Garten der Rahja

KurzgeschichteRomanze, Fantasy / P18 Slash
06.06.2019
06.06.2019
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Garten der Rahja

Das Badehaus Bellona, eines der besseren Bordelle Gareths, war an diesem Abend gut besucht. Patrizier, sowie Ritter tranken, lachten und schäckerten mit den Freudenmädchen. Eine kleine Gruppe Handwerksgesellen feierten feucht fröhlich ihren bestanden Gesellenbrief. Zwei weibliche Schwertgesellinnen johlten einem Lustknaben zu, der auf einem niedrigen Tisch seinen athletischen Körper zur Musik bewegte. Der einzige männliche Schwertgeselle der Runde verdreht schmunzelnd die Augen und versuchte die rahjagefällige Darbietung des Lustknaben zu ignorieren.

Vilburn von Punin, seines Zeichens Gildenmagier der Akademie der hohen Magie zu Punin, saß an einem der größeren Tische und hielt sich frustriert an seinem zweiten Weinglas fest. Seine Kameraden feierten ausgiebig ihren Sieg über die Orkbande. Bosper, der Koscher Krieger, hatte eines der Freudenmädchen auf dem Schoß und goß ihr gerade Wein auf die wogenden Busen, um danach sein Gesicht zwischen den Brüsten zu begraben und den Wein aufzuschlecken. Die Frau lachte laut und schamlos vor Überraschung und Vergnügen. Beathea, die albernische Schwertgesellin aus der berühmten Kriegerschule „Rondras Schwertkunst“ in Winhall, hielt sich ebenso wie Vilburn zurück. Sie war bei dem Kampf gegen die Orkbande verletzt worden. Vilburn hatte sie zwar mit seiner Magie geheilt, aber sie war immer noch zu geschwächt, um ausgelassen zu feiern. Sie sagte ausgiebig den hochgeistigen Getränken zu und prostete dann und wann ihren Kameraden zu. Der phexgefällige Goswin hatte sich bereits mit einer der Dirnen auf ein Zimmer verzogen. Myrica, die flinke Bogenschützin aus Garethien war in einer leidenschaftlicher Umarmung mit einem Freudenmädchen versunken. Vilburn warf ab und zu einen heimlichen Blick zu dem Paar. In seinen Lenden breitete sich bei dem wohlgefälligen Anblick der beiden Frauen eine wohlige Wärme aus. Aber dieser Ort war ganz und gar nicht nach seinem Geschmack. Und schon gar nicht seinem Stand als Gildenmagier angemessen. Er war nur als Pflichtgefühl zu seinen Kameraden und aus Höflichkeit in das Bordell mitgekommen.

Der Kampf gegen die Orks war hart gewesen. Die Orkbande hatte mehr als dreimal so viele Köpfe gezählt, wie ihre kleine Heldengruppe. Vilburns Gruppe hatte einen hohen Preis für ihren Sieg zahlen müssen. Der darpatische Ritter Hildfalk von Rudesfähr war seinen zahlreichen Wunden erlegen. Der Zwerg Eisenkoll, Sohn des Mutolosch, war ob seiner schweren Wunden in einen todesähnlichen Schlaf gefallen. Er lag im einem Hospital Gareths und es war ungewiss, ob er je wieder erwachen würde. Die Wunden, die der Ambosszwerg davon getragen hatte, hätten jeden Menschen umgebracht. Beide, der Zwerg und der Ritter, hatten heldenmutig den Sturmangriff auf das Orklager angeführt, um die Orks vom eigentlichen Flankenangriff abzulenken.
Vilburn schüttelte gedankenverloren den Kopf über diese Torheit. Gerade er hätte es besser wissen sollen. Zwölf Jahre hatte er Magie und die hohen Künste studiert. Zwei Semester hatte er die Geschichte des Reiches und ein Semester Strategie und Taktik bei Professor Raulsbühl studiert. Und doch hatten sie solch einen Fehler gemacht. Frustriert schüttelte Vilburn abermals seinen Kopf. Er trank sein Weinglas in einem Zug aus und verzog den Mund ob des herben Nachgeschmack des dunklen Weins. Vilburn überlegte, ob es jetzt statthaft sei, das Etablissement zu verlassen und in seine Stube in der Herberge zurück zukehren. Seine Kameraden amüsierten sich prächtig und schienen ihn nicht zu vermissen.
Seine Gedanken wurden durch eine Hand unterbrochen, die sich sanft auf seine Schulter legte.
„Na, euer Gnaden? Ist euch nicht nach Feiern zumute?“ gurrte eine dunkle, weiche Stimme.
Die Dirne trat in Vilburns Blickfeld und posierte kokett. Dabei ruhte ihre Hand weiter auf Vilburns Schulter. Vilburn musterte sie überrascht, da er aus seinen Gedanken gerissen wurde. Sie schien etwa um die vierzig Götterläufe zu sein und hatte eine rundliche Figur mit einem festen, nicht zu großen Busen.
Sie trug ein buntes Kleid im Zahoristil, dass ihre Hüften und ihren Busen hervorhob. Ihre dunkel umrahmten Augen funkelten verheißungsvoll im Licht des Schankraums.
„Nun ja ...Nein. Nicht direkt.“ stammelte Vilburn. „Ich wollte gerade aufbrechen.“
Überrascht zog die Dirne ihren nachgezogenen Augenbrauen nach oben. „Was? Jetzt schon? Ist dies nicht nach eurem Geschmack?“ Ihre Armbewegung galt in dem ganzen Schankraum.
Vilburn lies  seinen Blick über den Schankraum kreisen und schüttelte zögerlich den Kopf. „Nein, ganz gewiss nicht.“ sagte er halblaut, um dann diplomatisch hinzufügen, „Es ist..die Feier ist recht ansprechend, aber nicht ganz mein Geschmack.“
„Was genau ist denn nach eurem Geschmack, euer Gnaden?“ fragte die Dirne kokett.
„Nun...ähem....ich weiß nicht.“ Vilburn unterbrach sich. Der dunkle Wein hatte seine Zunge schwer gemacht und er benahm sich wie ein grüner Eleven.
„Nun?“ fragte die ältere Frau gedehnt mit einem vielversprechenden Lächeln.
„Also, nunja......“ Vilburn fühlte sich genau so unbehaglich wie bei einer der Klausuren an der Akademie und genauso leer war auch sein Kopf.
Die Dirne lachte kurz auf, zog sich einen Stuhl heran und nahm neben Vilburn Platz. Sie nahm eine Karaffe Wein und füllte Vilburns Glas auf.
„Das Bellona hat ein vielseitiges Angebot. Wir finden bestimmt auch für euch etwas. Steht euch der Sinn nach einem der Mädchen? Vieleicht in einer privateren Umgebung?“ Um ihm Zeit zum Antworten zu geben nahm sie kokett Vilburns Glas und nahm einen Schluck daraus. Dabei warf sie Vilburn einen feurigen Blick aus ihren dunklen funkelnden Augen zu. Vilburn atmete ein und rang mit einer angemessenen Antwort.

