Die Darcys auf Pemberley, Teil XXX

von Bihi
GeschichteRomanze, Familie / P16
Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Georgiana Darcy Mr. Bennet OC (Own Character)
09.06.2019
13.09.2019
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Peter und Arthur waren froh, sich wiederzusehen, und sie verglichen vergnügt ihre Ferienerinnerungen. Die waren bisher immer sehr ähnlich gewesen, aber dieses Jahr unterschieden sie sich stark. Peter hatte fast den gesamten Juli in Sussex verbracht und war voller Erinnerungen an seinen Neffen. Arthur dagegen freute sich über die vielen Gelegenheiten, die er gehabt hatte, anderen zu helfen. Nach einem anfänglichen Staunen kamen sie aber zu der Überlegung, dass es wohl logisch war, verschiedene Dinge für wichtig zu halten, wenn man sich in zwei Monaten nur einen Tag lang gesehen hatte. Es gab also keinerlei Neid auf den anderen. Beim Erzählen hatte Arthur bemerkt, dass er zwar nicht so lange wie Peter mit seinen Neffen und Nichten zusammen gewesen war, dafür aber andere schöne und befriedigende Erlebnisse gehabt hatte, sodass Neid wirklich nicht angebracht war.
Eine weitere Überraschung war die Nachricht von zwei seiner Freunde, dass ab nächstem Jahr auch die jüngeren Brüder nach Kympton gehen durften, weil die Väter von den Berichten der Mädchen so sehr überzeugt waren. Arthur war stolz, dass seine frühere Schule für so gut angesehen wurde. Er wusste nicht, dass sein Vater die Schule gegründet hatte und die Lehrer mit ausgesucht hatte. Er wusste nur, dass sein Vater eine Art Oberaufsicht führte, die aber wenig Arbeit zu machen schien. Dadurch war er wirklich nur auf die Schule und die Lehrer stolz, nicht auf seinen Vater.

Harold war ordiniert worden und konnte jetzt seine erste Predigt vor eigener Gemeinde halten. Er war nervös, wie wohl jeder Jungpfarrer in dieser Situation, aber er machte seine Sache gut, wie Jane und Edmund fanden. Doch, er würde sich sicherlich zu einem guten Pfarrer entwickeln, wenn die erste Unsicherheit verflogen war. Kaum wiederzuerkennen war ein besonderer Gast dieses ersten Gottesdienstes: Der abgelöste Vikar in Privatkleidung. Ihm war die Gemeinde in den wenigen Monaten lieb geworden, und er war zufrieden, dass sein Nachfolger sicher kein schlechter Seelsorger war. In der Rhetorik war er gut, bibelfest war er auch, fehlte nur noch die Übung mit dem Stimmeinsatz, aber das würde mit der Zeit wohl noch kommen. Vorerst fuhr dieser Besucher nach Derby zurück und schrieb einen freundlichen Brief mit hilfreichen Tipps.

Es wurde natürlich auch wieder eine Jagd Anfang September abgehalten. Die Ausbeute war viel geringer als in den Jahren zuvor. Das war nicht sonderlich verwunderlich, ging es jetzt doch lediglich um den Erhalt des Ist-Zustandes und nicht um die Abwendung einer Gefahr durch übergroßen Besatz. Aber selbstverständlich gab es wieder das abschließende Festessen. Fitzwilliam war nicht bereit, ein Vorgehen, das zu einer Tradition werden könnte, wieder einzustellen.

