Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Stolpersteine

GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
09.06.2019
23.08.2019
28
46.251
30
Alle Kapitel
275 Reviews
Dieses Kapitel
11 Reviews
 
25.07.2019 1.608
 
Das trifft auch auf mich zu, aber die Hitze macht einen ganz dösig, daher heute nur ein kurzes Wiedersehen mit unseren beiden Jungs. Vielen lieben Dank für die zwei neuen Sternchen, die mit dem letzten Kap geflogen kamen. Das freut mich sehr.

******************************************************************


*...und jetzt schau'n wir mal aufs Wetter. In Hamburg und in der Region ist es heute bewölkt bei einer Höchsttemperatur von 26 Grad, ab und zu sind mit kurzen Schauern zu rechnen,  überwiegend bleibt es aber trocken. Also ihr Lie...* Tobias stellt das Radio aus, nimmt sich seinen fertigen Cafe Latte aus der Maschine und sucht in der Hosentasche nach seinem Handy. Vor zwei Tagen sind sie zurück gekehrt, jeder an seinen derzeitigen Aufenthaltsort. Seitdem fühlt sich Tobias unwohl in ihrer eigentlich gemeinsamen Wohnung, irgendwie fremd, auf der Durchreise. Da Boris bereits wieder arbeitet und kaum Zeit haben wird, um Privatgespräche zu führen, schreibt er ihm eine Nachricht. * Hey. Wie sieht's aus, treffen wir uns heute? Ich vermisse dich ganz schrecklich, ist nicht mehr schön hier ohne dich. * Tobias legt sein Handy auf dem Küchentisch ab, auf dem sich bereits sämtliche Unterlagen für die anstehende Hausarbeit stapeln. Es wird Zeit, sich dieser Aufgabe zu widmen, aber das Angehen fällt schwer, noch immer nehmen die Ereignisse der letzten Tage und Wochen zu viel Raum ein. Mit ihrer gemeinsamen Nacht im Zelt kam die Zuversicht zurück, das sie es schaffen könnten, doch die Rückkehr in die reale Wohnsituation, ihre räumliche Trennung, lässt das Ganze unwirklich erscheinen. Das Handy vibriert und Tobias sieht nach, was sein Mann geantwortet hat. * Hey. Wir könnten zusammen Mittag essen, der Makler hat sich gemeldet. Im GIOVANNIS um 12.30 Uhr? * Er bestätigt kurz sein Kommen und auf seinem Gesicht macht sich ein Lächeln breit, hatten sie sich doch seit dem verlängerten Wochenende zwar wiederholt gesprochen, aber nicht mehr gesehen, zwei Nächte ohne einander, eine plötzlich gefühlte Ewigkeit!

