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120 Grubs -  Outtakes, One-Shots & Alternate Scenes (120er Projekt)

von Ravaari
SammlungFantasy, Sci-Fi / P16 / Div
Cassie Jake Marco OC (Own Character) Rachel Tobias
02.06.2019
15.04.2021
69
116.682
5
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
02.06.2019 4.074
 
Coward, engl. noun: Feigling
---
Band 53, "The Answer", Kapitel 3,  AU,  Marco x OC
***

"Es ist zu gefährlich Jake"
Sagte sie.
Sie...
Ihr Name war Eva Garcia und sie war auch die Frau, die jahrelang der Wirtskörper für den ersten Visser Eins gewesen war.
Meine Mama.
"Visser Eins wird wissen, dass ihr es wisst. Er ahnt, dass ihr kommt und er kann nicht zulassen, dass ihr es zerstört. Nicht bei einem Poolschiff. Das ist die einzige Langzeit-Nahrungsversorgung der Yirks hier auf der Erde. Der Rat der Dreizehn würde ihn dafür sofort exekutieren lassen."
"Nein, Mum"
Ich schüttelte meinen Kopf, die Haare fielen mir immer noch feucht in den Nacken.
"Er wird denken, dass wir uns für die Größten halten, weil wir den Yirkpool haben auffliegen lassen und wir sind nur Kinder. Keine Ahnung... Vielleicht unterschätzt er uns. Wär´ nicht das erste Mal"
Die Worte kamen mir nur schwer über die Lippen, weil ich es in Wahrheit selbst nicht glaubte, aber ich wollte es.
Wollte es verdammt noch mal glauben.
"Nein."
Die Stimme meiner Mutter klang kalt.
So kalt wie die paar Tropfen eiskaltes Wasser, die mir grade den Nacken runter liefen.
Ich fröstelte trotz der warmen trockenen Klamotten.
"Er wird euch nie wieder unterschätzen, das ist vorbei. "
"Ja, und zwar ein für alle Mal mein Junge."
Das kam von Tom oder vielleicht auch von Noorkan... Höchst wahrscheinlich von ihm.

Es war früher Morgen und wir standen alle rund um ein kleines Feuer.
Die Luft war kühl, also jetzt nicht direkt kalt, aber immer noch kalt genug, wenn man wie ich auf die geniale Idee kommt, ein sehr frühes Bad zu nehmen.
Zusätzlich war der Nebel, der sich in diesem Tal recht häufig bildete, auch heute wieder mal relativ dicht. Nicht gerade Picknickwetter also
"Es ist zu gefährlich."
Sagte auch Cassies Dad und nippte immer wieder gedankenverloren an einer Tasse gefüllt mit einer undefinierbaren heißen Flüssigkeit, die hier in unserem Not-Camp grade so als Kaffee durchging .
"Ja. Das ist jetzt ein Job fürs Militär."
Argumentierte Rachels Mutter. " Ihr Kinder...Ihr habt genug getan.
Überlasst das den Leuten, die dieses Land eigentlich hätten schützen sollen "
Ha, gut gesprochen, Frau Anwältin.Gerne würden wir das tun. Aber leider, leider sind wir hier nicht in einem schönen warmen Gerichtssaal, sondern hocken mitten in der dreckigen Wildnis zum Kriegsrat zusammen, da gelten vollkommen andere Regeln....
Genau das hätte ich Naomi am liebsten gesagt, aber ich sah ihre roten verheulten Augen und den Blick darin.
Einen Blick den ich bei meinem Dad jahrelang gesehen und ertragen hatte, deshalb tat es nicht.
Guckte stattdessen nur schweigend von einem zum Anderen in der Runde und blieb schließlich bei Jake hängen.