Die Alten waren froh, über den Sommer so eifrige Hilfe bekommen zu haben. Jetzt stand nur noch die Kohl- und Rübenernte an. Die war aber gut von den Männern zu bewerkstelligen, weil sie ja die Hochbeete hatten. Vorerst konnten sie es etwas langsamer angehen lassen. Getreide hatten sie ja nicht, und sie mussten erst einmal die bisherige konservierte Ernte unterbringen. Es war aber nicht unbedingt eine Zeit der Muße. Die Kaninchenplage hatte zugenommen und so wurden eifrig Schlingen gelegt. Mrs. Annesley erkundigte sich in Lambton, wie man das Fleisch am besten konservieren könne. Sie wurde vorgewarnt, dass das wohl nicht länger als ein halbes Jahr halten würde, aber das war ja gleichgültig. Auf alle Fälle wollten sie noch etliche Tiere erlegen, solange sie ordentlich etwas auf den Knochen hatten. Die Felle wurden präpariert und aufbewahrt. Da wollte man erst im Winter entscheiden, was daraus gefertigt werden sollte, auch wenn Mrs. Annesley schon ziemlich genaue Vorstellungen hatte, die aber sicherlich in der kühleren Jahreszeit schneller akzeptiert würden.

Auf Pemberley wurde die Ernte wie immer eingebracht. Es war nicht ersichtlich, ob der neue Verwalter bereits so gut eingearbeitet war, oder ob Fitzwilliam und George so gute Gutsherren waren. Das war ja auch gleichgültig für das Ergebnis. Und das war so, dass alle zufrieden sein konnten.
Michaelis lag in diesem Jahr nach dem ersten Hofball, sodass sich die Cantervilles wieder ankündigten. Onkel und Tante Gardiner waren noch unentschlossen, ob sie nach Pemberley oder nach Mansfield fahren wollten. Walter und Edward waren aber der Meinung, dass sie sich einen Urlaub auf Pemberley verdient hätten. Dann müsste eben das Geschäft einmal für eine halbe Woche ruhen. Das war sehr gut möglich, weil sie ja überwiegend Großhändler waren. Die Geschäfte und Schneider hatten sich aber für die beginnende Saison bereits mit dem Grundstock versorgt, sodass man unbesorgt bis zum 3. Oktober auf Pemberley sein konnte.
Fitzwilliam konnte das nur recht sein. Je mehr Gäste, desto schöner wurde das Fest. Elizabeth war mit allem einverstanden. Sie hätte aber auch ohne Bedauern ein Erntefest nur mit ihrem Oberon gefeiert. Er wusste das, und es tat ihm Leid, dass die beiden Pläne einfach unvereinbar waren. Natürlich war ein Fest nur mit seiner Elfe sehr verlockend, aber der Trubel war doch auch immer wieder anregend.

In diese Vorbereitungen hinein kam dann ein Brief aus Leicestershire:

Liebe Cousin und Cousine Darcy,
mit großer Freude kann ich Euch berichten, dass meine geliebte Hildegard den schweren Tag gut überstanden hat. Jetzt können wir uns alle über eine Marianne Hildegard freuen. Marianne wird der Rufname, weil der hier in England einfach praktischer ist. Ich bin während der schweren Stunden mit meinen beiden Großen ausgefahren. Das war einfach notwendig, weil ich das Gefühl hatte, dass meine geliebte Gattin versuchte, ihre wahren Gefühle mir zuliebe zu unterdrücken. Sie wollte mich nicht aufregen. Das mochte ich ihr nicht zumuten, wusste ich doch von meinen anderen beiden Kindern, bzw. deren Geburt, dass die Stunden vor der Geburt für die Mutter nicht ganz einfach sind.
Jetzt ist alles überstanden, meine beiden Großen sind zufrieden mit dem Übungsbaby, wie sie es nennen, und Hildegard und ich sind einfach nur selig. Die Taufe wird am 16. Oktober sein. Ich hoffe, dass dann nicht nur Eure Familie, sondern auch die Familien Bingley und Malcolm kommen können. Ich habe das Gefühl, als ob es nur richtig ist, wenn so viele der Weihnachtsgäste wie möglich anwesend sein können. Leider habe ich die beiden Adressen nicht. Ich bitte also um diese, damit sie eine Taufeinladung bekommen können.
Mit seligen Grüßen
William und Hildegard, Joany und Charles und Marianne
P.S. Ich brauche auch die Adressen von Edward Gardiner, Markwood und Windham


