Autumn Leaves

von Valkyr
GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Böse Königin / Regina Mills Emma Swan Henry Mills jr.
06.06.2019
12.06.2019
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Hallo!

Ich bedanke mich sehr für eure Reviews! Es freut mich wirklich, dass ich euer Interesse wecken konnte und hoffe, dass ihr genauso viel Spaß beim Lesen der Fanfiktion haben werdet, wie ich beim Schreiben und überlegen ;)
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und bis zum nächsten Mal!

Liebe Grüße
Eure Valkyr

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2. Kapitel - Fragen ohne Antwort


Umso länger Emma sich in dieser kuriosen Parallelwelt von Storybrooke aufhielt, desto mehr schien sich zu verändern. Ohne, dass sie auch nur den Hauch einer Brise verspürt hatte, waren die Wolken verschwunden und der Tag wandelte sich zur Nacht. Ein klarer Sternenhimmel offenbarte sich ihr, während sie auf einer Mauer lag, ein Bein angewinkelt, die Hände auf dem Bauch liegend und zum schimmernden Firmament hinauf sah. Nie zuvor hatte sie bemerkt, wie gut man hier die verschiedensten Sternbilder sehen konnte und wie hell sie funkelten, so klar und deutlich, als wären sie greifbar.

Seit sie das Granny's verlassen hatte, hatte sie fast jeden Winkel der Stadt abgesucht, in der Hoffnung, jemanden zu finden. Stattdessen war es so ruhig, dass die Stille selbst in ihren Ohren dröhnte. Keine fahrenden Autos, keine Schritte oder Stimmen. Nichts. Einfach nichts.
Alles, was sie in all der Ruhe vernehmen konnte, war das Rauschen des Meeres. Demnach schlussfolgerte sie, dass Wetterereignisse hier doch existierten, doch sie konnte es nicht spüren. Kein Wind, kein Regen, keine Kälte und keine Wärme. Es war, als wäre sie in einer Seifenblase gefangen, die sie von all dem fernhielt.

Noch immer fragte sie sich, was mit ihr passiert und wo Mary Margaret war. Erging es ihr genauso, wie ihr? War sie vielleicht in einer anderen Zeit der Parallelwelt oder hatte sie es in die Gegenwart, in die Realität geschafft? Vor allem aber drängt sich eine Frage unentwegt in den Vordergrund: War sie am Leben?
Tief atmete Emma die geruchslose Luft ein, bis ihr Lungen soweit gefüllt waren, dass ihr Brustkorb stark anschwoll, ehe sie den neu gewonnenen Sauerstoff in einem Seufzer wieder ausstieß.

Die Sterne spiegelten sich in ihren grünen Augen, ließen sie funkeln und leuchten, da senkte sie die Lider. Zwar verspürte sie keine Müdigkeit, nicht einmal Hunger oder Durst – rein gar nichts, doch wollte sie nicht in einem dauerhaft wachen Zustand bleiben. Jede Minute, jede Stunde zog sich so unglaublich in die Länge und sie wollte nun wirklich nicht jede einzelne Sekunde des Tages erleben. Was sollte sie hier auch schon tun? Niemand war hier, nichts bot sich, was sie machen konnte. Und vielleicht, mit ganz viel Glück, würde sie ja aufwachen und alles wäre wieder normal. Schließlich konnte das hier nichts anderes, als ein schlechter Traum sein!

Wieder atmete sie tief ein. Was die anderen wohl gerade taten? Was machte Henry? Wie ging es ihm? War David wieder wach? Ob es Regina gut ging?
Blinzelnd öffnete Emma die Augen wieder, als sie realisierte, dass sie in den ganzen Tagen, die sie in der Märchenwelt gewesen war, nicht ein einziges Mal daran gedacht hatte, wie es Regina ging. Immerhin war sie es doch gewesen, die das Portal geöffnet hatte, durch das Emma in den Zauberwald gelangt war.

