Ein Freund, treuer als der goldenste Hund

GeschichteAllgemein / P12
11.06.2019
15.07.2019
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13.07.2019 448
 
Das mulmige Gefühl verschwand leider nicht. Allerdings konnte ich mich wunderbar davon ablenken, indem ich abwechselnd Remus und Sirius versuchte, dazu zu bringen, dem jeweils anderen endlich seine Gefühle zu gestehen. War nur leider nicht so leicht. Remus sagte sich immer wieder, dass Sirius kein Interesse an ihm hatte, während Sirius vor irgendetwas Angst zu haben schien.
"Ich hab keine Angst!", fauchte er mich mal wieder an, als ich ihn darauf ansprach.
"Wenn du keine Angst hast, warum sagst du es ihm nicht einfach?", fragte ich völlig gelassen weiter, obwohl ich ihn am liebsten aus dem Fenster geschmissen hätte.
Sirius schien mit sich zu ringen und dann sah er mich aus leidgetränken Augen an und rückte endlich mit der Sprache heraus. "Was ist, wenn meine Gefühle nicht stark genug sind? Wenn ich Remus irgendwann genauso schrecklich behandle wie die ganzen Mädchen? Ich will ja mit ihm zusammen sein, aber ich bin kein Mensch für lange Beziehungen. Und ich will unsere wunderbare Freundschaft nicht für ein par schöne Stunden eintauschen, bevor er mich für den Rest unseres Lebens hasst."
Ich musste eine Weile überlegen, bis mir darauf eine Antwort einfiel. "Aber vielleicht wird auch alles gar nicht so schlimm, wie du es dir vorstellst. Vielleicht bist du kein Beziehungsmensch, aber du kannst lernen, wie so was funktioniert."
Sirius sah mich zweifelnd an. "Glaubst du?"
Ich zuckte mit den Schultern. "Es gibt nur eine Möglichkeit, es herauszufinden."

An diesem Abend bat ich Remus, mir etwas zu essen aus der Küche zu holen. Sirius würde auf dem Weg dorthin auf ihn warten. Da die Nachtruhe kurz bevor stand, war es unwahrscheinlich, dass sie von irgendeinem Schüler gestört wurden. Außerdem kannte ich die Gewohnheiten von Filch und wusste demnach, dass er momentan in einem anderen Schlossteil sein Unwesen trieb.
Und so wartete ich wie auf glühenden Kohlen, dass sie wieder zurückkamen. In dieser Zeit machte ich meine kompletten Hausaufgaben für die nächste Woche, schrieb ein paar Briefe - zum Beispiel an meinen Bruder, auch wenn er das noch nicht verstand. Ich vermisste ihn oft und dachte in ruhigen Momenten darüber nach, ob es ihm in seiner neuen Familie gut ging. Der Zustand unserer Mutter hatte sich leider verschlechtert und auch das machte mir unheimliche Sorgen.

Es war schon spät, als sich Remus und Sirius in den Gemeinschaftsraum und dann in den Jungenschlafsaal schlichen. Sie hatten einen glücklichen Ausdruck im Gesicht und hielten sich an den Händen, als würde sie gleich jemand auseinander reisen wollen. Ich hatte mich hinter einem Sessel versteckt und mir wurde mit einem stechenden Schmerz im Herzen und einer niederschmeternden Gewissheit bewusst, wie einsam ich doch war.
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