Jake, der mein bester Kumpel war, seit ich überhaupt denken konnte und auch der Anführer der Animorphs.
Jake, dessen Eltern jetzt selbst Controller waren und der solche Meetings wie das hier eins war, inzwischen aus tiefster Seele hasste.
Sicher hätte er gerne mit jemandem wie mir getauscht, jemand dessen Freundin nicht den Morphwürfel als kleines Präsent den Yirks überreicht hatte, nur damit er sich nicht gezwungen sah, seine eigene Mutter töten zu müssen.
Jemand der keine Entscheidungen treffen musste bei denen es um Leben und Tod ging und verdammt, ich konnte ihn wirklich gut verstehen.
Da waren einfach zu viele Stimmen. Zu viele Fürs und Wieders.
Aber tauschen war nun mal nicht.
Er war der Mann und wir waren trotzdem nach wie vor auch nur Gäste der freien Hork-Bajir-Kolonie.
Das hier war ihr Tal.
Ihre Bäume und das einzige Zuhause, dass sie auf dieser Welt hatten.

Wir waren mit unseren Familien hier hergeflohen, als alles aufgeflogen war und wir einen sicheren Unterschlupf gebraucht hatten, wohin uns die Yirks nicht folgen konnten. Also musste unser glorreicher Anführer zumindest auf Toby hören, die hier schlussendlich das Sagen hatte, na ja, zumindest gleich nach Jara und Ket.
Genauso wie auf Eva und den alten Noor.

Nur ein absoluter Vollidiot würde das nicht tun denn niemand kannte die ranghohen Yirks und ihre Pläne so gut wie die Beiden.
Und natürlich waren da auch noch der Rest unserer kleinen Animorphs -Truppe:
Ax mit seinen tausend Geheimnissen, der es im letzten Moment noch geschafft hatte, das Ruder rumzureißen und die Menschheit samt der yirkanischen Friedensbewegung nicht an seine andalitischen Kollegen zu verraten, Cassie die wie ein Häuflein Elend am Feuer kauerte und deren Augen genauso wie Naomis rot vom Weinen.
Wegen ihrer toten besten Freundin. Wegen Jake und natürlich, weil sie uns verraten hatte... Wegen allem.

Tobias der seit Rachels Tod nicht mehr derselbe war und kaum noch ein Wort sagte, auch jetzt nicht wo er mit aufgeplusterten Federn und eng an den Körper gezogenen Kopf in einem Baum über uns trohnte.

Issrin und Lou die erst vor ein paar Tagen wieder ins Tal gekommen waren, nach dem Jake sie darum gebeten hatte und nicht weit von mir nebeneinander saßen.
Im Moment sahen se aus wie eineiige Zwillinge.
So wie sie vielleicht heute aussehen würden, wenn Issrin nicht ein Yirk im Morph gewesen und Ava nicht  kurz nach der Geburt gestorben wäre...
Nach wie vor dachte Izzy, wir müssten alles dafür tun, um ihre Leute aufzuhalten,ganz egal was dafür nötig war und den meisten von uns ging es ähnlich. Zusätzlich waren da aber noch mein Dad mit seinen Ängsten.
Rachels Mum, die ihre zwei noch lebenden Töchter um jeden Preis beschützte, wie eine Löwin.
James, der Anführer unserer neuen Hilfs-Animorphs.
Tobias´Mum mit ihrem gerade erst wieder gefundenen Sohn.
Cassies Eltern, die am liebsten einfach nur wollten, dass niemand verletzt wurde.
Tom und Noorkan, die mindestens so besorgt waren wie meine Mutter und meinten, wir sollten nichts überstürzen...

Ich sah dabei zu , wie mein bester Freund sich bemühte, seine Ungeduld nicht zu zeigen, aber es waren einfach viel zu viele Leute mit zu vielen unterschiedlichen und untereinander widersprüchlichen Punkten auf ihren To-do-Listen.
Zu wenig Zeit um sie zur Zufriedenheit aller abzuarbeiten.
<Schaut mal Leute,>
Sagte Tobias plötzlich.
Das erste Mal seit Tagen.
Seine Gedankenstimme klang leise und erschöpft.
<Wir...wir müssen es einfach versuchen okay?  Ich meine, ich denke nicht, dass... Dass das "ob" hier überhaupt wirklich die Frage ist die sich stellt, viel mehr ist es das "wie>
"Nein!"
Naomi schluchzte. " Niemand hat so etwas entschieden!"
Verzweifelt drückte sie ihre beiden weinenden Töchter an sich.
" ... Mein...mein Kind ist direkt vor meinen Augen gestorben! Sie ist getötet worden von diesen... Diesen Kreaturen!"
Beim Wort "Kreaturen" warf sie Lou/Issrin einen finsteren  Blick zu.