Es herrscht reges Treiben, als Tobias das Lokal betritt. Er ist zu früh dran, hält deshalb Ausschau nach einem leeren Tisch und entdeckt einen kleinen runden direkt am Fenster. Um diese Zeit finden sich zahlreiche Mitarbeiter aus den umliegenden Bürogebäuden zu einem kurzen Mittagssnack ein, es wirkt laut und geschäftig. Tobias bahnt sich seinen Weg zwischen den eng gestellten Tischen und Stühlen hindurch, legt Jacke und Gehhilfe ab und setzt sich. Ein wenig Zeit ist noch, bis Boris dazu kommt, der in der Regel ziemlich pünktlich ist, und Tobias schaut in die Karte auf der Suche nach einem Getränk. Es fühlt sich an wie ein Date, leichte Unsicherheit gepaart mit erwartungsvoller Aufregung, das erste Wiedersehen, nachdem Boris ihn vor ihrer Wohnung abgesetzt hatte.
" Was darf ich dir bringen? " Tobias zuckt unwillkürlich zusammen, eine nicht all zu vertraute, aber bekannte Stimme, die trotz der neutralen Worte Unwohlsein hervor ruft, den Wunsch aufkommen lässt, man möge sich irren. Er löst seinen Blick von der Karte, schaut nach oben und sieht in die Augen, die er jetzt hier am allerwenigsten zu treffen hoffte. " Lukas, ... was treibst du'n hier? " Gleichzeitig mit der Frage durchfährt Tobias eine aufkommende Panik, Boris kann jederzeit auftauchen und würde sicher nicht sonderlich entspannt auf dieses Zusammentreffen reagieren. " Bin nur vorübergehend hier, als Urlaubsvertretung. Ich hab dich lange nicht gesehen, seit ... " Tobias sieht an Lukas vorbei zur Eingangstür, rutscht unruhig auf seinem Stuhl hin und her und überlegt aufzuspringen, um seinen Mann vor dem Lokal abzufangen und ihn unter einem Vorwand irgendwo anders hin zu bugsieren.
" Ich warte hier auf Boris! Und du bist, ehrlich gesagt, der Letzte, den ich heute sehen wollte! " Lukas schaut sich kurz um, zieht den zweiten Stuhl vom Tisch ab, setzt sich und beugt sich zu Tobias vor. " Sorry, wegen der Geschichte, echt! Du bist nen super Typ und ich hätte mir da durchaus noch mehr vorstellen können, aber du hast dich augenscheinlich für deinen Mann entschieden. Alles wieder okay bei euch? " Nervös mit seinen Fingern spielend und einem verstohlenen Blick zur Tür überlegt Tobias, wie er dieser Situation entfliehen könnte, sich auf der Stelle in Luft auflösen wäre eine willkommene, aber unrealistische Möglichkeit. " Keine Sorge, ich lass euch in Ruhe! Ich habe jetzt übrigens wieder eine Freundin. Wir wollen zusammen Urlaub machen, auf Kreta, und dafür brauche ich die Kohle. Es hat mich echt erwischt ... " Tobias atmet tief durch, zumindest hat sich Lukas neu orientiert, ist frisch verliebt, von daher sind wohl keine weiteren Annäherungsversuche zu erwarten, bleibt aber das Problem mit Boris, der zum Glück immer noch nicht in Sichtweite ist. " Das freut mich für dich, ehrlich. Wir ... also, Boris und ich, wir sind auf nem guten Weg und das möchte ich eigentlich nicht riskieren, das, wenn er dich sieht ... " Lukas nickt verständig, erhebt sich, zückt sein Bestellannahmegerät und bleibt abwartend am Tisch stehen. Tobias schaut ihn verwirrt an und erblickt dann, an ihm vorbei hinter dessen Rücken, Boris, der gerade herein kommt und auf sie beide zugeht. Okay, kein Entrinnen mehr möglich, bleibt die Restchance, das sein Mann den Typen hier als das wahrnimmt, was er ist, die Bedienung in einem ihrer Stammlokale. Er erhebt sich, um Boris zu begrüßen, der tritt freudestrahlend an den Tisch heran und gibt Tobias einen Kuss. Dann schaut er nach rechts, zu demjenigen, der unübersehbar auf etwas zu warten scheint und erstarrt, sein Gesicht wird aschfahl, die Augenbrauen runtergezogen, der Mund leicht geöffnet, all das spiegelt ein Entsetzen wieder, welches Tobias wiederum erneut in Panik versetzt. Boris dreht sich ohne ein Wort um und geht zügigen Schrittes in Richtung Ausgang. Er hat Lukas erkannt, keine Frage, und er zieht jetzt womöglich, nein, ganz sicher die falschen Schlüsse! Tobias schnappt sich seine Jacke und seine Gehhilfe und versucht, Boris nach draußen zu folgen, so schnell es eben geht, wenn man des Laufens nicht mehr fähig ist. Das Gefühl, diese Situation zu kennen, ein Deja Vu, ihr Treffen in der Schwulenbar, lässt ihn den Atem anhalten, in leiser Hoffnung, das sein Mann auch diesmal draußen auf ihn warten wird.

