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Tolo Ar Nin - Komm Mit Mir

von Jaybird
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
Aragorn Haldir Legolas
04.06.2019
04.06.2019
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5.835
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20 Worte, die eine Verbindung schufen

Das Licht der untergehenden Sonne schimmerte nur blass durch die Kronen der hohen Bäume und doch war der Wald nicht von Dunkelheit beherrscht. Stattdessen fanden sich die Wanderer mit einem Mal von einem wahren Lichtermeer umgeben. Wo sich zuvor noch der einsame Pfad durch die Verwinklungen des Düsterwaldes gewunden hatte, schwebten nun Laternen von verschiedensten Farben, scheinbar wie von Zauberhand gehalten. Die Gestalt an der Spitze des kleinen Zuges erhob eine Hand, um die anderen zum Stillstehen zu bewegen. Eine leise Musik erfüllte die süße Luft des Abends, ein Chor aus vielen Stimmen. Ein so schöner Gesang war es, dass er kaum von dieser Welt zu sein schien. Und er kam näher.

Die Hand noch immer erhoben, tat der junge Waldläufer einen weiteren Schritt vorwärts. Graue Augen weiteten sich vor Überraschung und Schreck, als ihm mit einem Male jemand gegenüberstand. Der Pfeil, der bedrohlich auf sein Gesicht gerichtet war, zitterte kein Bisschen und sprach so von der Kraft und Geschicklichkeit des Schützen. Lange, blonde Haare umrahmten ein Gesicht, das an Schönheit den Sternen glich. Schmale Brauen wölbten sich über himmelblaue Augen, die ihm direkt ins Herz zu sehen schienen.

„Wer seid ihr, dass ihr das Reich des Königs Thranduil betritt und uns beim Feste stört?

„Mein Name ist Estel.“



19 Worte, die es fast beendeten, bevor es begann

Es lag wohl an seiner Jugend, so dachte sich Estel, dass er sich nicht losreißen konnte von der Gesellschaft des Elben. Bereits vor einer Woche hätte er die Reise zurück in seine Heimat antreten sollen, hätte Nachricht an seinen Ziehvater, den hohen Herrn Elrond, überbringen sollen. Und doch war ihm der Anblick des Prinzen wie ein Zauberbann, der ihn gefangen hielt. In den frühen Stunden des Morgens bereits suchte er den anderen in den Gärten. Stets lauschte er aus der Ferne, in der Hoffnung etwas von den Melodien zu erhaschen, die von den süßen Lippen fielen, nach denen er sich so sehnte. Erst, wenn Legolas zurückkehrte in die große Halle, traute sich der Waldläufer, sich ihm zu nähern. Stets hatte er einen Vorwand parat, bat den Elben ihn in der Kunst des Bogenschießens zu lehren oder ihm die vielen Heilkräuter zu erklären, die in den Tiefen des Waldes zu finden waren.

Doch sein Sehnen verblieb nicht unbemerkt. Zwar schien es, dass das Objekt seiner jugendlichen Liebe von seinen wahren Motiven nichts wusste, Estels Gefährten jedoch fanden die Affäre zutiefst vergnüglich. Erst, wenn sich eine der Wachen des Palastes zu ihm gesellte, wurde ihm bewusst, dass nicht nur die Menschen sein Verhalten zu deuten wussten. Ein trauriges Lächeln umspielte den Mund der dunkelhaarigen Elbe, als sie dem Blicke des Waldläufers folgte.  Ihre Worte waren es, die ihm das Herze in der Brust erschwerten:

„Macht euch keine Hoffnung. Die Hand des Prinzen ist bereits einem anderen versprochen. Keine Liebe kann er euch geben.“



18 Worte, die uns erinnerten, dass wir Sterne sind (eeeeh fast)

Estel erinnerte sich nicht, wie er in diese Notlage geraten war. Vor seinen Augen verschwamm die Welt, und seine Hände umklammerten verzweifelt das gebrochene Schwert. Doch Narsil konnte ihn nicht retten. Zu schwach war die Stärke seiner Vorfahren. Nie zuvor hatte er das Schwert zum Kampfe gezogen, das er seit so langer Zeit an seiner Seite trug. Das Schwert, von dem er geschworen hatte, es nie zu erneuern. Es sollte ihm als Erinnerung dienen, eine Warnung nicht den Pfad seiner Vorväter einzuschlagen. Es war ein Überbleibsel des Vermächtnisses, das ihm in die Wiege gelegt wurde und von dem er sich lange verabschiedet hatte.

Auf seinen Lippen schmeckte er das Salz seines eigenen Blutes. Die Beine versagten ihm, ließen ihn taumeln und fallen in den Matsch der Straße. Mit einem letzten Anlauf hieb er blind nach dem Gegner, doch die Klinge rutschte ihm aus den kraftlosen Händen und er keuchte. Tränen brannten in seinen Augen, doch er zwang sich aufzusehen, dem Tode keine Schwäche zu zeigen.

Das Sirren des Schlages schnitt durch seinen Geist, die schwere Axt fiel auf ihn herab und wollte ihn in zwei schlagen. Doch sie erreichte ihn nicht. Stattdessen fiel sie zu Boden mit einem lauten Platschen. Ein Laut der Pein hallte über das Marschland, ein schreckliches Heulen, als die Kreatur vor ihm zu Grunde ging. Die Welt war in einen schwarzen Nebel gehüllt und doch war dort ein heller Schimmer. Wie ein weißes Feuer in der Dunkelheit erschien es ihm, eine Vision der Valar. Die Gestalt näherte sich rasch und bald schon fand er sich von warmen Armen umfasst.

