Nur noch ein Wunder

GeschichteAllgemein / P18 Slash
07.06.2019
21.08.2019
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Guten morgen,
ich hoffe, Ihr habt gut geschlafen.
Viel Spaß mit dem neuen Kapitel.
Viele liebe Grüße!
Stine


Kapitel 41



Am nächsten Morgen machte sich Mycroft früh auf den Weg zu seinem Büro. Er hatte noch ein paar dringende Angelegenheiten zu regeln, bevor er sich wieder mit dem Hubschrauber zu den Ruinen seines Cottages fliegen ließ.

Nach ihrem Versöhnungssex am Abend hatten Greg und er nochmal in Ruhe über alles gesprochen und zwischen ihnen war wieder alles in Ordnung. Greg hatte zuerst mit zum Cottage kommen wollen, aber Mycroft hatte ihn darum gebeten, in London zu bleiben und sich eventuell nochmal mit John zu treffen. Er wollte sicher gehen, dass es ihm gut ging.

Schon aus der Luft sah Mycroft, das seine zwei Spezialisten wieder an der Arbeit waren und nachdem der Hubschrauber gelandet war, ging er sofort zu ihnen.
„Irgendwelche neuen Erkenntnisse?“

„Als wir heute Morgen hier angefangen haben, fanden wir dort drüben“, der Agent zeigte in die entsprechende Richtung, „eine Blutspur, Sir. Wir haben Proben entnommen, aber leider stehen uns hier nicht die richtigen Geräte zur Verfügung, um sie zu analysieren. Die örtliche Polizei kann auf kein eigenes Labor zurückgreifen. Sie schicken ihre Proben immer ein, was wir ebenfalls mit einer Probe gemacht haben. Sicherheitshalber haben wir auch eine an das Krankenhaus im Nachbarort geschickt, um sie da analysieren zu lassen. Vielleicht geht es da ja schneller. Das Problem ist nur, wir haben keine Werte, mit denen wir das Ergebnis vergleichen könnten.“

„Von Moran liegen uns tatsächlich keine Proben vor, aber wir könnten zumindest meine zu einem Vergleich heranziehen. Wenn es sich um das Blut meines Bruders handelt, müssten große Übereinstimmungen vorliegen.“

„Sir, wir haben ein Auto gemietet. Soll ich Sie ins Krankenhaus fahren, damit Sie ihnen dort Blut abnehmen können?“

„Ja, lassen Sie uns fahren. Und Agent Miller“, wandte er sich an den anderen Mann, „fordern Sie bei der Polizei Suchhunde an. Vielleicht können die die Spur verfolgen.“

„Ja, Sir.“

Mycroft ging mit dem anderen Agent zum Wagen und lies sich von ihm ins Krankenhaus fahren. Im Labor nahm ihm eine nette Schwester Blut ab.

„Wie weit sind Sie mit der Analyse der ersten Probe?“

„Das haben wir heute Morgen als erstes gemacht. Agent Spencer hat deutlich gemacht, wie dringend die Angelegenheit ist und das Ergebnis liegt bereits vor. Jetzt müssen wir noch auf Ihres warten, dann können wir Sie vergleichen.“

„Die Angelegenheit ist in der Tat wichtig. Es besteht die Möglichkeit, dass es sich bei dem Blut um das meines Bruders handelt. Er wird vermisst und wenn es sein Blut ist, dann zählt unter Umständen jede Minute.“

„Das verstehe ich, Mr. Holmes, wir tun was wir können.“

„Ich würde mich auch mit einer größeren Spende an ihr Krankenhaus erkenntlich zeigen.“

„Das ist sehr nett und das dürfen Sie natürlich auch gerne tun, aber mein Beruf ist es, Menschen die verletzt sind, zu helfen und ich würde die Analyse deshalb so oder so vorziehen.“

Mycroft lächelte. Es gab also wirklich noch nette, selbstlose Menschen.
„Ich danke Ihnen. Haben Sie die Karte von Agent Spencer?“
Die Schwester nickte und sah den Agent kurz an. Als dieser ihr zu lächelte, wurde sie rot und senkte den Blick. „Gut. Wenn Sie das Ergebnis haben, rufen Sie ihn bitte umgehend an. Ach und bevor ich es vergesse. Welche Blutgruppe hat der Test ergeben?“

„A positiv.“

„Mein Bruder hat A positiv“, sagte Mycroft leise.

