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120 Grubs -  Outtakes, One-Shots & Alternate Scenes (120er Projekt)

von Ravaari
SammlungFantasy, Sci-Fi / P16 / Div
Cassie Jake Marco OC (Own Character) Rachel Tobias
02.06.2019
03.04.2021
68
116.270
4
Alle Kapitel
57 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
04.01.2020 3.827
 
Through The Fire,   engl.  durch das Feuer
***

Sie brachten uns zu einem Quartier ein paar Decks über dem Poolbereich.
Na ja, eigentlich wenn ich ehrlich bin, war es nicht mal ein richtiges Quartier   sondern nur ein extrem minimalistisch eingerichtetes winziges Zimmer mit einer schmalen Schlafliege.
Keine zwei Meter vor dieser Koje stieß man sich schon die Zehen an der Wand gegenüber, sobald man versuchte einen größeren Schritt zu machen und dazwischen, direkt unter einem winzigen Bullauge, dass nur den Blick auf schwarzes Nichts und kalt funkelnde Sterne preisgab, stand eine kleine sehr futuristisch aussehende Sitzgelegenheit mit einem mindestens genauso kreativen Metalltisch, der seltsamerweise nicht leer war, sondern über und über beladen mit verschiedenen Früchten von der Erde.
Daneben dann noch saubere Schüsselchen die mit Cornflakes, Rosinen, Trockenfrüchten und diversen Nüssen gefüllt waren. Weiters verschiedenste Varianten von Brot, fünf Kännchen jeweils randvoll mit Tee, Kaffee kaltem Wasser, Milch und Orangensaft.
Und natürlich Geschirr: Ein paar Teller und Tassen. Große Löffel, kleine Löffel.

Auf dem "Bett" wo die Wachen meinen neuen Yirk abgesetzt hatten, nur wenige Zentimeter neben uns lagen ordentlich zusammengelegt normale Klamotten:
Eine dunkelblaue Boxershort, ein paar weiße Sportsocken, eine hellblaue Jeans, die auf der Seite des Gipsbeins schon aufgeschnitten worden war. Ein schwarzes T-Shirt und ein dunkelroter Sweater.
Am Boden standen nagelneue weiße Nikes.
Sogar meine Krücken waren wieder da und auch wenn nichts von dem neuen Kram haargenau so aussah wie das Zeug, das ich angehabt hatte, als Nemesh zu ihrer Vernehmung hier hergebracht worden war, war es doch wenigstens sauber und passte wie angegossen. Wenn meine Mum also nicht zu genau hinsah, würde sie gar keinen Unterschied merken und da weder ich noch Temrash oder Nemesh meinen Eltern irgendwann mal einen Grund gegeben hatten mir nicht zu vertrauen, würde sie das auch nicht tun.

Lustigerweise erinnerte ich mich ausgerechnet an Temrashs Luxussuite mit Panoramablick auf die gute alte Erde und die übertriebenen Willkommensgeschenke die er bekommen hatte, als er kurz nach seiner Beförderung zu Gast auf dem Klingenschiff gewesen war, während ich gleichzeitig ziemlich erfolglos versuchte auszublenden, wie ich gerade fremdbekleidet wurde.
Auch nach zwei Jahren kommt man darüber nie hinweg, von einem Fremden gegen den eigenen Willen nackt gesehen oder an- und ausgezogen zu werden denke ich mal...
Gott, hier riecht es wie im Obstgarten.... Was verdammt meint dieser neue Yirk mit Zusammenarbeit? Warum ist so einer wie d e r überhaupt in meinem Kopf und nicht ...-
<Noorkan.>

Die Stimme des Yirks unterbrach plötzlich meine Gedanken während er mit meiner Hand den Reißveschluss des Sweaters hochzog.
Was?
<Ich habe dir bereits gesagt wie ich heiße, Tom und würde mich wirklich sehr freuen, wenn du mit mir sprechen würdest. Natürlich braucht es seine Zeit und natürlich könnte ich auch weiterhin einfach nur deine Gedanken lesen und darauf antworten, doch das ist auf Dauer für dich mindestens so frustrierend wie für mich. Ich persönlich finde eine anregende Unterhaltung da ja bedeutend erfrischender.>
Erfrischender?!
Er… Dieses D i n g will wirklich, dass ich mit ihm r e d e? Einfach so?!