„Einen verlorenen Stern nannte dich dein Vater. Nun sehe ich wahrlich, wovon Herr Elrond sprach. Fürchte nicht, Elessar.“



17 Worte, mit denen wir allen bewiesen, wie stark wir sind

Lange waren die Stunden, die sie in den großen Hallen von Imladris verbrachten und mit jedem Lied, das Legolas ihn lehrte, wuchs seine Bewunderung und Liebe für den Elben. Doch hatte Estel gelernt, seine Gefühle zu verbergen, seit den Tagen seiner Jugend. Noch immer lauschte er mit gebanntem Blicke den Worten des anderen, noch immer hingen seine Augen an des anderen Lippen. Doch mit den Jahren fiel es ihm einfacher, sich in einen Mantel der Freundschaft zu hüllen.

Im Stillen empfand er noch immer die tiefste Sehnsucht nach dieser verbotenen Frucht, doch sprachen seine Worte von Kameradschaft. Sein Ziehvater sah mit Gutheißen auf die beiden herab, er ermutigte sie, zusammen zu reisen und hieß den Königssohn aus dem Waldlandreich herzlich willkommen in seinem Hause, wann immer ihre Pfade sie dorthin zurückführten.

Im Schein des Feuers sah er zu den beiden hin und mit einem Lächeln, das sowohl Freude als auch Trauer zugleich mit sich trug, sprach er:

Hier sehe ich eine Stärke, die einst Túrin und Beleg besaßen. Kein Feind vermag es, euch herauszufordern.“

Doch hoffte er inständig, dass sein Sohn nicht auch eine so schreckliche Bürde des Schicksals würde tragen müssen.



16 Worte, die den Beginn einer langen Reise symbolisierten

Der Rat Elronds war in grimmiges Schweigen verfallen, in dem Augenblick, als sich der mutige Halbling von seinem Stuhle erhob. Den Ring nach Mordor zu bringen bot er an und in seinem Herzen konnte Estel spüren, dass diese Worte großes Unheil mit sich brachten. Sein Blick fand den seines treuen Gefährten, des Freundes, der ihn auf so viele seiner Reisen begleitet hatte. Das himmelblau war verhüllt von einer Wolke der Trauer, die dem Waldläufer verriet, dass der andere wohl die gleiche Vorahnung spürte, wie er selbst. Lang und schmerzlich war der Weg nach Mordor und reich an Gefahren, denen nicht einmal der gewaltigste Elbenkrieger gegenübertreten konnte. Und doch blieb kein Zweifel in seinen Gedanken haften. Mit einem Male wusste er, dass es diese Aufgabe war, die ihm bereits seit langem vorbestimmt war. Kaum merklich nickte Legolas, als hätte er die Gedanken von seiner Stirne gelesen.

Ehe er es wusste, hatte er sich bereits erhoben und in seinen Händen ruhte der Griff des geborstenen Schwertes. Zu einfach war es, den Schwur zu sprechen, wusste er doch, dass er die Reise nicht allein antreten musste. Denn Legolas Augen beinhalteten ein Versprechen, das noch viel mächtiger war, als jedes gesprochene Wort.

„Frodo, sollte ich dich durch mein Leben oder meinen Tod schützen können, werde ich es tun.“



15 Worte, die meiner Dankbarkeit Ausdruck verliehen

Die Dunkelheit von Moria war erdrückend und saß schwer auf seiner Brust, wie ein lauerndes Raubtier, das bloß auf den richtigen Augenblick wartete, um ihn anzufallen. Kein Schlaf schien möglich in diesen Stunden der immerwährenden Nacht. Die stickige Luft kratzte in seinem Hals und die Geräusche, die von den hohen Wänden zu ihnen herab hallten, ließen Schauer über seinen Rücken jagen. Unruhig bewegte er sich hin und her, während er versuchte sich eine bequemere Lage zu bringen. Bequemlichkeit und die uralten Schürfgrunde der Zwerge jedoch passten zueinander wie ein Hobbit auf ein Elbenschiff. Ein stilles Seufzen entfloh seinen Lippen, als er sich erneut umwandte. Legolas hatte sich an seiner Seite niedergelassen, ohne einen Laut von sich zu geben und Aragorn fand allein in dem Anblick seines Gefährten einen Hauch der Entspannung.

Aus einer kleinen Tasche an seinem Gürtel, zauberte der Elb ein dunkles Blatt hervor, das er Aragorn mit einem sanften Lächeln überreichte. Ohne zu zögern, hob der Waldläufer die Hand und legte sich das getrocknete Blatt auf die Zunge. Es schmeckte leicht süß, doch nach keiner Frucht, die der Mensch je gekostet hatte. Einen Augenblick ließ er es in seinem Munde ruhen, ehe er begann zu kauen und es schließlich hinunterschluckte.