„Das heißt noch gar nichts, Mr. Holmes. In Großbritannien haben über 30% der Bevölkerung diese Blutgruppe.“

Mycroft sagte nichts mehr und verließ das Labor und das Krankenhaus.

Wieder beim Cottage angekommen, war er gerade ausgestiegen, als zwei Polizeiwagen auf dem Weg anhielten. Wie es sich herausstellte, handelte es sich um die zwei Beamten vom Vortag, sowie zwei Hundeführer mit ihren Hunden.

Zusammen gingen sie zu der Stelle, an der das Blut gefunden worden war und die Hunde nahmen Witterung auf. Sichtlich aufgeregt zogen sie an den Leinen und ihre Führer folgten ihnen im Laufschritt. Officer Williams blieb bei Mycroft, Officer Clark folgte den Hunden.
„Mein Kollege wird uns sofort verständigen, wenn die Hunde jemanden gefunden haben oder falls sie die Spur verlieren sollten. Ich werde Sie dann gegebenenfalls mit meinem Wagen an diese Stelle bringen.“

Mycrofts erster Impuls war es, den Hunden ebenfalls zu folgen, aber er sah ein, dass das wenig Sinn machen würde. Erstens wusste er nicht, ob die Hunde überhaupt etwas finden würden und zweitens war er wirklich nicht in der körperlichen Verfassung, diesen Hunden unter Umständen kilometerweit hinterher rennen zu können.
Leicht nervös und zappelig, setzte er sich zurück in den Wagen und wartete.

***

Als John am Morgen erwachte, wünschte er sofort, er würde noch schlafen. Er konnte sich nicht daran erinnern, jemals vorher solche Kopfschmerzen gehabt zu haben.
Im Zimmer war es viel zu hell. Das Lichte schmerzte in seinen Augen und John kniff sie stöhnend zusammen. Seine Hände presste er an seinen Kopf, als könnte es irgendetwas an seinem Zustand ändern. Langsam rollte er sich auf die Seite und kam schließlich in eine sitzende Position. Der Druck in seinem Kopf wurde dadurch noch größer und der in seinem Magen leider auch. Es folgte, was folgen musste.

Nachdem John eine Stunde später endlich frisch geduscht das Badezimmer wieder verlassen konnte, fühlte er sich noch immer ziemlich wackelig auf den Beinen. Er sah auf die Uhr. Toll, das Frühstück hatte er jetzt auch verpasst. Obwohl, wirklich Hunger hatte er keinen, aber einen starken Kaffee könnte er ganz gut gebrauchen. John schleppte sich also die Treppen hinunter und schlurfte in den Frühstücksraum. Das Buffet war, wie schon erwartet, leer. Seufzend ließ er sich auf einen der Stühle nieder. Als Mrs. McGregor mit einem Tablett voll mit frischem Geschirr hereinkam, sah er zu ihr auf.

Ein intensiver Blick, der John an Sherlocks Deduzierblick erinnerte, traf ihn und seine Vermieterin fragte „Kaffee?“ John nickte stumm. Sie stellte das Tablett ab und verschwand wieder aus dem Zimmer. Kurze Zeit später kam sie mit einem etwas kleineren Tablett zurück, auf dem sich ein großer Becher Kaffee, ein Glas Wasser in dem es verdächtig sprudelte und ein Teller mit zwei Butter bestrichenen Scheiben Toast befanden. Ohne Worte stellte sie alles vor John ab und setzte sich dann ihm gegenüber an den Tisch.

„Danke Mrs. McGregor, das ist wirklich sehr aufmerksam von Ihnen.“

„So schlimm?“ fragte sie und nach ein paar Sekunden fügte sie hinzu, „und ich meine nicht Ihre Kopfschmerzen.“

John sah sie an und konnte nicht verhindern, dass sich ein kleines Lächeln auf seinen Lippen bildete. Diese Frau war wirklich unglaublich. Er räusperte sich. „Ja, ich hätte nicht damit gerechnet, aber es macht mir mehr aus, als ich gedacht hätte.“

„Hat sie Sie betrogen?“ fragte die Vermieterin frei heraus.

