Definitiv Vielleicht

von LeAnne
GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Die deutsche Nationalmannschaft FC Bayern München
06.06.2019
10.08.2019
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„Anni, kannst du für mich mit spülen? Ich muss los!“ Lisas Stimme riss Anni aus ihren Tagträumen und noch bevor sie überhaupt antworten konnte, knallte die Wohnungstür. Natürlich, liebe Lisa. Die dreckige Müslischale starrte sie vorwurfsvoll an.
„Ich hasse abspülen,“ grummelte Anni zu niemand bestimmten. Sie ließ heißes Wasser in das Spülbecken laufen und türmte das schmutzige Geschirr daneben auf.
„Warum macht ihr immer so einen Krach?“ Julia kam in die Küche geschlürft, ihre pinken Puschen ein krasser Kontrast zu ihrem schwarzen T-Shirt und den knallroten Shorts.
„Morgen.“ Anni stellte das Wasser ab und begann methodisch zu schrubben und die sauberen Teller auf ein Geschirrtuch zu schichten. „Hast du gestern noch was erreicht wegen der Spülmaschine?“
Sie hörte Julias Kopfschütteln am Geräusch ihrer zusammenklinkenden Ohrringe und dem Wischen ihrer Haare. Anni seufzte. „Okay, dann rufe ich eben nachher nochmal an. Herr Wagenhofer kann schließlich nicht von Erdboden verschwunden sein. Und er hat ja auch eine Pflicht uns Mietern gegenüber.“
Julia kramte ein Einmachglas mit ihrer Frühstückskleie aus dem Kühlschrank und begann zu essen.
„Was macht denn dein Buch?“ Wer hatte mal wieder vergessen den Topf nach dem Kochen einzuweichen? So ein Mist. Anni scheuerte weiter obwohl ihr die Arme weh taten.
„Ich bin fertig,“ mampfte Julia stolz. „Heute geht es zur Post. Deswegen muss ich auch demnächst los. Du hast ja nachher erst Anwesenheitspflicht auf der Arbeit.“
„Das heißt nicht dass sie mich nicht jederzeit trotzdem anrufen,“ seufzte Anni und tunkte den Topf kurz unter um die letzten Reste abzuwaschen.
„Egal, ich muss zur Post und die Manuskripte verschicken und dann ist der erste Coaching Termin am anderen Ende von München.. wenigstens zahlen sie gut.“
Gegen Julias Argumentation war wenig auszurichten, also fügte Anni sich.
„Und schreib ihm am besten vorher noch eine Email. Nur damit er es auch schriftlich hat“, empfahl ihre Mitbewohnerin und stellte ihr leeres Einmachglas demonstrativ neben das Spülbecken. „Ich bin duschen!“
Warum hielten ihre Mitbewohnerinnen sie eigentlich für den Haussklaven? Anni wollte sich nicht in besseres Licht rücken, aber unterm Strich arbeitete sie mehr als Julia und Lisa zusammen. Wenn man die ständige Telefonbereitschaft mitrechnete. Es machte Sinn in einer Agentur mit hochprofiligen Kunden so etwas wie eine Bereitschaft zu haben, aber da die Agentur aus fünf festen Mitarbeitern inklusive Chef und Putzfrau bestand, bedeutete es für Anni als jüngste Angestellte dass sie die meisten Schichten schieben musste.
Andererseits hatte Julia ein halbes Jahr über ihrem ersten Buch gebrütet – sie war Motivations-Coach und Bloggerin – und Lisa arbeitete sich in der Bank langsam aber stetig hoch. Da das Buch nun fertig war, hatte Julia fünf Verlage gefunden die ihr Buch ihrer Meinung nach gut vertreten könnten und in deren Programm sie passte. Anni drückte ihr die Daumen, erwartete aber nicht all zu viel, denn Julia war noch nicht sonderlich bekannt außerhalb von Münchens hipper Szene.
Die kaputte Spülmaschine fest im Blick wählte Anni die Handynummer ihres Vermieters und wartete auf das Freizeichen. An seine Festnetznummer ging er nie, das hatten ihre Mitbewohnerinnen herausgefunden bevor Anni überhaupt dazugestoßen war. Es tutete und dann ging die Mailbox ran. Na klasse. Anni verhaspelte sich beinahe als sie einen betont fröhlich-höflichen Gruß hinterließ und verfluchte sich innerlich. Sie konnte doch eigentlich wie ein normaler Mensch telefonieren ohne über ihre eigenen Worte zu stolpern. Leon würde sich sicherlich souveräner anstellen. Als ob ihn das überhaupt interessieren würde..
Anni hatte angefangen sich auszumalen wie Leon als Teil ihres Lebens fungieren könnte. Was er sagen würde. Wie er auf ihrer zu bunten Couch aussehen würde. Wie er sie angrinsen würde im Vorbeigehen. Über Nacht hatte er einen Platz – zugegeben imaginär – in ihrem Alltag eingenommen als wäre er schon immer dort gewesen. Sie wusste selbst dass sie nur herum spann und das vermutlich keine gesunde Angewohnheit war, aber sie konnte genauso wenig damit aufhören wie sie seine braunen Augen vergessen konnte oder die Art die kleine Lachfältchen sich in seine Haut gruben wenn er auch nur die Mundwinkel hob. Leon. Sie mochte wie der Name über ihre Zunge rollte.
Sie seufzte und nahm sich vor, die Spülmaschine irgendwann mit den Anderen in den Keller oder zumindest den Hinterhof zu tragen. Nicht dass das angenehm werden würde – sie wohnten im dritten Stock ohne Aufzug und ohne starke männliche Mitbewohner.
Anni klemmte sich hinter ihren Laptop und schrieb eine ausführliche Email an Herrn Wagenhofer, in der sie ihn höflich bat, sich schnellstmöglich bei ihr oder ihren Mitbewohnerinnen zu melden um den Austausch der kaputten Spülmaschine in die Wege zu leiten, da er sich ja leider nicht gemeldet hatte bei ihren wiederholten Versuchen ihn telefonisch zu erreichen. Anni las noch einmal über das Geschriebene und befand dass es noch nicht allzu passiv-aggressiv war und verschickte die Email.
Ein Blick auf die Zeitanzeige ihres Bildschirms ließ sie aufspringen und ihre Sachen für die Arbeit zusammensuchen. Sie war beinahe spät dran und hatte noch Emails von der vergangenen Woche abzuarbeiten. Ganz zu schweigen von den Handwerkern und Kostenvoranschlägen und der neuen EU-Regelung zum Einsatz von Plastikverschäumung in der Fassadendämmung.
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