Mechanisches Herz

von DanBerry
GeschichteKrimi, Romanze / P18 Slash
Hank Anderson RK800-51-59 Connor
09.06.2019
24.08.2019
6
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09.06.2019 2.345
 
Park in der Nacht, 12.10.2040, 23:34 Uhr

Schüsse durchbrachen die gemächliche Stille des Parks in Detroit. Mehrere vermummte Personen griffen nach ihren Waffen, als die Sirenen verstummten und Cops mit gezückten Pistolen auf sie zu stürmten. Sie hatten nicht damit gerechnet, heute um die Uhrzeit auf frischer Tat ertappt zu werden. Sie hatten alles so sorgfältig geplant, organisiert und umgesetzt. Noch nie wurden sie so in die Enge getrieben. So mussten die Maskierten eine Kugel nach der anderen abfeuern, um sich unterdessen aus dem Staub zu machen.

“Wir sind vom DPD! Legt die Waffen nieder und Hände hoch!“, rief ihnen eine Frau mittleren alters zu, gewillt jederzeit zu schießen, wenn sie nicht auf ihren Befehl eingehen würden. Ihr Blick war ernst und sicher. Sie musste wohl schon viele solcher Einsätze durchgeführt haben. Ihr Partner, welcher direkt hinter ihr stand, hielt ebenfalls eine Waffe in der Hand. Er war noch recht jung für einen Polizisten. Seine Augen spiegelten eine gewisse Unsicherheit wider. Schnell zielte einer der Vermummten auf den Jungspund.

“Scheiße!“, schimpfte die Politesse. Sie schubste ihren Partner schnell zur Seite. Ein Schuss fiel. Sie sank keuchend zu Boden, hielt sich ihre schmerzende Wunde, welche nicht aufhören wollte zu bluten. “Reena! Nein! Halt durch!“, rief ihr der junge Polizist unter Schock zu. Seine Hände zitterten. Es war erst sein vierter Einsatz diesen Monat. Noch nie hatte er sowas durchlebt. Seine Augen suchten verzweifelt nach Hilfe. Er erstarrte, als er seine Kollegen, um ihn herum, ebenfalls tot oder verletzt auf den Boden liegen sah. Er erkannte wie ausweglos seine Situation erschien, versuchte dennoch verzweifelt sein Workie Torkie aus seiner hinteren Hosentasche hervorzuholen und Verstärkung anzufunken. “DPD bitte kommen! Wir brauchen Verst-!“  Noch ehe er nach Hilfe rufen konnte, brach es unvermittelt ab, als sich eine scharfe silberne Kugel in seinen Kopf bohrte. Sein lebloser Körper fiel zu Boden, prallte dumpf auf. Eine warme, rote Flüssigkeit benetzte die wild wachsenden Blumen um sich herum. Kühler, nasser Wind wirbelte die gefärbten Laubblätter umher.  Es trat wieder Stille im Park von Detroit ein.

Die vermummten Männer steckten ihre Waffen zurück und waren versucht sich zurückzuziehen und unterzutauchen. Jedoch blieben zwei dieser Leute noch da, versteckten sich schnell hinter dem Schatten eines großen Baumes, als sie ein blinkendes LED erblickten. “Siehst du das!? Ein Android!“, entgegnete der eine maskierte Mann seinen Komplizen. “Psst! Nicht so laut, du Idiot! Das sehe ich auch!“, funkelte der andere ihn böse an. Sie erblickten die Nummer des Models an seiner Uniform, welcher gerade den Tatort nach Hinweisen absuchte. PC200, ein Android der im Dienste der Polizei stand. “Wohl unser Glückstag.“, grinste der eine Mann unter seinem Mundschutz. “Aber nicht seiner.“, nickte der andere zurück.

Sie begaben sich aus dem Schatten des Baumes. Der eine machte zu verstehende Handzeichen, woraufhin sich der andere, den Anweisungen seines Partners folgend, unbemerkt hinter den Androiden anschlich. “Hey Blechbüchse! Suchst du etwas!?“ Der Android griff sofort nach seiner Waffe, jedoch drückte der andere Komplize hinterrücks seinen kräftigen Arm an seinen nicht vorhandenen Kehlkopf. Der PC200 versuchte sich aus dem Griff zu befreien, wurde aber von dem Mann zu Boden gedrückt. Sein LED blinkte von Gelb auf Rot hin und her. Bis es temporär auf Rot umschaltete, als der andere vermummte Typ aus seiner Tasche eine Ampulle mit einer violetten Flüssigkeit hervorholte und dem auf den Boden kauernden Androiden verabreichte.

