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Stolpersteine

GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
09.06.2019
23.08.2019
28
46.251
30
Alle Kapitel
275 Reviews
Dieses Kapitel
7 Reviews
 
12.07.2019 1.542
 
Hallo, ihr Lieben. Heute mal ein eher kurzes Kapitel, sozusagen als Einstimmung auf das Wochenende. Und Danke schön für den neuen Stern und die vielen Mitleser, ob laut oder still, ich freue mich sehr darüber.



Dieser kurze Moment zwischen Traum und Realität, wenn man dem gerade Erlebten nachspürt, die Bilder festhalten will, sich erneut hineinfallen lässt, um eine Fortsetzung zu ermöglichen und doch ganz langsam im wirklichen Leben ankommt. Tobias greift zur Seite, mit geschlossenen Augen und einem seeligen Lächeln auf dem Gesicht und tastet über den unberührten, jungfräulichen Teil des Bettes. Er ist nicht da, es war doch nur ein Traum, ein Wunsch seines Körpers, Boris wieder nahe zu sein, ihn bei sich zu haben. Ein wenig enttäuscht schlägt er die Augen auf, schaut erst auf's Handy und dann auf den Hund, der ein feines Gespür dafür hat, wann es ein guter Moment ist, sein Herrchen an seine Grundbedürfnisse zu erinnern. Tobias wirft seinen Kopf zurück in die Kissen, schließt seine Augen wieder und bemerkt ein wohliges Kribbeln, das seinen gesamten Körper durchströmt, eine angenehme Entspannung, ähnlich der nach einem Orgasmus und abgeklungener Erregung. Es ist zwar noch nicht soweit, zwischen Boris und ihm, aber so ein Vorgeschmack auf das, was in Zukunft wieder möglich sein könnte, macht auch irgendwie glücklich, zumindest hebt er die Laune ungemein.

Tobias ist erleichtert, das Boris ihrer Beziehung immer noch eine Chance einräumt, sich nicht endgültig gegen ihn entschieden hat, trotz der äußerst unangenehmen Tatsachen, die er ihm zugegebenermaßen nicht gerade schonend beigebracht hatte.  Aber diese Situation, das Treffen in der Gay Bar, war nötig, auch um den Druck zu erhöhen, wirklich Alles rauszulassen, nichts zu beschönigen oder zu verschweigen. Keine Ahnung, was er getan hätte, wenn Boris davon gefahren wäre, tief verletzt und zum äußersten entschlossen. Wieder einmal hatte der Zufall ihm in die Hände gespielt und er hofft, das der Fahrer des SUV den Schrecken vom Vorabend längst vergessen hat und heute morgen ähnlich glücklich aufgewacht ist. Der Hund dreht seine zweite Runde durch das Schlafzimmer und Tobias macht sich auf den Weg unter die Dusche, die heute ein wenig wärmer ausfallen wird, um dieses angenehme Gefühl, das ihn noch immer durchströmt, möglichst lange zu konservieren.

Der Kaffee läuft gerade, als Tobias' Handy sich meldet, eine Nachricht von Boris. * Hi. Bist du schon wach? Kannst du um 11 Uhr ins GIOVANNIS kommen, wir könnten zusammen frühstücken. Ich muss was mit dir besprechen. * Tobias Blick verfinstert sich, ein ungutes löst das angenehme Gefühl ab und sein Magen meldet ein Unbehagen. * Ja klar, ich komme. Bis später.* Was hat Boris so dringend mit ihm zu besprechen? Hat er es sich doch anders überlegt, eine Nacht drüber geschlafen und heute morgen ernüchtert entschieden, das es doch keine Zukunft geben wird für sie beide? Aber dann würde er kaum mit ihm frühstücken wollen! Tobias nimmt mit zittriger Hand zwei Löffel Zucker in seinen Kaffee und rührt ihn gedankenverloren unter, der Schaum setzt sich rechtsdrehend in Bewegung und es entsteht ein Strudel, der ihn nach unten zu ziehen scheint. Es ist verflogen, das kleine Glück von heute morgen, noch eine Stunde, dann weiß er mehr!

Als Tobias die Tür öffnet, empfängt ihn ein Gewirr von Stimmen untermalt mit aktueller Popmusik, den Zurufen der Bedienung und dem Zischen des Kaffeeautomaten. Er schaut sich um und entdeckt Boris an einem Tisch nahe der Fenstertüren, die heute weit geöffnet sind. Es wird, zumindest wettertechnisch ein freundlicher, sonniger Tag werden und einige Gäste haben es sich bereits auf der Terrasse bequem gemacht. Tobias geht auf seinen Mann zu, bemüht, ihn anzulächeln und Boris steht kurz auf, um ihn mit einem Kuss auf die Wange zu begrüßen. " Schön, das du Zeit hast. Setz dich. Ich habe schon mal ein großes Frühstück für zwei bestellt, ich hoffe, das ist in Ordnung? " Tobias nickt, stellt seine Gehhilfe ab und setzt sich. " Hast du heute frei? " Ein gutaussehender junger Mann tritt an ihren Tisch und stellt zwei Tassen mit Café Latte, zwei Teller und das dazugehörige Besteck ab. " Ich habe mir heute und morgen Urlaub genommen. Heute Nachmittag habe ich noch ein paar Termine privater Natur. " Tobias nickt erneut, unsicher und vorausahnend, das dies nichts Gutes bedeuten könnte.

