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Stolpersteine

GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
09.06.2019
23.08.2019
28
46.251
30
Alle Kapitel
275 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
11.06.2019 1.482
 
Die sommerlich hohen Temperaturen der letzten Zeit gehören der Vergangenheit an. Seit zwei Tagen ist der Himmel über Eppendorf grau und es nieselt ununterbrochen. Boris hat heute frei und ist gerade von einer kleinen Runde mit dem Hund zurück gekehrt. Mit einem Kaffee in der Hand steht er in der geöffneten Terrassentür und schaut hinaus ... ins regnerische Hamburg. Hier ist der Regen irgendwie anders als in Bichlheim ... unauffälliger, leiser, aber dafür durchdringend, gepaart mit einer kräftigen Brise auf Dauer sogar zermürbend. Aber Boris ist dankbar für die frische Luft, die ihr Appartement wieder zu einem angenehmen Aufenthaltsort macht.

Tobias ist in der Uni. Er wollte sich zunächst freinehmen, um gemeinsam etwas unternehmen zu können, doch eine anstehende Klausur hatte ihre Pläne zunichte gemacht. Aber wirklich enttäuscht war Boris darüber nicht. Die letzten Tage im Hotel waren stressig und endeten selten vor 20 Uhr. So hat er nun Zeit zum durchatmen, Seele baumeln lassen und in Ruhe nachdenken. Eigentlich läuft alles wunderbar für die Beiden. Sie haben sich gut eingelebt, in seinem Job hat sich Boris etabliert und Tobias treibt engagiert und mit einem bisher unbekannten Ehrgeiz sein Studium voran. Sie unternehmen viel, wenn es ihre Zeit zulässt und das gemeinsame Alltagsleben hat sich eingespielt. Nur der Freundeskreis ist noch ausbaufähig und beschränkt sich derzeit auf Kollegen aus dem Hotel und einigen Kommilitonen von Tobias. Hier und da ist ein wenig Routine eingekehrt, auch im Bett, aber eigentlich alles ganz normal, wie bei den meisten anderen Paaren auch. Tobias war die letzte Zeit zwar häufig angespannt und ein wenig wortkarger als üblich, aber seitdem die Hitzewelle abgeebbt ist, steigt auch seine Laune wieder. Gestern haben sie sogar wieder miteinander geschlafen und es war schön, wie eigentlich immer. Er brauchte vermutlich nur eine kleine Pause, zuviel Stress und Anspannung schlägt halt auf die Libido. Boris muss grinsen bei dem Gedanken an neulich. Tobias war so erschrocken über sein Nichtkönnen, das er Boris schon fast leid tat. Mit seinem dunkelbraunen Unschuldsblick erweckt er ziemlich zuverlässig den Beschützerinstinkt in ihm. Da fällt es um so leichter, Verständnis aufzubringen und in so einer Situation so wie so.

Boris stellt die leere Kaffeetasse ab und macht sich an die Wäsche. Den Haushalt übernimmt er zu großen Teilen, da Tobias mit seiner Beinschiene dann doch gehandicapt ist. Außerdem ist sein Sinn für Ordnung und Sauberkeit nicht so ausgeprägt, wie Boris es gerne hätte. Also lautet die Devise: Selbermachen. Noch eine Maschine, einmal durchsaugen und die Betten frisch beziehen, für ein angenehmes Gefühl beim nächsten Mal! Schließlich hatten sie was nachzuholen. Kurz war ihm schon der Gedanke gekommen, das Tobias sich vielleicht an seinem kleinen Wohlstandsbäuchlein stören könnte und deshalb wenig angetan war. Die kleine Runde Joggen am Morgen kann leider nicht ausgleichen, was der Büroalltag und die ungesunden Mittagssnacks so mit dem Körper anstellen. Er sollte sich vielleicht wieder beim Fitness anmelden, neben der Kondition auch ein wenig mehr für die Muskulatur tun.
Boris hält sich ran und bereits eine Stunde später ist die Arbeit erledigt. Der Nieselregen hat tatsächlich nachgelassen und er beschließt, noch ein wenig auf der Terrasse zu chillen. Tobias wollte gegen Nachmittag Zuhause sein und sie hatten sich eigentlich vorgenommen, die hauseigene Sauna zu nutzen. In den wärmeren Monaten wurde diese kaum frequentiert, somit eine hohe Chance, unter sich zu bleiben. Boris entfernt den Wetterschutz von der Liege, holt eine Auflage aus der Box und lässt sich nieder.

Ein lautes Geräusch, ähnlich dem von zersplitternden Glas lässt Boris hochschrecken. " Scheiße, wer hat das denn da hingestellt! " Boris steht auf und geht die Küche. Tobias steht mit gerötetem Gesicht und wütendem Blick angelehnt an der Arbeitsplatte. Vor ihm auf dem Boden unzählige weiße Porzellanscherben. " Du bist schon da? Seit wann? " Tobias wirft Boris einen kurzen Blick zu, dreht sich um und öffnet die Tür unter der Spüle. " Wo ist denn das Teil zum Aufkehren? " Boris schüttelt den Kopf, holt das Kehrblech mit Besen aus dem Abstellraum und beginnt, die Scherben zusammen zu fegen.
" Das war nur einer von den billigen Kaffeebechern, nicht so schlimm. Hat dir irgendwas die Laune verhagelt oder was ist los. " Tobias nimmt sich ein Glas und die Wasserflasche vom Tisch und humpelt an Boris vorbei ins Wohnzimmer. Der beseitigt den Scherbenhaufen und folgt ihm kurz darauf.

