Love Shots

KurzgeschichteRomanze / P18 Slash
04.06.2019
12.11.2019
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Liebe Leser,
es geht mit einer neuen Kurzgeschichte weiter. Wie erwähnt, knüpft sie nicht an die vorherige an.
Ich hoffe, ihr habt Spaß beim Lesen, ich habe immer mal wieder an der Geschichte getippt und gefeilt, bis ich sie auf "die Welt" loslassen konnte, bzw wirklich zufrieden mit ihr war. Zumindest inhaltlich.
Ich wünsche (hoffentlich) viel Vergnügen.
Und wie immer Danke fürs Lesen ;))

Liebe Leser, auch diese Geschichte wurde nachträglich angepasst, ich habe einige Absätze gekürzt (dadurch klingt es für mich auch viel runder) und noch eine Szene nachträglich eingefügt. "Der Morgen danach" ist quasi der Epilog der Kurzgeschichte und war schon eine Weile in meinem Kopf. Ich hoffe, er gefällt euch.

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Eine sachte Windbrise raschelte in den leuchtend grünen Blättern der beiden Birken im Garten und bewegte die sonst ruhige Oberfläche des dunklen Schwimmteiches. Die Sonne durchstach den Schatten unter den Bäumen und warf spielende Lichtpunkte auf sein entspanntes Gesicht.
Es war ein heißer Sommertag, der sich nun dem Inferno des malerischen Sonnenuntergangs ergab. Das Licht schien am Horizont zu explodieren und sich in ein malvenfarbenes Meer auszubreiten, das nun den Himmel eroberte. Das warme Licht spiegelte sich in der Teichoberfläche. Zum Abend hin kam ein Lüftchen auf, und es war höchstwillkommen, die stehende, erdrückende Hitze zu vertreiben.
Seufzend ließ Cedric die Beine im kühlen Wasser baumeln und genoss noch einen Moment länger die letzten heißen Sonnenstrahlen des Tages. Er war eigentlich kein Sonnenanbeter, ganz und gar nicht, er verbrachte die meiste Zeit seines Lebens in dunklen, kühlen Räumen. Doch heute war alles anders. Um genau zu sein seit drei Tagen war alles anders. Er brauchte die wenigen Glücksgefühle, die ihm Sommer, Sonne, Vogelgesang, Windrauschen und der einsame Schwimmteich im Garten seiner besten Freunde entlocken konnten. Er badete in der abgeschiedenen, friedlichen Idylle und versuchte, an nichts weiter zu denken, als daran, wie zufrieden ihn die Einsamkeit machte.
Ein Trugschluss. Alles. Aber was sollte er sonst tun, als sich einzureden, dass es nicht schlimm sei, allein zu sein. Natürlich war er gern für sich, aber wer war schon gerne einsam. Das waren für ihn zwei verschiedene Dinge.
Für seinen Ex…jedoch nicht.
Cedric schüttelte den Kopf, vertrieb die Gedanken und strich sich mit der vom Schwimmen feuchten Hand durchs schwarze, nasse Haar. Die Trennung war schlicht noch zu frisch, um darüber hinweg zu sein. Wobei er gestehen musste, dass sein Herz nicht gebrochen war. Er fühlte sich fallen gelassen, sein Stolz war verletzt, aber nicht seine Gefühle. Irgendwo unter der Oberfläche, wo er seit drei Tagen große Enttäuschung und auch einen geringen Schock spürte, lag auch ein Hauch … Erleichterung.
Die Wahrheit war, niemand wollte seine eigene Beziehung in die Brüche gehen sehen, auch dann nicht, wenn man längst wusste, dass es einfach nichts passt. Am Ende war es gut so, wie es war.
Dennoch blieb das Gefühl, abgeschossen worden zu sein, wie ein Stachel im Fleisch stecken.
Hätten sie sich doch nur früher eingestanden, dass sie einander kein Verständnis entgegenbrachten, hätte es nie so weit kommen müssen.
Aber Cedric hatte sich nicht schon wieder das Gerede seiner Familie und Bekannten anhören wollen, weshalb er die ständigen Streitigkeiten und das Unharmonische in seiner Beziehung ignoriert hatte, bis es eskalierte.
Am Ende hatte es ihm also doch wieder nur Gerede eingebracht. Seine Familie war nicht homophob und es machte ihnen »nichts aus«, dass er schwul war, doch sie … konnten recht ignorant sein, bedienten sich bei ihren »liebevollen« Neckereien allerlei Klischees. So wurde der Spott natürlich umso größer, wenn er mal wieder eine Beziehung in den Sand gesetzt hatte. Die achte Beziehung, um genau zu sein. Und seine Familie nahm an, es läge an seiner sexuellen Ausrichtung. Als könnten Schwule nicht treu sein … sich nicht festlegen …
Dabei konnte er nichts dafür, die meisten seiner Partner hielten es schlicht nicht lange mit ihm aus. Er war nicht derjenige, der seine Partner in die Wüste schickte, er war es, der abgeschossen wurde. Immer wieder.
Aber es machte ihn auch nie wirklich unglücklich.
Und er kannte auch den Grund dafür. Sein Herz war längst besetzt. Doch das, wonach er sich sehnt, war unerreichbar, wenn auch körperlich stets sehr nahe.
Erneut schüttelte er den Kopf, vertrieb auch diese Gedanken. Nein, er war allein besser dran, sagte er sich. Dann stand er auf, halb getrocknet von der Abendsonne, und tapste barfuß durch den saftigen, weichen Rasen zur Veranda des alten Fachwerkhauses, das sich aus einem leuchtend grünen Meer aus Gräsern, Buschwerk und Schlingpflanzen erhob. Der Garten bot einen natürlichen Sichtschutz, keine Straßen waren zu sehen oder zu hören, einzig der Klang der Natur schmeichelte dem Trommelfell, sodass Cedric sich hier stets vorkam wie in einer anderen Welt.
Die schwere, nasse Badehose zog er auf der Veranda aus und schnappte sich ein ausgebleichtes, einst weißes Strandtuch von einem der drei Liegestühle, trocknete sich von Kopf bis Fuß ab und wickelte sich das Tuch um seine Blöße, wo es gefährlich tief und locker auf seinem Becken hing.
Er war kein besonderer Hingucker, kein Bild von einem Mann. Ehe durchschnittlich groß, mit einem langen Gesicht, ganz passablen Brustmuskeln, aber einem kleinen Bäuchlein. Er rasierte sich nicht, die Sonne glänzte in seinem dunklen Brusthaar, sein schwarzes Haar hätte einen Schnitt gebrauchen können, und sein Dreitagebart wirkte nachlässig und überhaupt nicht verwegen.
Aus dem Hausinneren erklang Geklapper, der Duft von gebratenem Fleisch und frischen Kräutern kitzelte ihn in der Nase und lockte ihn nach drinnen.
Es war kühl und dunkel in dem alten Gebäude. Das glückliche Paar hatte es vor etwa fünf Jahren erstanden und nur die nötigsten Sanierungen vorgenommen, sodass der ländliche Stil noch enthalten war. Niedrige Decken, kleine Zimmer, massive Balken und winzige Fenster mit kitschigen Gardienen. Wie ein kleiner Bauernhof zu Uromas Zeiten, sie hielten sogar Hühner im Garten und pflanzten ihr eigenes Gemüse an. Doch das war nur ein Hobby der beiden. Mehr Nutztiere gab es nicht, nur einen gemütlichen Haushund, über den Cedric stieg, als er die Küche über die halbdunkle Diele betreten wollte.
Mr. Bandit wedelte lustlos mit dem Schwanz, ansonsten lag er wie erschossen auf dem Boden. Cedric ging kurz neben ihm in die Hocke und kraulte den schokoladenbraunen Labrador am Bauch.
