Bis(s) zum Ende meines Daseins

GeschichteDrama, Tragödie / P16
Carlisle Cullen Emmett McCarty Cullen Esme Cullen Jasper Whitlock Hale Mary Alice "Alice" Brandon Cullen Rosalie Hale
06.06.2019
24.09.2019
70
202211
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„Mila, kommst du mal bitte?“, sage ich, woraufhin sie aufsteht und mir folgt. In meinem Arbeitszimmer deute ich ihr an, sich zu setzen, woraufhin sie mich angespannt beobachtet. „Ist etwas passiert? Habe ich etwas falsch gemacht?“, fragt sie etwas ängstlich, woraufhin ich den Kopf schüttele. Innerlich fühle ich mich nicht wohl, mir tut es leid, dass sie sofort denkt, was falsch gemacht zu haben. „Ich wollte nur kurz mit dir sprechen, wegen unserer Gäste“, erkläre ich ihr, woraufhin sie sich sichtlich entspannt. „Du weißt, dass sie nicht so sind wie wir, oder?“, frage ich. Sie nickt langsam und schaut mit weiterhin aufmerksam an. „Deshalb ist es umso wichtiger, dass du unbedingt immer in der Nähe von einem von uns bleibst und vor allem darauf hörst, was wir sagen“, sage ich und schaue sie nun etwas strenger an. Strenger, als ich gewollt hatte, aber mir war es unendlich wichtig, dass sie dieses Wochenende unbeschadet übersteht, ohne dabei großartig eingeschränkt zu werden. „In Ordnung“, antwortet sie, „wenn es sonst nichts weiter ist.“ „Danke“, murmele ich und lächele ihr zu, bin ich froh, dass es keine weiteren Diskussionen mehr gibt, sondern sie es einfach so akzeptiert.

„Wann kommen denn die ersten Gäste?“, fragt sie neugierig. „Nach Alices Aussage in weniger als 5 Minuten“, antworte ich, woraufhin sie etwas erschrocken die Augen weitet. „Du brauchst keine Angst zu haben, Kleines“, murmele ich, „wir alle passen auf dich auf.“ Eigentlich wollte ich sie noch darauf ansprechen, wie sie sich fühlt, aber ich habe das Gefühl, dass sie diese Fragerei nur nervt, weswegen ich hoffe, dass sie von sich aus auf mich zukommt. Trotz alldem geht es mir nicht aus dem Kopf, dass sie an irgendwas erkrankt sein muss, denn auch Esme hatte mir davon erzählt, dass Mila sich in letzter Zeit seltsam verhalten hatte.

„Es ist so weit“, höre ich Alice sagen. „Komm, Mi. Die ersten Gäste treffen ein“, sage ich und erhebe mich. Sie folgt mir, hält sich aber dicht hinter meinem Rücken. Ich war froh, dass heute nicht allzu viele Vampire hier auftauchen würden und es noch dazu bereits relativ spät war, sodass Mila das Meiste nicht mitbekommen würde, hoffte ich zumindest. Morgen würde ein langer Tag werden, weswegen es umso wichtiger war, dass sie rechtzeitig schlafen ging.
Unten angekommen stellt sich meine Familie in einem Halbkreis auf, Mila steht in unserer Mitte, wird aber durch Emmett ein wenig abgeschirmt. Keine Sekunde später stehen die Amazonen vor unserer Tür, weswegen ich auf diese zugehe und sie öffne.

„Carlisle, so lange ist es her“, sagt Zafrina und schließt mich in die Arme. Auch die anderen Beiden lächeln freundlich. „Zafrina“, schreit Renesmee erfreut und auf einmal liegen sich die beiden Frauen in den Armen. Zwischen den Beiden hatte sich, nachdem sie uns als Zeugen dienten, eine ganz besondere Freundschaft gebildet, sodass meine Enkelin umso erfreuter war, dass die Amazonen sich so weit von ihrem Zuhause entfernt hatten, um ihrer Hochzeit beizuwohnen.