Angst kam wieder in mir hoch.
Panik.
Auch wenn dieser Yirk mich bis jetzt in Ruhe gelassen hat, ist das vielleicht doch alles nur irgendein Trick.
<Nein kein Trick und dass ich hier bin, hat tatsächlich einen besonderen Grund. Ich kann ihn dir aber erst nennen, wenn du es irgendwie über dich bringen kannst, mir zu vertrauen.>
Ich i h m vertrauen, einem Ding das meinen Körper gestohlen hat und mich immer noch kontrolliert? Hat dieser Yirk nicht mehr alle Tassen im Schrank?!

Schnell verdrängte ich meinen letzten Gedanken und versuchte ruhig zu bleiben.
<Wa-was?...I-ich...->
<Tom>
Noorkan seufzte..
<Du bist zu lange unter der vollständigen Kontrolle von Yirks gestanden, die deinen Verstand ausgelaugt und wie ein Spielzeug behandelt haben. Ausserdem hast du Angst. Würde ich dir jetzt die Kontrolle übergeben hättest du bestimmt keine Freude daran, das weißt du, aber wir könnten daran arbeiten. Meine Anwesenheit beinhaltet nämlich nicht nur einen Auftrag. Ich könnte dir auch Freiheit garantieren und Sicherheit... Frühstück?>

Ohne meine Antwort abzuwarten, stand der Yirk...
Noorkan auf nach dem er sich den Schuh gebunden hatte.
Humpelte die paar Schritte zum Tisch hinüber und setzte sich.
Nahm einen leeren Teller und eine Tasse von den Stapeln.
<Tee? Kaffee? Saft?>
...
<Tee>
<Obst? Brot? Cornflakes?>
<Cornflakes>
<Milch?>
<Orangensaft…>
Danke...
Der letzte Gedanke kam in Wahrheit eher automatisch als gewollt.
Überrumpelt wie ich war von Noorkans Fragen war und noch dazu über die Jahre durch ständige Folter oder zumindest die Androhung davon darauf gedrillt, "meinen" Yirk eine Antwort zu geben, wenn er es verlangte, konnte ich gar nicht anders, als meine Gedanken direkt an ihn zu richten.

Auch wenn er mich bis jetzt gut behandelt hatte- mindestens tausendmal besser als die anderen- traute ich dem Frieden nicht und das Einzige was ich für die Schnecke empfand, war eigentlich Ekel und Hass.
Die Yirks hatten mein Leben ruiniert und zu einem Alptraum gemacht, es gab keinen
Grund mich bei einem von denen für irgendwas zu bedanken.
Nein, wirklich nicht ...
<Ich habe nichts von dir verlangt, Tom. Erst Recht keinen Dank und es tut mir sehr leid, was die meine Artgenossen angetan haben. Umsomehr freue ich mich, dass du mir trotzdem geantwortet hast, und gebe es hiermit zurück: Danke.>

...
W A S?!.....
Anstatt dass ich endlich irgendwas verstand, würde hier alles nur noch verrückter.
Ein Yirk, der sich bei einem Wirt b e d a n k t ?
Ein Yirk, der seine eigenen Leute kritisiert... Vielleicht sogar ihr ganzes beschissenes Imperium und auch noch lebensmüde genug ist um mit einem W i r t darüber zu reden?! Das kann einfach nicht sein. Sowas k a n n es nicht geben. Nicht für mich und wenn doch, dann ist diese Schnecke entweder lebensmüde, oder verdammt mutig oder einfach nur dumm.
.
<Hm, wahrscheinlich von allem etwas, wobei ich mir die Freiheit nehme, den Umstand dass du mich für mutig hälst, als Kompliment zu sehen weil gerade M u t im Moment das ist, was ich ebenso dringend brauchen kann wie du.>
Erleichterung brodelte unter meiner ganzen Verwirrung hoch.
Freude, aber es kam nicht von mir, sondern von dem Yirk.
Er war eindeutig zufrieden mit mir, als er seinen Löffel in die Cornflakes tauchte.

