Ice Fires

von Centaurus
OneshotRomanze, Freundschaft / P12 Slash
Cyclops / Scott Summers Iceman / Roberto "Bobby" Drake Pyro / St. John Allerdyce
09.06.2019
09.06.2019
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Hallo zusammen!
Ich dachte mir, ich krame noch mal ein paar meiner alten Oneshots aus und da bin ich über diesen gestolpert. Vielleicht gefällt er dem ein oder anderen von euch ja.
Wem dieses Pairing zusagt, dem empfehle ich auch gerne diesen Oneshot von mir: Blizzard
Viel Spaß beim Lesen. :)

Disclaimer: Natürlich gehören alle vorkommenden Charaktere nur ihrem Schöpfer/ihrer Schöpferin und nicht mir, ich leihe sie mir lediglich für diese Geschichte aus und verdiene auch kein Geld damit.

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Ice Fires


--- Westchester County, New York ---


Es war jedes Mal so. Er zu ihm oder umgekehrt. Ganz egal. Die entsetzliche Anspannung breitete sich trotzdem in ihm aus. Er wollte das nicht zulassen, sich beruhigen und einreden, dass schon alles gut gehen würde. Sie waren Teenager und da musste man gewisse Risiken doch wagen, oder nicht?
Das Problem war nur, dass die Konsequenzen, die ihre nächtlichen Besuche bei einander haben konnten, seine Vorstellungskraft bei weitem überstiegen. Und statt sicherer wurde er immer nervöser, weil es vermutlich irgendwann nicht mehr gut gehen würde und was dann?
Wenn der Professor ihn von der Schule schmiss, dann würde er zu seiner Familie nach Boston zurückkehren müssen. Zu seinen Eltern, denen er erstmal erklären müsste, was er eigentlich war oder er müsste es mit aller Macht vor ihnen verbergen. Er müsste alle belügen. Und zu seinem Bruder hatte er auch kein so gutes Verhältnis. Er war so froh, hier zu sein und...

Als er bemerkte, dass er sich zu sehr in diese Angst hineinsteigerte, war es bereits zu spät. Auf den Flur und zu den Waschräumen würde er es nicht mehr schaffen, also blieb nur noch der Papierkorb... und ein wenig ansehnlicher Anblick für seinen Freund, der in diesem Moment klopfte und direkt reinkam.
„Was ist das denn für eine Begrüßung?“, beschwerte John sich, natürlich nicht ganz ernstgemeint bei ihm, während er noch würgend über dem Mülleimer hing. Wenn er könnte, hätte er diesen bösen Kommentar ja liebend gern gekontert, aber das war ihm gerade leider nicht möglich.
Er versuchte es zwar, doch jeder Ansatz eines Wortes ging im Husten unter, sodass John schließlich doch zu ihm herüberkam und ihm helfend auf den Rücken klopfte. Allein an seiner vorsichtigen Art, ihn zu berühren erkannte er, dass John sich jetzt Sorgen um ihn machte. Diese Seite zeigte er doch eher selten. Umso mehr freute es ihn für gewöhnlich, wenn der Ältere sie zeigte, wobei das mit dem Freuen gerade nicht so einfach war.
„Was ist denn mit dir los? Krank oder falsch gegessen?“, wollte John schließlich wissen und nun verriet auch seine Stimme, dass er sich Gedanken um ihn machte. Er fand es ziemlich süß, musste sich aber erstmal darauf konzentrieren, wieder ein bisschen zu Atem zu kommen.

„Weder das eine, noch das andere“, keuchte er seinem Freund irgendwann entgegen. Ein Blick in den Papierkorb verriet, dass der Inhalt genauso aussah, wie er sich in diesem Augenblick fühlte. Widerlich. Das war ihm total peinlich und dann auch noch vor John. Er konnte nicht anders, als ihn ein bisschen beschämt anzusehen. „Tut mir leid.“
Der Ältere zog irritiert die Stirn in Falten. „Ich denke nicht, dass du dich für sowas entschuldigen musst. Sowas soll ja bekanntlich vorkommen können. Also sag schon, woran‘s liegt.“
Er presste die Lippen aufeinander. Das war nicht gerade Johns Lieblingsthema, darum versuchte er auch immer, es möglichst zu umgehen. Stattdessen warf er einen missmutigen Blick auf seinen Mülleimer und verzog angewidert das Gesicht, bevor er meinte: „Das würde ich lieber erstmal entsorgen gehen.“
Ein breites Grinsen zeichnete sich auf dem Gesicht des Älteren ab, als er meinte: „Weißt du eigentlich, dass man so ziemlich alles verbrennen kann? Da bleibt nichts mehr von übrig und keiner könnte je erfahren, was passiert ist.“
„Nein!“, rief er sofort entsetzt aus. „Du wirst keinen Papierkorb auf meinem Zimmer anzünden! Bist du irre?!“ Ihm wurde auch so schon jedes Mal ganz anders, wenn John mit seinem Feuerzeug rumspielen musste. Er war diese Macke inzwischen gewohnt und sagte auch nichts mehr dazu, aber er wollte nicht, dass sein Freund am Ende noch versehentlich die Schule abfackelte.

