Wie ich durch den Brexit zu ihm fand...

von Yumestar
OneshotAngst, Schmerz/Trost / P16 Slash
Amerika England Frankreich
08.06.2019
08.06.2019
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Wie ich durch den Brexit zu ihm fand…


„England, du ziehst es also wirklich durch?“, erklang die amerikanische Stimme aus dem kleinen Lautsprecher des Handys, „Du wirst die EU verlassen? Ich bin sowas von dafür! Du kannst dich ja den Vereinigten Staaten anschließen!“

„Hm-Hm.“ England hörte den Worten seines jüngeren Bruders nur halbherzig und unaufmerksam zu.

Vor ihm auf dem Tisch lagen unendlich viele Papiere, welche in einem großartigen Chaos auf der Tischplatte verteilt waren. Finanzen, Wirtschaftseinnahmen, Ausgaben, Statiken. Ein bunter Mix aus Graphiken und Texten. Er seufzte tief, nahm ein Papier in die Hand und ließ seinen Kopf wenige Sekunden später auf die Tischplatte fallen.

„England?“ Amerikas Stimme klang besorgt, aber auch sehr neugierig. Am liebsten hätte er vom Hörer geschaut, was England da Spaßiges trieb, „Was machst du da Spannendes? Planst du die EU mit Gewalt zu verlassen? Ähnlich wie ich, als ich mich von dir unabhängig gemacht habe?“

Unabhängigkeit. Das Wort ließ England sauer aufstoßen. Es war als würde eine Welle des Schmerzes durch seinen Körper fahren und er schüttelte das arge Gefühl von sich. Dann hustete er schwächelnd in seine Arme, bevor er genug Kraft gesammelt hatte, um den Kopf zu heben und zu sprechen: „Amerika, das ist kein Spaß.“

„Es klingt aber, als hättest du so much fun!“ Amerika lachte und schien unbeschwert wie eh und je.

England schmunzelte leicht, wenn auch nur über die Tatsache, dass er nicht genauso sein konnte wie sein jüngerer Bruder. Dann seufzte er wieder. Das Schmunzeln verschwand. Warum konnte er nicht genauso wie Amerika denken? Warum nicht mit einem Lächeln die EU verlassen?

Vielleicht, weil er gar nicht aus der europäischen Union austreten wollte.

Doch wie kam es überhaupt zu all dem? Er ließ sich die Dinge zum wiederholten Mal durch den Kopf gehen.



Das ganze Chaos hatte schon 2013 mit der Ankündigung des Referendums angefangen. Schon da hatte er sich Gedanken darüber gemacht aus der EU auszutreten, doch hatte er dies eigentlich nie vorgehabt.

Jedoch traf ihn 2016 das Ergebnis seiner Bevölkerung hart und es wurde für einen EU-Austritt gestimmt. Damit hatte England keine Entscheidungskraft mehr gehabt. Er musste sich seinem Volk fügen, egal, ob er bleiben oder gehen wollte.

Schon 2017 musste er den anderen EU-Ländern vorlegen, dass er die europäische Union verlassen wollte. Schon damals hatte er es nur schweren Herzens geschafft, das Dokument den Anderen vorzulegen. Seine Hände hatten geschwitzt, seine Stirn war nass und sein Herz hatte wie verrückt geschlagen. Er war so nervös und ängstlich gewesen, doch vor den Augen der anderen europäischen Länder hatte er so getan, als wäre es das Beste, was ihm passieren könnte.

Doch seit diesem Jahr lief alles für ihn nur schlechter. Vor allem in den letzten Tagen und Wochen verschlechterte sich die Situation drastisch. Seine Vorgesetzte Theresa May war zurückgetreten und außer der Queen hatte England niemanden, mit dem er richtig darüber reden konnte. Sein Land lag in Chaos und in Uneinigkeit. Er spürte die Auflehnung des Volkes gegen die Regierung in seinen Knochen. Manchmal waren diese Schmerzen unaushaltbar. Genau wie jetzt.



Sein Kopf dröhnte und er drückte zwei Finger gegen die pochende Stelle. Er stöhnte schmerzerfüllt auf und grummelte müde. Wegen all dem Papierkram und wegen dem immer kehrenden Alpträumen, die ihn neuerdings nachts heimsuchten, hatte er kaum erholsamen Schlaf gefunden. Er war so müde und erschöpft, dass er am liebsten auf der Stelle eingeschlafen wäre.

Doch der Papierkram hielt ihn wach. Und da war auch noch eine andere Sache…

„Englaaaaand!“ Amerikas Ruf klang wie das schrille Klingeln eines Funkuhrweckers, „Kann ich zu dir kommen und auch Spaß mit dem Brexit haben? Wir können doch direkt Handelsverträge abschließen und die Wirtschaft zusammen planen und alles!“ Er klang so begeistert wie beim Filmedrehen. Er liebte es Anderen zu helfen, vor allem wenn er dadurch Vorzüge erhielt. Mit England an seiner Seite wäre er noch mächtiger als er ohnehin schon gewesen war. Diese Chance musste er doch für sich nutzen!

„Nein, Amerika.“ Englands Stimme klang leise und schwach, „Ich… Ich möchte das nicht.“

Er hatte so viele Argumente gegen Amerikas Vorschlag. Zuerst einmal, dass er doch gerade versuchte sich unabhängig zu machen und gar nicht wieder von irgendjemand abhängig sein wollte; oder dass er keine Hilfe bei der Wirtschaft brauchte, da er seine Handelsverträge selber abschließen würde.

Doch er war zu müde, um diese Argumente aufzubringen. Er war zu müde und erschöpft, als dass er Amerika das erklären wollte. Er war einfach so verdammt todmüde, dass er nicht einmal darüber diskutieren wollte. Er wollte schlafen. Diesen Anruf beenden. Was brachten ihn Amerikas demotivierenden Worte? Diese kindischen, unrealistischen Vorschläge? Diese naiven, gefährlichen Angebote? Er war nicht so optimistisch und unbeschwert wie Amerika es gewesen war. Er war das selbstkritische, gerade verzweifelte England.



„Aber England-“

„Es reicht!!“ Er gab Amerika ein paar Sekunden. Dann legte er auf und klatschte das Handy mit der Bildschirmseite nach unten auf den Tisch.

Danach vergrub er das Gesicht verzweifelt in die Hände und fuhr sich angespannt durch sein nasses Haar. Er wusste gar nicht einmal mehr, wann er das letzte Mal geduscht, geschweige denn etwas gegessen hatte. Selbst seinen Afternoon Tea hatte er ausfallen lassen seit keine Ahnung wie vielen Tagen. Nach so vielen verzweifelten Stunden ohne richtige Regierung hatte er das Zeitgefühl und seine Nerven verloren.

Er hustete wieder. Stärker als zuvor. Er hielt sich seine Brust und nahm einen schweren Atemzug durch seine fürchterlich brennenden Lungen. Dann atmete er schmerzvoll die Luft wieder aus. Erschöpft senkte er den Kopf, betrachtete die Graphik vor sich und schob sie dann mit einem verzweifelten Seufzen aus seinem Blickfeld.



Der Brexit wird mein Ende sein. Er wusste es. Schon seit es diesen bescheuerten Vorschlag gegeben hatte.

Zwar hatte er nicht immer alles an der EU gemocht; -Er wollte seinen Pfund behalten, er wollte weniger Zuwanderer und er wollte keine Steuern für andere, stark verschuldeten Länder wie Griechenland bezahlen- doch eigentlich verstand er sich gut mit den EU-Ländern. Außer natürlich mit Frankreich.

Das einzig Positive wird sein, dass ich ihn nicht mehr so oft sehen muss. Er seufzte tief und vergrub den Kopf in die Arme, Ich weiß aber nicht, ob mir das wirklich gefällt.

Er atmete die heiße Luft aus und schloss die Augen. Er wollte nur für ein paar Minuten auf andere Gedanken kommen und nicht über den Brexit nachdenken. Vielleicht von Geistern träumen, niedlichen kleinen Feen und rosa Einhörnern, die ihn in ein fremdes Land entführten. Ein Land, wo er ohne Sorgen leben konnte.

Doch so ein Land existierte in dieser harten Welt nicht.



Als England über seine Gedanken fast eingeschlafen war, weckte ihn ein Klopfen an der Tür. Grummelnd hob er den Kopf, rieb sich verschlafen über die Arme und wunderte sich, wer das sein könnte. Er vermutete, dass Amerika nun doch gekommen war und er überlegte, einfach sitzen zu bleiben. Wahrscheinlich würde derjenige schon wieder von selbst gehen.

Doch derjenige, an seiner Tür blieb hartnäckig und klopfte auch nach zehn Minuten noch mit ausdauernden Schlägen an seine Tür, dass er glaubte, das Holzstück würde jeden Moment zusammenbrechen.

Ist das Russland!?, fragte sich England und wurde kreidebleich im Gesicht, Was will der denn hier!? Wie grauenhaft!

Russland war der Letzte, den er jetzt gebrauchen konnte.



„Angleterre! Ich weiß, dass du Zuhause bist!“, rief die Stimme von draußen und plötzlich wurde Englands Gesicht von schneeweiß zu tomatenrot.

Frankreich!? Was macht er denn hier!? Er hielt die Luft erschrocken an, aber hustete diese wenige Sekunden später wieder aus.

Er korrigierte seine vorherige Aussage: Frankreich war der Letzte, den er jetzt gebrauchen konnte.



Nichtsdestotrotz erhob England sich, da er nur allzu gut wusste, wie hartnäckig dieser Wein-Freak sein konnte. Wenn sich Frankreich einmal etwas in den Kopf gesetzt hatte, dann zog er es genauso hart durch wie die Französische Revolution – Wenn nicht sogar härter.

