinem Rücken gerutscht, doch im letzten Moment gelingt es ihr, sich an seinen Ohren festzuhalten. Bevor sie sich beschweren kann, sieht sie den Hasen, der mit weiten Sprüngen im Unterholz verschwindet. Eine Eule mit glühenden Augen ist ihm auf der Spur, kann ihn jedoch nicht mehr finden.
„Sie hat Hunger“, glaubt Theo.
Kikis Nachbarin hat einen Hasen. Er ist noch ein Baby und heißt Murmel. Kiki hofft, dass die Eule einen Hasen findet, der nicht mehr lebt. Sie möchte nicht, dass die Eule hungrig bleibt, aber sie möchte auch nicht, dass ein Hase durch den Hunger der Eule getötet wird.
„Pass doch auf“, hört Kiki plötzlich eine wütende Stimme. Theo und sie drehen ihren Kopf auf die linke Seite, von wo die Stimme gekommen ist. Es ist ein Eichhörnchen, das Theo und Kiki vorwurfsvoll ansieht.
„Wwwie? Wwwas?“, stottert Theo überrascht.
„Beinahe hättest du mit deinem Kopf mein Baby vom Baum geschüttelt“, schimpft die Eichhörnchenmutter.
„Das... das tut mir aber leid“, beteuert Theo und sieht das Eichhörnchen zerknirscht an. Nun lächelt die Mutter.
„Ist ja auch nicht so einfach, als Elefant im Wald“, sagt sie. „Wie kommt ihr beiden denn hierher? Ich dachte immer, Elefanten lebten in Zoologischen Gärten.“ Neugierig sieht sie Theo an.
„Kiki und ich wollten spazieren gehen“, erklärt Theo, „und da haben wir uns einfach heimlich raus geschlichen.“
Kiki nickt zustimmend. „Und ich habe mich heimlich aus der Wohnung meiner Eltern geschlichen“, sagt Kiki. Sie ist stolz auf ihren Mut.
Das Eichhörnchen sieht Kiki skeptisch an. „Und wenn deine Eltern aufwachen und merken, dass du nicht da bist? Die machen sich doch bestimmt große Sorgen um dich.“
Kiki beißt sich auf die Unterlippe. Daran hat sie gar nicht gedacht. Unruhig rutscht sie auf Theos Rücken herum. Ihr ist richtig unbehaglich geworden.
„Schauen deine Eltern denn nachts in dein Bett?“, fragt Theo erstaunt.
„Eigentlich nicht“, antwortet Kiki grübelnd. Nun ist ihr wohler zumute. Nur diese eine Nacht möchte sie mit Theo zusammen sein. Das erklärt sie auch dem Eichhörnchen.
„Wenn meine Eltern mir schon keinen Elefanten schenken, dann möchte ich wenigstens bei Theo sein“, sagt sie trotzig.
„Wie heißt du eigentlich?“, fragt Theo das Eichhörnchen.
„Ludmilla“, antwortet das Eichhörnchen und lächelt. „Und ihr?“
„Ich bin Kiki und das ist der Theo“, sagt Kiki schnell, um Ludmilla abzulenken. „Hast du vorhin gesehen, wie die Eule den Hasen gejagt hat?“
Ludmilla nickt. „Das ist Walburga. Sie erwischt selten einen Hasen und Maxi schon gar nicht, der entkommt ihr immer.“
Kiki lacht.
„Was ist daran bitte witzig?“, kommt eine krächzende Stimme von der rechten Seite. Kiki wendet den Kopf und sieht die Eule.
„Du bist Walburga?“, fragt sie überrascht.
Die Eule nickt. Sie versucht, majestätisch auszusehen, doch sie ist schon alt und zittert leicht.
„Unsereins muss doch auch irgendwie überleben“, findet Walburga.
Nun bereut Kiki, dass sie gelacht hat. Sie empfindet Mitleid mit der alten, hungrigen Eule. Aber helfen können Theo und Kiki ihr leider auch nicht. Als ein verschlafenes Eichhörnchenkind nach Ludmilla ruft, verabschiedet sie sich von Kiki und Theo.

Gemütlich setzen die beiden Abenteurer ihren Weg fort, doch Kiki spürt, dass sie müde wird. Auch Theo spürt, dass seine Lider und Glieder immer schwerer werden und so schlagen sie langsam den Weg zu Kikis Haus ein.
„Hoffentlich hat Lukas nichts bemerkt“, murmelt Theo.
„Hoffentlich haben meine Eltern nichts bemerkt“, murmelt Kiki.
Behutsam nimmt Theo Kiki von seinem Rücken und setzt sie in Kikis Vorgarten ab. Weil Theo so müde ist bemerkt er gar nicht, dass er Kiki nicht auf den Boden, sondern in die untersten Äste der kleinen Tanne gesetzt hat. Kopfschüttelnd klettert Kiki hinunter.
„Und du möchtest wirklich nicht bei uns in der Garage wohnen? Ich kann sie dir mal zeigen, vielleicht gefällt -“, beginnt sie, doch Theo unterbricht sie.
„Ich gehöre zu meiner Familie und du zu deiner. Aber spazieren gehe ich gerne wieder mit dir.“
Kiki freut sich. Sie umarmt fest sein linkes Vorderbein und Theo schlingt gerührt seinen Rüssel um Kikis Taille. Dann dreht er sich um und keine Minute später ist der breite Elefantenpo um die nächste Straßenecke verschwunden. Kiki gähnt und schleicht sich leise ins Haus zurück. In der Garderobe zieht sie die Sandalen aus. Dann kuschelt sie sich in ihr Bett. Das war der schönste Geburtstag, den sie je hatte. Theo, denkt Kiki, mein neuer Freund. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht schläft sie schließlich ein.

„Seltsam“, murmelt Mama und sieht ungläubig in das Glas mit der Kirschmarmelade.
„Was ist denn?“, fragt Kiki unschuldig.
„Ich könnte schwören, dass da gestern noch gut die Hälfte mehr drin war“, sagt Mama und seufzt. „Da müssen wir später noch einkaufen gehen.“
„Aber erst besuchen wir Theo“, beharrt Kiki und Mama nickt.
Als sie am Elefantengehege ankommen, steht Theo gelassen am Wasserbehälter und trinkt. Doch als er Kiki bemerkt, sieht er sie an.
„Ich glaube auch, dass Theo sich hier wohler fühlt“, sagt Kiki zu Mama.
Theo kommt näher und zwinkert Kiki zu. Sie lächelt. Heute Nacht werden sie sich wieder sehen. Kiki zwinkert zurück und geht mit Mama einkaufen. Natürlich Kirschmarmelade, was denn sonst?

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Mit sehr schön gezeichneten Bildern könnt ihr euch die Geschichte auch auf Youtube von mir anhören:
https://www.youtube.com/watch?v=l105PP9z2CY
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