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Stolpersteine

GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
09.06.2019
23.08.2019
28
46.251
30
Alle Kapitel
275 Reviews
Dieses Kapitel
10 Reviews
 
10.06.2019 1.551
 
Die S-Bahn ist brechend voll und der Typ neben Tobias riecht schon am frühen Morgen nach Schweiß. Die drückend schwüle Luft hat sich trotz des heftigen Gewitters nicht gelegt, im Gegenteil, für heute sind 34 Grad angesagt. Tobias schaut aus dem Fenster und versucht, nicht all zu tief einzuatmen. Der Platz vor ihm ist aufgrund seines ausgestreckten Beines leer geblieben, so daß er sich zumindest nicht beobachtet fühlt.
Als er heute morgen aufgewacht ist, war Boris bereits weg. An sich nichts Ungewöhnliches, da er in der Regel früh aufsteht, auch, um vor dem Duschen erst eine Runde Joggen zu gehen, in Begleitung des Hundes. Heute war Tobias erleichtert, ihn nicht sehen zu müssen. Einen weiteren Annäherungsversuch hätte er nicht mehr abwehren können. Schon der gestrige Abend hatte etwas von einer mittelmäßigen Posse auf irgendeinem der unzähligen dritten TV Programme. Erst hatte er versucht, Boris zu ein, zwei Gläsern Wein mehr als üblich zu überreden. Und danach nutzte er die Chance, als Boris im Bad war, sich schlafend zu stellen. Der versuchte zwar dennoch, seine Lebensgeister zu wecken, in dem er sich von hinten ganz eng an ihn schmiegte, ihm aufmunternd ins Ohrläppchen biss und seine Hand dabei über Tobias Bauch kreisen ließ mit der Tendenz nach unten. Doch Tobias blieb einfach still liegen, mit geschlossenen Augen, solange, bis Boris schließlich aufgab, sich zur Seite rollte und einschlief. Kopfschmerzen wären vielleicht auch eine Option gewesen, aber das hätte Boris ihm dann doch nicht abgenommen.

So viel ist klar, er muss mit Lukas reden, das klären. So etwas darf sich nicht wiederholen. Er ist jetzt verheiratet, glücklich verheiratet! Er darf es einfach nicht zulassen, das irgendetwas oder irgendwer dazwischen kommt. Tobias genießt die paar Schritte zwischen S-BAHN Station und Unigelände. DIE Gelegenheit, den Kopf klar zu kriegen, ohne sich gezwungenermaßen das Gerede seiner Mitmenschen anhören zu müssen. Und Boris ..., warum sollte er ihn unnötig beunruhigen, in Aufruhr versetzen, seine Gefühle verletzen? Nein, manche Dinge behält man besser für sich. Es war das erste Mal, das Tobias einer Beziehung fremd gegangen ist, sprich ... er hat keinerlei Erfahrung im Umgang damit, was ja auch nicht unbedingt eine Tugend ist.

Vor dem Eingang eines Nebengebäudes, in dem ihre Fakultät untergebracht ist, wird Tobias bereits erwartet. Er zuckt für einen kurzen Moment zusammen. Es war damit zu rechnen, das sie sich auch weiterhin ständig begegnen werden, trotzdem überrascht es ihn. Tobias atmet einmal tief durch und geht dann entschlossen auf Lukas zu. Der strahlt ihn an, mit seinem Zahnpastalächeln und diesem Funkeln in den Augen, welches Tobias heute gar nicht behagt. " Hey, haben wir noch Zeit, bevor die Vorlesung anfängt? Ich muss mit dir reden! "
Lukas antwortet nicht, steht einfach nur da, ganz lässig. Sein Gewicht auf eine Seite verlagert, vergräbt er eine Hand in der Tasche seiner Shorts. Die Beine, leicht gebräunt und mit einem hellen Flaum überzogen. Tobias hat ein Faible für Beine, wenn sie so aussehen, wie die von Lukas ... und Boris. Immer noch ohne Erwiderung greift Lukas in seine Tasche, die er ebenso lässig über der Schulter trägt. Er zieht das Shirt heraus, das Tobias ihm gestern geliehen hatte und reicht es ihm. Tobias nimmt es zögerlich entgegen. " Du hättest es ja wenigstens vorher waschen können. " Lukas muss lachen und streicht sich dabei, wie zufällig, durch seine blonden Haare. " Ja, sicher! Ich dachte, ich mache dir hiermit ein Geschenk. Ich mein, wenn du mal Lust auf was anderes hast, außer auf deinen Mann, dann erinnert es dich vielleicht an unsere kleine Aktion. Du brauchst dich nur bei mir melden und ich bin da, jederzeit! " Mit einem Augenzwinkern wendet sich Lukas ab und betritt das Gebäude. Er lässt einen sichtlich irritierten Tobias zurück, der sein Shirt immer noch mit ausgestreckter Hand hält, so, als wolle er es Lukas zurück geben.