„Ich komme ja“, murmelte er unter zusammengebissenen Zähnen und schleppte sich zur Tür. Seine Beine fühlten sich schwer wie Blei an und er musste sich erstmal an einer Wand stützen, um überhaupt voranzukommen. Die Wände um ihn herum schlugen Wellen wie das Meer um seine Insel und er musste kurz die Augen schließen, damit ihm von dem Anblick nicht schlecht wurde. Unbeholfen torkelte er weiter. Die Augen hielt er nur halb geöffnet, da ihm wieder schlecht wurde und er sie schließen musste. Der Weg zur Tür schien weiter als von hier nach Australien, obwohl es nur einige wenige Meter waren. Dennoch legte er diesen Weg in beachtlichen sechs Minuten zurück, welche sich für ihn aber wie Stunden anfühlen und so mühsam waren wie ein Trip über die Zugspitze. Keuchend und mit seinen Kräften am Limit öffnete er die Tür, welche noch nicht von Frankreich zerschlagen wurde.



„Angleterre! Was brauchst du denn so lange, um deine verdammte Tür zu öffn- Angleterre!“ Frankreichs Frage beantwortete sich von selbst und sein fröhlicher Ausdruck verfinsterte sich vor Sorge als er seinen alten Feind erblickte. England sah furchtbar aus. Tiefe Augenringe unter seinen fiebrig glänzenden Augen. Ungesund gerötete Wangen. Ein müder, fast schon tödlicher Blick.

„Was willst du?“, fragte England ihn mit heiserer Stimme und wendete sich zum Husten ab.

Für den Moment stand Frankreich nur mit offenen Mund da und suchte nach irgendwelchen passenden Worten, doch fielen ihm keine ein. Selbst seine Handgesten, die zeigten wie er fast verzweifelt nach irgendwelchen Sätzen suchte, wirkten belustigend und ratlos.

„Wenn du nichts willst, dann-“ England war drauf und dran ihm die Tür ins Gesicht zu zuschlagen, doch Frankreich steckte seinen Fuß schnell in den Türrahmen, sodass diese aufblieb.

„Angleterre, was ist los mit dir!?“ Frankreichs Stimme war durch die Sorge, die sich deutlich in seinem Gesicht zeigte, lauter geworden. Fast schon schrie er dem anderen Land ins Gesicht.

Dies schreckte England zurück und er entfernte sich unsicher einige Schritte von der Tür. Ihm wurde wieder schwindelig und er hielt sich an dem Garderobenständer fest. Seine Beine zitterten als würden sie jeden Moment nachgeben. Gleichzeitig fürchtete er sich vor Frankreich, da dieser so laut geworden war. Warum musste dieser Wein-Freak nur immer so schreien?



Frankreich nutzte die Gelegenheit dazu, die Tür weit zu öffnen und sich selbst in Englands Haus zu lassen. Dann schloss er die Tür hinter sich schnell bevor England auf die Idee käme, ihn wieder rauszuschieben. Doch der Inselstaat hatte gerade andere Sorgen als seinen uneingeladenen Gast zu vertreiben.

Ein starker Hustenreiz überkam England und er brach in eine fürchterliche Husterei, die Frankreichs Aufmerksamkeit sofort auf ihn zog. Schmerzerfüllt griff er sich an die Brust und beugte sich nach vorne, um noch genügend Luft zu bekommen. Beim Atmen zog sich ein stechender Schmerz durch seine Lungen und beim Husten war dieses Stechen noch ein ganzes Stück schlimmer. Keuchend schnappte er nun nach Luft, den diese wurde langsam knapp. Wenige Sekunden später brach er wieder in Husten aus und riss dabei fast den Garderobenständer zu Boden. Frankreich konnte diesen gerade noch festhalten, sodass das Holzstück nicht auf Englands Kopf knallen würde.



Ohne ein Wort zu sagen, -obwohl ihm in diesem Moment so viele Worte des Zuspruches einfielen- legte Frankreich die Arme um das geschwächte England und stützte es. Er löste diese kleinen Hände, die Halt suchten, von dem Garderobenständer und hielt diese fest.

So kalt. Frankreich drückte die Hände sanft an Englands Brust, damit er besser Luft bekäme und damit sich diese erwärmen würden. Gleichzeitig ließ er Englands geschwächten Körper gegen seinen lehnen und er selbst stützte sich gegen die Wand, damit er bei dem zusätzlichen Gewicht nicht zu Boden gezogen werden würde.

„Shhh, mon chéri, alles wird gut.“ Diesen Zuspruch kriegte er endlich über seine Lippen, als er England noch fester an sich drückte.

Dann lauschte er für eine kurze Zeit die beschleunigte Atmung, die langsamer wurde und sich fast wieder normalisierte. Auch ihm kam ein erleichtertes Seufzen über die Lippen, doch erleichtert fühlte er sich nicht. Das würde er wohl erst, wenn alle diese Fragen, die nun ihn seinem Kopf schwirrten beantwortet waren. Was war mit England los? Wieso ging es ihm so schlecht? Wollte er wirklich aus der EU?

Mit letzteren Frage war er hierher gekommen. Erst jetzt fiel ihm wieder der Grund ein, warum er sich heute überhaupt auf den Weg zu England gemacht hatte.

Um Sicherheit zu haben.

Um sich sicher zu sein, dass England die richtige Entscheidung träfe.





„Es geht schon wieder“, sprach England unter Keuchen und versuchte sich aus Frankreichs Armen zu lösen.

Doch dazu hatte er noch nicht wieder genügend Kraft. Deswegen lehnte er erstmal durchatmend mit dem Rücken an Frankreich und versuchte einen kühlen Kopf zu bewahren.

Nur leider war sein Kopf so heiß, dass ihm ganz schwindelig davon wurde.

„Du hast Fieber.“ Frankreich hatte seine Hand auf Englands Stirn gelegt und diese nun runtergenommen.

Viel zu heiß wie er fand und biss sich auf die Lippen um ein weiteres Seufzen zu unterdrücken.

„Seit Tagen“, schaffte es England zu sagen und hustete wieder. Dieses Mal weniger so schlimm wie gerade, aber immer noch stark genug, um seine Lungen schmerzen zu lassen.

„Qu’est-ce!?“ Frankreich sah ihn entgeistert an, „Was!?“

Sein Gesicht wurde fast so blass wie das vor England. Vor Schock. Warum wusste er nichts davon? Warum hatte England niemanden etwas gesagt?

„Schrei doch nicht so“, murmelte England und dachte an seinen schmerzenden Kopf. Dieser pulsierte so stark, dass er sich diesen am liebsten gegen die Wand schlagen wollte, damit der Schmerz aufhören würde.

„Dann beantworte meine Frage!“, entgegnete Frankreich und bekam vor Sorge kaum etwas von Englands Schmerzen mit.

„Welche Frage?“ Der Inselstaat sah ihn schmerzgequält und gleichzeitig verwundert an.

„Warum hast du niemanden gesagt, dass es dir nicht gut geht?“ Seine Stimme klang gedämpft, vielleicht, weil er eingesehen hatte, dass er seine Frage zuvor nicht laut ausgesprochen hatte. Nun war es ihm peinlich, diese zu stellen.

„Weil…“ England hustete und schaute zu Boden, „Weil ich nicht wollte, dass ihr Euch Sorgen um mich macht. Ich meine…“ Er räusperte sich, da seine Stimme immer mehr nachließ, „Ich bin ja bald nicht mehr in der EU. Dann sollte ich keine Last mehr für euch sein.“



Für einen Moment sah Frankreich ihn nur sprachlos geschockt an. Dann formten sich Tränen am Rande seiner Augen.

„Angleterre…“ Es war nur ein Wispern, welches es über seine Lippen schaffte. Dann drückte er England fester an sich, als fürchtete er ihn zu verlieren, „Du bist keine Last für uns. Wenn das der Grund ist, warum du uns verlassen willst, dann-“

„Nein“, sagte England und nahm einen schmerzenden Atemzug, „Das ist nicht der Grund.“

„Huh?“, wunderte Frankreich sich, „Welcher denn?“

„Meine Vorgesetzten haben so entschieden“, antwortete er knapp und hustete wieder.

In Frankreichs Armen wurde er schwächer, weswegen Frankreich die Aussage nicht weiter hinterfragte.

Stattdessen hob er England nur auf den Arm und trug ihn wie eine Prinzessin aufs nahestehende Sofa, da er das Schlafzimmer nicht auf Anhieb fand und England in seinen Armen schon leise zu protestieren begann.

„Kannst du deine Zimmer nicht beschriften oder so?“, erkundigte sich Frankreich und lachte leicht mit dem Ziel, die Stimmung etwas aufzulockern. Er hatte England längst aufs Sofa gelegt, seine Beine auf die Sofalehne gelegt, um den Kreislauf zu stabilisieren und ein weiches Kissen unter seinen Kopf gelegt.

„Bin ich Deutschland?“, konterte England nur schwächlich und wollte sich ins Kissen einkuscheln.

Doch Frankreich hielt ihn davon ab und riet ihm auf dem Rücken liegen zu bleiben, bis ihm nicht mehr schwindelig war.



„Es geht langsam wieder“, meinte England nach einer Viertelstunde und rollte sich müde auf die Seite. Zwar hatte er gelogen, da ihm immer noch leicht schwindelig war, aber er wollte sich unbedingt auf die Seite legen, da er so unfassbar müde gewesen war. Er wollte nur die Augen schließen und schlafen, da er tagelang nicht richtig geschlafen hatte und ihm das Fieber zu schaffen machte.

