„You Do Not Mess“

von Ririchiyo
KurzgeschichteFamilie, Freundschaft / P6
David O'Donnel Frances Neagley Jack Reacher Karla Dixon OC (Own Character)
03.06.2019
03.06.2019
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Der Gedanke kam mit bei Band elf der Buchreihe „Bad Luck and Trouble“ als Karla nach dem Wiedersehen zu Reacher sagt: „Poor Baby“ (was, wenn man mich fragt, absolutes Gold wert ist), und er nicht mal wirklich was erwidert, sondern sich nur rechtfertigt, dass er höflich sein will (was es echt nur noch besser macht). Und irgendwie ließ mich das dann nicht mehr los. Darum hier nun mit den vier Helden des elften Bands eine kleine Geschichte aus vergangenen Tagen, aus Sicht von einer völlig Fremden.
Eventuell etwas OoC, kann ich mir vorstellen, aber … ganz ehrlich? Nicht nachdem die im Auto so mit Reacher gesprochen haben.
Viel Spaß!




„You Do Not Mess“


Alice hat wirklich keine Ahnung, was sie davon zu halten hat. Eigentlich ist es kein neuer Anblick. Es ist nicht einmal ein seltener Anblick. Sie hat es schon oft beobachtet. Und doch bringt es sie immer wieder aufs Neue aus dem Konzept.
„Echt merkwürdig, hm?“ Sie sieht zu Bram hinüber, von dem sie weiß, dass er wie immer mit einer Zigarette im Mund neben ihr sitzt, und ist nur wenig überrascht, dass sein Blick ebenfalls auf der kleinen Gruppe liegt, und dem, was sich vor ihnen abspielt.
Ein Riese und sein Gefolge. Irgendwie. Ein wenig. Jack Reacher, wie sie weiß. Wie jeder hier weiß. Weil es Reacher ist, und man kann den Captain einfach unmöglich nicht kennen. Nicht, wenn der Mann so präsent ist, wann immer man sich in seiner Nähe aufhält. Gut einen Kopf größer als jeder andere im Raum. Gefühlt doppelt so breit. Fast hundert Kilo pure Muskelmasse. Der Typ ist ein Berg. Und kein kleiner.
Und sein ganzes Team ist mindestens genauso einschüchternd, wie er es ist. Sicher, keiner von ihnen ist so stark, keiner von ihnen ist auch nur ansatzweise so groß, aber das macht sie dennoch nicht im geringsten weniger extrem, als ihn. Vielleicht macht es sie sogar extremer. Weil man Reacher ansieht, was auf einen zukommt. Bei den anderen nicht. Und dennoch, wenn Alice sich irgendjemanden aussuchen müsste, mit dem sie sich niemals würde anlegen wollen? Es wäre Reacher. Scheiß drauf, wie unglaublich gruselig die anderen wären, bei denen konnte sie sich zumindest vorstellen, eine Chance zu haben, oder mit ihnen reden zu können. Reacher? Definitiv nicht. Der Kerl lächelt nicht mal. Nie! Er ist einfach nur da, und scheint alle Soldaten auf dem Stützpunkt gleichzeitig alleine durch Gedanken verurteilen zu wollen. Und ja, das macht Alice verdammt nervös. Und bringt sie nur dazu, die Gruppe für noch verrückter einzustufen, als sie vermutlich ohnehin schon ist.