Der folgenden Vorlesung wohnt Tobias in der hintersten Reihe bei,  während Lukas ziemlich weit vorne zwischen zwei Mädels sitzt, mit denen er sich offenbar gut versteht. Danach treffen sie sich auf der Männertoilette wieder. Unmöglich, sich hier aus dem Weg zu gehen. Lukas ist gerade dabei, sich die Hände zu waschen, als Tobias ans Waschbecken tritt. Sie sind allein und beide lassen das kalte Wasser über ihre Handgelenke laufen, eine willkommene Abkühlung bei der Hitze. " Stört dich eigentlich gar nicht, das ich verheiratet bin? Ne Beziehung wär doch jetzt eh nicht drin, oder was stellst du dir vor? " Tobias spricht so leise, als befürchte er, von jemandem belauscht zu werden. " Nee, stört mich nicht! Ich find dich heiß und bin gerade ein bisschen unterversorgt, du verstehst? Und mit nem Typen ist es viel einfacher, ich mein, wir sind doch eigentlich immer für Sex zu haben, egal mit wem. Okay, so ganz egal natürlich nicht, nett anzusehen muss derjenige schon sein. " Lukas grinst Tobias von der Seite an und spritzt ihm ein paar Wassertropfen ins Gesicht. Der dreht den Wasserhahn zu, wischt sich seine Hände an der Hose ab und greift zu seiner Gehhilfe. " Dein Ernst? Du willst nur Spaß, ohne Verpflichtung? " Tobias schaut ihn an, ernst, aber auch ein wenig amüsiert. Lukas hat eine so ganz andere Art, sich auszudrücken, als Boris, irgendwie erfrischend. "Klar Mann. Du hast einfach einen netten Arsch, den ich im übrigen gern mal heimsuchen würde, und dein Gesicht ist auch nicht verkehrt. " Jetzt muss Tobias sogar ein wenig lachen, dieses Direkte, das imponiert ihm. Aber halt, eigentlich wollte er Lukas ja zu verstehen geben, das da nichts weiter läuft und die Geschichte gestern einmalig bleiben wird.

" Okay, hab's verstanden, aber es wird kein 2. Mal geben. Das hätte einfach nicht passieren dürfen. Ich liebe Boris und werde ihm nicht weh tun, auch nicht für Sex! "

Lukas nimmt sich seine Tasche vom Boden auf, macht einen Schritt auf Tobias zu und streckt ihm sein Gesicht entgegen, so als wolle er ihn küssen. " Verstehe! Aber wenn du es dir anders überlegst, du weißt schon, das Shirt,  und du wirst mich anrufen. Ich bin mir sicher, das wirst du! " Er wirft Tobias einen Luftkuss zu und geht an ihm vorbei, raus aus der Männertoilette, ... und der wirft wiederum einen Blick, auf etwas, das ihm eigentlich völlig egal sein sollte.
Es ist später Nachmittag und die Hitze ist unerträglich geworden. Tobias öffnet die Tür und hört seinen Mann in der Küche hantieren. Er legt seinen Schlüssel und seine Tasche ab, aus der das getragene Shirt lugt. Tobias zieht es heraus und geht dorthin, wo er seinen Mann vermutet. " Hey, Schatz, da bist du ja! " Boris begrüßt ihn mit einem Kuss und schaut verwundert auf das Kleidungsstück, das sein Mann da in der Hand hält. " Du wolltest doch morgen waschen, geht das noch mit? " Boris lächelt amüsiert und deutet aufs Bad. " Leg es zur Schmutz- wäsche, wie immer halt! "
Tobias tut dies und beide widmen sich dem Abendessen, das Boris zubereitet hat. Coq au vin mit Pesto-Kartoffeln, dazu ein Glas Rotwein, begleitet von leichter Konversation und einem Espresso zum Abschluss. Danach ihre Lieblingsserie bei Netflix. Boris streichelt, wie mechanisch, über Tobias Bein, während der über den Vormittag nachdenkt.

Als sie zu Bett gehen, ist ihm klar, das er sich jetzt kein weiteres Mal verweigern könnte. Das würde Boris mißtrauisch machen und Fragen aufwerfen, die er lieber nicht beantworten möchte. Also, abwarten, was passiert. Sie löschen das Licht und Tobias dreht sich zur abgewandten Seite.
Und schon spürt er seinen Atem in seinem Nacken. Boris schmiegt sich fest an seinen Mann und Tobias kann deutlich spüren, das er bereits in Hochstimmung ist. Seine Hand fährt einmal kurz unter das Shirt und streicht Tobias über jede Brustwarze, um sich dann ohne Umschweife dem Goldstück zu widmen, das ihm und Tobi die nächsten Minuten versüßen würde. Der spürt die Berührung an seinem Penis, schließt die Augen und versucht, sich dem hinzugeben. Einfach nur entspannen und das Kopfkino einschalten. Wenn das so einfach wäre, in seinem Kopf herrscht immer noch der Ausnahme- zustand. Boris beginnt mit kleinen kreisenden Hüftbewegungen, sich an Tobias Po zu reiben. Vorne greift er beherzt zu und massiert zärtlich, aber mit Nachdruck das, was bisher zuverlässig darauf reagiert hat! Tobias schluckt, denn er merkt, das sich partout keine Errektion einstellen will. " Hey, was ist los? " Boris beugt sich über ihn, küsst ihn auf die Wange und Tobias dreht sich zu ihm um.
" Tut mir echt leid, keine Ahnung, das ist mir noch nie passiert! " Er legt seinen Kopf auf Boris Schulter und kuschelt sich in einer Weise an, die die erotische Stimmung abrupt zum Abkühlen bringt. Boris legt seinen Arm um seinen Mann, so als müsse er ihn trösten. " Schon gut. Ist doch jedem von uns schon mal passiert. Nicht darüber nachdenken! " Tobias nickt kurz und und streichelt besänftigend über Boris' Bauch. Wie soll das bloß weitergehen? Er liebt diesen Mann, der gerade so geduldig und verständnisvoll seine eigenen Bedürfnisse hinten anstellt. Was braucht man mehr, um glücklich zu sein? Ja, was??

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*** Wow, schon beim ersten Kapitel habe ich einige postive Rückmeldungen von euch bekommen. Damit habe ich nicht gerechnet. Meine Geschichte ist vielleicht eine, der etwas anderen Art. Ich hoffe trotzdem, das sie euch gefällt... und niemals das Vertrauen in diese wunderbare Beziehung
verlieren! ***
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