„Ich mache dir einen Tee, Angleterre!“ Frankreich, der bis gerade still an Englands Seite gesessen hatte, erhob sich, „Wo ist die Küche?“

„Geradeaus.“

„Merci.“

So kehrte Ruhe in Englands Haus ein. Frankreich war in der Küche beschäftigt und England versuchte zu schlafen. Sein Kopf pochte, seine Glieder schmerzten, seine Lungen brannten und selbst seine Augenlider fühlten sich unfassbar schwer an. So schwer, dass er sie nicht länger aufhalten konnte. Er fröstelte, kuschelte sich mit dem Gesicht tiefer ins Kissen und rollte sich zu einem kleinen Bündel zusammen. Dann schlief er seelenruhig ein.



„Angleterre!!“

Doch Ruhe hatte er nur für knapp 15 Minuten gehabt. Frankreichs Rufen weckte ihn unsanft aus den Schlaf. Es war das zweite Mal, dass dieser Franzose ihn mit irgendeiner Aktion geweckt hatte. Jedoch war das Wecken dieses Mal begründet, auch wenn er den Grund zuerst gar nicht verstand.

„Weißt du wie gefährlich es ist, so einzuschlafen!?“ Frankreichs Gesicht war von Sorge überzogen und ernster als man es von ihm kannte. Besorgt hatte er eine Hand auf Englands Schulter gelegt. Eine dampfe Tasse Tee stand hinter ihm auf dem kleinen Couchtisch.



„Hm?“ England sah von Frankreich zu der Tasse Tee, die so verlockend angenehm roch. Zumindest hatte er das Glück gehabt, dass seine Nase nicht verstopft war oder dass er überhaupt Schnupfen hatte. Dafür brannte der Husten arg in seinen Lungen und schon wieder bekam er eine Hustenattacke, für die er den Rücken gerieben bekam.

„Du könntest so im Schlaf ersticken!“ Frankreich klang fast schon so besorgt wie eine Mutter um sein Kind.

Dabei mochten sie sich doch eigentlich gar nicht. Was hatte Frankreich also dazu bewegt sich um ihn zu kümmern?

„That won’t happen“, flüsterte England, nachdem der Husten weniger geworden war, „Das wird schon nicht passieren.“



Dann setzte er sich langsam auf, obwohl seine knackende Knochen ihm rieten, liegen zu bleiben. Er wollte die Tasse ergreifen, doch Frankreich drückte seine Hand weg.

„Ich kümmere mich darum“, proklamierte er laut, aber schmunzelte dann, „Doch zuerst…“ Er zückte ein Fieberthermometer und nahm es zwischen zwei Fingern, „Mund auf~“

England schüttelte nur widerspenstig mit dem Kopf und öffnete seinen Mund nur leicht, um den Husten rauszulassen. Dann schloss er ihn wieder und wehrte sich weiter gegen Frankreichs Willen, Fieber zu messen.

Frankreich seufzte nur. Seine kurzzeitige gute Laune verschwand und sein Ausdruck wechselte wieder zu einem besorgten, mütterlichen Ausdruck.  

„Nun, mach doch bitte den Mund auf, Angleterre!“, rief Frankreich leicht verzweifelt, was England amüsierte.

Als er leicht über die Verzweiflung des Franzosen grinste, bekam er prompt das Fieberthermometer in den Mund gesteckt.

„Es ist nur zu deinem Besten“, hatte Frankreich dabei gesagt und klang besorgt.

In der einen Minute, in welchem die Zahl auf dem Fieberthermometer einen immer höheren Wert zählte, schwiegen beide Länder und vermieden Blickkontakt. Eher sahen beide auf den Tee, der Dampfwolken nach oben an die Decke schickte.

Erst als das Thermometer piepte, wendete sich Frankreich wieder England zu und zog das Thermometer aus dessen Mund. Während England sich erstmal aushustete, wurde Frankreichs Gesichtsausdruck blasser und besorgter.



„40,2°C.“ Er sprach den Wert zögerlich und zurückhaltend an. Die Worte gingen ihm nur schwer über die Lippen, „Ce n’est pas bien. Das ist gar nicht gut.“

„Tea?“ England sah Frankreich nur an und deutete auf die Tasse. Er musste wirklich etwas trinken, um diesen Schock verdauen zu können.

„Oui, sofort!“ Frankreich schüttelte sich den Kopf frei, legte das Thermometer auf Seite und reichte England vorsichtig die Tasse. „Vorsichtig, verbrüh dich nicht.“

„So dumm bin ich nicht“, murmelte England und trank den Tee auf vornehme, englische Art.

Als er einige Schlucke getrunken hatte, sah er zu Frankreich auf, „Thanks.“

„Pas de problème!“ Frankreich schenkte ihm ein schwaches Lächeln, welches von Sorge beschattet wurde.

„Kannst du mir eine Decke bringen?“ England nippte weiter seelenruhig an dem Tee. Dabei fröstelte er leicht.

„S-Sicher.“ Frankreich schaute sich unsicher um und suchte den Raum nach einer Decke ab.

„Schlafzimmer. Geradeaus und dann links“, wies England ihn müde an. Er hatte die Hälfte des Tees getrunken und stellte die Tasse auf den Tisch ab. Dann legte er sich zurück aufs Sofa und kuschelte sich wieder ein.



Frankreich seufzte nur und folgte der Wegbeschreibung. Im Schlafzimmer angekommen nahm er sich die dünne Wolldecke vom Bett und legte sie sich über den Arm. Dann betrachtete für einen kurzen Moment das unordentliche Bett und fragte sich besorgt, wie lange England schon nicht mehr richtig geschlafen hatte. Die Bettdecke war zu einem Berg getürmt, als hätte man sie nachts weggeschoben und das Kopfkissen lag schief. Frankreich richtete es wieder, wobei ihm ein übler Schweißgeruch in die Nase stieg.

Hat Angleterre etwa Alpträume? wunderte sich Frankreich und biss sich besorgt auf die Unterlippe. Dann kaute er kurz nachdenklich auf diese rum und überlegte krampfhaft, wie er England helfen könnte.

Doch dann seufzte er, Warum tue ich mir das überhaupt an?

Manchmal hasste er es an sich selbst, dass er sich immer um die anderen Länder kümmern wollte.

Doch was konnte er schon dagegen tun? Schließlich nannte er sich selbst ja auch Bruder Frankreich.



Mit einem tiefen Seufzen verließ er das Schlafzimmer und kehrte zu England zurück. Dieser war mittlerweile eingeschlafen und Frankreich legte ihm vorsichtig die Decke über. Dann sah er besorgt zu, wie sich der Inselstaat direkt darin eingekuschelte.

Frankreich lächelte schwermütig, Wie niedlich er immer ist, wenn er krank ist. Doch sein Lächeln schwand, Aber er fröstelt bei diesen hohen Temperaturen. Wie hoch will dieses Fieber denn noch?

Er gab es nicht gerne zu, aber er war besorgt um England. Sein Herz schmerzte aus unerklärlichen Gründen, wenn er ihn so leiden sah. Auch wenn der Inselstaat gerade friedlich schlief, spürte Frankreich ein Stechen in seiner Brust. Als hätte er Angst um ihn.

Das kann doch gar nicht sein. Er atmete tief durch und der Schmerz verblasste langsam, Sicher nur wieder ein Terroranschlag in meinem Gebiet.

Auch er hatte es nicht immer einfach gehabt. Er konnte deswegen nachvollziehen, dass England den anderen Ländern nichts von seinem Zustand sagen wollte. Frankreich selbst wollte ebenfalls nicht, dass sich die anderen Länder um ihn sorgten. Denn er wollte genau wie England stark sein.

Jedoch merkte er selbst nicht, dass er langsam schwach für England wurde.

Wäre seine Sorge keine Schwäche von ihm gewesen, wäre er sicherlich nicht hierhergekommen.

Er seufzte wieder und setzte sich an die Sofakante zu England.



Jedoch wurde ihm dies nach einiger Zeit langweilig und er stand auf. Dann blickte er sich etwas in Englands Haus um und blieb vor dem großen Tisch stehen. Seine Augen weiteten sich vor Überraschen als er das Papier-Chaos erblickte.

Ist das alles vom Brexit? Er nahm neugierig eine Graphik in die Hand und seine Mundwinkel verzogen sich nach unten. Sein Gesichtsausdruck wurde ernster und geschockter, Sind die Prognosen so schlecht?

Er legte die Graphik beiseite und nahm sich eine Stellungnahme von einigen Forschern, die den Brexit als kritisch erachteten. Frankreich überflog die Zeilen. Worte wie ‚Wirtschaftskrise‘, ‚katastrophale Auswirkungen‘ und ‚Unzufriedenheit im Volk‘ ließen ihm einen eiskalten Schauer über den Rücken laufen. Er schauderte, legte das Papier zurück und erinnerte sich kurz an die Französische Revolution zurück.

Wird es bei England genauso sein?, fragte er sich mit beschattender Besorgnis, Wird es ihm mit dem Brexit genauso schlecht ergehen?

Schnell schüttelte er den Kopf, damit er gar nicht daran denken musste. Stattdessen erinnerte er sich nun daran zurück wie England im Jahr 2017 den Antrag zum EU-Austritt vorgelegt hatte. England hatte so ruhig und glücklich gewirkt, ihn siegreich grinsend angelächelt und gemeint, es sei das Beste, was ihm passieren könnte.

Damals hatte Frankreich das ohne Zweifel geglaubt und sich darüber lustig gemacht; ihn ‚das schwarze Schaf von Europa‘ genannt.



Wenn er jetzt auf jenen Tag zurückschaute, erinnerte er sich daran, dass er auch einen Hauch von Nervosität bei England wahrgenommen hatte. Er hatte gezittert, ganz leicht und unscheinbar. In seinen grünen Augen hatte sich Angst wiedergespiegelt.

Warum hatte er das damals nicht so wahrgenommen?

Hatte er sich vielleicht insgeheim gefreut, dass England aus der EU austreten wollte?