Nach und nach begrüßen sich auch die Anderen gegenseitig, bis Sennas Blick auf Mila hängen bleibt. „Und wer bist du?“, fragt sie. Mila schaut ängstlich in ihre Richtung, was mich nicht wundert, immerhin waren die Amazonen schon immer eine wilde Erscheinung. „Mila“, wispert sie. „Sie ist ein Mensch“, stellt Zafrina wie für sich selber fest, woraufhin ich nicke. „Ja, und sie steht unter unserem Schutz, weswegen ich euch bitten würde, ihr nichts zu tun“, sage ich mit fester Stimme, woraufhin sich Emmett auch nochmal ein Stück vor Mila schiebt. „Ihr habt eine Verbindung zu den Menschen, die ich nie verstehen werde“, murmelt Kachiri und schüttelt mit dem Kopf, „aber da sie anscheinend zu euch gehört und wir hier zu Gast sind, werden wir ihr natürlich nichts tun.“ Dankbar blicke ich in ihre Richtung und mit einem Mal entspannt sich die Situation ein wenig und die Versammlung löst sich auf.

Mila folgt Emmett und Rosalie ins Wohnzimmer, während sich Renesmee mit den drei Amazonen an den Esstisch setzt, anscheinend hatten sie viel zu besprechen. „Wann kommen die Nächsten?“, frage ich an Alice gewandt und sofort verschwindet ihr Blick in die Ferne. „In 10 Minuten werden die Iren hier sein, anschließend kommen nur noch die Denali heute, der Rest wird erst morgen hier sein“, murmelt Alice und im nächsten Moment kehrt sie zurück in die Realität. „Danke, Alice“, sage ich und sie nickt mit einem strahlenden Lächeln. „Hach, ich freue mich so auf morgen, es wird alles perfekt werden“, sagt sie. „Das will ich auch hoffen“, erwidert Edward, „nachdem du uns wochenlang so verrückt gemacht hast.“ „Ach komm Eddie, was glaubst du, wie verrückt ich Bella machte vor eurer Hochzeit“, murmelt Alice und Bella nickt eifrig.

„Weiß Renesmee eigentlich schon, dass Charlie nicht kommen wird?“, flüstert mir Edward ins Ohr, woraufhin ich kaum merklich nicke. „Und?“, hakt er nach. „Sie war traurig, aber sie hat auch gesagt, dass es das Beste sei, wenn er nicht hier wäre, alleine, weil so viele Vampire hier sind“, erkläre ich knapp. „Gut“, antwortet er schlicht und lehnt sich wieder weg.
Aufmerksam beobachte ich meine Familie, alles scheint sehr entspannt zu sein. Mila sitzt zwischen Emmett und Rosalie auf dem Sofa, Renesmee unterhält sich angeregt mit unseren ersten Gästen. Alice und Jasper reden leise mit Bella und Edward, Esme scheint in der Küche zu sein, denn sie bestand darauf, dass Essen für unsere menschlicheren Gäste selber zu kochen. Unschlüssig, wo ich hin soll, bleibe ich auf der Stelle stehen, immerhin würden in den nächsten paar Minuten sowieso die nächsten Vampire eintreffen, weswegen sich einige Sekunden später erneut die Formation bildet, wie sie eben schonmal bestand.

„Es freut mich, euch wieder zu sehen, Siobhan“, sage ich und lächele in ihre Richtung, als sie schließlich vor der Tür stehen. „Na klar, bei solch einem besonderen Tag und dann auch noch von solch einem besonderen Mädchen müssen wir natürlich anwesend sein“, erklärt sie und betritt schließlich unser Haus, als ihr Blick auf Mila fällt. „Ach Carlisle, lernt ihr es nie?“, fragt sie und verdreht die Augen. „Anscheinend nicht“, antworte ich. „Ihr habt ein riesen Glück, wisst ihr das? Die Volturi hätten euch schon hunderte Male vernichten können“, murmelt Siobhan, woraufhin sich Mila sofort anspannt. Irritiert blickt die schmächtige Vampirin nun zu dem menschlichen Mädchen. „Sprich nicht über die Volturi, bitte. Ich erkläre es dir nachher“, flüstere ich in Vampirlautstärke an meine alte Freundin gewandt.