Fitzwilliam schmunzelte nur: „Das wäre was für Arthur gewesen: Ein Feiertag im Oktober. Aber wir fahren natürlich auch hin, wenn Arthur nicht dabei sein kann. Das geht doch gar nicht anders!“
Elizabeth stimmte zu und ergänzte: „Und wenn uns das jemand nach jenem unglückseligen Osterball prophezeit hätte, wäre er sicherlich gnadenlos ausgelacht worden.“
„Nun ja, es hätte ja auch unglaublicher prophetischer Gabe bedurft, Williams wundersame Kehrtwende vorherzusehen.“

Dann ruhte mal wieder alle Arbeit, jedenfalls für die Darcy-Familie. Schließlich musste ja Agathas Geburtstag gefeiert werden. Dieses Mal konnte auch wieder Jane mit ihren Kindern kommen. Sie war sehr froh darüber. Es hatte ihr sehr Leid getan, dass sie nicht zum Geburtstag ihrer Beinah-Nichte fahren konnte. Edmund war sich nicht sicher, ob sie ihre Bedenken beiseite schieben würde, und hatte ihr vorsorglich verboten, dorthin zu fahren. Sie war zwar im ersten Moment entsetzt ob seines Tonfalls gewesen, erkannte aber schnell, dass es lediglich seine übergroße Sorge um sie gewesen war.
Agatha war in einem Punkt eine typische Darcy: Sie strahlte mit der Sonne um die Wette, weil sie ab Ostern nun endlich ein Schulkind sein durfte. Sie sah ja immer die Kinder der Lewis De Bourgh Schule zustreben, und sie fand die Aussicht darauf, bald mit diesen Kindern gehen zu dürfen, einfach großartig.
Selbstverständlich hielt sie das nicht im geringsten davon ab, wilder denn je durch die Gänge und Wiesen Pemberleys zu toben. Ihre Tanten und ihr Papa bemerkten bei all der Toberei allerdings, dass sie einen großen Bogen um die Elfenlichtung machte. Spürte also auch sie die besondere Stimmung und war nur schneller als Arthur, wenn es darum ging, die Lichtung zu schützen? Gigi und Annie überlegten, wie sie das wohl herausbringen konnten, während George sich insgeheim vornahm, seine Tochter in den nächsten Tagen einfach einmal darauf anzusprechen.

Michaelis war wieder ein wunderbares Fest mit guten Ernte-Ergebnissen, vielen Gästen und vielen Kindern, die fröhlich hopsen und tanzen durften. Edward und Alma sowie die Familie Walter Gardiner waren auf Pemberley geblieben, die Eltern waren mit Harriet nach Mansfield gefahren. Fitzwilliam hatte leider keinen Urlaub bekommen.
Bei der Nachbesprechung eröffneten Edward und Alma, dass sie zu Weihnachten nicht mehr nach Hampton Court fahren wollten, sondern nach Pemberley. Der  offizielle Grund war der, dass Alma dann ihr Patenkind noch einmal häufiger sehen könnte. Allen war klar, dass es eher um den Trubel ging, aber Canterville nahm es nicht übel. Sein Bekanntenkreis für Weihnachtsgäste war nun in einem Zwischenstadium: nicht mehr so sehr viele kleine Kinder, nur größere oder gar fast schon Erwachsene. Wenn nun Walter nach Hampton Court käme, wären es wenigstens drei kleine Kinder mehr. Man musste ja schon mit geringen Ergebnissen zufrieden sein. Wenn sein erstes Weihnachtsfest auf Hampton Court nicht ein solcher Erfolg gewesen wäre, würde er ja auch nach Pemberley fahren, aber er war sich seiner Stellung und seiner Verantwortung den anderen Gästen gegenüber bewusst. Außerdem vermutete er, dass seine Cinderella ihre Rolle als Gastgeberin sehr genoss. Dieses Vergnügen konnte er ihr doch nicht guten Gewissens nehmen!
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