»Na Großer, macht dir die Hitze zu schaffen?«
Als Antwort erhielt Cedric ein schweres Schnaufen.
»Kopf hoch, Bandit, es wird schon kühler.« Noch einmal klopfte er dem Labrador auf die Flanke, dann erhob er sich wieder und näherte sich dem Stimmengewirr und dem Geklapper aus der Küche. Er hörte deutlich das Zischen einer zu stark erhitzten Pfanne, in der Fleisch briet.
»Er tut mir so leid«, sagte Ivan plötzlich mit seiner gewohnt sanften, beinahe noch kindlichen Stimme.
Cedric, der gerade in die Tür einbiegen wollte, trat wieder einen Schritt zurück und lauschte verborgen hinter dem Rahmen.
Geschirr klapperte erneut, als legte jemand behutsam einen Teller auf einen anderen.
»Er war eben nicht der Richtige«, hörte er Bela deutlich dunkler, mit geradezu rauchiger Stimme antworten.
»Es ist schon der sechste Kerl, der nicht der Richtige war, das muss ihm wirklich zusetzen.«
»Der achte«, korrigierte Bela leichthin.
Ivan schwieg einen Moment, dann wiederholte er traurig. »Der achte schon. Acht gescheiterte Beziehungen.«
»Das ist doch nicht viel. Und Ced kommt schon klar, du kennst ihn doch, der steckt das weg. Außerdem gibt es sehr viele Menschen, die allein glücklicher sind. Man braucht keine Beziehung, um  ein erfülltes Leben zu führen. Ced ist erfüllt, wenn er sein einsames, ruhiges Ding machen kann, und niemanden Rechenschaft schuldig ist. Gib mir mal den Pfannenwender.«
Eine Schublade wurde geöffnet. »Diesen?«
»Nein, den anderen. Ja. Danke.«
Cedric dachte einen Moment lang über Belas Worte nach. Wirkte »sein Ding« wirklich einsam und ruhig? Nun gut, es war wohl nicht sonderlich aufregend, sich die meiste Zeit in der Garage einzuschließen, um irgendwelche Kunstwerke aus Altmetall zusammenzuschweißen, in der Hoffnung, irgendeine Skulptur würde irgendwann einmal wirklich richtig bekannt werden. Nicht, das Cedric auf Ruhm aus wäre, er hasste es, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Aber für seine Kunst wünscht er es sich. Seine Partner verstanden das nicht, sie wollten ihn immer aus »seiner Höhle« locken. So hatten sie es alle genannt. Dass es ihm nicht behagte, eine Skulptur unfertig stehen zu lassen, um sich amüsieren zu gehen, verstanden sie nie. Noch weniger, dass es ihm allgemein keinen Spaß machte, seine Garage zu verlassen, um »spontan« zu sein. Er hasste es, auszugehen. Doch die ganze Welt liebte es, in feinen Restaurants zu speisen, in Kinos oder Musicals zu gehen, ins Fitnessstudio, in Bars, zum Brunch, und sogar in alle möglichen Länder zu verreisen. Cedric hingegen war nur wirklich glücklich, wenn er sich zurückziehen und seine Arbeit machen konnte. Aber Beziehungen verlangten mehr. Vielleicht war er nicht dazu gemacht, eine Partnerschaft zu führen. Nicht so wie Bela und Ivan, die auch nach sechs Jahren nicht die Hände von einander lassen konnten und ununterbrochen turtelten. Sie waren der Inbegriff eines perfekten Paarens, sie unterstützten sich ständig, in jeglicher Hinsicht. Bela hatte sogar zwei Jobs angenommen, damit Ivan sich trotz Hauskauf auf sein Studium konzentrieren konnte. Und Ivan hätte für ihn dasselbe getan, jederzeit, für Bela hatte er sogar sein Auto verkauft, als dieser sich verschuldet hatte. Er sagte, ein Auto würde ihnen schon reichen, bis es ihnen besser ging. Es gab kein Du und Ich bei ihnen, nur ein Wir. Sie waren ein Team, in allem. Es schien nichts zu geben, was diese beiden nicht irgendwie geregelt bekamen. Sie waren beneidenswert.
Cedric hingegen hatte versucht, allein zu leben. Irgendwie ging es dann doch nicht ohne Beziehung. Auch wenn er lieber zurückgezogen lebte, fehlte ihm manchmal doch etwas Nähe, Rückhalt, Sicherheit und schlicht Geborgenheit. Das Haus war zu leer, das Bett erst recht.
Die Schublade in der Küche wurde behutsam wieder zugeschoben. Es wurde weiter gekocht, Pfannen umhergeschoben, es zischte im heißen Öl, Messer ratschten über Brettchen, während sie Gemüse schnitten.
Cedric glaubte schon, die Luft wäre rein, und er könnte die Küche betreten, da fuhr Ivan nachdenklich fort.
»Klar, er kommt schon irgendwie zurecht. Er würde uns wohl auch kaum etwas anderes glauben lassen, als dass er drüber hinwegkommt. Aber ich denke, dass es doch an ihm nagt. Es sind ja nicht einfach nur acht gescheiterte Beziehungen, es sind acht Kerle, die ihn wegen … seines desinteressierten Verhaltens verlassen haben.«
Eine kurze Pause entstand, und Cedric stellte sich Belas übliches Schulterzucken vor, während er an seinem geliebten Herd stand und geflissentlich seine berühmten Rumsteaks zubereitete. »Ced ist nun mal… er ist einfach Ced. Wir können nichts für ihn tun, Ivan, außer für ihn da zu sein, wenn er uns braucht. Aber es ist Ceds Leben. Sollen wir ihm sagen, dass er sich ändern, sich mehr anstrengen soll? Das kann er nicht, er ist nun mal … ein stiller Typ. Er ist gern allein. Was ist falsch daran?«
»Nichts, ich will doch gar nicht, dass er sich für irgendwen ändert«, konterte Ivan trocken, auch bei ihm sah Cedric vor seinem geistigen Auge ein leichtes Schulterzucken. »Er … hat einfach mal ein wenig Glück verdient, finde ich. Ich kann es nicht ertragen, diesen verletzen Stolz in seinen großen Augen zu sehen.«
»Wir sind keine Flaschengeister, die Wünsche erfüllen, sein Glück liegt nicht in unserer Hand.«
»Vielleicht ja doch«, erwiderte Ivan mit einem geheimnisvollen Unterton, den Cedric nicht richtig deuten konnte.
Oh nein, hoffentlich wollten sie ihn nicht schon wieder mit irgendwem Verkuppeln! Er hasste das, weil er sich dabei vorkam wie die hässliche, kleine, dicke Schwester.
Bela lachte dunkel. »Auch das liegt in seiner Hand, nicht in unserer.« Die Pfanne klapperte, als er das Fleisch darin wendete. Dann seufzte er und gestand Ivan: »Ich glaube, er ist gar nicht so traurig darüber, er kommt mir erleichtert vor, freier. Hat ihn in den letzten Monaten doch ziemlich gestresst, die ständigen Vorwürfe, die Versuche, aus sich heraus zu kommen. Er hasst es, wenn man ihm Druck macht. Wundert mich, dass er nicht schon längst Schluss gemacht hat.«
»Ich glaube, er wollte diese Beziehung um jeden Preis, Bela.« Ivan seufzte unglücklich. »Aber nicht aus Liebe. Der Spott seiner Familie geht ihm schon sehr nahe. Deshalb versteckt er sich auch erst mal hier bei uns, glaube ich.«
»Hm. Ja. Kann schon sein. Das Fleisch ist gleich gut, wir sollten ihm Bescheid geben.«
Etwas rumpelte, als wäre jemand so hastig vom Tisch aufgestanden, dass er diesen beinahe umgestoßen hätte. »Ich gehe ihn holen«, verkündete Ivan. Bela lachte leise.