Die beiden Männer ließen ab von ihm, grinsten nur süffisant. Es schien so, als hätten sie ihr Ziel erreicht. Beide machten sich aus dem Staub, ließen den Androiden seiner selbst. Dieser stand wie volltrunken vom Boden auf, jedoch schien alles um ihn herum zu schwanken. Seine Schaltkreise schienen verrückt zu spielen.

“Was haben die zwei nur mit mir gemacht?“, keuchte er.

Park von Detroit, Tatort, 13.10.2040, 07:21 Uhr

Der Tatort glich immer noch einem Massaker. Überall waren Reporter, Krankenwagen, Polizisten und Schaulustige zu sehen. Die Opfer wurden mit Leichentüchern bedeckt. Gelbe Absperrbänder wurden an Bäumen um den Tatort herum angebracht. Niemand Unbefugtes sollte den abgeriegelten Bereich betreten. Überall blitzten die Kameras. Beweise und auch die Opfer selbst wurden genauestens abfotografiert und dokumentiert. Etwaige Berichte verfasst.

Mehrere Polizisten versuchten die Presseleute vom Tatort fernzuhalten, was aber nicht auf viel Gegenliebe stieß. “Können sie uns sagen, wer für diese grausame Tat verantwortlich ist??“, fragte eine Journalistin im roten Mantel. Ihre blonden, gewellten Haare fielen ihr schmeichelhaft bis zur Taille. Sie hielt dem überforderten und auch ziemlich genervten Cop ein Mikrofon unter die Nase. Dieser schlug mit einer Handbewegung das Mikro beiseite und warf nur einen warnenden Blick in die lechzende Meute. “Wir wissen rein gar nichts. Dieser Tatort wird gerade inspiziert und wenn ihr jetzt nicht augenblicklich verschwindet, dann verhafte ich jegliche Person wegen Hindernis von polizeilichen Untersuchungen! Ist das klar!?“ Siegessicher rümpfte der etwas dickliche Mann seine Nase. Er war bereits um die 40 Jahre, hatte afroamerikanische Wurzeln und wurde von jedem Kollegen liebevoll “Dicker“ genannt. Die Blondine schien nicht sehr beeindruckt, ließ jedoch von jeder weiteren Frage ab. Hier waren definitiv keine weiteren Antworten zu holen. Dies taten ihr dann auch die anderen Presseleute gleich.

Der dickliche Polizist wandte sich um, als er plötzlich am Parkeingang ein in die Jahre gekommenes Auto einparken sah. Das Abbremsen konnte man einfach nicht überhören. Er wusste sogleich wem er das Fahrzeug zuzuordnen hatte. Aus dem Wagen stiegen zwei Männer aus. Ein junger Android und ein etwas älterer Herr. Diese weißen Haare und der Bart, vor allem aber sein mürrisches Gesicht, all dies bestätigte es ihm. “Hank!“, lächelte der Polizist. “Haben uns ja lange nicht mehr gesehen!“ Er gab seinem Gegenüber eine beherzte Umarmung. “Hey Dicker! Ist wirklich lange her! Hast dich gut gemacht!“, gab der ältere Mann zurück. “Finden sie das nicht unhöflich, jemanden aufgrund seiner Figur zu definieren und Spitznamen zu verpassen, Lieutenant?“, unterbrach eine Stimme unmittelbar hinter ihnen das fröhliche Wiedersehen. Eine hochgezogene Augenbraue betrachtete Hank skeptisch. Dieser verdrehte die Augen, seufzte laut, sodass er dem Androiden sein Missfallen zu verstehen gab. Jener wusste diese Reaktion nicht einzuordnen. “Was haben sie, Lieutenant? Möchten sie mir ihren Freund nicht vorstellen?“ “Weißt du was Connor? Ach vergiss es!“, entgegnete er genervt dem brünetten jungen Mann. Dieser verstand nicht, was sein menschlicher Partner ihm damit sagen wollte. Ließ aber eine weitere Frage aus, um Hank nicht weiter aufzuregen. Er versuchte es zwar wirklich, aber es gelang ihm einfach nicht, jeden Inhalt seiner Worte zu analysieren und seine Absichten dahinter zu erkennen.

Connor war ein Model RK800, ein Prototyp von CyberLife. Nach der friedlichen Demonstration der Androiden, blieb er Partner von Hank Anderson. Er war darüber sehr glücklich, dass ihm dies erlaubt wurde und auch, dass der Lieutenant nichts dagegen hatte. Connors LED an der Schläfe blinkte im satten Blau, als er auf seiner Datenbank seine gespeicherten Erinnerungen abrief. Ein verschmitztes Lächeln zierte seine Lippen.

