Ragnar, the Raven and the Valkyr

GeschichteDrama, Romanze / P18
OC (Own Character) Ragnar Lothbrok
02.06.2019
02.06.2019
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Ragnar, the Raven and the Valkyr

Ich war vielleicht 12 Jahre alt, als die Wikinger das erste Mal unser Königreich Northumbria überfielen und meinen Vater bloßstellten. Mit Leichtigkeit schändeten sie Dörfer, plünderten Schätze aus unseren Kirchen und töteten Menschen. Ich erinnerte mich noch gut an den Tag, als mein Vater aufgebracht im Thronsaal hin und her lief und schrie. Wüten und auf Rache gesinnt. Ich hatte seinen Blick gut vor Augen und hinter Mutters Hand schwor ich mir, dass diese Gottlosen büßen würden. Ich würde die Schande meines Vaters gutmachen. Ich musste nur warten, denn die Wikinger würden wiederkommen. Da war sich jeder sicher. Und einen Namen konnte ich aus dem Geschrei meines Vaters heraushören. Ragnar Lothbrok.

~*~


Ein paar Jahre waren ins Land gegangen und mit jedem Jahr, indem in unserem Königreich Frieden herrschte, vergaß ich meine Wut auf die Heiden mehr. Ich dachte nun nicht mehr jeden Tag an sie, und auch nicht jeden zweiten. Ich war glücklich.

Meine Mutter sprach von dem Segen Marias, mein Vater vom Wohlwollen Gottes.

Mein Bruder begleitete nun immer öfters meinen Vater bei der Jagd und meine Mutter gebar noch einen weiteren Sohn. Das Leben schien perfekt und ich hoffte es würde noch ewig so weitergehen. Doch das sollte es nicht.



~*~




„Ylva! Wacht auf! Prinzessin Ylva, schnell!“

Überrascht schrak ich aus meinem traumlosen Schlaf auf.

Hecktisch blinzelte ich, um mich an die helle Sonne zu gewöhnen und blickte in ein runzeliges, sorgengeprägtes Gesicht.

„Wa…, Was… Was ist denn los, Tilda?“

Verschlafen blicke ich in die ängstlichen Augen meines Kindermädchens.

„Sie sind da.“ Hauchte sie nur und wagte es kaum zu atmen.

„Wer ist da?“ erwartete mein Vater besuch? Hatte ich eine Festlichkeit verschlafen?

Doch als der Schlaf fast vollständig aus mir gewichen war, konnte ich zu meinem Entsetzen die Hörner des königlichen Heeres hören. Wie sie grell zum Kampf bliesen. Und auf einmal war es mir klar: die Nordmänner waren hier.

Als ich kurz darauf in das Kellergewölbe unserer Burg flüchtete, bang ich nicht um mein eigenes Leben. Ich bang um das Leben meines Vaters und meines Bruders, welcher ihn in die Schlacht begleitete. Ich hatte schon viel von der Andersartigkeit der gottlosen Krieger gehört. Von ihrer Brutalität, ihrer Furchtlosigkeit. Ich wusste, unsere Soldaten würden es schwer haben. Northumbria wurde nun zum zweiten Mal schon überrascht und das letzte Mal war schrecklich gewesen. Die Nordmänner hatten dazu gelernt und ich wollte mir nicht ausmalen, was sie uns antun würden, würden sie die Schlacht gewinnen.

Ich wusste, die Nordmänner waren hinter dem Reichtum meines Vaters her. Doch sie würden mehr wollen als das letzte Mal. Ich war mir nicht sicher, ob die Wilden wussten, dass mein Vater all seinen Reichtum vergraben hatte. Nur er und mein Bruder wussten davon. Es war zum Schutz. Doch an der Hochzeit meiner Cousine verriet es mir mein Bruder bei einer reichlichen Menge Wein. So war ich nun auch in das Geheimnis eingeweiht.

Es fröstelte mich, als ich mit den anderen Frauen die Stufen hinabschritt, und das war nicht nur wegen der zunehmenden Kälte. Als wir im großen Gewölbe angekommen waren, entzündete meine Mutter Fackeln und verteilte sie. Wir waren vielleicht ein Dutzend Frauen und Kinder und keiner brachte nur ein Wort über die Lippen. Nicht ein Neugeborenes schrie oder weinte, wie als waren sich Alle ihrer Situation bewusst.

