Das ist erst der Anfang | Reylo OneShot

OneshotDrama, Romanze / P12
Kylo Ren Rey
10.06.2019
10.06.2019
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Schwer atmend kam Rey zum Stehen. Sie kniff ihre Augen zusammen und starrte angesteckt in die Ferne. Noch konnte sie es nicht sehen, doch sie hörte, wie ein Raumschiff in hohem Tempo auf sie zuraste. Rey spürte, dass Kylo darin saß und genau das hatte sie auch gehofft. Er war ihre einzige Hoffnung, das endgültige Ende des Widerstandes zu verhindern.
Vor erst wenigen Minuten hatten sie erfahren, dass die Erste Ordnung das Versteck des Widerstandes gefunden hatte – eine kleine Höhle auf einem einsamen Wüstenplaneten – und für eine Flucht war es bereits zu spät. Das einzige Schiff, das sie noch besaßen, war der Millennium Falke, doch sein Hyperantrieb war schon seit langem kaputt und sie hatten keine Ersatzteile. Gegen die Erste Ordnung erfolgreich zu kämpfen, war genauso aussichtslos. Der Widerstand bestand nur noch aus 15 Köpfen.
Deshalb hatte Rey sich davongeschlichen, denn sie wusste, dass Kylo als erster den kleinen Stützpunkt – wenn man ihn überhaupt so nennen konnte – erreichen würde. Sie wollte ihn aufhalten und davon überzeugen, den Widerstand nicht auszulöschen. Vielleicht klang das naiv, doch in den letzten Monaten und Jahren war viel passiert. Rey wagte es jedoch nicht mehr daran zu denken. Vor allem nicht, warum ihre und Kylos Machtverbindungen vor ein paar Monaten plötzlich aufgehört hatten.
Ihre Nervosität versuchte Rey zu unterdrücken, indem sie sich auf einen möglichen Angriff von Kylo vorbereitete. Sein Raumschiff hatte sie fast erreicht, doch er begann nicht zu schießen. Innerlich erleichterte das Rey unheimlich. Dann nahm sie Lukes Lichtschwert –, das sie schon vor langer Zeit repariert hatte –, von ihrem Gürtel und aktiviert es. Konzentriert drehte sie sich um und nahm einen tiefen Atemzug, bevor sie noch einmal über ihre Schulter schaute und zu rennen begann.
Der Boden staubte unter ihren Füßen und Rey hörte das Heulen des Schiffmotors schon gefährlich nahe hinter sich. Genau im richtigen Moment sprang sie ab und wagte einen gefährlichen Sprung über Kylos Schiff hinweg. Noch bevor sie wieder auf dem Boden landete, sah sie, wie das Raumschiff augenblicklich langsamer wurde. Ein kleines Grinsen schlich sich auf ihre Lippen, das sie sofort wieder abschüttelte.
Kylo flog eine scharfe Kurve, die den Sand nur so aufwirbeln ließ. Dann steuerte er erneut auf Rey zu. Doch dieses Mal setzte sie nicht zum Sprung an. Sie blieb stehen; denn Kylos Raumschiff verlor immer mehr an Geschwindigkeit. Mir ihren Augen fixierte Rey die Frontscheibe des Cockpits, in der Hoffnung, Kylo direkt ansehen zu können. Als das Schiff eine Armlänge von ihr entfernt stehen blieb, atmete Rey erleichtert durch. War Kylo immer noch der gleiche, wie vor ein paar Monaten, fragte sie sich.
Langsam setzte sich Rey in Bewegung, nachdem sie gehörte hatte, wie sich die Ladeklappe des Raumschiffs öffnete und umrundete es, bis sie auf halbem Weg auf Kylo traf. Als Rey sah, wie er zu seinem Lichtschwert greifen wollte, deaktiviert sie Lukes schnell und hängte es wieder an ihren Gürtel. Zögernd ließ Kylo seine Hand wieder sinken.
