Die Darcys auf Pemberley, Teil XXX

von Bihi
GeschichteRomanze, Familie / P16
Elizabeth Bennet Fitzwilliam Darcy Georgiana Darcy Mr. Bennet OC (Own Character)
09.06.2019
13.09.2019
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Am nächsten Morgen fragte Annie: „Und das sind in diesem Jahr die einzigen Bälle?“
Fitzwilliam schmunzelte: „Offiziell ja. Ich warte noch auf das Datum, das mir die Turpins angeben  werden.“
„Ja, geht das denn? Ich dachte, die Einladung muss vor Aschermittwoch erfolgen?“
„Die Vorankündigung kam bereits im Januar. Ich warte nur noch auf das genaue Datum. Übrigens lockern sich die Sitten diesbezüglich in der Schicht der Geschäftsleute. Der Hof wird bestimmt nicht offiziell etwas sagen. Die Geschäftsleute sind für den Wohlstand des Empires viel zu wichtig, um sie durch Maßregelungen zu verärgern.“
Fanny und Charleen bedauerten zwar, dass sie nach der Taufe nicht mehr dabei sein würden, waren aber nicht zu langen Protesten aufgelegt. Schließlich war es doch schon ungeheuer nett, dass sie diese beiden Bälle mitmachen konnten, oder?

Nachdem Fitzwilliam gegangen war, zogen sich die jungen Damen bis zum Eintreffen der Morgenbesuche in den Mädchensalon zurück. Es mussten ja die Roben für den nächsten Ball hergerichtet werden, oder? Na ja, das Herrichten musste wohl vom Bügelmädchen besorgt werden, das noch im Laufe des Vormittags kommen sollte. Aber der Haarschmuck musste doch angepasst werden.
Gigi überraschte alle mit der Feststellung, dass sie ihre Robe vom Hofball verändern wollte, ob sie sie nun sofort oder erst zum Ball der Turpins tragen werde. Dann hätte sie auch etwas zu tun, ohne unter Zeitdruck zu stehen. Annie stimmte nach kurzer Überlegung zu. Sie half erst ihrer Schwester bei der Auswahl von anderem Putz und entschied dann, nach längerem Nachdenken, dass sie es doch nur wie Fanny und Charleen machen wolle: Tasche, Fächer und Haarschmuck sollten ausgetauscht werden. Gigi ging es eigentlich nur darum, dass dieses Kleid zwar sehr schön war, sie aber nicht länger an den vorherigen Abend erinnern sollte.

Dann fuhren die Gloucester Damen vor. Gigi schickte sich an, die Treppe hinauf zu eilen, wurde aber von Stokes durch Zuruf daran gehindert: Sie solle mit den übrigen Damen die Prinzessinnen im Mädchensalon empfangen. Sie kam trotzdem. „Stokes, Ihr könnt nicht in zwei Richtungen zugleich gehen. Ich werde unseren Besuch hier oben empfangen und dann nach unten geleiten.“
Da klopfte es schon an die Tür. Nach der Begrüßung mit einem Hofknicks lud sie die Prinzessinnen ein, sie in den Mädchensalon zu begleiten. Diese waren zwar erstaunt, in den Keller geführt zu werden, sagten aber nichts. Als sie dann den Salon betraten, sahen sie sich erstaunt um und konnten kaum die Begrüßung absolvieren, bevor sie sich bewundernd über den Raum äußerten. Als sie dann auch noch sofort mit Mokka, Schokolade und Tee bewirtet wurden, natürlich auch mit Kuchen, waren sie sehr froh, dass sie nicht mit in den großen Salon gebeten worden waren. Sie unterhielten sich sehr fröhlich miteinander. Gigi ging davon aus, dass zumindest sie, wenn nicht auch Annie, früher oder später in den Salon gebeten würde, aber bis dahin sollten doch unbedingt die übrigen Damen sich so gut kennengelernt haben, dass sie sich auch alleine weiterunterhalten konnten.
Zu ihrer Überraschung wurde niemand gerufen, aber am Ende kamen die beiden Damen aus dem Empfangssalon, um die Besucherinnen zum Gehen aufzufordern. Die Duchess war sehr angetan von der Szene, wenn es ihr auch nicht so sehr behagte, dass auch zwei bürgerliche Mädchen dort waren, aber es überwog doch der positive Eindruck, dass ihre Töchter ansonsten sehr standesgemäß unterhalten worden waren – in einem entzückend eingerichteten Salon.
Die Duchess wollte nicht nur den Morgenbesuch erwidern, sondern auch mit Lady Darcy besprechen, ab wann wohl ihrer Baronesse Georgiana eine Verlobung zu erlauben wäre. Der gestrige Abend hätte bewiesen, dass sie nicht nur später eine hervorragende Duchess abgeben würde, sondern auch, dass sie ihren Sohn wohl nicht mehr auf eine andere Dame ansetzen könne, nachdem er so deutlich gemacht hatte, dass er jederzeit bereit sei, Baronesse Georgianas Ehre mit der Waffe zu verteidigen. Dieser Ausdruck erstaunte Elizabeth. Auf Nachfrage erfuhr sie dann, dass Henry James nicht mit einem zeremoniellen Degen erschienen war. Seine Ausrede glaubten beide Damen nicht so recht. Die Duchess überraschte mit einem: „Und so ein Degen ist ja auch viel unauffälliger als ein Hammer, nicht wahr?“
Das stimmte nur indirekt. Degen im Ballsaal waren inzwischen nur noch für Militär üblich, nicht für den Adel. Aber sei es drum. Das Schlimmste, was passieren konnte, war, dass die Gloucesters als besonders traditionsbewusst galten, ein Vorurteil, gegen das die Duchess gewiss nicht ankämpfen wollte.
Elizabeth schlug vor, eine offizielle Verlobung etwa ein halbes Jahr, höchstens ein Jahr, bevor Henry James seine Position im Leben gefunden hatte, zu verkünden. Es sei wohl allen Beteiligten gleichgültig, wie Henry James sein Leben nach der Ausbildung gestaltete, da es bestimmt kein unmoralisches sein würde. Sie sei aber gegen eine übermäßig lange Verlobung. Das sei aber nur ihre Meinung, wie Seine Königliche Hoheit und Lord Darcy darüber dächten, wäre noch zu erkunden. Die Duchess stimmte freundlich zu. Nein, eine lange Verlobungszeit konnte sie sich auch nicht vorstellen. Sie verriet nicht, dass die Ihrige lediglich drei Monate gedauert hatte. Elizabeth verschwieg, dass ihre nicht einmal zwei Monate gedauert hatte.
Dieses plötzliche Entgegenkommen der Duchess hatte einen einfachen Grund: Noch in der Nacht hatten ihr Gemahl und sie vom Prinzen erfahren, welche Ungeheuerlichkeiten sich die Baronesse hatte anhören müssen. Sie war erstaunt über die eiserne Selbstbeherrschung der jungen Dame und war der Meinung, dass ihr Sohn bedenkenlos den Ruf der Baronesse geschützt hätte, wären die Beleidigungen größer als die Selbstbeherrschung geworden. Nach einer solchen Demonstration wäre wohl keine andere Mutter mehr bereit gewesen, ihre Tochter in eine Ehe mit Henry James zu geben.