Es dauerte nicht lange, da empfand er eine tiefe Müdigkeit, die sich von den Fingerspitzen aus, durch seinen gesamten Körper ausbreitete. Die Schläfrigkeit suchte ihn heim, ließ sein Herz zur Ruhe kommen und die Sorgen in seinem Kopf wurden von einem dichten Nebel verschleiert. Ohne, dass er etwas dagegen ausrichten konnte, fielen ihm die Augen zu. Eine sanfte Berührung strich ihm die zerzausten Haare aus dem Gesicht und er musste sich anstrengen, die Worte von seiner Zunge zu stoßen:

Hannon le, Legolas. Nicht ohne deine Hilfe könnte ich Schlaf finden an diesem verfluchten Ort.“



14 Worte, die keinen Platz für Träume ließen

Nach den Schrecken Morias war der Wald von Lothlôrien ein nur zu willkommener Anblick. Nie zuvor hatte Aragorn dieses wundersame Reich betreten, doch hatte er viele Geschichten gehört. Erst einmal war er der Herrin Galadriel begegnet und die Trauer, die auf seinem Herzen lastete, wurde ein wenig erleichtert von dem Gedanken, sie erneut zu treffen. Legolas Lied hing noch in seinen Ohren, die wundersame Melodie des Nimrodel. Weit über die Ebene war es gehallt und hatte sie angekündigt bei den Elben des wundersamen Reiches.

Auch die Hobbits waren erleichtert, unter die dichten Bäume zu treten und selbst Boromir konnte nicht umhin, die Ruhe des Waldes zu spüren. Nur Gimli weigerte sich, mit Bewunderung zu den immergrünen Blättern aufzusehen, doch dies war die geringste Sorge, die auf Aragorns Stirne lastete.

Erst, als sich die Elben Lôriens offenbarten, wurde der Stern seiner Freude verschattet. Der Marchwarden trat zu ihnen heran und Aragorn erkannte seine edlen Züge. Haldirs silbernes Haar fiel offen über seine breiten Schultern und sein Gesicht war erfüllt mit einem Ausdruck der Sehnsucht. Ohne die anderen Gefährten zu beachten, trat er auf Legolas zu. Seine Hand ruhte erst auf dem eigenen Herzen, ehe er nach der Hand des Waldlandelbens griff. Selbst diese, die sich nicht auskannten mit den Bräuchen der Elben konnten sehen, wie besonders die Verbindung zwischen den beiden war.

„Legolas, meleth nîn, na vedui! Zu lange bereits vermisste ich, mit dir zu wandeln.“ (Legolas, meine Liebe, endlich.)



13 Worte, die uns grösser machten, als wir waren

Legolas hatte ihn gewarnt vor dem Unheil, das sie verfolgte und doch war der Angriff der Uruk-hai zu plötzlich gekommen, um in dem Chaos den Überblick zu behalten. Und so kam es, dass die Gemeinschaft des Ringes gespalten wurde, ehe ihr furchtloser Anführer etwas dagegen ausrichten konnte. Noch während sie Boromir zur Ruhe legten, kämpfte Aragorn mit der Unsicherheit in seinem eigenen Herzen. Seine Seele war schwer mit Trauer über den Tod des gefallenen Freundes. Wenig konnte ihn Legolas Hand auf seinem Arm trösten, wenig fand er Zuversicht in der schier aussichtslosen Situation.

Erst, als das Elbenboot, das den Sohn Gondors mit sich forttrug, über die Klippen des Rauros Falls verschwunden war, schaffte er es, eine Entscheidung zu treffen. Frodo und Sam mussten den Rest der Reise alleine zu Ende bringen. Wahrheit lag in der Weisheit der Hobbits, je kleiner die Gruppe, desto einfacher war es, am Feinde vorbei zu schleichen. Und mit den Hobbits in Sarumans Gewalt war die Aufmerksamkeit vom wahren Ringträger abgewichen. Vielleicht lag genau in diesem Unheil ihre größte Chance. Seine Gesichtszüge verhärteten sich und er wandte sich um zu den beiden Gefährten. In den Zügen des Zwerges konnte er die gleiche Ungewissheit erkennen, die seinen eigenen Geist belastete. Legolas Ausdruck konnte er hingegen nicht deuten. Kaum hatten sie gesprochen, seit sie den Wald von Lôrien verließen und es kam ihm vor, als wäre es das erste Mal seit langer Zeit, dass er nicht einmal erahnen konnte, was der andere dachte.

„Wir werden nicht rasten, ehe wir Merry und Pippin gefunden und gerettet haben!“



12 Worte, die uns eine kleine Ruhe vor dem Sturm gewährten

Aragorn konnte den Glanz in Legolas Augen sehen, als er die uralten Bäume betrachtete. Es schien ihm, als könnte er beinahe hören, was der Wald seinem Gefährten zuflüsterte, wenn er sich doch nur ein wenig mehr anstrengte. Die Faszination stand ihm ins Gesicht geschrieben, das Verlangen, unter den dichten Kronen zu wandeln, wie es einst seine Väter und Vorväter taten. „Die Elben brachten den Bäumen das Sprechen bei,“ murmelte er leise. „Vor langer Zeit, als die Welt noch jung war. Wir nannten sie die Hirten der Wälder. Lange habe ich mich danach gesehnt, ihnen zu begegnen. Doch ich wusste nicht, ob sie nicht schon längst verwurzelt sind.“ Die Worte waren wie ein Balsam für das wunde Herz des Waldläufers, obgleich die Ungewissheit um die jungen Hobbits noch immer schwer auf ihm lastete. Seit langem hatte er Legolas nicht mehr so sprechen hören, nicht mit diesem Ausdruck von Wunder in seiner Stimme.

