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Stolpersteine

GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
09.06.2019
23.08.2019
28
46.251
30
Alle Kapitel
275 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
09.07.2019 1.439
 
Hallo, ihr Lieben. Ich möchte mich noch einmal bei allen fleissigen Reviewschreibern und vor allem Sternchengebern bedanken. Das motiviert mich ungemein und ich merke, das nicht nur ich, trotz der schweren Kost, mit Interesse und Spaß bei der Sache bin. Merci <3 <3 <3


Irgendwo schlägt jemand eine Tür zu und Tobias seine Augen auf. Ein ungewohntes Geräusch, eine ihm unbekannte Tapete, ein fremdes Bett, er dreht sich langsam und vorsichtig um und schaut in zwei äußerst wache braune Augen, denen seines Mannes, der ihn dazu noch spitzbübisch anlächelt. " Hey, bist du schon länger wach? Wie spät ist es? " Boris liegt auf der Seite, sein Kopf ruht auf seiner Hand, der Arm aufgestützt und die Decke liegt locker über seinen Hüften. " Keine Panik, es ist noch früh. " Tobias hatte nicht bemerkt, das Boris ohne Shirt zu Bett gegangen war, oder sich dessen in der Nacht entledigt hatte. Nun liegt sein halbnackter Mann vor ihm, mit einem verführerischen Lächeln auf seinem Gesicht, entspannt, ihm zugewandt, und er ... sollte ihn besser nicht berühren, ihn küssen, oder was ihm sonst noch einfiele. " Danke, fürs nicht probieren! " Augenscheinlich kann Boris seine Gedanken lesen, aber der nächste Schritt gebührt ausschließlich ihm, er allein soll entscheiden, ob und wann es passieren soll. " Ich bin froh, das ich hier, bei dir bleiben durfte. "

Beide liegen auf der Seite, nah beieinander und schauen sich an, als Boris seinem Mann mit einer Hand sanft über die Stirn, die Augenbrauen und dessen Wange streichelt, immer und immer wieder. Dann beugt er sich vor und küsst ihn, ebenso sanft und zurückhaltend. Doch diese kleine, erste Berührung seiner Lippen löst in Tobias eine ungeahnte Woge an Gefühlen aus, die ihn aus heiterem Himmel überrollt und ihm den Hals zuschnürt. Sein Atem stockt und er erwidert den Kuss nur kurz, wendet sein Gesicht ab und bleibt mit geschlossenen Augen direkt vor Boris liegen. Der ist zunächst irritiert über diese Reaktion, bemerkt dann aber eine  kleine Träne, die aus Tobias' Augenwinkel nach unten aufs Kissen rollt. Er küsst ihn erneut, diesmal auf die Wange, legt seinen Kopf neben Tobias ab, sucht seine Hand, hält sie fest und ist einfach nur da, da für seinen Mann, der gerade mit sich und den Emotionen der vergangenen Tage und Stunden kämpft. Selten hat Boris ihn so verletzlich erlebt, hatte er doch bisher meistens versucht, derartige Gefühlsausbrüche vor ihm zu verbergen, in dem er aus der Situation ausbrach oder Boris von sich wies. Wie gerne hätte er Tobias schon früher, vor allem in der schweren Zeit direkt nach dem Unfall beigestanden, aber das ließ er nie zu, wurde stattdessen ärgerlich, schickte Boris vor die Tür oder ging ihm aus dem Weg. Etliche Minuten liegen sie so da, keiner von beiden bewegt sich, kein Geräusch ist zu vernehmen. Bis Boris schließlich seinen Handgriff löst, Tobias über die Haare streicht, mit seinem Kopf wieder etwas näher rückt und flüstert. " Tobi, ich muss mich fertig machen. Ist das okay? Bin gleich wieder da! " Der nickt, öffnet seine Augen und sieht ihn mit leerem Blick an. Boris küsst ihn auf die Stirn, steht auf und verschwindet im Bad.

