Haegaras Dreizehn

KurzgeschichteRomanze, Fantasy / P12
06.06.2019
06.06.2019
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Haegaras Dreizehn - Prolog

Hamgrim, Sohn des Hartasch brummte, stemmte die Hände in die Hüften und sah sich noch einmal in seiner Werkstatt um. Zwanzig lange Jahre hatte er in Winhall unter den Menschen gelebt und gearbeitet. Hier, in dieser Werkstatt, waren die Steine für die Säulenkronen des neuen Praiostempel behauen worden. Die Fliesen des Bodens waren durch den allgegenwärtigen Gesteinstaub ganz ausgebleicht. Der Zwerg hatte die letzten Tage damit verbracht, seine Werkstatt auf Hochglanz zu bringen. Sogar das Holz der Werkbänke hatte er so poliert, dass es fast glänzte.
Alles sollte in besten Zustand sein, wenn der neue Pächter in die Werkstatt einzog.
Jemand räusperte sich diskret und riss Hamgrim aus seinen Gedanken. „Herr Hamgrim? Bitte verzeiht. Mein Meister lasst höflich fragen, wann ihr die Übergabe machen wollt. Hamgrim runzelte seine buschigen Augenbrauen und sah zu dem Burschen. Missmutig musterte er den Menschenjungen. Er sah so aus, als wäre er etwa vier Jahre alt, hatte scheinbar von der bunten Eidechsengöttin ein paar Knie und Ellenbogen zu viel abbekommen. Zu allem Überfluss hatte der Junge noch nicht mal einen Bart. Nur drei winzige blonde Haare ringelten sich an seinem Kinn. Tatsächlich war der Junge etwa vierzehn Götterläufe alt. Aber für einen Zwerg sah er aus wie ein Kind. 'Und so was will Steinmetz werden' dachte Hamgrim missmutig. 'Und sein sogenannter Meister war nicht besser. Mit FÜNFUNDZWANZIG Jahren wurde der zum MEISTER ernannt!' Der Gedanke, dass ein so unerfahrener Mensch in seiner Werkstatt arbeitet, versuchte Hamgrim Sodbrennen.
Einen Moment dachte Hamgrim zum gefühlt hundertsten Mal über seine Entscheidung nach, seinem Leben und Wirken in Winhall den Rücken zu kehren und auf Wanderschaft zu gehen. 'Nein, nicht auf Wanderschaft. Für SIE.' Sehnsüchtig dachte er an die junge Angroschna, die er vor drei Tagen auf dem Markt von Winhall gesehen hatte. Sie hatte rote Haare, die aussahen, als hätte Angroschs Feuer sie geküsst. Das heilige Feuer hatte auch ganz entzückende rote Sprenkel auf ihren Wangen und Nase hinterlassen. Ihre Augen strahlten in einem blauen Glanz, der an den Sommerhimmel erinnerte. Dem Werkzeug an ihrem riesigen Rucksack zufolge musste sie eine Feinschmiedin sein. Hamgrims Herz hatte schnell wie ein Hammer auf einen Meißel geschlagen, als er diese wunderschöne Angroschna betrachtete. Und das Beste dabei war, dass sie auf der Wanderschaft war.
Zurück in seinem Haus, hatte Hamgrim einen Tag und eine Nacht alle Argumente abgewogen und sorgfältig überdacht. Dann hatte er sich entschieden. Er würde dieser Angroschna folgen und um sie werben. So eine Gelegenheit würde nie mehr wiederkommen. Er hatte einen neuen Pächter für Haus und Werkstatt gefunden. Er hatte sein Werkzeug eingepackt und seine Kettenhemd hervorgeholt. Sorgfältig hatte er seine Axt geschärft und eingeölt. Er war bereit.
„Herr …. öhm ….Hamgrim?“ meldete sich der Junge. „Habt ihr...“
„Ich habe dich verstanden, Junge“ blaffte Hamgrim abrupt. Der Junge fuhr zusammen. „Steinmetz?! Pah! Lass dir erst mal einen Bart wachsen.“ Der Junge zuckte zusammen und blinzelte wie eine erschrockene Kuh.
„Ich bin schon weg und dein sogenannter Meister kann sein Zeug einräumen.“
Hamgrim stampfte aus der Werkstatt und grummelte auf Rogolan, „Dann soll er hier eben seinen Menschenpfusch meißeln.“
Direkt neben der Haustür stand Hamgrims gepackter Rucksack. Er setze sich den Rucksack auf den Rücken, zurrte die Riemen fest, steckte seine Axt in den Gürtel und schulterte seine Armbrust.
Als alles richtige saß, stampfte er mit seinem Eisen beschlagenen Stiefeln auf und sah sich ein letztes Mal im Haus um. Sein Blick glitt über die ganzen Möbel und Dinge die er zurück lassen würde. All die Dinge, die er in den Jahren hier angesammelt hatte, waren für Menschen ein Vermögen wert. Hamgrim ließ alles zurück. „Für sie“ flüsterte er kaum hörbar in die Stille seines Hauses. Für die unbekannte Angroschna mit den feuerroten Haaren.

