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365

von GH0ST
GeschichteFamilie, Suspense / P18 / MaleSlash
Josuke Higashikata Jotaro Kujo Keicho Nijimura Noriaki Kakyoin Okuyasu Nijimura Rohan Kishibe
01.06.2019
10.02.2021
11
92.413
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07.06.2020 9.440
 
Two-Night-Stand




Ziemlich überrascht und verwirrt begab er sich zu den Treppen, um aus dem Gebäude zu gelangen, dieses Gespräch war wirklich nicht so verlaufen wie er es sich erhofft hatte. Seufzend zog Josuke vor dem Gebäude sein Handy aus seiner Tasche, entsperrte dieses fast augenblicklich und biss sich auf die Lippe. In jenem Augenblick vielleicht sogar ein wenig zu fest. Es schmerzte, doch in diesem Moment spielte das nicht einmal eine Rolle mehr. Viel wichtiger war zu diesem Zeitpunkt die Uhrzeit, welche er schließlich von seinem Handydisplay ablesen konnte.
Zwölf Uhr siebenundvierzig.
Bis zum Schulschluss blieben ihm also noch fast vier Stunden; vier Stunden, in welchen er sich weder in der Nähe der Schule noch zuhause blicken lassen durfte. Für einen kurzen Moment blickte er noch einmal zurück, überlegte für einen Augenblick. Seine Gedanken schwankten, doch der Entschluss ließ in jenem Moment wenigstens nicht lang auf sich warten. Noch einmal zu dem Kursleiter zu gehen kam für den Dunkelhaarigen nicht in Frage und vor der Schule zu warten war zu riskant, also blieb dem Schüler nur eine Möglichkeit.
Er musste in die Stadt und nach dem Rocker suchen, dies war seine einzige Chance und er konnte wenigstens über das reden, was passiert war.

*


Nach vierzig Minuten hatte der Higashikata die Stadtmitte erreicht und schnaufte leise, noch nie in seinem Leben war ihm der Weg so lang vorgekommen. Normalerweise jedoch unterhielt er sich auf dem Weg, hatte Begleitung und bemerkte dementsprechend gar nicht, wie lang es eigentlich dauerte. Jedoch konnte er in diesem Augenblick nicht darüber nachdenken, er musste den Langhaarigen ausfindig machen und dies so schnell wie es ihm möglich war. Glücklicherweise hatte der Higashikata sich gemerkt, wo er diesen Mann schon öfter gesehen hatte und was dieser vor allem auch selbst bei ihren Unterhaltungen erzählt hatte und machte sich auf den Weg zu der kleinen Kreuzung, welche zwischen einem kleinen Café und einem Modegeschäft lag. Und scheinbar hatte er mit eben jener Vermutung recht. In jenem Moment war er wahrscheinlich sogar mehr als froh, den Straßenmusiker zu sehen. Eben jener auf dem Rand des kleinen, zentralen Brunnens, welcher das Mittelstück der Kreuzung bildete und schien in jenem Augenblick noch zwischen den Songs seine Gitarre zu stimmen, als er Josuke bemerkte und seine Hand kurz zum Gruß hob. Das dieser in jenem Moment nicht mit Okuyasu unterwegs war, wirkte auf Akira wie eine stumme Bestätigung dafür, das Josuke entweder nie in der Schule angekommen war oder sie zweifellos früher hinter sich gelassen hatte als der Nijimura. Anscheinend war er ein schlechtes Beispiel und dennoch… Der Higashikata konnte durchaus für sich selbst entscheiden. Akira hatte ihn immerhin zu nichts gezwungen.

Geradewegs ging der Dunkelhaarige auf den Straßenmusiker zu, blieb erst direkt vor ihm stehen und grüßte ihn mit leisen Worten. Der Schüler schloss für einen Moment die Augen, sah sich danach kurz um und bemerkte das zu jenem Zeitpunkt nicht sonderlich viele Menschen in der Stadt unterwegs waren. Somit war dies vielleicht der beste Moment.
„Akira… Ich frage nur ungern, aber könnten wir uns noch einmal kurz unterhalten?“, fragte der Higashikata schließlich.
„Wenn man es genau nimmt, machen wir das schon, was sollte also noch dagegensprechen?“, gab Akira gleich wieder und deutete neben sich, wollte dem Schüler damit verdeutlichen, dass er sich setzen konnte, wenn er das denn wollte.
Natürlich ließ jener sich dies nicht zweimal sagen, konnte aber auch nichts dagegen unternehmen, dass der Musiker sich beinahe gezwungen fühlte, seinen Worten noch etwas hinzuzufügen.
„Nimm mir das nicht krumm, aber du siehst aus als würde die Welt untergehen – noch heute und das wäre schlecht.“
„Irgendwie tut sie das auch.“, seufzte der Schüler und strich sich durch sein Haar.
Seine Frisur war sowieso ruiniert, viel konnte er also nicht mehr durcheinanderbringen. Die Taschen, welche Josuke bei sich trug, ließ er vor sich auf den Boden sinken, bevor er seinen Kopf in seinen Nacken legte und versuchte seine Gedanken irgendwie zu ordnen.
„Wieso? Wenn das wegen dem Test ist, musst du dir darüber nicht den Kopf zerbrechen, jeder hat mal einen schlechten Tag, oder eine schlechte Woche. Das kommt immer drauf an, ob Fortuna dein Gesicht gefällt, oder eben nicht.“, wendete der Violetthaarige sich in jenem Moment vollkommen Josuke zu, ließ seine Gitarre für eine Weile sinken.

Wenn sie sich unterhielten, kam er ohnehin nicht zum Spielen. Eines von beidem musste demnach warten und das in jenem Moment ohnehin kaum Leute zugegen waren, entschied sich die Angelegenheit beinahe von selbst. Eine Pause tat wahrscheinlich auch ihm recht gut. Josuke schüttelte jedoch gleich den Kopf, wegen einem Test machte er sich in jenem Moment ganz sicher keinen Kopf. Die Noten, welche in der Schule hatte, waren passabel, vielleicht nicht die Besten aber auch nicht die Schlechtesten.
„Wegen einem Test geht für mich keine Welt unter, es ist… Wegen Kawase Hasui. Der Fremde, hat zwar endlich einen Namen, aber scheinbar auch eine ziemlich schlechte Laune. Ich glaube, dass ich irgendetwas falsch gemacht habe.“, seufzte der Schüler leise.
„Du glaubst? Irgendwas muss dann wohl vorgefallen sein. Also, wenn du es mir erzählen willst, ich hab‘ genug Zeit – wie du wahrscheinlich siehst.“, meinte der Musiker gleich und lehnte sich leicht zurück, streckte sich, legte seinen Kopf in den Nacken und beobachtete den Himmel für eine Weile.
Wenigstens hatte sich dieser noch nicht Josukes Laune angepasst, denn dann hätte er seinen Job als Straßenmusiker an jenem Tag vergessen können. Auch wenn das, was er machte wahrscheinlich nicht vollkommen als Job bezeichnen konnte. Die meisten Menschen verachteten seine Tätigkeit immerhin lieber.

Leise seufzte der Schüler, tat es seinem Sitznachbarn gleich und blickte für einen kurzen Augenblick in den Himmel. An diesen Tag schien es tatsächlich nur das Wetter gut mit ihm und den anderen Menschen zu meinen.
„Ich wollte ihn kennenlernen und habe es ihm auch genau so gesagt. Ich sagte, dass ich nur ein paar Wochen dafür will und ihn dann in Ruhe lassen würde. Daraufhin ist er vollkommen freigedreht, hat mich mit den Taschen vor die Tür gesetzt und… Und sprach von irgendwelchen Wettpartnern – die ich nicht einmal habe. Als wenn ich Wetten würde, wenn es um eine vollkomme fremde Person geht. Ich glaube wirklich, dass es ein Missverständnis ist, aber… Ich denke nicht, dass ich ihm noch einmal unter die Augen treten möchte, sehen will ich ihn gerade nicht – auch wenn ich denke, das dies auf Gleichseitigkeit beruht. Er klang immerhin ziemlich… Endgültig als er mich aus dem Kurs geschmissen hat.“, erklärte der Schüler leise und strich sich durch die Haare.
„Aus dem Kurs? Also warst du nicht in der Schule?“
Josuke seufzte.
„Ja, aber das ist jetzt wirklich nicht wichtig. Ich finde es viel schlimmer, wie die ganze Situation ausgegangen ist; ich glaube er hat da irgendwas vollkommen falsch verstanden. Es ging immerhin nie um irgendwelche Wetten. Das wäre doch absolut bescheuert. Immerhin weiß ich nicht einmal, wie er darauf überhaupt gekommen ist.“, gab der Schüler einfach nur wieder.
„Meinst du dann nicht, dass ihr dieses Missverständnis aufklären solltet? Ich meine, das hat ja wirklich nichts mit einer Wette zu tun.“, versuchte er dem Higashikata wenigstens in jenem Moment gut zuzureden.