„Tut mir leid, wer bist du denn?“, fragt sie nun freundlich an Mila gewandt. Die Vorstellungsrunde von vorhin wiederholt sich, weswegen sich auch diese Situation recht entspannt wieder auflöst. Einige Minuten später fängt Mila an, zu gähnen. „Schatz, komm, geh ins Bett“, murmelt Esme, die plötzlich neben ihr steht. Ohne zu murren steht sie auf und verschwindet nach oben, anscheinend war sie ziemlich dankbar, endlich erlöst zu werden, denn die ganze Zeit wirkte sie angespannt und nervös auf mich. Langsam folge ich ihr nach oben, hoffe ich, dass ich sie ein wenig beruhigen, ihr die Anspannung nehmen kann. Ich höre, wie sie im Badezimmer ihr Unwesen treibt, weswegen ich beschließe, dass es am Besten sei, vor der Türe auf sie zu warten.


POV – Esme
Ich verfolge meinen Mann mit meinen Blicken, wie er Mila nachläuft. Anscheinend wollte er versuchen, sie ein wenig zu beruhigen, war sie doch, besonders seit Siobhans Kommentar bezüglich der Volturi, ziemlich angespannt gewesen. „Sag Esme, wie kommt ihr zu einem neuen Menschen in eurer Mitte?“, fragt mich Siobhan und ich blicke in ihre Richtung und versuche, die Geschichte grob zusammenzufassen, ohne dabei allzu sehr von Milas Geschichte zu erwähnen, da ich nicht wissen konnte, inwieweit sie wollte, dass jemand davon wusste. „Carlisle scheint sehr an ihr zu hängen“, murmelt Liam, woraufhin seine Gefährtin nickt. „Ja, er liebt sie sehr, oder?“, fragt sie. „Ja, wir alle lieben sie sehr, sie hat unser Leben wahrlich auf den Kopf gestellt und uns alle von Klein auf um ihren Finger gewickelt. Ganz besonders Emmett hat es ihr angetan“, erkläre ich, woraufhin Emmett die Augen verdreht.
„Es ist schon interessant, euch zu beobachten. Seit unserer letzten Begegnung hat sich eure Dynamik verändert. Es wirkt, als würdet ihr allesamt von dem Mädchen angezogen werden, als würdet ihr jede Sekunde vor sie springen“, philosophiert Siobhan. „Würden wir auch“, erwidere ich, „zu viel hat sie durchmachen müssen. Sie hat etwa 5 Jahre bei den Volturi in Gefangenschaft gelebt und wir wollen um jeden Preis verhindern, dass ihr derartiges nochmal wiederfährt.“

Geschockt schauen sich die beiden Zirkel an, keiner weiß so recht, was er sagen soll. „Weshalb?“, fragt Maggie schließlich, die als Erste das Wort ergreift. „Zum einen wegen der Sache mit Renesmee damals, zum anderen hat sie eine Gabe, die Aro unbedingt haben will“, murmele ich leise. „Eine ziemlich mächtige Gabe noch dazu, sie wird immer stärker“, erwidert Eleazar, der plötzlich im Raum steht. Überrascht betrachte ich ihn, hatte ich nicht mit seiner plötzlichen Anwesenheit gerechnet. „Erschreck mich nicht so“, mahne ich und klopfe ihm auf die Schulter. „Natürlich nicht, meine Liebe“, antwortet er und drückt mir einen Kuss auf die Wange. Kurz darauf steht auch der Rest unserer Verwandten im Raum und es beginnt eine erneute freudige Begrüßungsrunde.

Einige Minuten später kehrt auch mein Mann zurück und begrüßt die Neuankömmlinge, während Rosalie und Emmett nach oben verschwinden und, wie man hört, sich vor Milas Zimmer niederlassen. Anscheinend wollten sie auf Nummer sicher gehen, wofür ich ihnen sehr dankbar bin, denn auch, wenn die beiden anderen Clans unsere Freunde waren, so waren sie noch immer Vampire, die sich von Menschenblut ernähren. „Mach dir keine Sorgen, Esme“, murmelt Edward neben mir, „ich sehe in ihren Gedanken, sollte sich ihre Meinung ändern.“ Dankbar nicke ich ihm zu, dann gehe ich zu meinem Mann, der mir sofort einen Arm um die Schulter legt.

„Renesmee, du solltest jetzt zu Bett gehen“, ruft Alice und springt wieder aufgeregt auf und ab, „nicht, dass du morgen Augenringe hast.“ Meine Enkelin verdreht die Augen, erhebt sich aber. „Gute Nacht“, murmelt sie leise, gibt ihren Eltern einen Kuss auf die Wange und verschwindet nach oben. „Sie ist ziemlich aufgeregt“, sagt Jasper und die Anwesenden grinsen. „Jasper, ich kann dich hören“, ruft Renesmee von oben, woraufhin ein allgemeines Gelächter ausbricht.

