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Es war einmal im Orient

von Robby
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18
??? Ezarel Leiftan Nevra OC (Own Character) Valkyon
06.06.2019
13.01.2021
25
50.195
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13.01.2021 2.088
 
In Rana wurde es bereits Nacht und die drückende Hitze des Tages nahm ab.
Meria war eher ziellos umhergeirrt, hatte das Wenige, was sie zum Essen mitnehmen konnte, bereits verspeist und ein paar Münzen gut in ihren Stiefeln versteckt. Der Tag verlief nicht sehr gut, da sie versuchte, ein paar der Händler anzusprechen, um Auskunft über mögliche Karawanen zu erlangen. Doch entweder wollte jemand für eine Auskunft Geld oder er schickte sie mit ruppigen Worten wieder davon. Nur eine ältere Frau hinter einem Stand mit wunderschönen Stoffen winkte sie zu sich.
„Frag Tuan“, sagte sie und zeigte in die Richtung eines freien Platzes auf dem Markt. „Er ist kein so ungehobelter Mann. Er wird dir sicher helfen.“
Meria bedankte sich und wartete seit Stunden in der Nähe darauf, dass der Mann endlich erscheinen würde. Doch da die Frau auch meinte, er käme nicht jeden Tag hierher, musste Meria nun Geduld beweisen oder einen anderen Weg finden. Tief atmete sie durch und starrte von einer dunklen Gasse aus in Richtung der Stände, die längst abgebaut waren.
Ihre Gedanken kreisten. Nevra musste sicher schon nach ihr suchen und hatte womöglich ein Gespräch mit seiner Mutter hinter sich, was, wie sie vermutete, nicht unbedingt zu seinem Vorteil ausging. Doch konnte er seinen Willen trotzdem durchsetzen, sie zu suchen? Sie wusste es nicht. Wachen oder Reiter, die die Stadt absuchten, hatte sie bisher nicht gesehen. Doch wenn er erst mit Anbruch der Nacht wieder in seine Gemächer konnte, hatte er vielleicht noch nichts von ihrem Verschwinden mitbekommen. Und wie loyal Valkyon war, wusste sie auch nicht. Immerhin hatte er es mitbekommen und nutzte sicher eine Gelegenheit, es seinem Herrn zu berichten.
Je dunkler es wurde, umso unheimlicher drang die Stille in Merias Inneres. Niemand war weit und breit zu sehen und sie selbst versuchte, sich still zu verhalten in einer Gasse, in der das Mondlicht nicht hineinscheinen konnte, um nicht doch irgendwelchen Sklavenhändlern oder anderen Vagabunden in die Hände zu fallen. Gegen wenige Männer konnte sie sich vielleicht noch behaupten, doch alles, was sie hatte, waren ihre Beine, um zu laufen, was sie konnte.
Und sollte sie doch einer suchenden Wache begegnen, würde sie sich ihr nicht öffentlich zeigen, denn woher konnte sie wissen, ob diese von Nevra geschickt wurde oder doch von seiner Mutter, die sicher gehen wollte, dass sie bereits verschwunden war?
Im Gefängnis wollte sie nicht landen.

An einer Brüstung mit Blick zur Stadt stand Nevra und krallte seine Finger in den harten Stein.
Die Unterhaltung mit seiner Mutter war kurz gewesen und ging nicht zum Besten aus. Alles, was er tun konnte, war, Valkyon ein paar Männer losschicken zu lassen, um Meria in Sicherheit zu wissen. Die Stadt war zwar groß, doch einer Wache gab man als Bürger normalerweise Auskunft, wenn es nicht um das Leben eines Stadtbewohners ging, welches man bewahren wollte. Nevra wusste, seine Mutter war nicht die gütigste Frau, doch er versuchte, sie immer milde zu stimmen und zu tun, was sie wollte, um sein Leben und das ihres erträglich zu machen. Nicht immer konnte sich Nevra fernab der Stadt in dem kleinen Palast verstecken, um genau solchen Situationen zu entgehen. Mit so viel Abscheu Meria gegenüber hatte der Prinz allerdings nicht gerechnet und auch die vielen Beispiele für ihre Vorteile stimmten seine Mutter nicht um.
