To Hell and back

von Wildcat
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18
Dean Winchester Sam Winchester
02.06.2019
29.09.2019
15
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Hallo, ihr Lieben,

heute möchte ich euch das siebente Kapitel vorstellen. Ich selbst zerbreche mir grad den Kopf über dem zehnten. ;-)

Vielen Dank an Tatu, die auch hier als Betaleserin fungiert hat.

Ich hoffe auch weiterhin auf eure fleißigen Rückmeldungen, ich genieße diese Form der Würdigung sehr.


Viel Spaß wünscht euch,
eure Wildcat



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Mistakes



A uf dem Parkplatz der Notaufnahme gab es keine freien Plätze mehr. Selbst die Straße vor der Einfahrt war voller Autos.

Es wäre sicher angebracht gewesen, Sam vor der Tür aussteigen zu lassen, um ihm die Mühe des Fußweges zu ersparen. Doch Dean hatte ein schlechtes Gefühl dabei. So drehte er schweigend eine Runde um den Block und fand in einer Parallelstraße einen Parkplatz.

Als er den Motor ausgestellt hatte, hielt er Sam die Ausweise des CDC entgegen. „Willst du Agent Gramm oder Jones sein?“

Sam atmete gedehnt ein. „Foreigner?“, fragte er argwöhnisch. „Du hast echt einen schrägen Humor...“

Besser, als ihn komplett zu verlieren. „Also, welchen?“

Sam griff zu, ohne hinzusehen und stieg aus. Er hatte inzwischen heftige Schwierigkeiten beim Laufen. Sicher waren bereits Teile der Zehen abgestorben. Er klagte mit keinem Wort; und würde es auch nie. Er biss die Zähne zusammen und glaubte unbeirrt, bald eine Lösung zu finden.

Dean bereute es, ihn nicht vor der Tür abgesetzt zu haben. Er begriff selbst nicht, wovor er Angst hatte. Was sollte schon passieren, außer, dass sie ihn stationär aufnahmen? War es Deans Trauma, das ihn zu derartig irrationalen Entscheidungen drängte?

Das Wahpeton Medical Centre stand auf der Liste der historischen Gebäude. Zumindest verkündete dies die Plakette neben der modern verspiegelten Eingangstür. Dean war es ziemlich egal. Er würde dem Kasten mit genau so viel Abschätzigkeit begegnen, wie jedem anderen Krankenhaus auch.

Als die Scheiben auseinander glitten, offenbarten sie eine Empfangshalle, die eher an ein Hotel als an eine Klinik erinnerte. Frisch gestrichene Wände, moderne Bilder und ein dreifarbiger Empfangsbereich. Der Raum hätte Ruhe ausgestrahlt, wäre er nicht derart überfüllt.

Es gab kaum genügend Platz, um all die Menschen aufzunehmen. Alle Tragen und Stühle waren belegt. Die, die kein Möbel ergattert hatten, saßen oder lagen bereits auf dem Boden.

Das Bild war erschreckend. Erschreckend deshalb, weil sich ein Element ständig wiederholte. Als würde man sich einen Film mehrfach hintereinander in wechselnder Besetzung ansehen.

Es gehörten zwei, meistens drei Leute zu einer Gruppe. Einer davon zeigte die Kälte-Symptome, die auch Sam hatte. Die anderen hockten neben dem Kranken. Mit sorgenvollem Gesicht und gefalteten Händen. Sie alle beteten.

Dean erfasste mit einem Blick, dass es unter den Befallenen keine Gemeinsamkeiten gab. Hier froren Männer wie Frauen, heterogen in Herkunft, Aussehen und Alter.

Skadi konnte es sich wohl nicht leisten, wählerisch zu sein.

Dean stand wie erstarrt. Er widerstand dem Drang, Sam festzuhalten und hinter sich zu schieben. Doch das war gar nicht nötig. Fast im selben Moment fühlte er, wie Sam seine Jacke griff. Er war ebenfalls stehengeblieben und hielt sich nun in seinem Rücken.

„Scheiße“, war alles, was er flüsterte.

Dean nickte. Mit so vielen Befallenen hatte er nicht gerechnet. Er schluckte. „Sind... sind das mehr als hundert?“ Es war unsensibel, das zu sagen. Doch es war im Moment das Einzige, das ihn interessierte.

„Sieht fast so aus“, flüsterte Sam zurück.

Ein Hoffnungsschimmer. Mehr Infizierte als Opfer. Das war gut! „Sam hör zu, wir arbeiten hier nur die Akten durch und dann gehen wir, Okay?“

„Ja!“ Sam runzelte die Stirn. „Was denn sonst?“

Dean wollte verhindern, dass Sam mit den anderen Betroffenen sprach. Nicht, dass er noch falsches Mitleid für sie entwickelte und sich zu Dämlichkeiten hinreißen ließ!

Mit weichen Knien und Druck im Hals trat Dean auf den Empfangstresen zu. Er ignorierte die anderen Menschen in der Schlange und stellte sich nach vorn. Den Ausweis hielt er wie ein Schutzschild vorgestreckt.

Sam folgte ihm so dicht, dass er die Kälte seines Körpers spüren konnte.

Es arbeiteten drei Frauen im Empfang. Sie alle wirkten müde, aber eher genervt und beschäftigt als panisch. Auf dem Tisch stapelten sich handgeschriebene Krankenakten in unterschiedlich hohen, unübersichtlichen Stapeln.