Leicht zuckte Josuke jedoch nur mit den Schultern. Er wusste immerhin selbst nicht, wie er darauf antworten sollte. Anderenfalls hätte er sich immerhin – wenigstens gewissermaßen – selbst helfen können.
„Eigentlich sollten wir die ganze Sache aufklären, da stimme ich dir auch zu, aber… Wenn ich ihm jetzt noch einmal unter die Augen trete, vergisst er sich, glaube ich. Er sprach von irgendwelchen Problemen, die er hat, dass er zu beschäftigt mit Publicity und so was wäre… Ich glaube er hat irgendwelche ernstzunehmenden Probleme und ich würde ihm gern helfen, aber… Ich weiß auch nicht wie.“
„Publicity? Ich dachte, er wäre nur ein Kunstlehrer in irgendeinem Kleinstadt Kunstkurs? Aber vielleicht hat er ja in der Kunstwelt einen großen Namen, dann datest du sozusagen einen Promi. Komm, das wäre eigentlich ziemlich cool.“, grinste Akira und stieß Josuke mit dem Ellbogen leicht in die Seite, „Dann kann es aber auch sein, dass er einfach nur paranoid ist. Wenn er dazu auch noch irgendwelche Probleme hat, macht das sogar recht viel Sinn, das kommt in der Öffentlichkeit schon mal vor. Wie sagtest du noch mal, dass er heißen würde?“

Noch während der Rocker seine Frage stellte, wühlte er sein Handy aus der Hosentasche und stellte seine Gitarre vorerst zwischen seinen Beinen ab, um den Bildschirm entsperren zu können. Eben jener zeigte das auffällige Logo einer bekannten Rockband, wahrscheinlich Akiras Lieblingsband. Bevor Josuke den Namen der Band jedoch ausmachen konnte, sah er auch schon, wie Akira ein Browserfenster auf seinem Smartphone öffnete. Aus jenem Grund nannte er den Namen auch gleich noch einmal und sah zu, wie der Musiker die japanischen Zeichen schnell in die Suchleiste eingab und anschließend auch schon die Suche bestätigte. Ergebnisse erzielte er dabei jedoch keine. Personen konnten nicht gefunden werden, vor allem nicht, welche auch noch in den künstlerischen Rahmen passten. Aus diesem Grund schüttelte er dann auch schon leicht den Kopf und strich sich die Haare wieder aus dem Gesicht.
„Also so bekannt, dass man ihn im Internet findet ist er auf jeden Fall nicht. Das muss aber nichts heißen.“
Schnaufend lehnte Josuke seinen Kopf wieder in seinen Nacken und schloss seine Augen, immerhin verzweifelte er in jenem Augenblick wirklich. Er hatte einen Menschen kennengelernt, der Verrücktes zu Normalem zu zählen schien, der definitiv in einer Facette seines Charakters unerträglich aber dennoch irgendwie interessant war.
„Ich habe keine Ahnung, vielleicht ist er auch gerade erst dabei bekannt zu werden. Oder aber… Er hat schlichtweg ernsthafte Probleme, von denen er niemandem erzählen will.“, seufzte der Dunkelhaarige, „Ich würde ihm gern helfen, gerade weil ich wirklich Interesse an ihm habe… Vielleicht mehr als es für mich gesund ist, weil ich nicht einmal weiß wie alt er ist, aber…“

Vorerst brach Josuke seine Worte ab. Es nutzte ihm immerhin auch nichts, wenn er sich um Kopf und Kragen redete. Das konnte er in jenem Moment wahrscheinlich sogar noch weniger brauchen als die ganze Unwissenheit, welche sich um den Künstler ragte.
„Wie alt schätzt du ihn denn? Ich meine, es ist wirklich nicht so, als würde sowas eine Rolle spielen. Es gibt auch genug Schülerinnen, die nach der Uni mit ihren Dozenten durchbrennen und wenn die sich wirklich lieben, was ist da schon dabei? Über das Alter solltest du dir keine Gedanken machen. Aber wenn du ihm wirklich helfen willst, musst du erstmal wissen, ob er wirklich ernsthafte Probleme hat oder ob er vielleicht nur ein bisschen komisch ist. Sowas kommt immerhin auch mal vor. Menschen sind eben verschieden. Da kannst du nichts machen.“, entgegnete Akira gleich.
Wenn er ehrlich sein sollte, empfand er sich nicht einmal als eine sonderlich große Hilfe. Wahrscheinlich war er selbst die letzte Person, von welcher man solche Hinweise überhaupt hören wollte, doch vielleicht schadete es auch nicht, es wenigstens einmal auszuprobieren. Etwas zu verlieren hatten sie immerhin nicht, weder Josuke noch der Kursleiter. Würde dieser sich über etwas dergleichen Gedanken machen, hätte er den Schüler wahrscheinlich nicht einmal geküsst. Leise seufzte der Schüler und zuckte noch einmal mit den Schultern. Er war immerhin auch nicht sein Schüler, was auch noch einmal ein vollkommen anderes Licht auf die Situation zu werfen schien.

Auch wenn es an einem Fakt dennoch nichts zu ändern schien. Er konnte das Alter des Kursleiters nicht einschätzen. Zwar hatte Josuke ihn eine ganze Weile lang beobachtet, jedoch war ihm dabei auch nur aufgefallen wie gepflegt der Mann eigentlich war, beinahe schon ein wenig fraulich. Immerhin hatte der Higashikata auch eine leichte Andeutung von Lidschatten an ihm bemerkt, sowie Lippenpflege.
„Vielleicht ist er Mitte- oder Ende Zwanzig.“, schnaufte der Higashikata, „Ich meine, ich kann es nicht genau sagen. Er scheint sich gut um sein Äußeres zu kümmern, noch mehr als ich und ich bin auch schon gewissermaßen eitel… Zumindest was meine Haare angeht. Nur um mich geht es jetzt auch gar nicht… Dieser Kerl, er… Er spricht in manchen Fällen auch wie ein echter Lehrer. Die meisten Lehrer sind doch Dreißig oder Älter und… Ich meine Joseph war dreiundsechzig, als er mit meiner Mutter… Eine Bettgeschichte hatte.“
Was sollte er in jenem Augenblick nur machen?
Wirklich etwas unternehmen konnte er immerhin nicht, zumindest nicht so wie er es vielleicht wollte.
„Wie ich schon sagte, das Alter ist sowieso nicht wichtig, es sei denn es wäre wirklich extrem – ist es in diesem Fall aber ganz sicher nicht. Deswegen machst du dir auch definitiv zu viele Gedanken, aber… Wie soll das jetzt weitergehen? Wenn du ihn nicht sehen willst, dann kann sich das nicht klären und wenn du noch so gut wie nichts von ihm weißt, wissen wir auch nicht, wo wir anfangen sollen… Und dann kann ich dir auch nicht helfen, so leid es mir tut.“
„Wenn ich ehrlich sein soll, dann weiß ich gerade wirklich nicht, wo mir der Kopf steht. Ich würde ihn gern wiedersehen, allein schon, um ihm das Hemd wiederzugeben und, um mit ihm zu reden, aber… Ich habe nach diesem Auftritt auch meine Zweifel, was die Situation betrifft.“, seufzte der Schüler, „Ich habe einfach nur die Befürchtung, dass er mich jetzt hasst.“

