Die Darcys auf Pemberley, Teil XXX

von Bihi
GeschichteRomanze, Familie / P16
Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Georgiana Darcy Mr. Bennet OC (Own Character)
09.06.2019
13.09.2019
36
45.180
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22.07.2019 1.000
 
Als schließlich alle, außer den Stanfolks und den Cavendishs, wieder in London waren, setzte die übliche Routine ein. Ja, auch für Fanny und Charleen war es fast schon als Routine zu bezeichnen. Sie durften noch bis zum Ball der Turpins am 10. März bleiben. Das war nur möglich, weil die Ardmores sich bereits am 12. wieder auf den Weg nach Schottland machen mussten.
Ab etwa elf Uhr morgens waren Dorothy und Elayne im Stadthaus, während Sir Gwenoch Geschäftsbesuche machte. Um die Zeit wettzumachen, die er wegen der Gutsangelegenheiten und der Taufe nicht in London verbracht hatte, war er sehr viel beschäftigter als in dem Jahr, als er Dorothy den Hof machte. Aber das ließ sich nun einmal nicht ändern. Es war ihm wichtiger denn je, genügend Geld zu haben, mit dem er seine Dorothy verwöhnen konnte. Laut Erbschaftsverträgen zählten 60 % der Einnahmen aus dem Whiskyhandel zum Privatvermögen. Das war zwar nicht so sehr viel, aber jährlich kam doch eine nette Summe zusammen, die nach jeweils drei Jahren zu etwa einhundert Pfund zusammengefasst werden konnten, mit Zins und Zinseszins natürlich, und dann in den Privatfond eingingen.
Der Ball bei den Turpins gefiel den Malcolm Mädchen außerordentlich. Mr. Warwick war anwesend und ein junger Handelsherr, Anfang zwanzig, forderte die reizende Miss Malcolm mehrfach auf.
Als er sie schließlich, in Anwesenheit ihres Onkels, um ihre Adresse bat, sagte sie nur: „Schreibt an den Reverend der Kirche zu Lambton. Der Brief wird mich sicher erreichen.“
Das war nicht die Antwort, die der junge Herr hören wollte, aber er insistierte nicht. Er fragte lediglich: „Aber das County könnt Ihr mir doch bitte noch verraten, damit der Brief auch eine Chance hat anzukommen?“
„Oh, natürlich, entschuldigt bitte, dass ich das ganz vergessen habe zu erwähnen. Lambton liegt in Derbyshire.“
Auf der Rückfahrt lächelte Charleen vergnügt in sich hinein, während Fanny aus dem Fenster sah und einen Reel vor sich hin summte. Ja, dieser junge Handelsherr schien sie wirklich beeindruckt zu haben. Fitzwilliam kannte ihn nicht, aber er wusste, in welchem Gewerbe er tätig war, und nahm sich vor, für seinen Schwager diskrete Erkundigungen einzuziehen.

Um den Umzug gut vorbereiten zu können, war Alice doch ganz froh, wenn Daniel und David zu Arthur fahren konnten. Arthur dagegen war selig, dass er wieder kleine Kinder zum Kümmern hatte. Es war schon blöd genug, dass Peter in Sussex war. Na ja, es war ja auch viel wichtiger, dass er bei seinem wunderbaren Neffen war. Er wollte ihn sich ja jetzt ganz genau ansehen, weil das bis Weihnachten oder so halten musste. Ohne David und Daniel wäre ihm der Verzicht sicherlich sehr viel schwerer gefallen. Andererseits war er sehr froh, dass die Jungen ihn nicht jeden Tag die ganze Zeit brauchten. Denn es gab wieder Ausfahrten zu begleiten. Weil es jetzt nur zwei Paare gab, nämlich Gigi und Annie mit ihren Galanen, reichte die Sechserkutsche. Das war ganz praktisch, da passten auch er und Maria noch mit dazu. Er war aber froh, nur der Anstandsherr zu sein. Da musste er nicht für die Erfrischungen bezahlen. Das hätte zwar sowieso niemand von ihm erwartet, bei seinem geringen Taschengeld, aber da er nicht darüber sprach, konnte man ihn auch nicht beruhigen.
Maria hatte auch keinerlei Skrupel mehr, jede Ausfahrt für sich zu reklamieren. Schließlich hatte sie ja anfangs ihrer Schwester den Vortritt gelassen.

