Is it too late for love? ||h.s.

GeschichteDrama, Romanze / P12
Harry Styles Louis Tomlinson
02.06.2019
15.08.2019
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Auf dem Weg zum anschließenden Pressetermin hatte Harry sich komplett aus allen Gesprächen zurückgezogen und nachdenklich die vorbeiziehenden Straßen beobachtet. Das Interview verlief genauso abgesprochen, wie jedes einzelne dass sie in ihrer Karriere zuvor bereits gegeben hatten. Alle Fragen wurden vorher ausführlich von Modest! überprüft und gegebenenfalls aussortiert, sodass den Jungs nicht wirklich viel Spielraum in ihren Antwortmöglichkeiten blieb.
Es wurden Fragen zum Ablauf der Tour gestellt, sowie zu ihrer Zusammenarbeit, die alle brav nach Plan beantworteten, ohne wirklich etwas weltbewegendes zu verraten. Fragen zum Privatleben wurden geschickt umgangen oder absichtlich falsch beantwortet.

Bevor sie gegen 11 Uhr Abends aufbrechen wollten, blieben ihnen noch einige Stunden, die sie in ihren Zimmern verbrachten. Harry hatte sich mit seinen Schuhen aufs Bett gelegt und starrte an die Decke. Die Ereignisse des Tages hatten ihm mehr zugesetzt als erwartet. Er war gerade mal knapp einen Tag von zuhause weg und schon fühlte er sich allein gelassen und fehl am Platze. Seufzend griff er neben sich zu seinem Handy und wischte vorsichtig mit dem Daumen darüber um zu seinen Kontakten zu gelangen. Louis' Nummer fiel ihm direkt ins Auge, aber nachdem was er ihm heute an den Kopf geworfen hatte, wollte dieser sicher kein Wort mehr mit ihm wechseln. Er schaute gedankenverloren auf sein Profilbild, dass ihn zusammen mit seinen Schwestern und seiner Mutter zeigte. Auch Louis hatte es definitiv nicht immer leicht gehabt und Harry hatte das Bedürfnis dazu, ihm beizustehen. Noch viel mehr deprimierte es ihn deshalb, dass er derjenige war der ihn wahrscheinlich unabsichtlich am meisten verletzt hatte. Ganze 5 Jahre waren sie ein Paar gewesen. Nie offiziell, weil sie es immer geheim halten mussten. Selbst über eine Hochzeit hatten sie bereits nachgedacht…bis zu dem Tag der alles verändert hat.

Schnell beendete er seine trübseligen Gedanken, indem er stattdessen lieber seiner Mutter schrieb, die sicher schon sehnsüchtig auf eine Antwort von ihm wartete. „Sorry Mom, habs nicht eher geschafft mich zu melden. Waren den ganzen Tag unterwegs. Hier läuft alles bestens. Mach dir keine Sorgen! X“ Das war alles was er ihr mitteilte. Jetzt fühlte er sich noch elendiger und dazu noch wie ein Lügner.
Der Lockenkopf richtete sich auf und beschloss etwas an seinem Zustand zu ändern. Wie sollte er so ein Konzert überstehen, wenn er sich kurz vorm Nervenzusammenbruch befand? Ablenkung musste her. Entschlossen wählte er Mitch’s Nummer und wartete bis er sich meldete „Ja?“-„Mitchiboy! Alles gut bei dir? Lange nichts mehr gehört!“, rief Harry in den Hörer. Bei dem Klang seiner Stimme ging es ihm schon etwas besser. „Harry, Mensch das ist ja eine Überraschung. Mit dir hätte ich ja jetzt garnicht gerechnet. Bist du nicht auf Tour?“, fragte Mitch verwundert. „Doch bin ich. Aber dein Lieblingsmusiker hatte plötzlich ganz dolle Sehnsucht nach dir! Wo steckst du gerade?“ – „Toronto! Am Arsch der Welt!“, lachte er und legte eine Kunstpause ein „Hast du jetzt nicht wieder genug Beschäftigung durch Louis?“ Harrys Stimmung sank gleich wieder zum Tiefpunkt und sein Lachen verstummte „Ich weiß nicht wovon du redest. Ich hab schließlich dich angerufen und keinen anderen!“ Mitch schwieg einen Augenblick und Harry hörte ihn Lachen „Tja Harry ich schätze ich kann nicht mal so einfach vorbeikommen…stehst du auf Telefonsex?“ – „Mitch hör zu, ich glaub ich bin gerade in keiner guten Verfassung. Ich brauch dich hier. Ich buch dir einen Flug für morgen früh, ja? Überlass das alles mir!“ Mitch unterbrach ihn verwirrt „Sag mal Harry geht’s dir gut? Was ist denn los mit dir? Ich kann doch nicht einfach alles stehen und liegen lassen und ins nächste Flugzeug springen…hallo?“ Er vernahm nur noch das Piepen der Leitung denn Harry hatte schon aufgelegt. Er ließ ihm wohl keine andere Wahl.