Dumpf hörten wir das Klirren der Waffen und Äxte durch das Gemäuer und mit jeder Minute, die verstrich, nahm das Geschrei der Männer zu.

Ich hatte nicht geglaubt, dass die Nordmänner so schnell in der Burg sein würden. Doch ich verlor die Hoffnung nicht. Vielleicht würden sie uns nicht finden.

Kurz darauf vernahm ich ein grollendes Poltern näherkommen.

„Schnell! Versteckt euch hinter den Säulen!“ flüsterte meine Mutter den Frauen zu und hektisch verbargen sich Jeder in den Schatten. Ich flüchtete zu meiner Mutter hinter ein kleines Mauerwerk gegenüber der Treppe. Ich wusste die Nordmänner würden uns zuerst finden, doch es war meine Pflicht als Prinzessin meinem Königreich zu dienen.

„Mein Kind, was immer jetzt geschehen mag, erinnere dich an deine Pflichten! Du bist meine einzige Tochter und der Stolz unseres Königreichs. Möge Gott dich schützen.“

Die Worte meiner Mutter vermochten die Angst, die in mir hochkroch, kaum zu lindern, doch ich war ihr dankbar und ich zwang mich ihr ein Lächeln zu schenken.

Als die Krieger nur noch wenige Meter von unserem Versteck entfernt waren, fingen wir an zu beten.

Maria, bitte hilf uns!

Mit einem Knall flog die schwere Holztür aus den eisernen Angeln und eine Horde Wilder betrat das Gewölbe. Ich duckte mich weiter hinter den Rücken meiner Mutter und hielt angsterfüllt die Luft an. Tränen sammelten sich hinter meinen Wimpern, doch ich konnte den Blick nicht von den Nordmännern wenden. Sie waren riesig, noch größer als ich sie mir vorgestellt hatte und blutüberströmt. Sie verzogen verrückte Fratzen und blickten sich blutrünstig in der Halle um.

Ich sah, wie einer von ihnen auf ein Weib mit Kind zuschritt und grollend ihr goldenes Kreuz aus der Hand riss. Er beäugte es, wog es in seinen Händen und biss hinein.

Ein anderer schritt zu meiner Mutter. Er schien ihren Status zu erkennen, denn er lächelte wissentlich und packte sie grob am Schopf.

„Nein!“ entkam es mir und ängstlich zog ich meinen kleinen Bruder näher an meine Brust.

Der Hüne beachtete mich jedoch keines Blickes. Stattdessen zog er meine weinende Mutter hinter sich her zu einem weiteren blonden Mann, der sichtlich aus der Menge an Wilden herausstach.

Det er dronningen.“ – „Er du sikker?“ – „Jeg gjenkjenner det med hennes hette.(Das ist die Königin. Bist du sicher? Ich erkenne es an ihrer Haube.)

Auf der mir unbekannten nordischen Sprache unterhielten sich die beiden Männer kurz. Sie schienen zu diskutieren. Ich sah zu meiner Mutter. Sie weinte bitterlich und sprach unaufhörlich Gebete zum Himmel. Ich hoffte Maria würde ihr helfen.

Der blonde Hüne wand sich zu meiner Mutter und ich war überrascht, als er anfing auf Englisch zu sprechen.

„Ist es richtig, dass du Königin Aethel bist?“ Seine Stimme war tief und grollend.

Eingeschüchtert nickte meine Mutter und die stechend blauen Augen des Wikingers blitzten auf.

„Ich habe etwas für dich.“

Ohne den Blick von ihr zu wenden hob er befehlerisch seine Hand. Ich vernahm, dass in der hintersten Ecke Bewegung in die Krieger kam. Einige fingen an lauthals zu lachen und zu kreischen, andere stampften mit ihren Waffen auf den Boden. Ich spürte, wie sich mein Bruder näher an mich drückte und strich beruhigend über sein Haar. Noch hatten die Wikinger keinen umgebracht, vielleicht würden wir wirklich heil aus dieser Sache kommen?

Ich löste meinen Blick von meiner alten Mutter und sah einen kleineren, etwas dickeren Mann auf den Blonden zuschreiten. In seiner Hand hielt er ein rundliches Objekt, verhüllt durch ein schmutziges Leinentuch. Ich erkannte, dass es blutig war und zog scharf die Luft ein.

Der Krieger reichte das Geschenk an den Blauäugigen und als dieser das Tuch löste wurden meine Augen groß. Geschrei hallte von den Wänden und meine Mutter schrie hysterisch auf.