Je mehr er darüber nachdachte, desto finsterer wurde sein Gesichtsausdruck. Er schämte sich für sein damaliges Denken und wollte sein altes Ich am liebsten eine reinhauen.

Was will England wirklich?, fragte sich Frankreich und starrte auf die Fakten, die ihm vorlagen, Will er diese Katastrophe wirklich oder ist es die Entscheidung seiner Vorgesetzten?

Er schaute zurück zu England, der sich unruhig hin und her wälzte. Mit einem Mal wurde Frankreich aus seinen Gedanken geholt und er eilte alarmiert zu Englands Seite.

„Mon chéri! Qu’est-ce qui se passe?“, fragte er leise, „Was ist los?“

Er strich besorgt über Englands Arme und fühlte nochmals seine Stirn.

Sein Fieber wird schlimmer. Erschrocken nahm er die Hand wieder runter und legte sie auf Englands Brust.

Er spürte wie ein kleines, schnell schlagendes Herz dagegen klopfte. Tränen formten sich in seinen Augen und er begann zu zittern. Die Angst zerriss ihn und ließ sein Herz schmerzen. Er hatte solche Angst um England gerade. Er konnte dieses Gefühl nicht einmal in Worte fassen. Bei einem Anderen hätte er es ‚Liebe‘ genannt, doch bei sich selbst dachte er gerade nicht daran.

Sein ganzer Kopf war in diesem Moment nämlich wie leer gefegt und seine Gedanken nur auf England fokussiert. Um sich selbst sorgte er sich gerade am wenigsten.



England öffnete die Augen, als er eine vertraute Person in seiner Nähe spürte. Er hatte einen Alptraum gehabt, bei welchem er von allen Ländern verlassen wurde. Deswegen war er froh, als er spürte, dass einer ihn noch nicht verlassen hatte.

Doch was er sah schockierte ihn. Durch seine müden, noch verschwommen sehenden Augen konnte er Frankreich neben sich weinen sehen. Seine Augen fokussierten sich und er konnte die kleinen Tränen scharf erkennen. Sie fielen aus den meeresblauen Augen wie glitzernde Perlen. Aus irgendeinem Grund faszinierte es England, gleichzeitig tat ihm der Anblick im Herzen weh. Seine Brust verengte sich und seine Kehle schnürte sich zu. Er begann zu husten.

„France…“ Dieses eine Wort bekam er noch über seine Lippen gehaucht, bevor der Husten schlimmer wurde und er nach Luft schnappte.

Erschrocken fasste er sich an die Brust und rang nach Luft. Seine Lippen färbten sich schon leicht blau, da er kaum mehr Luft bekam.



Frankreich schaute mit einem Mal erschrocken auf und handelte schnell. Er setzte England auf und rutschte näher, um ihn stützen zu können.

„Es wird alles gut“, versuchte er ihn zu beruhigen und streichelte ihm beruhigend den Kopf, während er mit der anderen Hand Englands Rücken rieb, „Atme einfach ruhig ein und aus.“

Englands Panik wurde weniger und er versuchte sich auf Frankreichs Worte zu konzentrieren. Er versuchte ruhiger zu atmen und das Engegefühl in seiner Brust ließ langsam nach. Er konnte wieder freier Atmen und es fiel ihm einfacherer, Luft zu holen. Er hustete zwar noch, doch seine Lippen hatten wieder an Farbe gewonnen.

Frankreich atmete beruhigt aus, „Nochmal Glück gehabt.“

„Hm-Hm.“ England lehnte sich kraftlos an ihn und schloss die Augen. Er spürte Frankreichs schnellen Herzschlag und die Angst, die er hatte.

Wegen mir. Er unterdrückte ein Seufzen und kuschelte sich mehr an den Franzosen. Er war so weich und kuschelig, dass sich England sofort wohl bei ihm fühlte.



„Wärst du nur immer so liebenswürdig“, sprach Frankreich laut seinen Gedanken laut aus. Dann legte er die Arme um England und drückte ihn fest, aber nicht zu fest an sich, „Ich denke, dann würden wir uns besser verstehen.“

England öffnete die Augen und sah ihn an. Hatte er da gerade wirklich einen Hauch von Reue in Frankreichs Stimme gehört? Traurigkeit? Sehnsucht? Mitleid? England wusste nicht, welches Gefühl die Stimme des Franzosen so sanft klingen ließ.

Doch er fand es angenehm, diese Stimme zu hören. So schloss er wieder die Augen und lauschte weiter den lieblichen Worten.

„Wenn du nur ein wenig ruhiger wärst und dich nicht immer beschweren würdest, wären wir sicher beste Freunde.“ Frankreich seufzte. Er wusste gar nicht, warum er seine Gedanken so laut aussprach. Doch so lange England so ruhig blieb, konnte er bedenkenlos sprechen.

„Und wenn ich dir nicht immer für alles die Schuld geben würde und etwas netter zu dir wäre, dann verstünden wir uns sicher so gut wie Deutschland und Italien.“

Wieder seufzte er. Er hatte die gute Beziehung von Deutschland und Italien immer bewundert und er wünschte sich, dass seine Beziehung zu England genauso sein könnte.

So sorglos. So kriegslos. So liebevoll.

„Aber das ist nur Wunschdenken, oder?“, fragte er und blickte zur Decke hoch. Dann schwieg er. Er erwartete nicht einmal eine Antwort.

Doch England schüttelte nur den Kopf.

„It’s possible“, sagte er, „Es ist möglich.“

„Das sagst du nur, weil du Fieber hast, mon chérie.“

„Und du sagst diese Worte nur, weil du besorgt bist.“

Schweigen.



Einige Zeit verging, in welcher England friedlich an Frankreich gekuschelt schlief. Sein Schlaf war nun friedlich und ruhiger. Während er sich immer mehr an Frankreich kuschelte, wirkte er glücklicher und zufriedener.

Im Gegensatz dazu wurde Frankreich immer trauriger und betrübter.

Glaubt er meinen Worten nicht? Er hatte begonnen über alles nachzudenken, Hält er mich für so naiv? Ich meine es ernst…

Er streichelte gedankenverloren Englands Rücken und legte seinen Kopf vorsichtig auf den Kopf des Schlafenden.

Dann seufzte er tief, Vielleicht war ich von Liebe geblendet.

Er schloss die Augen und schlief langsam ein.





Zwei Tage. Nur noch zwei Tage verblieben England bis zu der Entscheidung, ob er den Brexit durchziehen wollte. In seinem Traum erinnerte er sich wieder daran, wie viel Zeit ihm verblieb, da er davon träumte. Es war wie eine tickende Zeitbombe, die in seinem Landinneren platziert war. Der Countdown zählte immer weiter runter und ließ ihn in Paralyse fallen. Wann immer eine tickende Minute verging, zuckte er zusammen. Er fürchtete sich so sehr vor dem Ende. Vor der Unabhängigkeit. Vor dem Alleinsein. Vor der Einsamkeit.

Was blieb ihm schon übrig, wenn er die EU hinter sich lassen würde?



Frankreich öffnete die Augen und blickte sich um. Im Zimmer war es noch dunkel und durch das Fenster konnte er den vollen Mond sehen.

Ich muss wohl eingeschlafen sein, dachte er und hob den Kopf. Dann schaute er zu England, der noch friedlich an ihm gekuschelt schlief. Nur ab und an zuckte er, doch wurde er nicht davon wach.

Frankreich schmunzelte nur und betrachtete den lieblichen Mond für eine ganze Weile.

Plötzlich aber rieb er sich die Augen. Was war das für ein seltsames Licht, welches dort im Raum schwebte? Zuerst dachte er, dass es sich dabei um eine Reflektion des Mondlichtes handelte. Doch auf dem zweiten Blick merkte er, dass es nicht so war. Es war seltsam. Komisch. Er verstand es nicht.

Er schob es auf seine Müdigkeit und wollte weiterschlafen.



„France…“

Er schaute zu England, ob er derjenige war, der so lieblich und sanft gesprochen hatte. Doch der Inselstaat schlief tief und fest. Seine Brust senkte sich auf und ab, während er atmete.

„France…“

Schon wieder hörte er diese niedliche, kleine Stimme, die klang, als würde ein Marienkäfer nach ihm schreien.

Er schaute zu dem Lichtpunkt, welcher sich vor seinen Augen bewegte.

„Hello.“

Als es sprach, wollte Frankreich am liebsten schreien, doch blieb ihm vor Schock der Atem stehen.

„I’m a fairy“, stellte sich das kleine Wesen vor, „Ich bin eine Fee.“

Sie flog auf Frankreichs Hand und beim genaueren Hinsehen konnte er erkennen, dass es sich wirklich um eine winzige, geflügelte Frau handelte.

Er blinzelte konfus und sah sie einfach nur an. Ihm fehlten die Worte, um das zu beschreiben, was er sah.



„Ich bin froh, dass du gekommen bist“, sagte sie ihm und ihre Gesichtszüge wirkten traurig und besorgt. Sie schaute zu England und dann wieder zu ihm zurück, „England geht es nicht gut. Der Brexit nimmt ihn sehr mit.“

Frankreich nickte nur langsam. Er hatte so viele Fragen, aber keine Chancen sie auszusprechen. Er schaffte es nur den Mund zu öffnen, um diesen kurz darauf wieder zu schließen. Er bekam seine Fragen nicht einmal formuliert.

„Er braucht wirklich Hilfe“, sprach die Fee weiter, „Seine Premierministerin ist zurückgetreten und die Politik liegt im Chaos. Nicht einmal mit Magie können wir ihm noch helfen. Es liegt in deiner Hand, France.“

Frankreich brauchte einen kurzen Moment, um die Worte zu verdauen. Er musste erstmal verstehen, was im Vereinigten Königreich vor sich ging. Die momentane Situation… Sie war einfach viel zu heftig, als dass er sie im ersten Moment nachvollziehen konnte.

