Es war einmal im Orient

von Robby
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P18
??? Leiftan Nevra OC (Own Character) Valkyon
06.06.2019
08.08.2019
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Der Wind frischte auf und mit ihm kam auch das Geräusch von Pferdehufen auf Sand. Meria war so sehr im Delirium, dass sie es nicht einordnen konnte und nur als Donner war nahm, das von einem Gewitter kommen könnte. Vielleicht wünschte sie sich auch nur einen kühlenden Regen.
Doch das Gewitter wurde lauter und bebte plötzlich um sie herum.
Dumpfe Stimmen, wie durch Watte hörte sie. Jemand der ihren Puls fühlte und sie hoch hob.
Was war das für ein Duft? Es roch nicht nach Wüste oder Schweiß.
Der Duft von Jasmin wehte ihr wie eine frische Prise um die Nase und sie glaubte zu träumen.
Doch die Schmerzen bewiesen ihr das Gegenteil.
Sie war zu schwach um die Augen zu öffnen und merkte nur wie sie in den Armen eines Mannes landete, der auf einem Pferd saß. Danach umfing sie Schwärze.

Viele Stunden später wachte sie auf.
Die Luft schien frisch und roch eher nach salzigem Wasser, als nach Sand. Durch die Stille im Raum konnte sie von weitem das Rauschen des Meeres hören und glaubte wieder zu träumen.
Doch der Traum gefiel ihr um einiges besser, als der Alptraum den sie vorher noch erlebt hatte. Oder war es nur ein Traum?
Ihr Kopf tat nicht mehr so weh, auch wenn ihre Kräfte noch lang nicht die Alten waren.
Langsam öffnete sie die Augen und starrte zur Decke.
Meria hatte keinen Schimmer wo sie war und langsam schweifte ihr Blick umher. Die Wände hatten leichte Risse, doch bestanden aus massivem Stein, als würden sie weitere Stockwerke tragen müssen. Langsam versuchte sie sich zu erheben und musste schweren Herzens feststellen, dass sie gefangen war. Schwere Ketten an ihren Handgelenken gaben ihr die Möglichkeit sich zwar zu bewegen, doch nur in einem bestimmten Umfeld, der zusätzlich durch Eisengitter versperrt war.
„Na toll“, brachte sie bitter hervor und betrachtete ihr Lager. Weiche Decken und ein Kissen gaben ihr eher das Gefühl eines Gastes und verwirrt griff sie vorsichtig an ihren Kopf, der versorgt und verbunden war. Ebenso wie ihre Kleidung. Frische und neue Kleidung. Kein Blut mehr an ihren Händen und fragend blickte sie in die Richtung, die der Ausgang sein musste.
Langsam stand sie auf und lief ein paar Schritte. Noch etwas wackelig auf den Beinen blieb sie schließlich stehen und hielt sich mit einer Hand an der Mauer fest.
„He, hallo?!“, rief sie und versuchte grimmig zu schauen.
Sie fühlte sich ignoriert, als eine Wache ihren Posten verließ und den Gang hinauf verschwand.
Innerlich brodelnd vor Wut, blickte sie sich weiter suchend in ihrem kleinen Raum um. Auf einem Hocker stand Wasser und Obst und mit einem kurzen Zögern nahm sie schließlich das Wasser und trank es mit einem Zug aus. Es brannte wie Feuer ihre Kehle hinunter und doch tat es gut.
Nur einen kurzen Moment genoss sie den Moment, bevor sie Schritte hörte und angespannt in die Richtung starrte, aus der ein Mann näher kam, gefolgt von zwei weiteren, die in angemessener Entfernung stehen blieben.
„Wer bist du?“, fragte Meria direkt und versuchte ruhig zu bleiben.
„Zuerst einmal wirst du mich mit Euer Hoheit ansprechen, denn sonst wirst du die Peitsche zu spüren bekommen“, begann der Mann etwas hochnäsig und trat näher an die Gitterstäbe.
Er hatte schwarzes Haar, wie für diese Gegend üblich, trug helle und teure Kleidung und schien sehr jung. Er konnte noch keine dreißig sein und schien schon das Sagen zu haben.
Meria sagte vorerst nichts. Ihre Kräfte waren nicht vollständig zurück und ohnehin noch wacklig auf den Beinen wollte sie ihm den Sieg nicht so schnell gönnen.
„Warum bin ich hier?“, fragte sie mit neutraler und versuchend ruhiger Stimme.
„Wo hast du diesen Dolch her?“, fragte der Mann, ohne auf Merias Frage antworten zu wollen.
Die Rothaarige überlegte kurz und versuchte etwas in dem Blick des Mannes zu erkennen, doch nichts. Er behielt eine Fassade, die so kalt schien, wie das Gemäuer um sie herum und das in einer heißen Wüste.
„Warum sollte ich euch darauf antworten?“, begann sie schließlich mutig und vielleicht auch etwas trotzig. „Ich weiß nicht wo ich bin und was aus mir wird. … Ihr bekommt Antworten, wenn Ihr meine Fragen beantwortet.“
Der Schwarzhaarige Mann blickte mit schmalen Augen Meria von oben bis unten an. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, als würde er Gefallen an dem Konflikt finden.