Es war der Kopf meines Vaters. Abgetrennt. Blutend. Tot.

Der Schock saß tief in meinen Knochen und ich verschloss wie in Trance die Augen meines Bruders. Er sollte seinen Vater so nicht sehen.

„Nun, wo ist das Gold?“ schrie der Hüne meine Mutter an. Doch die konnte nichts tun, außer zu schreien und zu weinen.

Er schmiss ihr den Kopf in den Schoß. Blut besudelte ihr vorher weißes Gewand. Der Anblick war schrecklich, gottlos. Wie konnte jemand so etwas tun?

Erneut griff der Krieger in den Schopf meiner Mutter und zog sie grob zu sich.

„Wo ist es, Königin Aethel? Wo hat dein feiger Mann es hingebracht? Sag es mir und Niemand hier in diesem Raum muss sterben.“ Er zeigte mit seinem Schwert in die Runde.

Doch meine Mutter schüttelte nur den Kopf, sie war unfähig auch nur ein Wort von ihren Lippen zu bringen. Schließlich schenkte man ihr gerade den Kopf ihres geliebten Ehemannes. Ihres geliebten Königs. Den leblosen Kopf des Vaters ihrer Kinder.

Schneller als ich es mir versah schritt ein Nordmann kurz darauf zu den Frauen und hielt einer von ihnen seine Axt an den Kopf. Erwartungsvoll blickte er über seine Schulter. Und als meine Mutter noch immer kein Wort von sich brachte fing er an langsam in ihren Hals zu schneiden. Die Augen der Frau waren furchtvoll aufgerissen und ich konnte förmlich spüren, wie der Schmerz ihre Seele verschlang. Das Blut pulsierte auf das Gesicht des Kriegers und als er sich wieder zu seinem Anführer umdrehte war sein Blick mit Freude gefüllt.

Der Körper der Frau sackte leblos zu Boden und Blut sickerte über den grauen Stein. Ich hatte in meinem Leben noch niemanden sterben sehen und war angewidert, verängstigt und gleichzeitig unglaublich wütend. Nur Gott durfte Leben nehmen. Nur er durfte bestimmen wer lebte und wer nicht!

Hilflos sah ich mich in der Runde der Frauen um. Keine wagte es den Blick zu heben. Jede versuchte sich noch weiter an die Wände zu drücken, um sich so weit wie möglich von den Kriegern zu entfernen. Ihrem Hass und dem Tod zu entkommen.

Ich blickte erneut zu meiner Mutter. Sie kauerte am kalten Boden und wimmerte über dem Kopf meines Vaters. Ich konnte erkennen, dass sein Mund offenstand und seine Augen in seine Höhlen blickten. Der Kopf sah nicht mehr aus wie der Kopf eines ehrvollen Königs. Er wirkte unwirklich. Wie aus einer schaurigen Geschichte.

Der Anführer wusste, dass er nichts mehr aus meiner Mutter bekommen würde. Emotionslos stand er über ihr und Griff zu seiner Axt. Mit einem geschmeidigen Schlag trennte er den Kopf vom Rumpf und der Schädel fiel mit einem lauten Schlag auf den Boden. Ich zitterte und Tränen rannen über meine Wangen. Meine geliebte Mutter! Willenlos schloss ich meine Augen. Möge Gott ihrer Seele gnädig sein.

Der furchtlose Krieger entwürdigte damit nicht nur sie sondern auch ihr Königreich und ich hoffte er würde in der Hölle schmoren.

Gefestigt durch meinen Glauben blickte ich erneut zu dem blonden Mann. Ich beobachtete, wie sich seine Muskeln unter dem Leder seiner Rüstung anspannten. Ich konnte erkennen, welche Macht von ihm ausging. Irgendetwas schien ihm Kraft zugeben. Seine Aura war stärker als die, der anderen Krieger. Ich fürchtete mich.

Noch während das Blut dickflüssig über seine Hände rann, suchte er mit seinen kalten Augen den restlichen Raum ab.

Ich wusste, er war auf der Suche nach meinem Bruder, falls dieser noch nicht in der Schlacht gefallen war. Oder suchte er etwa nach dem kleinen Prinzen? Mir wurde heiß und ich drückte den zierlichen Jungen hinter mich in den Schoß seiner Amme Tilda. Der Krieger würde ihn nicht bekommen.

