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365

von GH0ST
GeschichteFamilie, Suspense / P18 / MaleSlash
Josuke Higashikata Jotaro Kujo Keicho Nijimura Noriaki Kakyoin Okuyasu Nijimura Rohan Kishibe
01.06.2019
10.02.2021
11
92.413
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06.04.2020 10.198
 
Misunderstanding




Schnaufend versuchte Josuke den Rothaarigen zu ignorieren, wollte in jenem Augenblick lediglich mit einer Person sprechen und diese war ganz sicher nicht dieser rothaarige Störfaktor. Mit dem Fremden wollte er wirklich sprechen; dem Fremden, welcher für ihn inzwischen gar nicht mehr allzu fremd schien, selbst wenn er noch immer nichts von ihm wusste und inzwischen sogar glaubte, jene Aussage wäre noch übertrieben. Immerhin hatte dieser eben jene komplette Situation zu verantworten und schien in seinen Gedanken auch noch in viel mehr verwickelt zu sein. Rohan brach jedoch nur wenige Sekunden später auch schon das Schweigen zwischen ihnen, lenkte all die Aufmerksamkeit auf Josuke und machte die Situation somit nur noch ein wenig unangenehmer für den Schüler, dessen Gedanken er somit auch vollkommen durcheinandergebracht hatte. Allein der Blick, welcher Josuke in jenen Sekunden von dem Kursleiter zugeworfen wurde, ließ ihn in jenem Augenblick schaudern.
„Warum läufst du mir nach? Ich denke nicht, dass du so schnell bei der Reinigung warst. Oder erwartest du jetzt einen Abschiedskuss von mir? Daran solltest du dich gar nicht erst gewöhnen, mein Unterricht beginnt jetzt und deiner hat wahrscheinlich auch schon längst begonnen. Du solltest dementsprechend gehen – es sei denn, du möchtest dich setzen, dann werde ich dich nicht aufhalten. Das musst du selbst wissen, ist nicht mein Problem.“
Musste er das unbedingt vor Kakyoin erwähnen?
Josuke wusste doch nicht, ob man diesem Kerl überhaupt trauen konnte. Am Ende trug er genau diese Informationen direkt zu seiner Mutter weiter; oder schlimmer noch – er erzählte es vielleicht Jotaro. Dann konnte er vergessen, sich vor ihm als möglichst vorbildlich darzustellen; selbst, wenn er beinahe im gleichen Atemzug noch begann sich zu fragen, ob all das überhaupt noch Sinn machte.

Für einen kurzen Augenblick wollte der Higashikata den Lehrer des Kurses selbst vorführen, doch dies konnte er sich in jenem Moment nicht erlauben. Nicht solange dieser Rothaarige dort saß und ihn beobachtete und lächelte. Es war dieses Lächeln, welches ihn verunsicherte. Aus der Mimik des Rothaarigen konnte man beim besten Willen nicht lesen, ob dieses Lächeln aus innerlicher Belustigung entstanden war oder ob er einfach nur freundlich sein wollte. Doch davon durfte er sich zu jenem Zeitpunkt ganz sicher nicht allzu sehr ablenken lassen. Zu lang zu Schweigen, wirkte sich in diesem Moment ganz sicher auch nicht positiv auf die ganze Situation aus.
„Einen Abschiedskuss von dir brauche ich garantiert nicht – nicht einmal in deinen Träumen. Allerdings ist dieses Thema für mich noch lange nicht gegessen… Du schuldest mir was, deswegen bin ich hier.“, murrte Josuke und schloss die Tür hinter sich, „Jetzt sag mir schon, wohin ich mich setzen kann.“
Plätze waren immerhin genug frei – zumindest an jenem Tag.

Nach jenen Worten ging der Dunkelhaarige auf den Älteren zu, blieb vor ihm stehen und schluckte.
„Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich auch noch von dir träume. Das bleibt mir aktuell glücklicherweise erspart.“, schüttelte der Mangaka gleich den Kopf, deutete dann aber auch schon auf einen der freien Plätze am Fenster, neben einem anderen Studenten, welcher von jenem Vorschlag zwar nicht begeistert war, es aber hinzunehmen schien.
Augenscheinlich saß dieser für gewöhnlich immer allein, doch wenigstens an diesem Tag konnte er sich das nicht mehr aussuchen. Dennoch blieb schließlich auch für den Kursleiter noch eine Frage offen, welche der Zwanzigjährige wenigstens noch stellen wollte – oder vielmehr musste – seines Kurses zuliebe.
„Hast du überhaupt irgendwelches künstlerisches Talent?“
Das dies in jenem Moment nicht mehr als eine weitere Spitze war, verstand der Higashikata augenblicklich. Für wenige Sekunden fragte er sich tatsächlich, ob er darauf eingehen sollte, doch ignorieren konnte er die Worte auch nicht. Es fühlte sich an als würde eine Barriere in seinem Kopf es unmöglich machen, nicht darauf zu antworten. Dafür ließ er sich einfach zu leicht reizen – zumindest in jener Hinsicht.
„Das du nicht von mir träumst, lasse ich jetzt einfach mal im Raum stehen. Aber um deine Frage zu beantworten, ich hatte bisher noch nie viel mit Kunst am Hut, ich weiß es also nicht.“, schnaufte der Dunkelhaarige leise und setzte sich auf den besagten Platz, „Aber du könntest mir ja ein bisschen davon zeigen, das ist immerhin deine Aufgabe, als Lehrer.“

Nur für einen Moment wurde der Higashikata forsch, wollte den Älteren selbst ein wenig reizen, ihm ein wenig von dem zurückgeben, was er ihm entgegenbrachte.
„Wenn auch nur ein winziger Funken Talent in dir existiert, kann ich dir sicher helfen. Anderenfalls wirst du einfach das Anschauungsobjekt für die heutigen Stunden. Mit offenen Haaren machst du immerhin einiges her, dann wirkst du nicht als wärst du grade vom Set eines Retrofilms geflohen.“, folgte sogleich die spitze Bemerkung des Älteren, bevor dieser ein Notizbuch auf dem Tisch aufschlug, dessen Inhalt für einen Moment überflog und dann auch schon um den Lehrertisch herumging und sich an den Tisch anlehnte.
Er seufzte leicht, strich sich im Anschluss leicht über den Nasenrücken und wendete seinen Blick dann auch schon in den Raum. Hätte er gewusst, das Josuke ihm derart penetrant nachlaufen würde, hätte er sich für jenes Experiment mit Sicherheit eine andere Person gesucht, welche ihm zudem auch noch weniger Ärger bereitete. Zu schade, dass es einfach nicht möglich war, etwas dergleichen schon zuvor zu wissen. Eines jedoch, musste er ihm lassen; durch seine komische Frisur war er ihm wenigstens aufgefallen – selbst wenn das für Rohan inzwischen nicht mehr zwingend ein positiver Nebeneffekt war.
„Rate mal, wem ich das zu verdanken habe. Ausgesucht habe ich es mir nämlich nicht, aber das verstehst du sowieso nicht.“

Josuke knirschte nach jenen Worten mit den Zähnen und verbiss sich einen weiteren Kommentar in jenem Moment, wollte vor den ganzen Studenten – und mitunter auch besonders vor Kakyoin – nicht unbedingt ausfallend werden, selbst wenn dies eine unvergleichliche Körperbeherrschung erforderte, von welcher er eigentlich nicht dachte, sie überhaupt zu besitzen. Immerhin hatte er es sich nicht ausgesucht, an jenem Tag mit offenen Haaren herumzulaufen und war darüber auch sichtlich verärgert. Seine Emotionen unter Kontrolle zu haben, war immerhin zu viel verlangt, wenn er bereits seine aufkeimende Rage unter Kontrolle halten musste. Schließlich jedoch kehrte die Stille in den Raum ein, die Studenten so wie der Higashikata selbst warteten aufmerksam auf die Worte des Kursleiters.
„Dann solltest du vielleicht anfangen, es so zu lassen. Die 50er sind immerhin schon lang vorbei; für den Fall, dass du das noch nicht bemerkt hast.“, konnte er sich die Gegenantwort einfach nicht nehmen lassen, räusperte sich danach aber auch schon, wechselte das Thema und schüttelte noch einmal den Kopf.
Ein Grinsen musste er sich ebenfalls verkneifen, nachdem er bemerkte, das Josuke bereits die Fäuste ballte. Ihn zu ärgern war deutlich zu amüsant – vor allem, da er sich in Rohans Augen noch aus einem ihm unersichtlichen Grund zurückzuhalten schien. Dies machte die ganze Situation schon beinahe wieder interessant.