Seine Erinnerungen trugen ihn fort auf den Schwingen des Augenblicks, hin zu den Tagen seiner Jugend, in denen er an den Lippen des Elben hing, als wäre er die einzige Rettung auf hoher See. Er erinnerte sich an gestohlene Berührungen und Blicke der himmelblauen Augen. Sehnsucht wallte in seiner Brust auf, wie ein Sturm, zog ihn tiefer hinab in die Wogen. Ohne es zu merken trat er näher an den Gefährten heran und erhob eine Hand, um die Schulter des anderen zu berühren. Doch Legolas Augen weiteten sich und der wortlose Ausruf war genug, um ihn aus seinen träumen zu reißen.

Der weiße Zauberer war zu mächtig für ihre Waffen, brach ihren Willen zur Gewalt rascher als der Sturm einen morschen Baum mit sich reißt. Und doch fanden sie keine Gefahr verhüllt in den weißen Roben, sondern einen lang verloren geglaubten Freund. Kaum konnte Aragorn die Freude zähmen, die sich in seinem Herzen aufbäumte und es waren die Worte Gandalfs, die viele seiner Ängste vertrieben.

„Die Hobbits sind in guten Händen. Wir hingegen, in weit größerer Gefahr.“



11 Worte, die der Anfang vom Ende waren

Endlich erkannte Aragorn das Antlitz des König Theodens. Viele Male war er durch die Ländereien Rohans gewandelt, doch nie zuvor war er dem gebrechlichen Greis begegnet, der sich noch vor wenigen Augenblicken an den Lehnen seines Thrones festklammerte. Nun war sein Haupt frei vom Zauber Sarumans und seine Augen glänzten mit einem Ärger, den der Waldläufer nur selten in einem Menschen erblickte. Zu vieles wurde Theoden geraubt. Nicht nur verlor er seinen einzigen Sohn, das letzte Geschenk seiner geliebten Gemahlin. Auch seine Lande waren dem Tode und dem Feuer anheimgefallen. Sie alle hatten ihn um Hilfe angefleht; der eigene Neffe hatte wieder und wieder versucht, ihn aus den Tiefen seiner Dunkelheit zu erretten. Und im Gegenzug hatte er ihn in die Verbannung geschickt.

Kaum konnte Aragorn den König davon abhalten, Grima an Ort und Stelle zu erschlagen, doch der Waldläufer hatte eine Ahnung, dass auch diese widerwärtige Kreatur noch von Nutzen sein sollte. Stark war der Arm des Königs erneut und doch wollte er nicht dem Rate der Botschafter folgen.

Kämpfen mussten sie, Saruman aus seine, Versteck heraustreiben. Doch nichts wollte Theoden davon hören. Aragorn konnte den Schatten auf Legolas Zügen sehen, wusste, dass der Elb ebenso die große Festung von Helms Klamm kannte. Und doch schwieg der Prinz des Waldlandreichs, als sie die Pferde sattelten und hinausritten in der ersten der vielen dunklen Stunden die noch zu kommen waren.

„Räumt die Stadt! Wir ziehen in die Festung von Helms Klamm!“



10 Worte, die all unsere Hoffnungen zerstörten

Das Gefecht gegen die Warge zeigte nur zu offensichtlich, wie schwach die Kräfte Rohans waren. Keine Streitmacht konnten diese Männer und Frauen standhalten, nicht, ohne die Hilfe Eomers und der Treuen, die ihm in die Verbannung gefolgt waren. Zu viele waren bereits gefallen, waren Sarumans Wölfen und ihren Reitern zum Opfer gefallen. Die Verse eines Gedichtes lagen auf Legolas Lippen, ein Lied für die tapferen Krieger, die dieses Schlachtfeld nicht mehr verlassen würden. Doch vollendete er die Zeilen nicht, denn er war sich sicher, dass dieser Krieg noch weit mehr Leben kosten würde, als er Worte der Trauer fand.

„Fand diese für dich,“ erklärte eine Stimme zu seiner Linken. Als er sich umwandte, fand er Gimli, die Kleider schmutzig mit Dreck und Blut und in seinen Händen ein Bündel Pfeile, die noch brauchbar schienen. Legolas bedankte sich mit einem Neigen des Kopfes, sein Blick jedoch ruhte nicht lange auf dem zwergischen Gefährten.

Himmelblaue Augen verengten sich, als er das Schlachtfeld nach der so bekannten Gestalt absuchte. Doch auch die Gabe der Eldar konnte ihm keine Antwort geben auf die Frage, die ihm die Zunge verbrannte. „Wo ist Aragorn?“

Erst in diesem Augenblick wurde Gimli das Fehlen des dritten Jägers bewusst und er drehte sich um die eigene Achse, um nach dem Waldläufer Ausschau zu halten. Eine eisige Hand ergriff das Herz des Elbenprinzen und jedes weitere Wort verblühte auf seinen Lippen. Hastig folgte er den Spuren des anderen, die Krallen der Angst tief in seiner Brust versenkt.

