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Between evil voices and innocent hearts

GeschichteDrama, Horror / P16 Slash
04.06.2019
12.08.2020
27
91.333
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02.08.2020 2.247
 
Mein Mut hatte mich verlassen.
Nach zwei Wochen war ich zwar endlich wieder bei den Belfonds, in Ciars Zimmer, aber …
„Von wegen, er will uns nur einen Gefallen tun“, spottete er gereizt. „Das macht er nur, um sich ordentlich bei der Chefetage einzuschleimen. Als ob er das noch nötig hätte. Er genießt eh schon genug Sonderrechte.“
Alles, was Ciar tat, war über Kierans Großzügigkeit herzuziehen, während er nebenbei einige Dinge von seinem Schreibtisch räumte, scheinbar ohne dabei ein System zu verfolgen. Schweigsam beobachtete ich ihn dabei und hörte mir seine pausenlosen Sticheleien gegen Kieran an, die ich nicht kommentieren wollte. Für mich blieb er nämlich ein guter Freund, dem ich für seinen Einsatz dankbar war.
Dad hatte mich natürlich unbedingt bis zur Haustür begleiten wollen, danach war er jedoch überraschend zügig zurück ins Taxi gestiegen und wieder heimgefahren. Auch Kieran war bei uns gewesen, um Ciar persönlich darüber zu informieren, dass er heute nicht arbeiten gehen müsste. Wäre er begeisterter darüber, hätten wir ihn nicht aus Versehen bei seinem Nickerchen gestört?
Inzwischen waren Ciar und ich die einzigen zwei Seelen im Haus, wir hatten sozusagen sturmfrei. Keine Ahnung, wo sich der Rest seiner Familie genau herumtrieb. Vermutlich arbeiteten sie gerade alle für das Echo-Institut, es würde mich nicht mehr wundern.
Ciars spontanes Verlangen danach aufzuräumen beobachtete ich von seinem Bett aus, auf dem ich saß – irgendwie war das ein verstörendes Bild von ihm. Sich das anzusehen war ganz schön schmerzhaft. Anscheinend war ihm die Ordnung und der Ärger über Kieran wichtiger, als sich um mich zu kümmern. Wirklich etwas von Freude über meinen Besuch hatte ich in seinen Augen nicht ausmachen können. Auch dann nicht, als wir die ersten Worte miteinander gewechselt hatten.
Das nahm mir sämtlichen Mut, von dem ich vor einigen Minuten noch beflügelt gewesen war. Ciar befand sich im selben Raum wie ich, ganz nahe, aber er schien immer noch weit entfernt zu sein. Bei dem Gedanken kam mir die Textnachricht in den Sinn, wegen der ich dieses Gefühl zuvor schon mal erleben musste.
„Mich erstaunt an der ganzen Sache am meisten, dass Kieran uns beide dafür sogar freiwillig zusammengebracht hat“, fuhr Ciar ungläubig fort. Er lachte leise. „Und Vincent auch. Bei dem verstehe ich das aber noch eher als bei Kieran.“
„Hm“, gab ich eine knappe Bemerkung dazu ab.
Betrübt stieß ich einen Seufzer aus, was Ciar innehalten ließ. Er wandte sich vom Schreibtisch ab und drehte sich zu mir. Mein Anblick brannte ihm also anscheinend doch noch nicht plötzlich die Augen aus, wie ich schon befürchtet hatte.
„Stimmt was nicht?“, hakte er nach – wie unüblich für ihn, dass er solche höflichen Floskeln durchaus auszusprechen wusste.
Erst wollte ich das verneinen, dann übernahm meine Stimmung aber auf Anhieb das Sprechen. „Sag du es mir. Störe ich dich? Wenn du willst, kann ich mich auch wieder verpissen.“
War ich überhaupt jemals von mir aus hierher zu Besuch gekommen? Daran könnte es liegen. Normalerweise hatte stets Ciar mich zu sich eingeladen oder einfach hergeschleppt, woran ich mich irgendwann gewöhnen konnte. Eigentlich war ich auch froh darum gewesen, dass er die Treffen organisiert hatte und ich nie etwas tun musste. Konnte er es nicht ausstehen, wenn man von sich aus auf ihn zukam? Nervte ihn so etwas?
