Die Unheilige Allianz

GeschichteAllgemein / P16
Filius Flitwick Hermine Granger Luna Lovegood Neville Longbottom Pomona Sprout Severus Snape
06.06.2019
15.08.2019
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„Ich habe meinen Kessel nicht dabei, Professor Snape, Sir.“  Grangers Gesicht sah aus, als könne sie sich nicht ganz entscheiden, was sie von dieser Strafarbeit zu halten habe.

„Wenn du dir das Rezept durchgelesen hättest, wüsstest du, dass das nicht von Belang ist“, gab er schnippisch zurück. Der Trank erforderte einen silbernen Kessel, den Granger als Muggelgeborene sicher nicht besaß.

Er holte den silbernen Kessel für Heiltränke aus dem Schrank. „Du kannst diesen hier benutzen. Eine Waage steht auf dem Tisch. Meine Zutaten sind gut sortiert und ich bin sicher, du wirst dich zurechtfinden. Und Granger -“  Er sah sie eindringlich an. „Ich merke wenn etwas fehlt, was nicht in diesen Trank gehört.“

Der verwirrte Ausdruck machte einem vorsichtig-neutralen Platz, aber er konnte sich denken, dass Granger, würde sie sich nicht solche Mühe geben, sich nichts anmerken zu lassen, wohl schauen würde, als wären Weihnachten und Ostern und ihr Geburtstag auf einen Tag gefallen, und – Präzision war Severus wichtig – als hätte sie zu diesen Anlässen auch Geschenke bekommen. Keineswegs eine Selbstverständlichkeit.


Severus widmete sich der Korrektur von Aufsätzen. Anders als bei Longbottom konnte man sich bei Granger üblicherweise darauf verlassen, dass sie nichts in die Luft jagte.

Er war ausgesprochen zufrieden mit sich. Poppy würde ihm sehr dankbar sein – sie hatte sicher ihre eigenen Tränke um ‚Frauenprobleme’ zu kurieren, aber diesen hier würde sie eher nicht kennen.  
Severus hatte lange darüber gerätselt, was seine Mutter in dem silbernen Kessel braute, wenn sein Vater nicht zuhause war – ihm hatte sie immer gesagt, das gehe ihn nichts an, was es natürlich noch interessanter machte.  Schließlich war er bei seinen Recherchen auf das Buch: „Höchst heilende Hexentränke“ gestoßen. Es stand in der verbotenen Abteilung, weil ein Rezept für einen abtreibenden Trank darin war, eine Entscheidung, die Severus nicht nachvollziehen konnte – jede Schülerin die nicht komplett bescheuert war, würde bei einer Schwangerschaft Poppy um Hilfe bitten, statt mit selbstgebrauten Tränken zu experimentieren. Und die unheilbar Dummen … nun, da vertrat Severus eine eher darwinistische Haltung.  

Damals, im vierten Jahr, hatte er den Trank seiner Mutter für Lily gebraut … aber besser, er verlor sich nicht in solchen Erinnerungen.

Granger war so freundlich, ihn nicht mit blöden Fragen zu belästigen, und Severus ignorierte geflissentlich, dass sie die Zeit, während der Trank vor sich hinköchelte, nutzte, um in dem Buch zu blättern.

Eigentlich war Granger gar nicht so übel … aber sie war immer noch in Gryffindor, und Potters beste Freundin, und Severus war sicher, er würde sie irgendwann mit einem nichtsnutzigen Gryffindorjungen knutschend im Gang erwischen.

Aber vor allem, rief er sich ins Gedächtnis, war sie eine unerträgliche Besserwisserin. Seine Antipathie gegen sie hatte überhaupt nichts damit zu tun, dass sie ihn an eine gewisse andere muggelgeborene Hexe erinnerte, die ihre Ausbildung und glänzenden Aussichten weggeworfen hatte, um das Kind eines eingebildeten, angeberischen Mannes zu kriegen und seine Hausfrau zu werden.

Rein gar nichts.



Severus sah auf als Granger den Kessel vom Feuer nahm. „Ich hoffe, du hast dir Mühe gegeben. Falls nicht, werde ich dich persönlich für die Vergiftung all der Schülerinnen verantwortlich machen, denen Madam Pomfrey diesen Trank verabreicht.“

„Ich habe mich genau an das Rezept gehalten, Professor“, erwiderte Granger entrüstet.