Leicht schüttelte der Mangaka im Anschluss dennoch den Kopf und ließ das Thema erst einmal unter den Tisch fallen, um den Unterricht zu beginnen. Immerhin konnte er wegen einem einzigen Schüler nicht seinen ganzen Plan verschieben, das kam gar nicht erst infrage. Somit räusperte er sich nur schnell und begann dann zu sprechen.
„Also gut, wir waren bei den Grundlagen des Porträtierens. Wiederholen wir das alles noch einmal kurz für unseren... Neuzugang. Wer kann die Grundlagen noch einmal erklären?“
Dass er trotz allem nicht davon begeistert war und innerlich hoffte, dass eben jene Stunden die Ersten und gleichzeitig Letzten sein würden, in welchen er den Higashikata in seinem Kurs ertragen musste, war ihm deutlich anzusehen. Die Studenten blickten für einen Augenblick zu dem Neuzugang und schienen die Meinung des Kursleiters vorerst zu teilen, schienen auf diese Wiederholung verzichten zu können, mussten sich jedoch damit arrangieren. Auch Josuke konnte darauf verzichten, immerhin war all das für ihn nicht einmal wichtig.
„Das du jemals bei irgendetwas auf mich Rücksicht nehmen würdest…“, murmelte Josuke mit sarkastischem Unterton.
Schließlich jedoch hoben einige der Studenten die Hände, meldeten sich vorbildlich und schienen in jenem Augenblick zu resignieren. Eine Wiederholung konnte immerhin niemandem schaden, selbst wenn es für jene Studenten eigentlich bereits seit langem an der Zeit war, von der Theorie in die Praxis umzusteigen. Immerhin nutzte Theorie der Kunst selbst kaum.
„Mache ich nicht, die Zeit erlaubt es einfach nur.“, beendete der Mangaka dann auch schon das Thema für sich selbst und leitete im Anschluss, nach den ersten Antworten, auch schon die mündliche Wiederholung ein – selbst, wenn er sich dabei auch schon versuchte kurzzuhalten, aus Rücksicht auf die anderen Schüler.

Josuke selbst musste gestehen, dass dieses Thema komplizierter klang, als er es sich selbst vorgestellt hatte. Immerhin gab es viele Faktoren, auf die man achten musste und er selbst hatte bereits in der Hälfte der Erklärung den Faden verloren. Dies auch nur im Entferntesten zu leugnen, machte einfach keinen Sinn. Seufzend lehnte er sich zurück und schloss die Augen für einen Moment, konnte den Studenten einfach nicht mehr folgen. Gestört wurde er in seiner Entspannung schließlich nur durch ein Fingerschnipsen, welches sich augenscheinlich direkt neben seinem Ohr befand. Josuke schreckte auf, blickte erneut direkt in das Gesicht von Rohan, welcher unmittelbar neben ihm stand.
„Wenn du schlafen willst, kannst du auch bei dir im Unterricht schlafen. Ich hoffe für dich, dass du schlau genug warst, eine Freistellung einzufordern, oder dir wenigstens etwas sinnvolles für dein Fernbleiben vom Unterricht einfallen zu lassen.“, hallten seine Worte schon beinahe in den Ohren des Higashikata wider.
„Was ich in meinem Unterricht mache, geht dich relativ wenig an. Aber ja, ich habe eine Freistellung, mach dir darum keine Gedanken.“
Lüge.
„Außerdem bin ich ohnehin nur hier, um von dir eine Entschuldigung entgegenzunehmen; du weißt genau weswegen.“, gab der Dunkelhaarige dem Älteren scharf wieder.

Nur einen Moment lang musterte er den Kursleiter und schnaufte dann, schüttelte den Kopf und setzte sich wieder ordentlich hin, strich sich kurz durch sein Haar, wischte sich die losen Strähnen aus dem Gesicht und sah den Älteren provozierend an.
Würde der Lehrer sich wirklich vor seinen Studenten provozieren lassen?
Es machte nicht den Anschein, auch wenn der Higashikata eigentlich vermutet hatte, dass der Ansatz perfekt wäre. Leicht musste Rohan lächeln. Man konnte nicht deutlich herausfiltern, ob er die Situation wirklich als amüsant erachtete oder er sich doch nur über den Schüler lustig machte. Eines von beidem musste es jedoch sein.
„In deinem Unterricht also... Ich wusste nicht, dass inzwischen auch schon hitzköpfige Schüler vom Lehramt zugelassen werden.“, konnte sich der Zwanzigjährige einfach nicht verkneifen und deutete Josuke dann auch schon aufzustehen.
Wenn er nicht mitarbeitete, musste er der Aufgabe hörig werden, als Modell der aktuellen Stunden zu dienen.
„Ich kann dir gern zeigen, wie hitzköpfig ich wirklich werden kann.“, murrte der Schüler und bleib sitzen „Ich lasse mir von dir nicht vorscheiben was ich zu tun habe, es sei denn du bittest mich darum.“
Ein leichtes provozierendes Lächeln zuckte über die Lippen des Higashikata, folgte er doch normalerweise den Anweisungen der Lehrer, doch in jenem Fall war es etwas vollkommen anderes. Dieser Lehrer gehörte nicht zu denen seiner Schule und hatten somit auch keinen Kontakt zu seiner Mutter, eine Beschwerde würde es somit nicht geben, nicht über sein Verhalten und auch nicht über seine Worte. Der einzige, der ihn noch verraten konnte, war… Noriaki Kakyoin.
„Nur zu, dann können die Anwesenden diesen Eindruck wenigstens gleich einfangen und für das Kursziel verwenden. Zwingen kann ich dich nicht, dich vorne auf den Stuhl zu setzen, also solltest du besser entscheiden, was du eigentlich willst. Was diesen Kurs angeht, ist es ein freier Kurs für jeden, der Teilnehmen möchte – aber wenn du keine Lust hast, kannst du deine Zeit auch sinnvoll in der Schule verbringen. Ich halte dich garantiert nicht auf.“

Der Mangaka hob die Hände und zuckte mit den Schultern. Die Antwort, welche er erwartete, sollte schnell folgen, vielleicht sogar ein wenig zu schnell. Immerhin musste sich langsam einmal entscheiden lassen, ob seine Schüler mit Josuke oder ihm als Modell vorliebnehmen mussten. Augenblicklich stand der Schüler auf, schien wenigstens für einige Sekunden zu resignieren, schnaufte und ging zu dem Stuhl, biss sich auf seine Lippe und setzte sich. Seine Augen fixierten den Kursleiter, in jenem Moment konnte er nur den Lehrer ansehen, wollte sich nicht auf die Studenten konzentrieren. Schon gar nicht wollte er den Blick sehen, welcher ihm eventuell von dem Rothaarigen zugeworfen wurde.
„Los, zeig mir was ich machen muss.“, murrte der Schüler, „Ich habe noch nie für einen Kunstkurs gemodelt, wenn man das überhaupt so nennen kann...“
„Gar nichts. Im Grunde musst du nur dort sitzen, meinetwegen musst du auch nicht vollkommen stillhalten – immerhin sollen sie dich nur porträtieren – es wäre nur recht hilfreich, wenn du wenigstens in die gleiche Richtung sehen könntest – wegen dem Lichteinfall.“
„Also gut, aber wenn der Kurs hier vorbei ist, dann will ich mit dir unter vier Augen reden.“, entgegnete der Schüler und setzte sich gerade hin.

Kurz strich er sich noch einmal einige Haare aus dem Gesicht, versuchte eben jene hinter seinem Ohr zu befestigen und sah dann weiterhin in die Richtung des Kursleiters. Dieser stand noch immer vor dem Fenster, vor dem Platz, an dem er vor wenigen Minuten noch gesessen hatte.
„Meinetwegen, aber dann musst du bis heute Nachmittag warten. Das hier ist nur meine erste Klasse, danach warten noch fünf Weitere.“, bestätigte der Kishibe die Worte und kam im Anschluss wieder auf den Schüler zu, nur um ihm die Haare wieder ins Gesicht zu streichen, „Lass es so, das macht den Schattenwurf ein wenig komplizierter und diese Klasse ist von meinen aktuell betreuten die Fortgeschrittenste.“
Für einen Moment packte Josuke die Hände des Kursleiters und sah ihm direkt ins Gesicht.
„Fass meine Haare nicht noch einmal an, du hast sie heute schon aus ihrer Form gebracht. Wenn du sie richten willst, dann frag vorher, wie jeder andere Mensch auch.“, fauchte der Higashikata, „Und was deine Kurse angeht, meinetwegen. Ich warte, ich bleibe aber hier. Genau hier.“
„Wie du meinst, aber du hast dich als Modell bereiterklärt, denkst du, die großen Models werden bei jedem Handgriff gefragt? Das hier ist quasi das Gleiche, nur in anderer Branche. Du bist wirklich beratungsresistent.“, schüttelte Rohan den Kopf und hielt sich die Stirn mit zwei Fingern.
Auf alles andere musste er schon gar nicht mehr antworten, es erklärte sich in gewissem Sinne von selbst, das Josuke dann bei ihm bleiben musste – unter anderen Umständen hatte er immerhin auch kein Aufenthaltsrecht im Kurs. Wahrscheinlich hatte der Higashikata selbst dies nicht einmal bedacht.