Neben dem Soldaten-Controller Grigsby gab sie absurderweise nämlich ausgerechnet Issrin Schuld an Rachels Tod, aber weil  die anderen Erwachsenen und Jake es ihr verboten hatten, sagte sie nichts in der Richtung.
"Genügt es denn noch nicht? Wer soll noch sterben? Der Rest deiner Freunde? Du?... Das ist...Das ist Wahnsinn, eine reine Selbstmordaktion!"
Der Frau entkam noch ein Schluchzen, diesmal aber ein trotziges und ihr böser Blick schwenkte von Issrin weg zu Tobias .

Jeder der schon ein mal versucht hat, sich ein Blickduell mit einem Raubvogel zu liefern, weiß, wie sinnlos das ist.
Tobias wandte den Blick nämlich nicht ab und seine Stimme war noch immer leise, dieses Mal aber auch nachdrücklich als er sagte:
<Ja ich weiß. Aber gerade deswegen. Ich meine, Sie kennen Rachel besser als viele Andere. Sie hat Ihnen alles bedeutet und mir ... Mir auch. Sie war stark und mutig aber auf jeden Fall ehrlich. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass sie... im Umgang mit ihrer Familie anders war als im Umgang mit ihren Freunden. Es hat nur eine Rachel gegeben und ich weiß, wenn sie heute hier wäre, würde sie auf jeden Fall wollen, dass wir gehen. Deswegen bin ich auch Jakes Meinung. Für Sie und für uns alle. Gehen wir hin und zerstören dieses Ding solange wir können... Eine zweite Chance werden wir nicht bekommen.> "Ja... Lasst es uns tun und wenn es nicht klappt, versuchen wir es nochmal. Härter und Gemeiner. Irgend sowas in der Art hätte Rachel sicher gesagt."

Cassie nickte und lächelte, wischte sich ein paar Tränen aus den Augen und rundherum sah ich wie alle meine Freunde verstohlen die Blicke senkten und diverse Taschentücher oder Stofffetzen zückten.
Meine Augen brannten auch...
"Ja, aber es wäre eine Verschwendung es zu zerstören, wir sollten es nehmen."
Sagte Toby plötzlich, das erste Mal überhaupt seit sie sich zu unserer kleinen Runde gesellt hatte, ergriff sie das Wort und schlagartig war alle Aufmerksamkeit bei ihr.
Auch Jakes.
"Was meinst du?"
Fragte er sofort.
"Ganz einfach. Da sind hunderte Hork-Bajirs die an Bord des Poolschiffes gefangengehalten werden. Wenn wir zumindest ein paar von ihnen befreien könnten... Natürlich wären da auch noch die massiven Waffensysteme. Stellt euch vor, was es bedeuten würde, diese Macht zu kontrollieren."

Moment mal, es nehmen....? Das Poolschiff?!
"Du meinst wir sollen dieses verdammte Ding stehlen?!"
Platzte es einfach aus mir heraus.
"Frage Eins: Was bitte habt ihr Horks hier draußen geraucht und Frage zwei: Wer verwettet hundert Dollar darauf, dass Rachel jetzt sicher gesagt hätte "Das ist mein Mädchen" oder irgendetwas in der Art? Ich meine das Poolschiff klauen?! Seid ihr jetzt vollkommen wahnsinnig geworden?!"
<Es wäre riskant, aber zumindest ein Versuch, den Visser Eins nicht erwartet.>
Sagte Ax vorsichtig .
<Ich meine natürlich ist es rein hypothetisch und in der Realität undurchführbar. Jedes System an Bord dieses Schiffes ist verschlüsselt und die Sicherheitscodes werden wahrscheinlich stündlich wechseln. Nur eine der Sequenzen zu durchbrechen könnte eine Stunde Arbeit bedeuten und überschreite ich dieses Zeitfenster, würde alles wieder von Neuem starten . Eine ganze eurer Stunden um Zugang zu den Navigations-Systemen zu erlangen, um ein Beispiel zu nennen und das auch nur mit Glück.>
"Mit unwahrscheinlich viel Glück, mein junger Freund. Sie würden euch entdecken, lang bevor du Erfolg hättest und dann... Denkt besser nicht drüber nach, was sie dann mit euch machen würden."
"Peace Movement?"
"Nein."
Noorkan von der anderen Seite des Feuers grinste einbisschen und schüttelte traurig Toms Kopf.
" Na ja zumindest keine Yirks die in einer so hohen Sicherheitsstufe Dienst tun, dass es uns irgendwo nützlich sein könnte."
"Ja"
Sagte jetzt auch Issrin.
"Oder zumindest keine über die wir informiert wurden... Es tut mir leid Jake."

