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Stolpersteine

GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
09.06.2019
23.08.2019
28
46.251
30
Alle Kapitel
275 Reviews
Dieses Kapitel
9 Reviews
 
20.07.2019 1.315
 
Und noch ein Sternchen ... Vielen lieben Dank, an euch alle! Das letzte Kapitel war heftig, deshalb heute ein kürzeres, weniger aufregendes Urlaubskapitel!

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" Wo willst du hin? " Boris richtet sich im Bett auf und schlägt die Zudecke zur Seite. " Entschuldige, ich wollte dich nicht wecken. Ich kann nicht mehr schlafen! " Tobias hebt seine Krücke auf, die ihm gerade laut polternd zu Boden gefallen ist und sieht seinen äußerst verschlafenen Mann mit einem leeren, fast traurigen Blick an. Genau genommen hatte er die ganze Nacht kein Auge zu getan, das Gedankenkarussell hatte unerbitterlich seine Runden gedreht und die unmittelbare Nähe von Boris war wider Erwarten beklemmend gewesen. Sie waren relativ spät zu Bett gegangen, als das letzte Gewitter endlich abzog und der Regen nachließ. Wortlos hatte jeder seine Schlafposition eingenommen, mit der gebührenden Distanz, und Boris war, den tiefen ruhigen Atemzügen zu entnehmen, sofort eingeschlafen, keine liebevolle Geste, keine Berührung, die Hoffnung auf mehr gemacht hätte. Den Menschen, den man liebt, neben sich liegen zu haben, hörbar, fühlbar, und ihm dennoch so unendlich fern zu sein, war für Tobias schmerzhaft und in den frühen Morgenstunden schließlich unerträglich geworden. Er hatte sich vorgenommen, Boris den ersten Schritt zu überlassen, er sollte das Tempo bestimmen, in dem sie sich körperlich wieder näher kommen könnten, aber so weit war es offensichtlich noch nicht. " Schlaf weiter, ich gehe mit dem Hund schon mal eine Runde. " Tobias öffnet die Wohnwagentür, ein frischer kühler Luftzug durchströmt das Innere, während der Hund freudig bellend hinaus läuft. Er folgt ihm, ohne seinen Mann noch einmal anzuschauen, ist doch die Versuchung viel zu groß, seinen Vorsatz über Bord zu werfen.

Boris steigt ebenfalls kurz aus dem Bett, öffnet alle vorhandenen Fenster, um einen Luftaustausch zu ermöglichen, lässt sich rücklings wieder zurück fallen, verschränkt die Arme hinter seinem Kopf und spürt der Müdigkeit nach, welche anhaltend sein Körpergefühl bestimmt. Tobias ist geflüchtet, das war nicht zu übersehen, dabei hatte Boris sich gefreut, auf das gemeinsame Aufwachen, sich ankuscheln, den warmen, tiefenentspannten Körper des anderen spüren und vielleicht hätte sich etwas ergeben, wobei er es nicht darauf angelegt hätte. Es fühlte sich gut an, Tobias bei sich zu haben, in erreichbarer Nähe und das hatte gestern gereicht, um ihn entspannt und durchaus zufrieden einschlafen zu lassen. Tobias schien es nicht so zu gehen, vielleicht hat er doch zu sehr mit seinem schlechten Gewissen zu kämpfen, oder die gestrigen Eingeständnisse haben ihn derart aufgewühlt und verunsichert, das er seine Nähe jetzt nur schwer erträgt. Boris schließt seine Augen und lauscht dem morgendlichen Konzert der zahlreichen Singvögel, welches um diese Zeit noch fernab jeglicher menschlicher Störungen vorgetragen werden kann.

Tobias sitzt auf dem kleinen Bootssteg und beobachtet das schnell vorbei fließende Wasser der Elbe, während der Hund sich aufgeregt durch das naheliegende Gebüsch wühlt und dabei so einige Nachtfalter aufscheucht, die auf der Suche waren nach einem ruhigen Platz, um dort den Tag zu verschlafen. Außer den Vögeln scheint noch niemand aktiv zu sein, weder zu Wasser, noch auf dem Campingplatz. Er lässt die Beine in das erfrischende Nass baumeln und wäre jetzt froh, wenn seine Seele es ihnen gleich tun würde, doch ihr Streit, ihre Gespräche und die letzte Nacht lassen ihn nicht zur Ruhe kommen. Trotz der anfänglich harten und schonungslosen Worte waren sie sich anschließend emotional wieder näher gekommen, auch wenn es für Tobias ungewohnt war, so offen über das zu sprechen, was ihn wirklich beschäftigt und umtreibt. Der Impuls, sich zurück zu ziehen, zu verschließen, ist immer noch stark ausgeprägt, aber es gilt, ihn zu unterdrücken, dauerhaft, zumindest im Umgang mit Boris, seinem Mann. So einiges kam gestern zur Sprache, etwas, das sie sicherlich auf ihrem Weg voranbringen wird, aber was fängt man jetzt an mit den ganzen Eingeständnissen? Außer, das sie unermüdlich in seinem Kopf herumschwirren, hat Tobias im Moment keine konkrete Vorstellung, wie es jetzt genau für sie weitergehen könne. Seine Ungeduld ist dem Ganzen sicher auch nicht zuträglich, aber eine schnelle Versöhnung mit anschließender Rückkehr zum gewohnten Alltag ist hier wohl mehr als unangebracht und sicher auch nicht erstrebenswert! Aber Boris in die Arme schließen, ihn küssen, ihn festhalten und nicht mehr loslassen, der Drang danach wird immer stärker, schwierig, sich diesbezüglich weiterhin in Zurückhaltung zu üben. Tobias angelt nach seinen Gehhilfen und versucht, sich mühevoll aufzurichten. Er schaut sich kurz um und entdeckt nichts, der Hund ist nicht mehr da. Sicher ist er nach oben gelaufen zum Wohnwagen, zu dem er sich jetzt ebenfalls aufmacht, in der Hoffnung, sein Mann ist mittlerweile aufgestanden.