" Hey, was ist passiert? " Tobias steht in der geöffneten Terrassentür, mit den Rücken zu ihm, und starrt bewegungslos hinaus. Boris geht auf ihn zu , schlingt seine Arme von hinten um die Taille seines Mannes und legt seinen Kopf auf dessen Schulter ab. Eine ganze Weile stehen sie so und Boris spürt den Herzschlag von Tobias, der langsam ruhiger wird. " Die Klausur hab ich vergeigt. Und meinen eigenen Dreck wegmachen, das kann ich auch nicht ... mit dieser blöden Krücke hier und dem lahmen Bein da! " Boris löst seine Umarmung und gibt Tobias einen Kuss auf die Wange. " Das mit der Klausur tut mir leid. Und das andere, ich dachte eigentlich, das wäre geklärt zwischen uns. Ich hab damit kein Problem und du solltest das auch nicht haben, nicht mehr! " Er stellt sich vor Tobias, schaut ihm eindringlich in die Augen, während seine Hand über seinen Arm streicht. " Ist das wirklich alles? Du hast schon lange nicht mehr so heftig reagiert. Die Klausur kannst du doch bestimmt nachholen. " Tobias gibt Boris einen kurzen flüchtigen Kuss und setzt sich an ihm vorbei auf die Couch. " Ja, du hast Recht. Geht schon wieder! Wollten wir nicht heute in die Sauna. Dann sollte einer von uns runter und sie vorheizen. " Boris setzt sich dazu, legt seine Hand diesmal auf Tobias' Bein und schaut ihn von der Seite an. Mit einem kleinen aufmunternden Schubser, versucht er, zu ihm vorzudringen, doch Tobias weicht seinem Blick aus und fixiert stattdessen das leere Wasserglas auf dem Couchtisch. " Ich glaub, das lassen wir heute, mmh? Wir sollten lieber etwas machen, was deine Laune hebt. Wie wär's stattdessen mit einer Pizza bei Marco, aber draußen sitzen können wir heute nicht. " Endlich lächelt Tobias ein wenig und nickt wortlos. Und dann schaut er Boris an, sein Blick geht langsam über das ganze Gesicht, so als wolle er sich alles genau einprägen; die braunen Augen, seine Wimpern, die sinnlichen Lippen, die ausgeprägten Wangenknochen, jedes noch so kleine Lachfältchen. Boris hält den Blicken ein wenig verunsichert stand.

Statt etwas zu sagen, beugt er sich schließlich vor, um Tobias zu küssen. Zaghaft tasten seine Lippen über die seines Mannes, eine Reaktion abwartend. Und endlich lässt sich Tobias auf dieses Angebot ein, presst seine Lippen schon fast ein wenig zu heftig auf die von Boris und versucht, mit seiner Zunge in ihn einzudringen. Der gibt nach und sie küssen sich ... minutenlang, leidenschaftlich und begierig! Tobias atmet schnell und schwer. Ungeduldig öffnet er, ohne den Kuss zu unterbrechen, seine Hose und versucht, IHN freizulegen. Dann löst er seine Lippen, lehnt sich mit einem Stöhnen zurück und massiert sein Goldstück, um die Errektion noch zu verstärken. Seine Position und die geschlossenen Augen zeigen eindeutig, was er jetzt am liebsten hätte. Und Boris erfüllt ihm diesen unausgesprochenen Wunsch. Tobias kommt schon kurz darauf zum Höhepunkt und ergießt sich auf seiner Hose. Mit einem letzten Aufstöhnen wirft er seinen Kopf nach hinten und schaut an die Decke. Boris sitzt ziemlich erregt und erwartungsvoll daneben, als im klar wird, das bereits wieder Schluß ist mit der Zweisamkeit. Okay, auch eine Möglichkeit, den Druck loszuwerden, aber was war mit ihm? So selbstbezogen war Tobi beim Sex normalerweise nicht. Ohne ein weiteres Wort steht dieser auf und geht ins Bad. Boris bleibt auf der Couch sitzen und schaut seinem Mann hinterher. Er muss wirklich einen schlechten Tag gehabt haben, denn so hatte Boris ihn schon seit längerem, seit seinem Unfall damals, nicht mehr erlebt.

Als Boris sich wenig später im Schlafzimmer umzieht, kommt Tobias nur in Shirt und Unterhose aus dem Bad dazu. Er gibt ihm einen Kuss, schaut ihn grinsend an und flüstert. " Danke! " Dann küsst er ihn nochmal und holt sich eine frische Hose aus dem Schrank. " Dann lass uns Mal starten, ich habe Hunger. " Boris ist ein wenig verwundert über diesen schnellen Stimmungs- wechsel, aber auch erleichtert. Kurzzeitig hatte er das Gefühl, es läge etwas Ernsteres in der Luft, aber dem ist wohl nicht so. Und wer weiß, vielleicht ergibt sich nach einem entspannten Essen und einem Glas Wein ja die Gelegenheit, eine Revanche einzufordern. Bei diesem Gedanken fährt Boris ein angenehmes kribbelndes Gefühl durch den Körper. Tobias ist mittlerweile in seine Hose geschlüpft und nimmt Boris an die Hand. " Komm, hübscher Mann, auf geht's. Die Pizza wartet! " An der Wohnungstür wartet bereits der Hund schwanzwedelnd auf die Beiden. Hand in Hand verlassen sie ihr Appartement, um den Tag angenehm ausklingen und einen doch recht ungewöhn- lichen Nachmittag hinter sich zu lassen, soweit möglich...
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