Am Abend gingen Zayn, Niall und Louis bereits etwas früher los um die richtigen Getränke zu besorgen. „Auf das große Wiedersehen muss angestoßen werden“, hatte Zayn betont, aber es war wohl allen klar dass es dabei nicht bleiben würde, sondern ein halbes Saufgelage daraus werden würde. Harry wusste beim besten Willen nicht was es da zu feiern oder zum Anstoßen gab, aber er wollte auch kein Spielverderber sein. Er war jung und hatte nichts zu verlieren. Jetzt erst recht nicht mehr…

Aus dem Kinoabend wurde spontan doch noch eine Clubnacht. Das war Harry auch sehr viel lieber als in einem dunklen Kino still neben Louis sitzen zu müssen. Liam und Harry machten sich sofort auf den direkten Weg zu besagtem Club. „Was ist mit dir Harry? Du wirkst irgendwie so als würde dich was bedrücken!“, stellte Liam fest „Gehen wir dir jetzt schon auf den Sack?“ – „Und wie! Ist kaum auszuhalten mit euch. Wie ich das bloß all die Jahre ausgehalten hab…“, ein Grinsen stahl sich auf Harrys Gesicht und seine Augen funkelten schelmisch. „Nein quatsch, ich freu mich euch wiederzusehen. Aber gewisse Personen machen es mir nicht unbedingt leicht!“ Liam nickte verständnisvoll und wusste über ihre gemeinsame Vergangenheit bescheid „Louis hat aber selbst genug Mist durchgemacht. Da ist es verständlich dass er nicht weiter verletzt werden will und sich gleich abschirmt!“ Irritiert und angegriffen schaute Harry zu ihm „Was soll denn hier heißen verletzt? Nimmst du ihn jetzt in Schutz ohne die ganze Geschichte zu kennen?“ Liam verdrehte die Augen „Ich nehm hier niemanden in Schutz! Ich beurteile nur danach was ich zu hören bekommen hab. Und das ist nunmal Louis‘ Version der Geschichte!“ – „Ach ja? Er hat also gleich alles rumerzählt  und kein gutes Haar an mir gelassen! Hätt ich mir ja denken können. Aber so wie er die Geschichte erzählt war es nicht. Ich hab ihn nicht betrogen Liam! Glaubst du wirklich ich hätte Louis das antun können? Ich hätte alles für ihn getan, bis dieses scheiß Management dazwischen gekommen ist!“, schnaubte er und redete sich in Rage „Ich hab Louis nicht betrogen! Ich war mit diesem Mädchen nur was trinken…ja wir sind uns ein bisschen näher gekommen weil wir betrunken waren und so aber da ist nichts gelaufen! Ehrlich! Aber Modest hat diese Sache sofort aufgegriffen und sie Louis gesteckt, mit Lügen durchzogen. Die hatten doch immer schon was gegen unsere Beziehung. Man Liam das weißt du doch selbst! Du weißt doch auch zu was die alles fähig waren und mit welchen Mitteln die vorgegangen sind!“ Sie waren mittlerweile stehen geblieben und Liam schaute Harry betroffen an „Dann musst du es ihm eben genauso erklären!“, schlussfolgerte Liam und zuckte die Schultern „Weißt du wie oft ich das schon versucht hab? Die haben sogar Eleanor darauf angesetzt ihn noch mehr davon zu überzeugen was ich für ein schlechter Mensch wäre!“