Es standen keine weiteren Bälle an, so dass der Rest der Zeit nur mit Morgenbesuchen verbracht wurde. Es gab auch einen geruhsamen Spaziergang durch den Zoo, aber die Eltern waren der Meinung, ohne die wuseligen, aufgeregten Kinder war es nicht mehr das gleiche. Gigi und Annie kicherten nur: „Mama, Papa, wir wollen nicht wissen, was ihr sagt, wenn wir jetzt mit der Wuselei anfangen würden – na und die anderen Leute hier erst …“ Fitzwilliam und Elizabeth mussten lachend zugeben, dass das wohl nicht so sehr passend wäre.

Der für Arthur wichtigste Tag war natürlich der Männertag mit seinem Papa. Nach einer Anprobe wurde befunden, dass die Uniform zwar ein wenig zu klein wurde, aber noch nicht so sehr. Andererseits war zu bedenken, dass Anfang Februar der Anzug noch für passend erklärt worden war. Der Herrenausstatter schlug dann vor, es erst einmal bei dieser Uniform zu lassen. Wenn es bis zu den Sommerferien wirklich nicht anders ging, könnten ihm ja die bekannten Maße geschickt werden. Ansonsten würde er vorschlagen, erst in der zweiten Augusthälfte noch einmal nachzumessen.

Die Stanfolks blieben bis zum letztmöglichen Tag in Sussex. Das war möglich, weil sie anhand der Bücherlisten bereits festgestellt hatten, dass alles im Haus war. Die Uniformen schienen auch noch zu passen – und man konnte ja notfalls die abgelegten von den älteren Brüdern verwenden, bis die neuen gefertigt waren. Auf diese Idee war übrigens Peter gekommen, weil er es absolut nicht ertragen wollte, seinen wunderbaren Neffen früher als unbedingt notwendig zu verlassen.
Ein Thema hatten sie wohlweislich nicht angesprochen: Wo würde jetzt Weihnachten gefeiert werden? William lag das schwer auf der Seele. Seine Tochter und sein erstes Enkelkind wiedersehen gegen den Trubel von Pemberley … Georgiana war sich ziemlich sicher, dass er sich für Sussex entscheiden würde – oder London, wenn bei den Cavendishs gefeiert wurde – aber sie sagte nichts. Den Konflikt musste er mit sich selber abmachen. Dafür gab es einen wichtigen Grund: Wenn er die Entscheidung traf, musste er es auch Fitzwilliam erzählen. Sie hatte so gar kein Verlangen danach, diese Hiobsbotschaft ihrem Bruder zu überbringen.
Jedenfalls trafen sie am Freitag Abend ein, um am Sonnabend loszufahren.

Die Bingleys waren schon abgereist, um dann von Pemberley aus Jerry nach Shrewsbury zu bringen. Charles hatte nichts verlauten lassen, wie das Gespräch mit der Leitung des Internats gelaufen war. Aber da er schwieg, nahm man an, dass er sich wohl hatte bereden lassen, und fragte taktvollerweise nicht nach. In Wirklichkeit hatte er sich so fest behauptet, dass zum Schuljahrsanfang für alle Väter ein Entschuldigungsbrief bereit lag. Um diese Niederlage nicht publik zu machen, hatte die Leitung alle Exemplare in Eigenregie erstellt. Fremde Schreiber mochte man damit nicht beauftragen – und die Schulsekretäre schon gleich gar nicht.
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