The writer [Rework]

von Yuuchii
OneshotHorror / P16
OC (Own Character)
08.06.2019
08.06.2019
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Speziellere Kinder, haben es häufig schwerer in der Schule als andere. In den meisten öffentlichen Schulen, egal welcher Form, wird man meist typische Gruppierungen finden. Beispielsweise die typische Gruppe mit den pöbelnden, lauten Jungen oder auch die typische Gruppe mit den eingebildeten Mädchen.

Häufig geben sich die schwächeren Schüler einer Klasse große Mühe, um in eine dieser Gruppierungen zu kommen, um kein Opfer von Mobbing oder Ausgrenzung zu werden. Dies tun sie oft, indem sie sich für die Gruppe attraktiv machen. Sei es durch das Erledigen der Hausaufgaben, das Abschreiben lassen in Tests oder durch kleinere nützliche Gesten.

Was ist mit den Schülern, die bei diesen Dingen nicht mitmachen, die für sich allein leben und keiner Gruppierung angehören? Sie werden zu potenziellen Zielen der Attacken der einzelnen Gruppen. Warum sie nicht versuchen sich den Gruppen anzuschließen? Nun, dass ist ganz simpel, sie wollen keine Heuchler sein.
In den Gruppen der Jungen ist gewalttätiges und dummes Verhalten normal. Man weiß nicht genau, ob sie wirklich befreundet sind. Ähnlich ist es in den Gruppen der Mädchen, sie lästern untereinander über sich. Teilweise verabscheuen sie sich und spielen ihre Freundschaft nur vor. Warum die ausgeschlossenen Schüler keine Gruppe bilden? Oft lassen sie einander fallen, um sich letztendlich einer der stärkeren Gruppierungen anzuschließen. Eine Gruppe der ausgeschlossenen Schüler wird auch trotz allem von den größeren Gruppierungen gemobbt.

Es ist ein fürchterlicher Kreislauf, der den Schulalltag und das Leben negativ beeinflussen kann. Spezielle und ausgeschlossene Schüler leiden, verzweifeln, nehmen sich selbst das Leben oder werden zu Leuten, die ihr Leben lang ein Trauma davon tragen. Im schlimmsten Fall werden sie zu Leuten, die anderen das Leben rauben.


Der 17-jährige Ethan Dylan war einer dieser spezielleren Schüler. Er besuchte ein Gymnasium, eventuell denkt man nun, dass dort alles zivilisiert abläuft und die Schüler sich auf das Lernen konzentrieren, leider ist dem nicht so. Ethan war eine ruhige Person, er sprach nicht viel und hatte auch sonst keinerlei Interesse daran, sich mit sozialen Situationen oder Veranstaltungen zu befassen. Er verstand die anderen Schüler und ihr Verhalten nie und gemocht hat er sie auch nie.
Viel lieber befasste er sich mit seinen Büchern und flüchtete sich in Welten, die nicht existieren. Sein Wunsch war es ein Schriftsteller zu werden, womit er sich auch deutlich von den Berufswünschen seiner Klassenkameraden abgrenzte.

Immer wenn sein Wecker morgens klingelte, bekam er Bauchschmerzen, da er nicht mehr in die Schule wollte. Anfangs hatte man ihn in Ruhe gelassen, ein paar Sprüche musste er sich öfters anhören, mehr aber auch nicht. Als er anfing seine Haare rot zu färben, begann das Mobbing Stück für Stück. Beleidigungen fielen, was Ethan nicht verstand. Irgendwann wurde es allerdings schlimmer. Die Jungen begannen damit ihn herumzuschubsen und zu bedrohen, auch das verstand Ethan nicht. Er hatte ihnen nie etwas getan.
Er arbeitete in der Schule still vor sich hin, erledigte Gruppenarbeiten oft alleine und las in der Pause, ohne jemanden zu stören, seine Bücher.

Trotzdem machten sie immer und immer weiter. Aus den Beleidigungen und dem Schubsen wurden teilweise Prügeleien, bei denen Ethan sich kaum wehren konnte. Die Mädchen begannen über ihn zu lästern und Gerüchte zu verbreiten, keiner außer den Lehrern sprach mehr normal mit ihm. Er hatte oft schmerzhafte blaue Flecke bis hin zu Prellungen. Die Lehrer sahen bei all den Vorfällen weg und Ethans Eltern hatten kaum Zeit, um sich mit ihm zu befassen, weshalb er sich immer mehr in die Welten seiner Bücher flüchtete, bis es nichts Wichtigeres mehr für ihn gab.

Sein Leben war zu einer kaum ertragbaren Qual geworden und oft wünschte er sich, er hätte mehr Mut, um sich das Leben zu nehmen.

Nach einigen Tagen der Prügeleien wurde ihm das erste Mal eine blutige Nase geschlagen. Man ließ ihn in einem toten Winkel des Schulhofes zurück, wo er zitternd am Boden saß und eine Hand gegen seine Nase drückte. Er versuchte stark zu sein, die Tränen zu unterdrücken und an irgendeine aufmunternde Geschichte aus seinen Büchern zu denken. Diese Tortur wiederholte sich immer und immer wieder. Er versuchte nicht einmal mehr sich zu wehren, er versuchte es einfach nur mit ganzer Kraft zu ertragen.

Mittlerweile fragte Ethan sich, ob er ihnen wirklich nie etwas getan hatte. Wenn er wüsste was passiert war, könnte er etwas dagegen tun und sich entschuldigen.