Bevor Ivan die Diele betrat, bog Cedric in die Tür und gab sich überrascht, als Ivan in ihn reinrannte.
»Oh. Sorry«, murmelte er und schob den überrumpelten Ivan ein Stück von sich.
»Oh, da bist du ja!« Ein makelloses, beinahe jungenhaftes Gesicht strahlte Cedric entgegen. Ivan besaß eine beneidenswert jugendliche Ausstrahlung, was durch seinen beinahe nicht vorhandenen Haarwuchs unterstrichen wurde. Er wurde sehr häufig an der Kasse oder in Bars nach seinem Ausweis gefragt, und viele hielten ihn für gefälscht, weil dieser Jungspund doch niemals bereits Ende Zwanzig sein konnte! Zugebenermaßen wirkte er durch seine kleine Körpergröße und den schlanken Leib mehr wie ein Junge, denn ein Mann. Er besaß keine Muskeln, seine Brust und Bauch waren flach, die Arme und Beine dünn, der Körper eines Langstreckenläufers. Jedes T-Shirt und jede Jeans, seien sie noch so klein, wirkten an ihm lockerluftig.
Bela, Ivans Lebensgefährte, war dahingegen ein Muskelpaket. Nun gut, eigentlich war Bela groß und athletisch, nicht muskulös. Sein schöner, sehniger Körper war braungebrannt und hochgewachsen, aber bei Weitem kein Hüne. Doch neben Ivan wirkte Bela umso männlicher.
Beide hatten auf ihre Arten ihre … Reize. Bela, dieser große, drahtige Mann mit den schön definierten Muskeln, der dunkleren Haut, seinem kurz gehaltenen, kastanienbraunem Haar und seiner exotischen Mandelaugen, und Ivan, dieser fröhliche, schlanke Jüngling mit dem breiten Grinsen, honigbraunem, etwas zu langem Haar und den großen grünen Augen, in denen stets eine gewisse Güte stand, waren einfach einen Hingucker wert. Oder auch zwei, drei. Sie waren auch nicht schüchtern, sich zu zeigen. Den ganzen Tag liefen sie in Shorts herum, Bela oberkörperfrei, Ivan nur mit einem weiten, weißen Tanktop bedeckt, das bei jeder Bewegung verrutschte.
Der Sommer war immer die schönste Jahreszeit, um die beiden einige Tage zu besuchen. Wobei Cedric sich gar nicht entscheiden konnte, wen er von beiden lieber ansah.
Auch jetzt musste er blinzeln, da Ivan ihm nach dem Zusammenstoß äußerst nahestand. Er roch nach frischer Seife, nach Moschus und nach … Mann, dank einer Dusche, die er bestimmt nicht allein verbracht hatte. Aus Belas Richtung kam der gleiche Dufthauch.
Cedric tat sich unwillkürlich ein Bild auf, Wasserdampf, der nackte, eingeseifte Körper umhüllte. Er räusperte sich und fühlte sich etwas unbehaglich, weshalb er einen Schritt zurücktrat. Manchmal kam er sich wie ein Eindringling in ihrer kleinen, wunderbaren Welt vor, ein Störenfried. Wie das Kind, das sich in das Bett der Eltern drängt, obwohl diese Zweisamkeit suchten. Wobei sie ihm nie dieses Gefühl gaben. Er redete es sich selbst ein.
Verlegen kratzte er sich am Ohr. »Gibt es schon Essen?«
»Perfektes Timing!«, sagte Bela und lächelte sich über die Schulter, »nur noch ein paar Minuten.«
»Lass uns draußen den Tisch decken.« Ivan schnappte sich einen kleinen Stapel Teller vom Tisch, klemmte sich eine Weinflasche unter den Arm und schob Cedric dann aus der Küche.
Sie saßen lange zusammen draußen auf der Terrasse, die zum hinteren Garten mit Blick auf den verborgenen Schwimmteich führte. Ein leichter Wind vertrieb die stehende Hitze und sorgte dafür, dass sie den Hunger spürten, den sie den ganzen Tag über nicht gehabt hatten. So schmeckte das Essen – Die Steaks, das gebratene Gemüse und die Salate – noch besser. Wobei Ivan und Bela zwei begnadete Köche waren, deren Künste an Herd und Grill Cedrics Gaumen stets schmeichelten.
Auf Ivans Frage hin, ob es schmecke, stöhnte er, es sei besser als Sex. Und es war nicht gelogen.
Als es dunkel wurde, spendeten Solarlichter um den Teich herum etwas sanftes Licht.  Die Grillen stimmten ein Orchester an, und Glühwürmchen schwebten durch den Garten. Es war wie ein wahrgewordener Sommernachtstraum. Eine Nacht, die eine stille Romantik in sich barg.
Die Stimmung übertrug sich auch auf seine beiden Freunde. Wie sie ihr Essen teilten, sich anlächelten und fütterten. Wie sie sich umsorgten, sich liebevoll neckten. Wie Bela seine Hand ganz beiläufig auf Ivans Schenkel legte. Und wie Ivan sich zur Seite beugte, um Belas Hals zu küssen. Ihre warmen Blicken, ihr leicht verschmitztes Lachen, die Liebe, die auch nach Jahren noch zwischen ihnen knisterte.
Cedric beneidete sie, doch er missgönnte es ihnen nicht. Einst waren sie ein Dreierteam aus besten Freunden, heute waren sie ein einsamer Freund und ein liebendes Paar. Doch er hatte es ihnen nie übelgenommen, dass sie ihren Schwur, nie etwas untereinander anzufangen, gebrochen hatten. Sie waren machtlos gewesen, angesichts ihrer Liebe. Doch er würde es sich nicht selbst verzeihen, damals nicht den Mut gefunden zu haben, sein Glück selbst zu versuchen. Er hatte sich an ihren Schwur gehalten, trotz starker Gefühle, trotz Verliebtheit, die die Jahre überdauerte. Ivan hingegen hatte ihren Schwur gebrochen und Bela von seinen Gefühlen erzählt. Und siehe da, sie waren erwidert worden.
Cedric freute sich für sie beide, auch wenn sie ihn immer wieder mitleidvoll ansahen, weil er derjenige von ihnen dreien war, der irgendwie ja doch zurückgelassen wurde. Natürlich waren sie noch befreundet, doch die beiden waren nun ein Paar. Das hatte alles verändert. Das Band zwischen ihnen war stärker, als ihr Band zu Cedric. Das … nahm er ihnen zwar nicht übel, aber er wünschte sich dennoch, es könnte wie früher sein, als sie alle für einander das gleiche empfunden hatten.
Nach dem Essen saßen sie noch lange auf der Terrasse, tranken Wein oder Bier, während über ihren Köpfen ein klarer Mitternachtshimmel mit abertausenden funkelnden Sternen hing.
Ivan betrachtete ihn mit diesem einen besonderen, intensiven Blick, wie ein Kind, das mit leuchtenden Augen einen riesigen Berg Schokolade ansieht. Oder wie Ivan, wenn er einen nackten Schokoladenmann sieht. So sah er Cedric immer an, wenn die Gläser sich nach und nach leerten und der Alkoholpegel genau auf der Grenze zwischen Vernunft und Unvernunft balancierte.
Plötzlich lachte und schüttelte er äußerst amüsiert den Kopf. »Wisst ihr noch das Sommerfestival vor … oh Gott, wann war das noch? Das eine Jahr, als wir keinen Wohnwagen organisiert hatten und uns in Belas Kofferraum quetschen mussten.«
Cedric senkte die Augen in sein halbleeres Glas und schwenkte den Rest Flüssigkeit darin herum.