Erst nach ein paar Minuten schaffte er es zu fragen: „Was soll ich tun? Wie kann ich ihm helfen?“

„Du musst ihn davon überzeugen, dass er in der EU bleibt!“, rief die Fee.

Es war als würde sie all ihre Hoffnungen auf den Franzosen setzen.



Frankreich schwieg für eine lange Zeit.

Dann atmete er durch und sagte bestimmt: „Das kann ich nicht.“

Sie sah ihn an und legte den Kopf schief, „Warum nicht?“

„Ich kann es einfach nicht“, sagte er.

„Doch. Du bist derjenige, der England umstimmen kann!“

„Umstimmen?“ Frankreich klang ernst. „Und wenn er das nicht will?“

„Huh?“ Die Fee verstand nicht, was er meinte.

„Der Brexit ist seine Entscheidung. Demnach sollte ich mich nicht einmischen. Wenn er die EU wirklich verlassen will, dann halte ich ihn nicht auf.“ Er klang entschlossen. Die Worte sprach er ruhig und mit Sicherheit aus.

Die Fee senkte kurz traurig den Kopf, nickte dann aber: „Ich verstehe dich. Doch bitte, hilf England. Wir können ihn nicht weiter so leiden sehen!“

„Wir?“, fragte Frankreich verwirrt und blickte sich um, aber da war nur diese eine Fee.

Sie kicherte kurz, „Na ich und die anderen Feen.“

Ich sehe keine anderen Feen, dachte er und war reichlich verwirrt. Nachdem er sich umgeblickt hatte, schaute er zurück der Stelle, an welcher die Fee gewesen war.

Doch sie war weg, als hätte es sie nie gegeben.

Ich halluziniere wohl schon, dachte er und schüttelte nur mit dem Kopf, Als ob Englands Märchenwesen wirklich existieren!

Er fand den Gedanken lächerlich und schlief darüber wieder ein.

Die Begegnung mit der Fee erschien ihm wie ein Traum.



Als die ersten Sonnenstrahlen das Zimmer erhellten, wurde Frankreich nicht von dem Licht, sondern von Englands lauten Husten geweckt. Noch verschlafen blickte er zu dem Inselstaat und lächelte leicht, als er sah wie nah er ihm war.

England hustete stark und hielt sich der Stärke wegen an Frankreichs Mantel fest. Seine Wangen waren stark gerötet und sein Blick fiebrig als er zu dem anderen Land hochblickte. Sogleich wendete er sein Gesicht wieder ab, da er so fürchterlich husten musste.

„Das wird schon wieder, Angleterre“, meinte Frankreich und klopfte ihm aufmunternd auf den Rücken. Vor England zeigte er sich fröhlich und optimistisch, damit er sich keine Sorgen um ihn machen würde. In Wahrheit war er aber traurig und gebrochen, da er den Engländer nicht leiden sehen wollte. Es tat noch immer in seinem Herzen weh, doch den Schmerz lachte er weg als wäre es nichts.

„What’s so funny?“, wunderte sich England, „Was ist so lustig?“

„Gar nichts.“ Frankreich hörte auf zu lachen und ein bitteres Lächeln formte sich auf seinen Lippen.

Dann streichelte er abwesend über das blonde Haar des Engländers, was diesem missfiel.

„Lass das“, krächzte er mit miserablen, heiseren Stimme, „Ich bin kein kleines Kind.“

„Aber du benimmst dich wie eins.“ Der Franzose schmunzelte und wuschelte dem Blonden nochmals durchs Haar.

„Tu ich nicht!“ Er setzte sich langsam auf, auch wenn ihm davon schwindelig wurde.

Er hielt sich den Kopf und stöhnte, da die Umgebung wieder Wellen schlug. Entkräftet fiel er gegen die Sofarücklehne und seufzte tief. Das Seufzen war gefolgt von abgehackten Husten.



„Hm?“ Frankreich wunderte sich erst. Dann schmunzelte er, „Willst du nicht mehr kuscheln~?“

England schüttelte nur erschöpft den Kopf und fuhr sich mit dem Arm über seine Stirn. Diese fühlte sich unglaublich warm und nass an. Kurz schloss er die Augen und versuchte die starke Hitze, die ihm überkam zu ignorieren, doch es wurde ihm viel zu heiß.

„Angleterre, was ist los?“ Frankreich setzte sich sofort in Alarmbereitschaft auf und schaute zu ihm.

„Sooo warm…“, murmelte der Engländer wie in Trance, „Too hot.“

Reflexartig legte Frankreich eine Hand auf Englands Stirn, zog diese aber weg, als er sich fast verbrannte.

„Du glühst ja richtig!“ Entsetzten stand auf seinem Gesicht geschrieben, als er sich die Wärme von der Hand schüttelte. Er wollte am liebsten sofort aufspringen und einen kalten Umschlag für England machen, doch er zögerte. Er wollte England gerade nicht alleine lassen, denn er merkte, dass etwas nicht stimmte. England wirkte so abwesend und benommen, dass Frankreich sich sofort wieder setzte, als er eigentlich loslaufen wollte.

Ich kann ihn mit solch einem Fieber nicht für eine Sekunde aus den Augen lassen!, ging durch seinen Kopf.

Dann wendete er sich England zu, welcher die Augen schloss und zur Seite wegkippte.

„Angleterre!“ Frankreichs besorgten Schreie waren das Letzte, was England hörte, als er das Bewusstsein verlor.



Was soll ich nur tun? Frankreich saß verunsichert auf der Sofakante neben England, den er wieder aufs Sofa gelegt hatte. Die Beine des Engländers hatte er auf die Sofalehne gelegt und einen kalten Umschlag hatte er auf Englands Stirn gelegt. Nach Englands Ohnmacht hatte er sich letztendlich doch dazu entschieden, einen zu machen.

Was soll ich nur tun!? Frankreich vergrub sein zu Tode besorgtes und verzweifeltes Gesicht in die Hände und schluchzte bitterlich. Tränen liefen über seine Finger und tropften auf seine Hose, doch er machte keine Anstalten, sie sich wegzuwischen. Er ließ sie einfach laufen, so verzweifelt war er.

Was ist, wenn er stirbt!? Vielleicht war Frankreich schon immer ein Dramatiker, doch der Gedanke ging ihm ernsthaft durch den Kopf. Was ist, wenn ich ihm nie sagen kann, was ich wirklich fühle?

Er vergrub das Gesicht noch tiefer in die Hände und weinte. Er hatte viele schlimme Dinge gesehen, doch das hier war mitunter das Schlimmste.

Denn sein Herz schmerzte so stark, dass er es am liebsten aus seiner Brust reißen wollte, damit der Schmerz aufhören würde. Am liebsten hätte er diese ganzen Schmerzen nicht gespürt. Diese Traurigkeit. Diese Trauer. Diese Panik. Es zerriss ihn innerlich wie eine tiefe Schlucht, in welche er immer tiefer fiel. Es gab nichts, voran er sich festhalten konnte. Nichts, woran er noch glauben konnte.

Es blieb ihm nur die Hoffnung, dass England bald wieder zu Bewusstsein käme.



Doch es dauerte Stunden. In diesen Stunden waren aus Trauer und Angst Wut und Verzweiflung geworden. Er war aufgestanden, lief hin und her im Kreis und versuchte alles, um diese unbändigen Gefühle in sich unter Kontrolle zu halten. Sein Körper zitterte vor Anspannung, vor Angst, vor Unsicherheit. Er traute sich nicht einmal aus dem Fenster zu schauen, weil er nicht wissen wollte, wie die Situation da draußen aussah. Gab es Aufstände, Proteste? Vielleicht sogar Revolution?

Oder war doch alles friedlich und England nur überfordert gewesen?

Die Unsicherheit gab ihm Herzrasen, Schweißausbrüche. Sein Puls raste. Schließlich blieb er stehen, atmete durch und sah den Tisch, dessen Oberfläche vor Papiere ganz weiß war. Fast wie besessen ging er dorthin. Einige Minuten starrte er stillschweigend auf die Tischplatte, auf diese Papiere mit diesen schrecklichen Texten und den katastrophalen Graphiken. Er strich über eines der Papiere, nahm es dann in die Hand und zerriss es langsam. Ein kleines Lächeln bildete sich auf seinen Lippen. Es war verrückt geworden.



Wenn es diesen Brexit nicht gäbe… Er zerriss viele der Papiere in zwei Hälften und ließ sie zu Boden gleiten. Dann trat er wütend darauf, bis sie nur noch Fetzen waren. Er stand in einem Meer aus weißen oder bunten Fetzen. Er lachte leicht, aber bitter, hielt sich die Hand an die Stirn und fragte sich sarkastisch, was er hier überhaupt tat. England war vermutlich gerade am Sterben und er hatte nichts Besseres zu tun, als wichtige Dokumente zu schreddern.

Er seufzte und schlug die Hände flach auf den Tisch. Dann schrie er verzweifelt seine Gefühle raus: „Ich will nicht, dass England uns verlässt!! Ich will diesen Brexit nicht!! Ich will England nicht verlieren!!“

Er nahm tiefe Atemzüge um Luft zu holen. Das Schreien hatte ihm die Luft geraubt. Er atmete tief durch und beruhigte sich langsam wieder. Er schaute auf die übrig gebliebenen Blätter vor sich und nahm eins in die Hand.

‚EU-VERBLEIB‘ stand oben auf dem Formular geschrieben. Darunter war eine Zeile offen für die Unterschrift. Frankreich legte das Dokument vor sich hin und betrachtete es lange, denn er spielte mit dem Gedanken, sich einen Stift in die Hand zu nehmen und dieses Ding zu unterschreiben.