Selbst Akira musste in diesem Moment schnaufen, strich sich kurz durch die langen Haare und betrachtete Josuke im Anschluss für einen Augenblick.
„Also das Hemd musst du ihm sowieso zurückgeben, da werdet ihr euch unweigerlich noch einmal sehen – es sei denn, du weißt inzwischen, wo er wohnt oder wenigstens etwas dergleichen. Sein Arbeitsplatz zählt dabei jetzt nicht, das ist echt nicht der beste Ort, um sowas zu klären. Entweder sind dann Schüler von ihm dabei oder irgendjemand anderes stört. Aber selbst, wenn er momentan sauer auf dich ist, glaube ich nicht, dass er sauer genug ist, um die Angelegenheit nicht klären zu wollen. Ich kann da zwar nur von mir reden, aber ich würde sowas nicht einfach auf mir sitzenlassen. Weißt du, was ich meine?“
Leicht schüttelte der Higashikata den Kopf, strich sich über den Nacken und schloss die Augen.
„Ich weiß leider nur wo er arbeitet. Ich meine, klar, ich könnte ihm nachschleichen und somit herausfinden, wo er lebt, aber… Er hat mir schon angedroht dann die Polizei zu rufen, wenn er sehen sollte, dass ich um sein Haus herumschleiche. Mein Großvater ist Polizist und ich will ihm nicht unbedingt erklären müssen, wieso ich einem Lehrer nachsteige.“, schnaufte Josuke, „Zumal er es dann meiner Mutter erzählen wird und meine Mutter wird dann wahrscheinlich auf die Idee kommen, die ganze Sache Jotaro zu erzählen und der erzählt es dann wahrscheinlich – auf Drängen meiner Mutter – Joseph, meinem Vater.“
„Alles klar...“, fühlte sich selbst Akira in jenen Sekunden ein wenig überfordert mit der ganzen Situation und seinem dazugehörigen Wissen über die ganze Angelegenheit, „Das ist problematischer als ich dachte. Wenn ich ehrlich sein soll, klingt er ziemlich paranoid, wenn er gleich die Polizei rufen will... Aber wenn er vielleicht schlechte Erfahrungen hatte. Echt, da überfragst du mich grade ein bisschen. Ich kann dir nur sagen, dass du nach seinen Worten wenigstens schon mal weißt, dass er anscheinend ein Haus hat.“

Akira lachte leicht verzweifelt. Die Probleme des Higashikata wollte er in diesem Moment beim besten Willen nicht haben.
„Stimmt schon, aber das hilft mir auch nicht. In Morioh gibt es immerhin mehr als genug Häuser. Das sagt mir also gar nichts.“
Josuke hielt sich die Stirn und seufzte noch einmal, bevor er den Kopf schüttelte und seinen Blick zur Ablenkung noch einmal an den wenigen Menschen vorbeigleiten ließ, welche auf der anderen Straßenseite auf der Terrasse des Cafés saßen. Bekannte Gesichter konnte er darunter nicht ausmachen und auf den Kursleiter musste er mit Sicherheit schon gar nicht warten. Nicht in diesem Augenblick und wahrscheinlich schon gar nicht an diesem Tag.
„Die ganze Situation überfordert mich doch selbst. Ich weiß immerhin selbst nicht, wie ich mich verhalten soll… Er ist der erste Fremde, an dem ich solches Interesse hege. Ich bin sauer auf ihn, dass er mich einfach rausgeschmissen hat, aber ich kann es zur gleichen Zeit auch irgendwie verstehen, wenn er mich falsch verstanden hat…“, seufzte der Schüler, „Ich glaube ich werde einfach einen kleinen Zettel an seinem Hemd befestigen, mit meiner Handynummer und irgendwelchen entschuldigenden Worten. Ich kann dann zwar nur hoffen, dass er sich meldet, aber es ist besser als nichts zu unternehmen und den Versuch ist es wert. Dann kann ich wenigstens genauer darüber nachdenken, was ich schreibe. Manchmal rede ich immerhin auch schneller als ich denke und das ist in dem Fall mal wieder deutlich eingetroffen.“

Nach jenen Worten strich er sich durch sein Haar, noch einmal ging er alles durch, was er dem Kursleiter gesagt hatte, wollte den Fehler in seinen Worten finden und schüttelte schließlich den Kopf. All die Worte noch einmal durchzugehen brachte nichts, die Überlegungen drehten die Zeit leider auch nicht zurück.
„Hat das Hemd eine Brusttasche oder sowas? Wenn das Hemd nämlich in diesem teuren Beutelchen ist, ist es wahrscheinlich auch von gewisser Marke, da dreht er dir für jede Unreinheit wahrscheinlich den Hals um. Besser du steckst den Zettel in die Brusttasche oder faltest ihn mit ein oder sowas.“, schlug Akira noch vor, wollte in jenem Augenblick einfach nur Schadensbegrenzung begehen.
„Ich weiß nicht, da müsste ich einmal nachsehen.“, gab der Dunkelhaarige dem Straßenmusiker wieder.
Leicht beugte sich Josuke vor, zog das teure Hemd aus der Markentasche und betrachtete es für einen Moment. Der Kaffeefleck war viel zu deutlich zu sehen und der Duft des Kursleiters haftete dem Stoff auch noch an, jedoch bemerkte er auch, dass dort, wo eben jener Kaffeefleck sich befand, keine Brusttasche zu finden war.
„Es hat keine Brusttasche, es scheint also, als müsste ich den Zettel einfach einfalten.“, fügte der Schüler seinen Worten hinzu und seufzte leise.
„Mach das. Wenn er so eigen ist, wie du sagst, ist das wahrscheinlich auch die sicherste Lösung. Ich meine, vielleicht gefällt ihm ja der Geruch von eurem Waschmittel nicht und er wäscht es noch mal, dann wäre der Zettel auf jeden Fall schon mal hinüber und die Mühe umsonst, wenn du auf mich hörst und ihm den Zettel in die Brusttasche steckst. Das wäre dann richtig blöd, dann weiß auch wieder keiner von euch, wo ihr eigentlich bei dem jeweils anderen dran seid.“

Seufzend nickte Josuke, verstaute das Hemd wieder in der Tasche und strich sich noch einmal durch das Haar. Er hasste es, dass ihm einzelne Strähnen ins Gesicht fielen doch musste er in jenem Moment damit leben. Bis er nach Hause gehen konnte, um das Chaos auf seinem Kopf zu richten, musste er immerhin noch – in seinen Augen – viel zu lang warten.
„Ich kann nur hoffen, dass dies nicht der Fall ist. Ich meine… Die einzige, andere Möglichkeit wäre den Zettel mit einem kleinen Faden an einem Knopf zu befestigen.“, entgegnete er leise.
So langsam, das wusste der Schüler selbst, gingen ihm die Möglichkeiten aus.
„Ich glaube, das musst du für dich entscheiden, wie du es lieber lösen willst. Die Hauptsache ist im Grunde nur, dass die Nachricht auch ankommt.“, gab Akira noch einmal wieder.
Mit solchen Dingen kannte er sich zwar selbst nicht aus, doch wenn seine Fantasie dem Schüler weiterhelfen konnte, war dies schon einmal einiges wert. Dann hatte er seine gute Tat für den Tag erfüllt, wie Keicho ihm in jenem Moment wahrscheinlich beigepflichtet hätte. Dessen guter Wille färbte anscheinend langsam ab.

Für einen kurzen Moment betrachtete der Schüler den Langhaarigen und nickte dann, der Straßenmusiker hatte Recht. In jener Hinsicht war es nur wichtig, dass der Zettel den Kursleiter erreichte, wie war in jenem Augenblick vollkommen egal.
„Stimmt, egal wie ich es mache, die Hauptsache ist, dass der Zettel ankommt.“, nickte Josuke, „Sag mal… Gerade ist nicht viel los und ich muss ohnehin noch warten bis ich nachhause kann, kann ich dich vielleicht auf einen Kaffee einladen? Hier ist der immerhin nicht so teuer.“
Leicht musste Akira lachen, wollte eigentlich verneinen, entschied sich schließlich aber doch erst einmal für eine Gegenfrage, statt für die sofortige Verneinung.
„Musstest du nicht erst den Kaffee für den Typen bezahlen? Wenn du nach dem Nobelschuppen nicht mehr viel übrighast, musst du mich nicht einladen. Mir reicht es echt schon, dass ich bei dir schlafen darf, wenn alles geklärt ist.“, entgegnete er augenblicklich.
Leise musste Josuke in das Lachen einstimmen, schüttelte dann aber den Kopf.
„Mach dir keine Gedanken darum, ich habe noch fast die Hälfte meines Gehalts übrig.“, nickte er und stand schließlich langsam auf, „Außerdem ist das hier kein Bonzencafé, hier bekommt man einen Kaffee schon für dreihundert Yen.“
„Naja, wenn das so ist, sage ich nicht nein. Du musst immerhin wahrscheinlich noch warten, bis die Schule beendet wäre, um nach Hause zu gehen, hab‘ ich recht?“
„Was anderes bleibt mir nicht übrig.“, entgegnete Josuke, zuckte leicht mit den Schultern und nickte.

