Soul Hunt

GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P12
Elben & Elfen Gestaltwandler Ritter & Krieger Zauberer & Hexen
09.06.2019
15.06.2019
7
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Elaith

Am nächsten Morgen wachte ich relativ früh auf. Als ich aus der Höhle trat, ging die Sonne gerade erst auf. Trotzdem waren die meisten anderen Krieger und Kriegerinnen schon auf den Beinen. Ein paar waren bei Nalani, wahrscheinlich um zu sehen, wie es Mijah ging. Doch es hatten sich auch viele vor Onvyrs Höhle versammelt. Da dies meine Aufmerksamkeit in dem Moment am meisten auf sich zog, gesellte ich mich zu den Anderen, welche vor Onvyrs Höhle auf irgendetwas zu warten schienen. Auch Rym war bei ihnen. In der Menge hätte ich ihn fast nicht gesehen, da er der Jüngste und somit auch Kleinste war.

"Rym!", rief ich ihn zu mir. Er drehte sich um und kam zu mir gelaufen, sobald er mich sah. "Hey, Kleiner." Ich grinste und streichelte ihm kurz den Kopf, woraufhin er lächelte. "Was ist denn dort drüben los?", wollte ich wissen. "Letzte Nacht hat die Patrouille einen Eindringling aufgeschnappt", erzählte er mir, "Die Anderen haben gesagt, dass es ein Mensch ist." 'Ein Mensch?' , ging es mir durch den Kopf, 'Normalerweise können doch nur magische Wesen die Barriere durchschreiten...' Dem würde ich auf den Grund gehen müssen.

"Was ist mit deinem Training?", fragte ich ihn. Rym schüttelte leicht den Kopf. "Takura ist ziemlich beschäftigt wegen allem, was passiert ist. Er hat gesagt, wir sollen selbstständig trainieren", erklärt er mir. Ich nickte verstehend. "Sollen wir heute zusammen in den Wald gehen?", bot ich ihm an. "Ja!", rief er fröhlich und strahlte bis über das ganze Gesicht. Bei dem Anblick musste ich schmunzeln. "Geh' doch mit Cellica spielen, bis wir losgehen", schlug ich ihm vor. Rym nickte eifrig und ging los um seine Freundin zu suchen. Ich schaute ihm noch kurz hinterher, dann ging ich zu der Höhle. Die Menge hatte sich zumindest ein bisschen aufgelöst.

Zwar war ich relativ jung, gerade einmal neunzehn Jahre alt, doch trotzdem wurde ich von den anderen Clanmitgliedern mit großem Respekt behandelt, da ich schnell lernte und das Gelernte auch sofort anwenden kann, was teilweise der Grund war, weshalb ich einer der besten Krieger war.

Generell genoss ich einen guten Ruf im Clan. Deshalb wurde mir auch Platz gemacht, als ich der Höhle näher kam. Drinnen sah ich zwei andere Krieger, die tatsächlich ein Menschenmädchen gefangen hatten. Onvyr musterte das Mädchen, dem das alles ziemlich unangenehm zu sein schien. Dann sagte er etwas, was ich nicht verstehen konnte und die zwei Krieger brachten das Mädchen aus der Höhle. Wohin sie gingen, wusste ich nicht, da ich ihnen nicht hinterher schaute, sondern auf Onvyr zuging.

Da das "Ereignis" vorbei war, machten alle wieder mit ihrer täglichen Routine weiter. Nach wenigen Momenten war ich mit Onvyr alleine. Trotzdem zögerte ich noch einige Sekunden, bevor ich meine Gedanken aussprach: "Was war da gerade eben los?" Onvyr antwortete in einem ernsten Ton: "Ein Mensch hat es irgendwie geschafft, durch die magische Barriere zu kommen, ob es nun beabsichtigt war oder nicht." Ich konnte es nicht glauben. Eigentlich hatte ich es schon gewusst, aber es von Onvyr persönlich zu hören war etwas ganz Anderes. "Aber... wie?", wollte ich wissen, wobei ich mich wirklich bemühen musste, nicht außer Fassung zu geraten. Das war ein Grund, warum ich ihn in gewisser Weise bewunderte. Egal, wie verzwickt die Situation war, er blieb immer ruhig und gelassen.

