Die Abenteuer der Familie Griffin in der Wildnis

von SilEn
GeschichteAbenteuer, Romanze / P18 Slash
Clarke Griffin Dr. Abigail "Abby" Griffin Lexa
10.06.2019
06.12.2019
40
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„Clarke mein Schätzchen. Wach auf.“ Immer noch tief in einer Welt aus Watte gefangen spürte Clarke dennoch, wie ihr sanfte Finger die Haare aus dem Gesicht strichen und ihr liebevoll über den Kopf streichelten. Die Stimme die sie hörte kam ihr so bekannt vor, aber sie passte nicht zu den waldgrünen Augen, die sie so besorgt ansahen.

Als sich die Watte um sie herum immer weiter verflüchtigte, konnte sie das Lächeln erkennen, welches zu dem Gesicht mit den grünen Augen gehörte. Automatisch lächelte sie zurück. Sie wusste instinktiv, dass sie nichts zu befürchten hatte und beschützt wurde. Doch als der Nebel um sie herum noch weiter nachließ, verblasste auch das Lächeln vor ihr und plötzlich wurde ihr unheimlich kalt.
Panisch versuchte sie ihre Hand auszustrecken um das Lächeln und diese Augen festhalten zu können, doch alles um sie herum wurde durchscheinend wie Rauch. Endlich fiel ihr der Name zu diesen Augen ein. „Lexa!“, keuchte sie kraftlos als die Welt aus Watte endgültig zerfiel und sie quälend langsam ihre Augen öffnete. Die grelle Neonröhre an der Decke jagte einen fiesen Schmerz durch ihre Sehnerven, so dass sie ihre Augen sofort wieder zukniff.

„Da bist du ja wieder mein Schatz. Du hast uns einen unglaublichen Schrecken eingejagt. Wir hatten riesige Angst, dass wir dich verlieren. Aber jetzt bist du endlich wieder stabil. Ich werde nicht zulassen, dass dir so etwas nochmal passiert mein Schatz. Daddy und ich werden alles tun um dich zu beschützen. Jetzt wo es dir langsam etwas besser geht, können wir alles für die Abreise fertig machen. Wir haben eine wunderschöne Gegend gefunden, in der du ganz normal atmen kannst. Und dort werden wir hinziehen. Es wird dir ganz bestimmt gefallen dort.“
Clarke runzelte verwirrt die Stirn. Wenn es eine so schöne Gegend war, warum sah sie dann eine Träne an der Wange ihrer Mutter hinablaufen? Oder war das ein Zeichen von Erleichterung? Hatte es wirklich so schlecht um Clarke gestanden, wie ihre Mutter behauptete?

Müde und immer noch leicht verwirrt sah Clarke sich langsam in dem Raum um. Sie konnte sich nicht helfen, aber der Raum sah anders aus, als vorher. Die Gardinen an den Fenstern hatten einen anderen Gelbton als in ihrer Erinnerung und in der Ecke des Fensters war plötzlich ein Stück eines Baumes zu erkennen. Die Tapeten wirkten eine Nuance heller und der Nachttisch hatte silberfarbene Griffe, statt weißer. Außerdem war Clarke sich sicher, dass die Badezimmertüre rechts neben der Zimmertüre war und nicht links.
Auch wenn sämtliche Krankenhäuser ähnlich waren, kleine Unterschiede gab es immer. Und so sehr ihr dieser Gedanke auch Angst machte, aber sie wusste, dass sie nicht mehr zu Hause war. Diese Erkenntnis wollte sie aber erstmal für sich behalten, denn eine viel drängendere Frage ließ sie nicht los. „Lexa?“, krächzte sie schließlich heraus. Egal wo auch immer sie gelandet wäre, sobald sie Lexas Stimme hören würde, wäre alles nur noch halb so schlimm.

„Es tut mir so leid, meine Süße. Aber sie ist nicht mehr wiedergekommen, nachdem sie erstmal gegangen war. Sie hat dich verlassen und ganz bestimmt auch schon vergessen. Es tut mir leid mein Schatz, aber jetzt weißt du wenigstens woran du bei ihr bist.“ Clarke versuchte krampfhaft nicht zurück zu zucken, als ihre Mutter ihr leicht über den Arm strich während sie versuchte Lexa zu diskreditieren.

Schließlich zog sie doch langsam ihren Arm unter Abbys Hand hervor. „Mum, könntest du mich bitte etwas alleine lassen? Ich muss das erstmal verarbeiten.“ Doch wie sollte sie es verarbeiten können, dass ihre geliebte Mutter sie so schamlos anlog um Lexa von ihr fern zu halten?