Er hatte es sich in jenem Moment nicht anders ausgesucht, hatte er doch freiwillig den Unterricht fallenlassen, um dem Kursleiter nachzugehen. Der Higashikata nahm die Taschen wieder in die Hände und betrachtete den Straßenmusiker einen Augenblick lang.
„Sorry, so sollte das nicht klingen. Aber ich kann dir wenigstens ein bisschen Gesellschaft leisten. Hier die ganze Zeit allein herumzusitzen, wenn sowieso nichts los ist, wäre auch dumm. Dann sag‘ mir einfach, wann eure Schule enden würde und dann gehen wir zusammen. Dann kann ich danach wenigstens gleich noch mal bei Keicho vorbeigehen, ist immerhin nicht weit.“, schlug der Gitarrist somit auch schon vor und stand vom Rand des Brunnens auf.
Seinen Verstärker entkabelte er in jenem Moment schon einmal und versuchte den Kabeln Herr zu werden, damit er sie wieder ordentlich unterbringen konnte. Der Schüler nickte leicht, wank leicht ab und betrachtete den Straßenmusiker für einen Moment, bevor Josuke ihm schließlich auch schon half die Kabel zusammenzusammeln und anschließend zu verstauen.
„Ist schon in Ordnung, ich nehme es dir nicht übel. Aber Schulschluss haben wir immer um sechzehn Uhr, durch gewisse AGs hätten wir sogar noch ein wenig länger, aber da ich persönlich an keinen teilnehme, fällt das weg.“, entgegnete der Higashikata.
„Dann machen die das immer noch so. Gut, dann habt ihr fast die gleichen Zeiten wie ich damals – dann kann ich wenigstens ein bisschen auf die Zeit achten. Ich bin zwar generell nicht die Person, die mit Zeiten auf einem grünen Zweig steht, aber das machen wir schon irgendwie.“, benickte der Musiker und versuchte schließlich sein ganzes Gepäck so zu ordnen, das er es ohne größere Beschwerden herumtragen konnte.

Wenigstens dauerte eben jenes Unterfangen nicht allzu lang und er musste Josuke in jenem Moment nicht länger warten lassen, auch wenn dieser in jenem Moment wahrscheinlich alle Zeit der Welt hatte. Ein wenig amüsierte sich der Schüler über die Worte des Älteren, legte seinen Kopf in seinen Nacken und sah noch einmal hinauf in den Himmel, beinahe als würde er ein Wunder erwarten, doch dabei konnte er augenscheinlich lang warten. Wahrscheinlich hatte der Langhaarige recht und die Schule hatte sich in den wenigen Jahren nicht großartig verändert, zwar wusste Josuke auch nicht, ob Akira die gleiche Schule besucht hatte wie er es zurzeit tat, doch dies spielte in jenem Moment auch keine Rolle.
„Ich denke das wird sich auch nie ändern, die Clubaktivitäten sind wahrscheinlich auch noch immer dieselben. Ich meine, ich gehöre glücklicherweise keinem an. Es ist keine Pflicht.“, entgegnete er ihm und streckte sich leicht, „Darf ich dich mal was fragen Akira?“
„Oh, damals war es noch Pflicht, aber, was deine Frage angeht… Klar, das werde ich dir sicher nicht verbieten. Solang ich drauf antworten kann. Allwissend bin ich jetzt auch nicht, aber ich versuche es.“, entgegnete der Rocker gleich und ließ sich im Anschluss von dem Schüler die Richtung deuten.
Immerhin konnte er nicht ahnen, zu welchem der beiden Cafés in der Nähe er gehen wollte – teure gab es nicht sonderlich viele, aber die kleineren, noch familienbetriebenen waren nicht allzu selten in der Stadt. Vielleicht gab es insgesamt drei oder vier davon.

Langsam ging der Schüler neben dem Straßenmusiker her, wollte zu einem ganz bestimmten kleinen Kaffee und strich sich noch einmal einige Strähnchen aus dem Gesicht. Seine Frage zu formulieren war nicht unbedingt leicht, doch wahrscheinlich war es besser die Worte einfach direkt auszusprechen, bevor sie wieder missverstanden wurden. Dieses eine Erlebnis hatte ihn anscheinend doch ein wenig zu sehr geprägt.
„Wie war das damals zwischen dir und Keicho? Ich meine… Wie hast du ihn dazu gebracht mit dir eine Beziehung einzugehen?“, stellte der Higashikata schließlich die Frage.
„Das ist eine ziemlich lange und komplizierte Angelegenheit, willst du dir das wirklich antun?“, fragte der Musiker nach diesen Worten einfach nur noch einmal zur Sicherheit nach und lachte leicht.
Erst in diesem Moment bemerkte er wirklich, dass auch sie sich nicht zwingend auf die beste Weise kennengelernt hatten und das eben jene Verhältnisse zwischen ihnen auch nicht von Beginn an klar waren. Bei ihnen gab es auch nicht diese ‚Liebe-auf-den-ersten-Blick‘-Chemie. Wenn er ehrlich sein sollte, war es wahrscheinlich mehr eine Art ‚Liebe-auf-den-zweiten-oder-dritten-Sex‘. Ob er dann das beste Beispiel war – in jeglicher Hinsicht – blieb anscheinend dahingestellt. Das musste Josuke selbst entscheiden, wenn er es wirklich wissen wollte – wenn er darauf bestand.

Leicht nickte der Higashikata, während er ruhig weiterging.
„Warum nicht? Ich interessiere mich dafür und…“, seufzte der Dunkelhaarige leise, „Und wenn ich ehrlich sein soll, dann habe ich diesen Hasui doch auch nicht auf normalem Wege kennengelernt. Du erlebst es doch mit und ich möchte einfach einmal andere Storys hören. Wenn du schon so anfängst, dann kannst du mich wahrscheinlich sogar am besten verstehen.“
Vorsichtig zuckte Akira mit den Schultern und strich sich noch einmal die Haare aus dem Gesicht.
„Na gut, dann erzähle ich es dir, wenn wir im Café sitzen. Aber ich kann dir versprechen, dass es nicht weniger turbulent klingt als die Situation, die ihr hattet. Möglicherweise war es sogar schlimmer als das.“, lachte der Musiker und wartete in jenem Augenblick nur noch das Nicken des Higashikata ab, bevor dieser auch schon auf das kleine Eckcafé deutete, durch welches er noch vor wenigen Sekunden seinen Blick hatte schweifen lassen.
Voll war es zu jener Tageszeit beim besten Willen nicht, frei Plätze gab es noch zu Hauf, also konnten sie auch ziemlich schnell einen Platz finden, an welchen sie sich setzen konnten; direkt am Fenster, ein wenig entfernt von den bereits besetzten Plätzen, damit das Gespräch doch noch auf eine gewisse Weise privat bleiben konnte – zumindest insofern dies in einem öffentlichen Café überhaupt möglich war.

Der Schüler stellte seine Taschen neben sich. Ein wenig schob er sie unter den Stuhl damit er sicher gehen konnte, das dem Hemd nichts passierte. Dann sah er zu dem Musiker und schob eben jenem die Speisekarte zu, welche sich bereits in der Mitte des Tisches befand.
„Ich erwarte es nicht anders. Einen Nijimura normal kennenzulernen ist wahrscheinlich ein Ding der Unmöglichkeit.“, schmunzelte der Higashikata.
„Stimmt wohl – ich meine, den ersten Teil kennst du ja schon. Als Keicho angefangen hat, bei meinem Vater zu arbeiten, habe ich ihm erst einmal aus Versehen eine mit der Gitarre übergezogen. Damals hab‘ ich noch gedacht, dass er einfach nur ein normaler Kunde wäre und ich sowieso nicht noch einmal mit ihm in Kontakt treten würde, deswegen habe ich mich einfach nur entschuldigt und dachte, die Sache hätte sich erledigt, aber das war er dann doch nicht. Mein Vater war zwar damals schon unausstehlich aber wenigstens noch nicht schlimm genug, um das ich mich lieber irgendwo in der Stadt herumgetrieben habe, als auf der gegenüberliegenden Straßenseite des Ladens zu spielen. Deswegen habe ich dann auch am nächsten Tag bemerkt, das der Kerl schon wieder im Laden ist und bei – zu wem auch immer du beten möchtest – niemand braucht so viel Sportausrüstung. Also konnte er sich nur als Aushilfe beworben haben. Irgendjemand musste den Job immerhin machen, nachdem ich keine Lust darauf hatte als mein Vater mit dem Vorschlag zu mir kam.“, versuchte der Musiker zu erklären.