»Da war auch ein See«, fuhr Ivan fort und seufzte nachdenklich, während er sich über die Schulter blickte und den Garten betrachtete. »Wir waren schwimmen, um uns von dem vielen Tanzen abzukühlen, dann sind wir nur in Handtüchern zurück zum Auto und haben unsere Sachen zum Trocknen über die Türen gehängt.«
Bela nickte nur beständig, lehnte gemütlich in seinem Stuhl, die Beine ausgestreckt und überkreuzt und nippte an gelegentlich an seinem Glas.
»Wir haben nackt geschlafen«, erinnerte sich Ivan und grinste schmutzig. Er zog mit den Fingerspitzen unsichtbare Linien auf dem Tisch und biss sich in die Unterlippe, seine Wangen liefen rot an. »Wir haben dich… angesehen.«
Bela spuckte beinahe sein Getränk wieder aus und warf Ivan einen warnenden Blick.
»Da haben wir es uns das erste Mal gegenseitig gemacht«, fuhr Ivan unbeirrt fort.
Cedric rutschte nervös auf seinem Stuhl hin und her und versuchte, sich ein Unwohlsein ebenso wenig anmerken zu lassen wie seine Überraschung.
»Das habt ihr nicht«, warf er dann ein, ehe er seinen Mund aufhalten konnte. Er lehnte sich mit den Unterarmen auf den Tisch und schob sein Glas hin und her, ohne aufblicken zu können.
Ivan lachte jedoch amüsiert. »Oh doch, haben wir. Weißt du nicht mehr, wie du wach wurdest und dich beklagt hast, es sei so heiß und stickig. Ich schätze, unser schwerer Atem war schuld.« Sein feixender Blick streifte Bela, der nicht wusste ob er lachen oder wütend sein sollte. »Bela hat geschnauft wie ein Tier, hat dich angestarrt, mit meiner Hand in seinem Schritt.«
»Ivan…«, versuchte Bela, seinen vom Alkoholeinfluss redseligen Partner vom Sprechen abzuhalten, doch seine verkrampften Mundwinkel kämpften mit einem eindeutigen Lächeln.
Cedric schob den Stuhl zurück und stand eine Entschuldigung murmelnd auf. Er kam sich vor, wie eine Maus, die mit einem besonders leckerem Stück Käse in eine Falle gelockt wurde. In eine Falle, in die er gerne gelaufen wäre, aber wusste, dass er dort nicht bleiben durfte. Vielleicht war der Vergleich passender, wenn er sich als Straßenhund sah, der erst gerettet wurde, aber dann im Tierheim auf seinen Besitzer wartete.
So kam er sich bereits seit Jahren vor.
Als er im Laufe des Abends von der Toilette wiederkam, waren sie mit dem Abräumen des Tisches beschäftigt. Ein unmittelbarer Hinweis darauf, dass sie sich bald zurückziehen wollten. Cedric wollte noch helfen, das Geschirr in die Küche zu tragen, und nahm eine Salatschüssel und die drei Gläser mit. Er hörte sie schon in der Diele miteinander kichern und schäkern. Als er lautlos in die Tür einbog, standen sie vor der Spüle. Belas sehniger Arm lag um Ivans Taille, ihre Becken berührten sich, und Belas Gesicht war an Ivans Hals vergraben. Er flüsterte etwas, das klang wie: »Reich mir das Salatöl und lass die Hose fallen.«
Ivan lachte schmutzig und boxte ihm leicht auf die Brust, was ein dumpfes Geräusch verursachte.
Cedric lächelte – eine Spur melancholisch – und stellte lautlos die Teller ab. Seine Bewegung wurde von Bela bemerkt, der das Gesicht zu ihm herumdrehte.
Cedric entfernte sich mit erhobenen Händen und einem amüsierten Lächeln, das seinem Freund signalisieren sollte, dass er ihnen viel Spaß wünschte.
Dann verzog er sich, während sein Magen sich vor Sehnsucht verkrampfte.
Er lag auf ihrem Gästebett im Dunkeln, Hitze und ruhelose Gedanken hielten ihn wach. Das Balkonfenster stand offen, silbriges Mondlicht und kühle Nachtluft strichen wie ein Seidentuch sanft über seinen nackten Oberkörper.
Er hörte ein nasses »Platsch«, und wusste sofort, was im Garten geschah. Ivans helles, melodisches Lachen vermischte sich mit Belas dunklem, rauem Gekicher. Eine Weile hörte er ihnen zu. Sie waren manchmal wie Kinder. Vielleicht war das das Geheimnis der Verliebtheit. Cedric wusste es nicht, er hatte schon ewig nicht mehr kindisch herumgealbert. Zuletzt vor Jahren mit … Bela und Ivan.
Er stand auf, als das Plätschern im Teich leise wurde und das Lachen zu einem Gurren abklang. Der Balkon mit der massiven Balustrade aus Holz wurde vom Mond hellerleuchtet. Cedric tapste barfuß, nur in Unterhosen, an das Geländer und lehnte sich darauf. Von dort oben hatte er einen hervorragenden Blick auf den Garten, doch der Teich war halb verhüllt durch die Blätter der Birken.
Trotzdem sah er sie. Bela und Ivan im schwarzwirkenden Wasser, ihre nackten Körper nass und glänzend im Mondlicht, in ihren Haaren schimmerten unzählige Wassertropfen. Ivan hatte die Arme um Belas Nacken geschlungen und küsste ihn mit einer heißblütigen Leidenschaft, deren Wallungen Cedric bis zu sich hinauf spüren konnte. Belas Hände waren nicht zu sehen, sie verschwanden unter Wasser, irgendwo in Ivans südlicheren Regionen. Sie umkreisten sich, während sie sich küssten, paddelten mit den Beinen geübt im Wasser. Bis Bela Schwung holte, um Ivan mit sich unter Wasser zu ziehen.
Es plätscherte leise, als die beiden wiederauftauchten, sie schienen zu reden, doch Cedric hörte nur unverständliches Gemurmel. Er sah sie auch nicht mehr, die Blätter verhüllten sie.
Ob sie es trieben?
Cedric schloss die Augen und stellte es sich vor. Wie Bela Ivan aus dem Wasser trieb. Wie Ivan rückwärts vor ihm wegkroch, ein verschmitztes Lächeln auf den Lippen, und Bela ihn einholte, immer weiter über ihn kletterte, bis sie halbnackt und feucht aufeinander lagen. Er sah sie vor sich, die Beine verschlungen, Füße kokett über Waden reibend. Hände, die in Hosen gesteckt wurden, Erregungen, die sich unter dem feuchten Stoff herrlich deutlich abzeichneten und einander entgegendrängten, sich aneinander rieben. Heiße Küsse mit tanzenden Zungen und leisem Gestöhne.
Eigene Erregung kitzelte Cedric in den Lenden. Es schien eine Ewigkeit her zu sein, dass ihn etwas derart scharf gemacht hatte. Seine Hose wurde eng und sein Glied zuckte, während er an Härte gewann. Das Blut schoss ihm warm und prickelnd in die Eichel. Er biss sich auf die Lippe und knetete seinen Schritt, während er sich vorstellte, wie Bela Ivan auf den Bauch dreht und ihm die Hose von dem süßen knackigen Hinter zog. Vielleicht mit den Zähnen, um anschließend in diese rosigen Bäckchen hineinzubeißen… Cedric hätte gern selbst von Ivans Haust gekostet, geleckt, gebissen, gesaugt. Alles. Erst bei ihm, dann bei …
Seine Gedanken stockten, als sich ein harter Körper, nackt und feucht, an seinen Rücken presste. Eine Hand legte sich über seine, mit jener er sich selbst im Schritt massierte, und verflocht seine Finger mit anderen, sie halfen ihm, drückten fester zu, und zogen ihn gleichzeitig vom Geländer fort.
»Brauchst du Hilfe?«, raunte ihm Bela mit rauchiger Stimme ins Ohr und biss ihm dann sacht in den Hals.