„Ich bin nicht hier, um zu kämpfen“, stellte Rey klar und ging einen Schritt auf Kylo zu. Sie dachte nicht einmal mehr darüber nach. Nach allem was passiert ist, würde sie nie wieder gegen Kylo kämpfen.
„Warum dann?“, fragte er. Seine Stimme war kühler, als Rey es in Erinnerung hatte.
„Weil du meine einzige Hoffnung bist“, erklärte Rey ehrlich und sah Kylo in die Augen. Sein kalter Tonfall tat ihr mehr weh, als er es sollte. Trotzdem versuchte sie sich davon nicht beirren zu lassen. „Warum? Warum ist es dir so wichtig, uns zu zerstören? Denkst du wirklich, wir stellen auch nur noch ansatzweise eine Gefahr da?“
„Du gibst auf?“, fragte Kylo.
„Nein“, antwortete Rey sofort und schüttelte den Kopf, „ich gebe nicht auf. Ich werde es nur nicht zulassen, dass du mir meine Freunde nimmst.“
„Freunde“, entgegnete Kylo abwertend und zischte, „du könnest so viel mehr haben.“
„Du weißt, dass ich das nicht will“, meinte Rey nun etwas wütend, „verstehe es doch. Ben, ich bitte dich darum, lass meine Freunde –“
In dem Moment sprang mit einem dröhnenden Donner ein Sternenzerstörer über ihren Köpfen aus dem Hyperraum. Dicht gefolgt von zwei weiteren. Erschrocken zuckte Rey zusammen.
„Es ist zu spät, Rey“, entgegnete Kylo, nachdem er kurz gestockt hatte, als Rey seinen alten Namen ausgesprochen hatte. Er hatte ihn schon lange nicht mehr gehört.
„Nein, das ist es nicht“, widersprach Rey. Ihr Herz pochte. „Du kannst es noch verhindern.“
„Denkst du wirklich, dass ich das will?“, fragte Kylo selbstgefällig.
„Ist deine Herschafft wirklich immer noch das einzige, was dir wichtig ist?“, entgegnete Rey und mittlerweile brodelten ihre Gefühle. Erst als Kylo ihr antwortete, merkte sie, was sie eigentlich gesagt hatte.
„Was damals passiert ist, ist bedeutungslos“ fauchte er.
Auch nach all den Jahren schaffte es Kylo immer noch, Rey mit seinen Worten mehr als jeder andere zu verletzten; denn selbst seine Lügen – auch wenn Rey sie nicht immer erkannte – taten ihr weh.
„Das hat sich aber anders angefühlt“, meinte sie leise und schluckte schwer. Wie lange sie darüber nicht mehr nachgedacht hatte. Aber jetzt, wo sie Kylo gegenüberstand, schaffte Rey es nicht mehr, Geschehens zu verdrängen. Es war genauso präsent, wie damals, als sie ihre letzte Machtverbindung hatten.
Und Kylo schaffte es nicht, darauf zu antworten; denn Rey hatte Recht – sie hatte immer Recht. Kylo versuchte sie dafür zu hassen, doch nicht einmal das gelang ihm. Auch wenn er wusste, dass er sich im Nachhinein auch für diese Gedanken hassen würde, schaffte er es nicht, sie in Reys Gegenwart zu verdrängen. So wie damals nicht. Sie machte ihn schwach.
Doch warum fühlte sich Kylo dann stark, wenn Rey seinen alten Namen aussprach? Rey machte ihm aber auch zugleich Hoffnung, auf seinem Weg bleiben zu können – zumindest so lange, wie sie sich sahen. Sobald ihre Machtverbindungen beendet waren, fühlte er sich schwächer denn je. Seine Gefühle schienen manchmal Kopf zu stehen, seit er vor langer Zeit aufgegeben hatte, sie zu verdrängen. Sie zerfraßen ihn und Rey war die einzige, die Kylo helfen wollte. Kein Wunder, was er deshalb für sie empfand.