Nevra selbst ließ man nicht mehr aus den Palastmauern hinaus. Nicht solange es die Möglichkeit gab zu verschwinden, um Meria zu suchen. Für Aleena, der momentanen Herrscherin über dieses Haus, kam es gerade sehr recht, dass der Sultan nicht da war und auch nicht so schnell zurück sein würde. An einen Angriff glaubte sie nicht und jedwede Warnung ignorierte sie.
„Versuche, sie ausfindig zu machen. Solange mein Vater nicht hier ist, kann ich ihr nicht helfen. Sie soll nicht den Kaufleuten in die Hände fallen“, erklärte Nevra leise zu einem Schatten hinter ihm.
„Und was soll ich dann mit ihr machen?“ Lakshi trat aus dem Dunkel und lehnte sich an die Brüstung.
„Halte sie von den Leuten fern. Sie würde auf jedem Sklavenmarkt gute Preise erzielen.“
Lakshi versuchte, sein Gesicht zu sehen, doch auch so bemerkte sie seine Unruhe. Er machte sich große Sorgen um die Frau, die er nie wiedersehen würde, sollte sie einem dieser Teufel in die Hände fallen.
Die Dschinn verschwand schließlich und ließ den Prinzen wieder allein, der in diesem riesigen Palast vorerst gefangen war.
Die Rückkehr des Sultans sollte sich ebenso um einen Tag verzögern und in dieser Zeit konnte sehr viel mehr passieren, vor dem seine Mutter die Augen verschloss. Trotz der vielen Wachen konnten weiterhin Banditen einfallen, wenn sie es am wenigsten erwarteten. Egal, wie gut bewacht der Palast auch immer war, irgendwer schaffte es trotzdem hinein. Vor vielen Jahren passierte bereits etwas Tragisches, etwas, das der Prinz nie wieder vergessen konnte. Und ob nun äußere Einflüsse Schuld daran trugen oder nicht, es gab ein Schlupfloch für den Mörder, zu entkommen. Egal, was man ihm damals sagte, irgendwer entkam.

Meria spielte unterdessen den Beobachter und folgte zwei Männern, die sich verdächtig verhielten. Zuvor hatte sie ein kurzes Gespräch der beiden mitbekommen und konnte aus dem Wenigen, das sie hören konnte, erfahren, dass sie etwas vorhatten. Was genau, wusste sie nicht. Doch sie hatte ohnehin nichts zu tun und war somit beschäftigt, zumal sie nicht einmal für die Nacht ein Dach über dem Kopf hatte. Zugegeben, die wenigen Worte, die die beidem Männer fallen gelassen hatten, konnten auch auf etwas anderes hindeuten, doch da sie wusste, die Haradh hatten etwas vor, konnte es nicht schaden, weiter zuzuhören.
„Die anderen kommen morgen und der Sultan ist noch weg. Es muss nächste Nacht geschehen oder nie“, flüsterte einer der beiden.
Der Satz war letztendlich der Beweis, den sie brauchte. Das Problem war nun aber, was konnte sie damit anfangen? Etwas sollte in der nächsten Nacht passieren und egal, was es war, sie mussten aufgehalten werden. Vielleicht wollten sie ja auch Nevra umbringen. Hatten sie nicht genau das bereits versucht? Durch die dunkle Kleidung, die die Männer trugen, konnte Meria kaum etwas Genaueres erkennen und solange sie nicht entdeckt wurde, war sie schon froh. Scheinbar rechneten die zwei so wenig mit Beobachtern, dass sie jede Vorsicht außer Acht ließen.
Wie nur konnte Meria nun eine Nachricht in den Palast schicken?