Einige der Strähnen schob er dennoch wieder aus seinem Sichtfeld, fixierte den Kursleiser noch einmal und biss sich auf die Lippe. Seine Gefühle diesem Mann gegenüber, waren unklarer als er es gehofft hatte. Auf eine gewisse Weise fühlte sich Josuke mehr als nur vorgeführt, doch verbrachte er Zeit mit dem Mann, den er kennenlernen wollte, trotz seine komischen und beinahe schon übermütigen Art. Doch sie hatten sich immerhin auch gegenseitig provoziert.
Und wo konnte man einen Lehrer besser kennenlernen als in seinem Unterricht?
„Ich bin aber keines dieser großen Models, ich bin lediglich ein Schüler, der von dir genötigt wurde.“, gab Josuke ihm wieder und wurde am Ende des Satzes leiser.
Immerhin musste der Rothaarige diese letzten Worte nicht unbedingt hören. Angekommen waren sie aber wahrscheinlich ohnehin. Der ganze Raum war so ruhig, alle Teilnehmer des Kurses waren so still… Für diese ganzen angehenden Künstler mussten sie und ihre Meinungsverschiedenheiten in jenem Moment so interessant sein wie eine Live-Show, doch Rohan schien dies nicht zu stören. Er konnte alles, was sich auch nur ansatzweise um Gerüchte über ihn drehte, noch immer einfach ignorieren. Darin musste er in seinem Job ohnehin ein Meister sein, Erfolg zog immerhin grundsätzlich Gerüchte mit sich – vor allem wenn man so schnell populär wurde wie er selbst. Wenn er ehrlich sein sollte, genoss er es in jenem Moment sogar, nicht von jedem in der Stadt erkannt und angesprochen zu werden, auch wenn er bereits fest davon ausging, dass mindestens einer seiner Schüler ihn mit Sicherheit kannte. Diesem war dann jedoch ziemlich hoch anzurechnen, den Mund darüber zu halten.

Zu Tokyo war diese kleine Stadt aber ohnehin kein Vergleich.
„Grade bist du aber ein Modell, das meine Schüler zeichnen sollen, also hör‘ auf, dich zu beschweren und mach einmal das, was man dir sagt; meine Güte.“
Josuke musste gegen den Drang ankämpfen, den Kopf zu schütteln. Dieser Mann hatte sein komplettes Leben auf den Kopf gestellt, dafür sollte der Higashikata ihn nicht mögen – auch nicht, wenn er genau wusste, dass es eigentlich eine gewisse Form von Ehre war, als Modell für ein Kunstprojekt ausgewählt zu sein. In jenem Moment wollte er jedoch auch nichts mehr sagen, wusste, dass jedes weitere Wort, ein Wort zu viel sein könnte und die Schüler dieses Kurses hatten immerhin keinerlei Schuld an der Misere, welche er durch Rohan erlebte. Ihnen würde er dadurch immerhin die Arbeit erschweren. Doch die Stille wirkte nach einer Weile mehr als nur erdrückend – selbst, wenn die Teilnehmer des Kurses selbst sich nicht daran zu stören schienen. Sie brauchten die Ruhe und Konzentration, das verstand er, doch er selbst konnte die Totenstille kaum ertragen, hörte Melodien in seinem Kopf, zu welchen er den Fuß leicht bewegen musste. Einfach nur dort zu sitzen und nichts zu machen, zog die Zeit einfach nur in die Länge und ließ eine simple Stunde wie eine Ewigkeit wirken. Er selbst bemerkte es nicht einmal wirklich, doch Rohan ging auch nicht dazwischen. Vielleicht war es der leicht abwesende Ausdruck in seinen Augen, der die Porträts seiner Schüler besonders machen würde. Zudem konnte er sich nicht beschweren, wenn er in jenem Augenblick in seinen eigenen Gedanken gefangen war.

Nachdem Rohan das erste Mal den Unterricht beendete, war genau eine Stunde vergangen und dennoch fühlte es sich für den Sechzehnjährigen schon wie ein halber Tag an. Für einen Kunstkurs zu Modeln war anscheinend eine wesentlich größere Herausforderung als er es geglaubt hatte. Der Higashikata lehnte seinen Kopf in seinen Nacken, versuchte die Verspannung, welche sich dort unbemerkt gebildet hatte, somit ein wenig zu lösen und schnaufte, strich sich über den Hals und wollte nach seiner Tasche greifen doch…
Hatte er eben jene nicht bei Okuyasu gelassen?
Leise seufzte er und hielt sich die Stirn, in jenem Moment verfluchte er wirklich, einfach kopflos losgestürmt zu sein. Eine Ausrede hatte er immerhin auch nicht parat und ein Ass im Lügen war er auch nicht. Vielleicht hätte er ein wenig früher über alles nachdenken sollen, doch Planen war ebenfalls keine seiner Stärken.
„Hast du schon keine Lust mehr? Während der Pausen kannst du im Übrigen aufstehen.“, konnte Rohan sich mit einem Grinsen auf den Lippen einfach nicht verkneifen.

Kurzerhand stand der Schüler auf und streckte sich, schüttelte den Kopf und strich sich einige Haarsträhnen aus dem Gesicht. Wie gerne hätte er dem Älteren dieses Grinsen auf seine Weise aus dem Gesicht gewischt, doch das konnte er sich in jenem Augenblick nicht leisten.
„Tut mir wirklich leid dich enttäuschen zu müssen, aber ich habe mich inzwischen damit arrangiert, hier zu sitzen und mich zeichnen zu lassen… Das einzige Problem ist, das ich nichts zum Trinken dabeihabe.“, seufzte Josuke leise.
„Damit enttäuscht du mich nicht, damit ersparst du mir Arbeit und wenn du etwas trinken möchtest, kannst du dir unten im Pausenraum einen Kaffee holen. Für Kurszugehörige – das schließt die Modelle im Übrigen mit ein – ist er kostenlos; schmeckt aber auch genau so. Trotzdem ist es besser als nichts.“, entgegnete Rohan gleich und setzte sich vorerst wieder an das Lehrerpult, blätterte in seinen Unterlagen und schien etwas Bestimmtes zu suchen, dabei aber anscheinend nicht fündig zu werden.

Nur für einen Augenblick wollte der Higashikata wiederversprechen, doch schüttelte er schließlich einfach nur den Kopf. Wenn der Kaffee kostenlos war, beschwerte sich der Sechszehnjährige mit Sicherheit auch nicht darüber.
„Gut… Würdest du mir dann noch erklären wo dieser Pausenraum liegt?“, fragte er und betrachtete den Kursleiter.
„Wie ich schon sagte, in der unteren Etage – die große Tür zur rechten Seite der Treppe. Allerdings steht es auch auf einem Schild über der Tür und man kann durch die Fenster in der Tür sehen. Er sollte also kaum zu verfehlen sein.“, folgte auch sogleich die Antwort.
Für einen Moment aufzusehen, schien der Mangaka nicht für notwendig zu halten. Dennoch wendete er seine Worte im Anschluss noch einmal an den Jüngeren als er bemerkte, dass eben jener sich anscheinend gleich auf den Weg machen wollte.
„Aber du solltest darauf achten, dass du in fünf Minuten wieder hier bist. Noch ist nicht Mittagspause.“, gab er nur noch zu bedenken.
Schnell nickte der Schüler und machte sich auf den Weg, beeilte sich in jenem Augenblick ein wenig, um die fünf Minuten einhalten zu können, zumal er wenigstens versuchte, daran zu denken, dass er sich in jenem Augenblick in einem ihm vollkommen fremden Gebäude befand. Als er den Pausenraum erreicht und betreten hatte, bemerkte er das die Kaffeemaschine noch eingeschaltet war, dementsprechend wohl auch kurz zuvor erst benutzt wurde. Der übrige Kaffee war also noch warm und dies erfreute Josuke ungemein. An jenem Morgen hatte er immerhin noch keinen Kaffee getrunken und so lange er seinen Zweck erfüllte war es dem Dunkelhaarigen auch egal wie er schmeckte.