Sie waren mittlerweile vor dem Club angekommen, wo sich schon einige Menschen tummelten und lautstark unterhielten. An sinnvolle Konversationen war bei der Lautstärke der Musik sowieso nicht zu denken. Harry verzog sich aufgewühlt an die Bar und merkte garnicht wie er seinen Frust im Alkohol ertränkte. Ein Glas Vodka Redbull nach dem anderen ging über die Theke bis Harry schließlich Mühe hatte sich noch auf den Beinen halten zu können. „Hey Harry, willst du tanzen?“, hörte er zwei Mädchen neben sich flöten und er drehte sich zu ihnen „Nein. Ich bin nicht in der Stimmung. Ich bin nur in der Stimmung zum Trinken!“, säuselte er undeutlich und stürzte den letzten Rest seines Getränks herunter. Die beiden waren etwa im Alter von 18 Jahren und schienen keine Ruhe zu geben „Komm schon! Wir könnten ein bisschen Spaß haben, wenn du verstehst was ich meine?“, zwinkerte das blonde Mädchen ihm zu und strich über seine Brust. „Lasst gut sein. Sucht euch jemanden in eurem Alter!“, er stieß sie etwas unsanft weg und bahnte sich seinen Weg nach draußen.

Mittlerweile hatte es stark angefangen zu regnen und die Lichter der Autos spiegelten sich auf dem nassen Asphalt der Straßen. Harry umklammerte eine Straßenlaterne um sein Gleichgewicht zurück zu erlangen und hatte das Bedürfnis sich zu übergeben. Vor seinen Augen drehte sich alles und er nahm die Geräusche nur dumpf wahr. Seine Kleidung war mittlerweile schon vom Regen durchnässt, genauso wie seine sonst lockigen Haare.

Liam und Louis traten vor den Club, allerdings geschützt vom Dach und unterhielten sich in der Ferne. Harry konnte sie nur unscharf erkennen allerdings stieg in ihm plötzlich eine unsagbare Wut auf. Taumelnd machte er sich auf den Weg zu ihnen und schubste Liam weg „Du scheiß Verräter! Du warst mal wie ein Bruder für mich aber jetzt bist du für mich gestorben!“, rief er lautstark und lallte dabei. Liam schaute ihn verwirrt an und merkte dass er sichtlich betrunken war. „Harry geh nachhause. Du bist komplett besoffen und am Ende!“

„Sag mir nicht was ich tun soll…und du auch nicht! Du kannst doch nicht alles einfach so wegwerfen!“, stammelte Harry in Louis Richtung und wurde emotional „Ich hab dich nicht betrogen! Ich brauch dich doch!“ Harry packte Louis am Kragen und versuchte ihn zu sich zu ziehen, dieser jedoch hielt ihn auf Abstand. Bis Harry plötzlich seine feuchten Lippen einfach auf seine drückte als gäbe es kein Morgen mehr. Er schloss die Augen und genoss das Gefühl seiner weichen Lippen auf seinen eigenen.

Für einen kurzen Moment konnte er alles um sich herum vergessen und seine Sorgen fielen von ihm ab. Erst als Louis ihn grob zurück schubste fand er zurück in die Realität. „Bist du bescheuert? Nur weil du zuviel gesoffen hast musst du mich nicht gleich so bedrängen! Ich hab dir gesagt ich will nichts mehr mit dir zutun haben! Krieg das endlich in deinen Schädel, du Freak!“ Aggressiv stapfte Louis zurück in das Lokal.

Obwohl er durch den Alkohol völlig neben sich stand, bemerkte er trotzdem was er da für einen Fehler gemacht hatte und blieb wie ein begossener Pudel alleine im Regen zurück. Als er völlig durchgeweicht am Hotel ankam, wollte er nichts lieber als sich ins Bett fallen zu lassen, die Augen zu schließen und nie wieder aufzuwachen.