Doch wieder grinste der Ältere nur, als er entgegnete: „Schon gut, kein Grund gleich Panik zu schieben. Gib nur her. Ich kann das machen und bin gleich wieder da.“
Es rührte ihn, dass John sich so um ihn kümmern wollte, allerdings schüttelte er langsam den Kopf. „Besser ich mach das. Sonst musst du dich noch mal zu mir schleichen.“ Und dann würde ihn vielleicht doch noch jemand erwischen und dann würde er sich schuldig fühlen, weil er nicht selbst gegangen war...
Außerdem war er es, der das hier fabriziert hatte. Da wollte er bestimmt nicht John damit losschicken. Auch wenn dieser nun seufzte und ihn fast ein bisschen enttäuscht ansah. „Okay, aber du musst deswegen nicht immer so ängstlich sein. Mich wird schon keiner sehen.“
Das hoffte er ja auch. Aber konnten sie das wirklich mit absoluter Sicherheit sagen? Eher nicht. Es gab zu vieles, worauf sie keinen Einfluss nehmen konnten. Es war zu unsicher. Also ging er lieber schnell selbst. Es würde ja nicht lange dauern.

Ihm war dennoch etwas mulmig, als er um diese Zeit noch einmal hinaus auf den Flur trat. Alles so dunkel und ruhig. Er wusste, dass keiner etwas dagegen sagen konnte, wenn er erklärte, warum er um diese Zeit sein Zimmer verlassen hatte und er war durchaus in einem Alter, in dem der Professor das nicht mehr so streng nahm. Und trotzdem fühlte es sich an, als würde er etwas Verbotenes tun.
Auf jedes kleine Geräusch reagierte sein Körper. Entweder fuhr er zusammen oder das Herz setzte einen Schlag aus und das Wissen, sich damit noch auffälliger zu verhalten, machte es noch schlimmer. Eigentlich hätte er schon längst etwas dagegen unternehmen sollen, doch was? Er wollte schließlich nicht seine Beziehung aufgeben, aber in der ständigen Angst, dass es jemand erfahren könnte, zu leben, war auch nicht besonders leicht.
Das alles konnte er nicht aus seinem Kopf vertreiben, während er den Inhalt seines Papierkorbs in den Restmüll entsorgte. Es ging ihm auch nicht aus dem Kopf, als er den Boden des Eimers wieder sauberwischte. Die ganze Zeit kreisten seine Gedanken um eine Lösung, die er nicht finden konnte. Vielleicht musste er sich doch entscheiden und er wusste, dass er sich immer für John entscheiden würde, aber… War das richtig? Es fühlte sich ja zumindest so an, doch war es das auch? Und so drehte er sich immer wieder im Kreis.

Als er mit allem soweit fertig war, entschloss er sich, noch einen kurzen Abstecher in den Waschraum zu machen. Immerhin konnte er davon ausgehen, dass John und er sich heute Nacht noch ein bisschen näherkommen würden und da er sich eben so fürchterlich übergeben hatte, wollte er sich wenigstens die Zähne putzen. Er hoffte, dass dieser widerliche Geschmack dann verschwinden würde.
Und während er das tat, dachte er wieder darüber nach, was in ein paar Jahren aus ihnen werden würde. John war sein erster, fester Freund gewesen. Er war alles was er kannte und er wollte sich nichts Anderes vorstellen. Wenn er nur daran dachte, dass das irgendwann vorbei sein könnte, wollte er verzweifeln. Aber die Angst davor wurde größer.
Dinge veränderten sich. Sie hatten sich beide verändert, sie wurden älter, sie interessierten sich für andere Dinge und doch hatte er das Gefühl, dass bei John alles wie immer war. Es war seltsam, sich ständig zwischen Angst und Sicherheit zu bewegen. Zwei Dinge, die scheinbar so gar nicht zueinander passen wollten. Allerdings würden sie auch nicht ewig auf dieser Schule bleiben und es würde ein Leben danach geben. Wie sollte das aussehen?

Alles Dinge, über die er versucht hatte mit John zu reden, nur blockte er das jedes Mal ab und behauptete, dass er sich einfach zu viele Gedanken machen würde. Vielleicht stimmte das sogar. Er hatte immer viel nachdenken müssen. Und gegen Johns Sturheit anzukommen, war so gut wie unmöglich. Darum hatte er es auch gut sein lassen wollen.
Da hatte er sich allerdings auch noch nicht übergeben müssen und das veranlasste ihn dazu, sich mit allem wieder von vorne auseinander zu setzen. Er hatte keine andere Wahl, als es John zu sagen. Dass es daran lag und vermutlich würde das den Älteren nicht besonders freuen. Er konnte den Gesprächsverlauf fast voraussagen, aber vielleicht half ihm das ja, dieses Mal nicht so einfach nachzugeben.
Sie mussten das klären. So oder so. Sie mussten sich überlegen, was sie tun wollten, wie das weitergehen sollte. Er würde Johns Schulterzucken diesmal nicht gelten lassen, genauso wenig wie seine Behauptung, dass sie noch Zeit hatten, sich das zu überlegen. Das sagte er seit drei Jahren und sie würden nun einmal nicht ewig Teenager sein.