Natürlich hatte sie das. „Dann ist ja gut. Du kannst gehen.“

Wenn sie so schlau war, wie sie immer tat, dann würde sie verstehen, dass er ihr ein großes Kompliment gemacht hatte, indem er andeutete, dass er ihren Trank ungeprüft an Poppy weitergeben würde.

Und wenn nicht, nun, dann hatte sie schließlich auch kein Kompliment verdient.



Am nächsten Tag sprach ihn Minerva im Lehrerzimmer an. „Hermine Granger sagt sie müsste heute bei dir nachsitzen?“

„Das ist korrekt.“ Endlich. Er hatte sich zwar schon eine weitere Strafarbeit überlegt, aber es war gut, den Plan nicht zu brauchen. Wenn Minerva ihn bat, Granger das Nachsitzen zu erlassen, war er nur ein guter Kollege, wenn er dem zustimmte, nicht wahr? Diese Strategie hatte es ihm schon häufiger ermöglicht, seinen Ruf als besonders strenger Lehrer zu festigen, ohne tatsächlich allzu viel Zeit darauf zu vergeuden, die Bestrafung von Schülern zu beaufsichtigen.
Und Minerva genoss die Heldenverehrung, die ihr die Gryffindors dafür entgegenbrachten, dass sie sich mit ihm anlegte. Alle profitierten.

„Hm.“ Minervas Mund verzog sich zu einem schmalen Strich.

„Bringen wir es hinter uns. Du willst, dass ich ihr die Strafe erlasse. Welchen Grund hast du diesmal?“  Minerva bevorzugte ihr Haus nicht weniger als er das seine, aber sie wachte eifersüchtig darüber, dass er auch ja nicht ungerecht gegenüber den Gryffindors war. Und diesmal war er ungerecht gewesen. Granger hatte nur die Wahrheit auf ihre Buttons geschrieben.

„Nein, sie kann bei dir nachsitzen. Ich hatte nur den Verdacht, sie könnte lügen, um …“

„Du wolltest sie nachsitzen lassen?“ Er hatte das Bedürfnis, seine Kollegin anzustarren, als sei ihr ein zweiter Kopf gewachsen, und da nichts weiter auf dem Spiel stand, gab er diesem Bedürfnis nach. „Granger? Was hat sie angestellt?“ Er hätte gedacht, nach den jüngsten Entwicklungen würde sie sich etwas von Potter und Weasley und deren Eskapaden fernhalten.

„Sie hat die junge Miss Ender einen Jungen genannt und Hassparolen verbreitet. Ich weiß nicht, was in sie gefahren ist. Sie war so ein braves Kind …“

Jetzt starrte Severus erst recht. Hatte sich jemand mit dem Vielsafttrank in Minerva verwandelt? Von Albus wusste er ja, dass der sowohl genial als auch leicht verrückt war, aber Minerva …

„Das dürfte dich wenig überraschen. Sie sagte, du lässt sie wegen derselben Sache nachsitzen?“

Er würde später nachprüfen, ob ein Imperiusfluch oder der Vielsafttrank im Spiel war. Jetzt musste er sich gekonnt verstellen. „Mich überrascht lediglich, dass du deinen Gryffindors nicht wie üblich alles durchgehen lässt. Offenbar hat das Nachsitzen keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. Hat sie bei dir auch Widerworte gegeben?“

Minerva ging gar nicht auf die Spitze ein. „Ja. Sie hat stur auf ihren Hassparolen bestanden. Hermine Granger! Ich war selten so schockiert. Und das, nachdem ich mich noch dafür eingesetzt habe, dass sie einen Zeitumkehrer …“ Minerva verstummte, und sah aus als hätte sie das eigentlich nicht sagen wollen.

Aha. Das war ja hochinteressant. „Den du selbstverständlich jetzt konfisziert hast.“  Er sah ihr fest in die Augen und tastete nach ihren Gedanken. Sie war tatsächlich verwirrt und aufgebracht. Und vermutlich sie selbst. Wenn sie merkte, dass er Legilimentik anwendete, konnte er das mit der Erwähnung eines Zeitumkehrers rechtfertigen. Es war sehr untypisch für Minerva, so einen gefährlichen Gegenstand einfach zu vergessen.  

