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Stolpersteine

GeschichteAllgemein / P18 / MaleSlash
09.06.2019
23.08.2019
28
46.251
30
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Dieses Kapitel
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09.06.2019 1.710
 
Obwohl erst später Vormittag, legt sich eine Abendstimmung über ihr Eppendorfer Appartement. Aufziehende Gewitterwolken erzeugen ein geheimnisvolles Zwielicht und die ersten Regentropfen prasseln gegen die Fensterscheiben. Durch die offene Tür zum Bad fällt ein Lichtschein in den dunklen Flur. Ein Aufstöhnen ist zu hören, zunächst nur verhalten und leise. Der erste Blitz sucht sich seinen Weg am Himmel, gefolgt von einem gewaltigen Donner, der das ganze Stadtviertel zu erschüttern scheint. Neben der Wohnzimmercouch liegt der Hund in seinem Körbchen und vergräbt seine Nase zwischen seinen Pfoten. Er ahnt, das seine Anwesenheit jetzt nicht erwünscht ist.
Das Stöhnen aus dem Bad  wird immer lauter und unbeherr- schter. Ein fast schon gequältes JA...JA soll auffordern, jetzt, so kurz vor dem Ziel nicht nachzulassen. Diese Erregung, die sich mit jeder Bewegung ins Unermessliche steigert, scheinbar kaum noch zu ertragen, bis einem der erlösende Moment die Sinne raubt und man nur noch spürt. Das Gewitter geht seinem Höhe- punkt entgegen, während aus dem Bad ein finales Aufstöhnen zu vernehmen ist.

" Los, komm, zeig mir deinen süßen Arsch! " Tobias steht angelehnt ans Waschbecken und hält sich rücklings mit beiden Händen fest. Hose und Shorts sind auf halbem Wege oberhalb der Beinschiene hängen geblieben. Er schaut den Mann an, der ihn gerade für einige Minuten dem Himmel näher gebracht hat und jetzt einen Nachschlag fordert. "Sorry, aber das geht nicht ... nicht hier! " Er versucht, sich mit einer Hand anzuziehen, während die andere nach seiner Gehhilfe angelt, die neben der Tür in der Ecke steht. " Warum, wegen deinem Bein? " Tobias schüttelt den Kopf und tritt in den Flur. Draußen ist nur noch ein entferntes Grummeln zu hören und der Regen hat nachgelassen. Das Tageslicht erobert sich die Wohnung zurück, nur der Hund rührt sich keinen Millimeter.

" Wegen Boris. Manchmal kommt er in seiner Mittagspause nach Hause. Und das hier, das muss er nicht sehen. "

Tobias geht ins Schlafzimmer, holt ein frisches Shirt aus dem Schrank und reicht es Lukas. " So solltest du nicht vor die Tür gehen. " Er deutet auf die Spermaspuren und muss dabei grinsen. Lukas streift sich das besudelte Shirt über den Kopf und steht jetzt mit nacktem Oberkörper vor Tobias. Seine Errektion ist immer noch deutlich sichtbar, trotz Jeans. Er geht einen Schritt auf ihn zu, legt seine Hand an Tobias Wange und küsst ihn, erst sanft und dann immer fordernder. Dabei presst er seine Hüfte so eng an Tobias Körper, das dieser die anhaltende Errektion deutlich spüren kann. Als Lukas dann seine Zunge ins Spiel bringt, weicht Tobias zurück. " Komm, lass es gut sein für heute. Das hier war nicht geplant und ich muss erstmal damit klar kommen. Du gehst jetzt besser. Das mit dem gemeinsamen Lernen hat sich eh erledigt. " Lukas schaut ihn enttäuscht an, zieht sich das geliehene Shirt über und geht an Tobias vorbei in die Küche. Dort räumt er seine Studienunterlagen hastig in seine Tasche und kommt zurück. Tobias deutet auf das feuchte Shirt, das an Boden liegt und Lukas hebt es wortlos auf. Als er sich erhebt, schauen sich beide in die Augen und verharren, eine gefühlte Ewigkeit, fragend und unschlüssig. Doch keiner von ihnen bringt es fertig, jetzt etwas womöglich Entscheidendes zu sagen. Schließlich wendet sich Lukas ab und verlässt die Wohnung.