Mit diesen Gedanken und einem immer noch etwas unwohlen Gefühl, kehrte er schließlich auf sein Zimmer zurück. John wollte anscheinend keine Zeit verlieren, hatte es sich bereits auf seinem Bett bequem gemacht und sein Shirt nachlässig über die Stuhllehne geworfen. Er verstand natürlich die Einladung, die dahintersteckte.
„Wurde auch Zeit, dass du wiederkommst“, meinte sein Freund und ließ ihm damit keine Gelegenheit, irgendwas zu sagen. Er näherte sich ihm mit langsam Schritten, überlegte, wie er noch auf das eigentliche Thema kommen konnte, ohne ihn wieder zu einem genervten Stöhnen zu veranlassen.
Vorsichtig kam er zu ihm aufs Bett und sofort griffen die Hände des Älteren nach ihm. Ein bisschen widerwillig ließ er sich von John auf die Laken drücken und noch ehe er etwas sagen konnte, spürte er die vertrauten Lippen auf seinen. Er würde den Kuss gerne erwidern, doch seine Gedanken hielten ihn davon ab.

Als John das bemerkte, löste er sich wieder von ihm, sah ihn mit einer Mischung aus Enttäuschung und Ärger an. „Was ist jetzt wieder? Komm schon, Bobby, das kann doch nicht dein Ernst sein! Nacht für Nacht schleich ich mich zu dir und dann krieg ich nicht einmal einen richtigen Kuss“, beschwerte er sich bei ihm.
Er konnte das sogar verstehen. Aber genau da lag ja der Punkt, den er so gerne ansprechen würde, sich aber nicht mehr traute. Wie sollte er das jetzt am besten verpacken? Er biss sich auf die Lippe, sah seinen Freund schuldbewusst an und versuchte etwas zu sagen. „Tut mir leid, John… Es ist nur…“ Er suchte nach den richtigen Worten, fand sie aber nicht.
John sah erwartungsvoll auf ihn herab, schien ihn mit seinem Blick regelrecht zu durchbohren. Das gefiel ihm nicht. Das hatte ihn schon immer nervös gemacht, aber damit hatte er schon gerechnet. Er wollte ihn nicht enttäuschen, aber es gab Dinge, über die man nicht schweigen konnte und außerdem… Was war denn mit ihm? Was war mit seiner Enttäuschung?

Er hielt sich an John fest, weil er fürchtete, er könnte sich ihm entziehen, wenn er erst mit diesem leidigen Thema anfing. „Wegen unserer Beziehung…“, setzte er an und schon wollte John sich von ihm zurückziehen, doch das ließ er nicht zu. Er hielt ihn fest, versuchte ihm in die Augen zu sehen um ihm zu zeigen, dass es ihm sehr wichtig war, jetzt endlich darüber zu reden. „Weich mir nicht immer aus.“
Der Ältere verdrehte die Augen, wie er vermutet hatte und ließ sich schwer auf seine Hüfte fallen. Er verzog dabei keine Miene, auch wenn er darauf nicht gefasst gewesen war. „Haben wir darüber nicht schon oft genug gequatscht? Wieso musst du so ein riesen Problem machen, obwohl wir gar keins haben? Bist du unglücklich? Hast du kein Bock mehr auf mich?“
Diesmal verdrehte er die Augen, weil John einfach nicht kapierte, worum es ihm ging. Wieso musste er auch so schwer von Begriff sein? „Das ist doch Blödsinn und das glaubst du hoffentlich nicht“, gab er also zurück, allerdings gelang es ihm nie, so viel Nachdruck in seine Worte zu legen, wie er gerne wollte. „Ich bin bestimmt nicht unglücklich und wen sollte ich sonst wollen, außer dich?“ Er hoffte, dass der Ältere ihm das glaubte.
„Was ist es dann? Bobby, im Ernst, ich kapier das nicht. Wir sind zusammen seit… was? Drei Jahren? Und du hast nie daran gezweifelt. Was ist auf einmal mit dir los?“ So plötzlich kam das eigentlich gar nicht. Diese Zweifel hatte er schon vorher gehabt, nur hatte er sie John zur Liebe ignoriert. Das konnte er ihm nur schlecht so sagen.

Er richtete den Blick zur Seite, weil er Johns nicht mehr standhalten konnte. Er schloss die Augen und versuchte alles zu verdrängen, was in ihm vor sich ging und das bereitete ihm aufs neue Magenschmerzen. John konnte mit dem ganzen Druck anscheinend besser umgehen und er wünschte, er könnte das auch.
Er hörte seinen Freund tief durchatmen, hörte die Ungeduld darin und wünschte, er wüsste, was er jetzt sagen konnte, um diese Situation ein bisschen zu entschärfen. Er wollte sich auf gar keinen Fall streiten und sie hatten sich ja auch mal darauf geeinigt, dass sie die gemeinsame Zeit lieber genießen wollten. Es fiel ihm leider nur schwerer, als gedacht, das auch zu tun.
Plötzlich wurde Johns Stimme ein bisschen weicher, als er fragte: „War es deswegen? Ich meine, geht’s dir so schlecht, weil du dir deswegen ständig Gedanken machst?“ Es überraschte ihn, dass der Ältere nun scheinbar doch darüber nachdachte. Damit hatte er nicht mehr gerechnet und dementsprechend überrascht sah er ihn auch an.
Der Zorn war aus Johns Zügen verschwunden. Jetzt schien er tatsächlich mehr besorgt zu sein, auch wenn man ihm sein Unbehagen immer noch ansehen konnte. Es war sicher für sie beide nicht so einfach, aber sie gingen auf ganz verschiedene Weise damit um.