“Connor! Bewegst du deinen kleinen Metallhintern nun hierher oder nicht!?“, rief ihm sein Partner zu, welcher bereits die Absperrung betreten hatte. “I-ich komme Lieutenant!“, antwortete ihm der Android wie auf Kommando. Diese 'Tagträume' musste er umgehend abschaffen, befahl er sich selbst.

“Wusste gar nicht, dass du neben deinem Hund auch einen Androiden als Haustier hältst.“, scherzte der Dicke. “Lach nicht, der kam mir einfach so zugelaufen und hängt jetzt an mir.“, seufzte Hank.

Die Drei betraten den Tatort. Connor fing sofort an jegliche Spuren zu lokalisieren und analysieren. Sein Blick fiel auf eine leere Ampulle, welche neben seinen Füßen lag. Er nahm sie in die Hand, betrachtete diese von jeder Seite, konnte aber nichts verdächtiges feststellen. “Hast du was gefunden, Connor?“, kam Hank auf ihn zu. “Eine leere Ampulle lag auf dem Boden, jedoch leer...ohne dass man darauf Rückschließen könnte, was deren Inhalt war...“, antwortete er sachlich. Er übergab der Spurensicherung das gefundene Beweismittel. Ihm beschlich ein leiser Verdacht, dass dieses kleine Fläschchen ein wichtiger Hinweis war.

“Gab es Überlebende?“, hakte der Lieutenant bei den Sanitätern nach. Jedoch erntete er lediglich ein Kopfschütteln. “Wir kamen leider zu spät...alle, die noch halbwegs überlebt hatten, erlagen letztendlich ihren Verletzungen.“, sprach dieser, schluckte dabei schwer. Es musste hart sein, jeden Tag solch grausame Dinge zu sehen. Auch bei ihm war es nicht anders. Er wusste um die Gefühle, des noch recht jungen Sanitäters, Bescheid. Hank legte eine Hand auf dessen Schulter, versuchte Trost zu spenden. “Das tut mir leid...“

Connor sah ihn bewundernd an. Er konnte es zwar noch nicht ganz verstehen, aber der Lieutenant nannte es Empathie. Die Gefühle des anderen nachzuempfinden, als ob sich diese auf einen selbst übertrugen.

“Dinge fühlen, die ein anderer fühlt....“, nuschelte der Android vor sich hin.

“Hey! Alles in Ordnung mit dir?“ Zwei eisblaue Augen trafen die seine. Seine Thiriumpumpe schlug auf einmal ein paar Millisekunden schneller als üblich. “Es tut mir leid...ich war schon wieder mit meinen Gedanken wo anders. Es kommt nicht wieder vor, Sir.“, entgegnete ihm Connor gedankenverloren. “Okay. Na schön...“, Zweifel lagen in der Stimme des Älteren. “...aber bleib in meiner Nähe, hörst du?“ Der Android schaute seinen Partner perplex an. Versuchte seine Worte zu verarbeiten, zu deuten, jedoch blieben sie ihm weiterhin ein Rätsel. Wieso gab ihm der Lieutenant solch ein unwichtigen Befehl? “Wie sie wünschen, Lieutenant.“ Seine Antwort war leicht distanziert. Dennoch freute er sich über dessen Worte. Er fühlte sich sicher, wenn er an Hanks Seite war. Er wusste dieses Gefühl nur noch nicht in seiner Datenbank einzuordnen.

Hank sah den Androiden beunruhigt an. Es war ihm nicht entgangen, dass das kleine Lämpchen an seiner Schläfe von Blau auf Gelb hin und her rotierte. Über was grübelte der Kleine nur die ganze Zeit nach, dachte er sich. Jedoch war es nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber nachzudenken. Immerhin hatten die beiden hier noch einen Fall zu klären. Überraschenderweise wurde ihm von einer Politesse mitgeteilt, dass ein Android überlebt hatte, mehr oder weniger, denn er brachte keinen Ton über die Lippen.

Hank und Connor fanden das Model PC200, angelehnt an einer Mauer, die Beine fest umschlungen. Sein Blick war leer, als ob er bereits abgeschaltet wurde. Connor überprüfte seine Stabilität. Seine LED leuchtete kontinuierlich Rot. Es bestand die Gefahr der Abschaltung. Seine Thiriumpumpe schien aber noch voll funktionsfähig und andere Komponente schienen auch nicht beschädigt zu sein. Er konnte äußerliche Verletzungen ausschließen. Demnach musste ihm etwas anderes Schreckliches zugestoßen worden sein.

“Hörst du mich? Ich bin Connor. Ein Android, geschickt vom DPD. Wir sind hier, um herauszufinden was passiert ist. Kannst du mir deinen Namen nennen?“, versuchte der brünette Android seine Aufmerksamkeit zu erhaschen, jedoch wirkungslos. Hank beobachtete die beiden von der Seite aus. Er überließ seinen Partner die Befragung. Er vertraute ihm vollends.

