Manifestiertes Nichts

GeschichteAllgemein / P16
08.06.2019
12.06.2019
3
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Ich hätte gedacht das mich Schlingen umfassen würden oder kalte Eisenplatten mit Hydraulik betriebenen Füßen mich niederdrücken würden wie in den Folterräumen in Guantanamo aber nein, das wahre Grauen ist eine kalte abweisende Frau die man doch irgendwie lieben kann und will. Man kommt nicht von ihr los. Zu viele Autoren haben schon darüber geschrieben und Musiker gesungen. Zuletzt 2019 sogar Chris Pohl in Into the Void. Aber ich muss berichten was mir im 3. Traum passiert ist, auch wenn ihr liebe Leser mir nicht glauben werden oder sagt: "Das kennen wir schon aus der und der Geschichte oder dem und dem Film."

Ja ich bin wieder in Dunkelheit doch diesmal sitze ich im schein einer Kerze einer Frau gegenüber, sie ist so schön: schwarze Haare, lange schlanke Beine und einen Vorbei oh... Nein das ist was in meinem Kopf abgeht aber der Traum war anders. Ich sitze tatsächlich im Schein einer Kerze und auch einer Frau gegenüber von der ich allerdings nur einen Streifen ihres Gesichtes sehen kann, der Rest ist entweder zu dunkel oder ganz unsichtbar. Die große Adlernase verleiht ihr das strenge Aussehen einer Inderin. Aber ihre ovalen Gesichtsumrandung sind die einer Europäerin, Spanierin oder Osteuropäerin. Mir ist es im Grunde egal wie sie aussieht denn ich weiß wir werden ein tolles Wochenende verbringen, woher ich das weiß ich weiß es einfach und als ich mich prüfend nach einem Kalender umsehe fällt mir auch prompt einer ins Auge. Es ist Freitag der 13_ äh ja kein Witz!!

Aber darum geht es nicht, nicht um die Frau und nicht um die Assoziation mit einer der schlechtesten Horrorstreifen die ich jemals gesehen habe. Es geht um das Gefühl der Angst, der Angst verlassen zu werden, von der Frau die ich gerade erst kennen lernen will. Wie lange sie schon dort sitzt weiß ich nicht, da ich gerade erst im Traum zu mir und zu ihr gestoßen bin. Wie lange ich schon dort sitze... ähm, lasst mich überlegen... Keine Ahnung.

Ich glaube das Wort ergreifen zu müssen und tue es dann auch: "Hallo wie geht es Ihnen." "Katharina, Katharina Hallich." die Frau steht auf und mir fällt auf wie dünn sie ist. In einem schwarzen  Kleid mit eingewebten silbernen Fäden und schwarzen, im Schummrigen Restaurant, fast unsichtbar mit der Dämmerung verschmelzenden Haaren. Auch ich erhebe mich und spüre Gefahr, denke sie wird in meine Hand beißen oder sie schmerzhaft verdrehen aber außer einem festen trockenen Händedruck passiert nichts. Auch unser weiteres Gespräch und das Essen verlaufen normal dennoch steigert sich in mir die Anspannung, das sie mir etwas schlimmes antun wird bis ins unermessliche, unerträgliche.
Wir reden über uns, über unsere Arbeit, Interessen und Abneigungen und kommen schnell auf mehrere Themen in denen wir gleichschwingen.

Nachdem sie mir einige persönliche Fragen zu meinen Lebensumständen gestellt hat, ob ich verheiratet, geschieden oder verlobt bin, meine Antwort ledig nimmt sie kommentarlos entgegen, fragt sie mich was mir in einer Beziehung wichtig ist.
Meine Antwort beschränkt sich auf die Arbeitsteilung, meinen künstlerischen Freiraum und das sie jederzeit sagen sollte was sie möchte und was nicht. Mein Angebot im Haushalt dennoch mitzuhelfen, obwohl sie wohl das meiste besser beherrschen wird als ich, nimmt sie gelassen hin.
"Und was liegt dir an unserer Freundschaft. Ich hoffe wir bleiben es eine Weile." "Ja wenn du das machst was ich sage ja." damit greift sie über den Tisch und packt mich mit funkensprühenden Augen an der Kehle. Mit der anderen Hand packt sie nach meinem Ohr und als ihr eiserner und irgendwie glühend heißer Griff der meine Haut versengt meine Kehle loslässt zieht es einmal kurz an meinem Ohrläppchen und sie lässt sich freundlich aber bescheiden lächelnd zurück auf den Stuhl fallen. Ich taste nach meinem Hals und nachdem was ich fühle kann ich nicht anders als eine Esslöffel als Spiegel zu benutzen um nachzuschauen, obwohl mir graut was ich gleich erblicken werde.

Mein Hals ist unversehrt. Er ist unversehrt ich kann es kaum glauben, dem Gefühl nach bedeckt ihn Schorf aber nichts, keine roten oder schwarzen Brandspuren nur Narbengewebe was aber so alt aussieht, dass es auch schon vorher dagewesen sein kann.
Dennoch springe ich auf, stammel eine Entschuldigung und gehe aus dem Lokal.

Es dauert nicht lange und zu kurz damit ich meine Gedanken ordnen kann. Ich kann nicht begreifen was eben passiert ist. Jemand fällt mir um die Schultern und als ich mich umdrehe sehe ich Katharina an mir hängen wie ein Kind auf dem Rücken ihres Vaters.
"Heh! lass mich!" fahre ich sie an. sie sieht erst traurig aus, zieht mit ihrer Lippe einen Flunsch und auch ihre Augen füllen sich mit Tränen dann krallt sie mir ins Gesicht und als sie  die Hände wegnimmt spüre ich tatsächlich einen brüllenden Schmerz an meinen Ohren.