Die Darcys auf Pemberley, Teil XXX

von Bihi
GeschichteRomanze, Familie / P16
Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Georgiana Darcy Mr. Bennet OC (Own Character)
09.06.2019
13.09.2019
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Um William Gelegenheit zu geben, die Probleme mit seiner Mutter ohne großes Publikum auszuräumen, fuhren diejenigen Taufgäste, die noch in London und so in etwa Familie waren, erst am Nachmittag nach Sussex.
Als sie kurz vor dem Tee eintrafen, war die Überraschung groß: Dorothy und Sir Gwenoch, natürlich mit der reizenden Elayne, waren bereits am Sonnabend angekommen. Sie hatten noch etwas in Schottland zu regeln gehabt und waren daher gleich nach Sussex gefahren. Es lohnte einfach nicht, für zwei Tage nach einem angenehmen Hotel zu suchen.
Elinor und Dorothy reagierten wie einstudiert: Sie drückten ihre Kinder den Vätern in die Arme und fielen sich dann um den Hals. Dann übernahmen sie die Kinder wieder und stellten sich so auf, dass die Kleinen Blickkontakt aufnehmen konnten. Erst dann wurden die Babys getauscht für eine zärtliche Begrüßung.
Sie bemühten sich auf der Stelle, Elinor das Leben so einfach wie möglich zu machen. Die erklärte mit einem wohligen Seufzer: „Bin ich froh, dass Matthew sechs Wochen alt ist. Vor drei Wochen hätte ich nämlich den Trubel als sehr viel beschwerlicher empfunden.“
Während Mrs. Stanfolk sagte: „So eine Anstrengung geht doch schnell vorbei. Für Gäste wird man das doch einmal aushalten können, oder?“ bestätigten Dorothy und Sir Gwenoch im Duett, dass die Drei-Wochen-Regelung wirklich nicht unnötig einer jungen Mutter zugemutet werden sollte.
Dann hatten sie, ohne dass Willi oder Georgiana davon erfuhren, mit der alten Mrs. Stanfolk ein kurzes Gespräch. Das heißt, Sir Gwenoch hatte mit ihr geredet, Dorothy saß nur als Anstandsdame dabei. Er hatte in der Sache hart geredet, aber in einschmeichelndem Ton. Er führte ihr vor Augen, dass sie doch sicherlich auch nicht ihrer Großmutter erlaubt hätte, den Haushalt zu führen, oder?
Mrs. Stanfolk reagierte schockiert: „Meiner Großmutter? Ihre Ansichten passten doch gar nicht in unsere Zeit!“
„Und wie alt ist Euer Sohn? Ich schätze mal, fünfzig oder zumindest fast so alt, oder? Was berechtigt Euch nun zu der Annahme, dass die Lebensstile sich in den letzten fünfzig Jahren nur Euch zu Gefallen unverändert erhalten haben? Anders gefragt: Was berechtigt Euch, der jungen Mutter das aufzuzwingen, was Ihr von Eurer eigenen Großmutter auch nicht akzeptiert hättet? Ich will keine Antwort von Euch haben. Ihr sollt nur darüber nachdenken. Und noch eines: Ihr habt noch viele andere Enkelkinder. Wollt Ihr etwa, dass Ihr von den nächsten Taufen Eurer Urenkel ausgeschlossen werdet? Wollt Ihr das ganz ehrlich? Dann hättet Ihr doch gar nicht erst die beschwerliche Reise anzutreten brauchen. Dann hättet Ihr in Stanfolk Place gleich sagen können, dass Ihr lieber zu Hause bleiben wollt.“
Elayne wurde unruhig, sie hatte Hunger. Das bot Sir Gwenoch die Gelegenheit, nun mit einem „Denkt einmal gut darüber nach!“ seine Dorothy samt Tochter hinauszubegleiten.
Mrs. Stanfolk hatte immerhin die Größe, ihre Enkelin eine Stunde später aufzusuchen und sich zu entschuldigen. Sie hätte sich leider nicht bewusst gemacht, wie störend es sei, wenn ein junges Familienleben sich nicht ungestört etablieren könne. Ob es von Dauer war, spielte keine Rolle. Dieser Aufenthalt zumindest war offenbar von der Stimmung her gerettet.