Schließlich nickte er vorsichtig. Immerhin war es so. Die ganze Nervosität, ständig der Gedanke, dass sie von irgendjemandem erwischt werden könnten und sich dann zu überlegen, was geschehen würde… Das machte ihn noch wahnsinnig!
„Irgendwann werden sie anfangen, über uns zu reden“, kam es ihm nun leise über die Lippen. Mit dieser Vorstellung quälte er sich schon seit langer Zeit herum. „Irgendwann sieht jemand, wenn du dich zu mir schleichst. Oder ich mich zu dir. Völlig egal. Und dann… Dann werden sie ständig davon reden und kein anderes Thema mehr kennen. Manchen ist das vielleicht egal, aber was sollen wir mit denen tun, die uns dann schaden wollen?“
Er wusste ja, dass John sich um sowas keine Gedanken machen wollte, aber er tat es nun einmal und es wäre sicherlich nicht verkehrt, wenn sie vorher wüssten, wie sie mit sowas umgehen wollten.
„Sollte es uns nicht egal sein, was andere Leute über uns denken?“, gab John nun zurück und dieses Argument war ihm nicht neu. Natürlich hatte der Ältere recht. Sie sollten ihr Leben nicht an die Wünsche und Vorstellungen anderer anpassen, nur…
„Wird es das? Meinst du, wir können das beide ignorieren, wenn es erst soweit kommt. Am Anfang vielleicht, aber wenn es immer weitergeht?“, gab er also zu bedenken. Sie wussten doch beide, wie das ablaufen konnte. Sie waren doch beide zur Schule gegangen und das hier war auch eine. Selbst, wenn sie mehr oder weniger gleich waren. Es gab Dinge, die sich nicht änderten. Nicht einmal, wenn man auf eine Schule voller Mutanten ging.

„Dann verstecken wir uns damit also auch. Genauso wie wir uns verstecken müssen, weil wir Mutanten sind, müssen wir unsere Gefühle auch unterdrücken, nur, weil andere es so wollen“, stellte John nun verbittert fest und wollte sich von ihm lösen, doch er hielt ihn weiterhin fest. Er wollte nicht, dass sein Freund ging.
Der Widerstand in John war deutlich zu spüren, aber er würde nicht zulassen, dass sie sich jetzt stritten oder sich irgendwelche Dinge sagten, die sie gar nicht sagen wollten.
Schließlich gab John auf, blickte ihn mit einem undefinierbaren Blick an und seufzte leise. „Das sollte alles nicht nötig sein. Wir tun nichts Verbotenes, Bobby. Wir sollten uns nicht verstecken müssen, als hätten wir irgendwas Furchtbares angestellt.“
„Stimmt, das sollten wir nicht“, stimmte er seinem Freund zu. „Aber das was sein soll und das, was tatsächlich ist, ist ein Unterschied.“ Leider. Denn das machte alles so kompliziert.
„Ja, das ist es“, erkannte John ebenfalls und griff nach seiner Hand. Sie war wie immer ganz warm und er musste sofort lächeln, weil er wusste, dass der Ältere wieder nicht nur sprichwörtlich mit dem Feuer gespielt hatte.

Einen Moment blieb es still zwischen ihnen. Sie hatten oft versucht, darüber zu reden. Es war ihnen nie besonders gut gelungen. Sie waren nie zu irgendeinem Ergebnis gekommen und er fürchtete, dass es auch diesmal so sein würde, doch…
„Ich möchte nicht, dass es dir deswegen so schlecht geht“, sagte John auf einmal und im selben Moment spürte er seine langen Finger in seinem Haar. „Mir war nicht klar, dass dir das so zu schaffen macht. Aber ich bin nicht bereit, auf dich oder auf das, was wir haben zu verzichten, nur, weil es irgendjemandem auf dieser Welt nicht gefallen könnte.“
Diese Entschlossenheit überraschte ihn ein wenig. Nicht, weil er sie John nicht zugetraut hätte, sondern weil sich ein kleiner Teil in ihm immer gefürchtet hatte, dass sie sich voneinander entfernen könnten, dass John diese Beziehung vielleicht nicht für immer wollte.
Sowas hätte er ihn natürlich niemals fragen können. Er wollte ihm schließlich auch kein Unrecht tun. Aber die Angst, dass sein Freund sich irgendwann nach jemand anderes umsehen könnte, war leider da. Schließlich war es selten genug, dass man sich so früh im Leben begegnete und dann für immer zusammenblieb.

„Weißt du… Ich denke, wir sollten noch etwas warten, uns überlegen, wo wir gemeinsam hinwollen, wenn du deinen Abschluss gemacht hast. Wir können überall hingehen, wo wir wollen und bis dahin…“ Es war nicht Johns Art, so ernste Dinge anzusprechen und er konnte sehen, dass es ihm nicht leichtfiel, als er sich nun zu ihm hinunter beugte, um ihn zu küssen, wie er es so oft tat, wenn er nicht mehr wusste, was er sagen sollte.
Eigentlich wollte er wissen, was der Ältere dazu noch gesagt hätte, aber gegen den Kuss konnte er sich auch nicht wehren. Es ließ ihn fast schlagartig vergessen, worüber sie hier gerade geredet hatten. Ganz fair war das nicht, aber als sie sich voneinander lösten, kam John tatsächlich noch mal auf ihr eigentliches Thema zurück.
„Naja… und wenn uns doch jemand erwischt, dem das nicht passt, dann ist doch nur wichtig, dass wir trotzdem zusammenhalten, oder nicht?“ Und das war es, was er wohl die ganze Zeit von seinem Freund versichert haben wollte, denn plötzlich wich diese ganze Angst einer gewissen Erleichterung. Er brauchte diese Sicherheit, das Gefühl, dass zwischen John und ihm alles in Ordnung war und er sich um nichts wirklich Sorgen machen musste.
Er schaffte es gerade noch zu nicken. Worte würde er jetzt keine mehr über die Lippen bekommen, das wusste er. Und das war zum Glück auch erst einmal nicht nötig, denn John übernahm mal wieder die Führung, wie er es so oft tat. Er war eben in vielen Dingen selbstsicherer und manchmal ärgerte ihn das, aber für schlechte Gefühle war heute kein Platz mehr. Stattdessen ließ er sich lieber auf das hier ein.