Dass er endlich begann zu essen führte trotz allem dazu, dass ich mich endlich entspannte oder besser: Zumindest soweit, wie dass mit einem Yirk im Kopf eben möglich ist.
Fast gleichzeitig lockerte sich aber plötzlich auch Noorkans Kontrolle über mich.
Nicht vollkommen oder weit genug, dass sich eine Rebellion gelohnt hätte natürlich, aber auf jeden Fall so viel, dass ich mich nicht mehr länger fühlte wie in Watte gepackt.

Dieser Raum war plötzlich soviel heller und bunter, die Gerüche echt heftig, aber auf eine verdammt gute Art.
So als hätte ich zwei Jahre lang die meiste Zeit Nasenstöpsel getragen und die Dinger jetzt endlich rausgenommen.
Ich roch das frische Brot, die Orangen, den Kaffee und alles viel intensiver als irgendwann mal in meinem bisherigen Leben.
Ich fühlte den kühlen Metallstuhl unter mir, jede kleine Unebenheit auf dem Löffelstiel in meiner fremdgesteuerten Hand.
Und erst der Geschmack! Es war eine richtige Explosion in meinem Mund!...
Oh mein Gott! Was zur Hölle...-...


Kurzzeitig war ich derart losgelöst von allem, dass ich nicht einmal einen klaren Gedanken fassen konnte.
<Wir nennen es V e e s h e k >
<Was?>
Nur sehr langsam kam meine bewusste rationale Seite wieder hoch und löste sich von diesen ganzen Gefühlen.
Von diesen ganzen unglaublichen, wunderbaren Gefühlen!
<V e e s h e k. Es bedeutet "sanfte Kontrolle" und war Standard auf der Heimatwelt. M e i n e r  Welt.>
Für den winzigen Bruchteil einer Sekunde kam tiefe Trauer in Noorkan hoch. Ich sah Erinnerungsfetzen vor meinem geistigen Auge:
Eine steppenartige Landschaft blitzte auf. Ein merkwürdiger grüner Himmel und so was wie Nordlichter, aber nur kurz, dann war es wieder verschwunden und er schob sich noch einen Löffel Cornflakes in den Mund und noch einen.
Nippte an dem Tee.
<Also gut Tom, zurück zum Thema: Meine Anwesenheit in deinem Kopf. Die Wahrheit ist, dass dein Körper zu sehr beschädigt ist, um für einen Soldaten besonders nützlich zu sein. Zumindest jetzt.
In Fällen wie diesem, wo ein Wirtskörper zu wertvoll ist um ihn zu eliminieren und der Schaden reparabel, beauftragen sie in der Regel einen Zivilisten damit den Körper für eine gewisse Zeitspanne zu übernehmen und damit auch die Schmerzen und die Arbeit.>
<Z i v i l i s t? Du...du hast doch gesagt, du bist ein Sprachforscher. Werde ich wieder jemand neuem zugeteilt wenn ich gesund bin? Wieder einem Soldaten oder...Ich...ich meine, wenn ich dich das fragen d a r f ...>

Verwirrung kam in mir hoch.
Angst.
Wut.