Über ihren Gedanken brütend, bemerkte sie nicht, wie sich eine Hand auf ihren Mund legte und eine zweite sie kräftig packte und um die nächste Ecke riss.
Im ersten Moment dachte Meria schon, dies sei ihr Ende und die Haradh hätten den Spion erwischt. Doch ein bekanntes Gesicht zeigte sich im schwachen Mondlicht und ihr Gegenüber legte sich einen Finger auf die Lippen.
Meria musste sich von dem kurzen Schock erholen, bis sie schließlich Worte fand und flüsterte. „Lakshi, wie hast du mich gefunden?“
Die Dschinn zog sie von den Männern weiter weg, um ungestörter reden zu können. „Du fällst auf wie ein buntes Kamel“, grinste sie und erntete zusammengezogene Augenbrauen. Mit einem Kamel verglichen zu werden, war eher weniger schmeichelnd. Allerdings war ein verletztes Ego momentan zweitrangig und Meria musste dem so plötzlich erschienenen Geschenk des Himmels alles erzählen, was nötig war.
„Bin ich froh, dich zu sehen. Die Haradh wollen den Palast stürmen und zwar morgen Abend.“
„Wieso erst morgen?“, fragte Lakshi und zog ihre Augenbrauen nach oben, ganz so, als sei es der neueste Klatsch aus dem Tageblatt.
„Sie sind zu wenige? Was weiß denn ich! Sieh lieber zu, dass du den Prinzen beschützt“, blaffte Meria sie leise an.
„Der kann sich selbst beschützen.“
„Das haben wir ja gesehen. Und diesmal kann ich ihn nicht retten. Seine Mutter hat mich rausgeschmissen.“ Meria versuchte, grimmig zu gucken, doch es gelang nur halb. Ihre Sorge war größer.
Lakshi grinste über diesen Blick. „Niedlich, wie du alles für ihn tun würdest, aber dass du gerade hier auf der Straße im Dunkeln rumhängst ohne Geld, Waffen und Essen ist scheinbar zweitrangig. Du würdest eine wirklich treue Leibgarde abgeben.“
„Leibgarde wäre auch gut“, murmelte Meria kurz vor sich hin, doch schütteltete wieder den Kopf. Bevor sie erneut etwas sagen konnte, drückte Lakshi ihr einen Dolch mit Scheide in die Hand.
„Der ist vom Prinzen, er kann auf Anordnung seiner Mutter den Palast nicht verlassen, aber du sollst nicht verschwinden. … Ach ja und rede mit keinem Kaufmann. Die denken alle nur an Profit, auch wenn sie nett erscheinen, traue niemandem.“
„Es sind doch nur Kaufleute.“ Meria blickt ungläubig zu der Dschinn.
„Und einige von ihnen handeln auch mit Sklaven. Du bist in der Stadt am Tag noch sicher, aber nicht mehr außerhalb. Also sieh zu, dass du nachts von der Straße verschwindest.“ Lakshi zog Meria ein Stück in die nächste Seitengasse, die mit vielen Tüchern überspannt war und selbst im Dunkeln beinah gemütlich wirkte. „Klettere auf das Dach dort oben. Es ist unbewohnt, weil einige glauben, ein Fluch liege auf dem ganzen Haus. Und bevor du fragst, ich bin nicht unschuldig daran.“ Lakshi grinste wieder, als Meria ihre Augenbrauen hob, jedoch nicht wusste, was sie darauf sagen sollte. „Das Dach hat einen Speicher, in dem ist immerhin noch etwas Stroh. Dort wird dich auch niemand suchen.“
Meria nickte. „Aber was ist mit den beiden Männern?“
„Die sollen sich in Sicherheit wissen. Deine Information ist erst einmal genug.“ Lakshi wollte schon verschwinden, doch drehte sich noch einmal um. „Ach ja, noch was. Hör auf, fremde Leute zu belauschen, wenn du noch eine Weile leben willst.“ Mit einem breiten Grinsen trat sie in den Schatten und war verschwunden.