„Er ist gefallen, hah-“ der Ork keuchte, schaffte es kaum noch durch das Blut in seiner Kehle zu sprechen. „Über die Klippe.“

Mit einem Male stand die Welt um ihn herum still. Kein Laut drang mehr an seine Ohren, Wut und Panik vermischten sich in seinem Kopfe zu einem Mahlstrom. Seine Finger umklammerten die silberne Kette, die Aragorn stets um seinen Halse getragen hatte. Ehe er sich versah stand der Elb am Rande der Klippe und sein Blick suchte verzweifelt nach einem Zeichen, irgendeinem Hinweis darauf, dass der andere noch lebte. Nicht einmal als Gimli an seine Seite trat, eine warme Hand an den Arm des Elben gelegt, um seinen Schmerz zu teilen, konnte er sich rühren.

Er konnte es nicht glauben. Nicht der geliebte Freund, der Freund, dessen Liebe er doch schon so lange im Stillen zu erwidern begonnen hatte.

Legolas, wir können hier nicht verweilen. König Theoden braucht uns.“



9 Worte, auf die ich zu lange wartete

Der Mond schien klar, als er erwachte und auf seinen Wangen spürte er eine kühle Brise. Zu bekannt war ihm das Singen der Vögel und das Tschilpen der Grillen. Über ihm wölbte sich der Pavillon wie eine schützende Hand und doch konnte er die Sterne erblicken, die hoch am Himmelszelt funkelten. Die Luft schien so viel reiner hier, nahe am Bruinen, als auf den weiten Ebenen Rohans.

Langsam richtete er sich auf und eine sanfte Hand legte sich auf seine Schulter. „Ruhe einen Augenblick, Estel. Du wirst deine Kräfte brauchen.“ Lange, blonde Haare umgaben ihn wie einen Vorhang, als sich Legolas herabbeugte. Lippen, weich wie Seide strichen über die Stirne des Waldläufers und Aragorn war sich gewiss, er würde das Mal dieses Kusses fortan als Krone tragen.

Der Elbenprinz schenkte ihm ein wissendes Lächeln und wandte den Blick gen Osten. „Blutrot wird die Sonne für viele Tage aufgehen. Das Volk der Menschen braucht dich, Estel.“

Einen Augenblick zögerte der Mensch, dann wagte er sich, die Hand des Elben zu ergreifen. „Lass mich hier verweilen.“ Doch Legolas schüttelte den Kopf und Wehmut schlich sich in seine Züge. Niemals wieder würde er die Tage erleben, bevor das Dunkel im Waldlandreich Einzug hielt, bevor sich Saurons Kräfte erneut sammelten. Aragorn fühlte, wie sich eine Schwere auf sein eigenes Herz legte bei dem Gedanken. Nicht verwunderte es ihn, dass die Elben über das Meer hinweg zogen: Die Welt, die sie liebten und formten war am verblühen.

„Du musst gehen.“ Mit einem Male klang die Stimme des Gefährten ernster. Der Waldläufer wollte widersprechen, doch das Bildnis um ihn her verblasste. Etwas strich über seine Lippen, sachte, die Berührung einer Feder gleich. Dann riss er mit einem Keuchen die Augen auf.

Zu lange brauchte er für den Ritt nach Helms Klamm. Zu nah war ihm die dunkle Armee auf den Fersen, die von Isengard ausgesandt war, um die Ära der Menschen zu beenden. Tod und Verderben folgten ihm auf Schritt und Tritt. Erschöpfung, Durst und Schmerz zerrten an seinen Gedanken, doch fand er Stärke in der Erinnerung an den Moment des Traumes. Brego führte ihn sicher hin über die Ebene, zu den Mauern des Bollwerks, das noch nie ein Feind Rohans zu brechen gewusst hatte.

Erst als er den Dammweg hinter sich gelassen hatte, brachte er die Stärke auf, sich auf die eigenen Füße zu stellen. In Eile war er, denn er musste den Herrn von Rohan warnen und doch war da etwas, das ihm noch wichtiger erschien. Wie aus seinen Gedanken beschworen trat ihm Legolas in den Weg, ein Anblick, der jede Erschöpfung von seinen Schultern fallen ließ. Erleichterung wallte in ihm auf und kaum konnte er innehalten, ehe er den anderen in die Arme schloss.

Mellon nîn. Du bist spät. Du siehst furchtbar aus.“ (mein Freund)



8 Worte, die die Letzten waren

Die Nacht legte sich über sie mit dem Schlagen der Trommeln und dem Donnern von tausenden Füßen. Vor ihnen lag die Ebene im Schatten der Leiber, die sich Reihe um Reihe vorwärts schoben, hin zu Tod oder Sieg. Sarumans Atem hing in der Luft, ein Gestank von Verwesung und Angst, der sich in die Herzen der Menschen schlich. Aragorns Hand lag ruhig an seinem Bogen, als er wartete, wie sie alle warteten, auf die Schlacht um Helms Klamm.
Er konnte spüren, wie der Mut der Menschen verzagte und doch würde er kämpfen und fallen, um diese Menschen zu beschützen.

Sein Blick huschte von der heranrollenden Flut hin zum goldenen Haar seines Gefährten. Im Schatten lag das schöne Antlitz und doch konnte er die Entschlossenheit in den Schultern des anderen sehen. Unwillkürlich berührte er seine Stirn und für einen Augenblick war er sich sicher, dass dies nicht ihre letzte Schlacht sein würde. Zu lange hatte er an der Seite des Elben gewandelt, um ihn nun zu verlassen, zu innig liebte er ihn. Mit einem Male wusste er, dass selbst Saruman keinen Zauber hatte, der stark genug war, sie zu trennen.