Der stumme Android sah kurz zu den Zweien auf, senkte aber seinen Blick schnell wieder. Seine Atmung veränderte sich. Sie wurde unruhig.

Connor nahm seinen Arm, verband sich mit ihm, um mehr zu erfahren. Seine eigene LED flackerte kurz Rot auf, ihm wurden Erinnerungen des PC200's auf sein Speicher übertragen. Er sah wie zwei vermummte Kerle den Androiden zu Boden drückten und ihm eine seltsame violette Flüssigkeit verabreichten. Danach riss die Übertragung ab. Connors Hände zitterten. Er spürte sowas wie Angst. Sein Blick fokussierte sich plötzlich auf seinen Partner, als dieser ihn beunruhigt ansprach. “Mein Gott! Connor! Antworte mir gefälligst, wenn ich mit dir spreche!“, Hank bemerkte die mit Angst erfüllten Augen seines Partners, woraufhin er sich zum brünetten Androiden hinunter bückte und ihn in eine Umarmung zwang. “Bereite mir nicht ständig solche Sorgen, Kleiner!“ Dieser löste sich sachte von ihm. “Drogen...“, nuschelte Connor leise vor sich hin. “Was?“ “Ihm wurde eine flüssige Droge verabreicht, Lieutenant.“, entgegnete ihm der brünette Android, diesmal mit mehr Nachdruck. Seine LED nahm wieder einen ruhigen, blauen Ton an.

Hank sprang wütend vom Boden auf. “Scheiße! Immer wieder dieses Dreckszeug!“, fluchte er. Plötzlich machte der Körper des regungslosen Androiden unnatürliche Bewegungen. Er schlug mit seinem Hinterkopf ständig an die Mauer. “W-was hat das Ding auf einmal!?“, überfordert blickte Hank zu Connor. Dieser überprüfte nochmal seine Komponente. “Fuck!“, entfleuchte es ungewohnt aus seinem Munde. Sein Partner schaute ihn unglaubwürdig an, als hätte er sich gerade verhört. “Was, Connor, was!? Muss ich dir alles aus der Nase ziehen, oder erzählst du mir endlich was mit der Blechbüchse ist!?“, äußerte sich der Ältere leicht aufgebracht. “Die Thiriumpumpe! Sie wird zunehmend schwächer! Wenn wir nichts unternehmen, dann-!“ “Fuck!“, entkam es nun auch aus Hanks Mund. Sein Androidenpartner versuchte schnell eine Lösung zu finden, konnte aber im Endeffekt nichts für den anderen Androiden tun. Nach wenigen Sekunden schaltete sich dieser ab. Seine Thiriumpumpe stand still, das LED erloschen.

Er war 'tot'.

“Nein...“, Connor wusste nicht wieso, er empfand Traurigkeit. Dieses Gefühl machte ihm Angst. Es tat weh. Unbewusst fasste er an sein mechanisches Herz, wusste er doch nur zu gut, dass er nichts hätte tun können. Diese Erkenntnis,  dieses seltsame Gefühl der Machtlosigkeit, ließ ihn leiden, erschauderte ihn. Er schloss kurz die Augen. Er musste sich beruhigen. Er scannte seinen eigenen Körper nach Auffälligkeiten ab. Alles schien in Ordnung. Lediglich seine Thiriumpumpe schlug etwas unregelmäßig. Nach ein paar Sekunden normalisierte sich diese aber wieder. Er spürte auf seinem braunen Schopf, die Hand seines Partners, der leicht darüber fuhr, als wäre dieser aus Porzellan. “Tut mir leid, Connor.“, entschuldigte sich der Ältere. “Schon gut, Lieutenant. Es ist alles in Ordnung.“, beruhigte er ihn, seine Lippen zierte ein trauriges Lächeln.

“Wir sind hier erst mal fertig. Lass uns gehen.“, teilte Hank ihm mit. Seine Worte ließen Connor wieder freier atmen. Er wollte nur eines, schnell weg von diesem Ort.


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Hi ihr Lieben! Vielen Dank, dass Ihr bis hierhin gelesen habt. Ich wollte schon immer einmal über eines meiner absoluten Lieblingsgames eine FF schreiben. Ich liebe die Charaktere wirklich alle sehr, aber am liebsten habe ich Hank und Connor. Nichts geht über Connor mit seiner coolen, aber dennoch naiven Art. Ich liebe ihn! (♥^-^♥) Falls es Leser gibt, die diese FF interessant finden, würde ich wohl früher an der Story weiterschreiben. Kommt aber auf die Resonanz an. :3 Auf jeden Fall Danke fürs Lesen & see you!

DanBerry
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