Zu diesem Zeitpunkt hatte er noch nicht gewusst, dass es die vorerst letzte Nacht war, die sie so miteinander verbringen würden, obwohl er ja in ständiger Angst davor lebte. In weniger als einer Woche musste er allerdings feststellen, dass all das Befürchten ihm auch nicht weitergeholfen hatte.
Am nächsten Morgen hatte nämlich irgendein Mitschüler von ihnen tatsächlich gesehen, dass John sich aus seinem Zimmer geschlichen hatte und die Gerüchte, was das wohl zu bedeuten hatten, begannen in der Schule die Runde zu machen.
In dieser folgenden Woche, war ihm noch viel mehr als schlecht. Die ersten zwei Tage hatten sie nicht genau gewusst, was los war. Ihre Mitschüler sahen sie teilweise komisch an, kicherten hinter vorgehaltener Hand und am dritten Tag sprachen sie es sogar ganz unverblümt aus.
Sie hatten gerade im Unterricht bei Storm gesessen, als ihn einer seiner Klassenkameraden immer wieder von der Seite anzischte, bis er schließlich doch den Kopf zu ihm drehte und es gleich darauf bereute.

Der andere Junge lachte, meinte, ob es wahr sei, dass er mit John rummachen würde. Was sollte er denn dazu sagen? Er wollte lieber gar nicht darauf eingehen, sondern wandte sich wieder ab, nur um festzustellen, dass Rogue neben ihm das mitbekommen hatte.
Er konnte ihren Blick nicht deuten, aber er behagte ihm auch nicht. Er hatte sich schon manchmal die Frage gestellt, ob sie nicht vielleicht etwas geahnt hatte, aber er hatte sich nie getraut, mit ihr darüber zu reden. Vielleicht war das dumm, denn sie war immerhin seine beste Freundin. Aber wie sollte er das erklären?
Wenn er ehrlich war, dann hatte er es nie aussprechen können. Was er wirklich war. Weder, dass er ein Mutant war, noch, dass er… Das war sogar noch schwerer und es fühlte sich auch komisch an. Ich liebe einen Jungen, war schon deutlich leichter. Ich liebe John, fühlte sich sogar noch besser an. Aber auch das konnte er vor Rogue schwer sagen.

Und es ging weiter. Selbst Mitschüler, mit denen sie sich sonst gut verstanden hatten, sahen sie nun so seltsam an und gingen ihnen aus dem Weg. Ein paar Mal hörte er, wie John sich mit ihnen anlegte und das war ihm fast noch unangenehmer. Er wollte doch keinen Ärger deswegen und Charles würde das sicher nicht gefallen, wenn er das erst mitbekam.
Alleine der Gedanke, darüber über kurz oder lang mit dem Professor reden zu müssen, verursachte ihm die allergrößte Übelkeit. Nicht, weil er Charles nicht vertraute. Der Schulleiter tat so viel für sie alle und er hatte nie einen Menschen getroffen, dem er mehr vertrauen konnte. Aber er hatte für ihn mehr etwas Großväterliches. Da konnte er mit ihm doch nicht über solche Sachen reden.
Außerdem wusste er nicht, wie Charles über ihre Beziehung denken würde. Er hatte ihn zwar nie in seinem Leben intolerant erlebt, aber man musste auch bedenken, dass er aus einer ganz anderen Zeit kam, wo man diesem Thema noch weniger aufgeschlossen gegenübergestanden hatte. Und kaum waren seine Gedanken an diesem Punkt, da musste er sich schon wieder übergeben. Er hatte es zwar noch rechtzeitig zur Toilette geschafft, aber so konnte das doch nicht weitergehen…

Wenn er mit Charles also nicht reden konnte, dann musste er unbedingt mit jemand anderem reden. Er würde das sonst nicht durchhalten und irgendjemand musste ihnen helfen. Zumindest war ihm das nach einer Woche klar.
Das Getuschel hörte nicht auf und sie hatten schon die ersten, verdeckten Anfeindungen bekommen. Er hatte Angst, wohin das noch führen konnte. Und er wollte sich dieser Angst nicht ergeben. Er musste etwas dagegen tun, aber alleine wusste er nicht was und John…
Er hatte jede Nacht versucht, mit ihm zu reden, doch der Ältere war voller Zorn für die anderen Jugendlichen und erzählte ihm nur dauernd, was er mit denen machen würde, sollten die es wagen, sie tatsächlich anzugreifen.