"Das werden wir noch herausfinden", war seine Antwort, "Dieser Mensch wird vorübergehend unter strenger Bewachung bei uns bleiben." Ich nickte verstehend. Er trat ein paar Schritte näher und stand nun direkt vor mir. "Ich möchte, dass du sie bewachst. Glaubst du, dieser Aufgabe gewachsen zu sein?"

In dem Moment zweifelte ich wirklich an, ob er das ernst meinte. Nicht, dass ich niemanden bewachen könnte, sondern weil diese Aufgabe viel zu einfach war. Doch ich widersprach nicht, sondern stimmte zu: "Ich übernehme die Überwachung des Menschen." Onvyr nickte mir dankend zu. "Ich zähle auf dich."

Nach dem Gespräch mit Onvyr ging ich ohne Umwege zu der Höhle, in der normalerweise Gefangene von uns untergebracht wurde, wobei das Mädchen nicht direkt eine Gefangene war, sie stand nur von nun an unter meiner Bewachung. Ich mochte dieses Wort, 'Gefangener' , überhaupt nicht. Habe ich noch nie. Die Höhle für diese Leute war auch schon jahrelang nicht mehr genutzt worden. Aber das lag hauptsächlich daran, dass dank der Barriere keine Menschenseele von unserem Clan wusste. Na ja ... bis zu diesem Tag.

Bei der Höhle angekommen warteten dort schon zwei Krieger mit verschränkten Armen. Sie wirkten erleichtert, als sie mich kommen sahen. Wahrscheinlich hatten sie ihrer Meinung nach Besseres zu tun, als einen dahergelaufenen Menschen zu bewachen. Ich jedoch musste zugeben, das dieses Mädchen mein Interesse geweckt hatte. Interesse insofern, dass ich neugierig war, wie man als normaler Mensch eine magische Barriere betreten konnte. Die beiden Krieger entfernten sich und machten sich wahrscheinlich auf den Weg zu ihren eigenen Höhlen.

In der Höhle sah ich das Mädchen sitzen. Sie lehnte sich an der Wand aus Stein und Erde an und vermied jeglichen Blickkontakt. Da ich wusste, dass ich eine ganze Weile vor der Höhle verbringen werden müsste, setzte ich mich auf den Boden vor der Höhle, aber so, dass ich das Mädchen noch im Augenwinkel sehen konnte. Ich erkannte sofort, dass sie nicht aus der Gegend kam, denn die Menschen, welche in den nahegelegenen Dörfern wohnten, trugen eher einfache Kleidung. Aber sie hatte einen ganz anderen und aufwendigeren Stil als die Dorfbewohner. Das zeigte schon der Schmuck, den sie trug. Zwei Federn waren in ihrem blassroten Haar befestigt und sie trug Ohrringe aus Edelsteinen, welche die Form einer Blume ergaben.

Doch am meisten fiel mir die Narbe auf, die sich von ihrer Stirn bis über ihre Nase zog. Ich fragte mich, was da passiert war, aber das Mädchen direkt darauf anzusprechen, wäre wahrscheinlich keine gute Idee. Es würde sie noch mehr in die Enge treiben, als sie es jetzt schon ist. Deshalb beschloss ich, ihr erst einmal Zeit zu geben, sich zu sammeln und in dieser Situation einzufinden. Sie wirkte überhaupt nicht böse und irgendetwas sagte mir, dass es auch nicht ihre Absicht gewesen war, unser Territorium zu betreten. Da sie auch keine Anstalten machte, zu fliehen oder irgendetwas gegen die Bewachung zu tun, wollte ich ein wenig meditieren.

Durch alles, was passiert war, war mein Geist ziemlich durcheinander. Also schloss ich die Augen und atmete tief durch. Ich versuchte mich, so gut wie es nun einmal ging, zu konzentrieren und alles andere auszublenden. Jede Stimme, die nach jemandem rief, jedes Rascheln im Gebüsch und alles andere schaltete ich stumm. Nach einigen Minuten war das Einzige, was ich hörte, mein eigener Herzschlag. Ich hörte und spürte auch, wie er langsamer wurde. Irgendwann schlug es regelmäßig alle paar Sekunden. Lange Zeit blieb ich in diesem Zustand, sammelte mich und ordnete meine Gedanken.

Als ich von der Meditation erwachte, stellte ich fest, dass die Sonne schon weit gezogen war. Ich hatte wohl einige Stunden lang meditiert. Um sicherzugehen, dass das Mädchen noch da war, schaute ich über meine Schulter in die Höhle und hatte zum ersten Mal Blickkontakt mit ihr.
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