Mit nur einer gefälschten Unterschrift könnten sich all seine Sorgen und Probleme in Luft auflösen.



In seiner Nähe fand er einen Füller und er legte die Füllerkappe beiseite. Dann richtete er die Federspitze auf die leere Zeile, doch er setzte nicht an. Etwas hielt ihn auf. Er zögerte. Sein Herz schmerzte zu sehr, als dass er das tun konnte. Er senkte die Hand, schloss den Füller wieder und ließ sich auf den nahen Stuhl fallen.

Ich kann das nicht, sagte er sich und ließ den Kopf auf die Tischplatte fallen. Für einen kurzen Moment blieb er so und regte sich nicht.

Erst als er wieder genug Kraft fand, hob er den Kopf und blickte auf ein Papier, welches unter all den anderen versteckt war. Hoffnungslos und missmutig zog er es zu sich und seine Augen weiteten sich vor überraschen. Auf diesem Papier stand sein Name.

‚Dear France‘, las er und die Worte gingen ihm mehrmals durch den Kopf.

Er schluckte. Er traute sich nicht weiterzulesen. Es klang wie ein Abschiedsbrief.

Gerade wollte er nicht an einen Abschied denken. Nicht wenn England sterbend auf dem Sofa lag.

Er schob das Papier auf Seite und stand auf. Sein neugieriger Verstand sagte ihm, er solle sich wieder setzen und weiterlesen. Sein verletztes Herz sagte ihm, er solle zurück zu England gehen und das alles vergessen. Für einen kurzen Moment blieb er einfach stehen und wusste nicht, was er jetzt tun sollte. Sollte er lieber auf sein Herz oder auf seinen Verstand hören?

Die Entscheidung machte ihn fast wieder wahnsinnig.



Biep. Biep.

Frankreichreich schreckte auf, als er ein unbekanntes Piepen hörte. Zwischen den Blättern vibrierte etwas.

Als er nachschaute, was es war, fand er Englands Handy. Überrascht nahm er es in die Hand und sah eine Nachricht von Amerika.

Für einen kurzen Moment schaute er nur auf die Nachrichten und schwieg. Verbittert biss er sich auf die Unterlippe und wusste wieder nicht, was er tun sollte. Amerika fragte, ob alles gut sei.

Ob alles gut ist? Frankreich wusste die Antwort darauf selbst nicht und deswegen zögerte er.

Er ließ sich wieder auf den Stuhl fallen und starrte einfach auf diese eine Nachricht.

Is everything okay? Frankreich fragte sich das selbst einmal, während er es las. Er war sich mittlerweile sicher, dass nicht alles okay war. England lag bewusstlos auf dem Sofa und er selbst drehte gerade fast durch.

Was sollte hier schon in Ordnung sein?, fragte er sich sarkastisch und war drauf und dran dies zu tippen.

Doch sein Finger schwebte über der digitalen Tastatur und er konnte sie nicht dazu bringen, auf die Buchstaben zu tippen. Er konnte Amerika doch nicht sagen, dass sein älterer Bruder gerade vielleicht im Sterben lag. Auch England hätte sicher nicht gewollt, dass Amerika Bescheid wüsste. Wahrscheinlich hätte England einfach geschrieben, dass alles okay sei, egal wie dreckig es ihm gerade ging.

Jedoch konnte Frankreich die Vereinigten Staaten auch nicht anlügen. Das brachte er nicht übers Herz.

Er überlegte noch einige Minuten, bevor er sich endgültig dazu entschied, etwas zurückzuschreiben.

„Salut, Amerika.“ Er sprach das, was er schrieb laut aus, um sich zu vergewissern, dass er nichts Falsches tippte, „Hier ist Bruder Frankreich. Ich bin im Moment bei England, dem es nicht ganz so gut geht. Mach dir aber keine Sorgen. Ich habe alles im Griff!“

Er setzte einen lachenden Smiley dahinter. Dann schickte er die Nachricht mit leicht zittrigen Fingern ab.

Kurz danach vibrierte das Handy. Ein Anruf von Amerika.



Mit noch zittrigeren Händen nahm er an und hielt sich das Handy ans Ohr, „Allô?“

„Hello, France!“, grüßte Amerika so fröhlich wie immer.

Frankreich atmete erleichtert aus. Zumindest hatte Amerika noch seine gute Laune. Er musste zugeben, dass ihn die amerikanische Stimme beruhigte. Sein Herz klopfte weniger heftig als zuvor und das enge Gefühl in seiner Brust ließ etwas nach.

„Wie geht es, England?“, erkundigte sich Amerika, „Er hat gestern so schnell aufgelegt, dass ich mir fast Sorgen gemacht habe!“

Er lachte und Frankreich dachte sich nur, wie naiv er war. Wenn Amerika wüsste, wie es England gerade ging… Frankreich wollte sich nicht einmal ausmalen, ob das Lachen dann aus seiner Stimme verschwinden würde.

Nur schmerzte es, Amerika so unbeschwert lachen zu hören.

„England… Ehm, schläft“, sagte Frankreich mit deutlichen Zögern in seiner Stimme. Dennoch versuchte er sich so optimistisch wie möglich zu geben, auch wenn es ihm viel Überwindung kostete.

„Ahhh, das ist gut! Er klang gestern so müde. Ich wunderte mich, ob er keinen Schlaf mehr bekommt.“

Oh Amerika, wenn du wüsstest, dachte Frankreich und schüttelte den Kopf. Dann hörte er weiter zu.

„Aber, pfff, das wäre doch total Blödsinn!“ Amerika lachte unbeschwert, „England tut ein gutes Ding mit dem Brexit! Er sollte gerade ganz glücklich sein und seinen ersten Urlaub plan-!“

Frankreich schnappte geschockt nach Luft, sodass Amerika aufhörte zu reden, „Was ist los, France?“

„N-Nichts.“ Frankreich konnte ihm nicht sagen, dass der Brexit kein ‚gutes Ding‘ war; dass England fast daran zerbrach. Wenn er Amerika so fröhlich darüber reden hörte, konnte er diese kindliche Naivität nicht zerstören. Tränen formten sich in seinen Augen und er musste sie zurückhalten, damit Amerika ihn nicht weinen hören würde.

„France?“ Doch in dieser Hinsicht war Amerika weniger naiv, als man vermuten würde, „Weinst du etwa?“

„Ich schneide nur Zwiebeln!“, antwortete Frankreich schnell; eine Ausrede, die er oft benutzte, wenn man ihn weinen hörte oder sah.

„Am Telefon?“, fragte Amerika perplex.

„Oui?“

„France?“ Er merkte, dass etwas nicht stimmte.

Frankreich holte tief Luft, ließ die Tränen über seine Wangen laufen und sagte: „Amerika, ich weiß nicht, ob England überleben wird. Er ist bewusstlos und noch nicht aufgewacht.“

Am anderen Ende des Hörers wurde es still. Man konnte die beiden Länder nur noch atmen hören.



„F-France?“ Nach einer Weile erklang Amerikas Stimme wieder. An der Brüchigkeit hörte man, dass er geweint hatte oder noch weinte, „I-Ist der Brexit so schlimm?“

„Hm-Hm“, machte Frankreich nur und nickte, auch wenn man es durchs Handy nicht sehen konnte. Seine Stimme klang leise und gedämpft. Auch er weinte noch, doch fing er sich langsam wieder.

„Mein Vorgesetzter sagte mir, dass es gut sei“, sprach Amerika leise weiter, „Aber ich wusste nicht, dass es so schlimm um ihn steht…“

„Es ist okay, Amerika“, versicherte Frankreich ihn. Er konnte förmlich spüren, wie ängstlich das Land war. Er merkte, dass Amerika sich dafür die Schuld gab. Dabei konnte niemand etwas für diese Katastrophe. „Du konntest es nicht wissen.“

„Ich hab ihn auch noch dazu animiert.“ Amerika klang geschockt und reuevoll.

Frankreich wollte ihn am liebsten in den Arm nehmen und sagen, dass es nicht seine Schuld war. Er wollte das große Land in seine Arme nehmen und trösten.

„I hope that England will make it“, sagte er, „Ich hoffe, dass England das schafft.“

Frankreich konnte nur mit ihm hoffen und still beten, dass England bald wieder zu sich kommen würde.



Während sie noch weiter telefonierten, da Frankreich Amerika in diesem Moment nicht alleine mit der Situation lassen wollte, ging Frankreich zurück zu England. Der Inselstaat lag seelenruhig auf dem Sofa und sah aus wie eine wunderschöne Braut bei ihrem letzten Atemzug. Frankreich schritt näher zu ihm hin und betrachtete ihn für eine lange Zeit, während er am Telefon Amerikas leises Atmen hören konnte.

Englands Brust hob und sank bei jedem Atemzug, den er nahm. Eine Haarsträhne bewegte sich im Rhythmus der ausgestoßenen Luft. Seine Augen waren friedlich geschlossen.

„Er scheint zu schlafen“, sprach Frankreich leise ins Telefon und hob die Decke vom Boden auf. Dann legte er sie vorsichtig über den schlafenden Körper.

„Atmet er noch?“

„Oui. Sogar sehr gut“, antwortete er und schaute England beim Atmen zu.

Wenn er daran dachte zurückdachte, wie England sich vorhin noch mit dem Atmen abgemüht hatte, fand er, dass es gerade wirklich gut ging. Englands Atmung stockte nicht und die Atemzüge waren tief genug. Es gab keinen Grund sich darum zu sorgen.

„Glaubst du, dass er es schafft?“, erkundigte sich Amerika beruhigter.