Soviel also mal zum Thema vertrauen, Sicherheit und Freiheit, Ha!
<Warte Tom. Du darfst mir  alle Fragen stellen, die du stellen willst und Ich habe nicht gelogen. Ich sagte explizit s e l b s t e r n a n n t e r  Sprachforscher, da mein regülärer Dienst für das Imperium lange vorbei ist. Meine Fähigkeit einen Wirt zu steuern ist zwar ausreichend, aber schon lange nicht mehr sicher genug für einen Kampf oder um ein Schiff zu fliegen.
Vielmehr ist Linguistik mit den Jahren mein privates Interessensgebiet geworden und Forscher in diesem Fall ein falscher Terminus, leider aber der erste, den dein Verstand mir angeboten hat. Passender wäre eher "Sammler" gewesen, weil es das ist was wir Sprachen betreffend tun:
Wir lernen sie nicht, sondern übernehmen sie eins zu eins  entweder direkt von einem Wirtsgehirn, einem anderen Yirk oder über unser Computersystem.
Was deine Genesung betrifft: Der Sanitäter, der dich untersucht hat, hat sechs Monate dafür angesetzt, im höchsten Fall acht.>
Acht Monate.
Nur acht Monate bis sie mich dem nächsten Irren zum Fraß vorwerfen...

<Ja, so wäre es geplant, doch die Sache hat einen Haken.>
<Welchen?>
<Tja, >

Seelenruhig stellte Noorkan die leere Schüssel weg und begann eine Avocado aufzuschneiden und er kicherte...
Auch wenn es wahrscheinlich nur eine Illusion war, Alien-Gefühle und Gedanken die mein Hirn in Pseudogeräusche verwandelte, weil es sonst nix damit anfangen konnte, war es merkwürdig.
Ich hab' noch nie eine von den Schnecken "kichern" gehört, Na ja jedenfalls nicht so. Nicht auf eine g u t e  Art....

<Oh. Du wirst noch einige Dinge kennenlernen die dir bis jetzt noch nicht vertraut sind.
Ich bin nämlich nicht wie einer meiner Vorgänger. Um die Wahrheit zu sagen, bin ich nicht einmal der Yirk, der eigentlich diese Infestation an dir durchführen sollte. Bevor sie dich zum Pool gebracht haben, hat an Bord dieses Schiffes vermutlich ein ziemlicher Tumult geherrscht und... Nun ja, mein B r i e f i n g
diesbezüglich war nicht sehr ausführlich, dazu fehlte einfach die Zeit, aber Tatsache ist, dass das System des Poolcomputers von außen  manipuliert  worden ist und einiges an Aufwand nötig war, damit ich dich schlussendlich übernehmen konnte und nicht jemand anders... Tom, ich weiß, du hast schon von der Friedensbewegung gehört.>
<Klar.>
Mental rollte ich mit den Augen, denn das war echt keine Kunst.
Seit die Andaliten den Pool gestürmt und dem irren Visser diesen Aftran Neun-Zwei-irgendwas vor der Nase weggeschnappt haben, redet ja auch echt keiner mehr  in den Käfigen von irgendwas anderem. Jeder einzige Yirk der nicht nur absolut psycho zu seinem unfreiwilligen Wirt ist, hat jetzt ständig Angst als Sympathisant verdächtigt zu werden. Super gemacht, L o o s e r t r u p p e . t
<Dank  d e n e n  ist es für viele von uns noch viel schlimmer geworden als vorher und sie t u n nicht einmal wirklich irgendwas.>
<Das tut mir sehr leid zu hören, Tom aber wir h a b e n bereits etwas getan: Du bist befreit worden und weitere werden folgen.>
<Oookay...>
Langsam nervt mich das alles. Was hat das ganze Gerede für einen Sinn und was bedeutet bitte irgendwer hätte mich b e f r e i t ? Auch, wenn das mit dieser sanften Kontrolle wirklich irgendwo toll ist im Vergleich zu vorher, bin ich immer noch ein verdammterGefangener in meinem eigenen Kopf!...