Das war der letzte halbwegs verständliche Satz in der Runde, denn dann fingen auf einmal alle an, wild durcheinander zu reden, während ich schweigend zusah.
Ich meine was sollte ich auch groß dazu sagen?
Das Poolschiff klauen, direkt vor Visser Eins´ Augen?
Never! Never Ever!
Von all unseren hirnrissigen Plänen in der Vergangenheit, war das wohl der Dämlichste.
Kamikaze-Score hoch zehn und auch wenn ich sofort dabei sein würde, wenn es darum ging dieses verdammte Rauschiff einzustampfen, war ich raus, sobald sie irgendetwas anderes vorhatten.
"Okay,"
Sagte Jake plötzlich und wedelte mit seinen Händen in der Luft herum bis alle wieder zu ihm herübersahen.
" Das ist genug Leute. Danke, dass ihr gekommen seid."
"Nein!  Das...das kannst du nicht tun! Das hier ist noch nicht beendet und du bist nichts weiter, als ein Kind das mit Menschenleben spielt! Du...du kannst uns nicht einfach so wegschicken!"
Rief Rachels Mutter so laut, dass sie fast schrie.
"Das hier ist nicht ganz alleine deine verdamme Entscheidung! Du hast schon genug entschieden  und du hast versagt! Du hast versagt, wie  deine Cosusine tot im Dreck gelegen ist! Wie du diesses widerliche Ding in ihren Kopf gesetzt hast, während sie gestorben- ..."
"Oh doch. Also tut mir leid Lady, wenn ich das  jetzt so sage, aber es ist Jakes Entscheidung und er kann uns wegschicken, wann  immer er mag. " Schnautzte ich die wütenden Frau an, unterbrach sie, bevor sie den Satz zu Ende bringen konnte ,  aber sie überhörte mich einfach, blieb noch ein paar Sekunden in ihrer Position stehen wie eine Statue, vermutlich in der Hoffnung Unterstützung von den anderen Erwachsenen zu bekommen, als die aber ausblieb, packte sie Sara und Jordan  an den Armen und stürmte davon.
"Okay."
Jake atmete tief durch.
"Ich brauche Tom und Noorkan, Marco, Tobias, Ax, Toby, James, Issrin, Lou und Eva."
Cassie...

Er hatte sie nicht erwähnt. Keine Ahnung, ob jetzt absichtlich oder nicht, aber irgendwo war ich froh darüber, genauso wie die meisten der Anderen.
Keiner fühlte sich mehr recht wohl in ihrer Nähe seit sie die Morphingtechnologie den Yirks quasi zum Geschenk gemacht und damit unseren einzigen wirklichen Trumpf verspielt hatte. Cassie allerdings tat, als hätte sie nichts davon mitbekommen.
Drehte sich von uns weg und flüchtete sich in irgendein belangloses Gespräch mit ihren Eltern...

Von mir aus.
Die Situation auch so schon ernst genug und das Letzte, was wir brauchen konnten, waren Ethik-Vorträge und Sentimentalität.
Kurz streifte ich den Blick meiner Mutter. Ihre Lippen waren nichts weiter als eine schmale Linie und wie sooft in den letzten Tagen ging ihr Blick zwischen Issrin und mir hin und her. Tom hatte es schon ein paar Mal angesprochen, dass sie etwas ahnen könnte und wir vorsichtig sein sollten bei-was-immer-wir-machten, falls wir uns nicht mit ihr anlegen wollten.
Issrin auch, zum letzten Mal heute Morgen am See, aber ich hatte nur darüber gelacht.
Ich meine , sie lebte ja mittlerweile in einem geheimen Not-Pool, den die Djees auf die Schnelle in ihrem Hunde-Keller hochgezogen hatten, wohin sich auch ein Teil der Friedensbewegung geflüchtet hatte, na ja zumindest die die einen Wirt hatten, und kam nur alle paar Tage zum Schwimmen hier her.