Clarkes Mutter schien von der plötzlichen Distanz ihrer Tochter nichts zu bemerken, als sie die Blonde freudig anstrahlte und mit den Worten „ruh dich aus mein Schatz. Bis später“ aus dem Zimmer verschwand. Die plötzliche Stille nagte schwer an Clarke, auch wenn sie damit endlich die Ruhe hatte um über alles nachzudenken.

Aber worüber genau sollte sie nachdenken? Über den Kuss mit ihrer besten Freundin? Lexa hatte ihre Lippen zwar auf Clarkes gelegt, aber Clarke hatte die vorsichtige Berührung ihrer Lippen zu einem Kuss werden lassen. Aber dann kam der idiotischste Klassenkamerad an, den Clarke je gehabt hatte. Und plötzlich ging alles den Bach runter.
Es war ihr völlig egal, wer das Video von ihrem Kuss sehen würde. Doch dann dachte sie an die Konsequenzen, die es haben würde, wenn ihre Mutter das Video sehen würde. Nämlich die, dass sie Clarke und Lexa voneinander fernhalten würde. Der Gedanke hatte ihr solche Angst gemacht, dass ihr plötzlich die Luft wegblieb. Und genau damit hatte die Katastrophe seinen Lauf genommen.
Nun war genau das eingetreten, wovor sie solche Angst gehabt hatte. Ihre Mutter hatte einen Weg gefunden Lexa und sie zu trennen. Damit auch bloß das Bild der perfekten, braven Tochter erhalten blieb. Clarke fühlte sich so elend wie selten zuvor. Wieso war ihre Mutter nur so sehr darauf bedacht, nach außen hin eine perfekte Familie darzustellen? Keine Familie war perfekt. Überall gab es kleine Unzulänglichkeiten.
Obwohl Clarke es keinesfalls als Unzulänglichkeit betrachten würde, dass sie dabei war Gefühle für ihre beste Freundin zu entwickeln. So etwas könnte jedem passieren. Und was in aller Welt sollte falsch daran sein, einen Menschen an seiner Seite zu haben, der so liebevoll und fürsorglich wie Lexa war? Bloß weil dieser Mensch eine Frau war? War ihre Mutter wirklich so homophob?
Sie hatte vielleicht mal Äußerungen gemacht, dass ein solches Verhalten in ihren Augen nicht gut wäre, aber man konnte sich doch nicht aussuchen, in wen man sich verliebte. War sie das denn überhaupt? War sie in ihre beste Freundin verliebt? Oder war es nur eine kleine Schwärmerei? Oder womöglich auch nur der Wunsch etwas zu üben, damit sie wusste was zu tun war, wenn sie einen Freund hatte?
Nein, das ganz sicher nicht. Sie wollte keinen Freund. Sie wollte nur Lexa. Doch wollte sie, dass mehr aus ihrer Freundschaft wurde? Konnte sie sich vorstellen richtig mit Lexa zusammen zu sein? Mit allem, was dazugehörte? Händchenhalten? Klar, das machten sie doch sowieso schon ständig. Umarmungen aller Art gehörten auch zum ganz normalen Umgang miteinander.
Küssen? Es war ein unglaublich schönes Gefühl Lexas Lippen auf ihren eigenen zu spüren. Wenn sie etwas mehr Mut gehabt hätte, dann hätte sie sogar den ersten Schritt gemacht. Schließlich konnte sie den Gedanken daran, Lexa zu küssen einfach nicht mehr abschütteln, nachdem sie Lexa die Träne von der Wange geküsst hatte. Also ja, sie konnte sich durchaus vorstellen diese süßen, weichen Lippen immer wieder mit ihren eigenen zu berühren.
Sex? Das war die Frage. Konnte sie sich wirklich vorstellen mit ihrer besten Freundin zu schlafen? Vorstellen konnte sie es sich ganz sicher, aber WOLLTE sie es sich auch vorstellen? Diese Frage beschäftigte Clarke eine ganze Weile, ehe sie sich endlich eine Antwort geben konnte. Nein!
So wie ihr Leben in dem Moment aussah wollte sie sich nicht vorstellen, wie es wäre mit ihrer besten Freundin zu schlafen. Genau genommen wollte sie mit niemandem schlafen. Ihre ganze Welt war aus den Fugen geraten, da hatte sie einfach keine Muße über etwas nachzudenken, was sie noch überhaupt nicht kannte. Vielleicht würde sie sich diese Frage eines Tages wieder stellen. Gesetz den Fall, dass sie Lexa wiedersehen würde.
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