„Ich glaube ja. Oui.“

„Ich meine, mit dem Brexit.“

„Je ne sais pas. Ich weiß nicht.“

Wieder schwiegen sie. Frankreich wusste wirklich nicht, was aus dem Brexit werden sollte. Bis vorgestern hatte es ihn nicht einmal wirklich interessiert. Bis vorgestern hatte er vielleicht sogar genauso gedacht wie Amerika; dass es vielleicht ein gutes Ding war. Hier und jetzt wollte er sich am liebsten für den Gedanken ohrfeigen.

Zerknirscht schaute er zu Boden. Vielleicht war er derjenige, der naiv gewesen war.





„Amerika.“ Frankreichs Stimme war nur ein Wispern und bereitete Amerika Angst.

„Y-Yes?“

„Ich glaube, er wacht auf.“ Frankreich nahm das Handy von seinem Ohr und flüsterte, „Ich leg auf. Ich rufe dich sofort an, wenn ich etwas Neues weiß.“

Amerika stimmte zu und Frankreich legte auf.

Dann wendete er sich England zu, der langsam seine Augen öffnete.

„Angleterre.“ Frankreich lächelte leicht.

„France?“ Seine Stimme klang heiser und schwach, „W-Was ist?“

Doch Frankreich antwortete ihm nicht, sondern umarmte England nur. Er drückte ihn so fest, dass England davon husten musste.

„Ich bin so froh, dass du die Augen geöffnet hast“, flüsterte Frankreich ihm leise ins Ohr und weinte danach. Dieses Mal entsprangen seine Tränen aus Freude.

„I don’t understand.“ England versuchte ihn von sich wegzudrücken, aber dafür war er zu schwach, „Ich verstehe nicht.“

„Du warst sechs Stunden lang ohnmächtig“, erklärte Frankreich und löste sich von ihm. Dann setzte er sich neben ihn, „Weißt du, wie viele Sorgen ich mir um dich gemacht habe?“

England schaute verlegen, aber auch müde weg, „Sicher viele.“

„Beaucoup de!“, antwortete er, „Ganz viele!“

England hustete und vermied Blickkontakt. Er konnte es wirklich nicht ertragen, Frankreich so viele Sorgen zu machen. Diese Erleichterung, die er bei Frankreich gespürt hatte, als dieser ihn umarmt hatte, ließ ihn sich schuldig fühlen. Er wollte nicht, dass Frankreich seinetwegen traurig war.



„Es ist okay, Angleterre“, sagte Frankreich lächelnd, da er merkte, wie sich England immer schuldiger fühlte. Er streichelte über Englands Kopf. Dann schaute er zur Uhr.

„Es ist fast Mittag. Möchtest du etwas essen?“

England nickte nur und sah zu wie Frankreich in die Küche verschwand. Er hätte ihn gerne noch etwas länger bei sich gehabt.

In diesem Moment bemerkte er das Handy auf dem Couchtisch. Er wusste, dass er es dort nicht liegen gelassen hatte. Demnach musste es jemand anders dahin gelegt haben.

France? Er war noch etwas müde und trotzdem konnte er die Zusammenhänge erkennen, Was hat er mit meinen Handy gemacht?

Von Neugierde und Skepsis gepackt griff er nach seinem Handy und schaute drauf. Dann sah er den Anruf von Amerika, der fast zwei Stunden lang war. England starrte geschockt darauf und fragte sich, was in seiner Abwesenheit alles passiert war.

Vor allem aber wollte er wissen, ob Amerika von seinem Zustand wusste.

Er hoffte so sehr, dass er ahnungslos geblieben war.



„Voilà!“ Frankreich kam mit einer Schüssel Suppe, die er wie ein Kellner auf der Hand trug, zurück zu England, „Eine leckere Hühnersuppe ganz auf französische Meisterkochart!“

Frankreich stellte die Suppe auf den Couchtisch und sah dann zu England, der noch immer auf sein Handydisplay starrte. Mit einem Mal bekam Frankreich ein mulmiges Gefühl.

„Angleterre?“

„Warum hat Amerika angerufen?“, fragte England ohne aufzusehen. In seinem Blick sah man nur Unverständnis.

„Wie wäre es, wenn du erstmal die Suppe isst und ich dir alles in Ruhe erzähle?“, schlug Frankreich vor und lächelte nervös.

England stimmte trotz Bedenken zu und legte das Handy auf Seite. Dann setzte er sich langsam auf -dieses Mal ohne Schwindel- und fing an die Suppe zu essen. Über Frankreichs Kochkünste gab es nichts zu klagen und es schmeckte hervorragend. Das köstliche Aroma der Suppe entfaltete sich auf seiner Zunge und er spürte wie ein Teil seiner Kraft zurückkehrte. Vielleicht, weil er tagelang nichts gegessen hatte und dies seine erste Mahlzeit seit langem war.

Während er aß, hörte er zu, was Frankreich zu erklären hatte.



Frankreich erklärte ihm, dass Amerika angerufen hatte, weil er wissen wollte, wie es England ginge. Dann erzählte er wie er Amerika alles erklärt hatte und wie er sich Sorgen gemacht hatte. Außerdem erzählte er, wie die letzten Stunden gewesen waren. Er erklärte es harmloser als es gewesen war. Dass er geglaubt hatte, dass England hätte sterben können, ließ er absichtlich weg. Wenn er jetzt darüber nachdachte, klang der Gedanke kindisch.

„I understand“, sagte England schließlich, „Ich verstehe.“

Er sah weder sauer noch verletzt aus. Er wirkte eher erleichtert darüber, dass er wusste, was geschehen war.

Auch wenn es in seinem Herz schmerzte, dass Amerika nun von allem wusste.

Aber vielleicht ist es besser so, dachte er auch und versuchte darüber zu lächeln.

Er aß die französische Suppe komplett und legte sich danach wieder etwas hin.



„Angleterre?“ Frankreich klang zögerlich und schaute zu Boden. Hinter seinem Rücken hielt er zwei Formulare versteckt. Eines zum EU-Austritt und eines zum EU-Verbleib. Diese beiden Dokumente hatte er mitgebracht, als er die Suppenschüssel zurück in die Küche gebracht hatte.

„Hm?“ England sah ihn müde an, aber schien aufmerksam genug zu sein, um zuzuhören.

„Ich bin eigentlich gekommen, um dich etwas zu fragen“, erklärte Frankreich und spürte, wie er immer nervöser wurde. Seine Wangen erröteten leicht und die Verlegenheit ließ ihn langsamer sprechen.

„Willst du wirklich aus der EU austreten?“

„Yes“, sagte England ohne viel darüber nachzudenken. Das musste er auch nicht, denn er wusste ganz genau, dass sein Volk so entschieden hatte.

„Ich meine, ob du es willst. Ich möchte wissen, was deine Entscheidung ist.“ Frankreich sah ihn immer noch nicht an.

Nun schien England überrascht. Seine eigene Meinung? Seine eigene Entscheidung? Hatte er überhaupt ein Recht darauf? Konnte er wirklich mit seiner Entscheidung etwas beeinflussen? Selbst wenn er seine Meinung dazu gesagt hätte, hätte er das Ergebnis nicht aufhalten können.

Es war zu spät, um etwas zu verändern. Der Brexit war so gut wie entschieden.



„Angleterre, bitte…“ In Frankreichs Augen formten sich Tränen, die er mit aller Kraft versuchte, zurückzuhalten, „Meinetwegen kannst du aus der EU austreten oder tun und alles, was du willst… Aber ich werde nur einverstanden damit sein, wenn ich weiß, dass es deine eigene Entscheidung war.“

Englands Augen weiteten sich vor Überraschen. Er verstand nicht, warum es Frankreich so nahe ging. Vor allem kam er nicht damit klar, dass Frankreich ihn lassen ließ, was er wollte. Er hatte wirklich geglaubt, dass er ihn mit allen Mitteln aufhalten würde. Er hätte es Frankreich so zugetraut. So sehr.

Aber jetzt stand er vor dieser einen schweren Entscheidung.

Was dachte er über den Brexit?



„I-I… Ich will…“ Er atmete tief durch, „Ich will bleiben.“

Frankreich sah ihn überrascht an und eine Träne floss seinen Wangen runter.

„Aber ich kann nicht“, sprach England weiter, „Mein Volk hat entschieden… Meine Vorgesetzten haben entschieden… Ich kann deren Entscheidung nicht beeinflussen.“

„Wessen Entscheidung?“, fragte Frankreich nun mit Ernst in seiner Stimme, „Deine Vorgesetzte ist zurückgetreten. Die Queen steht dir sicher nicht im Weg und dein Volk ist unsicher. Warum erhebst du nicht die Stimme und sprichst deine eigene Meinung hinsichtlich des Brexits aus?“

„Weil ich schwach bin.“

Es war nur eine Ausrede. In Wahrheit fühlte er sich schon besser, seit er seine eigene Meinung ausgesprochen hatte. Das Engegefühl in seiner Brust war fast verschwunden und auch das Fieber schien gesunken zu sein. Seine Wangen waren nicht mehr so errötet wie vor einigen Stunden. Auch fühlte er sich nicht mehr so schwach und tatenlos wie er sich die ganzen Tage über gefühlt hatte.



„Du bist nicht schwach, England“, sagte Frankreich mit einem Lächeln und hielt ihm das Formular zum EU-Verbleib hin, „Du kannst auch etwas bewirken, wenn du es nur versuchst.“

„Ja, ich schätze, das kann ich.“ Er nahm den Füller von Frankreich an und unterschrieb das Dokument. Dann sah er zu ihm auf, „Denkst du, dass war die richtige Entscheidung?“

„Sicher ist sie das“, meinte Frankreich mit einem breiten Lächeln.

„Auch, wenn es heißt, dass wir beide dann in der EU sind?“, fragte England mit einem leichten Schmunzeln.

„Alles bleibt beim Alten.“ Frankreich sprach es schon fast traurig aus.

„S-Sicher“ England sah ihn an. Dann hustete er plötzlich wieder los und hielt seine Brust. Keuchend schnappte er nach Luft.