„Nein“, antwortete Ciar in einem seltsam herrischen Ton. „Du störst mich nicht, Ferris.“
„Kommt mir aber so vor“, sagte ich zweifelnd. Ohne es zu bemerken, starrte ich auf den Boden, statt ihn anzusehen. „Kieran scheint dich gerade mehr zu interessieren. Du hast mich nicht mal zur Begrüßung geküsst.“
Etwas, worauf er sonst nicht verzichtete. Egal, wie oft ich ihm gesagt hatte, dass er es lassen sollte, er hatte mir zu jeder sich bietenden Gelegenheit vor den Augen seiner Familie und Dad einen Kuss aufgedrückt. Diesmal aber nicht mehr. Warum nicht? Ich wäre bereit gewesen, den Kuss nach all der Zeit zum ersten Mal zu erwidern. Darauf hatte ich mich schon gefreut.
„Ich dachte, du konntest das noch nie leiden?“, erinnerte Ciar mich, der darüber merklich verwundert war. „Jedenfalls hast du das die ganze Zeit behauptet, also wollte ich dich erst mal nicht mehr bedrängen.“
„Warum?“ Verständnislos schüttelte ich den Kopf. „Was ist denn auf einmal anders?“
Zum Glück neigte Ciar nicht dazu, lange zu schweigen, sondern rückte schnell und schmerzlos mit einer Antwort heraus: „Deine Erinnerungen sind wieder da.“
Ich gab einen empörten Laut von mir. „Ja, und?“
„Und ich dachte, du bräuchtest etwas Zeit. Das ist alles.“ Aus seinem Mund klang das so harmlos und leicht daher gesagt, trotzdem fühlte ich mich abgewiesen. „Erst recht nachdem du nun weißt, dass ich dich liebe. Ich wollte nicht, dass dir das deswegen am Ende wirklich richtig unangenehm wird.“
Zögernd hob ich etwas den Kopf, so dass ich Ciar zumindest im Augenwinkel wahrnehmen konnte. „Soll das heißen, du wolltest nur Rücksicht auf mich nehmen?“
Da ich ihn mittlerweile kannte, wäre das tatsächlich möglich. Hoffnungsvoll hielt ich ab und zu den Atem an, womit ich meine Nervosität abzuschütteln versuchte. Mein Herz fing an schneller zu schlagen. Endlich konnte ich es zulassen, weil ich wusste, warum es so reagierte.
„Exakt. Außerdem wollte ich mein Glück nicht überstrapazieren.“
Verwirrt wagte ich mich, meinen Kopf noch mehr zu heben und den Blick zu ihm zu lenken. „Wie meinst du das?“
Ciar stand nach wie vor nahe an seinem Schreibtisch, war mir jedoch noch zugewandt. Seine Hände hatte er in die Hüfte gestemmt und durch seine lockere Haltung wirkte er gerade unbeschreiblich cool auf mich. Das Herzrasen war gewaltig heavy bei diesem Anblick.
„Na, wie schon?“ In seiner Stimme lag ein kleiner Hauch von Sanftmut. „Ich war überzeugt davon, dass du die nächste Zeit erst mal nur ewig an Vincent hängen wirst. Das war okay für mich, darauf hatte ich mich schon eingestellt. Aber dann hast du mir schon in den ersten Tagen geschrieben und wolltest dich mit mir treffen. So viel Glück hätte ich mir niemals ausgemalt.“
Nicht? Was für eine Überraschung. Obwohl Ciar jemand war, der sich alles zu nehmen schien, was er haben wollte, rechnete er sich nicht automatisch Erfolg aus? Irgendwie war das nahezu niedlich – das erleichterte mich, sonst bekam das in der Regel nur ich von ihm zu hören.
„Hätte ich dich früher als heute getroffen, wäre ich vor lauter Glücksgefühlen ohne Rücksicht auf Verluste über dich hergefallen“, gab Ciar grinsend zu. Aus der Sanftmut war plötzlich ein verführerischer Tonfall geworden. „Du musst besser aufpassen, Ferris. Offensichtliche Zuneigung von dir wirkt auf mich unsagbar betörend. Es sei denn, du willst gerne von mir rangenommen werden, dann mach nur so weiter~.“
Genau so drückte sich der Ciar aus, den ich vermisst hatte.