Auf einmal schlich sich eine gewisse Sorge in Emma. Die Einwohner von Storybrooke waren alles andere als nachsichtig mit der ehemaligen Bösen Königin und sie hätten auch allen Grund dazu, sie in Stücke zu reißen. Allerdings glaubte Emma, Regina nun besser verstehen zu können, vor allem, nachdem sie Cora kennengelernt hatte.
Hoffentlich hatte diese es nicht doch noch nach Storybrooke geschafft. Doch vielleicht war die Mutter Reginas ja wirklich ein Anhaltspunkt für ihren Zustand. Ja, vielleicht hatte Cora doch noch einen Zauber auf sie wirken können, weswegen sie ihr zu Hause nicht erreichen konnte, ein Zauber, der sie hier gefangen hielt.

Aber was brachte es schon, darüber zu philosophieren, was die Gründe für die Situation waren? Sie musste sich wohl einfach damit arrangieren und nach einer Lösung suchen, hier herauszukommen. Denn wenn sie in diese Welt, Zeit oder was auch immer gelangen konnte, dann musste es auch einen Ausweg geben.

* * *

Es war noch nicht einmal acht Uhr, als Regina bereits auf dem Weg zum Rathaus war. Auch wenn sie sich übermüdet fühlte und Tag ein, Tag aus nur der selben Arbeit nachging, doch es war eine Ablenkung.
Mit langsamen Schritten und hängenden Schultern, überquerte sie die Straße, die Hände in den Manteltaschen und ihr Ausdruck gezeichnet von Erschöpfung und einer gewissen Traurigkeit. Ihre sonst so aufrechte Haltung ließ an diesem Morgen wahrlich zu wünschen übrig.

Eine Kälte durchzog ihren Leib, obwohl die Sonne, die am Horizont immer mehr aufstieg, ihr direkt ins Gesicht schien und es erwärmte. Regina fühlte sich wie betäubt und wieder war da diese Leere, die sie zu Anfang verspürt hatte, als sie den Dunklen Fluch beschworen hatte. Es war so, als fehlte irgendetwas und die Antwort, dass es Henry war, war dabei nur die halbe Wahrheit.

Den ganzen Tag über versuchte sie sich zu beschäftigen. Nicht ein mal verließ sie ihr Büro, nicht mal für ihren Kaffee, den sie sonst jeden Mittag zu sich genommen hatte. Sie ertrug einfach die vorwurfsvollen Blicke der anderen nicht, denn in den Augen jedes einzelnen Mitbürgers, war es so, als spiegelten sich Henrys Worte darin.
Ich hasse dich!

Nichts auf dieser Welt hätte ihr so wehtun können, wie diese drei Worte von ihrem Sohn zu hören. Die klaffende Wunde in ihrem Herzen schien einfach noch größer zu werden, umso mehr sie darüber nachdachte. Nicht nur einmal stiegen ihr Tränen in die Augen, während sie über einige Unterlagen gebeugt war und versuchte diese zu sortieren. Die Zahlen und Buchstaben verschwammen und sie spürte, wie die von Tränen behangenen Wimpern schwerer wurden, bis sie blinzelte und glänzende Tropfen den Weg über ihre Wange in den Abgrund fanden.

Für den Bruchteil einer Sekunde geschah nichts und sie hielt den Atem an. Doch dann, plötzlich, warf sie mit einem wütenden Aufschrei den Ordner vom Tisch, stützte die Ellenbogen auf diesem und vergrub das Gesicht in den Händen. Gedämpftes Schluchzen drang aus ihrer Kehle, die sich zuzuschnüren schien. Alles, was sie wollte, war Henry. Sie wollte doch nur glücklich sein. Wäre diese Emma Swan nie gewesen, dann...

Regina senkte ihre Hände langsam und sah auf, als wäre sie von einem plötzlichen Einfall gepackt worden. Schniefend wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht, stand auf und verließ das Büro.

* * *

Als Emma weit später wieder erwachte, sah sie kurzzeitig etwas desorientiert umher. Noch immer lag sie auf der Mauer, in genau der selben Haltung, in der sie auch eingeschlafen war. Flüchtig ging ihr durch den Kopf, dass ihr Rücken wohl unheimlich schmerzen müsste, doch als sie sich aufsetzte und bereits darauf gefasst machte, ein Ziehen in ihren Muskeln zu verspüren, trat nichts dergleichen ein. Sie fühlte sich so erholt, wie noch nie. Wobei selbst das falsch ausgedrückt war, denn eigentlich fühlte Emma rein gar nichts. Keine Zufriedenheit, doch auch keine Enttäuschung. Nur die Sorge um ihre Familie und Freunde, sowie den Drang danach, herauszufinden, wie sie hier her gekommen war und vor allem, wie sie dem ganzen wieder entkommen könnte.