Meria musste ihr ja recht geben. Einfach Leute zu beobachten, war nicht unbedingt etwas, das man als Frau und unbewaffnet tun sollte, und das auch noch in einer fremden Stadt, aber nur auf der faulen Haut liegen und darauf hoffen, dass sie dank des Prinzen eine Aufgabe und eine sichere Unterkunft bekam, das konnte sie nicht. Gegen etwas Schlaf hatte sie allerdings nichts und sie kletterte leise die Mauer hinauf in einer sehr schmalen Seitengasse, in der sie selbst kaum die Hand vor Augen sah. Allerdings erreichte sie so unbemerkt ihr Ziel.
Oben angekommen erstreckte sich eine weite Terrasse vor ihr. Es musste einst ein wunderschönes Haus gewesen sein, vielleicht sogar ein Riad. Viel konnte Meria im Mondlicht nicht erkennen, doch die Fliesen schienen kostbar und die geschwungenen Mauern kunstvoll verziert zu sein. Der Speicher, von dem die Dschinn sprach, lag am Ende der Terrasse und wirkte eher wie ein kleines Teehaus mit Fensterläden, die eine gesamte Wand einnahmen und sicherlich einen schönen Blick über die Stadt boten.
Meria konnte sich denken, wieso Lakshi hier gewesen war. Man hatte des Nachts den Palast im Blick, hell erleuchtet und wunderschön. Den sternenklaren Himmel darüber und trotzdem mit sich und der Welt allein. Vielleicht gehörte der Dschinn sogar dieses Haus, doch jemand wie sie hielt es nicht lange zu Hause aus. Zumal Meria ein runtergekommenes Haus erwartet hatte, doch es schien alles intakt zu sein. Da sie allerdings nicht glaubte, Lakshi würde sie in eine Falle locken, war vielleicht nur ein Fünkchen Wahrheit in ihrer Geschichte, die sie vielleicht ja irgendwann einmal im Ganzen hören konnte.
Am liebsten hätte sie unter freiem Himmel geschlafen, doch der Nachtwind war frisch hier oben und auf dem harten Boden schlafen war ebenso nicht vorstellbar. Leise schob sie die Tür auf und dachte an das weiche Bett des Prinzen zurück, aus dem sie hätte einfach nicht aufstehen sollen. Plötzlich im Stroh schlafen zu müssen, stimmte sie schon ein wenig missmutig und seufzend ging sie ins Innere
Meria wusste nicht, ob es Lakshi einfach nur Spaß machte ,sie zu ärgern, doch Stroh gab es hier weit und breit nicht. Nicht einmal der Geruch erinnerte daran, dass es vielleicht einmal welches gegeben hätte. Stattdessen hatte sie vor sich eine große, gemütliche Sitzfläche auf dem Boden, mit Matratzen, Kissen und sogar Decken. Meria konnte sich schon denken, dass Lakshi hier nicht nur die Sterne beobachtete, doch Genaueres wollte sie gar nicht wissen. Nicht auf hartem Boden zu schlafen, war für sie gerade nahe dem Paradies. Lächelnd warf sie ihre Kopfbedeckung achtlos auf den Boden und befreite sich von aller unbequemer Kleidung, bis sie nur noch Hemd und Hose trug.
Es war vielleicht bereits kühl, doch ein paar wenige Momente wollte sich die Rothaarige noch gönnen und den Palast aus der Ferne bewundern. Sie lehnte sich an die Außenseite der kleinen Mauer und blickte hinüber.
Ihre Gedanken kreisten.
Was machte der Prinz wohl gerade?
Jetzt, für den Moment, in dem sie selbst ihren Gedanken Freiheit gab, stellte sie sich auch eine glückliche Zukunft mit ihm vor. Eine, wie sie nur Märchen schrieben.
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