Die ersten Nachbarn kreuzen seinen Weg und Tobias grüsst freundlich. Neben dem Wohnwagen liegt, wie erwartet, der Hund auf einem schattigen Plätzchen, die Sonne strahlt vom morgendlichen Himmel und es verspricht, ein heißer Tag zu werden. Tobias öffnet leise die Wohnwagentür und streckt seinen Kopf hinein. Boris liegt auf dem Bett, in Shirt und Unterhose und rührt sich nicht. Magisch angezogen von diesem Anblick, betritt er möglichst geräuscharm das Innere, schließt die Tür, setzt sich vorsichtig auf die Bettkante und legt seine Krücken auf dem Boden ab. Boris hat die Augen geschlossen, atmet ruhig und regelmäßig, nur der erfrischende Luftzug hinterlässt seine Spuren auf seinen Armen und Beinen. Tobias legt sich seitlich neben seinen schlafenden Mann, auf einen Arm gestützt und betrachtet ihn, ausgiebig, kein Detail auslassend. Ein warmes, angenehmes Gefühl breitet sich aus und lässt die zermürbenden Gedanken für einen kurzen Moment verstummen. Er rückt mit seinem Gesicht ein wenig näher, um auch wirklich alles aufzunehmen, jede einzelne Wimper, jedes noch so kleine Fältchen, die wild sprießenden Barthaare um diesen herrlichen Mund mit seinen sanften sinnlichen Lippen ...

" Was wird das jetzt genau? " Boris schlägt die Augen auf und sieht Tobias mit einem schelmischen Grinsen an. Der erschrickt, zieht rückartig seinen Kopf wieder zurück und versucht, ein wenig von Boris abzurücken. " Sorry, ich wollte nicht ... tut mir leid. " Boris greift nach Tobias' Hand, küsst die Innenfläche und legt sie sich anschließend auf seine Wange, um sie dort ruhend, weiterhin festzuhalten. " Hey, nicht wieder abhauen! " Boris flüstert diese Worte, zaghaft, aber unmißverständlich, lässt Tobias' Hand wieder los, dreht sich ebenfalls zur Seite und küsst ihn auf den Mund, behutsam, fast vorsichtig, und beide spüren diese innere Erregung, das aufregende Zittern, ähnlich ihrem ersten Kuss in der Karwendelhütte. Tobias erwidert, ist aber bemüht, nicht all zu forsch zu werden, hier nicht etwas voran zu treiben, das diese zarte Annäherung schnell wieder zunichte machen könnte. Schließlich löst sich Boris, bleibt ihm mit seinem Gesicht aber unverändert nah und versucht in Tobias' Augen zu lesen, was jetzt wohl in ihm vorgeht. Der lächelt liebevoll, überrascht und auch ein wenig erleichtert. " Du hast mir so gefehlt, das hier hat mir gefehlt! Aber ich werde mich zurück halten, du allein entscheidest! " Boris nickt und küsst ihn erneut, sanft, zärtlich, immer wieder, nur unterbrochen von einigen Streicheleinheiten über Tobias' Gesicht, durch seine Haare und über die Arme. Tobias tut es ihm gleich und so liegen sie eine ganze Weile auf dem Bett, zugewandt, aber mit der nötigen Distanz, um nicht zu forcieren, was jetzt noch zu früh wäre. Schließlich kuschelt sich Boris ein wenig näher an seinen Mann, der legt seinen Arm um ihn und Boris seinen Kopf auf dessen Oberkörper ab. " Vielleicht sollten wir heute hier drin bleiben und den Tag mal so verbringen, hat doch auch was! " Tobias muss lachen bei dem Vorschlag seines Mannes, der zwar unverhofft kommt, aber dennoch so typisch Boris ist.
" Kommt gar nicht in Frage, also von Luft und Liebe allein kann ICH nicht leben. Und so ein aufdringliches Magenknurren ist ziemlich unsexy. " Er gibt Boris einen Kuss auf die Wange, versucht, sich zu erheben und stubst Boris aufmunternd an.
" Los, lass uns frühstücken und dann machen wir es uns draußen gemütlich, auf einer Decke, hier oder am Steg, ganz egal, Hauptsache mit dir. "
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