Um sich nicht weiter in Rätseln und Gedanken zu verlieren, sprang Emma von der Mauer herunter und machte sich auf die Suche – wenn sie auch nicht wusste, wonach genau sie Ausschau halten sollte. Möglicherweise gab es ja irgendwo eine magische Barriere, die sie durchqueren musste.
Mit der aufgehenden Sonne im Rücken, ging sie die Straßen entlang, zielstrebig in Richtung des Apartments, in dem sie mit Mary Margaret und David lebte. Magie kannte viele Tücken, doch wenn sie eines wusste, dann, dass es oft eine Verbindung zu der Person und den typischen Aufenthaltsorten gab. Vielleicht fand sie in ihrem zu Hause eine Antwort auf ihre Fragen oder zumindest einen Hinweis, der zum Nächsten führte.

* * *

Die Glocke über der Tür läutete, als Regina den Antiquitätenladen betrat und ohne Umwege auf den Tresen zuging, hinter dem Mr. Gold stand und eine alte Taschenuhr polierte.
„Aufgebracht, Eure Majestät?“, fragte er, ohne auch nur einmal zu ihr aufzusehen.
Regina verengte die Augen, legte die Hände auf den Tresen und sah den Mann an, als hätte er sie gerade zutiefst beleidigt.

„Wie kann ich Miss Swan aufwecken?“, forderte sie zu wissen, woraufhin Mr. Gold ihr einen kurzen Seitenblick zuwarf, ehe er die Klappe aus Glas öffnete und das Ziffernblatt säuberte.
„Was auch immer Miss Swan mit sich gerissen hat, wird sich nicht mehr ändern lassen.“ Da wandte er sich ihr nun doch zu, lächelte süffisant. „War es nicht das, was Sie immer wollten? Nun ist die Retterin aus dem Weg und Sie haben Henry ganz für sich.“

Regina verzerrte ihren Kiefer etwas und knirschte mit den Zähnen.. „Das ist jetzt unwichtig. Also, Gold... Wir haben diesen Fluch gewirkt. Was ist mit ihr passiert, dass sie nicht aufwacht, während Mary Margaret unversehrt geblieben ist?“
Mr. Golds Lächeln blieb noch eine kurze Weile bestehen, während er der sichtlich aufgewühlten Frau in die Augen sah. Er holte Luft und sprach, derweil er sich wieder dem Säubern der Uhr widmete: „Der Fluch hätte Miss Swan und Miss Blanchard in die Dunkelheit gezogen, wo nichts existiert, bis auch sie sich aufgelöst hätten.“

„Das beantwortet meine Frage nicht“, gab Regina verbissen von sich, woraufhin Mr. Gold einen nahezu amüsierten Laut von sich gab. Nur flüchtig sah er von der Uhr zu ihr, dann fuhr er fort: „Da Sie den Fluch auf sich umgeleitet und somit unwirksam gemacht haben, konnten die beiden überleben. Miss Blanchard hatte wohl einfach Glück. Doch Miss Swan...“
Er sprach nicht weiter, woraufhin Regina sich vorbeugte. „Miss Swan... was?!

Geräuschvoll holte Mr. Gold Luft, bevor er zu ihr sah und ihren vernichtenden Blick kreuzte. „Sie wurde von dem Fluch getroffen, in abgeschwächter Form. Heißt, die Dunkelheit hat sie erfasst, konnte sie jedoch nicht gänzlich mit sich ziehen. Ihr Körper ist demnach hierher gelangt, doch welche Auswirkungen das auf sie hat, kann selbst ich nicht sagen.“
Regina sah ihn mit leicht offenstehendem Mund an und ihre Brauen bogen sich besorgt nach oben. „Heißt das, dass sie sterben wird?“

Mr. Gold machte eine Kopfbewegung zur Seite, um seine Unwissenheit zu verdeutlichen. „Vielleicht. Vielleicht auch nicht.“
Ein Seufzen entwich der Bürgermeisterin. „Also gibt es keine Möglichkeit, sie aufzuwecken?“
„Vermutlich nicht.“
„Vermutlich?“