Er seufzte, ließ sich für einen Moment nur von der Bedienung unterbrechen, welche zum Tisch huschte, um sogleich die Bestellung aufzunehmen und dann auch schon wieder mit federleichten, tippelnden Schritten zu verschwinden.
„Du kannst dir wahrscheinlich echt nicht vorstellen, wie unangenehm das war, ihn nach der Aktion jeden Tag zu sehen und deswegen habe ich mir dann auch einen anderen Platz gesucht. Ich wollte nicht jeden Tag damit konfrontiert werden, dass ich ihm eine reingehauen habe und allein sein Gesicht zu sehen, hat mich einfach ständig daran erinnert. Ich hatte die Nase so voll davon.“
Für einen kurzen Moment nickte der Higashikata, konnte sich vorstellen wie unangenehm es war, den Nijimura nach jener Aktion jeden Tag sehen zu müssen. Für ihn selbst war es immerhin unglaublich unangenehm Okuyasu in der Schule immer und immer wiederzusehen, kurz nachdem sie sich geprügelt hatten.

Wenigstens fühlte er dies inzwischen endlich nicht mehr, denn angenehm was etwas dergleichen ganz sicher nicht.
„Ich kann es mir vorstellen, aber ich glaube nicht, dass er dir das übelgenommen hat.“, entgegnete der Dunkelhaarige und betrachtete den Straßenmusiker, wollte ihn nicht weiter vom Erzählen seiner Geschichte abhalten.
„Nein, das hat er auch nicht, aber auf eine gewisse Weise habe ich ihm übelgenommen, dass er einen Job in dem Laden bekommen hat, vor dem ich gespielt und meinen Vater – bis dato immer in Ruhe – genervt habe. Das hat er dann aber immer unterbunden, weil er dann mit Ruhestörung und diesem ganzen rechtlichen Quark ankam. Ich weiß auch nicht wirklich, wie ich das beschreiben soll, aber ich konnte sein Gesicht damals einfach nicht ausstehen. Irgendwie habe ich mich reingesteigert, dass ich ihn nicht leiden kann und mir auch eingebildet, dass er das Gleiche über mich denkt. Ich dachte wirklich, das würde auf Gegenseitigkeit beruhen, bis er die Theorie dann zerstört hat als er meinte, dass ich eigentlich zu gut wäre, um nur auf der Straße zu spielen und ob ich eine Band habe. Wahrscheinlich kannst du dir vorstellen, dass ich ihn erst einmal angesehen habe als hätte in einer anderen Sprache mit mir gesprochen.“, führte der Musiker seine Erzählung dann auch schon fort.

Wenn er noch einmal genau darüber nachdachte, begann es komisch zu klingen, wenn er es noch einmal durchging. Anscheinend hatte er sich wie ein Idiot verhalten und so dumm angestellt, wie es ihm nur möglich war. Ändern konnte er daran jedoch ohnehin nichts mehr. Irren war menschlich.
„Aber er hatte Recht, deine Gitarrenkünste sind überragend. Ich meine, ich kenne jetzt keine Gitarristen außer dich persönlich, aber du bist wirklich gut. Du klingst gut.“, nickte Josuke und seufzte innerlich.
Er selbst hatte fast die gleiche Situation durchgemacht, hatte sich auch in etwas hineingesteigert und fand aus jener Situation nur schwer wieder heraus. Er hatte sich in einem Labyrinth verlaufen, welches er selbst erbaut hatte. Die Geschichte, die er von dem Musiker hörte, war fast genauso verrückt wie die Seine, nur das er dem Kursleiter nicht direkt eine übergezogen hatte. Auch wenn er vielleicht für einen Moment darüber nachgedacht hatte – wenngleich auch aus anderen Gründen. In seinem Fall hätte es sich immerhin nicht nur um ein Versehen gehandelt.

Dennoch wank Akira schließlich leicht ab, lehnte sich zurück als er bemerkte, dass die Bedienung mit ihrer Bestellung auf dem Weg zu ihrem Tisch war und ließ sie diese erst einmal abstellen. Um sofort davon zu trinken, war der Kaffee ohnehin noch viel zu warm.
„Danke, aber…“, begann der Violetthaarige das Thema erneut aufzugreifen, nachdem sich die Frau wieder vom Tisch entfernt hatte, „Ich glaube, das ist kein Wunder, wenn man sich kaum mit irgendetwas anderem beschäftigt. Außerdem wollte ich nie eine Band. Eigentlich komme ich viel besser zurecht, wenn mir niemand sagt, was ich zu tun und zu lassen habe – vor allem, wenn es dabei auch noch um die Musik geht. Aber wegen Keicho… Ich bin dann in die Stadtmitte gegangen, um dort zu spielen, zum Teil auch einfach, weil ich keine Lust mehr hatte, ihn jeden Tag zu sehen. Auf eine gewisse Weise war es zu dem Zeitpunkt einfach unangenehm für mich. Er war zu freundlich und hat mit seiner Art einfach absolut nicht zu mir gepasst – dachte ich, aber da kannte ich ihn auch noch nicht. Für mich war er nicht rebellisch genug und deswegen kein Umgang, aber das hat er anscheinend anders gesehen. Nach der Arbeit kam er dann immer in der Stadtmitte vorbei – ich war auch schön blöd zu glauben, dass er irgendwo wohnt, wo er nicht an der Stadtmitte vorbeigehen muss.“

Leicht seufzte Akira und schüttelte dann auch nur den Kopf, zum Teil wegen seines eigenen Verhaltens und zum Teil, weil er sich noch immer nicht erklären konnte, wie aus dieser Sache überhaupt irgendetwas werden konnte. Schließlich entschloss er sich aber erst einmal, mit seiner Erzählung fortzufahren. Wenngleich er auch zuvor noch ein weiteres Mal seufzte.
„Er hat mir dann irgendwann Geld zugesteckt – er meinte das nur gut, das weiß ich, aber damals bin ich deswegen vollkommen ausgetickt. Ich dachte, dass er auf mich herabsehen würde, weil er ja einen Job hat und ich nur auf der Straße Musik mache, das ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Deswegen habe ich ihm dann sein Geld nachgeworfen und gemeint, dass ich seine Almosen und sein Mitleid nicht brauche. Damit hatte ich es dann erst einmal bei ihm verspielt.“
Für einen Moment sah Josuke den Langhaarigen ungläubig an, konnte in jenem Moment nicht verstehen wie eine Beziehung aus jener Streitsituation entstehen konnte, doch er kannte die Nijimurabrüder, was die Situation an sich bereits erklärte. Niemals ließen eben jene etwas dergleichen auf sich sitzen, hatte Okuyasu doch auch nicht nachgegeben, als sie sich in der Schule wegen eines Missverständnisses geprügelt hatten.
„Das klingt ja fast genauso schlimm wie meine Situation zurzeit… Aber auf eine gewisse Weise kann ich aber auch verstehen, dass du so reagiert hast. Wahrscheinlich hast du damals auch noch damit gerechnet, dass dein Vater was damit zu tun hat.“, nickte der Schüler verständnisvoll.
Er selbst hätte wahrscheinlich nicht anders reagiert.

Für einen Augenblick schien Akira zu überlegen, schüttelte dann aber leicht den Kopf. Josukes Schlussfolgerung war in jenem Fall zwar nicht allzu schlecht, aber auch nicht vollkommen richtig. Eigentlich war das alles viel komplizierter. Wahrscheinlich sogar ein wenig verzwickter als das, was der Higashikata zu jener Zeit durchmachte.
„Nicht ganz; wenn man es genau nimmt, ist mein Vater eigentlich der ausschlaggebende Punkt, dass wir beide überhaupt noch einmal miteinander geredet haben. Das war wahrscheinlich aber auch das einzige, was dieser Typ in seinem gottverdammten Leben je richtig gemacht hat. Nijimura sind Sturköpfe – allesamt wie mir scheint – aber das beherrsche ich auch ganz gut. Wahrscheinlich hätten wir uns nicht mal mehr angesehen, hätte mein Vater mich nicht irgendwann gezwungen, in seinem Laden zu arbeiten. Er wollte mich schon mal auf die Straße setzen, aber damals hatte ich gar nichts. Freunde schon gar nicht, weil die meisten die Biege gemacht haben, wenn sie begriffen haben, dass ich kein Geld habe, mich aber trotzdem Musiker nenne. So lief das immer, deswegen hatte ich irgendwann keine Lust mehr auf niemanden. Für mich war es dann irgendwie klar, dass ich Keicho deswegen nicht in meiner Nähe akzeptieren würde.“, fuhr er somit auch schon fort.