Er versteifte sich, wollte sich wehren.
»Quäl dich nicht so«, Bela leckte ihm ins Ohr und entlockte ihm ein Stöhnen, »kämpf nicht dagegen an, wir tun es auch nicht.«
Cedric lehnte sich gegen Bela. Bela, den er immer geliebt hatte… Er griff ihm ins volle Haar und drehte den Hals, bis er dessen Lippen heiß auf seinen spüren konnte.
Mehr Hände glitten über seinen Körper. Sanfter und zarter als Belas, streichelten ihm über den Arm, über die Rippen und hinauf zu seiner Brust. Ein schlanker Leib schob sich zwischen ihn und das Geländer, sodass er zwischen zwei harten Körpern eingesperrt war.
Das schönste aller Gefängnisse.
Sie waren kühl und nass von ihrem Bad im Teich, doch das begrüßte er bei dieser Hitze. Er bekam eine Gänsehaut, die nichts mit Kälte zu tun hatte, während sie sich an ihn schmiegten, sich an ihm rieben. Er konnte Belas Glied an seinem Gesäß spüren, es drängte fordernd gegen ihn, und Ivans an seiner Leiste, das sich fast flehend an ihm rieb.
Sie rochen gleich. Es berauschte ihn. Er legte den anderen Arm um Ivan und drückte ihn an sich, seine Hand wanderte tiefer und fand festes Fleisch. Ivan trug keine Unterhose.
Belas Zunge war vertraut, vor allem ihr forsches Vorgehen in Cedrics Mund. Sie wusste, was sie wollte, sie zeigte, wer den Ton angab. Er mochte das, er hatte das immer an Bela gemocht. Ebenso wie er Ivans Zunge mochte, die sich dazu schob, sodass sie gleichzeitig von Bela dominiert wurden.
Ein Kuss zu dritt. Es war der einzige Kuss, der je sein Herz berührt hatte. Und endlich spürte er wieder, was er nur ein einziges, unvergessliches Mal gespürt hatte. Sein Herz klopfte aufgeregt und ein Kribbeln erwachte in seinem Magen, das nichts mit reiner Lust zu tun hatte.
Er fühlte sich wohl, er fühlte sich wie auf einer schwebenden Wolke – und er konnte sich zwischen ihnen einfach fallen lassen.
Heißer Atem streifte seine Wange, sanfte Lippen glitten zu seinem Hals und machten sich darüber her, während zwei streichelnde Hände seine Brust liebkosten. Unter den seidenen Berührungen Ivans, keuchte Cedric Bela in den Mund. Dieser löste den Kuss, leckte noch einmal neckisch über Cedrics feucht geküsste Lippen, und schob ihm dann die Arme unter den Achseln durch, um seine Brust zu umfassen.
»Gehen wir rein«, raunte Ivan heißer und schob Cedric rückwärts, während Bela ihn bereits über die Schwelle zog.
Er landete rücklings im federnden Bett, geschubst von zwei Paar gierigen Händen. Noch bevor er sich wieder aufrichten konnte, beugten sie sich beide über ihn und packten gemeinsam seine erst kürzlich übergestreifte Boxer. Hastig zerrten sie ihm den lästigen Stoff von den Beinen, sie selbst waren bereits nackt. Cedric konnte im Mondschein ihre steifen Geschlechter erkennen, die Schatten auf ihre schlanken Schenkel warfen.
Bela zog ihn an den Beinen zur Bettkante, gemeinsam gingen sie vor ihm auf die Knie. Cedric schob ein Bein über Belas, und ein Bein über Ivans Schulter. Ein lustvolles Ziehen ging durch seinen Magen, als Ivan sacht die Innenseite seines Schenkels anknabberte und immer höher wanderte.
Bela war weniger geschickt, er war der direktere Typ und umschloss Cedric Hoden mit der Faust. Knetete sie sanft, aber bestimmt, dabei sah er mit einem wölfischen Blick zu Cedric auf. Als wollte er sagen: »Du kannst uns nicht entkommen.«
Cedric sah ihnen zu, liebte das Gefühl von Belas weichem Haar auf dem einem, und Ivas feuchtwarme Lippen und Zunge auf dem anderen Schenkel. Hitze ballte sich zu seinem Feuerball der Lust in seinen Lenden auf. Immer weiter. Immer heißer. Immer unerträglicher, bis er glaubte, brüllen zu müssen, wenn sie ihn noch länger hinhielten …
Ivan knabberte sich zu seiner Leiste, mit einem frechen Blick zu Cedric hinauf, streckte die Zunge raus und leckte über Belas Finger, die sich geschickt über Cedrics Schwanz bewegten. Die Spitze fing bereits an zu nässen, je öfter Cedric zwischen Belas Fingern Ivans weiche, warme, feuchte Zunge spüren konnte…
Das Gefühl war so flüchtig wie ein Blitz, aber doch brachte es ihn um den Verstand. Er stöhnte.
Bela lachte leise. Hinterhältig. Er dachte nicht daran, Cedric schneller oder härter zu reiben, er blieb seinem quälend langsamen Rhythmus treu.
Die Matratze senkte sich, als Ivan auf das Bett stieg. Er beugte sich über Cedric und leckte die Andeutung seiner Brustmuskeln, küsste die empfindlichen Brustwarzen, zupfte mit Lippen und Zähnen daran, während seine Hand flach und warm Cedrics Bauch streichelte und ihm ungeahnt prickelnde Gefühle schenkte.
Mit einem leisen Stöhnen ergab sich Cedric schließlich ganz den beiden. Er ließ sich gänzlich auf das Bett fallen und legte die Arme über den Kopf. Ein gefügsamer Sklave für die Lust seiner beiden besten Freunde.
Ivan zog ihn auf seinen Schoß, Cedric ließ die Hände genüsslich über dessen schlanken Rücken gleiten. Seine Haut war noch immer so schön kühl vom nächtlichen baden. Zärtlich strich Ivan ihm übers Haar, übers Gesicht, beinahe liebevoll streichelte Cedrics Hals und Brust, und wieder zurück.
Bela kroch halb auf das Bett, er umschlang Cedrics Bein mit einem Arm und drehte sein Becken auf die Seite, um ihn mit dem Mund zu verwöhnen.
Ivan streichelte beruhigend Cedrics bebende Brust, als dieser immer lauter, frustrierter stöhnte. Doch so lieb die Geste auch schien, Cedric wusste, dass Ivan ihn für Bela festhalten würde, ganz gleich ob es ihn verrückt machte. Die beiden liebten es, ihn hinzuhalten und zuzusehen, wie er für sie sabberte.
Etwas Samtenes berührte Cedrics Lippen. Ivans Eichel. Er leckte sie ohne zu zögern. Samen klebte bereits an ihr. Sie roch und schmeckte nach feuchter Haut. Keine Seife, nur hartes Männerfleisch.
Sacht knabberte er unterhalb der Spitze, saugte sich mit den Lippen fest und ließ schmatzend die Zunge über jede pochende Ader gleiten, bis Ivan zitterte und stöhnte – und sein Schwanz feucht vor Speichel im Mondschein glänzte.
Bela hob den Kopf, als er sie hörte. Und als ließe ihn der Anblick, wie es Cedric seinem Freund mit dem Mund besorgte, selbst um Kontrolle ringen, suchte sein Finger umgehend Zugang zu Cedrics Innerstem. Immer und immer wieder tauchte sein Finger durch den willigen Muskelring. Bela leckte sich den Finger feucht, dann drang er tiefer ein.
»Gleitgel.« Es klang wie ein rauer Befehl.
Ivan antwortete Bela: »Drüben.«
Cedric hätte sie beide anfauchen können, dass sie es nicht gleich mitgebracht hatten. Er vermisste Belas Finger, als dieser aufstand und kurz im Zimmer gegenüber verschwand.
