Die Abenteuer der Familie Griffin in der Wildnis

von SilEn
GeschichteAbenteuer, Romanze / P18 Slash
Clarke Griffin Dr. Abigail "Abby" Griffin Lexa
10.06.2019
30.12.2019
45
56.611
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02.07.2019 1.097
 
8

Erschrocken sah Lexa zu ihrem Erdkundelehrer, der sie wütend anstarrte. „Es tut mir aufrichtig leid, Mr. Pike. Mir geht es nicht besonders gut. Dürfte ich bitte kurz zu den Waschräumen gehen?“

„Wenn Sie zurückkommen holen Sie sich unaufgefordert Ihre Strafarbeit bei mir ab. In meinem Unterricht wird aufgepasst und es ist mir völlig egal mit welchen Ausreden Sie versuchen sich heraus zu reden. Verstanden?“, blaffte der Lehrer Lexa an, die daraufhin leicht nickte.

„Verstanden Sir“, erwiderte sie krächzend, ehe sie zügig und still den Klassenraum verließ.

Kaum hatte sie den Klassenraum verlassen, lehnte sie sich schwer atmend an die Wand und versuchte verzweifelt sich selbst zu beruhigen. Das funktionierte jedoch nicht, so dass sie nach kurzer Zeit bereits am ganzen Körper zitterte. Sie wusste einfach nicht, wie sie damit umgehen sollte, dass sie keinerlei Ahnung hatte, wie es Clarke ging.
Was, wenn ihre Lunge mittlerweile komplett aufgegeben hatte? Oder wenn ihre Familie in einer Nacht- und Nebelaktion weggezogen war? Und die schlimmste Frage, die sie innerlich beinahe auffraß war: Was, wenn sie Clarke nie wieder sehen würde? Zittrig wischte sie sich die stummen Zeugen ihrer Angst aus dem Gesicht und begab sich endlich zum Waschraum. Doch selbst das kalte Wasser in ihrem Gesicht konnte sie nicht beruhigen.
Und niemand war da, mit dem sie reden konnte. Sie selbst hatte ihre große Schwester komplett belogen, so dass Anya immer noch dachte Clarke wäre bei Lexa. Und Clarke hatte sie ja auch in dem Glauben gelassen, dass Anya für sie da wäre. Doch innerhalb von drei Tagen waren die beiden wichtigsten Frauen aus ihrer Nähe verschwunden. Plötzlich verspürte Lexa eine unbändige Wut als sie sich selbst im Spiegel in die Augen sah.
Sie war selbst daran schuld, dass sie wieder alleine war. Mit aller Kraft schlug sie die Person im Spiegel und erst als sie den Schmerz an ihren Knöcheln und das Splittern des Glases hörte, kam sie langsam zurück in die Wirklichkeit. Sie wusste nicht, wie sie es jemals schaffen sollte, aber es blieb ihr keine andere Möglichkeit, als die Situation so wie sie war zu akzeptieren.
Energisch wusch sie das Blut von ihren Knöcheln und als ein scharfer Schmerz sie durchzuckte, grinste sie breit und rieb kurzfristig noch fester über die schmerzenden Knöchel. Durch den Schmerz in ihren Knöcheln hatte sie für eine Sekunde den sehr viel stärkeren Schmerz in ihrem Herzen vergessen. Anschließend wickelte sie ein Papierhandtuch um ihre Hand und verließ den Raum.
Bevor sie jedoch zurück zu ihrem Klassenraum kam, wurde sie aus einem der anderen Räume angesprochen. Irritiert hob sie den Blick und bemerkte ihre Biologielehrerin Indra Trikru, die in einem leeren Klassenzimmer saß und Klausuren korrigierte. Das heißt, sie hatte Klausuren korrigiert bis zu dem Moment als sie Lexa vorbeischleichen sah.
Selbst die Lehrerin wusste nicht, was mit ihrer besten Schülerin und deren Geschwistern los war. Allerdings hatte sie davon erfahren, dass Clarke wegen schwerwiegender Lungenschäden im Krankenhaus lag. Doch was genau das für Clarke, ihre Familie und vor allem für Lexa bedeutete, dass wusste sie auch nicht. Sie wusste nur, dass diese äußerst intelligente Blondine der erste Mensch in all den Jahren war, der Lexa aus ihrem Schneckenhaus locken konnte.
Und genau darum sorgte sie sich jetzt. Sie wusste, dass Clarkes Mutter eine außergewöhnliche Ärztin war und sich aufopferungsvoll um das Wohl ihrer Tochter sorgen würde. Doch ebenso wusste sie, dass Lexa keine Mutter hatte, die sie in dieser Situation auffangen würde. Auch wenn es unangebracht war, da Lexa schließlich nur eine ihrer Schülerinnen war, sie sorgte sich um die verschlossene Brünette beinahe so sehr, wie um ihre eigene Tochter.