Tief in seinem Inneren war er sich sicher, das Josuke ihn bereits in diesem Moment für verrückt erklären musste. An dieser bizarren Geschichte klang ungefähr gar nichts normal, allerdings war dies wahrscheinlich auch der Grund, aus welchem er den Schüler so gut verstehen konnte.
„Ich habe mich dann also dem Willen von meinem Vater gebeugt und hab in dem Laden gearbeitet, mit Keicho zusammen, die ganze Zeit unter einem unangenehmen Gefühl, weil ich dachte, dass er auf mich herabsehen würde. Auf eine gewisse Weise wollte ich einfach nur, das er sieht, das ich besser als er bin, also haben wir dann auf eine gewisse Weise begonnen zu wetteifern und das ist dann so lang gut gegangen, bis es im Lagerraum eskaliert ist, weil sich die Situation einfach hochgeschaukelt hat und die Spannung explodiert ist. Für mich war das eigentlich nichts, die ganze Zeit nicht, nur eine körperliche Beziehung, mit der ich meinen Vater noch mehr ärgern konnte, wenn ich mich an einem seiner Mitarbeit vergreife – oder er sich an mir, wie man es nimmt. Ich wollte, dass er ihn dadurch feuert, hat er aber nicht. Das ‚wieso‘ spielte in dem Moment einfach keine Rolle, aber er war es dann, der mit dieser ganzen Beziehungssache zu mir ankam und ich hab‘ natürlich gekniffen. Dass er die Schnauze nicht von mir voll hatte, war wahrscheinlich alles, aber als dann Funkstille war, habe ich bemerkt, dass er einfach fehlt; deswegen habe ich dann gefragt, ob ich auch noch nachträglich auf das Angebot eingehen kann und das hat er dann akzeptiert. Das ist schon ein bisschen komisch zwischen uns. Keiner spricht von sowas wie Liebe, aber da ist definitiv irgendwas.“

Leicht musste Josuke schmunzeln, schloss die Augen und seufzte leise.
„Diese Geschichte klingt wirklich irgendwie, wie meine ganze Situation. Irgendwie… Ich würde nicht Nein sagen, wenn es auf diese Situation hinauslaufen würde und genau das ist es, was mich so sehr stört. Ich kenne diesen Typen nicht wirklich, fühle mich aber zu ihm hingezogen, ich würde gern so viel Zeit mit ihm verbringen wie ich nur kann und dann ist da immer noch Jotaro in meinen Gedanken.“, schnaufte der Higashikata und strich sich durch sein Haar, „Danke aber, dass du mir diese ganze Sache erzählt hast. Irgendwie fühle ich mich jetzt nicht mehr so allein damit.“
„Kein Thema, es ist ja nichts Geheimes und was Jotaro angeht… Wahrscheinlich musst du das erst mal auf dich zukommen lassen. Du sagtest ja, dass er demnächst wieder zu Besuch kommt. Bis Montag hast du noch Zeit, deine Gedanken zu ordnen, Samstag ist die Schule ja glücklicherweise nicht allzu lang. Dann kannst du über das Wochenende deine Gedanken ordnen und hast außerdem auch noch ein bisschen Zeit, um auf eine Antwort von dem Kerl zu warten. Das man mal für zwei Leute gleichzeitig schwärmt, kann schon mal passieren, aber bei einem ist es dann immer stärker. Ich meine, so sagen die im Internet das, davon hab‘ ich beim besten Willen keine Ahnung, aber vielleicht hilft es dir.“

Der Higashikata nickte, griff nach seiner Tasse und wärmte seine Fingerspitzen für wenige Momente an dieser.
„Vielleicht ist es wirklich nur eine Schwärmerei, aber… Ich will mich auch auf nichts festlegen. Es ist einfach so, das Jotaro und ich schon so viel zusammen gemacht haben. Aber vielleicht hat er all das auch nur getan, weil wir eine Familie sind. Irgendwie will ich das aber noch nicht ganz glauben, immerhin waren wir uns schon einmal näher als wir es hätten sein dürfen.“, entgegnete der Schüler seufzend, „Vielleicht interpretiere ich auch zu viel in diese ganze Situation hinein. Immerhin schlafen Okuyasu und ich auch in einem Bett, gehen zusammen ins Badehaus und ins Schwimmbad wo wir uns eine Kabine teilen. Wir machen viele Dinge zusammen, wie Geschwister. Aber… Bei diesem Hasui ist es einfach anders.“
Für einen Moment schüttelte der Schüler den Kopf, hob die Tasse an seine Lippen und nippte an dem Kaffee. Langsam setzte er die Tasse wieder ab und seufzte leise, machte sich Gedanken und auch Sorgen, was passieren würde.
„Das Problem ist, das ich dir da nicht einmal irgendwelche Tipps geben kann. Sowas sind Sachen, bei denen ich dir nicht reinreden kann. Wenn du dir dann von mir was vorschreiben lässt, könnte das richtig schief gehen und damit wirst du auch nicht glücklich. Ich denke immerhin vollkommen anders als du.“, entgegnete Akira gleich noch einmal und genehmigte sich im Anschluss auch schon einen Schluck seines Kaffees.

Im Vergleich zu dem Kaffee, welchen er von seinem Vater kannte, schmeckte selbst dieser himmlisch, doch wenn Akira ehrlich sein sollte, wollte er auch keinen weiteren Gedanken daran verschwenden, welches fragwürdige Gemisch sein Vater immer wieder gekauft haben musste. Das es eben jenen wachhalten konnte, war durch den schlechten Geschmack jedoch auch kein Wunder. Vielleicht war es auch das, auf was er abzielte. Der Schüler betrachtete den Langhaarigen und nickte dann, wusste das der Ältere ihm nicht sagen konnte was er tun musste. In einer solchen Situation konnte ihm wahrscheinlich nur jemand helfen, der schon einmal gleich gefühlt hatte.
„Ich weiß das du mir keine Tipps geben kannst, ich muss das für mich entscheiden.“, entgegnete der Dunkelhaarige, „Ich selbst muss mit meiner Entscheidung leben, liebe ich den falschen, dann habe ich eben verspielt. Man liebt im Leben immerhin nur einmal mit ganzem Herzen.“
„So würde ich das nicht sagen, ich meine, ich kenne deinen Standpunkt, aber es gibt viele, die sich auch noch ein zweites Mal richtig verlieben. Aber ich glaube, ich bin zu jung, um da irgendwas dazu zu sagen. Ich habe da selbst kaum Ahnung von. Deswegen solltest auch du dir besser nicht den Kopf darüber zerbrechen.“
Leicht nickte der Higashikata und nippte noch einmal an seinem Kaffee.
„Vielleicht. Aber darüber nachdenken will ich tatsächlich auch nicht. Ich will damit kein Unheil heraufbeschwören beschwören.“, entgegnete der Schüler, „Ich denke, es wäre jetzt einfach besser, wenn wir nicht mehr darüber sprechen. Niemand kann mir helfen eine Entscheidung zu treffen, dementsprechend… Lass uns einfach über etwas anderes reden.“

Augenblicklich hob Akira resignierend die Hände und gab nach, wollte Josuke immerhin auch zu nichts zwingen. Ihm selbst war es auch lieber, nicht mehr darüber nachdenken zu müssen, demnach passte es ihm selbst doch recht gut in die Situation. Anderenfalls hätte er wahrscheinlich nur noch mehr Dinge gefunden, welche an ihren beiden Beziehungen – wenn man es bei dem Higashikata denn überhaupt schon so nennen konnte – merkwürdig und definitiv nicht normal waren. Vor Augen halten musste er sich das sicher nicht auch noch selbst.
„Du musst nur was vorschlagen, ich weiß so einiges – was jetzt nicht heißen soll, dass ich irgendein Gelehrter bin oder etwas dergleichen – aber ich weiß, was hier in der Stadt vor sich geht. Also ich kann eine Informationsquelle sein, nur nicht für diesen ganzen Schulkram, da habe ich auch kaum aufgepasst.“
„Keine Sorge, mit dem Schulkram kenne ich mich selbst aus. Ich passe zwar auch nicht unbedingt gut auf, aber ich weiß wenigstens was wir in der Schule bearbeiten.“, entgegnete Josuke abwinkend, „Über die Stadt gibt es wahrscheinlich nicht so viele interessante Dinge zu berichten, wie sieht es also mit Games aus? Oder Mangas? Ich meine, ich kenne mich damit gut aus und wenn du dann bei mir übernachtest, können wir auch man in ein paar Spiele reinschauen, wenn du Interesse hast.“
„Ja, warum nicht. Mangas lese ich aber auch, habe sogar ein paar seltene mit Autogramm. Einen davon habe ich mal gewonnen, von einer sehr beliebten Reihe in Tokyo. Wenn ich meine Sachen in den nächsten Tagen abhole, kann ich sie dir mal zeigen. Viel hab‘ ich ja nicht, was ich mitnehmen will.“, entgegnete er gleich – vielleicht sogar ein wenig zu euphorisch, aber dieser Moment war es wert.