Tobias schaut auf die Uhr. Es ist mittlerweile 13 Uhr10. Jetzt ist nicht mehr damit zu rechnen, das Boris noch vorbei schaut. Er geht ins Wohnzimmer und setzt sich mit einem Seufzer auf die Couch. Gedankenverloren legt er seine Gehhilfe ab und vergräbt sein Gesicht in seinen Händen. Der Hund spürt offensichtlich, das es seinem Herrchen nicht gut geht und legt sich, ohne einen Mucks von sich zu geben, neben Tobias ab. Nun ist es also doch passiert. Etwas, gegen das er sich schon geraume Zeit gewehrt hatte. Lukas, ein Kommilitone aus demselben Studiengang, ihn hatte er bei einer Vorlesung kennen gelernt. Sie waren sofort ins Gespräch gekommen und er fand ihn schon auf den ersten Blick sehr attraktiv. Tobias hatte Boris sogar von ihm erzählt und sie hatten noch gescherzt, frei nach dem Motto " Appetit darf man sich holen, gegessen wird Zuhause! "
Doch dann, vor einigen Wochen, erwähnte Lukas eher beiläufig, das er bisexuell sei und sich durchaus Mal wieder eine Beziehung mit einem Mann vorstellen könne, nachdem er sich kürzlich von seiner Freundin getrennt hatte. Von da an war irgendwie alles anders. Tobias spürte plötzlich so ein Kribbeln, wenn Lukas in seiner Nähe war oder ihn sogar berührte. Dieses gewisse Gefühl der Sehnsucht gepaart mit Unerreichbarkeit, das war ihm noch in guter Erinnerung, als Boris und er sich zwar ineinander verliebt, aber noch nicht zueinander bekannt hatten.

Zuhause hörte er auf, von Lukas zu erzählen und überlegte sich stattdessen fast jeden Abend eine neue kleine Überraschung für seinen Mann. Ein romantisches Abendessen auf ihrer Terrasse, ein Quickie in der Küche mit anschließendem gemeinsamen Kochen, ein erotisches Intermezzo unter der Dusche, usw. Und Boris schien glücklich und unbeschwert. Sie sind jetzt gerade erst seit fast einem Jahr verheiratet und Tobias wollte ihre Ehe auf keinen Fall gefährden durch absurde Gefühlsverirrungen, die sicher von allein wieder verschwinden würden.

Die Sonne ist zurück und flutet das Wohnzimmer, etwas, das Tobias normalerweise in Hochstimmung versetzen würde. Aber seit eben scheint alles anders. Boris und er haben um ihre Liebe gekämpft und Unwegsamkeiten bewältigt, die so manches andere Paar nicht gemeistert hätte. Dann ihre traumhafte Hochzeit und der Umzug nach Hamburg. Alles schien endlich gut zu werden. Und nun ist Tobias sich nicht mehr sicher! Warum hatte er nachgegeben, als Lukas sich unbedingt mit ihm verabreden wollte, um zu lernen. Warum hatte er sich hingegeben, als er im Bad mit einem Mal vor ihm stand und beherzt zugriff, ohne Vorwarnung. Sein bebender Atem, seine Hand in seinem Schritt und sie war da, die Erregung ... jetzt hier Sex zu haben, mit jemand anderem! Kein Gedanke mehr an Boris, alles wie ausgelöscht.
Tobias schaut erneut auf die Uhr und streichelt dabei flüchtig seinen Hund, der geduldig abwartend neben ihm liegt und ihn erwartungsvoll ansieht. Wie soll er jetzt Boris begegnen, der in wenigen Stunden nach Hause kommen würde, vielleicht in freudiger Erwartung einer erneuten kleinen Überraschung. Tobias wird warm, unerträglich warm. Die Schweißperlen treten auf seine Stirn und er hat das Gefühl, die stickige Luft lässt ihn nicht atmen. Er springt auf und öffnet das Fenster. Der Duft von Regen auf warmen erdigem Boden strömt in das Wohnzimmer. Tobias atmet tief durch ... und spricht sich selber Mut zu. Boris muss es ja nicht erfahren. Was war schon passiert,  eine schnelle, unbedeutende Nummer, ohne Belang für ihre Beziehung, ihre Ehe. Er hatte sich hinreißen lassen, ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Also, schweigen und genießen? Kaum war der Gedanke zuende gedacht, wusste Tobias, das es damit nicht getan sein würde. Er brauchte Zeit, durchzuatmen und nachzudenken. Das Schwirren in seinem Kopf lässt ihn schwindelig werden. Was gestern noch selbstverständlich schien, war mit einem Mal verschwommen, unklar, so als würde sich der Boden unter einem öffnen und man wäre hilflos dem lodernden Nichts ausgeliefert.