„Nun, wo sind Prinz Aelfric und Prinzessin Ylva?“

Bevor uns eine der Frauen verraten konnte, in der Angst um das eigene Leben, richtete ich mich auf. Ich wusste nicht woher ich die Kraft nahm, nachdem meine Mutter vor meinen Augen exekutiert wurde, doch ich war froh, fest auf beiden Beinen vor dem Krieger stehen zu können.

„Ich bin Prinzessin Ylva!“ Sprach ich laut, doch meine Stimme zitterte mehr als ich wollte.

Mit schnellen Schritten kam der Nordmann auf mich zu. Fest griff er um meinen Kiefer und zwang mich in sein Gesicht zu blicken. Mein Nacken schmerzte vom plötzlichen Ruck und ich konnte nicht verhindern, dass eine Träne meine Augen verließ. Seine Hand war kalt und eisern. Fast so, wie ich mir seine Seele vorstellte.

Als ich ihm so nah war, konnte ich den blutigen, eisernen Duft wahrnehmen, der von seiner Kleidung ausging und ich zwang mich nicht zu würgen. Er roch nach Tot. Seine Augen waren noch hellblauer als ich auf den ersten Blick erkennen konnte und es war, als würde ich direkt in die stürmische See blicken.  

Ein schelmisches Grinsen schlich sich auf seine Lippen als er mein Gesicht studierte. Mit seiner anderen Hand wischte der Wikinger die Träne von meinem Gesicht und wanderte weiter zu meinem Rücken. Er hatte mich fest in seinem Griff und ich wusste, ich würde ihm nicht mehr entkommen können. Doch ich musste weitere Tote verhindern! Ich musste mein Volk schützen!

„Wahrlich, du bist eine Prinzessin. Die Haut so weich und hell, als hätte sie noch nie in der prallen Sonne des Sommers auf dem Acker gearbeitet.“

Er verzog belustigt eine Braue und seine Krieger lachten auf.

„Dann sag mir Prinzessin, wo hat dein elender Vater seine Reichtümer versteckt?“

„Ich weiß wo sie sind.“ Sprach ich und legte meine Hand auf seinen Arm, um mich aus seiner Umarmung zu lösen. Ich glaubte den Geruch nicht länger ertragen zu können.

„Doch ich führe Euch nur hin, wenn Ihr versprecht die Frauen und Kinder zu verschonen. Sie sind Unschuldige im Krieg meines Vaters.“

Der Hüne lachte kehlig auf und während der Klang seiner Stimme von den Wänden wiederhalte, verteilten sich seine Krieger langsam im Raum

„Sødme, wieso denkst ihr, ihr seid in der Lage Anforderungen zu stellen? Seht euch nur um, ihr seid uns hilflos ausgeliefert. Alle eure Männer sind tot, und euer König ist es auch.“

Flehend sah ich zu dem blutrünstigen Hünen hinauf.

„Ich bitte Euch, ich flehe Euch an! Verschont sie und nehmt mich mit. Ich werde euch zeigen wo mein Vater seine Schätze hingebracht hat!“

Fest zog er mich wieder an sich. Ich spürte, wie sich seine Finge tiefer in mein Fleisch gruben und ich fühlte den Schmerz, der mir erneut Tränen in die Augen trieb.

„Ich bin nicht jemand den man um Gnade anfleht. Ich bin nicht ein Christ wie Ihr es seid. Ich bin Ragnar Lothbrok und ich werde deine Frauen und Kindern meinen Göttern als Opfer darbieten“, flüsterte der Nordmann und als wäre dies der Startschuss gewesen, fielen die Wilden über die schutzlosen Weiber her. Ich blickte mit Entsetzen zu den jungen Frauen. Wie ihnen die Kleider vom Leib gerissen wurden und die Männer sie brutal entwürdigten. Die schrecklichen Schreie erfüllten das Gewölbe und ich konnte nichts tun. Als sie dann genug von ihnen hatten, mordeten sie hemmungslos. Es war grausam und ich konnte mir nichts schrecklicheres Vorstellen.

Der mächtige Mann suchte sich einen Weg durch das Durcheinander an Leibern, Blut und Gewalt zog mich grob mit sich. Ich fühlte mich hilflos, schuldig und durch die unglaubliche Gewalt und Monstrosität, schloss ich meine Augen und gab auf.

~*~
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