<Tom, ich weiß das ist jetzt schwer zu glauben und noch viel schwerer zu verstehen, aber du wurdest rekrutiert. Ich bin selbst Teil der Friedensbewegung und die Dinge sind nicht wie sie scheinen.>
<Aha und wie sind sie?>

Obwohl mein Verstand langsam zu schwirren begann von diesen ganzen Informationen und sich mindestens so voll anfühlte wie mein Bauch nach dem das letzte Löffelchen Avocadofruchtfleisch in meinem Mund verschwunden war, wollte ich mehr hören.
<Nun, zuallererst sind die andalitischen Banditen keine Andaliten, sondern größtenteils menschliche Kinder. Jugendliche.>
<Moment mal w a s? Kinder?! Hast du gerade wirklich K i n d e r gesagt?>
Okay das ist er, der Beweis, dass dieser Yirk dich genauso verarscht wie die anderen. Zeit aufzuwachen, Tom!
Warum sollten die auch so jemanden wie mich wollen?
Ausgerechnet jemand, der nicht viel mehr kann als halbwegs gut Basketball spielen.
Tolle Wahl wirklich, ein B a s k e t b a l l s p i e l e r  mit einem kaputten Bein, yeah! Ich meine was wollen die? Die yirkanische  S p a c e  J a m  gewinnen?

<Nein Tom. Es i s t wahr und wir haben dich aus einem bestimmten Grund ausgewählt: Der Anführer dieser menschlichen Widerstandsgruppe ist dein Bruder Jake. Wir brauchen dich als direkten Kontakt zu deinem Bruder um unsere Aktionen gemeinsam zu koordinieren und Schaden zu minimieren. Unüberlegtes Handeln hat die Animorphs mehr als einmal in Gefahr gebracht und uns auch.>
<A n i m o r p h s ? Was soll das sein?>
<So nennen sie sich. Laut Aftran Neun-Vier-Zwei hat ein Mitglied der Gruppe - M a r c o, den Namen gewählt.>
Aha, also M a r c o  ist auch dabei, toll! Vielleicht sogar noch meine Cousine Rachel und die kleine Cassie, was ja praktisch wäre bei dieser Farm mit den ganzen Tieren. Nein, also echt, von den tausendundeins Versuchen mich reinzulegen und meinen Bruder zu kriegen, war das jetzt auf jeden Fall der Kreativste.
<Es geht hier aber nicht um Jake, sondern um d i c h . Wäre es so einfach, wäre ich jetzt in s e i n e m  Kopf und nicht in deinem. Dann müsste ich dieses Gespräch nicht führen und mich als L ü g n e r hinstellen lassen, obwohl wir und Jakes Freunde alles riskiert haben, um diesen Kontakt herzustellen und dich zu retten!>

Energisch schob Noorkan den Teller von sich weg und griff nach den Krücken.
Langsam aber sicher verlor er die Geduld mit mir, ich konnte es fühlen.

Instinktiv zog ich mich zurück, "duckte" mich vor den "Schlägen" die sicher bald  kommen würden.
Kommen mussten.

<Keine Sorge Tom... Verzeih mir. Diese Situation ist zwar einwenig ärgerlich, aber ich werde dich nicht bestrafen, ganz gleich wie du mich ansprichst oder von mir denkst.>
Immer noch frustriert aber dafür weit weniger  verärgert stand Noorkan auf und humpelte zur Tür.
Rief eine Erinnerung in mir wach, die eine halbe Ewigkeit zurücklag:
Dieser merkwürdige Telefonanruf als ich noch unter Nemeshs Kontrolle gestanden hatte.
Eine seltsame vollkommen verzerrte Stimme, die mich daran erinnert hatte zu kämpfen, nicht aufzugeben.



Tagelang hatte Nemesh sich über mich lustig gemacht...
Das verrückte Miststück hatte mich mit dieser Erinnerung g e q u ä l t, weil ich Idiot wirklich geglaubt habe, dass irgendjemand da draußen weiß was mit mir los ist und kommen wird um mich zu retten...
<Ja und j e m a n d hat es gewusst  und er hat  v e r s u c h t dich zu retten, mehr als nur einmal. Nemesh hingegen ist nichts weiter mehr als ein unansehnlicher Fleck auf der Stiefelsohle von Sub-Visser Neunzehn. Sie hat bekommen, was sie verdient hat.>
Ohne noch mehr zu sagen, modifizierte Noorkan die Erinnerung, bereinigte die Verzerrung und es traf mich wie ein Donnerschlag, weil es am Ende tatsächlich Jakes Stimme war, die ich hörte!
Mein kleiner Bruder Jake.
Der Krümel...