Der restliche Abend verläuft sehr entspannt, es werden viele interessante Gespräche geführt und um so näher der nächste Morgen rückt, umso aufgeregter wird vor allem Alice, die hofft, dass alles so läuft, wie sie geplant hatte.


POV – Renesmee
Ich öffne die Augen und blicke auf den Wecker neben meinem Bett. Es ist gerade erst 6 Uhr morgens, doch ich würde kein Auge mehr zubekommen, dessen war ich mir sicher. In etwa einer Stunde würde Alice anfangen wollen, unten höre ich die leisen Gespräche zwischen den Vampiren. „Milas Gabe ist sehr stark“, sagt Eleazar, „ich bin mir sicher, dass sie eine großartige Vampirin wird.“ „Wann ist es denn soweit?“, fragt Tanja nun neugierig. „Wissen wir nicht“, antwortet Carlisle, weiter aber höre ich nicht zu, da es leise an meiner Tür klopft und meine Mom auf einmal im Raum steht.

„Du bist sehr aufgeregt, oder?“, fragt sie, woraufhin ich nicke. „Wie hast du das damals geschafft?“, frage ich sie und hoffe darauf, einen Geheimtipp zu erfahren. „Keine Ahnung, als ich den Gang entlang lief und deinen Vater sah, habe ich nichts mehr um mich herum wahrgenommen. Ich habe nur noch sein Gesicht gesehen, sogar vergessen, dass ich hohe Schuhe trug“, murmelt sie und legt sich neben mich in mein Bett. Ich kuschele mich in ihren Arm und kurz fühle ich mich wieder, als wäre ich ein Kind. Häufig war ich damals so eingeschlafen und auch heute kuschele ich mich manchmal noch an sie, da es mich unglaublich beruhigt, sie so nah bei mir zu haben.

Ja, heute war es so weit, heute würde ich meine große Liebe Jacob heiraten. Lange habe ich auf diesen Tag gewartet und heute war es so weit. Wir würden uns das Ja-Wort geben, das Ja zueinander, das Ja zur Ewigkeit, in guten, wie in schlechten Zeiten und danach würde es für uns in die Flitterwochen gehen.

Als Jake mir den Antrag machte, konnte ich es kaum glauben, habe ich nicht damit gerechnet, doch umso glücklicher war ich, als ich offiziell seine Verlobte war. Wir waren gemeinsam auf der Jagd, als er mich auf einen Berg hochjagte. Die Sonne ging gerade unter, da stand er plötzlich als Mensch vor mir und ging vor mir auf die Knie. Es war der für mich romantischste Moment meines Lebens, nicht einmal die schlechte Laune meines Vaters anschließend konnte mir den Tag zerstören, nichts.

Umso mehr freue ich mich am heutigen Tag, Ja zu Jake zu sagen, zu einer Zukunft, einer Ewigkeit mit ihm. Von Geburt an, war er immer um mich herum, er hat mit mir gelacht, mit mir geweint und er bedeutete mir mehr als mein Leben. Er war mein Freund, mein Seelenverwandter, mein Beschützer und ich liebe ihn mehr als alles andere auf der Welt.
So in Gedanken versunken merke ich kaum, wie schnell die Zeit vergeht, denn auf einmal steht Alice vor mir und möchte mit der Vorbereitung beginnen. Auch Rosalie hatte sich dazu gesellt, sie würde ihr helfen wollen. Zunächst schicken mich die Beiden ins Bad, wo sie bereits ein Bad mit zahlreichen Ölen eingelassen hatten.

Langsam lasse ich mich ins Wasser gleiten, spüre, wie die Aufregung durch die Wärme ein wenig verebbt. Sorgfältig wasche ich meine Haare und meinen Körper, dann verlasse ich das warme Wasser und beginne damit, meine Zähne zu putzen. Währenddessen betritt Rosalie das Bad um das Badewasser zu wechseln. Anscheinend musste nun Mila ran, denn sie betritt gerade verschlafen den Raum.