„Ben, ich bitte dich“, versuchte Rey es noch einmal sanft und riss Kylo damit aus den Gedanken, „tu mir das nicht an.“
Kylo zögerte. Er hatte keine Worte dafür, um ihr zu widersprechen. Deshalb sah er sie noch einmal kurz an, bevor er seinen Blick von Rey los riss und mit schnellen Schritten in sein Raumschiff ging. Rey war drauf und dran ihm zu folgen, doch sie blieb stehen und vertraute Kylo darauf, dass er den Angriff abbrechen würde. Ihr Blick folgte seiner Silhouette, als das Raumschiff langsam abhob.
Erst als es nur noch ein kleiner Punkt am Himmel war und ein ohrenbetäubender Knall die Luft zerschnitt, lag ihr Blick schlagartig auf einem Berg, der von dem Schuss eines Sternenzerstörer in tausend Teil gerissen wurde.
„NEIN!“, schrie Rey panisch und rannte los. Die ersten Tränen flossen über ihre Wangen und vermischten sich kurz darauf mit einer Staubwolke, die mit einer gewaltigen Druckwelle auf sie zukam. Wie konnte sie sich in Kylo nur so täuschen. Er hatte sich verändert, da war sich Rey sicher, aber dass er dennoch zu so etwas noch im Stande war, konnte und wollte sie nicht glauben.
Nicht einmal, als Rey schwindelig wurde, verlangsamte sie ihr Tempo. Erst vor dem eingestürzten Berg blieb sie stehen und brach erschöpft zusammen. Benommen ließ sie Sand durch ihre Hände rieseln.
„Nein, nein, nein“, flüsterte Rey immer wieder und schüttelte verzweifelt den Kopf, „das kann nicht sein.“
Irgendwann sah sie wieder auf und sprang augenblicklich auf. Die Pflanze – sie stand am falschen Ort. Rey drehte sich um. Kylo hatte den falschen Berg zerstören lassen. Die Höhle der Rebellen lag hinter ihr. Wieder rannte sie los und musste kurz ihre Orientierung wiederfinden, bevor sie einen schmalen Gang durchquerte, der in die Höhle führte.
„Ihr lebt!“, stieß Rey erleichtert aus, als sie ihre Freunde erblickte und ließ sich in Finns Arme fallen.
„Wo warst du“, sprudelte es aus ihm heraus, „ich wollte dich suchen gehen, aber – aber ich durfte nicht, weil – und –“
„Mir geht es gut“, unterbrach Rey Finn.
„Aber wo warst du?“
„Ich habe nach einer anderen Höhle gesucht, wo wir und verstecken könnten, falls die Erste Ordnung diese zerstört hätte“, log Rey schnell.
„Wir hätten dir helfen können“, meinte Finn, „hast du eine gefunden?“
„Nein“, antwortete Rey einfachheitshalber, „aber ich denke, dass ist auch gar nicht mehr nötig.“
„Ich will euer Widersehen nicht unterbrechen“, meinte Poe dann, „aber das ist jetzt unsere Chance, die Erste Ordnung eines Tages zu besiegen. Lassen wir sie im Glauben, dass wir tot sind.“
Poe bekam dafür zustimmendes Nicken von den Rebellen und auch Rey nickte zögerlich. Doch sie kannte den genauen Grund, warum sie noch lebten. Wenn Poes Worte irgendwann Wirklichkeit werden würden, dann wusste sie, dass Kylo sich nie wieder so auf sie einlassen würde. Sie musste etwas unternehmen, bevor es zu spät war.
Trotzdem wusste Rey in dem Moment, dass das erst der Anfang war. Der heutige Tag hatte bewiesen, dass es einen Tag geben würde, an dem sie eine Chance gegen die Erste Ordnung haben würden und Rey wagte es zu glauben, dass dann Kylo – Ben – an ihrer Seite stehen würde.
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