Noch mehr Bilder waren in meinem Kopf von Marco, Cassie und Rachel.
Fremde Erinnerungen, Kämpfe.
Gleichzeitig spürte ich, dass der Yirk die Wahrheit sagte, vollkommen und absolut.

Verständlicherweise dauerte  es danach  wirklich ein paar Minuten wo Noorkan einfach nur dastand bis ich mich fasste, aber dann sagte ich:
<Also gut  dann werde  ich wie man so sagt durchs Feuer gehen und tun, was du von mir willst. Heißt Ich versuche zumindest dir zu vertrauen... Bleibt mir auch gar nichts anderes übrig, aber wenn du Jake oder auch sonst irgendjemandem von meiner Familie irgendwas antust, dann...->
<Deine Familie ist nicht in Gefahr, das schwöre ich dir.>
<Okay. Ich hab´ sowieso nichts mehr zu verlieren. Also rein realistisch betrachtet und ganz egal ob Friedensbewegung hin oder her..>
<Nein das nicht> Noorkan lachte leise.
<Aber dafür viel zu gewinnen>

***

Kurz darauf besprachen wir den Plan, denn ich hatte die Feuerprobe schon bestanden indem ich Noorkan vertraute.
Noorkan würde dasselbe tun müßen, wenn er wollte, dass mein Bruder uns glaubte.
Einen Shuttleflug und eine Autofahrt später waren wir dann noch knapp vor Jake zu Hause.

Chapman hatte uns gefahren und während der Fahrt hatte ich versucht mich daran zu gewöhnen wieder, wie Noorkan das nannte "in Kontrolle" zu sein. Auch später dann in meinem Zimmer.

Ich war so vertieft, ins Üben, dass ich fast überhört hätte, wie mein kleiner Bruder die Treppe hochging und kurz darauf seine Zimmertür hinter sich zuwarf.
Trotzdem wartete ich absichtlich noch ein paar Minuten länger, bevor ich  zu ihm ging.
Brauchte einfach die Zeit um darüber nachzudenken wie es sich anfühlen würde da rüber zu marschieren mit meinen wackligen Beinen die sich auch ohne Gips immer noch anfügefühlt hätten wie  falsch herum angeschraubt.
Ich, nicht Noorkan Sechs-Vier-Zwei-Zwei...

Das Glas zwischen meinen Fingern fühlte sich merkwürdig an und ich stützte mich wie blöde auf eine meiner Krücken, während ich meine Finger darum klammerte, was auf jeden Fall total bescheuert aussah in <kombinaion mit der Humpelei, aber ich ließ es wenigstens nicht fallen.
Öffnete mit dem Ellenbogen ungeschickt irgendwie Jakes Tür.
Er saß mit dem Rücken zu mir an seinem Schreibtisch und machte irgendwas für die Schule.
Murmelte ein halblautes "Hi Tom", ohne mich anzusehen.
Niemand hätte gemerkt, wie sein ganzer Körper sich sofort versteifte,sobald er meine Stimme hörte, Meine beiden anderen Yirks hatten nie bemerkt, daß er Angst gehabt hätte, oder irgendsowas und ich auch nicht- zumindest bis jetzt...

"Hey Krümel."
sagte ich trotzdem so lässig  ich konnte und stellte  völlig ausser Atem nach nur wenigen Metern einfach das Glas mitten auf sein Heft.
Ein Wasserglas mit einem einzigen Yirk darin.