Mir wollten Tränen in die Augen schießen, aus purer Erleichterung. Eigentlich hatte ich mir fest vorgenommen, meine Liebe zuversichtlich und standhaft zu gestehen. Wenigstens ein Mal wollte ich Ciar nicht verheult im Gedächtnis bleiben, nicht ausgerechnet an diesem Tag. Im Zusammenreißen war ich aber nicht sonderlich gut, im Gegensatz zu Ciar.
Die Freude, die ich vorhin in seinen Augen vermisst hatte, war nun deutlich zu erkennen. Also hatte er mich wirklich nur nicht sofort bedrängen wollen.
„Mich hat dann auch aufgeregt, dass Kieran derjenige ist, der uns unser Zusammensein heute ermöglicht.“ Sein Schnauben unterstrich diesen Ärger nochmal zusätzlich. „Gerade der, in den du dich vor mir verliebt hast.“
Schmunzelnd rieb ich mir rasch mit den Händen über die Augen. „Was denn, ist der werte Herr etwa eifersüchtig?“
„Wenn es um dich geht, ja.“
Mein schwacher Versuch, mir die Tränen wegzuwischen, bevor Ciar sie bemerken konnte, schlug natürlich fehl. Seine Beobachtungsgabe war noch schärfer als die von Dad.
„Statt dich zu schonen, habe ich dich wohl vielmehr verletzt“, stellte er entschuldigend fest. „Das wollte ich nicht.“
Mit schnellen Schritten verringerte er die Distanz zwischen uns und kam zu mir ans Bett, wo er mir vorsichtig gegen die Stirn tippte. „Wenn ich mich erst mal verliebe, bleibe ich auch nur auf diese eine Person fixiert. Speicher das gut hier ab, klar?“
„Behandle mich nicht wie ein Kind“, tat ich genervt, aber ich musste lächeln.
„Wie soll ich dich dann behandeln?“ Forschend sah er mir in die Augen und beugte sich näher zu mir herunter. „Du benimmst dich etwas anders als sonst. Was ist passiert, hm? Hast du eingesehen, dass du auch unsterblich in mich verknallt bist?“
So wie er das sagte, war es scheinbar als Scherz gemeint. Mir kam es aber so vor, als hätte er bereits eine Ahnung, dass ich ihn liebte – notfalls würde er sicher mit Hilfe von Sarkasmus zurückrudern.. Es wäre auch echt schade, wenn man es mir nicht hätte anmerken können. Sonst würde Dad immer noch Zweifel an unserer Beziehung haben.
„Ja.“ Das kam mir unerwartet leicht über die Lippen, so dass ich nicht sicher war, ob ich es wirklich gesagt hatte. „Und dann hast du mir mit deiner abweisenden Art echt den Mut genommen, Mann. Scheiße, ich war schon kurz davor wieder zu denken, dass das Leben mich ha-“
Ciar schnitt mir das Wort ab. Seine Lippen legten sich auf meine, fordernd, dennoch blieb er dabei auch zärtlich. Erneut durchflutete mich Erleichterung. Ich schloss die Augen und erwiderte den Kuss sehnsüchtig. Kurz darauf spürte ich das Gewicht von Ciars Körper auf mir, als er mich runter auf das Bett drückte.
Behutsam strich er mit einer Hand über meine Wange, während er mich weiterhin küsste. Zwischendurch löste er seine Lippen von meinen und ließ mich kurz Luft holen, dann führte er den Kuss auch schon leidenschaftlich fort. Hiernach musste er sich seit langer Zeit gesehnt haben. Ein wohliger Schauer durchfuhr mich.
Als er mir erneut die Gelegenheit dazu gab durchzuatmen, löste er derweil den Schal von meinem Hals. Zu spät wurde mir bewusst, dass ich damit die Würgemale verdeckt hatte. Gleich wuchs die Befürchtung, es könnte diesen Moment schlagartig ruinieren. Ciar betrachtete die Spuren meines letzten Anfalls mitfühlend. Beinahe glaubte ich, er konnte sogar nachempfinden wie sich das anfühlte.
Statt mich auszufragen, schwieg er. Vorsichtig fuhr er mit den Fingern über die Würgemale und fing an, meinen Hals mit Küssen zu übersähen. Jeder einzelne tauschte den Schmerz gegen ein angenehm warmes Gefühl aus. Ich wünschte, er würde niemals damit aufhören.