Der Donner grollte, Blitze zuckten über den verhangenen Himmel. Und mit dem Kriegsschrei der Uruk-hai brach das Chaos über sie hinein.

„Haltet stand! Diese alten Mauern dürfen nicht fallen!“

Dies waren die letzten Worte, ehe das Tosen der Schlacht sie umfing und in einem Kampf um Leben und Tod verband sie nur dieses seidene Band der Herzen.



7 Worte, die dir mir so viel bedeuteten

Es würde noch lange dauern, ehe sich Rohan von der Schlacht um Helms Klamm erholen konnte. Und doch hatten sie einen ersten Sieg errungen. Kaum schaffte es Aragorn in diesen Stunden von Legolas Seite zu weichen, zu sehr brauchte er die Stärke des Gefährten. Gandalf hatte sie verlassen, um Minas Tirith zu warnen und nun hieß es warten auf ein Zeichen von Gondor.

Die Morgendämmerung war gerade hereingebrochen und die goldene Halle war verlassen. Kaum hätte der Waldläufer die Gestalt erspäht, die im Schatten saß, so still und regungslos war der Elb in diesem Augenblick. Ohne ein Wort ließ sich Aragorn zu seiner Seite nieder, versuchte zu erahnen, welche Wogen in den Tiefen dieser himmelsgleichen Augen brandeten. „Erhieltst du Nachricht aus Lôrien?“ fragte er langsam, obgleich er sich nicht sicher war, ob er die Antwort hören wollte.

Legolas hingegen sah zu ihm auf mit einem Gesichtsausdruck, den Aragorn nicht deuten konnte. „Keine Nachricht wird aus Lôrien für mich eintreffen.“ Die Aussage erstaunte Aragorn, hatte er doch erwartet, dass Haldir nichts ungeschehen lassen würde, um Nachricht von seinem Geliebten zu erhalten. Die nächsten Worte jedoch überraschten ihn noch mehr und er fand etwas in seinem Inneren blühen, dass er bereits so lange verloren geglaubt hatte. „Bereits in Lothlôrien haben Haldir und ich beschlossen, das Band, das uns verbindet, zu brechen.“

Aragorn runzelte die Stirn. Mit einem Male schien ihm die Brust zu eng und die Hoffnung war ein gefangener Vogel, der verzweifelt mit den Flügeln schlug. „Ihr bracht euer Band? Doch Haldir schien so erfreut dich zu erblicken.“

Ein leises, beinahe trauriges Lächeln legte sich auf die Lippen des Elbenprinzen.

„Mein Herz schlägt nicht länger für Haldir.“



6 Worte, die missverstanden wurden

Ich höre den Ruf der See.“

Aragorn konnte die Worte des Gefährten nicht aus dem Kopfe bekommen. War der andere so sehr gefangen von dem Klang der Wellen? Arwen hatte ihn gewarnt davor; vor der Musik des Meeres, die ihn nie wieder loslassen würde, wenn er sie nur einmal vernahm.

Er konnte die Sehnsucht in den Augen des anderen sehen, konnte beinahe spüren, wie es Legolas Herz danach verlangte zurückzukehren. Die Schiffe der Korsaren hatten sie hingebracht, zum Rande des Meeres. Gab es nun nichts mehr außer dieser Sehnsucht in den Gedanken des Elbenprinzen? Sollte dies die Liebe sein, die Legolas für sich fand, nachdem er sich von Haldir abgewandt hatte?

Zu sehr versunken fand er sich in diesen Gedanken. Die Hoffnung, die er gehegt hatte, nachdem der Gefährte ihm davon berichtete, dass er und der Marchwarden nicht länger unter denselben Sternen wandelten, war mit einem Male verschlungen von der Dunkelheit dieser Ideen. Hatte er Legolas nun auf immer verloren? Würde der Elb sich verabschieden, sobald ihr Abenteuer bestanden war und dem Rest seines Volkes folgen über die tückischen Wogen der westlichen See? Wenn sie ihr Abenteuer überhaupt überleben würden.

In seiner Verzweiflung wusste der Waldläufer nicht die Blicke zu deuten, die der Elb ihm zuwarf. Nicht ahnte er, dass es nicht nur Ulmos Hörner waren, die das Herz des Gefährten gefangen hielten.



5 Worte, die ein winziges Licht am Ende des Tunnels waren

Das schwarze Tor ragte wie das Antlitz eines gigantischen Untiers vor ihnen auf und selbst Aragorn konnte die Furcht nicht verdrängen, die in seinem Herzen aufwallte. Hier also sollte die Entscheidung fallen; dies sollte die letzte Schlacht der Menschen des dritten Zeitalters sein.
Hierher hatte er die Krieger geführt, an den Ort, der ihnen den sicheren Tod versprach. Und sie alle waren ihm gefolgt, hatten seinen Worten Glauben geschenkt, als er ihnen eine letzte Hoffnung für Mittelerde versprach.