Sie bemerkte nichts. „Ehrlich gesagt war ich zu schockiert um daran zu denken. Du machst dir keine Vorstellung, Severus, wie überrascht ich war, dass eine meiner Gryffindors Hassparolen verbreitet.“

„Nein. Tatsächlich nicht. Du bist die Einzige, die glaubt, dass deine ach so heiligen Gryffindors niemals etwas Böses tun würden. Ich weiß es besser. Und ich kümmere mich gern um Grangers weitere Bestrafung.“ Er stellte sich vor, Potter zu einer Woche Kesselschrubben zu verdonnern, und lächelte. Gefühle vortäuschen war schwer, die passenden Gefühle hervorzurufen viel leichter. „Vielleicht würde Granger einsehen, dass sie sich an die Regeln zu halten hat, wenn sie dieses Wochenende nachsitzen müsste.“

„Sie hat am Sonntag Geburtstag“, wandte Minerva ein.

„Das ist wohl kaum von Belang. Sie wird es wohl schaffen, mit dem Feiern bis fünf Uhr nachmittags fertig zu sein.“

Die nächsten Worte Minervas erschütterten ihn. „Natürlich. Du hast Recht. Normalerweise würde ich nicht … aber ich habe eine halbe Stunde lang auf sie eingeredet Severus, eine halbe Stunde! Und sie hat dennoch stur darauf bestanden, die arme Miss Ender als männlich zu bezeichnen.“

Welch fürwahr schröckliches Verbrechen. Severus verdrehte die Augen. „Ich bin nicht im Mindesten überrascht.“  Nun gut, vielleicht ein wenig. Wer hätte gedacht, dass Granger in der Lage war, dem Versuch einer Gehirnwäsche durch ihre eigene Hauslehrerin zu widerstehen?

Ich-mache-alles-immer-genauso-wie-es-im-Buch-steht Granger. Die ihre Schulbücher behandelte wie die heilige Schrift, und die Lehrerinnen und Lehrer wie Propheten.

Wider Willen war er beeindruckt.

Es war natürlich idiotisch, so etwas über sich ergehen zu lassen, und noch eine Strafe dafür in Kauf zu nehmen, statt einfach zu lügen und zu behaupten, man glaube den Unsinn, aber das war typisch Gryffindor.

„Und es macht dir nichts aus, einen Teil deines Wochenendes zu opfern?“ Minervas Stimme war anzuhören, dass sie ihm dankbar war, dass nicht sie ihr Wochenende, oder sonst wie ihre Zeit auf das Nachsitzen verwenden musste. Aber sie war misstrauisch.

„Du weißt, meine Opferbereitschaft wenn es um das Wohl meiner Schüler geht kennt keine Grenzen“, erwiderte er sarkastisch. „Und es wird mir ein Vergnügen sein, die kleine Besserwisserin auf ihren Platz zu verweisen.“

Nun, etwas zu spät für seinen Geschmack, wirkte Minerva dann doch etwas besorgt. „Severus -“

„Keine Sorge, du bekommst sie unbeschädigt zurück. Die Prügelstrafe ist ja leider abgeschafft, und du weißt, ich halte mich an die Regeln. Und nun, wenn du mich entschuldigen würdest, ich habe Unterricht.“

Mit schnellen Schritten folgte er dem altbekannten Weg in die Verliese. Er war schockiert. Schockiert und empört. Minerva hatte ein ungeschriebenes Gesetz gebrochen.

Severus hatte immer größtes Vergnügen daran, die aufgeblasenen Egos von Gryffindors auf Normalmaß zurechtzustutzen.

Minervas Aufgabe war es, die verletzten Egos der Kinder wieder aufzupäppeln.

Und jetzt … wie konnte sie es wagen?!

Das war, als würde bei einem Quidditchspiel die Hüterin plötzlich aufhören, die Torringe zu bewachen, und stattdessen den gegnerischen Jäger anfeuern.

Vollkommen witzlos.


Der Plan war gewesen, Granger einfach einen weiteren Trank brauen zu lassen, der weit über dem Niveau der dritten Klasse war. Insgeheim war er neugierig, wie weit über dem Vielsafttrank ihre Fähigkeiten lagen.

Aber jetzt hielt Severus eine Planänderung für angebracht.
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