Unten höre ich, wie weitere Gäste eintreffen, ich vermute, dass es sich um Benjamin und Tia handeln musste, jedoch bin ich mir nicht ganz sicher. „Nicht trödeln, Nessie“, flüstert mir Alice ins Ohr und schnell spüle ich den Mund aus, ehe sie mich hinter sich herzieht.
Ihr Zimmer hatte sich in einen übergroßen Schminktisch versammelt, an der Wand sehe ich verschiedene Kleidersäcke hängen, wobei der größte Sack mein Brautkleid enthält. Als ich Alice im Spiegel sehe, bemerke ich, dass sie bereits fertig war und nur noch ihr Kleid anziehen musste. „Wow Alice, du siehst toll aus“, flüstere ich anerkennend. „Und du siehst gleich noch viel besser aus, Süße. Du bist heute die Einzige, auf die es ankommt“, murmelt sie mir und gibt mir einen Kuss auf den Kopf, dann beginnt sie, meine Haare sorgfältig zu trocknen. Ich schließe meine Augen, hoffe, dass ich nebenbei ein bisschen dösen konnte, genieße das Gefühl von Alices Händen in meinem Haar. Nach und nach steckt sie mehrere Strähnen fest, als sie schließlich um mich herum geht und zufrieden nickt. Die Frisur war anscheinend geschafft.

Nun betritt eine immer noch verschlafen aussehende Mila den Raum. „Deine Frisur ist wunderschön“, flüstert sie anerkennend, woraufhin Alice zu strahlen beginnt. „Danke“, antworte ich leise und beginne, zu lächeln.

„Das Rudel und Billy sind gerade gekommen“, murmelt Alice und Rosalie nickt gequält, sagt aber nichts. Sie hatte mir versprochen, sich heute mit bissigen Kommentaren mir zur Liebe zurückzuhalten. „Wie viel Zeit haben wir noch?“, fragt die blonde Vampirin nun, während Alice gerade dabei ist, mich zu schminken. „Etwa eine Stunde, es ist bereits 11 Uhr“, antwortet sie und erschrocken reiße ich die Augen auf. Wir sitzen schon 4 Stunden hier? Es kam mir vor wie 5 Minuten und auf einmal wurde ich wieder unglaublich nervös. „Nessie, beruhig dich“, murmelt meine Tante mir zu. Ich versuche es, atme tief ein und aus, als ich plötzlich eine tiefe Welle der Ruhe verspüre. Ich brauche mich nicht umzudrehen um zu wissen, dass Jasper direkt hinter mir stehen musste. „Danke, Jazz“, flüstere ich. „Ich könnte es mir nicht verzeihen, wenn Alice dich umbringt, weil du ihr Meisterwerk wegschwitzt“, antwortet er und beginnt zu lachen, woraufhin Alice die Augen verdreht.

„So“, sagt Alice gedehnt, „ich denke, es wird Zeit, für den wichtigsten Teil.“ Wieder nervöser schaue ich sie an, atme mehrmals tief durch. Ich schaue nach rechts und sehe, wie auch Mila inzwischen fertig war. „Dann werde ich wohl mal gehen“, murmelt Jasper und verschwindet aus dem Raum, und mit ihm verschwindet auch das letzte bisschen Ruhe, welches mir über geblieben war.

Begeistert reibt Alice die Hände, dann holt sie das Kleid aus der Hülle heraus. Rosalie geht ihr dabei zur Hand, ehe sie mich zu sich herwinken. Vorsichtig steige ich in die Mitte des Kleides und sie ziehen es hoch, verschließen es hinten. „Dreh dich“, flüstert Alice und ich tue es, wie sie es mir befohlen hat. „Wow“, sagt Mila und ihre Augen werden groß. „Willst du dich sehen?“, fragt Rosalie, woraufhin ich nicke. „Gleich, erst noch musst du die Schuhe anziehen“, ruft Alice, woraufhin ich nochmal nervöser werde. Natürlich, die Schuhe, die, wie Alice sagt, so leicht zu tragen sind. Wieder muss ich tief durchatmen und erschrecke, als Alice unter meinen Rock schlüpft, mir in die Schuhe hilft und etwas an meinem Oberschenkel hochzieht. „So, jetzt bist du perfekt, Nessie“, sagt sie mit verträumten Augen und Rosalie führt mich zu dem großen Spiegel am Ende von Alices Zimmer.