Fünf verschiedene Jungen hatten ihn in eine Ecke des Schulflures gedrängt, die anderen Schüler gingen einfach an ihnen vorbei. Ethan war verzweifelt, weshalb er fragte, was er ihnen getan habe.
Aber sie sagten nichts, sie schlugen einfach nur zu. Gab es keinen Grund, machte es ihnen einfach nur Spaß? Wieso nur? Und wieso musste er leiden?

Abscheu und Hass krochen immer tiefer in seinen Körper, verfestigten sich, fuhren in seine Knochen, zerfraßen sein Herz und benebelten seinen Kopf immer mehr.

Aber wenn er las, war sein Kopf klar, sein Herz wohlig warm und sein Körper leicht. Auch wenn in Büchern schlimme Dinge passierten, kämpften sich die Helden zurück zum Licht. Mit fester Entschlossenheit stellten sie sich dem Feind und siegten. Konnte auch er siegen? Konnte er sich erhobenen Hauptes seinen Gegnern entgegen stellen und kämpfen?
Er war kein kräftiger Junge, so wie die Jungen aus der Gruppe. Aber Helden kämpften doch auch nicht immer offensiv. Sie planten ihren Angriff und kämpften auch manchmal verborgen, wie Assassinen.

Jedoch kroch Unsicherheit in ihn, sein Mut verblasste und seine Hoffnung versuchte sich an den Gedanken zu klammern, dass alles wieder gut werden würde.

So ertrug er es weiterhin. Woche für Woche..für Woche..für Woche..für Woche. Bis sie damit anfingen, ihm buchstäblich das Herz aus der Brust zu reißen. Sie hatten bemerkt das die Bücher Ethan Halt gaben, ihn trösteten. So schlugen sie ihn nicht nur zusammen, sondern zerrissen danach seine geliebten Bücher vor seinen Augen. Schmerzen grausamer als jeder Schlag, durchzogen seinen Körper, trübten seinen Verstand.
Nachdem sie gegangen waren, sammelte er verstört die Fetzen seiner Sicherheit auf, die Fetzen seines Lebens.

Als er seinen Spind erreichte, war dieser aufgebrochen und ein weiterer Haufen Fetzen türmte dort. Ihm war nach weinen zumute, die Schmerzen waren nicht mehr zu ertragen, dass Leid war zu groß.
Als er nun den Klassenraum betrat, lachten die Mädchen lautstark und gehässig, während die Jungen bloß boshaft grinsten. Einer trat vor, packte ihn am Kragen. Alex Harley, der Anführer der Gruppierung. Er stieß Ethan lachend zu Boden, ging zurück zu der ihm zujubelnden Gruppe. Ethan lag blutend am Boden, der Hass zerfraß ihn und das Licht verschwand.

Es war dunkel und es regnete. Seine Tasche gefüllt mit frischer Kleidung und seinen Büchern, positionierte er sorgsam im Trockenen. Mit dem Messer betrat er das Haus durch das geöffnete Fenster. Alex sagte er wäre am Wochenende allein Zuhause. Die Stille war friedlich.

Leise schritt er durch das Haus, erreichte nach einigen Minuten der Suche die Tür zu einem beleuchteten Zimmer. Mit dem Rücken zur Tür kauerte Alex auf einem Stuhl und widmete sich vertieft seinem Computerspiel. Er hatte Kopfhörer auf, aus welchen gedämpft Musik schallte.

Still ging Ethan auf sein Ziel zu, stellte sich hinter es, positionierte sein Messer und stach es Alex seitlich in den Hals. Er trat ein paar Schritte zurück und sah dabei zu, wie Alex von seinem Stuhl stürzte, die Kopfhörer von seinen Ohren gerissen wurden und er mit vor Schreck geweiteten Augen und röchelnden Lauten zu Ethan hoch sah.
Ethans Blick war eisig, er beugte sich zu Alex herab und zog ihm das Messer aus dem Hals. Sofort schoss das Blut aus der Wunde, Tränen füllten Alex Augen, während er verzweifelt versuchte die Hände gegen seinen Hals zu drücken. Er weinte und versuchte zu schreien, was er wohl in diesem Moment dachte? Ethan blieb bei ihm, bis das Licht in seinen Augen erlosch. Der Teppich war durchtränkt mit seinem Blut, die Stille war zurück.

Ethan verließ das Haus und wechselte im Schutz der Nacht seine Kleidung, danach lief er aus der Stadt. Er lief immer und immer weiter, das Messer warf er weit von Alex Haus entfernt in einen riesigen Fluss, seine blutige Kleidung vergrub er tief in einem Wald.

Trotz dem Schmerz der ihn weiterhin durchzog, fühlte er sich wieder lebendig. Er würde nicht mehr zurückkehren, er würde nun seinen eigenen Weg gehen, auch wenn dieser nun blutbefleckt war. Sie hatten ihn alle dazu gezwungen, er wollte nie, dass so etwas passiert aber was hätte er sonst tun sollen? Er war immerhin jedem egal.

Sein Wunsch ein Schriftsteller zu sein blieb bestehen, weshalb er seine Geschichte mit Scham und Abscheu jedoch auch mit Stolz, seinen Gegner bezwungen zu haben, aufschrieb.


Hat es euch gefallen und könnt ihr mich verstehen? Konntet ihr meinen Schmerz fühlen, meine Verzweiflung? Ich schäme mich für das, was ich getan habe.. Aber ich bin auch glücklich.

Ich hoffe es hat euch gefallen..

Ethan Dylan