Wieder wurde es in seinen Lenden warm.
„Oder steht auch der Sinn nach männlicher Gesellschaft?“ fragte die Dirne provozierend.
Röte schoss Vilburn augenblicklich in die Wangen.
„Nein! Ganz gewiss nicht.“ erwiderte er. „Ganz gewiss nicht.“ fügte er noch einmal mit einer entschiedenen Geste hinzu.
Die Frau lachte leise und legte ihm eine Hand auf den Arm.
„Bitte verzeiht meine Forschheit. Herren eures Standes sind hier recht selten zu Besuch. Und man hört verschiedene Gerüchte. Stimmt es, dass ihre enthaltsam leben müsst, um eure Kunst zu wirken?“ In dem Gesicht der Frau war aufrichtiges Interesse zu lesen.
„Nun, es gibt Studien, wie sich die Enthaltsamkeit oder ..ächem ..virginitas auf die Regeneration der Astralkraft auswirkt. Allerdings sind diese Studien recht umstritten.”
Vilbrun entspannte sich etwas, weil er sich auf bekannten Teritorium wähnte.
“Und sicherlich ist es sehr schwer, junge Zauberer zu finden, die sich diesbezüglich testen zu lassen. Die Frau schmunzelte amüsiert. Vilburn lächelt ebenfalls und erwiderte ihren Blick.

Eine Zeitlang plauderten beide ungezwungen miteinander.
“...und dann erwiederte Eisenkoll skeptisch. 'Dein Sack hängt unten raus.'
Gemeinsam brachen sie in schallendes Gelächter aus. Als sie sich wieder beruhigt hatten und die Dirne nachschenkte, stellte Vilburn überrascht fest, dass er sich tatsächlich amüsierte.
Einen Moment hingen beide ihren Gedanken nach.
“Meine Güte, Gnädigste.” sagte Vilburn erschrocken. “Da plaudern wir gerade so nett und ich habe doch vollkommen meine Manieren vergessen. Ich bin Vilburn aus Punin, Magister der Akademie der hohen Magie zu Punin.” Galant neigte er den Kopf. Die ältere Frau erwiederte das Kopfnicken. “Oleana ist mein Name.”sagte sie und fügte kurz darauf hinzu: “Oleana aus Gareth, Meisterin der hohen Künste der Rahjafreuden.” Wieder lächelte sie verführerisch. Vilburn lachte amüsiert.
“Nun ja, Ja, ihr habt recht. Das kann man durchaus vergleichen.” erwiederte er.
“Nicht wahr?” Oleana lächelte ebenfalls.
“Aber, Herr Magister.” bekann sie im gespielt ernsten Tonfall und drohte ihm mit dem Zeigefinger. “Ich komme nicht umhin, zu bemerken, dass ihr meine Frage noch nicht beantwortet habt.”
“Bitte verzeiht, welche Frage meint ihr?” fragte Viburn.
“Die Frage nach euren Geschmack, mein Herr.”
Vilburn hilt inne und wägte alle Möglichkeiten ab.
“Oleana, meine Teure. Ich habe diesen Abend und besonders unser Gespräch durchaus genossen. Aber ich werde mich jetzt zurück ziehen.” Vilburn strich seine Robe glatt und macht Anstalten sich von seinem Stuhl zu erheben.
Oleana legte ihm eine Hand auf den Arm und hielt ihn somit mit sanfter Gewalt zurück.
“Euer Gnaden. Bitte bleibt. Ich bin zwar keine Magierin. Aber auch ich beherrsche ein wenig Magie. Und ich spüre, dass ihr mich wollt.” Sie machte eine bedeutungsschwere Pause und sah ihm tief in die Augen.
“Und wenn es euch ums die Bezahlung geht, seid unbesorgt. Euer Freund hat für alles bezahlt.”
Sanft streichelte ihre Hand seinen Arm.
Vilburn sah ihr in die Augen und stellte fest, dass der Wein, Oleanas Geruch und Rahjas Feuer in seinen Lenden alle logischen Argumente hinwegfegten.
Kaum merklich nickte er.
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