Doch wenigstens war dieses Thema eines von jenen, über welche sich einfach stundenlang reden ließ.
„Das ist echt cool. Ich habe auch einige seltene Exemplare zuhause, auch ältere Ausgaben, die ich zum Geburtstag oder zu Weihnachten bekommen habe. Einen mit Autogramm habe ich nicht. Von wem ist der Manga denn, vielleicht kenne ich den Mangaka.“, entgegnete der Schüler freudig, empfand jenes Thema als unglaublich spannend und freute sich bereits darauf, die wenigen Exemplare des Älteren zu sehen.
„Kishibe Rohan. Seine Reihe ist momentan die einzige, die ich aktiv verfolge. Außerdem ist er wahnsinnig beliebt. Bei allem anderen kaufe ich mir mal einen Band, wenn ich das Geld dafür übrighabe, was nicht sonderlich oft ist. Aber Pink Dark Boy ist gleichermaßen die erste Reihe von dem Mangaka, deswegen würde es mich nicht wundern, wenn du ihn vielleicht nicht kennst. Die Verkaufszahlen scheinen aber in die Höhe zu schießen. Mittlerweile hat wenigstens jeder der sich dafür interessiert etwas von der Reihe gehört.“, antwortete Akira gleich.
„Ich fass‘ das jetzt nicht.“, entgegnete Josuke euphorisch, „Okuyasu hat die Reihe ebenfalls zuhause, es ist sogar seine Lieblingsreihe. Ich habe sie bei ihm auch schon gelesen, eigentlich mache ich das immer mal wieder und finde den Manga an sich auch eigentlich ziemlich cool. Deswegen kaufe ich mir die Bände selbst nicht, er leiht sie mir nur manchmal.“
Noch einmal nippte er an seinem Kaffee und blickte zu dem Langhaarigen, dass sie wirklich eine Leidenschaft teilen würden, hätte der Higashikata eigentlich nicht erwartet.

Zufrieden benickte der Musiker die Worte des Jüngeren und trank in jenem Moment noch seinen Kaffee aus.
„Ja, die Story ist echt wahnsinnig gut. Kein Wunder, das die Reihe so beliebt ist. Wenigstens ist das mal nicht voraussehbar; die Plottwists überraschen immer wieder. Ich hoffe mal, dass die Story nicht so schnell enden wird, aber eigentlich sind da noch viel zu viele offene Fragen und ich denke auch nicht, das die offengelassen werden sollen.“, dachte der Rocker in jenem Moment einfach laut nach.
„Er ist wirklich ein guter Mangaka, deswegen denke ich auch nicht, dass er auch nur eine einzige Frage offenlassen wird.“, entgegnete der Schüler begeistert, „Aber was ich auch besonders an der Story mag, ist das es etwas vollkommen anderes ist. Es folgt keinem Klischee, es ist einfach etwas vollkommen anderes.“
Zufrieden, in jenem Augenblick, einen neuen Freund gewonnen zu haben, mit welchem er auch darüber reden konnte, trank auch Josuke seinen Kaffee aus.
„Wahrscheinlich kommt es genau deswegen auch so gut an. Wenn man etwas anfängt, was vollkommen neu ist, gibt es nur zwei Möglichkeiten, entweder es kommt richtig gut an, oder es wird gar nicht beachtet, weil es zu neuartig ist. In dem Fall bin ich froh, dass die erste Option eingetreten ist.“
„Das stimmt. Ich bin auch froh, dass er so gut ankommen ist gerade, weil es so anders ist.“, entgegnete der Schüler.

Schließlich zog er sein Handy aus seiner Tasche, entsperrte dies und nickte sich dann kurz selbst zu, bevor er die Hand hob, um eine der Bedienungen an ihren Tisch zu rufen.
„Die Schule endet gleich, was bedeutet, dass wir uns gleich auf den Weg machen können.“, fügte er seinen Worten noch hinzu.
Kurz nach jenen Worten erntete der Schüler auch schon einen mehr als nur verwirrten von dem jungen Gitarristen, bevor auch dieser noch einmal zur Absicherung auf sein Handy sah und dann nur noch ein wenig ungläubiger wieder aufsah.
„Das es doch schon so spät ist, hätte ich nicht gedacht. Also, soll ich dich dann noch eine Weile begleiten oder willst du allein zurück zur Schule?“, fragte er somit lieber noch einmal nach.
Immerhin hätte es auch sein können, dass er seine Meinung noch einmal geändert hatte.
„Du kannst ruhig mitkommen, dann können wir noch ein bisschen reden. Außerdem tut es mir mal wieder gut, einfach über irgendwas zu reden und mir nicht den Kopf wegen irgendwas zerbrechen zu müssen.“, nickte der Schüler und nickte auch der jungen Bedienung schließlich zu, welcher er das Geld für die zwei Kaffee gab.
Dann stand er auch schon auf und nahm die Taschen wieder an sich, wartete allerdings noch auf den jungen Gitarristen, welcher auch sogleich folgte.

*


Vor den Toren der Schule angekommen, blieb ihnen noch einige Zeit bis es zum Ende des Unterrichts klingelte. Akira verabschiedete sich erst, nachdem das Klingeln bereits ertönt war, meinte, dass er später zur moralischen Unterstützung – wegen des Themas Kakyoin – bei dem Higashikata vorbeikommen würde. Somit könnten sie auch gleich die Frage nach dem Schlafplatz klären und vielleicht noch irgendetwas für die Nacht bewegen. Drängen wollte er darauf jedoch nicht. Sicher würde er es im Notfall auch eine Nacht auf der Straße aushalten. In der Stadt gab es immerhin auch einige mehr als nur ruhige Ecken. Auch der Higashikata verabschiedete sich, bedankte sich noch einmal für die Unterstützung und die nette Unterhaltung. Schließlich lehnte er sich an die Schulwand und wartete auf den Nijimura, lange würde eben jener immerhin nicht brauchen. Auf eine gewisse Weise erwartete er die Ankunft seines besten Freundes, wusste genau, das jener auftauchen würde und dennoch zuckte er schließlich leicht zusammen, als er eine Hand auf seiner Schulter spürte. Selbst wenn es tatsächlich nur die Hand des Nijimura war.

Augenblicklich fuhr er herum und sah genau in das Gesicht seines besten Freundes. Eben jener schien an jenem Tag doch ein wenig ausgelassener als er selbst.
„Du hättest nicht auf mich warten müssen.“, gab eben jener gleich wieder und begrüßte den Higashikata somit auch schon.
Für einen Moment wank der Dunkelhaarige ab, schulterte seine Tasche noch einmal und betrachtete seinen besten Freund.
„Ich finde es ist das mindeste, was ich tun kann. Immerhin hast du mir auch den Rücken freigehalten.“, entgegnete er nickend.
„Das ist aber selbstverständlich, also hättest du das echt nicht machen müssen. Trotzdem ist es cool, dass wir jetzt zusammen nach Hause gehen können, aber… Die Szene von heute Morgen musst du mir wenigstens noch erklären – oder im generellen, was jetzt bei der ganzen Angelegenheit rausgekommen ist.“, entgegnete Okuyasu schnell.
Leise seufzte der Schüler und legte seinen Kopf in seinen Nacken, blickte für einen Moment in den Himmel und nickte dann.
„Also… Wegen der Sache heute Morgen…“, begann er und sah zu Okuyasu, „Du weißt doch, dass ich Vorgestern mit Jotaro sprechen wollte, kurz nachdem wir uns schlafen gelegt haben, habe ich eine SMS von ihm bekommen, und… Habe ihn direkt angerufen. Das Gespräch verlief nicht wie erwartet, aber wenigstens weiß ich jetzt ein bisschen mehr… Aber, nachdem ich aufgelegt hatte, war Akira auch wach und dann haben wir zusammen die Nacht durchgemacht, weil wir beide nicht mehr schlafen konnten. Die Sache hat mich einfach zu sehr aufgewühlt und, dann… Sind wir halt auf die Suche nach Hasui gegangen, haben ihn an einem Café gefunden und ich habe ihn zur Rede gestellt, dabei ist dann auch schon das Kaffeeunglück passiert.“