„Komm rein Lexa. Und schließ bitte die Tür hinter dir.“ Auch wenn es sehr ungewohnt war, so fühlte es sich doch richtig an Lexa in diesem Moment zu duzen. Als sie das Papierhandtuch um Lexas Hand sah, seufzte sie kurz und stand dann langsam auf. „Vielleicht gehen wir doch besser zum Sanitätszimmer.“ Kameradschaftlich legte sie Lexa ihre Hand auf die Schulter und schob sie aus dem Raum.

Als sie im Sanitätszimmer ankamen und Miss Trikru vorsichtig die Hand untersuchte, hatte Lexa plötzlich das Gefühl etwas sagen zu müssen. „Ich habe niemand anderen geschlagen. Es war der Spiegel im Bad. Bitte sagen sie meiner Schwester nichts davon. Sie hat es verdient, sich ein eigenes Leben aufbauen zu dürfen. Ohne sich immer wieder um mich sorgen zu müssen. Ich werde mir noch heute Nachmittag einen Job suchen um den Schaden zu bezahlen.“

Freundlich lächelnd winkte die Lehrerin ab. „Jeder Spiegel in jedem Sanitärraum dieser Schule hat Risse, Sprünge oder sonstige Makel. Vielleicht macht der alte Jaha ja jetzt endlich mal ein wenig Geld locker um neue Spiegel zu kaufen. Wenn er allerdings jemanden findet, der diesen einen Spiegel ersetzt, dann wird er garantiert weiterhin auf seinem Geld hocken, wie eine alte Glucke.“

Überrascht starrte Lexa ihre Lehrerin an. Die sonst so harten Züge in dem dunklen Gesicht wirkten plötzlich weich und freundlich. War das womöglich sogar ein Lächeln, das sich kaum merklich versuchte an die Oberfläche zu kämpfen? Lexa jedenfalls konnte sich ein vorsichtiges Lächeln nicht verkneifen, als sie hörte wie diese stets mürrische Person über den Direktor der Schule sprach. „War das etwa ein Scherz Miss Trikru?“

Diesmal konnte die Lehrerin ihr Lächeln wirklich nicht länger verbergen, als sie vorsichtig eine desinfizierende Salbe auf Lexas Knöchel auftrug. „Nein, ich habe nur die Wahrheit gesagt.“

„Ich würde Ihrem Vorschlag nur allzu gerne folgen, Miss Trikru. Aber wie kann ich das dann erklären?“, nickte Lexa zögerlich auf ihre Hand deutend.

Still betrachtete die Lehrerin Lexas Hand, ehe sie vorsichtig begann die Wunden mit einem lockeren Verband abzudecken. „Vielleicht war es ja ein kleiner Unfall beim Kickboxen? Immerhin machst du das noch nicht so lange, da ist das Verletzungsrisiko noch ein wenig höher.“

Irritiert schüttelte Lexa den Kopf. „Ich war noch nie beim Kickboxen. Diesen Körper habe ich mir durch Kalorienzählen und stundenlange Spaziergänge geschaffen. Bevor ich Clarke kannte, waren das etwa zehn bis fünfzehn Kilometer täglich an Schultagen und zwanzig bis dreißig Kilometer, wenn keine Schule war.“ Der Gedanke an Clarke löste einen fiesen Schmerz in Lexas Eingeweiden aus, so dass sie sich tatsächlich kurz krümmte und die Hand auf ihren Bauch presste. „Ich werde das Gefühl nicht los, dass ich bald wieder zu viel Zeit zum Spazierengehen habe.“

Lexas verzweifelter Blick traf die Lehrerin, doch die schüttelte sofort ihren Kopf. „Ich weiß leider auch nicht viel. Mir hat auch niemand etwas gesagt. Und das, obwohl ich eure Klassenlehrerin bin. Allerdings habe ich selbst etwas nachgeforscht. Clarke war nur eine einzige Nacht im Krankenhaus. Sie wurde am nächsten Morgen schon wieder entlassen.“
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