Wieder schmunzelte er. „Magie funktioniert hier anders, Teuerste. Möglicherweise befindet Miss Swan sich bloß in einem Zustand ähnlich dem des Schlaffluchs. Sie könnte allerdings genauso gut auch längst im Prozess des Fluches sein und sich nach und nach von Innen heraus auflösen.“
Schwer schluckte Regina, atmete tief durch und ließ ihre Augen eine Sekunde lang zufallen, um sich in einer ruhigen Verfassung zu halten. Erst dann meinte sie: „Es muss irgendetwas geben, was ich tun kann. Jeden Fluch kann man brechen, Gold.“

Nun war er es, der sich nach vorn beugte, bis er Regina so nahe war, dass sie seinen Atem auf der Haut spüren konnte. In seinen Augen schimmerte eine Mischung aus Wissen und Wahnsinn, als er mit einem kühlen Grinsen flüsterte: „Dann finden Sie's heraus, Majestät.“
Das war nur wenig hilfreich. Ohne noch ein Wort zu sagen, doch mit einem bösen Blick, den sie ihn zuwarf, wandte sie sich um und verließ den Laden.

Scheppernd zog sie die Tür zu, richtete den Kragen ihres Mantels etwas und ging dann mit donnernden Absätzen die Straße herunter. Sie wusste, dass es etwas geben musste. Irgendeine Lösung musste es einfach geben, denn wenn sie es nicht schaffte, Emma aufzuwecken, dann würde sie Henry für immer verlieren. Und damit das nicht geschah, würde sie alles geben.

* * *

Starr sah Emma an die Zimmerdecke. Sie lag auf ihrem Bett, in Gedanken verloren: Wenn sie hier war, existierte sie dann überhaupt in der Realität? War ihr Körper noch oder überhaupt in Storybrooke? Möglicherweise. Möglicherweise aber auch nicht.

Sie war durch das ganze Apartment gegangen, hatte sich umgesehen, fast alles auf den Kopf gestellt, doch wie zu erwarten, fand sie rein gar nichts, das die Lösung ihres Problems darstellte.
Letztendlich hatte sie eine halbe Ewigkeit ein Bild von sich, Henry und ihren Eltern in der Hand gehalten, bis ihre Augen zu brennen begonnen hatten, als Tränen in diese gestiegen waren. Sie hatte sich abgewandt und war in ihr Zimmer hinauf gegangen.

Und nun lag sie dort. Sie wusste nicht, ob es bisher nur Minuten oder Stunden waren. Sie hatte kein Zeitgefühl mehr und keine der Uhren funktionierten. Sie waren allesamt stehen geblieben. Selbst die Turmuhr stand, wie zu ihrer damaligen Ankunft in Storybrooke, auf viertel nach acht. Als wäre sie niemals dort gewesen, als hätte sie die Zeit nie zum Laufen gebracht. Es war, als wäre sie nichts, als ein Geist in einer verlassenen Stadt.

Wieder fragte sie sich, welchen Ausweg es gab und ob es einen gab. Was sollte sie tun, bis sie eine Lösung fand? Tausende Ideen schwirrten ihr durch den Kopf. Wie oft hatte sie nicht als Kind darüber nachgedacht, wie toll es wäre, tun und lassen zu können, was sie wollte. Jetzt hatte sie die Gelegenheit, doch was brachte das, wenn sie ganz allein war? Sie konnte weder Freude noch Trauer mit irgendjemandem teilen. Sie konnte mit niemandem reden und allmählich hatte sie das Gefühl, dass ihre Stimmbänder erschlafften. Zu lange hatte sie schon kein Wort mehr gesagt.

Manchmal sang sie nur leise vor sich hin, um überhaupt ein Geräusch von sich zu geben, wobei ihr ihre eigene Stimme furchtbar laut erschien. Doch immerhin war auch dies eine gute Möglichkeit, die Stille zu vertreiben, wenn auch nur für einen flüchtigen Nu.
Emma blinzelte, drehte den Kopf zur Seite und sah auf ihren Nachtschrank, auf dem eine Tischlampe und ein Radiowecker standen. Die Zeit war auf Null gestellt, die roten Zahlen blinkten fast schon auffordernd. Wie sollte sie das nur aushalten?
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