Fürst Southey wurde von Marlborough über die Vorfälle unterrichtet, sodass er mit großer Erleichterung die Absage der Winterbottoms für seinen Ball akzeptierte.

Der Ball war so angenehm wie immer. Natürlich fehlten wieder die Cantervilles, der Aschermittwoch war ja schon gewesen. Aber sowohl Anne und George als auch Eliza und Heathcoat waren da. Marc hatte sich mit einer Babysitterin abgefunden, weil ihm dafür ein Zoobesuch am nächsten Tag versprochen wurde. Elizabeth und Fitzwilliam waren zwar etwas erstaunt, sie alle hier anzutreffen, aber George erklärte, dass man doch dafür sorgen müsse, dass es ein angemessenes Empfangskomitee für Arthur gebe.
Gigi und Henry James genossen den Ball uneingeschränkt. Die Duchess sah es mit Wohlwollen. So sehr sie sich immer gegen Gigi als Schwiegertochter gesträubt hatte, so wenig war sie jetzt von dem Gedanken erbaut, dass eine andere Familie dieses Muster an Dame mit offenen Armen aufnehmen könnte. Weder Gigi noch Henry James ahnten etwas von ihren Gedanken. Sie waren nur froh, dass es keine heimlichen 'Dirigierversuche' mehr gab.
Eine gute Nachricht, eine sehr gute sogar, konnte Henry James vermelden: Wenn er sich zu Ferienkursen bereiterklärte, würde sein Vater mit zwei Jahren Studium zufrieden sein. Die Fächer waren Geschichte und Jura. Er sollte nicht unbedingt Notar oder Richter werden, er sollte nur lernen, wie Gesetze die Gesellschaft beeinflussten – und umgekehrt. Er fände zwar einen Beruf auch nicht schlecht, aber der war für einen Erbprinzen höchst unüblich. Erbprinzen erhielten eine gewisse Bildung, die ihnen später wohl nützen konnte, und erhielten dann eine Apanage. Gigi hörte mit Entzücken zu.

Etwas anders geartete Erläuterungen hörte sich unterdessen Charleen an. Mr. Warwick sollte das Geschäft seines Vaters erlernen. Der betrieb das Geschäft immer noch, neben seiner Arbeit als Parlamentarier, und hoffte auf baldige Entlastung. Er vermutete, dass er erst in drei Jahren oder so in der Lage wäre, bei dem Vater einer Dame vorzusprechen – und wenn sie noch so weit entfernt wohnte. Charleen fragte etwas unsicher, was er denn von so einer Dame erwartete.
„Sie sollte mich erhören, weil sie mich liebt. Als meine Gattin sollte sie meine Geschäftsfreunde und deren Gattinnen auf Abendgesellschaften unterhalten können. Das muss nicht unbedingt mit Musik sein, auch wenn das gut wäre, aber gepflegte Konversation würde mir vollauf genügen – in Anwesenheit unserer Gäste, natürlich.“
Sie erwiderte etwas zitterig: „Ich wünscht, Euch zu lieben, würde ausreichen.“
„Das ist meine Grundbedingung, alles andere wird sich schon ergeben.“
Sein Tonfall beruhigte mehr als seine Worte.

Fitzwilliam bemerkte, dass Fanny wieder keine Präferenzen zeigte. Er wusste auch, dass sie keine in Lambton zeigte. Er müsste irgendwie erreichen, dass die beiden Nichten bleiben dürften, bis der Ball bei den Turpins stattgefunden hatte. Mal sehen, wer von den Verwandten ihm dabei helfen konnte oder überhaupt wollte.

Insgesamt waren die Darcys und ihre Gäste mit dem Abend sehr zufrieden.
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