Meria dachte nur an ein reiches verwöhntes Söhnchen, dem langweilig war und nach jeder Abwechslung suchte. Sie konnte also nicht wissen, was er wirklich wollte.
„Dieser Dolch ist das Zeichen der Haradh. Er gehört meinem Cousin“, begann er ruhig und trat noch etwas näher. „Ich frage dich also nochmal. Wo hast du ihn her?“
„Ich habe ihn von einem Mörder“, antwortete sie knapp und starrte den Prinzen grimmig an.
Zumindest glaubte sie einen Prinzen vor sich zu haben, für einen mächtigen Sultan war er ihr einfach zu wenig klischeehaft gekleidet.
„Dann will ich wissen wie er aussah.“
„Was bekomme ich im Gegenzug?“
„Du bist reichlich fordernd für jemanden in deiner Lage“, grinste er hochnäsig.
„Was habe ich zu verlieren?!“, kam es nur matt von Meria, aus dessen Blick die Hoffnung, dies zu überleben, langsam verschwand.
Sie hatte Angst, das konnte sie nicht leugnen, doch sie wollte es ihm um keinen Preis der Welt auch noch präsentieren.
Wieder machte der Schwarzhaarige eine Pause und überlegte.
„Ich sage dir, wie für mich die Sache aussieht“, begann er und schickte die zwei Wachen weg, nachdem er die Tür aufgeschlossen hatte und langsam eintrat. „Du wurdest gesandt, um einen weiteren Mord zu verüben, bist aber gescheitert, weil deine Leute dich in der Wüste zurück gelassen haben. Ein Jammer übrigens. Haben sie je gesehen, was unter dem ganzen Stoff zu sehen war?“
Meria trug zwar immer noch Kleidung am Leib, doch bei weitem nicht mehr soviel, wie zu dem Zeitpunkt inmitten der Wüste, in der das Aussehen keine Rolle spielte und man sogar mit Absicht versuchte nicht weiblich zu wirken. Nun trug sie jedoch nur noch ein knappes Oberteil und einen Rock, dessen Stoff für sie fast sinnlos erschien, war er doch hauptsächlich durchsichtig. Das türkis der Kleidung hob sich sehr ab, unterstrich aber ihren gebräunten Teint.
„Wenn Ihr glaubt hier einen Mörder vor euch zu haben, warum lebe ich dann noch? Ihr hättet mich in der Wüste zurück lassen können.“
„Neugierde“, begann er und trat dicht vor Meria. Er legte Daumen und Zeigefinger unter ihr Kinn und drückte es nach oben, so dass sie ihn ansehen musste. „Mich interessiert, wie jemand wie du so tief fallen konnte.“
„Ihr habt keine Ahnung von dem, was ich bin und wenn Ihr glaubt ich sei eine Mörderin, dann seht Euch an. Wie viele Menschen habt Ihr schon auf dem Gewissen?“, fragte sie forsch und mit schmalen Augen. Sie drückte sich von dem Mann weg und wollte seine Hand beiseite schieben, doch seine andere Hand umschloss ihre Taille, sodass sie nicht flüchten konnte. Er drückte sie enger an sich und kaum das Merias ihn schlagen wollte, griff er sie am Handgelenk und grinste sie an.
„Habe ich ein wildes Tier gefangen?“, fragte er und grinste weiter, Meria nur zorniger machend.
Sein Gesicht näherte sich dicht dem Ihren und verwirrt starrte die Rothaarige ihn aus großen Augen an. „Ich werde dich nicht töten“, begann er in seltsam sanfter Stimme und Meria roch den Duft von Jasmin. War er es etwa selbst, der sie gerettet hatte? Die Worte blieben ihr im Halse stecken und ihre Beine begannen schwächer zu werden. Ob es an ihm lag oder doch an ihrer noch fehlenden Kraft konnte sie nicht sagen, denn ungewollt spürte sie eine Anziehung, der sie niemals nachgeben durfte.
„Ich werde dich behalten und zähmen“, schloss er an.
Merias andere Hand konnte ihn nicht erreichen, da die Ketten spannten, doch ihr Blick war mehr als bitter. „Niemals“,antwortete sie nur und der Mann lachte.
Schließlich gab er sie frei und entfernte sich ein paar Schritte, sie weiter betrachtend.
„Nevra“, kam eine Stimme und ein hochgewachsener Mann mit weißem Haar trat nah zu ihm und flüsterte ihm etwas ans Ohr. Der Blick des Schwarzhaarigen veränderte sich und überrascht nickte er seinem Freund zu, der wieder verschwand, kaum die Frau in der Zelle beachtend.
„Fühl dich wie zu Hause“, begann Nevra mit einem milden doch nachdenklichen Lächeln. „Du wirst noch eine Weile hierbleiben.“
Ohne ein weiteres Wort ging er hinaus, die Tür halb offen gelassen.
Meria stand stocksteif da, nicht wissend was sie nun tun oder je zu ihm sagen sollte. Sie wusste immer noch nicht, was er eigentlich von ihr wollte. Alles was sie erfahren hatte war sein Name und das auch nur weil dessen Freund ihn so nannte. Und was auch immer er ihm mitteilte, es schien ihm weniger zu gefallen.
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