Das nützte doch alles nichts, also führte ihn sein Weg nach dem Unterricht nicht direkt auf sein Zimmer oder zu John oder sonst wohin. Er würde nicht noch länger warten. Erstrecht nicht solange, bis Charles sie zu einem Gespräch rief. Er suchte dieses lieber selbst, jedoch nicht mit dem Professor, sondern…
Ein bisschen zaghaft klopfte er an die Tür und hoffte, dass er ihn nicht gerade bei irgendwas störte. Vor allem nicht bei gemeinsamen Aktivitäten mit Dr. Grey, aber er durfte wohl davon ausgehen, dass ihre Lehrer solche Dinge auf die Nacht verschoben und nicht auf den späten Nachmittag.
Tatsächlich traf er ihn alleine und ohne seine Freundin, die bei der Schülerschaft mindestens genauso beliebt war. Generell konnte er sich nicht daran erinnern, dass ihre High-School-Lehrer jemals so beliebt gewesen waren, wie jene, die sie hier hatten. Ein Glücksfall und er konnte sich nicht vorstellen, dass es auch nur einen Schüler gab, der nicht gerne hier war.

Er selbst wünschte sich gerade allerdings schon an einen anderen Ort, aber das lag ja nicht an der Schule selbst oder an den Lehrern, die sie hatten. Im Gegenteil. Es lag an den momentanen Umständen und als er so vor Scott stand hatte er trotzdem das Gefühl, sich jeden Moment wieder übergeben zu müssen. Und noch bevor der Ältere nachfragen konnte, fand er, etwas zitternd, zumindest seine Stimme wieder.
„John und ich haben ein Problem.“ Warum auch lange drum herumreden? Er würde von jetzt an sowieso nur noch stammeln und stottern und wahrscheinlich total bescheuert klingen, da kam es auch nicht mehr drauf an, ob er chronologisch erzählen konnte.
Scott ließ ihn rein und erst, als die Tür hinter ihnen geschlossen war, fragte er in seiner ruhigen und gelassenen Art: „Was für ein Problem?“ Es erleichterte ihn in diesem Moment schon so ungemein, dass Scott jetzt schon verstanden hatte, dass es eine Sache sein musste, die sie besser unter vier Augen besprachen.

Ihm wurde zwar angeboten, dass er sich setzen konnte, doch er schüttelte gleich den Kopf. Das konnte er jetzt nicht. Falls er sich doch übergeben musste, würde er sehr schnell sein müssen, damit es nicht peinlich wurde. Wobei es auch so schon peinlich genug war und ganz gewiss war es eines nicht; Es war nicht förderlich, jetzt darüber nachzudenken.
Seine Hände zitterten und er wusste nicht genau wohin mit ihnen, als die Emotionen allerdings schon in ihm hochkamen und ihm so plötzlich die Tränen in die Augen schossen, dass er nicht einmal daran denken konnte, sie zurückzuhalten.
„Das ist alles nicht fair…“, kam es ihm ebenfalls ohne eigene Vorwarnung über die Lippen. Anscheinend hatte er all diese Dinge schon viel zu lange versucht zu unterdrücken. Er wusste schließlich schon längst nicht mehr, wie er das bewältigen sollte.
Scott war direkt an seiner Seite, legte nur den Arm um ihn und er war eigentlich auch ganz froh, dass er ihn nicht gleich in eine Umarmung zerrte, wie seine Eltern das früher immer gemacht hatten, als Ronny und er noch Kinder gewesen waren.

An seine Eltern hätte er jetzt wohl besser nicht gedacht. Das verschlimmerte die Sache nur, denn damit konnte er sich jetzt so gar nicht beruhigen. Er wollte sich auf gar keinen Fall vorstellen, wie seine Eltern reagieren würden, wenn sie das auch noch herausfinden würden. Ganz zu schweigen von Ronny, der sich mit Gehässigkeiten sicher überhaupt nicht zurückhalten würde.
Zumindest traute er seinem Bruder inzwischen so einiges zu und wenn seine Eltern auf diese Mutanten-Sache schon mit so viel Abneigung reagierten, wie wäre es dann erst… Nein, das durfte er sich auf gar keinen Fall vorstellen. Es war schrecklich genug, dass es inzwischen wohl schon die ganze Schule wusste und…
„Was ist nicht fair?“, blieb Scott bei ihrem Thema und bei seiner gewohnten Ruhe, obwohl ihm irgendwas verriet, dass der Ältere sich schon ein wenig Sorgen machte. Schließlich hatte er noch nie heulend vor ihm gestanden. Zumindest schon seit ewiger Zeit nicht mehr.

Er versuchte tief Luft zu holen, wieder ein bisschen zu Atem zu kommen. Er versuchte sich zu sagen, dass alles in Ordnung war, dass er Scott vertrauen konnte und dass er schon nichts Blödes darüber sagen würde und trotzdem machte es ihm Angst. Das wäre nämlich sozusagen das erste, direkte Outing.
Gut, er hatte es auch John gegenüber eingestehen müssen, sonst hätten sie kaum zusammenkommen können, aber sein Freund hatte das ja schon lange davor geahnt oder wenigstens gehofft, sonst wäre er das Risiko, es ihm zu beichten ja nicht eingegangen.
Bei Scott wusste er nicht, ob dieser davon schon etwas mitbekommen hatte und es war eben schwer, darüber zu reden. Unfair war daran nur irgendwie, dass sich ja niemand dafür rechtfertigen musste, mit einem Mädchen zusammen zu sein. Als am Anfang alle gedacht hatten, dass er mit Rogue zusammen wäre, hatte ihm das schlimmstenfalls Neid eingebracht, aber keinen Hass.

