Ein Freund, treuer als der goldenste Hund

GeschichteAllgemein / P12
11.06.2019
15.07.2019
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15.07.2019 625
 
Die Neuigkeit, dass Sirius Black mit Remus Lupin zusammen war, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Die beiden kassierten ungläubige und oft auch abweisende Blicke, aber all ihre Freunde standen hinter ihnen und so ignorierten sie das einfach.
Eine Woche verging und so langsam nahmen die meisten Schüler ihre Beziehung einfach hin. Einige freuten sich, dass die beiden so glücklich miteinander schienen, andere meinten, dass es sowieso nicht lange halten würde.
Allerdings gingen diese Gespräche den beiden recht herzlich am Arsch vorbei und ich war ganz froh darüber. Im Gegensatz zu ihnen hörte ich den Gesprächen nämlich zu und was dort gesagt wurde, war echt mies. Natürlich erzählte ich ihnen nichts davon. Generell sprach ich in dieser Woche wenig. Aber es fiel niemandem auf.
Die seltsamsten Gefühle rumorten in meinem Magen und ich wusste sie zwar zu deuten, aber ich wollte einfach nur, dass sie verschwanden.
"Moe? Kommst du?", fragte Remus mich und riss mich somit aus meinen Gedanken.
"Ja, sofort." Heute war Vollmond. Der letzte, den wir in Hogwarts erleben würden.
Zu fünft machten wir uns also auf den Weg aus dem Schloss. Remus wurde noch vor der Peitschenden Weide unruhig und plötzlich tauchte der Mond auf. Wir waren zum Glück gesteisgegenwärtig genug um uns in unsere Animagus-Gestalten zu verwandeln. Sirius wurde zu einem großen braunen Hund, James zu einem Hirsch, Peter zu einer kleinen Ratte und ich zu einem Golden Retriever. Remus hatte mal gesagt, das sei einer der treuesten Hunde und ich schien ihm ziemlich ähnlich zu sein. Ehrlich gesagt war ich mir da nicht so sicher, aber naja.
Remus wand sich in Qualen auf dem Boden, während seine Knochen unschön knackten und ihm am ganzen Körper Fell spross. Dann stand plötzlich ein ausgewachsener Werwolf vor uns, dessen Augen noch mordlustiger funkelten als sonst. Sein Blick richtete sich auf Sirius und ich bellte ihm einen lauten Warnruf zu. Er schien sofort zu verstehen, denn er machte auf dem Absatz kehrt und rannte in den Wald hinein. Remus folgte ihn augenblicklich. James stellte sich ihm in den Weg, wurde aber mit einem einzigen Tatzenhieb fortgeschleudert. Ich hechtete schnell zu dem Hirsch, der ächzend im Gras lag und verwandelte mich zurück.
"Peter!", rief ich leise. "Peter!"
Kurz darauf tauchte der kleine pummelige Junge neben uns auf.
"Bring James in den Krankenflügel und komm nicht zurück. Irgendetwas stimmt heute nicht mit ihm", sagte ich und sah Remus nach. Peter nickte nur und half James auf. Dem Schwarzhaarigen schien es nicht besonders schlecht zu gehen, er war wohl nur ein wenig benommen. Ich nahm wieder meine Animagus-Gestalt an und rannte der Spur des Werwolfs nach.
Die Nacht neigte sich bereits ihrem Ende, als ich sie endlich fand. Remus stand über Sirius, fletschte die Zähne und knurrte den verängstigten Hund an. Ich sprang auf ihn zu und biss ihn in den Schwanz. Jaulend ließ Remus von Sirius ab, der sofort die Gelegenheit zur Flucht nutzte, und stürzte sich auf mich. In diesem Moment fiel mir auf, dass ich zu erschöpft war, um noch lange wegzulaufen. Trotzdem hetzte ich noch so weit wie ich konnte - weg von Sirius und allem, dem ein Werwolf schaden konnte.
Und dann spürte ich seine Zähne in meinem Fleisch. Er riss mir das Fell vom Körper und die Gedärme aus dem Leib. Seine Zähne legten sich beinahe liebevoll um meinen Hals und das einzige, an das ich dachte, war: Werde ich jetzt wirklich von dem Menschen getötet, der mir als einziger geblieben ist? Soll das mein Ende sein? Ich sah ihm in die Augen, die nicht die seinen waren. So viel Hass stand in ihnen, dass ich lieber die Augen schloss, als weiter hinein zu sehen.
Und dann biss er zu.
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