" Du willst was mit mir besprechen? " Die Frage kommt zaghaft und nur sehr zögerlich über seine Lippen, aber der innere Drang, dies schnellstmöglich zu klären, ist zu groß. Boris rutscht verlegen auf seinem Stuhl hin und her, als ihnen eine riesige Platte mit allerlei Köstlichkeiten, ein Korb mit Brötchen und Croissants, Orangensaft und Obst gebracht wird, für das der Tisch eigentlich nicht mehr genügend Platz aufweist. Nach einigem Rangieren sind alle zufrieden, auch die gutaussehende Bedienung, und Boris beginnt, sich ein Brötchen aufzuschneiden. Tobias hat eigentlich gar keinen Appetit und nimmt sich eine Weintraube, welche er sich, ungeduldig auf eine Antwort wartend, langsam in den Mund schiebt. " Ich bin auf der Suche nach einer Wohnung. " Wie ein Schwert durchfährt es Tobias, sinnbildlich vom Scheitel bis zur Sohle, sein Herz verkrampft und das Atmen fällt schwer, angesichts des Felsbrockens, der sich auf seine Brust legt. " Du, du ziehst aus, für immer? " Boris scheint weniger emotional ergriffen zu sein, legt sich zwei Scheiben Parmaschinken auf seine Brötchenhälfte und beißt ab.
" Nein ... oder ja! Erstmal will ich aus dem Hotel raus, wieder mehr Privatsphäre und meine eigenen Dinge um mich haben. Und dann ... " Er zögert einen Moment und deutet auf Tobias' Teller, der immer noch leer ist. " Willst du gar nichts essen? Nein, ich denke, ich werde ... ich kann nicht mehr zurückkehren, nicht in DIE Wohnung. Da würde mich alles an das erinnern, was ich mit meinen eigenen Augen gesehen habe, zusätzlich zu dem, was sich in meinem Kopf abspielt, wenn ich z.B. das Bad betrete. Ich habe nachher zwei Besichtigungstermine und wollte deshalb vorher mit dir sprechen. " Tobias versucht, gegen den Fels anzuatmen und spürt, wie sämtliche Lebensenergie seinem Körper entweicht. " Das heißt, es ist doch Aus, endgültig??? " Statt mit ernster, der Situation angemessener Miene, lächelt Boris ihn fast ein wenig amüsiert an. " Nein, Quatsch!!! Wir waren uns doch gestern einig, das wir es miteinander versuchen wollen. Aber ich wollte von dir hören, ob du dir vorstellen könntest, unsere Wohnung wieder zu verkaufen?! "
Einerseits erleichtert, andererseits jetzt erneut besorgt, nimmt sich Tobias einen Croissant und legt ihn auf seinen Teller. " Und wo soll ich dann wohnen? " Boris muss lachen angesichts der offensichtlichen Verwirrung seines Mannes, greift hinüber zu Tobias' Arm und legt beruhigend seine Hand darauf. " Das ist jetzt die Frage. Wenn du dir vorstellen kannst, das wir die Zeit bis dahin nutzen, um an uns zu arbeiten, dann würde ich meinen Auftrag beim Makler entsprechend ändern, von einer kleinen auf eine größere Wohnung für uns zwei. " Tobias würde jetzt am liebsten aufspringen und ihn küssen, hier vor allen, so erleichtert ist er über Boris' Angebot. Sein Herz hängt nicht an der Wohnung, sondern an dem, der sie bis vor kurzem mit ihm geteilt hat und er kann ihn verstehen, würde er im gegenteiligen Fall wahrscheinlich genauso denken.
" Boris, du glaubst gar nicht, wie froh ich bin, ich dachte schon .." Der beugt sich vor, über den Tisch und bietet ihm seinen Mund für einen Kuss an, quasi als Entschädigung für die letzten Minuten der Ungewissheit. Mit deutlich spürbarem Herzklopfen nimmt Tobias diese Gelegenheit wahr und küsst seinen Mann tatsächlich, zärtlich, aber auch mit Nachdruck. Sein Magen meldet umgehend Hunger und er greift zu Rührei und Marmelade, nimmt befreit einen Schluck Kaffee und grinst Boris an. " Ja, es ist mir völlig egal, wo wir wohnen werden, Hauptsache zusammen! Okay, so ganz egal dann vielleicht doch nicht. Ich hätte schon gerne einen Fahrstuhl, mindestens drei Zimmer, zwei Badezimmer, ne Wohnküche, wieder eine Dachterrasse und nen Müllschlucker, das wäre auch nicht schlecht! " Boris kann nur lachend den Kopf schütteln über soviel TypischTobi und sieht ihm zu, wie er endlich über das reichhaltige Frühstück herfällt. " Einverstanden. Ich frage mal, was so möglich ist, auf dem Immobilienmarkt Hamburgs. Aber bis dahin haben wir noch einen Weg vor uns, das muss dir klar sein! Das heißt jetzt nicht, das auf einen Schlag wieder alles okay ist. " Tobias legt bereits nach, leert das Orangensaftglas und schaut Boris jetzt wieder ein wenig ernsthafter an. " Nein, natürlich nicht, ich weiß. Ich bin zu allem bereit, was dir, was uns hilft! "
Boris schaut kurz nach draußen auf die Terrasse, wo ein Pärchen gerade ihre Speise gegen allzu aufdringliche Wespen verteidigt. " Ich habe den Schlüssel für Bens Wohnwagen. Bis Sonntag könnten wir dort wohnen, also du im Wagen und ich im Zelt. Wir hätten Zeit und Ruhe, um zu reden! Was meinst du ...? " Auf so eine Idee wäre Tobias niemals gekommen, davon ab, das er weder über die entsprechenden Kontakte, noch über die Möglichkeiten verfügt. Wieder einmal hat Boris die Initiative ergriffen, wohlwollend und richtungsweisend, aber er muss aufpassen, sich nicht allzu schnell wieder mit der eher passiven Rolle zufrieden zu geben. " Prima Idee und echt nett von Ben und Sandra. Ich packe nachher ein paar Sachen zusammen und dann könnten wir los, wenn du magst! "
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