„Alle wissen es…“, stammelte er nun vor sich hin und er wünschte, er wäre in der Lage, alles an einem Stück zu erzählen, ohne sich selbst dauernd zu unterbrechen, aber er hatte solche Angst. Vielleicht hoffte er ja, durch diese Formulierung herauszufinden, ob Scott schon eine Ahnung hatte, worum es ging, doch scheinbar hatten ihre Mitschüler sich soweit zurückhalten können, dass ihre Lehrer noch gar nichts bemerkten.
„Was wissen alle?“ Er bewunderte den Älteren für seine Geduld. Er selbst fand es furchtbar, wenn er zum Beispiel John alles aus der Nase ziehen musste. Dabei war er selbst oft nicht in der Lage, alles auszusprechen. Er konnte das also kaum irgendwem vorhalten.
Aber jetzt wurde es ernst. Er musste es Scott sagen und… Er schluckte schwer. Er hoffte so sehr, dass er ihn verstehen würde. Er musste wirklich all seinen Mut zusammennehmen, um das über seine Lippen zu bekommen. „Dass John und ich zusammen sind.“

Es schien einen Moment zu dauern, bis die genaue Bedeutung dieser Information zu Scott durchdrang. Die Überraschung war an seinen Augen natürlich nicht abzulesen, aber der halb geöffnete Mund, der scheinbar etwas sagen wollte, dann aber nicht wusste was, sprach zumindest dafür.
Eine etwas unangenehme Stille breitete sich aus, doch nicht lange, denn Scott schien auch zu bemerken, dass er besser etwas dazu sagen sollte. Zunächst vergewisserte er sich lieber, ob er das jetzt richtig verstanden hatte. „Du meinst damit eine Beziehung, oder?“
Er konnte nur nicken. Er wollte nicht schon wieder blöd herumstammeln. Er suchte nach Anzeichen dafür, dass Scott damit nicht einverstanden war, dass er ihm gleich erklären würde, dass sowas hier an der Schule nicht ging oder sonst was. Er kannte seine Einstellung dazu genauso wenig, wie er sie bei irgendwem sonst kannte. Es war reine Spekulation, dass er annahm, dass Scott ihn vielleicht verstehen würde.

Der Ältere brauchte wenigstens einen Moment, um seine Gedanken ein bisschen zu ordnen. Es war erstaunlich, wie deutlich Scotts Körpersprache war. Man wusste immer, wann er nachdachte, wann ihn etwas überraschte oder amüsierte, dabei könnte er alles verbergen, wenn er nur wollte, weil niemand seine Augen sehen konnte.
Durch diese Erkenntnis konnte er sich wenigstens kurz auf etwas Anderes konzentrieren. Er war froh darum. Das eigentliche Thema war nämlich kompliziert genug und wurde schließlich auch wieder aufgegriffen, als sein Lehrer – und irgendwie kam er ihm nie wie einer vor – sich dazu entschloss, sich erstmal ein genaueres Bild über die Ereignisse zu verschaffen.
„Wie ist das rausgekommen?“, wollte er zunächst wissen und er erzählte ihm mit hochrotem Kopf, dass John und er schon seit einiger Zeit häufiger die Nacht bei dem jeweils anderen verbrachten. Er verriet ihm nicht, dass diese Zeit bereits drei Jahre waren und ging davon aus, dass Scott wusste, weshalb sie das taten. Er wollte das wirklich nicht näher erklären müssen.

„Dabei hat uns wohl jemand gesehen…“, schloss er seine Erklärungen irgendwann ab, überlegte, ob er noch etwas hinzufügen konnte, sah Scott dann aber doch nur verzweifelt an, weil er einfach nicht wusste, wie das jetzt weitergehen sollte.
Auch der Ältere musste wieder erst einen Moment darüber nachdenken. So etwas hatte es bislang an der Schule nicht gegeben und vielleicht wussten ihre Lehrer auch gar nicht, wie sie damit umgehen sollten. Das würde ihn zumindest nicht wundern.
Dennoch war Scott ziemlich bemüht, ihm irgendwie zu helfen. Wenigstens deutete nichts auf das Gegenteil hin, als er noch nachfragte: „Und deswegen habt ihr jetzt Stress?“
Er wartete irgendwie immer noch darauf, dass Scott ihm erst einmal erklären würde, dass die Beziehung mit John eine dumme Idee war oder sogar etwas Verbotenes. Schließlich war das früher die allgemeinhin bekannte Meinung darüber. Aber solche Texte bekam er nicht zu hören. Stattdessen bekam er mehr und mehr das Gefühl, als würde er ihnen wirklich helfen wollen. Ein Stück Erleichterung machte sich in ihm breit.

Wieder nickte er vorsichtig, suchte nach Worten, um es erklären zu können und meinte dann: „Ja, sie machen jetzt ihre Sprüche darüber oder feinden uns an. Eigentlich will John nicht, dass ich darüber rede…“ Das fiel ihm jetzt erst wieder ein und er war sich gerade auch nicht sicher, ob er Scott das sagen sollte oder nicht. Er wollte ja nicht den Eindruck vermitteln, dass John ihm vorschrieb, was er zu tun und zu lassen hatte.
Als ihm in den Sinn kam, wie ihm diese Worte ausgelegt werden könnten, hätte er sich am liebsten eine reingehauen. Wenn er so darüber nachdachte, dann klang das wirklich so, als hätte John das sagen und würde ihn dazu nötigen, den Mund zu halten.
„Aber ich wollte es ja eigentlich auch nicht“, fügte er schnell noch an und merkte, dass er es dadurch auch nicht besser klingen lassen konnte. Das verunsicherte ihn wieder ein bisschen mehr und begünstigte die Tränen, die ihm immer noch in den Augen standen. Was sollte er denn jetzt bloß machen?