Somit machte er sich, nachdem er sich eine Tasse mit dem bitteren Getränk gefüllt hatte und sowohl Zucker als auch Milch dazu gemischt hatte, wieder auf den Weg in den Kursraum aus welchem er kam. Weniger gerechnet hatte er allerdings damit, dass ihm anscheinend doch noch jemand auf dem Weg aufhalten würde – jemand, wenn er genau sein sollte würde. Ein gewisser rothaariger Eindringling schien in jenem Augenblick noch auf ihn zu warten; eine andere Person befand sich zu jenem Zeitpunkt immerhin nicht einmal auf dem Hauptgang. Josuke seufzte. Er war genau Derjenige, mit welchem er nur um Jotaros Willen überhaupt verkehren wollte, denn wenn er ehrlich sein sollte, wusste er in seinen Augen bereits genug über Kakyoin, um sich eine Meinung bilden zu können. Eigentlich wollte er den Rothaarigen nur flüchtig grüßen und dann wieder gehen, immerhin hatte er inzwischen nicht einmal mehr fünf Minuten Zeit, doch konnte er sich dies nicht erlauben. Nicht wenn er sich jeglichen weiteren Ärger ersparen wollte, denn immerhin war dieser Mann neben Rohan der Einzige, welcher wusste, dass er zu jenem Zeitpunkt nicht in der Schule war. Er musste sich also mit diesem Eindringling gutstellen.
„Guten Morgen.“
„Guten Morgen, wie geht es dir? Ich wusste gar nicht, dass du unseren Kursleiter kennst.“, versuchte Noriaki wenigstens ein Gespräch zu beginnen.

Er selbst hatte in diesem Moment immerhin nichts Weiteres zu tun, plante auch für diesen Tag nichts und ging aus jenem Grund davon aus, das Josuke auch gerade gehen wollte.
„Ich würde sagen, dass wir noch in der Kennenlernphase sind.“, entgegnete der Schüler kurz, „Bist du später wieder bei uns zuhause?“
In jenem Augenblick biss sich der Dunkelhaarige auf die Zunge, wollte eigentlich nicht wirklich viel Zeit mit dem Rothaarigen verbringen, doch hatte er Jotaro gesagt, dass er sich mit ihm auseinandersetzen würde und dieses Versprechen wollte zweifellos eingehalten werden.
„Deine Mutter hatte mich eingeladen, mir aber geraten, das vorher noch mit dir abzusprechen, deswegen ist es vielleicht ganz gut, dass ich dich heute hier getroffen habe. Wenn du also möchtest, kann ich später noch einmal vorbeikommen, vielleicht wird es dann nicht so holprig wie beim ersten Mal.“, versuchte er noch einmal anzubringen, bevor er seine Worte noch einmal benickte.
Auch er schien auf eine gewisse Weise nervös zu sein. Leicht nickte der Dunkelhaarige – wenn innerlich auch widerwillig – und hob die Tasse an seine Lippen, trank schon einmal einen Schluck von dem bitteren Getränk und musste feststellen, der Kursleiter hatte mit seinen Worten nicht unrecht; zumindest was die Qualität des Kaffees anbelangte.
„Wenn du später vorbeikommen willst, kannst du das gerne tun. Vielleicht können wir uns dann wirklich kennenlernen, ich meine… Ich war vorgestern einfach überfordert. Jotaro hat mir nie von irgendeinem Freund erzählt.“, entgegnete der Josuke.

Noch im gleichen Moment wank Kakyoin ab und schüttelte den Kopf.
„Die ganze Situation ist auch ein wenig anders gelaufen als es von allen geplant war. Mich wundert es auch nicht, dass du noch nichts von mir wusstest, die Zeiten waren zwischendurch ein wenig schwierig und es ist viel passiert, über das man vielleicht nicht allzu gern redet, vor allem nicht, wenn man grade auf dem Sprung ist. Aber ich will dich nicht aufhalten; sag mir bestenfalls einfach eine Zeit und dann komme ich später noch einmal bei euch vorbei.“, schlug er schließlich vor.
Für einen Moment hob Josuke eine Augenbraue an, nickte dann aber einfach nur um Jotaros Willen. Er wollte dem Rothaarigen wenigstens die Chance geben ihm all dies zu erklären. Vorschnell zu urteilen sollte eigentlich nie eine Option sein, auch nicht in einem solchen Fall, doch zugegeben war es schwerer als man die Worte einfach dahinsagen konnte.
„Wie wäre es, wenn du gegen achtzehn Uhr bei uns bist? Bis dahin dürfte ich mit allem Wichtigem fertig sein.“, gab der Higashikata dem Rothaarigen wieder.
„Sicher.“, bestätigte der Angesprochene gleich noch einmal schnell, bevor er auch schon seine Hand zum Gruß hob und sich zum Gehen umdrehte.
Wenn Josuke ehrlich sein sollte, war dieses Gespräch wahrscheinlich das Schwierigste, welches er in den letzten Jahren geführt hatte; selbst unter dem Aspekt, dass es wahrscheinlich auch das Kürzeste war. Er hatte sich auf eine gewisse Weise ertappt gefühlt. Dennoch schüttelte der Dunkelhaarige schnell den Kopf und beeilte sich nach der Verabschiedung nur noch, zurück in den Kursraum zu kommen. Mit der Zeit schien er in jenem Augenblick wenigstens einmal Glück zu haben.

Die Tür des Kursraumes stand noch immer offen, zwar saßen schon einige Studenten deren Gesichter der Schüler nicht zuordnen konnte in dem Raum, doch noch schien der zweite Kurs nicht begonnen zu haben. Somit schien er trotz der Unterhaltung noch gut in der Zeit zu liegen. Erleichtert das er es doch noch rechtzeitig zum Kursbeginn geschafft hatte, trank der Schüler noch einen Schluck des Kaffees und stellte die Tasse schließlich erst einmal auf den Rand des Lehrerpultes, denn sein zuvor besetzter Platz war inzwischen von einem der neuen Kursmitglieder besetzt. Zudem sagte Rohan in jenem Moment nicht einmal etwas dagegen, das er das Lehrerpult somit ebenfalls benutzte. Josuke musste sich in jenem Augenblick eingestehen, dass der Kursleiter wahrscheinlich auch einmal ganz freundlich sein konnte, auf seine eigene Art, aber wenigstens freundlich. Dennoch herrschte kein sonderlich weitreichender und ausschweifender Kontakt mehr zwischen den beiden, bis endlich die Mittagspause eingeläutet wurde und Rohan sich dementsprechend noch einmal von seinem Platz erhob und gleichzeitig seine Tasche schulterte. Im Anschluss wank er Josuke gleich mit sich.
„Komm mit. Ich gehe mir jetzt selbst etwas zum Mittagessen holen und ich lasse dich nicht hier im Raum allein. Ohne das Lehrpersonal haben sich Schüler – oder Zuschauer, Modelle und was auch immer – nicht in den Klassenräumen aufzuhalten.“, erklärte er kurz und knapp, bevor er einen Schlüsselbund aus der Schublade unter dem Pult hervorholte.
Anscheinend waren dies die Schlüssel zu den Kursräumen und Ausstellungsräumen.
„In Ordnung.“, gab der Higashikata nur knapp wieder.
Sich aufzulehnen hatte ohnehin keinen Zweck und sich die Beine ein wenig zu vertreten, war nach all dem Sitzen vielleicht auch nicht allzu schlecht.

Er nahm die Kaffeetasse zur Hand, welche er inzwischen ausgetrunken hatte und folgte dem Kursleiter aus dem Raum und schließlich auch nach unten. Josuke musste sich immerhin nicht um seine Tasche sorgen, geschweige denn musste er sich um die Tragetasche kümmern, welche der Kursleiter ihm für das schmutzige Hemd gegeben hatte. Seine Schulsachen so wie die Tragetasche waren noch immer bei Okuyasu und am Abend musste er sich dringend noch wegen dieses Vorfalls bei seinem besten Freund entschuldigen. Vorerst waren dies jedoch Probleme, welche er für einen Augenblick beiseiteschieben konnte und wahrscheinlich auch musste. In seinem Kopf war kein Platz dafür. Das Gleiche galt dafür, sich in jenem Augenblick mit irgendetwas Anderem zu beschäftigen. Es funktionierte nicht.