Als nun die Gäste aus London eintrafen, gab es großen Jubel, und Peter stürzte sich genau so begeistert auf seinen Neffen wie Arthur auf seine jüngste Nichte. Nach einer halben Stunde oder so begrüßten sie dann ebenso begeistert das jeweils andere Baby. Beide Babys hatten selbstverständlich Wiegen. Und beide Babys benutzten diese für den Rest des Tages ebenso selbstverständlich nur höchst selten. Es gab einfach zu viele Omas und Opas, die die Kleinen 'nur mal kurz' halten wollten, von den Onkeln und Tanten einmal ganz abgesehen.
Kurz vor dem Abendessen kam dann auch noch Jane mit ihrer Familie und die Malcolms an. Ein Verfahren hatte sich nicht am Freitag abschließen lassen und so musste Edmund am Sonnabend noch einmal ins Gericht. Er hätte sonst am Montag die Verhandlung weiterführen müssen. Aber er hatte argumentiert, es sei besser, den Fall so schnell wie möglich zu verhandeln, statt nach zwei Tagen Pause den Faden wiederzufinden.
Nun war Agatha auf Wolke neun: Sie konnte endlich wieder so richtig trubeln, weil jetzt auch Silvia, Katharina, Tom und Schosch da waren.
Dorothy wunderte sich, dass Walter und Alice nicht gekommen waren, die beiden Jungen aber begeistert waren, weil sie mit Onkel Edward und Tante Alma mitfahren durften. Auch sie gaben beim Trubeln ihr bestes. Als Dorothy dann erfuhr, warum die Eltern nicht erschienen waren, fand sie die Anwesenheit der Jungen eine gute Entscheidung: Alice sollte nun wirklich nicht mehr mit der Kutsche über Land fahren, und wenn die Jungen fortfuhren, hatte sie mehr Ruhe.
Am nächsten Tag trafen die adligen Gäste zu einem vorgezogenen Nuncheon ein. Sie betrachteten den Trubel mit fast schon träumerischem Blick. Ja, so war es auch zu den Taufen von Annie und Arthur gewesen – sicher auch zu den sieben anderen zuvor. Marlborough wollte eine Bemerkung machen, sah aber noch rechtzeitig die Blicke von William und Fitzwilliam. Ja, sie dachten sicher auch an die vergangenen Taufen, aber mit einer so großen Portion Wehmut, dass Marlborough aus Taktgefühl schwieg.
Dann ging es zur Taufe und der Pfarrer war erfreut, dass so viele Adlige tatsächlich gekommen waren. Sicher, er hatte diese lange Liste gesehen, aber er hatte weder die Namen memoriert noch nachgezählt, wie viele es waren. Er hatte aber den Eindruck, dass kaum einer nicht gekommen war. Welch Ehre für ihn – und welch willkommener Segen für die Armenküche.
Aus Fitzwilliams Arbeitsgruppe fehlte nur Lord Chatlin. Der war nur erstaunt, dass er 'einfach so' anderthalb Urlaubstage geschenkt bekam. Lord Cavendish erklärte schmunzelnd, er hätte es nicht fertiggebracht, Chatlin einzuladen, da der sicherlich die Stimmung empfindlich gestört hätte. Das hörte auch Mrs. Stanfolk und sie war Sir Gwenoch dankbar, dass er mit seinen doch eigentlich unfreundlichen Ermahnungen dafür gesorgt hatte, dass sie von zukünftigen Taufen nicht ausgeschlossen wurde.
Nach dem Taufessen wurde dann vorgeschlagen und beschlossen, dass Fitzwilliam zwar am nächsten Vormittag wieder mit den Peers zurückkehren sollte, Elizabeth aber noch bis Donnerstag oder länger bleiben könne, um die Familienzusammenkunft noch weiter zu genießen. Sir Gwenoch hatte die Idee, weil seine bevorzugte Suite im White Elephant leider erst ab Donnerstag reserviert werden konnte. Eine längere Trennung standen weder für Elizabeth noch für Fitzwilliam zur Debatte, aber es war doch sehr verführerisch, wenn sie noch in Sussex bleiben könnte, solange Dorothy auch dort war.
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