Ständig in einem Wirt zu stecken, oder auf engstem Raum mit so vielen anderen eingepfercht zu sein, ist ziemlich schädlich für einen jungen Yir, der noch viel mehr Bewegung braucht als beispielsweise so jemand wie Noorkan...
Außerdem mochte sie die Ruhe hier oben und das Gefühl unsere Sonne unter freiem Himmel auf der Haut zu spüren , die sich, auch wenn sie sich nicht von ihren Strahlen ernähren konnte, erfrischend anfühlte. Ähnlich wie für uns Menschen ein Schluck klares kaltes Wasser.
Genau das hatte sie auch Jake gesagt.
Meinen Eltern, Cassies Eltern und allen anderen die sie deswegen gefragt hatten und es stimmte ja auch.
Sie mochte und brauchte das alles, aber auch mich...
Hauptsächlich mich...

Bislang hatte ich es einfach nicht wahrhaben wollen, dass zumindest irgendjemand außer meinen Freunden und dem alten Noor etwas ahnen könnte, schon gar nicht Dad oder meine Mutter, zumindest bis jetzt.
Jetzt spürte ich nämlich ihren Blick in meinem Rücken und es brannte wie Feuer.
"Jake? Ist es in Ordnung für dich, wenn ich gleich nach komme? Marco und ich müssen uns vorher noch kurz unterhalten."
Scheiße! Falsch gedacht, keiner von meinen Eltern war dahingergestiegen, genau bis jetzt!

Abrupt blieb ich stehen, immer noch mit dem Rücken zu ihr .
Tom/Noorkan die gerade noch neben mir gegangen waren, klopften mir leicht auf die Schulter und warfen mir einen mitleidigen Blick zu.
Jake sah sie kurz fragend an, danach mich.
Aber schließlich nickte er nur, gerade wollte er Issrin, die genauso wie ich stehengeblieben war und meine Mutter sichtlich verwirrt ansah, am Arm nehmen und zusammen mit ihr rüber zu den anderen gehen, aber er hatte die Rechnung eindeutig ohne meine Mum gemacht.
"Nein Jake, schon in Ordnung. Lass den Yirk hier. Es kann ruhig hören, was ich zu sagen habe."
Den Yirk...
Es.
Oh, Mann...
Bis jetzt hatte Mama sich nämlich strikt geweigert, sowohl Issrin als auch Noorkan mit ihren Namen anzusprechen.
Sie warf alle Yirks in einen Topf.
Auch die Mitglieder der Bewegung.
Ich meine okay, sie war eine halbe Ewigkeit der Sklave von einem von ihnen gewesen, gefangen in ihrem eigenen Körper unter Psycho-Folter und so weiter. Deswegen hatte ich es auch verstehen können, zumindest am Anfang.
Ich war einfach nur froh gewesen, sie gesund und lebendig zurückzuhaben und hatte gehofft, sie würde irgendwann  einsehen, dass nicht alle von ihnen unsere Feinde waren, wenn man sie damit in Ruhe ließ und das Problem ...
Ihr Hass würde sich irgendwie legen mit der Zeit, wenn wir nicht ständig darauf herumreiten und sie drängen würden, aber anscheinend hatte ich mich geirrt.

