Die Darcys auf Pemberley, Teil XXX

von Bihi
GeschichteRomanze, Familie / P16
Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Georgiana Darcy Mr. Bennet OC (Own Character)
09.06.2019
13.09.2019
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Annie bemerkte, dass die Tagelöhnerkinder traurig waren, weil sie am Sonnabend nicht mehr sammeln durften. Na ja, sie hatte es nicht wirklich bemerkt, sie hatte es einmal zufällig mitgehört. Die Mädchen hatten sich im Gebüsch versteckt, an dem Annie vorbei ging, um zur Schneiderin zu gehen. Sie wollten nicht von den Eltern belauscht und dann bestraft werden, weil es ungehörig war, eine solche Großmut, die natürlich willkommen wäre, zu erwarten. Jedenfalls sollte man die Großmut des Gutsherrn nicht ausnutzen wollen.
Wieder im Haus bat Annie Fitzwilliam um ein Gespräch im Arbeitszimmer. Als erstes berichtete sie vom zufällig gehörten Gespräch und schlug vor, doch auch sie wieder Wildfutter sammeln zu lassen – wozu natürlich wieder Hilfe aus der Siedlung notwendig wäre, sonst könnte sie ja auch auf eigene Faust sammeln. Aber das sei wohl nicht notwendig, weil sie davon ausging, dass die Knechte bereits damit beschäftigt waren.
Fitzwilliam gestattete ihr daraufhin natürlich, wieder Wildfutter zu sammeln – mit Helfern.
„Papa, aber wenn wir es wieder nur im Oktober machen, und dann nur an einem Sonnabend, ist es eigentlich auch nicht so gut. Selbst wenn Gigi mitmacht und sie den Vormittag und ich den Nachmittag übernehme – oder umgekehrt, damit wir auch was vom Familientag haben, werden es nur noch zwei Sammeltage sein. Nein, der zweite wäre dann sogar schon der November.“
„Stimmt. Da es Deine Freizeit ist und überhaupt auch Dein Plan: Hast Du Dir schon Gedanken gemacht?“
Wie aus der Pistole geschossen kam es: „Eigentlich noch nicht so richtig, aber wenn wir an zwei oder drei Tagen sammeln, und zwar bis zum Kälteeinbruch, wirkt es auf die Helfer nicht so gönnerhaft. Also ich finde ja Montag und Freitag, oder auch Montag, Mittwoch und Freitag, wäre ein guter Rhythmus.“
„Das klingt mir aber schon richtig gut überlegt. Ich lasse jetzt Gigi rufen, damit wir das besprechen können. – Stokes, ich bitte Gigi hier ins Arbeitszimmer.“
Gigi hörte sich Annies Überlegungen ruhig an und sagte dann: „Wie konntet ihr nur daran zweifeln, dass ich mitmache? Natürlich mache ich bei einem so tollen Plan mit. Und ich muss sagen, um der Helfer willen bin ich für drei Tage in der Woche, selbst wenn es dann mehr Sammeltage sind als in den vorherigen Jahren. Vielleicht haben die Familien dann einmal einen Winter mit drei Mahlzeiten am Tag, die dem Namen gerecht werden.“
Jetzt waren die Familien in der Siedlung beglückt: Es gab wieder Bucheckern-Kaffee, dreimal in der Woche eine gute Suppe und zusätzlich Lohn. Sie hatten jetzt zwar immer genügend Geld und Vorräte für ausreichende Mahlzeiten, aber die eigenen Suppen waren doch meistens dünn, wenn es für drei Mahlzeiten am Tag reichen sollte. Nun gab es für die Zeit bis zum Kälteeinbruch dreimal in der Woche etwas bessere Suppen, weil man an den Tagen die eigenen ebenfalls ein wenig gehaltvoller machen konnte – aber nur ein wenig, damit für die restliche kalte Zeit noch etwas besseres übrig blieb.