„W-Was!?“ Frankreich verstand nicht, warum es England plötzlich wieder schlechter ging.

Schnell setzte er den Inselstaat auf, damit dieser wieder besser Luft bekam. Doch der Husten blieb hartnäckig.

„I-Ich wusste, dass es nichts bringen wird…“, sprach England unter Keuchen und schloss die Augen, „Die Entscheidung ist längst gefallen.“

„Non, Angleterre!“ Frankreich fing ihn auf und drückte ihn ganz fest an sich, „Ich will nicht, dass du stirbst! Bitte nicht!“

Tränen formten sich in seinen Augen und flossen haltlos seinen Wangen runter. Im Hintergrund konnte er Englands Handy klingeln hören, doch er ignorierte es.

„I’m sorry, France“, hauchte England leise und atmete immer schwerer, „Sag, Amerika, dass ich ihn als Bruder immer geliebt habe.“

Frankreich sah ihn nur mit Tränen in den Augen an und schluchzte tief, „D-Das kannst du nicht von mir v-verlangen!“

Er klang verzweifelt als würde sein ganzes Herz wie die Papiere vorhin zerreißen. Sein ganzer Körper zitterte heftig, während er den immer schwächer werdenden Körper von England in seinen Armen hielt. Tränen fielen herab wie Regen auf England.

Frankreich weinte bitterlich. So viel hatte er noch nie in seinen Leben geweint. Es war, als würde er alle Flüsse der Welt weinen. Seine Augen waren wie die Ozeane, die überquollen und sein Gesicht in ein Chaos voller Tränen und Rotz verwandelten. Die Schmerzen in seiner Brust nahmen zu. Seine Brust verengte sich je mehr er weinte. Er schluchzte und schnappte selbst schon nach Luft, da er an den Tränen fast erstickte. Alles in ihm tat so fürchterlich weh, dass er sich wünschte auf der Stelle zu Sterben. Wenn England schon sterben müsste, dann wollte er mit ihm sterben.

Wenn er schon jemals jemanden geliebt haben sollte, dann sollte der Tod wenigstens wie in der Tragödie Romeo et Juliet enden.

Denn er hatte England genauso geliebt wie Romeo Juliet geliebt hatte.





Irgendwann schaffte es Frankreich irgendwie an das Handy zu kommen. Amerika war ausdauernd gewesen, was die Telefonanrufe anging. Wahrscheinlich machte er sich genauso viele Sorgen wie Frankreich sich die ganze Zeit über gemacht hatte. Doch gerade fühlte Frankreich keine Sorge mehr. Er fühlte gar nichts mehr, als er zum Handy griff und den Anruf annahm.

„Hello!“ Amerikas Stimme klang fröhlich, was Frankreichs Herz noch mehr zerreißen ließ.

Musste er jetzt wirklich diese Fröhlichkeit vernichten? Musste er Amerika wirklich sagen, dass sein Bruder tot war?

Der Gedanke allein ließ sein Herz in tausend Scherben zerspringen.

Er brauchte lange um zu antworten: „Bonjour, Amerika.“

Amerika hörte, dass etwas nicht stimmte. Frankreich klang so traurig und leer, dass es ihn erschreckte. Es war gruselig, wie gefühlskalt und apathisch der Franzose in diesem Moment geklungen hatte. Als würde das ganze Leben plötzlich an ihm vorbeiziehen.

„Was ist los, France?“ Er klang selbst nur verunsichert. Er dachte sich aber einfach nur, dass es noch keinen Grund gab, ängstlich zu sein.

Er sagte sich, dass Angst unbegründet sei. Er glaubte daran, dass England stark genug war, um alles zu überstehen. Er hatte so lange überstanden, warum sollte er plötzlich verschwinden? Mit diesen Gedanken schaffte es Amerika ruhig zu bleiben und zu lächeln.

„Amerika…“ Frankreich schluckte und versuchte zu verhindern, dass sich neue Tränen bildeten. Die Alten waren gerade erst getrocknet. Er nahm tief Luft, stoppte das Zittern, welches in seine Stimme brechen wollte und öffnete den Mund.

Doch es kamen keine Worte raus. Er konnte es nicht. Er konnte nicht sagen, was geschehen war. Er konnte nicht darüber sprechen.

„France?“ Nun klang Amerika besorgt.

Frankreich schüttelte nur mit dem Kopf und versuchte die Tränen zu stoppen, die wieder haltlos herunterflossen. Er erinnerte sich an Englands letzten Worte, die er zumindest einmal übermittelt haben wollte.

„Er hat dich als Bruder immer geliebt“, sprach Frankreich ruhiger als er gedacht hätte. Die Worte waren doch einfacherer ausgesprochen geworden als er gedacht hätte. Fast schon zu leicht. Wenige Sekunden später spürte er Reue. Amerika war still geworden. Frankreich wusste, dass er die Worte verstanden hatte und schwieg ebenfalls.



„France?“

Die Stimme war so leise, dass Frankreich nicht wusste, woher sie kam. Jedoch schien es nicht Amerika gewesen zu sein, sodass Frankreich Hoffnungen schöpfte. Er sah zu England, doch der Körper lag still. Nun bekam Frankreich es mit der Angst zu tun. Hörte er jetzt schon Stimmen? War es Englands Geist, der ihn heimsuchte?

Nein, es war die Fee, die zu ihm schwebte.

„France.“ Sie schwebte vor seiner Nase. Ihre Hände hatte sie vor ihr Gesicht gelegt, damit er sie nicht weinen sehen würde, „Ich muss dich etwas fragen. Schnell.“

Frankreich legte das Handy auf Seite und sah die Fee an. Sein Ausdruck schien leer. Es schien als wäre er zu allem bereit.

„Wärst du bereit, dein höchstes Gut abzugeben, um ihn zu retten?“

Vielleicht hatte er aus diesem Grund, dem Angebot der Fee zugestimmt.

Danach hatte Amerika nichts mehr am anderen Ende des Hörers gehört.





Es war der letzte Tag der Entscheidung, ob England in der EU bleiben würde oder nicht. Alle EU-Länder hatten sich im Konferenzsaal versammelt, um Englands Entscheidung zu hören.

Nur ein Stuhl war leer geblieben.

England erhob sich mit einem Dokument in der Hand und begab sich nach vorne, um seine Entscheidung zu verkünden. Er trug ein Lächeln auf den Lippen, als er das Papier umdrehte und EU-VERBLEIB draufstand.

Deutschland lächelte ihm sanft zu und nickte. England hatte sich richtig entschieden.

Gleichzeitig schaute er zu Frankreichs leeren Platz und fragte sich, wo er gewesen war. Weder hatte er sich für die Konferenz abgemeldet, noch war er überhaupt erschienen. Es war, als wäre er plötzlich verschwunden gewesen.

„Ich freue mich bei euch bleiben zu können“, meinte England mit einem unbeschwerten Lächeln, „Ich werde nie wieder so etwas Dummes machen.“

Die anderen Länder kannten ihn nicht so. Er wirkte fröhlich, ausgeglichen und gut gelaunt. Vielleicht, weil Frankreich nicht da war, so vermuteten die anderen Länder.

Doch das war nicht der Grund, warum er so fröhlich war.



Nach der geglückten Konferenz ging er gut gelaunt nach Hause.

„I’m home“, rief er, „Ich bin wieder Zuhause!“

Dann legte er das Formular auf den Couchtisch und setzte sich aufs Sofa. Er lehnte sich zurück und schloss die Augen.

Da spürte er zwei Arme, die sich um seine Schulter legten.

„France?“ Er öffnete die Augen wieder und sah zu dem Franzosen hoch, „Solltest du dich nicht ausruhen?“

„Uff, es geht schon“, winkte er ab, stand aber auf wackeligen Beinen.

„Du hättest dir nicht solche Sorgen machen müssen!“, meinte England besorgt und zog Frankreichs auf Sofa.

Durch das zusätzliche Gewicht fiel er nach hinten und Frankreich auf ihn.

„Was hätte ich sonst tun sollen?“, fragte Frankreich und schmiegte sich an Englands Brust.

„Du hättest nicht vor Sorgen krank werden sollen.“ England streichelte ihm liebevoll über den Kopf, „Du hast sogar Fieber!“

„Dann kümmere dich um mich, mon chéri“, bat Frankreich und kuschelte sich an seinen Freund.

„Meinetwegen“, grummelte England nur, „Aber wehe, du bist bei den Friedensverhandlungen noch krank!“

„Mit dir werde ich ganz schnell wieder gesund, Angleterre.“ Frankreich schloss die Augen und flüsterte heiser, „Ich liebe dich.“

„Ich liebe dich auch, France.“ England lächelte, doch dann verzog er die Mundwinkel, „Aber du musst es jetzt nicht tausend Mal wiederholen.“

„Je t’aime, Angleterre.“

„I love you too, France.“



Sein höchstes Gut, das Frankreich gab, war die Liebe.

Und es war seine Liebe, die England vor dem Tod bewahrt hatte.



Ahhhh, endlich fertig x.x

Diesen Oneshot habe ich gestern angefangen und dann gestern und heute zu ende geschrieben. 10.500 Wörter… Ich werde nicht mehr.

Dafür finde ich ist mir die Geschichte ziemlich gut gelungen.

Zuerst wollte ich damit eigentlich nur die Brexit-Situation zeigen und Frankreich ein wenig mit England shippen… Keine Ahnung, was dann passiert war.

Falls man sich fragt, was das Ende bedeutet. Man kann es interpretieren wie man will. Ob Frankreich nun als Geist in Englands Haus spukt oder ob er noch lebt.

Ich tendiere einmal für ein Happy End XD (Was es fast nicht geworden werde XD)

Ich hoffe, es hat euch gefallen!
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