"Sie hat einen Namen Mum."
Sagte ich trotzdem. Obwohl ich schon wusste, dass es sinnlos war, als ich mich umdrehte und in die Augen meiner Mutter sah.
Ihr Blick war eiskalt und sie zuckte nicht mal mit der Wimper.
"Es ist mir vollkommen egal, was es hat und was nicht. Du warst heute Morgen unten am See, nicht wahr? Zusammen mit Lou. Versuch gar nicht erst es zu leugnen. Dein Morphingdress hängt völlig durchnässt hinter der Hütte und deine Haare sind immer noch feucht. Außerdem haben sie dich gesehen."
Sie?!
Augenblicklich rutschte mir das Herz in die Hose, aber ich bemühte mich trotzdem ruhig zu bleiben.
"Maaaann jetzt tick nicht gleich aus Mum, sicher war ich unten am See. Ich wollte einfach nur ne Runde schwimmen gehen, das ist doch nicht verboten oder …? Wer zum Teufel sind überhaupt sie?"
"Die Hork-Bajirs. Zwei von ihnen sind gleich nach dem ich mit dem Frühstück fertig war zu mir gekommen und haben mich gefragt, was es zu bedeuten hat, wenn zwei Menschen im Wasser stehen und sich umarmen. Was es bedeutet, wenn sich ihre Münder berühren. Nachdem ich es ihnen erklärt habe, haben sie mir gesagt, dass sie dich unten am See gesehen haben, beim Schwimmen zusammen mit Lou."
Verdammt!
Diese verdammten lebenden Salathäcksler!
Diese Spatzenhirne!
Diese Sp a n n e r !
Ich will gar nicht wissen, was die sonst noch alles gesehen haben!


Ohne dass ich es wollte, sah Issrin an, dann wieder meine Mutter.
"Oh... Oookay, dann war ich eben mal baden und hab da Lou getroffen. Wir haben ein bisschen rumgeblödelt, na ja nur Spaß gemacht. Was ist schon dabei?"
"Spaß?"
"Ja."
"Nackt?"
"Ja... äh ich meine nein! Ich...-"
"Hör zu Marco."
Meine Mutter starrte mich an und von einer Sekunde zur nächsten verengten sich ihre Augen zu kleinen bösen Schlitzen.
"Ich kenne Lou inzwischen und weiß, welche Morphs deser Yirk hat. Ich w e i ß ,  dass du mich anlügst!
Lou war hier während du... Du...Nein ich möchte gar nicht wissen, was du getan hast. Sicher ist nur, dass ich entscheide,dass es endet, hier und heute."
Der böse Blick schwenkte von mir weg und traf jetzt stattdessen Issrin.
Die Stimme war nichts weiter mehr als ein feindseliges Zischen
"Du wirst meinen Sohn in Zukunft nie wieder treffen."
"Mum, bitte!"
Izzy sah zu mir herüber so, wie ich den Mund aufmachte.
Ich wusste, da sollte irgendwie mehr sein.
Mehr als dieser halbherzige Versuch, meine Mama zum Schweigen zu bringen.
Ich hätte für Issrin einstehen sollen, weil da mehr war.
Mehr von allem, in mir, zwischen uns.
Aber ich konnte es nicht.

"Nein Marco, du weißt nicht, womit du es hier zu tun hast, ich allerdings schon. So ein Ding hat lang genug in meinem Kopf gelebt.Ich weiß, was sie sind. Wie sie sind. Bezeichnung und Rang!"
"Mum, hör auf mit dem Quatsch!"
Irgendetwas in mir machte klick.
Kurzzeitig hatte ich das Gefühl völlig neben mir zu stehen.