Er spürte ihre Blicke auf sich ruhen, spürte Gimli an seiner Seite, wie er zu ihm aufsah. Der Zwerg schien zu wissen, was in seinem Kopfe vorging, denn seine Lippen verzogen sich zu einem grimmigen Lächeln. „Keine Angst, Junge. Unser Tod wird nicht auf deine Schultern fallen.“ Einen Augenblick lang überlegte der andere, dann fuhr er fort: „Der Sieg aber, für den wirst du gefeiert werden.“

Die Aussage brachte ihn beinahe zum Lächeln, doch im Angesicht von Mordor gab es nichts, dass ihn aufmuntern konnte. Seine Gedanken hingen an Frodo und Sam, an der Aufgabe, die sie ihnen aufgetragen hatte und die doch sicherlich viel zu groß und schwer für solch kleine und mutige Hobbits war.

Sie konnten sich nicht gewiss sein, dass Frodo noch lebte. Vor allem nicht, nachdem Saurons Mund ihnen das Mithril Hemd vorlegte. Wer würde nicht verzagen, dachte er sich im Stillen, als er zu den schwarzen Zinnen hinaufblickte. Wer würde dem dunklen Herrscher ins Angesicht blicken und den Mut bewahren?

Ehe er sich versah hatte eine Hand die seine ergriffen; kühle Finger, die sich mit seinen verschränkten. Er wandte den Kopf und fand sich in den Augen des Elbenprinzen gefangen. Hier war eine Kreatur der Schönheit und der Anmut, ward er sich bewusst, und es war seine Schuld, dass dieses wundersame Wesen an einem so trostlosen Ort wandelte.

„Nicht kann ich dich bitten, mir zu folgen, Legolas. Zu hoffnungslos ist diese Schlacht, zu gewiss der Tod. Du standest mir stets treu zur Seite und doch sagt mir mein Herz ich muss dich fortschicken. Nicht kann ich den Gedanken ertragen, dich unter den Gefallenen zu zählen.“ Seine Stimme bebte, doch der Elb erwiderte seinen Blick mit unerschütterlicher Gewissheit.

„Ich verlasse dich nicht, Aragorn.“



4 Worte, die dein Abschied hießen

Das Tor von Minas Tirith öffnete sich schwerfällig, die geborstenen Flügel mehr eine Zierde, als ein tatsächliches Hindernis. Und doch warteten die beiden Gefährten geduldig, ehe sie ihnen den Weg freigaben. Niemand konnte sagen, wie lange es dauern würde, bis die weiße Stadt wieder in der Sonne glänzen würde. Nirgends hatte der Krieg solche Spuren hinterlassen wie an diesem Juwel der Menschheit, der letzten Bastion vor dem verräterischen Osten.

Aragorn hoffte, dass sie nicht nur die weiße Stadt, sondern auch Osgiliath wieder aufbauen konnten. So dass das Königreich Gondor ihren einstigen Stolz wieder mit hoch erhobenem Haupte tragen konnte. Und doch war diese Möglichkeit noch weit entfernt. Zuerst musste für die Verwundeten und Gefallenen gesorgt werden. Es mussten Häuser gebaut und Felder angelegt werden, denn sonst würde der Winter mit einer unbesiegbaren Grausamkeit über sie hereinfallen.

Vor ihm, in den grünen Mantel aus Lothlôrien gehüllt, stand Legolas. In seiner Hand hielt er die Zügel Arods, das Pferd noch immer treu seinem elbischen Freunde.

„Du musst nicht fort,“ setzte Aragorn an, doch ein sanfter Finger legte sich auf seine Lippen, ehe er den Satz vollenden konnte. Beinahe konnte der Waldläufer sehen, wie viele Worte auf den Lippen des Elben lagen, die in dieser Stunde unausgesprochen bleiben sollten. Er verstand, warum der andere ziehen musste und doch konnte er den Gedanken nicht ertragen. Kaum hatten sie einander gefunden, hatten im Feuer des Krieges ihre Herzen vereint. Und nun verließ Legolas die Länder der Menschen, um sein eigenes Königreich zu schützen.

Das Waldlandreich braucht mich.“



3 Worte, die alles veränderten

„Ein König! Ein König steht vor dem Tore!“ Der Ausruf hallte weit über die Zinnen der weißen Stadt und bald schon hatte sich eine große Menschenmasse versammelt, die sehen wollten, welch Spektakel sich hier abspielte. Hastig wurden die Tore geöffnet und aus ihrem Schatten schritt ein Zug von wundersamen Gestalten. An der Spitze ritt eine Gestalt auf weißem Pferde. Ein langer Umhang fiel von seinen Schultern und auf seinem goldenen Haupt trug er eine Krone von edlen Steinen und Herbstblättern. In seinem Gefolge waren die letzten der Unsterblichen, die noch in Mittelerde verweilten. Langsam zog der König des Waldlandreiches durch die Ebenen der Stadt und kaum jemand erkannte ihn als den gleichen Elben, der so treu an der Seite ihres Feldherren gekämpft hatte. Viele konnten ihren Augen nicht glauben, als sie diesen Zug der Elben betrachteten, denn noch nie hatten sie etwas dergleichen gesehen.

Aragorn empfing die Gäste auf den Stufen zur höchsten Ebene und der Anblick des Königs erfüllte ihn mit einer Freude, wie er sie seit langer Zeit nicht mehr kannte. Kaum war der Herrscher des Düsterwaldes von seinem Pferde gestiegen, da war der Mensch auch bereits an seiner Seite. Unter der würdevollen Krone blickten ihn ein paar himmelblaue Augen an, deren Tiefe von einer Liebe sprachen, die nur jene unsterblichen Wesen zu fühlen vermochten.