Als er wieder den Raum betrat, rieb er bereits seine Erektion ein und kam wieder zielstrebig zum Bett.
Sie schoben ihm ein Kissen unter, Bela spreizte Cedrics Schenkel und drückte sie nach oben, während er sich dazwischen kniete.
Cedric sah zu, wie Bela seine Eichel ansetzte, sein Atem ging schwerer, er wollte es so sehr. Haltsuchend klammerte er sich an Ivan, der ebenso gebannt zusah, wie Bela in ihn eindrang.
Es fühlte sich heiß an, beinahe zerreißend. Er biss sich auf die Lippe und grub die Finger in Ivans Fleisch. Es war nicht unangenehm, er genoss jeden Millimeter von Belas hartem, heißen Fleisch, das sein Innerstes aufspießte.
Dann nahm Bela ihn endlich, mit tiefen, kraftvollen Stößen, sein Becken peitschte gegen Cedric und trieb ihn gegen den anderen Mann. Ivan streichelte und zwickte abwechselnd Cedrics Brustwarzen. Ein Kribbeln rieselte von dort aus durch seine Nervenbahnen. Er drehte den Kopf und leckte Ivans steinharten Schwanz, brachte ihn dazu, lustvolle Laute auszustoßen.
Dunkles Stöhnen erfüllte den Raum, Schweißperlen tropften von Belas Stirn auf Cedrics Brust. Während er in ihn stieß, beugte er sich vor und suchte Ivans Mund. Sie küssten sich gierig über Cedrics gerötetem Gesicht, keuchten sich gegenseitig in den Mund. Dann beugte Bela sich hinab und küsste mit gleicher Leidenschaft Cedric, saugte an seinen Lippen, leckte sie feucht.
Als Bela kam, biss er zu, grub die Zähne tief in Cedrics Lippen. Sein großer, sehniger Körper spannte sich an, bis er sich anfühlte wie warmer Stein. Es ging ein Zittern durch seine Muskeln, während er sich in Cedric ergoss. Sein Schwanz zuckte wild dabei, leerte sich in mehreren Schüben. Und als er sich zurückzog, floss sein Sperma bereits mit heraus, heiß und klebrig.
Sie drehten Cedric um und zogen ihn auf die Knie, den Oberkörper flach auf der Matratze. Ivan streichelte Cedrics Rücken und Gesäß.
Cedric war er nicht Herr seiner Sinne, wenn er erregt war. Und so scharf wie bei ihnen, war er ohnehin nie. Sie hätten… alles mit ihm machen dürfen.
»Ich wette, du willst weiter gevögelt werden«, neckte Bela ihn und schob ihm zwei Finger rein. Nicht weit genug, nicht lange genug. »Sag´s mir!«
Cedric drängte sich ihm entgegen, antwortete mit einem dunklen Keuchen. Er fühlte sich seltsam … offen und unausgefüllt. Ja, er wollte wieder genommen werden, etwas sollte sich in ihm bewegen, sein empfindliches Inneres reizen. Es verlangte ihm nach nichts anderem, sein ganzer Körper prickelte unangenehm vor unerfüllter Lust. Er brauchte es jetzt. Schnell. Dringend…
Eine Zunge glitt über seinen Schenkel, leckte das herausfließende Sperma ab und folgte der Spur bis zu seinem zuckenden Muskelring. Sie leckten ihn gemeinsam sauber, einer gieriger als der andere.
»Komm schon«, lockte Ivan lüstern und schob ihm sacht die Zunge rein, »nicht so schüchtern.«
Er ließ locker. Immer und immer wieder spürte er Ivans Zunge, die ihn durchstieß und sich bewegte, als wollte sie ihn öffnen.
»Mehr«, flehte er irgendwann aus Verzweiflung und streckte ihnen den Hintern entgegen. »Bitte!«
Ivan kniete sich hinter ihn. Er hatte keine Probleme, einzudringen. Ivans Finger gruben sich tief in Cedrics Hüftfleisch, als er in ihn stieß. Er hielt sich daran fest.
Bela legte sich unter sie, leckte und saute Cedrics pochende Erregung, knetete seine hartgewordenen Hoden. Gelegentlich zog Ivan sich aus Cedric heraus, um sich von Bela mit dem Mund verwöhnen zu lassen, und drang dann wieder warm und feucht in ihn ein.
Es wurde zu viel. Lust ballte Cedrics in seinem Magen zusammen und brachte ihn fast zum Zerbersten, er konzentrierte sich auf die vielen schönen Gefühle, die sie ihm bereitet, kostete jede Empfindung aus, genoss das immer stärker werdende Kribbeln, das zu einem einzigen Punkt in seinem Unterleib wanderte und endlich seinen absoluten Höhepunkt erreichte.
Er kam und ließ sich fallen. Seine Lust brach sich bahn und kontrollierte für wundervolle Augenblicke seinen gesamten Körper und Verstand. Er stöhnte abgehackt und bebte so stark, dass sie ihn festhielten und streichelten, ihm durch den Orgasmus durchhelfen musste.
Er wusste nicht, ob und wann er je so hart gekommen war.
Danach hörten sie nicht auf. Er war schwach und befriedig, schwebte noch in einem halbkomatösen Zustand, während sie ihn festhielten. Ivan machte einfach weiter. Was sollte er auch sonst tun? Cedric genoss es, dass sie nicht sofort aufhörten, er mochte es, die Nachwehen auszukosten. Bela, der seinen Erguss geschluckt hatte, leckte ihn sauber, spielte noch etwas mit seiner abklingenden Erregung, während Ivan immer schneller, immer ungeduldiger wurde.
Die Lust wandelte sich in stille Zuneigung. Sie blieben bei Cedric liegen, obwohl es zu warm war und die Laken durchgeschwitzt waren. Irgendjemand schlug vor, duschen zu gehen, doch niemand konnte sich aufraffen. Sie waren zu erschöpft. Doch es war eine gute Erschöpfung. Eine zufriedene. Der Schweiß und allerlei anderes Zeug störte sie nicht. Sie konnten ebenso gut am Morgen duschen.
Cedric lag in der Mitte, trotz Hitze hatte Ivan sich an seine Seite geschmiegt und döste mit dem Gesicht in seiner Achsel. Bela lag auf der andren Seite mit dem Kopf an Cedrics Schulter, doch der Körper lag wegen der Hitze einige Fingerbreit von ihm entfernt.
Nachdenklich blickte Cedric nach draußen in den klaren Sternenhimmel. Er hatte Durst, doch wollte er nicht aufstehen und diesen perfekten Moment zerstören. Es gab nichts Schöneres für ihn, als in ihrer Mitte zu liegen. Und irgendwie gehörte er genau dorthin. Deshalb passte es nicht mit anderen Männern, er war längst verliebt, und zwar in seine beiden besten Freunde.
Kein Mann würde je an sie herankommen können, weder in sexueller, noch in emotionaler Hinsicht.
Doch wie sollte er das je seiner Familie erklären? Sie würden sich das Maul zerreißen, dass er »solch eine Beziehung« führt. Und sie würde nie glauben, dass es dabei um Liebe und nicht um Sex ging.
Aber so war es nun mal. Er liebte beide gleichermaßen, er war lediglich zu feige, dazu zu stehen.
»Woran denkst du?«, flüsterte Ivan müde. Er schob zärtlich eine Hand über Cedrics Brust, als wollte er ihn zum Schlafen verführen.
Cedric legte seine Hand über Ivans, sah ihn an und lächelte: »Über nichts. Mein Kopf ist noch so leer.«
Ivan lächelte zurück, doch da fielen ihm wieder die Augen zu. Er kuschelte sich eng an Cedric und seufzte wohlgefällig. »Nicht denken, nur fühlen, Ced. Wir sind so froh, dass du hier bist.«
Sein Lächeln wurde eine Spur wärmer. Er beugte sich zu Ivan und küsste dessen Schläfe. Dann drehte er das Gesicht und küsste Belas Scheitel.