Da öffnet sich die Wohnungstür, das Ablegen eines Schlüsselbundes ist zu hören und dann steht Boris in der Tür, freudestrahlend, schön und unheimlich sexy, wie immer. Er kommt auf Tobias zu und lässt sich neben ihn aufs Sofa fallen.
" Na ihr zwei, habt ihr auf mich gewartet? " Er streicht dem Hund kurz über den Kopf und lächelt dann Tobias an, seine strahlenden Augen, die sinnlichen Lippen ... er sieht so verdammt gut aus, schießt es Tobias durch den Kopf, viel besser als Lukas. Also, warum in Gottes Namen sollte er diesen wunderbaren Mann enttäuschen und verletzen, mit dem Geständnis eines unbedeutenden einmaligen Vorkommnisses. "

" Hey, was ist los mit dir? Bekomme ich keinen Begrüßungs- kuss? " Tobias lächelt kurz und gibt Boris einen flüchtigen Kuss auf den Mund. Dann will er sich erheben, um ein wenig mehr Distanz zu schaffen. Doch Boris zieht ihn zurück auf die Couch, streicht ihm sanft über die Haare und das Gesicht. Dann lässt er seine Lippen wandern, zärtlich, zaghaft, über die Augen, Nase und  Wangen, bis er schließlich Tobias Mund erreicht. Ein Kuss, der mit einer flüchtigen Berührung beginnt, so als wolle er Tobias aus der Reserve locken, um dann energischer und zielgerichteter fortzufahren. Boris rechte Hand am Hinterkopf macht ein Ausweichen unmöglich, die linke Hand streicht gleichzeitig mit Nachdruck über Tobias Bein, immer weiter hoch, bis er ...
Tobias weicht fast ruckartig zur Seite aus und setzt sich ein Stückchen zurück. " Was ist los? " Boris ist verwundert über die Reaktion seines Mannes. Bisher war Tobias für spontanen Sex außerhalb des Ehebettes immer zu haben. er liebte es sogar.
" Tut mir leid, aber ich hatte heute einen Scheißtag, war viel los an der Uni. Nicht böse sein, mmh! " Versöhnlich streichelt er Boris über den Arm und schaut ihn mit hochgezogenen Augenbrauen an. Er weiß, das Boris diesem Blick nicht wiederstehen kann. " Lass uns heute essen gehen, zum Italiener. Dann braucht keiner von uns kochen und wir kommen nochmal raus, jetzt, wo das Wetter wieder besser ist. Wir könnten bei Marco draußen sitzen, was meinst du? " Boris lächelt verschmitzt und legt seinHand auf die von Tobias. " Okay, dann mach ich mich kurz frisch und wir drei ziehen nochmal
los! " Er erhebt sich und verschwindet im Bad.

Trotz geöffnetem Fenster hat Tobias immer noch das Gefühl, keine Luft zu bekommen. Das mit Lukas, das muss so schnell wie möglich wieder aus seinem Kopf. Ein unverfänglicher Restaurantbesuch sollte da helfen, verschafft er ihm doch die nötige Zeit und Distanz zu Boris. Und später würde er sich was einfallen lassen müssen ... miteinander schlafen, so kurz danach? Nein, da hätte Tobias das Gefühl, ein Teil von Lukas wäre mit dabei, bei etwas, das eigentlich nur zwischen ihm und Boris stattfinden sollte. Die Badezimmertür öffnet sich und Boris kommt heraus. Auf dem Weg zum Schlafzimmer knöpft er sein Hemd auf, lächelt Tobias vielsagend an und verschwindet wieder. Dieser erhebt sich jetzt ebenfalls und geht in Richtung Bad.  "Du, ich glaub, ich geh noch schnell duschen, nach diesem schwülen Tag heute! " Die Spuren von heute beseitigen, das Geschehene einfach wegspülen, denkt sich Tobias und schließt die Tür hinter sich.
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