"Ich sagte, Bezeichnung und Rang, Initiant!"
Die Stille, das Schweigen...
Meins,
Issrins...
Es breitete sich einfach immer weiter aus und dann...
Dann konnte ich es einfach nicht mehr länger ertragen und flippte einfach irgendwie aus.
Die ganze Ratlosigkeit und die tausend ungestellten Fragen, die sich in den letzten Monaten angehäuft hatten, immer wieder diese ewige Grübelei, ob das mit Issrin für mich wirklich Liebe war, oder nur irgendein verrücktes Ventil, weil ich in Wirklichkeit einfach nur eine Scheißangst hatte eine Beziehung zu führen, oder für jemanden da zu sein....
Alles brach aus mir heraus und machte sich mit einem Schlag Luft mit der Wucht eines explodierenden Dampfdruckkessels.
"Es... Es war nur ein dummes Spiel, okay? Wir haben nichts getan und auch wenn wäre es doch sowieso egal, weil wir nicht mal zur selben Spezies gehören!"
Issrins Blick bohrte sich in mich zusätzlich zu dem meiner Mum, während ich redete.
Ich konnte es spüren wie ein Messer in meiner Seite, aber ich sah nicht hin.
Sah niemanden wirklich an, sondern quatschte einfach nur weiter, als würde mein verdammtes Leben davon abhängen.
"Ich meine mal ehrlich? Es war lustig, aber was sollten wir denn groß tun? Egal was, es würde nichts bedeuten und nix bringen. Absolut gar nix... Nicht in diesem Universum!"
Ein kaltes Lächeln schob sich auf die Lippen meiner Mutter.
Gleichzeitig sah ich aus den Augenwinkeln, wie Issrin einknickte und den Kopf senkte.
Mum hatte grade gewonnen und sie wusste es.
Trotzdem musste sie noch eins oben draufsetzen.
So war meine Mutter eben.
So war ich.
"Das heißt, du hast es benutzt?"
"Ja."
Träne, eine einzelne Träne lief mir über die Wange.
"Es bedeutet nichts?"
"Nein."
"Schön, dass wir das klären konnten und du."
Noch einmal nahm sie Issrin scharf ins Visier.
Issrin die im Moment nichts und niemanden ansah, weil ich sie gerade verraten hatte.
Uns verraten hatte, was auch immer dieses verdammte uns mal gewesen war oder hätte sein können.
"Du wirst dich von meinem Kind fernhalten. Ihr könnt zusammen kämpfen und Jake kann dich in seinem Team akzeptieren, wenn er das will, aber ich werde dich niemals an der Seite meines Sohnes akzeptieren, egal in welcher Weise. Hast du das verstanden?"
"Ja."
"Ich habe dich nicht gehört , Yirk"
"Ja, ich habe verstanden."
Issrins Stimme war nicht mehr als ein Hauch.
"Gut, dann sehen wir uns in ein paar Minuten drüben bei den Anderen. Sie warten."

Mit diesen Worten drehte sich meine Mutter um und ließ uns einfach stehen.
Sekunden vergingen, wo wir nichts taten.
Einfach nur nebeneinander standen, ohne uns anzusehen.
Langsam fing es an zu nieseln.
Der leichte Regen drang bis in meine Kleider.
"Das war's dann wohl, was?"
War alles was ich nach einer halben Ewigkeit herausbrachte .
"Ja."
Issrin hob den Kopf und sah mich an.
"Anscheinend war es nie mehr als nichts. Ein Spiel für dich. Kein Mensch, nur eine Kreatur. Kein großer Verlust."

Im Gegensatz zu ihrem Blick der unergründlich war,waren ihre Worte voller Trauer und Wut.
"Hey,"
Ich versuchte ein Lachen, obwohl ich das Gefühl hatte, innerlich zu zerreißen.
"Ich meine mal ehrlich, du... Du weißt, dass das nicht wahr ist und dass du mir... Na ja ich mag dich, okay? Aber das hier hätte sowieso keinen Sinn gehabt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis es den Bach runtergeht und jetzt ist das verdammte Poolschiff dort draußen!  Wir müssen weiter zusammenarbeiten wenn wir gewinnen wollen!"
"Das werden wir."

Issrin drehte sich um, ohne mich noch mal anzusehen.
"Nicht mehr und nicht weniger. Ich habe nicht vor noch einmal deine Zeit zu verschwenden."
Das war alles was sie sagte, ann ging sie weg.
Rüber zum Meeting, dass sich unter einen großen Baum verlagert hatte, unter dem es noch halbwegs trocken war.
Ließ mich allein im Regen stehen, wortwörtlich.

Ich wusste, ich sollte langsam auch rübergehen, weil sonst Jake kommen und Fragen stellen würde.
Weil alle Fragen stellen würden, die ich nicht beantworten wollte, aber ich konnte es nicht.
Schaffte es einfach nicht einen Fuß vor den anderen zu setzen und so zu tun als wäre nichts passiert.
Nicht diesmal.
<Feigling, Gott Marco, du bist so ein verdammter Feigling!>

Die Stimme war plötzlich in meinem Kopf noch bevor ich einen Schritt gemacht hatte.
Sie klang traurig und verächtlich.
Wütend...
Irgendwie alles gleichzeitig.

Das Geräusch von Flügeln und Federn wenige Meter über mir.
Ein Blitz aus Rot und Braun im Geäst, aber ich achtete gar nicht darauf und erwachte endlich wieder aus meiner Starre.

Atmen.
Einfach nur weiteratmen Marco.
Einfach nur cool bleiben und einen Schritt nach dem anderen machen.

Wie immer...
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