Dean holte tief Luft. „CDC, Seuchenschutz“, richtete er seine Worte unbestimmt in den Raum hinein. „Agents Gramm und Jones. Wir untersuchen die Krankheit, die...“

Eine der Frauen fühlte sich angesprochen. Sie sah kurz auf. „Ja, das sehe ich!“, gab sie flapsig zurück. Sie hatte dunkle, lateinamerikanische Augen und trug einen pinkfarbenen Schwersternkittel. Das Namensschild wies sie als Schwester Maria aus.

„Wie bitte?“

„Na, ihr Kollege hier ist doch krank.“

Wie bescheuert! Wie dämlich, nicht an so etwas zu denken! Sie gaben sich als Ermittler der Seuchenschutzbehörde aus und waren selbst betroffen? Wie konnte ihnen nur ein derartiger Fehler unterlaufen?

„Wir sind auch für die Vorbeugung von nicht ansteckenden Krankheiten zuständig“, fiel Sam souverän ein.

Oh! Na, ein Glück hatte wenigstens einer von ihnen die Hausaufgaben gemacht.

„Wir brauchen Einsicht in die Akten der Verstorbenen des letzten Jahres. Anamnese, Todesursache usw“, fuhr Sam fort. Sehr professionell, das musste Dean ihm lassen.

„Privat oder behördlich?“

Ach du Scheiße! Das war es jetzt. Dean überlegte krampfhaft, was er darauf sagen könnte.

„Welche Rolle spielt das?“ Sam zuckte nicht einmal. Als hätte er mit diesem Gespräch gerechnet. Wow! Also das hatte Sam ja richtig gut hingebogen.

Schwester Maria schwieg. Aber ihr Zögern war lediglich rhetorisch und diente wohl nur dazu, die Machtverhältnisse klar zu stellen. Dean sah ihrem Gesicht bereits an, dass sie eine Entscheidung getroffen hatte. Eine positive. Deshalb war er auch nicht sonderlich überrascht, als sie: „Kommen Sie schon mit“, blaffte.

Sie ging voran durch einen Flur, der eine verwirrende Anzahl von Türen zählte. So, wie bereits im Empfang, setzte sich auch im Stationsbereich der Eindruck eines Hotels fort. Wären die Handläufe nicht gewesen, hätte Dean das Gefühl gehabt, einen Gasthof zu inspizieren. „Im Grunde ist es gut, dass sich endlich jemand um diese Krankheit kümmert“, seufze die Schwester. „Bisher hat sich niemand verpflichtet gefühlt. Kaum war der Ausbruch vorbei, zog der Alltag wieder ein. Sie wissen ja, wie das ist.“

Sam und Dean tauschten einen Blick. Nein, eigentlich nicht! Damit war klar, warum nichts von der Krankheit nach außen drang. Keine Verschwörung oder Geheimhaltung... schlicht Faulheit! Besorgt verschwendete Dean einen Gedanken daran, ob das gleiche Verhalten auch bei einer echten Seuche an den Tag gelegt wurde. Und ob es dazu führen konnte, dass sie sich ausbreitete. Vermutlich! Aber das war nicht ihre Baustelle.

Die Schwester hielt vor einer Tür am Ende des Flurs. Mit einem Universalschlüssel sperrte sie auf. „Jeder, der sich die Arbeit freiwillig antut, ist uns willkommen.“

Es fühlte sich für Dean an, wie ein Tritt. In eine Stelle, die richtig wehtat. Fast zwei Stunden filigrane Handarbeit und Sie hätten einfach nur nach den Akten fragen müssen? Super!

Am liebsten hätte er ihr ihre schlampige Arbeit vorgeworfen und sie verhaftet. Genug Grund gab es schließlich, wenn man das vom Standpunkt eines CDC-Beamten betrachtete. Komfort wurde hier dem Seuchenschutz vorgezogen. Sie konnten von Glück sagen, dass es sich nicht wirklich um eine ansteckende Krankheit handelte.

Dean knirschte wütend mit den Zähnen. Einen Augenblick überlegte er, ob er fragen sollte, warum die Papiere im internen Netz der Klinik eine erhöhte Sicherheitsstufe hatten. Aber im Grunde wusste er die Antwort schon: Weil sie gar nicht hochgeladen waren. Der Schutz war nichts weiter als ein Fake. Hier hatte sich niemand die Mühe gemacht, die Daten zu digitalisieren.

„So, ich lasse Sie mal in Ruhe. Den Kaffeeautomaten finden Sie im Empfangsbereich.“ Damit verschwand Schwester Maria dann auch.

Dean atmete geräuschvoll aus. Sei es drum! Sie hatten, was sie brauchten. „Also, wo fangen wir an?“

Die Dokumente türmten sich in engen Reihen aus Schwerlastregalen auf. Sam sah beklommen die die Kartons an. Jede Akte stand für einen Toten. „Uhm... Ostern 2018“, ließ er Dean an seinen Gedanken teilhaben. „Also eher zwei Wochen später. Muss so die zweite April-Hälfte sein.“

Er blickte auf die Beschriftung, die mit dickem schwarzen Filzstift vorgenommen wurde. Die Kisten waren – Überraschung! – nicht sonderlich gut sortiert.

Doch nach einer Weile hatten sie ein paar Kisten zusammen, deren Daten mit dem betreffenden Zeitpunkt übereinstimmten. Sie setzten sich an den kleinen Tisch, der wohl mehr als Ablage funktionierte und fingen an zu lesen.

Dean klappte den Pappdeckel der ersten Akte auf und las die Todesursache. Sein Herz machte einen Satz. Danach pochte es nur umso heftiger.

Das war es also, was Sam erwartete?


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