„Für dich kommt das vielleicht noch zu früh“, hauchte er zwischen den Küssen. „Aber ich will dir schon seit Jahren so nahe sein. Ich möchte trotzdem nichts tun, was du selbst nicht willst. Wie sieht es aus? Darf ich einen Schritt weiter gehen?“
Ich wusste sofort, was er damit meinte. Gleich hatte ich sämtliche Stimmen der Vernunft im Ohr, denen schenkte ich jedoch keinerlei Beachtung. So gut wie jetzt hatte ich mich in meinem ganzen Leben noch nicht gefühlt, auch nicht als ich mein erstes Echo vernichten konnte. Mir gefiel sogar diese Hitze, die durch unsere Nähe entstand. Mein Körper war vollkommen entspannt und mein Innerstes losgelöst von jedem finsteren Gedanken. Vernunft war noch nie das Richtige für mich gewesen.
„Mach weiter“, bat ich leise, die Augen immer noch geschlossen.
Sein zufriedenes Lächeln konnte ich mir geradezu bildlich vorstellen. Nach meiner Zusage rutschte er ein Stück nach oben und gab mir einen Kuss auf die Stirn. Liebevoll strich er mir durch die Haare und löste dabei geschickt das Band aus meinem Nacken, mit dem ich sie stets zusammengebunden hielt.
„Ich hoffe, das hast du dir gut überlegt“, flüsterte er mir zu. „Nochmal werde ich nicht nachfragen. Und aufhören garantiert auch nicht.“
Mit dieser Ansage fuhr er mit den Lippen über mein Ohr, was mich angetan schaudern ließ. Gezielt griff er nach meinem Oberteil und hatte mich nach nur wenigen Handgriffen daraus befreit. Neben den Würgemalen war mein Körper hier und da auch noch von anderen älteren Narben geprägt, wovon ich mir die meisten selbst zugefügt hatte. Vor Ciar schämte ich mich aber nicht dafür.
Jede Narbe behandelte er mit einem Kuss, wobei er keine ausließ, als wüsste er genau wo sie alle zu finden waren. Woher? Auch im Sommer achtete ich darauf, dass meine Verletzungen nicht sichtbar waren. Zumindest nicht die schlimmen. Selbst wenn er mich immer beobachtet hatte, konnte er mich nicht derart in- und auswendig kennen. Oder?
Als seine Hände über meine Haut glitten, brachte das meinen gesamten Körper zum Zittern und mein Kopf leerte sich auf der Stelle wieder. Neben den Küssen strich er bald auch mit der Zunge über meine Narben. Dank denen spürte ich das noch wesentlich intensiver als auf meinem restlichen Körper.
„Ciar ...“
Egal, was er tat, all seine Berührungen und Liebkosungen flüsterten mir zu, dass es sein Ziel war, mir ein gutes Gefühl zu geben. Es ging ihm nicht darum, seine Lust zu befriedigen. Zwar hatte er die Führung übernommen, aber er ließ sich Zeit und blieb durchgehend zärtlich. Trotz meiner Untätigkeit fühlte ich mich nicht unbeholfen oder wie ein Versager im Bett. Ich war ihm einfach nur voll und ganz verfallen.
„Ich liebe dich“, keuchte ich mittendrin.
Bevor ich nicht mehr dazu in der Läge wäre und das Ganze schon seinen Höhepunkt erreichte, wollte ich es vorher doch anständig ausgesprochen haben. Sonst hätte ich hinterher das Gefühl, es nicht rechtzeitig klargestellt zu haben. Von Ciar kam darauf ein herzliches Lachen, wenn auch nur ein leises. Unbeirrt machte er weiter, was seine Art war auf meine Worte zu reagieren.
Langsam setzte er dazu an, mir auch die Hose auszuziehen, was ich einfach zuließ. Das hier war so viel besser als dieser ätzende Liebeskummer, der mir gerade nur noch wie ein alter Alptraum vorkam. Geliebt zu werden war heilsamer als jede Medizin. Diese Nacht zeigte mir, dass ich mich richtig entschieden hatte – und meine Gefühle für Ciar wurden noch stärker.
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