Im Grunde war es schlimm genug, dass er sich wie ein treuer Hund fühlte, während er Rohan nachlief und nicht einmal wusste, wohin dieser eigentlich gehen wollte, nachdem er schon das Kursgebäude verlassen hatte. Eine Auskunft hatte er ihm immerhin nicht zugestanden und schien auch nicht zu planen, dies irgendwann noch zu tun. Allerdings verstand Josuke nach einer Weile bereits, wohin sie anscheinend auf dem Weg waren – der Coffeeshop vom Vortag. Anscheinend war er dort öfter anzutreffen. Leise seufzte der Schüler schließlich und besah sich den Kursleiter von der Seite, in jenem Augenblick hatte er immerhin wenigstens einmal die Zeit dafür. Seine Gesichtszüge waren unglaublich sanft, auf eine gewisse Weise jedoch wirkte dieser Mann auch unglaublich gestresst.
Hatte er vielleicht in der Nacht nicht gut geschlafen?
Oder arbeitete Rohan vielleicht einfach nur zu viel?
Josuke kannte die Antwort auf diese Fragen nicht, wollte jedoch auch nicht nachfragen, selbst wenn er sich auf eine unangenehme Art und Weise für diesen Mann interessierte, der ihn immer wieder vorzuführen schien.
„Du trinkst gern Kaffee, habe ich recht?“, stellte der Schüler schließlich die unbeholfene Frage, wollte irgendwie die Stille zwischen ihnen vertreiben und noch einmal ein Gespräch beginnen.
„Nein, ich gehe zum Coffeeshop, um mir ein Wasser zu kaufen. Aus welchem Grund sollte ich dir sonst gesagt haben, dass der Kaffee im Pausenraum nicht schmeckt?“

Den Sarkasmus hatte man deutlich in seiner Stimme gehört. Das war dann wohl die falsche Frage, um ein Gespräch zu beginnen, das hatte Josuke somit auch bemerkt.
„Könnte ja auch sein, dass du einfach nur einen ziemlich hohen Standard hast, der Shop ist immerhin ziemlich teuer.“, murrte der Schüler augenblicklich, „Aber du hast schon recht, der Kaffee aus dem Pausenraum hat ein bisschen wässrig geschmeckt, seinen Job hat er aber wenigstens erfüllt. Auch wenn ich gestehen muss, dass ich den Kaffee meiner Mutter lieber trinke.“
Nach jenen Worten blickte der Dunkelhaarige vor sich auf die Straße, denn den Kursleiter weiterhin zu betrachten hatte in seinen Augen keinen Sinn. Seine Gesichtszüge ließen immerhin nicht einmal erahnen was in ihm vor sich ging, auch wenn sie angenehm anzusehen waren.
„Das kann ich nicht beurteilen, brauche ich aber wahrscheinlich auch nicht. Außerdem spricht nichts dagegen, einen höheren Standard zu haben.“
„Musst du auch nicht, das habe ich immerhin nicht von dir verlangt. Ich finde nur, dass man sich auch in manchen Dingen einschränken kann, wenn man sie nicht braucht.“, entgegnete der Schüler und sah wieder zu dem Älteren.
„Glaub‘ nicht, dass ich das nicht weiß.“, folgte augenblicklich die Antwort des Älteren im Zusammenhang mit einem kurzen Fingerzeig.
Anscheinend musste er in jenem Moment förmlich beweisen, dass er genau wusste, welchen Weg sie gehen mussten. Doch er hatte sich die Stadt in den vergangenen Tagen auch nicht umsonst angesehen. Immerhin musste er die ganzen Straßen – in dieser oder leicht abgeänderter Form – im Zweifelsfall auch aufs Papier bringen können, wenn es in seinem Oneshot darum ging.

All das diente einem gewissen Zweck der Recherche und leugnen konnte er immerhin auch nicht, dass es ihm vielleicht ein wenig in die Hände spielte, das Josuke ihm an jenem Morgen nachgelaufen war. Für Leser wirkten ständig wechselnde Protagonisten immerhin auch nur verwirrend und wenn er diesen Idioten nur für ein Jahr ertragen musste, war es die Storyline vielleicht wert. Dafür gesorgt, dass sie sich nicht auf normalem Weg kennenlernten hatte er immerhin bereits. Das dies etwas Verrücktes war, ließ ebenfalls keinen Zweifel zu. In Gedanken nickte sich Rohan selbst zu. Kurz seufzte Josuke folgte dem Älteren jedoch weiterhin, immerhin kannte den Weg bis zu dem Coffeeshop nicht auswendig, hatte er doch bis vor ein paar Tagen nicht einmal gewusst, dass er existiert, weil ihn jener Teil der Stadt einfach nicht interessieren musste; bis zu jenem Augenblick.
„Ich werde echt nicht schlau aus dir, wenn du doch weißt, dass man sich auch einschränken kann, wieso tust du es dann nicht?“, fragte der Dunkelhaarige nach, „Außerdem habe ich da noch eine Frage an dich… Ich wollte sie dir eigentlich schon die ganze Zeit stellen, aber… Irgendwie ist immer etwas dazwischengekommen.“
Sollte er diese Frage wirklich stellen?
„Ich weiß nicht, ob ich sie die beantworten kann, aber du kannst es immerhin versuchen.“, schüttelte Rohan den Kopf, ignorierte den ersten Teil der Ausführungen einfach.

In diesem Augenblick war es das Wortgefecht nicht wert, noch einmal genauer darauf einzugehen, nicht nachdem er ohnehin bereits ein wenig genervt von Josuke war. Eben jener hätte sich als Modell immerhin auch nicht derart zieren müssen. Dies hätte augenscheinlich nicht nur ihm selbst Arbeit erspart. Für einen Moment sah der Dunkelhaarige seinen Begleiter an, bevor er sich dazu durchringen konnte, die Frage zu stellen, welche ihm seit ihrem ersten Zusammentreffen nicht mehr aus dem Kopf ging.
„Wieso hast du das gemacht?“, fragte Josuke schließlich kurz und knapp.
Eine Antwort auf diese Frage brauchte er jedoch gar nicht erst erwarten – oder zumindest ganz sicher nicht die, welche er hören wollte. Selbst wenn er sich auch dabei nicht sicher war. Es gab keine passende Lösung für das, was er hören wollte, weil er sich selbst nicht sicher war.
„Das frage ich mich langsam auch.“
Für einen kurzen Moment blieb Josuke stehen, eilte dem Älteren aber augenblicklich wieder nach und schüttelte den Kopf, fragte sich ob es diese Antwort wirklich wert war. Wahrscheinlich hatte jeder in seiner Umgebung recht und der Fremde hatte einfach keine Beweggründe.
„Also nennst du mir keinen Grund?“, stellte der Higashikata seine nächste Frage und sah auf den Boden.
„Bin ich dir eine Rechenschaft schuldig?“, folgte sogleich die Gegenfrage.

Das Schlimmste an der Situation war in jenem Moment, das er auf eine gewisse Weise auch noch recht mit diesen Worten hatte. Sie kannten sich immerhin so gut wie gar nicht. Genau genommen kannte Josuke immerhin noch nicht einmal den Namen des Mangaka. Er wusste weder über seine Hobbys Bescheid noch über das, was er in seiner Freizeit machte. Nahm man es genau, konnte er nicht einmal behaupten, dass er seinen Job kannte – immerhin war der Kunstkurs auch nur eine Überbrückung, bis seine Inspiration zurückkehrte, nur das der Higashikata davon nicht einmal etwas ahnen konnte. In diesem Moment hoffte er jedoch mehr als alles andere, dass es nicht mehr allzu lang dauern würde, weder bis sie an dem Coffeeshop angekommen waren noch bis er endlich irgendetwas über denjenigen wusste, der ihn immerhin auch schon geküsst hatte.
„Nein, natürlich nicht.“, entgegnete der Higashikata seufzend, „Ich hätte es einfach nur gern gewusst, weil... Naja es war das erste Mal.“
In jenem Augenblick fühlte sich Josuke ein wenig vor den Kopf gestoßen, hatte irgendwie nicht mit einer derart abweisenden Art gerechnet, zumal der Fremde ihn in diese Situation gebracht hatte und er sich somit sicher war, wenigstens einen Grund verlangen zu können.
„War es bei mir auch, also wo ist das Problem? Ich glaube, du interpretierst da ein wenig zu viel rein.“
„Es war auch dein erster Kuss?“

Der Higashikata war schockiert von jenen Worten, hatte nicht erwartet diese zu hören und biss sich leicht auf die Lippe und blieb für wenige Sekunden stehen, nur um dann mit schnellen Schritten wieder zu dem Künstler aufzuschließen. Der erste Kuss sollte immer jemandem gehören den man liebt und nicht einem Fremden geschenkt werden, zumindest hatte er dies so gelernt. Seine Mutter hatte ihn in dieser Hinsicht wahrscheinlich doch ein wenig zu sehr beeinflusst.
„Ich will ehrlich zu dir sein, auch wenn es vielleicht komisch klingt… Dieser Kuss hat mein Leben vollkommen auf den Kopf gestellt, ich bekomme ihn nicht mehr aus dem Kopf und aus diesem Grund hasse ich dich auch auf eine gewisse Weise, aber… Ich will wissen wieso du das gemacht hast, deswegen will ich dich kennenlernen. Egal unter welchen Umständen, ich habe ein Recht darauf zu erfahren, wieso du das gemacht hast.“, fügte Josuke seinen Worten hinzu und packte den Kursleiter am Handgelenk.
„Viel Glück dabei.“
Sich mit einer Wand zu unterhalten, war in jenem Moment schon beinahe die sinnvollere Option. Doch die Art und Weise, wie Rohan seine Worte gewählt hatte, war mit Sicherheit auch kein Zufall. Irgendetwas hatte er damit aussagen wollen, und…
Täuschte er sich, oder handhabte dieser Kerl Josuke in jenem Moment wirklich als würde er gar nicht über ihn sprechen und all das ging ihn selbst nicht einmal etwas an?