Hamgrim erkundigte sich bei den Torwachen, wo hin die Angroschna unterwegs war. Drei Tage marschierte er entschlossen und schlief nachts nur ein paar Stunden. Unterwegs fragt er alle Händler und Reisende nach der Reisegruppe der Angroschna.

Am Abend des vierten Tages erspähte Hamgrim am Wegesrand einen Angroscho mit einer gar seltsamen Haarpracht. Dieser Zwerg trug seine Haare lang und in seltsamen Wellen. Manch horasische menschliche Adlige trugen ihre Haare auf solch eine Weise. Auch sein Bart war zu sonderbaren Locken gedreht. Hamgrim blieb ein paar Schritt vor dem Zwerg stehen und musterte ihn ungläubig.
Der junge Zwerg saß auf einem Baumstamm und hatte eine menschliche Laute auf dem Schoß.
Ab und zu schlug ein ein paar Akkorde an und summte dabei. Dann brach er ab und notierte sich etwas auf einer Wachstafel.
„Der Liebe Sklav', ich armer Tor! „ murmelte der Zwerg in Garethi vor sich hin. „Wie gern wär ich sie los, die Schmerzen!“ Er unterbrauch sich und strich sich mit dem Griffel durch den seidenweichen Bart.
„Allein es sitzt zu tief im Herzen.“ er unterbrach sich und lass sich die Zeilen nochmal durch.
Jaha! Bringt mir ein Handtuch! Das ist es.“
Er sah auf und sein Blick fiel auf Hamgrim. Kurz musterte er den älteren Zwerg.
„Heda, mein Freund.“ sprach er in freundlich auf Garethi. „Wohin des Weges?“
Hamgrim brummte missbilligend.
„Ist hier eine Angroschna vorbei gekommen?“
Der jüngere Zwerg stutze einen Augenblick.
„Hatte sie rote Haare?“
„Ja“ brummte Hamgrim.
„Wie von Angrosch Feuer geküsst?“
„Ja“
„Hatte sie Blaue Augen? Wie der Sommerhimmel?“
„Jaha“ nickte Hamgrim nachdrücklich.
„Hatte sie ganz entzückende Sommersprossen auf den Wangen und der Nase?“
Hamgrim stutzte „Sommer..watt?
Der jüngere Zwerg schmunzelte mit seinen Schnurrbartenden. „Hatte sie kleine feuerrote Sprenkel auf den Wangen, wie ein Marmrakader?
„JA!“ nickt Hamgrim ernergisch.
Der jüngere Zwerg überlegte angestrengt.
„Nein. Habe ich noch nie gesehen.“
Hamgrim erstarrte aufgrund der Entäuschung.
„Dann lebt wohl und gute Reise, Gevatter.“ sagte der junge Zwerg fröhlich und winkte Hamgrim zu.
Entäuscht vor sich hin grübelnd setze sich Hamgrim wieder in Bewegung.
Er kam nur ein paar Schritte weit, als er hinter den Bäumen neben der Straße lautes Stimmengewirr hörte. Schließlich schrie eine laute Stimme auf Rogolan. „Lasst mich alle in Frieden. Ich will doch nur was essen.“ Die kräftige Stimme einer Angroschna!
Mit angehaltenen Atmen stürmte Hamgrim durch das Unterholz und kam stolpernd auf einer kleinen Lichtung zum Stehen.
Auf der Lichtung versuchten ein etwa halbes Dutzend männlicher Zwerge ein Lager aufzuschlagen und stritten sich dabei leidenschaftlich. Es herrschte ein heilloses Chaos.
Am Rande der Lichtung schlummerte ein großer menschlicher Barbar im Gras und schien sich an dem ganzen Chaos nicht im geringsten zu stören. Neben ihm saß ein weiterer Mensch und beobachtet lachend den zwergengemachte Trubel.
Ungläubig und mit offenen Mund starrte Hamgrimm auf die Lichtung.
Im Zentrum dieses Trubels saß die Angroschna mit den feuerroten Haaren und hatte sich frustriert die Hände vor ihr Gesicht geschlagen.
Unbemerkt war der junge Zwerg mit den gelockten Haaren neben Hamgrim getreten.
„Ach, bei Angroschs Lockenpracht! Ihr habt sie ja doch gefunden.“ sagte er fröhlich.
Er schlug Hamgrim eine Hand auf die Schulter.
„Willkommen bei Haegaras bunter Zirkustruppe.“
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