Es hat ihn eiskalt erwischt und eines ist klar, so einfach würde das nicht funktionieren. Gestern war Tobias noch zuversichtlich, das sie auf dem besten Wege seien, wieder zueinander zu finden. Er war glücklich über diese gemeinsame Nacht, aber als Boris ihn gerade so zärtlich gestreichelt und geküsst hat, ausgehungert nach seiner Liebe und Zuwendung, da ist Tobias bewußt geworden, das es dieser wundervolle Mann verdient hat, die ganze Wahrheit zu erfahren. Es darf keine Lüge, kein Verschweigen mehr zwischen ihnen geben. Die verdammte Sache mit Lukas, ... darauf würden sie beide sicher noch zu sprechen kommen, obwohl Tobias diesen Teil lieber auslassen würde, hatte Boris das Wesentliche eh bereits von ihm erfahren. Doch ganz so passiv wie bisher dargestellt, war er, vor der Aktion im Badezimmer, nicht gewesen. Er hatte sich überrumpeln lassen, in dem Moment, hatte sich ihm hingegeben, es sogar genossen, die letzte kleine Hürde genommen und er war hinterher äußerst erschrocken über sein Handeln und die möglichen Konsequenzen, JA!!
Aber er hatte in den Tagen zuvor auch gezielt daraufhin gearbeitet, alle möglichen Situationen durchgespielt, in denen es zum Sex kommen könnte. Der Reiz des Verbotenen hatte seine Gedanken bestimmt und es gab Momente, in denen er selbst erschrocken war, über das, was da in ihm vorging, trotz seiner Liebe zu Boris, die immer noch spürbar, aber deutlich in den Hintergrund gerückt war.
Lukas war anfänglich nett und freundlich zu Tobias, aber wirklich interessiert war er an einem gutaussehenden Kommilitonen, der seine hartnäckigen Avancen jedoch nicht erwiderte. Tobias hatte dies mehrfach beobachtet und seinerseits damit begonnen, Lukas Nähe zu suchen, ihn ganz bewusst anzuflirten. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten, doch dessen entflammtes Interesse ließ Tobias wiederum den Rückzug antreten, stellte sich doch so etwas wie eine Angst vor der eigenen Courage ein. Aber der Wunsch, das Kopfkino dann doch noch wahr werden zu lassen, wurde wieder stärker und er nahm das Angebot, gemeinsam zu lernen, in Wahrheit gerne an. Dazu ist es dann nicht wirklich gekommen, dachte Tobias doch eher darüber nach, ob und wie es mit ihnen hier und jetzt weitergehen könnte und der Gang ins Bad war dann ein letztes Insichgehen, bevor Lukas schließlich die Initiative ergriff. Wie soll er Boris erklären, das diese Aktion, der Sex mit einem anderen Mann, von ihm letztendlich willentlich herbeigeführt wurde, ohne wirklich selbst den Grund dafür zu kennen. Und es wäre ja durchaus möglich, das so etwas wieder eintritt, obwohl sich das Tobias im Moment beim besten Willen nicht vorstellen kann. Er sehnt sich nach einer Versöhnung, nach dem Mann, den er liebt und den er genau aus diesem Grund geheiratet hat. Aber da ist etwas in ihm, etwas fremdes, unberechenbares, das es zu klären gilt, bevor sie überhaupt wieder zueinander finden können, zu groß wäre die Gefahr, er könnte ihm ein zweites Mal derartig weh tun.

Als Boris nach einer ausgiebigen Dusche aus dem Bad kommt, ist das Bett leer. Tobias ist samt seiner Sachen verschwunden, ohne ein Wort des Abschieds oder einer Erklärung seines plötzlichen Stimmungswandels. Dabei lief doch gestern alles so gut, und die Nacht war einfach nur Balsam für die Seele, zumindest für die von Boris. Er geht zum Fenster, um hinaus auf die Straße zu schauen und entdeckt dabei einen Zettel auf dem kleinen Tisch, mitten zwischen den Tellern und leeren Flaschen des Vortages.

* Danke für die Nacht. Sorry, aber da gibt es noch was, worüber ich nachdenken muss. Ich melde mich bei dir. Tobi *

Was soll das jetzt wieder?! Erneut ein Rückzug nach typischer Tobi Manier, nach all den Annäherungen der letzten zwei Tage? Eigentlich ist Boris davon ausgegangen, das sein Mann verstanden hat, was unumgänglich ist für einen Neuanfang ihrer Beziehung, sollte das überhaupt noch möglich sein, wovon Boris bis eben noch ausgegangen war. Keine Alleingänge mehr, offen und ehrlich zueinander sein und vor allem miteinander reden, auch über unangenehme Dinge, die Grundbasis einer funktionierenden Beziehung, welche ihnen in der Vergangenheit immer mal wieder abhanden gekommen ist. Boris zerknüllt kopfschüttelnd den Zettel, wirft ihn zurück auf den Tisch und verlässt sein Zimmer, um nun ziemlich übel gelaunt, seiner Arbeit nachzugehen.

Der Hund läuft schon mal vor, als Tobias ihre gemeinsame Wohnung betritt, die seit Wochen nur von ihm bewohnt wird und mittlerweile wieder so hergerichtet ist, das auch Boris sich sofort wohlfühlen könnte. Das Bett ist frisch bezogen und die Hälfte seines Mannes bleibt absichtlich unberührt, um nicht den Anschein zu erwecken, Tobias hätte sich womöglich doch mit jemand anderem dort vergnügt. Eigentlich ist alles bereit für eine Rückkehr, für ein gemeinsames Leben, so wie sie es sich zu Anfang geschworen hatten. Da ist nur noch diese eine Hürde, die alles wieder zunichte machen könnte. Doch heute morgen war es deutlich zu spüren, er kann Boris körperlich nicht nahe sein, sich nicht komplett fallen lassen, ohne die eigentliche Ursache für sein Fremdgehen zu klären. Er muss ihm alles sagen, auch den Teil, den er nur zu gern weglassen würde, was bisher zugegebenermaßen sein Plan war, auch um Boris nicht erneut, vielleicht sogar noch tiefer zu verletzen. Etwas Grundlegendes war zwischen ihnen falsch  gelaufen und hat die Versprechen, die sie sich gegenseitig gegeben haben, vorübergehend aussetzen lassen. Aber genau da möchte Tobias wieder hin, diese Liebe wieder spüren, die nicht immer für jeden gleich, aber gemeinsam dann doch unerschütterlich war. Er hat Angst vor diesem Moment der Erkenntnis, das ihre Ehe, ihre Beziehung dann doch nicht mehr zu retten ist, aber es gibt KEINEN anderen Weg!
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