Vielleicht hatte er die Situation noch nicht verstanden, auch wenn der Higashikata allmählich zu glauben begann, dass dies möglicherweise der Plan des Anderen war – auf eine gewisse Weise also mehr als nur Absicht. Fakt war, das er sich mehr als merkwürdig verhielt, noch merkwürdiger als er selbst oder Okuyasu, wenn dieser versuchte, irgendetwas zu verheimlichen und bereits wusste, dass dieses Vorhaben scheitern würde. Dennoch bedeutete dies nicht, dass er in jenem Moment noch einmal dazu kam, dem Künstler zu antworten, auch wenn ihm die Worte deutlich auf der Zunge lagen. Inzwischen waren sie immerhin bei dem Coffeeshop angekommen und Rohan verschwand beinahe schneller durch die Türen, als Josuke es überhaupt bemerken konnte. Das einzige, was ihn verriet war, dass er sich somit auch endlich aus seinem Griff löste.
„Was für ein unmöglicher Kerl…“, schnaufte Josuke und schüttelte den Kopf.
Er hatte keine Lust auf den Älteren zu warten und dennoch blieb ihm nichts anderes übrig, wenn er mehr von dem Mann erfahren wollte. Er wusste nichts von diesem Kursleiter, zumindest nicht sonderlich viel. Er wusste das er diese Kurse leitete, er wusste das er weitaus genug Geld hatte, um sich wahrscheinlich täglich einen Kaffee in diesem Shop leisten zu können und er war unheimlich von sich überzeugt, wenn nicht gar auf eine gewisse Weise arrogant in seinen Antworten. Dies wusste der Dunkelhaarige bereits, doch wieso er in dieser Stadt war, ob er ein bestimmtes Ziel verfolgte oder einfach nur einen kleinen Spaß für zwischendurch suchte, dass wusste der Higashikata nicht und dies störte ihn ungemein. Denn eines wusste der Schüler, wenn der Ältere ihn nur als Spaß ansah, würde er ihm dies nie verzeihen. Es würde ihn zu sehr an das Verhalten seines Vaters erinnern.

Als Josuke im Anschluss den Coffeeshop selbst betrat, konnte er Rohan bereits am Tresen stehen sehen. Zwar war es nicht so voll wie am Vortag, aber Rohan schien in der Zwischenzeit bereits bestellt zu haben, war bereits zum Warteplatz vorgerückt und tippte erneut auf seinem Handy. Wenn Josuke ehrlich sein sollte, bereute er in jenem Augenblick bereits wieder, nicht augenblicklich mitgekommen zu sein. Manchmal konnte man immerhin selbst an der Wahl des Kaffees schließen, wie eine Person ticken könnte. Doch bereits in jenem Augenblick interessierte ihn das Handy des Älteren schon wieder um einiges mehr. Dessen Bildschirmhelligkeit war jedoch derart weit heruntergestellt, dass man nicht einmal etwas erkennen konnte – zumindest nicht, ohne ihm direkt über die Schulter zu sehen und dies verstand der Kursleiter deutlich zu verhindern. Josuke selbst seufzte schließlich noch einmal und schüttelte leicht den Kopf, als er den jungen Mann noch einmal von der Seite betrachtete. Etwas sagen wollte er in jenem Augenblick jedoch nicht, wollte nicht unbedingt unter den anwesenden Menschen mehr auffallen, als er dies augenscheinlich bereits durch seine Kleidung und seine Frisur tat. Noch immer nagte dieses Ereignis von jenem Morgen an ihm, wühlte ihn innerlich viel zu sehr auf, doch etwas dagegen unternehmen konnte er nicht mehr.

Der Higashikata entschloss sich für einen Moment die Augen zu schließen und zog dann selbst sein Handy aus seiner Hosentasche, um jenes zu entsperren. Alles was er auf dem Startbildschirm sehen konnte, war eine Benachrichtigung seines Handys, dass er eine Kurznachricht von Okuyasu erhalten hatte. Über den Chat hatte er ihn anscheinend nicht erreichen können.
[11:56] Ich habe der Lehrerin gesagt, dass du dich plötzlich übergeben hast, weil dich ja viele schon vor der Schule gesehen haben... Bist du noch bei dem namenlosen Kerl oder nicht? Falls nicht, müsstest du wenigstens später die Tasche abholen, die denken schon alle, ich hätte im Lotto gewonnen. Wenn sich das rumspricht, erklärt mich Keicho für verrückt, oder denkt, dass ich das Zeug geklaut habe. Ich glaube, das denken die in unserer Klasse auch schon.
[12:02] Keine Sorge, ich komme in einer knappen halben Stunde noch einmal an der Schule vorbei, dann kannst du mir die Sachen mitgeben. Ich bin leider immer noch bei dem Kerl, der ist echt unausstehlich, aber… Ich habe glaube ich gute Chancen ihn kennenzulernen, habe zumindest schon einmal seinen Namen.
[12:04] Aus welchem Grund gibst du dich dann mit ihm ab, wenn du ihn unausstehlich findest? Das macht selbst für meine Verhältnisse keinen Sinn.

In diesem Moment war diese eine Frage, welche Okuyasu stellte, in seinen Augen unabdingbar und vor allem wichtiger als die Bestätigung des Treffens. Das konnte sich Josuke im Notfall immerhin auch noch selbst denken. In jenem Augenblick machte Josuke für seinen besten Freund einfach keinen Sinn, selbst wenn dieser es wirklich zu verstehen versuchte. Immerhin musste er sich nach Okuyasus Meinung nicht mit dem Mangaka abgeben, wenn er es doch eigentlich nicht wollte, denn sein bester Freund konnte sich kaum vorstellen das er den Higashikata zu seiner Anwesenheit zwang. Dies machte im Grunde genauso wenig Sinn wie dessen Verhalten selbst.
[12:06] Ich denke, ich bleibe bei ihm, weil ich ihn besser kennenlernen will. Ich will die Hintergründe verstehen und wissen, wieso er so gehandelt hat. Er ist zwar unausstehlich, aber er ist auch irgendwie ziemlich interessant.
Leise seufzte der Higashikata und schloss für einen Moment die Augen, das Okuyasu eben jene Situation nicht verstehen konnte, hätte ihm klar sein müssen. Doch Josuke verlangte auch nicht, dass sein bester Freund ihn in jenem Augenblick verstand. Für ihn selbst war diese Situation mehr als ungewöhnlich, doch aufgeben konnte der Schüler auch nicht nur, weil ihn jemand zurückwies. Hätte er immer augenblicklich nachgegeben, hätte er wohl kaum so viel Kontakt zu seinem Neffen.
[12:09] Du bist komisch, aber gut... Wann sehen wir uns dann? Würde vorschlagen, dass wir uns im Hinterhof der Schule treffen, wenn dich die Lehrer sehen, nachdem ich dich krankgemeldet habe, kann ich mir nicht vorstellen das es gut endet.
[12:12] Gut, ich weiß ja wie ich zum Hinterhof komme. Ich versuche mich auch zu beeilen, gerade sind wir noch bei dem Coffeeshop, bei dem der Kerl sich scheinbar immer seinen Kaffee holt. Lange brauchen wir also nicht und… Danke noch mal, Okuyasu, ohne dich wäre ich wohl vollkommen aufgeflogen.
[12:13] Dafür sind Freunde da.