„Kannst du laut sagen“, gibt sie zurück, und sieht dann wieder von Bram zu dem Grüppchen, das sich gerade wieder einmal bildet.
Reacher ist wie sonst auch so oft schon da, sitzt auf einer Bank vor einer der Baracken, und die restlichen drei kommen gerade. Jeder von ihnen eine Bierflasche in der Hand. Neagley sogar zwei. Karla grinst übers ganze Gesicht, O‘Donnell wirkt erstaunlich zufrieden, und Neagley ist zwar ernst wie immer, aber dennoch irgendwie … ruhig. Wenn man Alice fragt, ist es ein wirklich schöner Anblick, weil sie alle so … entspannt sind. Entspannter, als sie es sonst sind. Entspannter, als sie es sind, wenn sie gerade umher laufen, und Leute befragen oder um die Ecke bringen, ganz sicher.
Alice kann Bram neben sich lachen hören, und auch sie kann sich das Grinsen nicht verkneifen, als sie sieht, wie Reacher aufschaut, und finster auf die Bierflasche starrt, die Neagley ihm entgegen hält.
„Kaffee war alle“, hört Alice O‘Donnell sagen, laut genug, dass sie es problemlos versteht, obwohl sie bestimmt fünfzig Yard von der Gruppe entfernt ist. Aber vielleicht ist es auch einfach nur leise genug, dann sie hört Reacher sogar schnauben. O‘Donnell lacht nur, und setzt sich neben Reacher bequem auf eine Bank. Lehnt sich zurück, und grinst. „Du kommst auch mal ohne welchen aus“, meint er. Halb so breit wie Reacher, ihm, was die Kräfte angeht, sicher meilenweit unterlegen, und dennoch ohne jegliche Angst in der Stimme. Ohne jegliches Zögern. Eher so, als könne Reacher ohnehin nichts ausrichten. Obwohl sein Boss ihn mit Blicken straft, die vermutlich sogar töten können, wenn man Alice fragt.
Aber O‘Donnell ist nicht der Einzige, den es nicht interessiert. „Immer nur Kaffee ist doch ohnehin ungesund, Reacher“, sagt auch Neagley, und drückt ihm nun einfach nur das Bier in die Hand, bevor sie sich etwas abseits von den anderen gegen die Hauswand lehnt, ihre drei Kameraden immer im Blick behaltend. Reacher starrt sie mindestens genauso böse an, wie er gerade noch O‘Donnell angestarrt hat. Und obwohl er auch sie problemlos überragt, sie verdammt schmal ist, im Vergleich zu ihm, und sie außerdem nur ein Sergeant ist, und er Captain, kümmert es sie nicht.
„Naww, du Armer, nichts für deine Kaffee-Sucht.“ Alice kann einfach nur starren. Denn Karla tätschelt dem Riesen sogar den Kopf. Sie ist gefühlt höchstens halb so groß, wie der Mann, definitiv nur halb so schmal, vermutlich schmaler, verdammt zierlich, und außerdem seine Untergebene, und dennoch streckt sie einfach die Hand aus, und tätschelt ihm den Kopf, während sie mit ihm spricht, als wäre er ein kleines Kind. Sie zuckt nicht mal, als Reacher schnaubt. Stattdessen beginnt sie zu lachen. Genau wie Neagley und O‘Donnell auch.
„Ihr seid schrecklich“, hört Alice nun auch Reachers tiefe Stimme, während er Karlas Hand von sich weg schiebt.
Die zuckt nur mit den Schultern. „Wir könnten versuchen, dich auf Entzug zu setzen“, schlägt sie vor.
„Ganz bestimmt nicht!“, gibt Reacher zurück.
„Oh ja!“, übergeht O‘Donnell lachend seinen Kommentar. „Wer ist dafür?“ Alle drei von Reachers Untergebenen heben die Hände.
Reacher stellt die Bierflasche beiseite. „Das hier ist keine Demokratie“, meint er abwesend, doch niemand scheint ihm zuzuhören.
O‘Donnell grinst, und Neagley antwortet: „Jetzt schon.“, woraufhin Karla sagt: „Haben wir gerade entschieden.“

Und Alice kann nur staunend bei dem ganzen Spektakel zusehen. Drei Leute, die weder vom militärischen Rang noch von ihrer Statur her auch nur im geringsten an Reacher heranreichen, und dennoch verhalten sie sich, als hätte er keine Chance gegen sie. Und er lässt es sogar zu. Sicher, er guckt finster, aber das ist dann auch schon alles. Abgesehen davon ist er die Ruhe selbst, und … und er lässt es zu.
Alice kann nur den Kopf schütteln, wenn sie daran denkt, wie Reacher und sein Team manchmal reden.
Niemand legt sich mit den Sonderermittlern an.
Wie ein Mantra oder ein Motto. Wie eine Drohung. Wie ein Versprechen.
Und irgendwie trotzdem gelogen. Denn offensichtlich gibt es ja Leute, die sich sogar mit dem Boss der Sonderermittler anlegen. Und klar handelt es sich dabei um Sonderermittler selbst, aber ganz ehrlich? Wenn man Alice fragt, dann tut das eigentlich nicht wirklich was zur Sache …
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