»Ich bin auch froh, hier zu sein«, flüsterte er in die Nacht.
Hier war der einzige Ort, an dem er sein wollte.

*~*~*~*

Die Vögel zwitscherten am Morgen, ein Hahn krähte kurz nach Sonnenaufgang, der Himmel war in ein malerisches Inferno getaucht, das rote Licht sickerte in das Zimmer, während der kühlere Morgenwind seine Haut wachküsste.
Blinzelnd öffnete er die Augen, seine Wange lag auf warmer Seide. Es war Belas Brust, auf der er seinen Rausch ausgeschlafen und seinen Sabber verteilt hatte. Eilig wischte er sich den Mundwinkel und dann auch Belas nackte Brust trocken.
Sein Freund brummte und drehte sich schläfrig auf die Seite, ihm den Rücken zugewandt. Das Laken raschelte leise.
Cedric betrachtete ihn mit der Klarheit des Morgens. Wenn der Mantel der Nacht erst einmal von den Augen runtergerissen wurde, beschien das Licht des Morgens die Taten der nächtlichen Stunden umso deutlicher.
Nicht, dass er sich schämte, aber er kam sich wieder vor wie der letzte Dreck, weil er sich zwischen seine Freunde gedrängt hatte. Ob sie es nun gewollt hatten oder nicht, er kam sich vor, als würde er sich in seine Sache hineindrängen, die perfekt war. Er wollte so gern Teil davon sein, dass er jeden Strohhalm ergriff, den sie ihm reichten. Aber ob sie in ein oder zwei Wochen, wenn der erste Rausch des Neuen vorbei war, noch immer so dachten?
Er wagte es zu bezweifeln, er kannte es doch selbst, von sich. Zuerst war alles aufregend und neu, dann bemerkte man, dass man sich von seinen Gefühlen hatte leiten lassen, von einem flüchtigen Impuls, der nie eine Zukunft haben konnte.
Und er wollte nicht, dass sie eines Tages aufwachten und begriffen, dass ihre Lust verflogen war, der Reiz ausgebrannt, und sie nicht nur ihre Freundschaft, sondern auch ihre Beziehung aufs Spiel gesetzt hatten.
Cedric richtete sich vorsichtig auf, er war nackt und klebte unangenehm. Die andere Seite des Bettes war leer, Geschirr klapperte unten in der Küche, Ivan summte und sprach gelegentlich mit dem Hund, als sei er ein Kind. Liebevoll erklärte er ihm jeden Handgriff, den er ausführte, um ihnen eines seiner berühmten, üppigen Frühstücksspezialitäten zuzubereiten.
Um Bela nicht zu wecken, lief Cedric auf Zehenspitzen aus dem Zimmer, zupfte noch ein paar Sachen aus seiner Tasche und tapste dann gemächlich und splitterfasernackt über den Flur. Der Geruch von Waffeln, aufgebackenen Brötchen, Speck und Kaffee lag in der Luft, brachte seinen Magen zum Knurren und seinen Mund zum Speicheln.
Er nahm sich Zeit unter der Dusche, genoss das heiße Wasser, während er die Spuren der letzten Nacht von sich abwusch und ein Gefühl von Bedauern verspürte. Cedric schindete Zeit, schäumte sich mehrfach den Kopf ein und wusch die Haare aus, nur um nachdenken zu können. Schließlich schlug ihn der feuchte Wasserdampf hinaus.
In Badeshorts und offenem Hemd nahm er die Treppe nach unten und hörte Ivan noch immer in der Küche herumhantieren. Ein Schlachtfeld erwartete Cedric, als er in die Tür einbog und er die Augenbrauen hob. Mehl schien regelrecht in der Küchenmaschine explodiert, als hätte Ivan vergessen, ein Handtuch darüber zu legen. Waffelteig tropfte von der Anrichte, Pfannen stapelten sich auf dem Herd, Schneebesen, Schöpfkellen, Messer und Allerlei lagen kreuz und quer umher, es roch sogar leicht angebrannt. Und mitten drin: Ivan, das Haar feucht von der morgendlichen Dusche, er trug ein weites, aber kurzes Hemd und verboten enganliegende Shorts, die seinen Knackarsch betonten, während er sich die Fingerableckend hin und her bewegte, Rezeptbücher umschlug, Waffeln schichtete und Speck wendete. Der Hund wuselte fröhlich um ihn herum und leckte alles auf, was auf den Boden tropfte.
Cedric konnte nicht anders, als leise über ihn zu lachen. Bela würde ihn umbringen! Aber wie könnte man böse sein, wenn man diese Leidenschaft sah, mit der Ivan ans Werk ging, nur um ihnen eine Freude zu machen.
Überrascht fuhr Ivans Kopf herum und er grinste teils frech, teils verlegen. »Ich räume das auf!«
Cedric zuckte glucksend mit den Achseln. »Ist nicht meine Küche.«
Mit einem gewinnenden Lächeln hüpfte Ivan auf ihn zu. So fröhlich hatte er ihn noch nie erlebt, so … verliebt. »Guten Morgen«, sagte er, schmiegte sich an ihn und küsste ihn, ehe er sich´s versah innig und regelrecht leidenschaftlich auf den Mund, sodass Cedric gar nicht anders konnte, als den Kuss überrascht zu erwidern. Diese Inbrunst am frühen Morgen haute ihn beinahe aus den Socken, er musste sich räuspern.
»Hast du Hunger?« Ivan zupfte überschwänglich an seinem Hemd. »Geh doch schon mal raus, wir können schon essen. Bela pennt wie ein Bär, ich warte nie auf ihn.« Er winkte lachend ab, wandte sich um und ging zurück zu seinen Waffeln.
Cedric schielte seinem wiegenden Gesäß kurz hinterher, dann sah er sich nach der Kaffeemaschine um, eine volle Kanne wartete dampfend auf ihn. »Darf ich?« Er deutete auf die Tassen.
»Ja! Ja! Natürlich!« Ivan schien regelrecht vor Glück zu platzen, leckte eifrig den Schneebesen ab, ehe er erneut Teig in das Waffeleisen goss.
Allerlei Bilder der letzten Nacht drängten sich Cedric auf, er musste sich von dem Schneebesen und dem leckenden Ivan loseisen.
Noch immer in sich hinein grinsend schenkte Cedric sich eine Tasse ein und nahm sie mit auf die Terrasse. Die Türen standen bereits offen, sodass die Vorhänge im sachten Wind wehten, der den Duft des Gartens hereintrug. Nach leicht feuchtem Gras und Blättern und üppigen Blumen.
Es wartete ein gedeckter Tisch auf ihn, frisch gepresster Saft, ein Korb mit Brötchen, Wurst- und Käseplatten, seine Lieblingsmarmelade, eine Pfanne Rührei und hartgekochte Eier.
Ob Ivan eine Schar Wikinger erwartete? Wer sollte all das Essen? Cedric konnte nicht aufhören zu schmunzeln. Dieses kleine, aufgeweckte Kerlchen hatte stets diese besondere Art, seine Zuneigung zu zeigen. So überaus überschwänglich, dass man ihn gleichzeitig aufhalten und gleichzeitig mit wachsender Liebe beobachten wollte.