Nach jenen Worten kratzte er sich leicht am Hinterkopf, wollte in jenem Moment nicht genauer auf diese Situation eingehen. Dennoch ersparte er sich somit keinesfalls das Nachfragen seines besten Freundes. Eben jener konnte die gesagten Worte in seinem Kopf immerhin nicht vollkommen einordnen, hatte von jenem Tag immerhin ein vollkommen anderes Bild als Josuke vor Augen – zumindest in jenem Moment. Genau aus diesem Grund hielt er schließlich auch noch einmal an und blickte zu seinem besten Freund herüber.
„Aber ich dachte an dem Tag wirklich, du würdest im Sterben liegen, so schlecht wie du ausgesehen hast. Ging es dann wieder oder…? Ich verstehe grade gar nichts mehr.“
Leicht nickte der Higashikata, blickte auf die Straße vor sich und seufzte leise.
„Es ging mir eigentlich nur so schlecht, weil… Jotaro und Kakyoin wirklich ein Paar sind. Diese Nachricht habe ich nicht verdauen können. Akira hat mich dann in die Stadt mitgenommen, um mich auf andere Gedanken zu bringen.“, gab er ihm wieder, „An sich war ich nicht krank.“
„Aber wahrscheinlich hättest du dich dann sowieso nicht konzentrieren können. Das ist fast das Gleiche und es tut mir echt leid, wegen diesem Kakyoin.“, entgegnete Okuyasu gleich und rieb sich leicht über den Nacken.
Auf eine gewisse Weise hatte er in diesem Moment das Gefühl, sich dafür entschuldigen müssen, auch wenn er eigentlich nichts damit zu tun hatte. Josuke schüttelte augenblicklich den Kopf und sah zu seinem besten Freund.
„Mach dir darüber keine Gedanken, ich habe ihn für heute Abend zu uns eingeladen, um ihn ein wenig kennenzulernen. Er ist immerhin Jotaros Freund und der macht sich solche Mühe, nur um mir diesen Mann vorzustellen. Deswegen will ich ihn nicht enttäuschen.“, entgegnete er ihm abwinkend.

Wenn er allerdings ehrlich ein sollte, dann hatte er trotz allem ein wenig Sorge wegen dem Treffen am Abend. Dieser Noriaki hatte immerhin Dinge gegen ihn in der Hand und der Dunkelhaarige musste erst einmal herausfinden, ob dieser Mann diese Informationen gegen ihn verwenden wollte oder doch irgendetwas vollkommen anderes plante.
„Sollte es dir zu viel werden, kannst du auch einfach wieder rüberkommen. Heute ist Akira nicht da, dann dürfte Keicho erst recht nichts dagegen haben. Bei uns kannst du auf jeden Fall jederzeit vorbeikommen, musst dich auch nicht vorher anmelden.“, legte der Nijimura seinem besten Freund leicht die Hand auf die Schulter.
Dankend sah er seinen besten Freund an, nickte dann noch einmal und blieb an der Straße stehen. In jenem Augenblick jedoch, war er den Brüdern wirklich dankbar, denn ohne die Hilfe der beiden Nijimura, hätte er wahrscheinlich schon öfter einmal allein mit einer solchen oder wenigstens ähnlichen Situation auskommen müssen.
„Danke, das Angebot weiß ich wirklich zu schätzen. Immerhin gilt das Gleiche auch immer für dich und deinen Bruder, aber heute bin ich nicht allein. Ich habe Akira angeboten, für eine Nacht bei mir zu schlafen. Er hat Stress mit seinem Vater und… Du weißt ja, ich kenne das Spiel. Mit Joseph verstehe ich mich immerhin auch nicht so blendend.“, gab Josuke dem jüngeren Nijimura wieder.
„Aber das hat auch zum Teil andere Gründe, bei euch ist das wirklich ziemlich schwierig.“, entgegnete Okuyasu gleich.
„Schwierig? Ich bitte dich, das ist untertrieben. Immerhin ist er älter als mein Großvater und will dann mein Vater sein.“, seufzte der Higashikata, „Ich habe aber auch nicht wirklich Lust, jetzt über ihn zu sprechen. Aber ich habe ziemlich coole Neuigkeiten für dich, Akira liest ebenfalls Pink Dark Boy und ist auch ein Fan von Kishibe Rohan.“

Leicht schüttelte der Schüler den Kopf, wollte nicht über seinen Vater nachdenken. Dann blickte er erfreut zu seinem besten Freund, wollte sich selbst und auch den Nijimura auf andere Gedanken bringen. Dessen Gesichtszüge hellten sich augenblicklich auf.
„Echt? Das ist richtig cool, aber die Reihe ist auch richtig beliebt, das weißt du ja selbst. Immerhin. Ich meine, ich kenne Akira jetzt ungefähr genauso lang wie du… Obwohl, ich glaube, mittlerweile kennst du ihn wahrscheinlich ein bisschen besser.“, musste der Nijimura leicht lachen, konnte es sich in diesem Moment einfach nicht verkneifen.
Anscheinend schien es doch ein wenig bergauf zu gehen – nachdem seinen besten Freund dieses Tief ereilt hatte. Ihn selbst hatte es glücklicherweise verschont, doch dafür schien es Josuke umso schlimmer getroffen zu haben. Wenn er sich zwischen all dem Stress wenigstens gut mit Akira verstand, war das wenigstens schon einmal eine Verbesserung der Situation.

Langsam nickte der Higashikata, schulterte seine Taschen noch einmal neu und blickte kurz in den Himmel. In jenem Augenblick musste er zugeben, dass er sich wirklich sehr intensiv mit dem Langhaarigen beschäftigt hatte, wenngleich er dies auch nicht aus Spaß getan hatte. Der Musiker verstand einfach seine Situation, hatte in der Vergangenheit immerhin auch genug Probleme.
„Das stimmt, ich finde den Manga ja selbst unheimlich cool. Vielleicht können wir alle mal zusammen Kaffeetrinken gehen.“, begann der Schüler, „Aber ich glaube ich kann ihn mittlerweile als einen guten Bekannten bezeichnen, er ist einfach ein guter Gesprächspartner, nicht so gut wie du, aber du bist ja auch fast wie ein Bruder für mich.“
„Wir kennen uns ja inzwischen auch wesentlich länger, das kann man gar nicht vergleichen.“, lachte der Nijimura leicht, „Und wie gesagt, wenn ihr euch gut versteht, ist das eigentlich das Beste, was hätte passieren können. Mein Bruder sieht das wahrscheinlich genauso.“

Für einen Moment sah sich Okuyasu um. Weit war der Weg nicht mehr, immerhin konnte er von Weitem bereits das Haus sehen, in welchem sein älterer Bruder und er lebten. Leicht nickte der Higashikata und sah zu seinem besten Freund, er war wirklich dankbar dafür, diesen Nijimura kennengelernt zu haben. Niemand verstand ihn besser als sein bester Freund, mit diesem konnte er alles teilen, selbst seine tiefsten Sorgen. Auch wenn er ihn mit machen Angelegenheiten doch lieber verschonte. Probleme, welche er nicht zu den Problemen anderer machen wollten, da es ausreichte, dass er sich den Kopf darüber zerbrach.
„Klar, an dich wird sowieso niemals jemand rankommen.“, scherzte Josuke und sah selbst zu den Häusern, welchen sie immer näherkamen.
„Bei mir musst du dich nicht einschleimen, aber ich weiß zumindest was du meinst.“, entgegnete Okuyasu gleich, bevor er sich auch schon einmal auf den Abschied vorbereitete.

Immerhin konnte er sich bereits denken, dass sein bester Freund in jenen Moment sicher erst einmal nach Hause gehen wollte, um sich auf das Zusammentreffen mit Kakyoin vorzubereiten.
„Hören wir uns dann später noch einmal oder sehen wir uns morgen in der Schule?“, stellte er in jenem Moment die vorerst letzte Frage.
„Ich denke, ich werde mich später noch einmal melden, immerhin denke ich, dass auch du wissen willst, wie das Zusammentreffen ausgegangen ist.“, entgegnete er ihm und blieb noch für einen Moment stehen, immerhin wollte er sich noch von seinem besten Freund verabschieden.
„Klar, du weißt ja, dass du mich fast immer erreichen kannst – wenn ich nicht schlafe, dann höre ist es meistens nicht.“, lachte er noch einmal leicht und verabschiedete sich im Anschluss auch schon.
Auf eine gewisse Weise musste er für sich selbst zugeben, dass er mit dieser ganzen Situation bedenken hatte und dennoch wollte er es in diesem Moment nicht verlauten lassen. Josuke wirkte so sicher und genau das wollte er ihm nicht verderben. Ein komisches Gefühl blieb jedoch trotz allem bestehen. Er konnte sin in jenem Augenblick nur noch nicht ableiten, woher dieses eigentlich stammte.
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