Zu den Familientagen kamen nur noch die Kinder mit Nanny Lydia. Edmund wollte Jane Gesellschaft leisten und blieb daher ebenfalls in Derby. Silvia wurde ins Vertrauen gezogen. Sie erfuhr, dass Mama sich ganz doll ausruhen musste, weil noch vor Weihnachten ein Baby geliefert werden sollte, für das sie auf alle Fälle gut ausgeruht sein sollte.
Das sah Silvia sofort ein und bot eifrig an, auf ihren Unterricht zu verzichten, weil Mama sich dann noch mehr ausruhen konnte. Die Versicherung, dass der Sonnabend als Ruhetag reichte, und der Unterricht ja nicht anstrengte, weil Mama dabei sitzen konnte, war offensichtlich nicht unbedingt das, was Silvia hören wollte. Aber als sie erfuhr, dass sie dann nach Kympton in die Schule gehen müsse, mit Übernachtung mit den anderen Schulmädchen in einem Schlafraum, war sie doch nicht bereit, auf Mama als Lehrerin zu verzichten. Kympton klang gut für später einmal, aber vorerst war es doch wichtiger, in der Freizeit mit ihren Geschwistern zu spielen. Jane drängte sie nicht. Ihr war es doch damals auch so gegangen. Sie wusste bis heute nicht, ob sie von der Schule noch so begeistert gewesen wäre, hätte sie auch in Kympton übernachten müssen.
Silvia war sehr stolz, dass ihr ein solches Geheimnis anvertraut worden war. Sie verriet niemandem ein Sterbenswörtchen, nicht einmal Nanny Lydia oder Oma und Opa – jedenfalls nicht so richtig. Sie erzählte nur ganz stolz, dass sie jetzt auch Babydecken und Babyjäckchen nähen konnte. Dann sah sie aber sehr verwirrt aus, so als ob sie das Gesagte am liebsten zurücknehmen wollte.
Annie erklärte daraufhin: „Ja, die nähen Gigi und ich auch viel. Die werden für einen Armenkorb ja immer gebraucht.“
„Ja, ne? Und Babys brauchen sowas nun mal, ob sie nun in einem richtigen Haus oder in einer Hütte wohnen.“
Man konnte ihr ansehen, wie froh sie über diese Erklärung war. Um sich nicht wieder zu verraten, ging sie schnell zurück zu ihren Geschwistern und Cousin und Cousine zum Spielen.
Tante Susan sah zwar beinahe aus wie Mama, aber Silvia zog keine Rückschlüsse. Schließlich musste ihre Tante sich ja nicht ausruhen, oder?
George schüttelte amüsiert den Kopf.
Fitzwilliam sah es, ahnte, woran sein George dachte, und sagte: „Du darfst nicht vergessen, dass sie noch keine Kaninchengeburt miterlebt hat. Nur deshalb wusstest Du in ihrem Alter schon, was eine veränderte Figur bei Mamas bedeutet. Aber vielleicht bemerken ja Agatha und Silvia in den nächsten Monaten einen Zusammenhang.“
Susan sah nur zu ihrer Tante und sagte: „Ein Glück, dass Du uns vorgemacht hast, wie man so ein Gespräch führen kann.“
Gigi und Annie bliesen nur empört die Backen auf. Für ein Mutter-Tochter-Gespräch waren sie selber noch zu jung, aber Silvia und Agatha sollten eines bekommen? Einfach unglaublich!
Elizabeth sah dies und sagte schmunzelnd: „Nein, ein Brautgespräch wird das ganz bestimmt nicht werden.“*
„Apropos Brautgespräch: Wir finden, wir sollten den 20. November planen. Wohl nicht so groß wie den vor fünf Jahren, aber dreißig ist doch auch eine gute Zahl und vor allem ein guter Anlass, oder?“, lenkte Gigi nun ab.
„Was ist das eigentlich für ein Wochentag? Ich geh mal schnell nachsehen“, sprang Fitzwilliam sofort darauf an. „Es ist ein Donnerstag. Mal sehen, ob wir es riskieren können, Jane einzuladen. Wahrscheinlich nicht, aber wir müssen uns über die Bedingungen, die Edmund stellen wird, informieren.“
Man wurde sich schnell einig, dass man erstens die Bingleys sofort informieren müsse und zweitens die Kinder zwar dabei sein, aber bei der Planung nicht mitreden sollten.


* Noch Anfang der 1960er war es nicht allgemein üblich, Kinder aufzuklären. 'Kinder' waren alle unter 16. Selbst über die sogenannte Unpässlichkeit wurde erst gesprochen, wenn der Ernstfall bereits eingetreten war. Mir wurde beispielsweise vorher nur eine ziemlich vage Broschüre in die Hand gedrückt – mit spitzen Fingern und der Maßgabe, dieses Heft ja nicht meine Geschwister sehen zu lassen – und Nachfragen wurden nicht beantwortet. Selbst die BRAVO blieb mit ihrer sogenannten Aufklärung sehr zurückhaltend, damit sie nicht als pornographische Schrift auf den Index kam.
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