„Mae govannen, Elessar.“ Der Gruß blieb ihm beinahe im Halse stecken, als ihn der Waldläufer ohne Vorwarnung in die Arme zog. Ohne einen Augenblick des Zögerns fanden sich ihre Lippen, schmiegten sich aneinander in der sanftesten aller Berührungen.

Und in der Stunde der Rückkehr vernahm Aragorn die Worte, die sein Herz erblühen ließen:

Gi melin, Estel.“ (Ich liebe dich, Estel.)



2 Worte, die Lächeln bedeuteten

Im Blütenregen schritt der König von Gondor den langen Pfad entlang, vorbei an all denen, die an seiner Seite gegen den dunklen Herrscher gekämpft hatten. Die Freude des Festtages stand in allen Gesichtern geschrieben und doch konnte er nicht umhin, nach dem Gefährten seines Herzens Ausschau zu halten. In seiner Brust rangen die Gefühle um seine Aufmerksamkeit, versuchten ihn zugleich von seinem Glück zu berichten und von alledem, was sie verloren auf ihrer Reise.

Er dachte daran, dass Mittelerde niemals wieder so sein würde, wie es in seiner Jugend war. Er dachte an seinen Ziehvater und an die Geschwister, die bald über das weite Meer segeln würden.

Er dachte daran, wie viel sie alle aufgegeben hatten, um diese Welt zu retten für alle die, die nach ihnen kommen würden. Ein Lied kam ihm in den Sinn, die Verse fielen von seinen Lippen, ehe er sich recht entsinnen konnte. Doch auch wenn die Melodie zu traurig klang für diesen Anlass, so war ihm doch leicht ums Herz. Und dort, nur wenige Fuß entfernt wartete Legolas auf ihn. Die letzten seines Volkes waren hier versammelt, dem neuen König zu huldigen. Doch Aragorn hatte nur Augen für diese Gestalt die er schon vor so vielen Jahrzehnten als das Schönste auf Erden empfunden hatte.

In seinen silbernen Roben war er ein König von Sternenlicht und der König von Gondor neigte den Kopf in Ehrfurcht. Doch zärtliche Finger legten sich an sein Kinn, zwangen ihn aufzusehen. Nichts mehr wünschte er sich, als diesen Elben zu seinem König zu machen, alles würde er ihm zu Füßen legen, sollte es ihn nur danach verlangen. Und in dem glockenhellen Lachen des Elben fand er seine Sehnsucht erwidert. Ein Versprechen lag auf den Lippen, die so wundervoll auf die seinen passten, ein Treueschwur, so andauernd wie die Welt selbst.

Hannon le.“ (Ich danke dir.)



1 Wort, das alles für einen Moment in Stille taucht

Die Wellen brandeten gegen den Bug des Schiffes, der weiße Schaum beinahe kristallin im Schein der Sonne. Die salzige Luft des Meeres legte sich auf die bloße Haut und der starke Wind umarmte das graue Segel. Kein Sturm hatte sie heimgesucht auf ihrer Fahrt nach Westen, denn der Segen der Valar lag auf ihrer Reise über das schier unendliche Meer. Lange hatte Legolas gebraucht, bis er das Schiff vollendet hatte. Jedes Stück des edlen Holzes hatte er mit eigenen Händen gesammelt und geformt.
Er hatte die Wellen besungen, hatte die Liebe zu seinem Volke und zu seinem Gemahl in die Arbeit fließen lassen, bis endlich das letzte Schiff der Elben in den grauen Anfurten lag. Niemand außer Aragorn und Gimli hatten von seinem Vorhaben gewusst, niemand außer den beiden Gefährten würde ihn begleiten.

Der Schrei der Möwen riss ihn aus seinen Gedanken. Zärtlich fuhren seine Finger durch das graue Haar des Menschen, dessen Kopf in seinem Schoße ruhte. Falten des Alters hatten sich in das Antlitz des Menschenkönigs geschlichen und krönten die weißen Brauen. Noch immer ruhte der Reif aus Silber auf seinem Haupte und das Schwert Andúril wie stets treu an seiner Seite. „Estel,“ flüsterte Legolas sanft und er beugte sich herab, um die Lippen seines Geliebten mit einem Kuss zu berühren.

Langsam öffneten sich die grauen Augen und jede Müdigkeit des Alters war aus ihnen verschwunden. „Was ist es, Legolas? Was sieht dein Elbenauge?“

Der Elbenkönig schenkte ihm ein breites, reines Lächeln. Ohne etwas zu antworten, half er seinem Geliebten auf die Beine. Gimli gesellte sich zu ihnen, der Zwerg nur wenig verändert von den langen Jahren, die vergangen waren. Die Sonne erhob sich über den Wellen, ihr gleißendes Gold legte sich wie eine Straße vor ihnen hin. Über ihnen hießen die Möwen sie willkommen und ihre Blicke wanderten über den Bug des Schiffes hinweg zu der grünen Insel, die vor ihnen aus den Fluten des Meeres ragte.

Valinor.“

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Achje ich hab ja so lange nicht mehr auf deutsch geschrieben. O: Aber heey ich lebe noch, woohoo!

(ich verspreche ich les es noch mal auf Fehler durch aber jetzt bin ich erst einmal tot)
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