Neben den Ohren von Josuke raschelte eine Papiertüte, welche ihn augenblicklich aufsehen ließ. Wenn er ehrlich sein sollte, erschrak er sich sogar ein wenig davor, hatte einfach nicht mit dem Geräusch gerechnet, war jedoch zu jenem Zeitpunkt auch ein wenig zu sehr in seinen Gedanken versunken.
„So lang haben wir jetzt auch nicht Zeit, um hier herumzustehen. Chatten kannst du auch auf dem Weg zurück noch.“, folgte im Anschluss auch schon die Stimme von Rohan.
„Vielleicht habe ich einfach nur auf dich und deine Bestellung gewartet?“, entgegnete der Schüler schnaufend und schüttelte leicht den Kopf, „Außerdem woher willst du wissen, was ich an meinem Handy gemacht habe?“
Nach jenen Worten seufzte Josuke leise, ließ sich eine Antwort auf die Kurznachricht allerdings nicht nehmen, selbst wenn er dem Älteren bereits langsam folgte.
[12:16] Wir sind jetzt auf dem Weg, kommen also bald an der Schule vorbei.
Josuke sperrte den Bildschirm und schob das Handy wieder in seine Hosentasche zurück.
„Weil ich davon ausgegangen bin. Entweder hast du gechattet oder irgendein Forum durchgescrollt. Im Grunde ist es mir auch egal, was du an deinem Handy machst – abgesehen davon, dass du anderenfalls vielleicht mitbekommen hättest, dass die Tüte für dich ist; hättest du aufgepasst, heißt das.“
„Für mich?“, fragte der Schüler und sah den Älteren etwas verwirrt an, „Du hast etwas für mich mitbestellt?“

In jenem Augenblick war sich Josuke nicht sicher, ob der Kursleiter wirklich so unausstehlich war, wie er es Okuyasu zuvor geschrieben hatte und bereute seine Worte beinahe schon. Immerhin hatte der Ältere ihm etwas mitbestellt, ohne das er selbst dies gewollt oder erfragt hatte.
„Nein, natürlich nicht. Ich habe nur Spaß daran, dir eine Tüte ins Gesicht zu halten und dich in dem Glauben zu lassen, das ich dir die Wahrheit sage. Glaubst du wirklich, mir ist derart langweilig?“
„Schon verstanden.“, schnaufte der Schüler und schüttelte leicht den Kopf, „Danke dafür, dass hättest du nicht machen müssen, das war bestimmt teuer.“
Nach jenen Worten nahm er die Tüte entgegen und öffnete eben jene, entnahm der Papiertüte ein Focaccia Tomate Mozzarella, welches er für einen Moment betrachtete. Hunger hatte er, das konnte er nicht bestreiten, doch wollte er auch nicht unbedingt Schulden bei einem solchen Kerl haben.
„Willst du das Geld für das Essen wiederhaben?“, fügte er die Frage seinen Worten daher noch hinzu.
„Ich kann mich nicht erinnern, etwas dergleichen gesagt zu haben.“, antwortete der Mangaka gleich und wank Josuke dann auch schon wieder mit sich.

Um sich noch für eine Weile in den Coffeeshop zu setzen, war in jenem Moment keine Zeit. Zwar dauerte die Mittagspause eine ganze Stunde an, doch bedeutete dies auch noch lang nicht, dass sich der Unterricht von selbst vorbereitete. Nur für einen Moment blieb Josuke an jenem Ort stehen, bevor er dem Kursleiter folgte, sich noch einmal aus Höflichkeit leise bedankte und schließlich in sein Mittagessen biss. In jenem Augenblick empfand sich der Higashikata selbst als unfair, denn er hatte wahrscheinlich doch zu schnell über diesen Mann geurteilt. Selbst wenn auch das noch nicht bedeutete, dass er auch nur die geringste Ahnung hatte, mit wem er sich in jenem Moment abgab – immerhin wusste er selbst nach der Wahl seines Kaffees, oder dem Essen, was er sich bestellt hatte so gut wie nichts von ihm. Das Internet hatte mit seinen Tipps und Tricks wirklich leicht reden. Denn das der Name, welcher er ihm gegeben hatte nicht der Seine war, konnte Josuke in jenem Moment kaum ahnen, hatte sich immerhin auch noch keine Gedanken um den Tipp mit dem Kanji gemacht, hatte es unterdessen auch schon wieder beinahe vergessen. In diesem Augenblick spielte es für ihn immerhin auch keine Rolle mehr.

Alles was den Higashikata in jenem Moment wirklich Interessierte war, das dieser Mann wahrscheinlich nicht derart unsympathisch war, wie er es erwartet hatte. Er war vielleicht ein wenig eigen, allerdings schien er freundlicher zu sein, als der Schüler es erwartet hatte. Josuke ging für einige Augenblicke schweigend neben dem Kursleiter her, machte sich neben dem Essen Gedanken darüber, ob er sich nicht vielleicht doch besser für das Essen revanchieren sollte, jedoch musste er zuvor noch etwas erledigen.
„Wir müssten kurz an meiner Schule halten, ich muss zum Hintereingang, um meine und deine Sachen abzuholen.“, erklärte er leise.
„Dann gehe ich derweilen aber schon einmal vor, um etwas abzuholen brauchst du sicher keinen Bodyguard.“, entgegnete Rohan gleich und wank nach seinen Worten auch schon ab.
Dem Jüngeren auch noch in die Schule zu folgen, hatte er in jenem Moment ganz sicher nicht nötig. Immerhin war es für ihn selbst schon schlimm genug, dass jenes Kursgebäude, in welchem er unterrichtete, so nah an einer Schule gelegen war. Für eine Person, welche sich beim besten Willen nicht allzu gern mit Menschen abgab – es sei denn, es war zwingend notwendig und konnte nicht anders eingerichtet werden – grenzte all dies immerhin bereits an eine Zumutung.
„Natürlich nicht. Außerdem weiß ich ja, wo ich dich finden kann.“, nickte der Jüngere.

Kurz nickte Rohan ebenfalls noch einmal, um zu verdeutlichen, dass er die Worte vernommen hatte und deutete ihm mit einer kurzen Handbewegung einen vorzeitigen Abschied an, bevor Josuke sich auch schon einen Weg um das Gebäude bahnte. Hinter der Schule war es immerhin ein leichtes, ungesehen über die Mauer zu klettern, welche den Hinterhof von der Straße trennte. Der Schüler hatte sich schon einige Male einen Weg über diese Mauern gebahnt, hatte sich in der Mittagspause oftmals weggeschlichen. In diesem Augenblick war es jedoch etwas vollkommen anderes. Für einen Augenblick blieb er auf der Mauer sitzen und sah sich um, doch keiner der Lehrer war zu sehen, weswegen der Dunkelhaarige sich schließlich auf dazu entschied herunterzuspringen. Genau an dem Ort, an welchem Okuyasu bereits wartete und ihm auch sogleich sowohl seine Tasche als auch die teure Markentüte in die Hand drückte. Dennoch war in diesem Moment für den Nijimura erst einmal eines wesentlich wichtiger als all die anderen Dinge, welche ihm noch im Kopf herumschwirrten.
„Kannst du mich jetzt wenigstens aufklären?“, fragte er gleich, wollte die Situation einfach nur verstehen.
Wegen der somit bald fehlenden Tüte und Tasche hatte er die Spinte als Ausrede, doch auf eine gewisse Weise wollte er wenigstens verstehen, für was er seinen besten Freund deckte.
„Was genau willst du wissen, das ist die Frage.“, entgegnete Josuke leise und schulterte die Tüte des Fremden, bevor er seine eigene entgegennahm.

Für einen Augenblick atmete er den Duft des Ladens ein, welcher noch immer an der Tüte haftete und musste die Luft anhalten. Was auch immer diese Menschen als angenehmen Duft empfanden, stank für den Higashikata.
„Naja, am besten alles. Ich bin auch an der Sache interessiert, weißt du? Du sagtest, du hast seinen Namen, dann fang doch mal damit an.“, schlug Okuyasu schließlich vor.
Ein wenig Zeit blieb ihnen immerhin noch.
„Sein Name ist Kawase Hasui, er ist Kursleiter in der Kunstgallerie ein Gebäude weiter. Er ist ein unheimliches Vorbild für die Studenten dort und… Scheinbar ist dieser Kakyoin ebenfalls einer seine Studenten, ich habe ihn heute im Kurs gesehen – er mich aber auch, was ein Problem ist.“, erklärte der Dunkelhaarige schnaufend, „Außerdem ist dieser Kursleiter-Kerl gar nicht so unausstehlich wie ich gedacht habe, er hat mir etwas zu Essen spendiert, ohne dass ich etwas gesagt habe, auch wenn ich das jetzt wirklich nicht hochspielen willen.“
„Naja, das klingt doch wenigstens schon mal nach einer Spur. Ich hätte da sogar eine Idee... Auch wenn dir die nicht gefallen wird. Aber hör' sie dir erst einmal an. Wenn dieser Kakyoin tatsächlich der Typ ist, den ich in diesem Café gesehen habe, könntest du ihn vielleicht unterbewusst über ihn ausfragen. So, dass er es nicht merkt. Du kannst immerhin so tun, als würdest du etwas über den Kurs erfahren wollen.“, entgegnete der Nijimura schon beinahe ein wenig euphorisch.