Die Tür fällt hinter ihm zu und Tobias sieht sich hastig um, kann aber Boris nirgends entdecken. Verdammt, das durfte nicht wahr sein, ausgerechnet hier, so kurz nach ihrer Versöhnung, er muss sich ihm erklären, sofort, bevor sein Mann sich seinen Eindrücken ergibt und komplett dicht macht. Tobias macht sich auf den Weg zum Hotel, wo er Boris jetzt vermutet. Dort angekommen, geht er unverzüglich, ohne bei der Rezeption nachzufragen, zum Fahrstuhl, fährt in die 3. Etage und bleibt vor der Tür zu Boris' Zimmer stehen. Völlig außer Atem klopft er mit zitternder Hand an und wartet, auf eine Reaktion, ein Geräusch, doch es bleibt still, die Tür verschlossen. " Boris, bitte ... ich weiß, das du da bist. Mach auf, bitte!! " Tobias klopft erneut, mehrere Male, heftiger, verzweifelt! Schließlich öffnet sich diese tatsächlich, nur einen Spalt, er drückt die Tür auf und betritt das Hotelzimmer, welches sein Mann seit Wochen sein vorübergehendes Zuhause nennt. Boris sitzt auf dem Bett, mit dem Rücken zur Tür, die Unterarme liegen auf seinen Oberschenkeln und der Kopf ist gesenkt. " Hey, ich kann mir denken, warum du auf und davon bist. Aber da spielt sich mehr in deinem Kopf ab, als wirklich war. " Er schließt die Zimmertür, geht um das Bett herum und setzt sich neben seinen Mann, der ihn mit leerem, erschöpften Blick ansieht. " Blöder Zufall, Lukas arbeitet dort nur kurz, will sich etwas dazu verdienen, für eine Reise ... mit seiner neuen Freundin! " Boris verzieht für einen kurzen Moment sein Gesicht zu einem bemühten Lächeln, schließt dazu die Augen, um anschließend wieder zu Boden zu schauen. " Und warum ist ausgerechnet ER an deinen Tisch gekommen, und warum bist DU sitzen geblieben, hast mit ihm geredet oder wer weiß was ... ? " Gern würde Tobias seinen Arm um ihn legen, ihm tröstend über den Rücken streicheln, stattdessen versucht er all seine Zuneigung, seine Liebe in seine Stimme zu legen, tief und leise, zärtlich aber überzeugend.

" Ja, wahrscheinlich hätte er einen Kollegen vorgeschickt, wenn du dabei gewesen wärst und ja, ich wollte erst weglaufen. Aber ich bin froh, das ich es nicht getan habe. Zwischen ihm und mir ist jetzt alles gesagt, er hat sich nach uns erkundigt und mir von seiner neuen Liebe erzählt! Es gibt nichts mehr zu klären, jeder geht seine eigenen Wege und das war wichtig, auch für uns, gerade weil ich ihm das ein oder andere Mal noch begegnen werde, an der Uni. "
Boris zeigt keinerlei Regung, doch sein Körper signalisiert Entspannung, so daß Tobias es wagt, seine Hand zu nehmen und sie festzuhalten. " Jaa, tschuldige, du hast ja Recht. Ich habe überreagiert, aber als ich den Typen gesehen habe, da konnte ich nicht anders, sonst hätte ich ihm womöglich eine rein gehauen! " Boris legt seine andere Hand auf die von Tobias, sieht ihn ernst, aber erleichtert an und gibt ihm einen Kuss, behutsam und dennoch voller Sehnsucht nach diesen Lippen, auf die er sich eigentlich unter anderem wahnsinnig gefreut hatte. Tobias kommt Boris entgegen, erwidert den Kuss, sehnsüchtig, leidenschaftlich ... bis sein Mann unterbricht und ihn anlacht. " Tobi, meine Mittagspause ist zuende, ich muß wieder an die Arbeit. " Leicht grummelnd nickt der, beide stehen auf und gehen zur Tür, um gemeinsam das Zimmer zu verlassen. " Ach übrigens, der Makler hat bisher nichts passendes für uns gefunden, alles völlig überteuert! Kommst du heute Abend noch einmal vorbei, dann erzähl ich dir genaueres und wir könnten zusammen essen und so. " Tobias grinst vielsagend, es scheint soweit okay zu sein und sie können nachher hoffentlich dort ansetzen, wo sie am Wochenende aufgehört haben.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast