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Stolpersteine

GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
09.06.2019
23.08.2019
28
46.251
30
Alle Kapitel
275 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
15.06.2019 1.882
 
Ihr Lieben, dieses Kapitel ist mir nicht leicht gefallen, in jeder Hinsicht. Diejenigen von euch, die sich mit meiner Story schwer tun, sollten vielleicht nicht weiter lesen. Doch manche Dinge sind einfach unausweichlich und geschehen. Und bitte, niemals das Licht am Ende des Tunnels aus den Augen verlieren. ;-)


Der Himmel über Geesthacht ist wolkenlos und die Sonne hat ihren höchsten Stand bereits erreicht. Boris sitzt auf einem Steg, lässt die Beine im Wasser baumeln und seinen Blick über die Elbe schweifen. Er hatte sich spontan dazu entschlossen, die Einladung von Ben anzunehmen. Der Streit mit Tobias hat ihm zugesetzt. Ein wenig Abstand würde ihnen gut tun und die Wogen glätten. "Na, ist dir nicht zu heiß, hier in der prallen Sonne? " Sandra setzt sich zu Boris und taucht ebenfalls ihre Füße in das kühle Nass. " Danke, das ich bei euch sein darf. Hier ist es echt schön. " Boris hebt kurz seine Sonnenbrille an, schaut ihr einmal in die Augen und lächelt dabei. " Du, kein Problem. Was ist eigentlich los bei euch, wenn ich fragen darf? " Sandra rückt sich ihren Sonnenhut zurecht und richtet ihren Blick geradeaus auf ein vorbeifahrendes Ausflugsschiff. " Ich habe keine Ahnung! Tobi ist völlig ausgetickt, nur weil ich mit ihm reden wollte. Irgendwie haben wir uns in der letzten Zeit voneinander entfernt, ohne das ich den Grund dafür kenne. Ich dachte, es liegt vielleicht an der vielen Arbeit. Tobi setzt sich ganz schön unter Druck, um das Studium schnellstmöglich zu beenden und ich arbeite auch nicht wenig, bin häufig erst spät Zuhause. Aber wir haben die gemeinsame Zeit immer gut genutzt, das dachte ich zumindest. " Sandra streicht Boris tröstend über den Rücken. " Hast du schon mal darüber nachgedacht, ob es da vielleicht jemand anderen gibt ? " Eine ungeahnte Hitzewelle strömt durch Boris' Körper und lässt ihm den Schweiß auf die Stirn treten. " Was meinst du?? Ob Tobi fremdgeht? " Sandra antwortet nicht, sondern beobachtet eine buntschimmernde Libelle, die über das Wasser tanzt. Sie will Boris Zeit geben, ihre Frage wirklich ankommen zu lassen, ohne sie leichtfertig abzutun. Der wischt sich mit dem Handrücken über die Stirn und setzt seine Sonnenbrille ab. Tobi und ein anderer Mann? Der Gedanke ist ihm tatsächlich noch nicht gekommen. Wann hätte das sein sollen? Eigentlich verbringen sie die Abende und Nächte immer zusammen. Außerdem sind sie doch glücklich miteinander, noch nicht lange verheiratet und auch sonst stimmt Alles. Okay, der Sex war in der letzten Zeit nicht immer so, wie Boris es sich gewünscht hätte. Aber das kommt in jeder Beziehung vor, nichts Ungewöhnliches also!
" Nein, das kann ich mir nicht vorstellen!!! Da hätte ich doch was gemerkt. " Sandra wendet sich Boris zu, der sie mit blinzelnden Augen und einem ernsten, aber entschiedenen Gesichts- ausdruck ansieht. " War nur so ein Gedanke. Ich hatte mal einen Freund, dem ich plötzlich nichts mehr recht machen konnte. Jede Kleinigkeit war ihm zuviel und er hat dann seine schlechte Laune an mir ausgelassen. Bis ich von einer Freundin erfahren habe, das er wohl schon länger was hatte, mit einer Kollegin. Aber das muss bei euch natürlich nicht so sein!! " Sie streicht Boris beim Aufstehen über den Kopf und geht zum Wohnwagen zurück. Nein, undenkbar. Tobias würde ihm so etwas nicht antun, schließlich hatten sie lange um ihre Liebe kämpfen müssen...

Es ist Samstag Nachmittag, im Wohnzimmer hat Tobias die Jalousien herunter gelassen, um zu verhindern, das die Sonne ihr Appartement in einen Brutkasten verwandelt. Soeben zurückgekehrt von einem kurzen Einkauf DER Dinge, die zum Wochenende unverzichtbar sind, wie Hundefutter, Tiefkühlpizza und Flaschenbier, sitzt er nun im Halbdunkel auf der Couch, auf den Knien seine Gitarre. Seit ihrer Hochzeitsfeier hat er nicht mehr auf ihr gespielt. Tobias schlägt leise ein paar Akkorde an und sieht dabei immer wieder auf sein Handy, das vor ihm auf dem Tisch liegt. Als heute morgen klar war, das Boris über's Wochenende weg sein wird und er keine Möglichkeit hat, sich sofort zu entschuldigen, um die Stimmung zwischen ihnen zu heben, war Tobias zunächst ziemlich sauer. Er kann es nicht leiden, wenn Boris aus jeder Kleinigkeit gleich ein Drama macht. Er wollte einfach nur NICHT reden, nicht über seine Laune und nicht über Lukas! Natürlich tut es ihm auch leid, das er seinen Mann derartig angegangen ist und er würde dies gerne aus der Welt schaffen. Aber wie, wenn Boris seine Anrufe nicht entgegen nimmt und auf die Nachrichten nicht antwortet. Tobias spielt ein Lied aus seiner Jugendzeit und summt dazu, weil ihm der Text nicht mehr einfallen will. Der Hund findet das scheinbar interessant und springt zu ihm aufs Sofa. Plötzlich vibriert sein Handy und das Display leuchtet auf. Tobias legt die Gitarre zur Seite, um nachzu-schauen, was Boris ihm geschrieben hat.

*Hi, sollte ich deinen Mann nicht kennenlernen?  Angst, ich könnte ihn anbaggern? Oder willst du nicht auffliegen? Gestern beim Wichsen habe ich übrigens an dich und deinen kleinen netten Hintern gedacht. Also, meld dich!*

Nicht zu glauben, Lukas gibt nicht auf. Und dann diese Art und Weise! Ob er einer Frau auch solche Nachrichten senden würde, sicher nicht. Die Botschaft ist mehr als deutlich, es geht um Sex, mit ihm, einem jungen Mann, der durch sein Handicap sicher so einiges an Attraktivität eingebüßt hat. Tobias legt das Handy beiseite und steht auf, um in die Küche zu gehen. Die Schiene liegt auf dem Boden, neben seiner langen Hose. Wenigstens hier zuhause kann er sich ein wenig freier bewegen, langsamer, aber frei. Boris und er haben sich kennen und lieben gelernt, als noch alles in Ordnung war. Das es für Boris keine Rolle spielt, das er seitdem nur noch gebeugt durchs Leben humpelt, daran zweifelt Tobias nicht mehr. Daran, das er viele Dinge, die zu einer glücklichen Beziehung gehören, nicht mehr machen kann und Boris auch DAMIT klar kommt, schon eher. Mit einer Tüte Kekse in der Hand kehrt Tobias zurück und greift erneut zu seinem Handy, um Boris die mittlerweile fünfte Nachricht zu schreiben.

*Ich versteh schon, du bist immer noch sauer. Es tut mir leid und ich verspreche dir, das nächste Mal nicht wieder auszuflippen, wenn du eigentlich nur mit mir reden willst. Ich vermisse dich so.*

Ben hat den Grill angeworfen und Boris ist Sandra dabei behilflich, den Tisch einzudecken, als sein Handy vibriert. Schon wieder eine Nachricht von Tobias. Sandra stellt den Korb mit dem Brot ab und beobachtet Boris, wie er mit zittriger Hand sein Handy in der Hosentasche verschwinden lässt. " Tobias? Willst du nicht antworten? Was schreibt er denn? " Boris setzt sich auf einen der Campingstühle und fährt nervös mit seinen Händen über die Armlehnen. " Das es ihm leid tut ... und das er mit mir reden will. Aber ich weiß nicht, wir sollten doch eher die Zeit nutzen, um darüber nachzudenken, wie wir künftig solche Situationen vermeiden; uns nicht das Leben schwer machen, in dem wir über unnötige Dinge streiten. " Ben tritt von hinten an ihn heran, nimmt den Teller mit den Steaks vom Tisch und klopft Boris dabei aufmunternd auf die Schulter. " Aber er fehlt dir, das sieht ein Blinder. Lass uns erstmal in Ruhe essen und dann kannst du dir ja noch überlegen, ob es überhaupt Sinn macht, das Zelt aufzubauen oder ob du doch lieber noch heute mit ihm reden möchtest. " Er schaut Boris dabei verständnisvoll an, der tief durchatmet und sich bemüht entspannt zurück lehnt. Zum Glück hat er in den Beiden Freunde gefunden, die auch Tobias mögen und noch nie ein Problem mit ihrer Homosexualität hatten und der Tatsache, das sie verheiratet sind.

Tobias starrt auf das Display seines Handys, das ihm unmißverständlich anzeigt, das es nichts anzuzeigen gibt. Keine Antwort von Boris. So langsam sollte er über die Abendgestaltung nachdenken, da wohl nicht damit zu rechnen ist, das sein Mann heute noch für ein Gespräch zur Verfügung stehen würde. Wahrscheinlich sitzt er jetzt fröhlich mit Ben und Sandra zusammen, und sie köpfen gerade die nächste Flasche Bier, zu Bratwurst und Nudelsalat. Boris ließ ihn in ähnlichen Situationen gerne mal zappeln, was wiederum Tobias überhaupt nicht leiden kann. Er schaut kurz aus dem Fenster, so als würde er inne halten und überlegen und tippt dann eine weitere Nachricht ein.

*Mann, lass das mit diesen Andeutungen! Ich will nix von dir. Aber auf ein Bier hätte ich Zeit. Hier um die Ecke hat was Neues aufgemacht, das BEERHOUSE. Lass uns dort treffen, in ner halben Stunde.*

Fünf Stunden und einige Biere später ...

Nach einem überraschend angenehmen Abend mit unver- fänglichen Plaudereien über das Studium und die Kommilitonen machen sich Tobias und Lukas auf den Heimweg. Es ist noch dunkel und beide gehen wortlos nebeneinander her. An der Haustür angekommen, lehnt Lukas sein Fahrrad, welches er bisher geschoben hat, an die Häuserwand und geht auf Tobias zu, der mit dem Rücken zur verschlossenen Tür steht. Er kommt im so nah, das sich ihre Körper fast berühren und stützt sich mit der rechten Hand neben Tobias' Kopf ab.
" Das glaub ich dir nicht, das du nix von mir willst. Du hast dich doch nicht ohne Grund mit mir getroffen. Komm, sei ehrlich. Das hier ... das macht dich gerade an! " Sie schauen sich in die Augen, regungslos, nur ihr schneller werdender Atem verrät die Spannung, die zwischen ihnen herrscht. Dann presst Lukas seine Hüfte und gleichzeitig seine Lippen auf die von Tobias. Beide spüren die aufkeimende Erregung des anderen und sie küssen sich, so begierig, das es beiden fast die Luft nimmt. Als Tobias für einen Moment die Augen öffnet, sieht er auf der anderen Straßenseite eine Gruppe von jungen Männern, die sich offenbar gerade lustig machen ... über die widerlichen Schwulen, die sich in Hauseingängen rumdrücken, um dort ... " Okay, lass uns hoch gehen, dein Fahrrad kannste im Treppenhaus abstellen. " Tobias dreht sich um, öffnet die Tür und beide gehen hinein. Als er oben die Wohnungstür aufschliessen will, drückt ihn Lukas ungeduldig und unbeherrscht erneut gegen die Tür. Diesmal presst er seinen  Penis fest gegen Tobias' Po und stöhnt auf. " Los mach, ich kann nicht mehr warten. " Mit seinen Armen umschlingt er dessen Taille und versucht, die Hose von Tobias zu öffnen, um sie herunterzuziehen. In diesem Moment gibt die Tür unerwartet früh nach und öffnet sich, beide stolpern hinein und Lukas schließt sie rasch wieder. Tobias hat gerade noch Zeit, seine Gehhilfe abzustellen, als Lukas ihn erneut mit dem Gesicht zur Wand drückt und versucht, seine  Hose noch ein wenig weiter nach unten zu schieben, um den Blick auf das Objekt seines Begehrens freizulegen. Tobias beugt sich leicht nach vorn, auch, um so besser an seine Schiene zu kommen, die jetzt einfach nur noch stört. Lukas lässt Tobias machen und befreit sich derweil von seinen eigenen Klamotten. Beide atmen schwer, in Erwartung dessen, was jetzt folgen wird. Als Lukas bei der Unterhose angekommen ist ... geht das Licht an!!

Im Flur steht ... Boris, eine Hand am Lichtschalter, blass und mit weit aufgerissenen Augen. Der offenstehende Mund verrät sein Entsetzen, über das, was er da sehen muss. Lukas schnappt sich seine achtlos weggeworfenen Sachen und verlässt fluchtartig mit einem "Sorry" die Wohnung. Zurück bleibt Tobias, der mit halb heruntergelassener Hose und ebenso entsetztem Gesichtsausdruck jetzt eher ein jämmerliches Bild abgibt
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