Sofort sprang Jake auf und drehte sich nach mir um.
In seiner Panik hätte er Noorkan fast vom Tisch gefegt und mir eine geknallt.
Mein kleiner Bruder starrte. Starrte und starrte das verdammte Glas an, dann mich wie ich verschwitzt und fertig auf seinem ungemachten Bett hockte.
Dann wieder das Glas.
Die Augen weit aufgerisssen vor Panik und mit zu Fäusten geballten Händen blieb sein Blick schließlich an mir hängen.
"Was...was ist das? Ich meine wer?-... Tom?... TOM! "

Zugegeben, es dauerte 'ne ganze Weile bis der Groschen endlich fiel, aber er fiel.
Schließlich kam Jake einfach zu mir herüber, umarmte mich und er weinte.
Ich wollte auch weinen, wirklich.
Der Kloß saß da in meinem Hals und er tat weh, aber ich konnte es einfach nicht.
Viel zu oft hatte ich in den letzten zwei Jahren schon geweint und hatte einfach keine Tränen mehr, dafür aber etwas Anderers: Während ich so dasaß mitten zwischen den schmutzigen Socken und angelesenen Comicheften meines kleinen Bruders  und ihn anschaute fühlte ich sowas wie Hoffnung.

"Hey Kleiner ich glaube wir müssen mal reden."
Flüsterte ich als die Schluchzer langsam leiser wurden und ich endlich meine Stimme wieder fand.
Jake sagte zwar nichts aber er blieb einfach wo er war: In meinen Armen, die ihn jetzt endlich wieder halten konnten weil ich es wollte.
Weil ich wieder ich und kein Feind mehr war.
Er nickte nur, ganz  leicht, aber doch.
Sicher würde alles gut werden.
Ich war endlich frei und in Sicherheit, zumindest vorrübergehend.

Nach sechs bis acht Monaten wenn mein Bein wieder heil war, wollten sie mir zwar angeblich einen neuen Yirk verpassen, aber Noorkan hatte mir schon auf dem Heimweg versprochen, dass die Peacer alles in ihrer Macht stehende tun würden, um das auf jeden Fall zu verhindern.
Wenn es schon nötig war, würde es wieder einer von ihren Leuten sein .
Trotzdem könnte es schiefgehen.
Es konnte immer noch soviel schiefgehen!... t

Grade noch voll positiver Gedanken hatte der Abrund mich plötzlich wieder.
Nachdenklich sah ich zu dem Glas rüber in dem Noorkan seine beengten Kreise zog.
Noch kannte ich ihn ja nicht und bei dem Gedanken ihn später wieder freiwillig in meinen Kopf zu lassen, bekam ich Brechreiz.
Ich fing gerade erst mal an ihm zu vertrauen, arrangierte mich mehr mit der Situation als das ich sie toll fand und auch wenn ich mich cool gab, zumindest vor meinen kleinen Bruder, waren die Wunden die mir  Temrash und Nemesh geschlagen hatten, immer noch da.
Sie waren tief und ich wusste nicht ob sie jemals ganz zuheilen würden.


Nie hatte ich um sowas gebeten, weder um körperklauende  Aliens in meinem Kopf die mich als ihr Werkzeug missbrauchten, noch darum Mitglied irgendeiner Widerstandsgruppe genau dieser Aliens zu werden.
Ich hatte absolut  keine Ahnung ob ich das alles wirklich packen würde, ohne völlig auszuflippen und war noch meilenweit davon empfernt Noorkan wirklich als sowas wie einen Partner zu sehen, geschweige denn als einen Freund...

Trotzdem musste ich zumindestens zugeben, dass er seinen Job  mich da rauszuholen wirklich gut gemacht hatte.
Mehr als gut -  zumindest für einen Yirk und jetzt wo ich schon  mal dabei war, blieb mir sowieso gar nichts anderes übrig als mein Bestes zu geben.

Die ersten Hindernisse  lagen immerhin schon hinter mir.
Hinter uns Beiden.
Feuerprobe bestanden, Noorkan.



*A/N: Durchs Feuer gehen, Redewendung, Bedeutung: sich vielen Herausforderungen zu stellen, wenn es darum geht, etwas zu tun oder zu erreichen.
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