Wieder schaute John sie an und überlegte ob er sie korrigieren sollte oder nicht. Er räusperte sich erneut. „Er“, sagte John schließlich und wartete auf Mrs. McGregors Reaktion.

„Ist doch egal“, sagte diese nur, „sie oder er, ein gebrochenes Herz, ist ein gebrochenes Herz.“

„Da haben Sie Recht“, sagte John, erleichtert darüber, dass seine Vermieterin so offen war.

„Er hat mich nicht wirklich betrogen, aber es stellte sich heraus, dass er mir seine Gefühle die ganze Zeit nur vorgespielt hat. Ich war wohl so etwas wie ein Experiment.“

John und seine Vermieterin unterhielten sich noch eine lange Zeit und ihm tat es gut, sich alles von der Seele zu reden. Nicht, das er nicht auch mit Gregory darüber hätte reden können, aber der war irgendwie zu sehr involviert.

***

Um sich abzulenken, hatte Mycroft eine SMS an Greg geschrieben und ihn so auf den neuesten Stand gebracht.

Danach las er einige neu eingetroffene Mails und versuchte sie, so gut es ging, zu beantworten, was gar nicht so einfach war. Er konnte hier ja nicht auf die notwendigen Unterlagen zurückgreifen und darüber hinaus hasste er es, Mails auf seinem Handy zu schreiben. Eigentlich hätte er auch noch einige Telefonate führen müssen, aber das ging jetzt nicht, die Leitung musste unbedingt frei bleiben, für den Fall das sich Sherlock doch noch melden würde. Alle eingehenden Anrufe, hatte Mycroft daher an seinen Stellvertreter umgeleitet, was er mindesten genauso hasste, wie eine Erkältung. Und er hasste es wirklich sehr, erkältet zu sein. Nicht, dass sein Stellvertreter nicht kompetent genug gewesen wäre, aber Mycroft konnte einfach nicht gut die Kontrolle abgeben. Auch ein Grund dafür, warum er sich gerade so hoffnungslos verloren vorkam, denn in diesem Fall hatte er die Kontrolle schon lange verloren und er hasste sich gerade selber dafür, nicht aufmerksamer gewesen zu sein.

Er wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, für seinen Geschmack definitiv zu viel. Endlich tat sich etwas. Agent Spencer klopfte an die Scheibe des Wagens und schwenkte sein Telefon in der Hand hin und her.
Mycroft öffnete das Fenster und nahm das Handy entgegen.

„Holmes“, meldete er sich.

„Mr. Holmes, hier ist Schwester Ann aus dem Krankenhaus. Wir haben jetzt das Ergebnis vorliegen. Bei dem Vergleich von ihrer Probe mit der unbekannten, wurde eine große Übereinstimmungen errechnet. Das lässt darauf schließen, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um das Blut Ihres Bruders handelt.“

„Danke Schwester, Sie haben mir sehr geholfen.“
Mycroft legte auf. Jedes weitere Wort war überflüssig.

„Agent Spencer,  rufen sie bei diesen Hundeführern an und fragen Sie nach, wie die Verfolgung läuft“, sagte er kurz und knapp, übergab ihm wieder das Telefon und schloss die Scheibe wieder.

Er brauchte eine paar Sekunden für sich, um seine Gedanken zu ordnen.
Das Ergebnis war einerseits eine gute Nachricht. Da das Blut von Sherlock stammte, konnte er wohl nicht in dem Haus gewesen sein, als es abbrannte. Wahrscheinlich war er auf der Flucht vor Moran. Nur, warum hatte sich Sherlock bisher nicht bei ihm gemeldet, wenn er doch verletzt war und wo war der vermisste Agent? Nun, dass dessen Körper den Flammen zum Opfer gefallen war, konnte Mycroft nicht ausschließen. Es war im Gegenteil, sogar sehr wahrscheinlich, aber darüber wollte er sich nun wirklich keine Gedanken machen.
Wieder klopfte es an die Scheibe und erneut lies Mycroft die Fensterscheibe nach unten fahren.

„Die Hunde verfolgen noch die Spur, Sir und Officer Clark meint, es sähe so aus, als führte sie zum Sportboothafen.“

„Fahren Sie mich auf der Stelle dort hin und sagen Sie Officer Williams, er soll uns folgen.“

„Sir.“

Agent Spencer tat, was ihm befohlen worden war und einige Minuten später stieg Mycroft am Hafen aus. Hinter ihnen hielt der Polizeiwagen und der junge Officer stieg ebenfalls aus.