Im Spiegel sehe ich eine hochgewachsene Schönheit. Ihre natürlichen Locken wurden nach oben gesteckt, zwei einzelne Strähnen umranden ihr zart geschminktes Gesicht. An ihre schlanke Gestalt schmiegt sich ein schlichtes, und doch wunderschönes Brautkleid. Es hat zwei mit Spitze besetzte Träger, auch die Corsage ist mit Spitze besetzt. Nach unten hin läuft das Kleid breit aus, besteht aus mehreren Schichten Tüll. Abgerundet wird das Ganze mit einem langen Schleier, der die Figur der Schönheit wie eine zweite Haut umgibt.

Ich merke, wie sich die ersten Tränen anbahnen. „Nicht weinen, Nessie, sonst verläuft alles“, ruft Alice und sofort versuche ich, mich zusammenzureißen. „Es tut mir leid, es ist nur so wunderschön“, murmele ich. Als es an der Tür klopft, werde ich noch nervöser, bin froh, als es nur meine Mutter ist, die den Raum betritt.

„Wow“, flüstert sie. „Mom, du siehst toll aus“, sage ich und blicke staunend auf ihr dunkles Etuikleid. „Nein, du siehst toll aus“, flüstert sie und drückt mich leicht an sich. Ich blicke ihr tief in ihre goldenen Augen, während die anderen sich umziehen. Als ich mich zu ihnen drehe, muss ich erneut staunen. Sie alle drei hatten die gleichen dunkelgrünen Kleider an. Dunkelgrün, da es mich an den Wald, die Freiheit, die vielen schönen Stunden, die ich mit Jake im Wald verbracht habe, erinnert. Die Kleider enden etwa eine Handbreite über dem Knie und umschmeicheln auch ihre zarte Figur.

„Ich denke, wir sollten runtergehen“, sagt Alice leise zu den anderen Beiden. Diese nicken. Als ich ihnen folgen will, blickt mich die quirlige Vampirin überrascht an. „Du nicht, du weißt, was dein Einsatz ist“, erklärt sie und ich nicke. Stimmt, ich hatte einen Einsatz. Also blicke ich den Dreien nach, wobei mir Milas unsicherer Gang auffällt, ob es aber an den Schuhen liegt oder etwas anderem, kann ich nicht genau sagen, jedoch hangelt sie sich mehr an allem lang als dass sie sicher läuft.

„Du schaffst das, Schatz“, murmelt Mom. Langsam nicke ich, inzwischen hatte meine Nervosität fast ihren Höhepunkt erlangt. „Ich liebe dich, mehr als alles andere auf der Welt“, flüstert sie mir ins Ohr, gibt mir einen Kuss auf die Wange und verschwindet, nur, damit kurz darauf mein Vater im Zimmer erscheint.

„Bist du bereit?“, fragt er und hält mir seinen Arm hin. Vorsichtig ergreife ich ihn, nicke nervös, dann beginnt, die Musik zu spielen, das Lied, welches mein Vater für mich schrieb, als ich noch klein war, meine Lullaby. Es würde noch einige Takte dauern, bis es losgeht. „Du siehst toll aus, Schatz“, sagt nun auch er, „du brauchst keine Angst haben, ich bin da und ich bin stolz auf dich. Du hast die richtige Entscheidung getroffen.“ Mit diesen Worten folgt der Einsatz und mit einem Mal muss ich strahlen, so sehr freue ich mich darüber, dass mein Vater mir nicht böse war, für das, was gleich folgen würde.

Langsam schreite ich an seinem Arm die Treppe hinunter, durch die Tür hinaus auf ein riesiges Zelt zu. Zwischen den massiven Schneebergen befindet sich eine Art Teppich, der mir den Weg erleichtern soll. Die Musik wird lauter, nach und nach sehe ich die Gäste, wie sie sich alle erhoben haben. Meine Nervosität erreicht ihren absoluten Höhepunkt und meine einzige Sorge ist es, dass ich stolpere. Doch dann ist es, wie meine Mom es mir heute Morgen gesagt hatte.

Als ich Jake in seinem Anzug sehe, wie er vorne steht, mich anstrahlt, ist alles vergessen. Ich sehe nur noch ihn, würde am liebsten auf ihn zu rennen, ihn küssen und ihm all meine Liebe zeigen, die ich in diesem Moment empfinde, die mich umgibt und mein Herz noch höher schlagen lässt als so schon.
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