Eines musste Cedric sich eingestehen, von Ivan und Bela fühlte er sich stets herzlich aufgenommen und umsorgt. Nicht einmal zu Hause hatte er dieses Gefühl der Geborgenheit, wie er es hier bei seinen Freunden hatte. Und er hätte nichts lieber getan, als sich einen Teller vollzupacken, Ivan am Handgelenk zu nehmen, die Treppe hoch zu zerren und mit ihm zusammen zurück zu Bela ins Bett zu schlüpfen, um sich gegenseitig zu füttern. Sich zu küssen, mal Bela, mal Ivan, als beide zusammen, sich an ihren zu reiben und ihre Reibung zu spüren, zwischen ihnen zu sein oder auch ein äußerer Teil, aber Hauptsache ein Teil davon, selbst wenn er sich nur in eine Ecke in einen Stuhl setzen, seinen Kaffee trinken und ihnen zu sehen würde, wäre er der absoluten Glückseligkeit verfallen.
Und trotzdem ließ ihn das unbehagliche Gefühl nicht los, dass er sich in ihr Leben drängte, ihnen etwas wegnahm.
Er verfluchte den Morgen und seine Klarheit und wünschte sich, er könnte jedweden Zweifel einfach von den Schultern streifen. Denn er war gern hier.
Etwas Warmes, Schlankes schmiegte sich an seinen Rücken und drückte die Wange zwischen seine Schulterblätter.
»So anhänglich?«, neckte er Ivan.
Dieser lachte leise und machte sich widerwillig von ihm los. »Ich habe einiges nachzuholen.« Seine Hand fuhr sacht über Cedrics Rücken, der sofort eine Gänsehaut bekam. Eine von der angenehmen, warmen Sorte.
Ivan ging mit einem eindeutigen Lächeln an ihm vorbei zum Tisch.
»Ja…« Cedric löste eine Hand von seiner Tasse, um sich am Kopf zu kratzen. »Hör mal, wegen letzter Nacht, ich…«
Ivan sah auf, jeglicher Frohsinn erloschen. Cedric spürte förmlich, wie er dessen Morgen zerstörte, die großen, verletzten Augen ließen ihn schlucken.
»Ich… ich weiß nicht recht, ob…«
»Du weißt was nicht?«, ertönte Belas dunkle Stimme hinter ihm und prompt hatte dieser einen Arm um ihn geschlungen und zog ihn besitzergreifend an sich. »Hm, du hast schon geduscht.« Er zog genüsslich die Nase über Cedrics Nacken. »Guten Morgen ihr zwei.« Er küsste Cedrics Hals, ließ ihn los und ging zu Ivan. Auf dem Weg zu ihm schnappte er sich ein Stück Frühstücksspeck und schob es sich in den Mund, mit fettigen Lippen küsste er auch Ivan.
Cedric sah ihnen zu und trank von seiner Tasse, während er näher an den Tisch ging. Er spürte keine Eifersucht, ganz im Gegenteil, er liebte es, zu sehen, wie sie sich küssten, wie sie sich berührten. Es könnte ihn nicht glücklicher machen.
»Ced wollte gerade kneifen«, verkündete Ivan leicht pikiert und strafte ihn mit einem bösen Blick.
Cedric öffnete den Mund, um zu widersprechen, aber Ivans vorwurfsvollen Blick hielt er nicht stand. Ernüchtert ließ er die Arme hängen. »Wir hatten eine geile Nacht, machen wir es nicht kompliziert.«
Kauend sah Bela ihn an. »Wie meinst du das?«
»Dass er wieder geht«, warf Ivan ihm vor, rückte das Gedeckt hin und her, ohne wirklich etwas auf dem Tisch zu verändern. »Ist doch so, oder?«
»Ich kann mich nicht ewig hier verstecken.«
»Wer redet denn von verstecken?«, warf Bela irritiert ein. »Wie wäre es mit wohnen?«
Ivan gab sein Herumwerkeln mit einem frustrierten Zischen auf, murmelte etwas von Küche und eilte an Cedric vorbei. Seine Augen schimmerten und er wirkte wütend.
Verwundert sah Cedric Bela an. »Was hat er denn?«
Bela zog seine Augenbrauen hoch. »Ich würde sagen, er ist verletzt.«
Ernüchtert ließ Cedric die Schultern hängen, stellte die Tasse auf dem Tisch ab und seufzte schwer. Wie konnte etwas, das so schön begonnen hatte, so dramatisch werden.
»Ich will mich nicht … irgendwo dazwischendrängen.« Es war ihm schon immer leichter gefallen, sich Bela anzuvertrauen. Bela war ruhiger, selbst wenn er gekränkt wurde. Ivan war impulsiv, wie seine morgendliche Kochaktion nach dem Sex bewies. Das konnte natürlich auch negativ umschlagen.
»So ein Unsinn!«, hielt Bela dagegen.
Cedric starrte mit geschürzten Lippen und dem Gefühl, am liebsten wegrennen zu wollen, zu Boden. Er hasste es, seine Gefühle so offen zu zeigen, aber irgendwie schuldete er es seinen beiden engsten Freunden – und Geliebten – doch, zu erklären, warum er nicht hierbleiben wollte.
Und vielleicht erhoffte sich ein Teil von ihm, dass sie ihn aufhalten würden.
»Hey, Ced!« Bela kam zu ihm, drehte ihn in seinen Armen um, bis er den Rücken an seine starke Brust lehnen konnte. »Was müssen wir denn noch tun, um dir zu beweisen, dass wir dich hier bei uns wollen? Mehr als das: dass du ein Teil von uns bist, der einfach fehlt, jedes Mal, wenn du weggehst.« Er klang so wehmütig, wie Cedric sich fühlte.
Konnte es sein, dass sie wirklich das wollten, was auch er wollte? Dass mehr als ein flüchtiger, aufregender Gedanke war? Gar ein langes Sehnen?
Cedric schluckte einen dicken Kloß im Hals runter und spürte förmlich, wie Bela die Ketten der Zweifel in seiner Brust löste. Seine raue Hand fuhr über Cedrics nackte Brust, sandte ein heißes Prickeln durch seine Nerven.  
»Komm schon, gib dir einen Ruck!« Bela ließ sich auf einen Stuhl nieder und zog Ced auf seinen Schoß. »Brich uns nicht das Herz.« Er biss ihm in den Nacken, das Gefühl prickelte.
Genau in diesem Moment kam Ivan zurück, klopfte sich die Hände ab, wie ein Dieb nach einem erfolgreichen Beutezug, und setzte sich mit einem breiten Grinsen an den Tisch.
Cedric hatte ein ganz mieses Gefühl in der Magengrube, als hätte er Säure getrunken. »Was hast du gemacht?«
»Deine Sachen versteckt«, grinste Ivan dreist. »Damit du nicht mehr wegkannst!«
Wie bitte? Wie alt waren sie? Zwölf!? Fassungslos fuhr er zu Bela herum, ersuchte ihn um Hilfe, doch Bela lächelte lediglich amüsiert, griff an ihm vorbei und angelte noch einen streifen Frühstücksspeck vom Tisch, der sofort in seinem Mund verschwand.
»Du hattest keine Chance, Ced«, lachte er und zeichnete verspielt Kreise auf Cedrics Bauch. »Jetzt ist es ohnehin zu spät.«
Nicht zu spät, dachte Cedric, und trank von seinem Kaffee, sondern genau richtig. Belas Hand wanderte tiefer, während Ivan ihnen gegenübersaß, genüsslich die Show genoss und ihnen beiden ein Brötchen schmierte. Das war es, dachte Cedric erleichtert, häusliches Glück.
Das war, was er immer gesucht hatte, und nur bei ihnen fand. Aber es würde nicht das letzte Mal sein, dass sie ihn festhalten mussten, er liebte sie schlicht zu sehr, um seine Zweifel gänzlich abzulegen. Er wollte ihnen nicht ihr Glück zerstören. Dass er zu diesem Glück beitrug, würde er erst noch lernen müssen. Aber das machte nichts, sie wollten ihn, das bewiesen sie ihn an jenem Morgen – und an vielen weiteren.