„Was kann mein Bruder hier nur gewollt haben?“ Dachte Mycroft laut nach.

„Das weiß ich auch nicht“, antwortete der Officer, aber da fällt mir ein, dass gestern Abend eines der Boote als gestohlen gemeldet wurde.“

Mycroft drehte sich entsetzt zu dem Officer um. Am liebsten hätte er ihn gepackt und angeschrien, aber er zwang sich unter größter Anstrengung dazu, so ruhig wie möglich zu bleiben.
„Officer“, sagte er äußerst bedrohlich, „hatte ich, oder hatte ich ihn nicht gesagt, Sie sollen mich anrufen, egal wann und egal was auch immer ungewöhnliches in dieser Gegend passiert?“

„Ja Sir, das hatten Sie“, sagte der Officer kleinlaut, „aber ein gestohlenes Boot, so weit entfernt, ich dachte nicht, dass das etwas mit…“

„Überlassen Sie das Denken den Menschen, die es auch beherrschen“, schnauzte Mycroft den Officer nun an, „wenn sich am Schluss herausstellen sollte, das mein Bruder nicht gerettet werden konnte, weil Sie mich nicht darüber informiert haben, das hier ein Boot gestohlen wurde, dann haben Sie die längste Zeit Polizeidienst geleistet. Und das, Officer Williams, ist keine Drohung, das ist ein Versprechen.“

Bei jedem Wort war der junge Polizist ein Stück kleiner geworden. Mit Mycroft Holmes hatte er es sich wohl endgültig verscherzt. Er schaute auf, als er noch etwas weiter entfernt Hundegebell hörte.
„Es scheint so, als führte die Spur tatsächlich hier her“, sagte er leise.

„Offensichtlich. Spencer, lassen Sie sich die Daten dieses Bootes geben und lassen Sie es von unseren Leuten suchen.“

„Sir.“

„Ich“, meldete sich Williams schüchtern zu Wort, „könnte es auch zur Fahndung ausschreiben lassen, Sir.“ Er wollte sein Versäumnis unbedingt wieder gutmachen.

„Danke nein, ich verlasse mich dabei lieber auf meine Leute. Ich warte im Wagen, Agent Spencer.“
Mit diesen Worten ging er zurück zum Wagen.

Das durfte doch alles nicht wahr sein. Wenn diese unfähige Person ihm das mit dem Boot schon gestern Abend mitgeteilt hätte, dann hätten sie schon fast vierundzwanzig Stunden danach suchen können. Unfassbar. Er nahm sein Telefon und wählte Gregs Nummer.
„Hallo Mycroft, wie geht es dir? Was gibt es Neues?“
Mycroft erzählte seinem Freund völlig aufgebracht, was alles passiert war und dieser war genauso entsetzt wie er selber.

„Du denkst also, Sherlock hat das Boot genommen?“

„Ja, du nicht?“

„Ich weiß nicht, es könnte sein. Ich will dich nicht verunsichern, aber es könnte auch sein, dass Moran ihn mit dem Boot verschleppt hat. Das wäre auch eine Erklärung dafür, dass Sherlock sich nicht bei dir meldet.“

„…“

„Mycroft, es tut mir leid, ich hätte das nicht sagen dürfen.“

„Doch… Doch, schon gut. Du hast ja Recht, das wäre auch eine Möglichkeit. Darüber muss ich erst nachdenken.“

„Komm nach Hause, Mycroft. Es wird eh gleich dunkel. Deine Leute informieren dich, wenn sie etwas Neues herausgefunden haben. Es nützt dir und Sherlock nichts, wenn du da in der Kälte herum stehst. Ruf mich an, wenn du gelandet bis, dann lasse ich dir ein heißes Bad ein. In der Zeit koche ich uns etwas und dann überlegen wir gemeinsam, was wir machen könnten.“

„Habe ich dir heute eigentlich schon gesagt, dass ich dich Liebe?“

„Ja, hast du, aber ich kann es gar nicht oft genug hören.“

„Ich liebe dich, Gregory. Bis gleich.“

„Ich liebe dich auch. Bis gleich.“