Einen Moment hatte Scott noch tröstend seinen Arm um ihn gelegt, bevor er seine Schultern wieder losließ und ihn – wahrscheinlich – direkt ansah, als er sich vor ihn stellte. Immer noch erstaunlich, dass man so vieles erkennen konnte, obwohl man so vieles nicht sehen konnte.
„Das lassen wir hier ganz bestimmt nicht zu“, sagte Scott nun, immer noch so ruhig, ohne Vorwürfe oder Belehrungen. Und mit dem nicht zulassen war das Verhalten ihrer Mitschüler gemeint. „Nur, weil es ungewöhnlich ist, sollte es nichts sein, was sich Andere zur Zielscheibe machen. Gerade hier sollte man das verstehen.“
Es beruhigte ihn ungemein, dass der Ältere das sagte, dass er ihm damit zu verstehen gab, dass er auf ihrer Seite war und wollte, dass diese Angriffe ein schnelles Ende fanden.
Scott versprach ihm, dass er ihnen dabei helfen würde und er vertraute ihm da voll und ganz. Er würde es nur John irgendwie beibringen müssen, dass er sich mit diesen Schwierigkeiten doch jemandem anvertraut hatte…


Nach dem Gespräch mit Scott, suchte er seinen Freund direkt auf. Er wollte es ihm lieber gleich sagen, bevor er ihm am Ende noch vorwerfen konnte, ihm das ewig verheimlicht zu haben.
Auch, wenn es nun wohl egal war, sah er sich auf dem Flur trotzdem um, ob ihn jemand sah. Das war gewissermaßen auch schon zur Gewohnheit geworden und das würde er so schnell wohl auch nicht mehr abschütteln.
Kaum, dass er angeklopft hatte, wurde ihm auch schon die Tür geöffnet und John blickte ihn mit einem undefinierbaren Blick an. War er wütend auf ihn? Das fragte er sich genau eine Sekunde, bevor John ihn bei der Hand schnappte und hineinzog, die Tür hinter ihnen schloss und ihn dann küsste.
Dann war zwischen ihnen also immer noch alles in Ordnung. Zumindest in diesem Augenblick. Er hatte immer noch Angst, dass es damit gleich vorbei sein könnte, also genoss er diese Begrüßung lieber noch einen Moment, bis ihm allerdings auffiel, was er an Johns Blick nicht gleich erkannt hatte.

Sein Freund hatte sich Sorgen um ihn gemacht. Das sagte dieser ihm nun auch ganz offen. „Wo warst du denn die ganze Zeit? Ich hab dich schon gesucht? Du warst nach dem Unterricht einfach verschwunden.“
Er schluckte. Das klang aus Johns Mund irgendwie immer noch sehr ungewohnt. Und dass er dann auch direkt fortfuhr, ohne eine Antwort abzuwarten, das war schon fast beängstigend.
„Ich dachte, du wärst vielleicht abgehauen oder so. Keine Ahnung. Ich hätte nicht so ignorieren sollen, dass dir das Probleme macht. Entschuldige bitte. Wenn du willst, dann lass uns mit jemandem darüber reden.“
Er biss sich auf die Lippe. Ob das jetzt gut ankommen würde? Aber er wollte ehrlich sein. Er hoffte nur, dass John jetzt nicht böse werden würde, weil er schon einen Schritt voraus war.

„Ehrlich gesagt, hab ich das schon gemacht“, brachte er eher nuschelnd hervor. Wenn er das gewusst hätte, wäre er erst zu seinem Freund gegangen, aber wie hätte er denn ahnen können, dass es gleich zu diesem Sinneswandel kam?
Einen Moment war John wie erstarrt, sah aus, als habe er sich verhört und als wolle er ihn jeden Augenblick anschreien, wieso er das einfach gemacht hatte.
Er wappnete sich schon gegen einen Angriff, als sich Johns Gesichtszüge aber wieder entspannten und er einmal tief durchatme. „Das ist gut. Mir ist nämlich klargeworden, dass es dir gar nicht guttut, wenn du meinetwegen immer alles in dich hineinfrisst. Das hätte mir früher auffallen müssen. Tut mir leid.“

Er war so froh, diese Worte aus dem Mund seines Freundes zu hören und schlang sogleich die Arme um ihn. Er hatte schließlich lange gehofft, dass John das verstehen würde und nun schien er es zu tun. Dann hatte die ganze Sache, dass sie aufgeflogen waren, ja vielleicht doch noch was Gutes.
Als sie sich wieder ein wenig voneinander lösten, war John dann allerdings doch neugierig und wollte wissen: „Mit wem hast du gesprochen?“
„Mit Scott“, gab er also zu und versicherte ihm gleich noch: „Und er hat versprochen, dass er uns helfen will.“
Mehr brauchte er ihm heute nicht mehr erklären. Er wurde nur wieder von seinem Freund in die Arme geschlossen, ohne, dass sie heute Abend noch weiter darüber sprachen.
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