Schnell nickte der Higashikata und bestätigte somit die Idee seines besten Freundes, welche für den Augenblick gar nicht so schlecht klang.
„Heute Abend ist er ohnehin bei uns. Ich habe ihn eingeladen, auch um den Schein für Jotaro zu wahren. Ich will ihn eigentlich nicht wirklich kennenlernen, aber mir bleibt nichts anderes übrig. Ich will mehr über diesen Kawase Hasui herausfinden.“, entgegnete der Schüler, „Dann werde ich heute Abend einfach Mal nach dem Kurs fragen und wie er denn so ist, dass ich mich selbst dafür interessiere. Vielleicht erfahre ich ja, was genau hinter diesem Mann steckt.“
In jenem Augenblick war Josuke so aufgeregt wie noch nie zuvor. Nicht einmal, als er sich mit seinen Neffen allein getroffen hatte, war er dermaßen aufgeregt. Sein Herz schlug wie wild in seiner Brust. Eben jene Euphorie wurde durch das Nicken seines besten Freundes im Anschluss jedoch nur bestätigt.
„Dann musst du mir das aber dringend erzählen. Ich frage mich nämlich auch schon die ganze Zeit, woher dieser Kerl so plötzlich kam. Vielleicht ist er neu in der Stadt, aber das wird dir dann wohl dieser Kakyoin sagen können.“, dachte Okuyasu mehr laut als das er dir Worte direkt an seinen besten Freund wendete. Augenblicklich stimmte der Schüler zu, nickte schnell und lehnte sich kurz gegen die Wand hinter sich.
„Stimmt wohl, das Beste ist, dass ich es dir dann Morgen auf dem Weg zur Schule erzähle. Ich kann es selbst kaum erwarten, zu erfahren, woher dieser Mann eigentlich kommt und was er in einer Stadt wie dieser hier macht.“, entgegnete der Dunkelhaarige nickend, „Aber dieser Kerl ist wirklich einzigartig. Er ist merkwürdig, aber vielleicht sogar ein bisschen liebenswert und er scheint italienisches Essen zu mögen. Ich muss dringend mit Tonio sprechen, vielleicht kann ich diesen Kerl zu einem Essen zu zweit bewegen. Du weißt schon, als Dankeschön für das spendierte Essen heute.“
„Klar, wieso nicht, aber ich meine... Wir verdienen ungefähr das Gleiche, meinst du, dass so ein teures Essen dann wirklich drin ist?“

Auf eine gewisse Weise hatte Okuyasu mit diesen Worten recht, das Restaurant war nicht unbedingt günstig, das Essen hatte einen durchaus über durchschnittlichen Preis vorzuweisen. Geleugnet werden konnte dies schon einmal nicht. Seufzend schloss der Higashikata die Augen und nickte, musste seinem besten Freund in jenem Moment zustimmen. Billig war das Essen ihres Arbeitgebers nicht, doch dementsprechend schmeckte es auch.
„Natürlich ist das Essen nicht billig, aber ich bekomme ja einen kleinen Rabatt und den Rest kann Tonio mir vom Lohn abziehen.“, entgegnete Josuke, „Ich hoffe zwar, dass dieser Kerl es nicht übertreibt und mein ganzer Lohn dabei draufgeht, aber… Ich will mich bei ihm bedanken.“
„Ich glaube, das ist ein Fall, in dem du wirklich froh sein kannst, dass du keine Miete zahlen musst.“, klopfte der Nijimura seinem besten Freund leicht auf die Schulter, deutete ihm dann aber auch schon, dass er sich langsam wieder auf den Weg machen musste.
Zwar wurde die Zeit noch nicht knapp, doch es fiel ganz sicher irgendjemandem auf, wenn er so lang verschwunden blieb und er wollte seinem besten Freund nicht aus Versehen die Tour vermasseln.
„Das stimmt, ich kann in dem Fall echt froh sein.“, entgegnete der Higashikata, „Aber ich werde jetzt wirklich besser gehen, wir sehen uns später. Vielleicht sehen wir uns auf dem Heimweg.“

Dankend legte er seinem besten Freund die Hand kurz auf die Schulter und drehte sich dann auch schon wieder zur Wand, um eben jene mit den Taschen heraufzuklettern. Dies war nicht zwingend einfach, doch der Dunkelhaarige schaffte es, trainiert war er immerhin gut genug. Schwankend kam er auf der anderen Seite der Mauer am Boden an, doch störte dies den Schüler nicht. In jenem Moment musste er sich nur beeilen, musste er doch wieder zu dem Kunstraum zurück in welchem dieser Mann wahrscheinlich bereits wartete. Josuke schultere die Tasche des Kursleiters noch einmal neu, bevor er sich wieder auf den Weg machte. In jenem Augenblick war ihm nichts wichtiger, als pünktlich bei dem Kursleiter zu sein, immerhin wollte er in jenem Moment jede Sekunde nutzen, um diesen Mann besser kennenzulernen. Wer wusste schon, wann sich ihm die nächste Chance dazu bieten würde.

*


„Eigentlich dachte ich, dass du länger brauchen würdest. Musstest du dich noch abmelden?“, wurde der Schüler auch sogleich von den Worten des Kursleiters begrüßt, als er die Tür zum Raum öffnete.
Auf eine gewisse Weise war es fast schon gruselig, als würde er in jenem Moment nicht einmal erwarten, dass noch irgendjemand anderes in den Raum hätte treten können.
„Um… Ehrlich zu sein, nein. Mein bester Freund hat mich Krankgemeldet.“, entgegnete der Schüler ehrlich, „Glücklicherweise ist es aber auch nicht so schlimm, wenn ich einmal nicht in der Schule bin.“
Nach seinen Worten schloss er die Tür hinter sich und ging zu dem Tisch des Kursleiters, um die Taschen, welche er bis zu jenem Zeitpunkt noch geschultert hatte, dort abzustellen.
„Das musst du wissen. Aber… Bleiben wir doch mal ehrlich. Was machst du hier? Das du kein Interesse an Kunst hast, sieht man dir an, wegen deinen Freunden kannst du kaum hier sein, weil du anscheinend niemand von den Kursmitgliedern kennst und trotzdem scheint dich das hier mehr zu interessieren als die Schule. Warum? Wir sind quitt, du hättest keinen Grund, hier zu sein – es sei denn, du hast mein Hemd schon reinigen lassen – was ich allerdings bezweifle. Es wäre zeitlich nicht möglich.“, legte er schließlich seine Worte offen, bevor er sich Josuke wieder zuwendete, nachdem er mit unglaublicher Präzision und vollkommen ohne Hilfslinien eine Veranschaulichung – augenscheinlich zum nächsten Thema – an die Tafel gezeichnet hatte.
Erstaunlich.

Kurz stockte der Schüler, strich sich über den Nacken und seufzte. Er musste ehrlich zu diesem Mann sein, auch wenn er es vielleicht nicht gänzlich verdient hatte – zumindest in den Augen des Higashikata.
„Du willst das von mir wissen, aber du sagst mir nicht, warum du mich geküsst hast? Vergiss es. Ich werde dir so lange nachlaufen, bis ich alles über dich weiß, was ich wissen will, ich will wissen was hinter deinen Taten steckt und ich will wissen, wieso zum Teufel du mich geküsst hast! Ich habe ein Recht darauf es zu erfahren, so wie du ein Recht darauf hast, meine Gründe zu erfahren. Solange ich deine jedoch nicht kenne, werde ich auch nicht ist Detail gehen.“, entgegnete der Schüler, versuchte seine Nervosität zu unterdrücken, welche während den Worten in ihm hochgekrochen war.
„Dann wünsche ich dir viel Erfolg und Spaß beim Langweilen und wenn ich dich irgendwann dabei erwische, das dir langweilig genug ist, um mein Haus zu schleichen, schicke ich dich mit der Polizei nach Hause. Dann passiert hier wenigstens mal etwas halbwegs Spannendes.“
„Um dein Haus werde ich nicht herumschleichen, mein Großvater ist Polizist, das würde nur ein schlechtes Licht auf unsere Familie werfen. Aber ich werde dich im Auge behalten.“, entgegnete der Schüler und betrachtete den Mann, „Warum machen wir es nicht so… Ich sorge für etwas Spannung in deinem Leben und du erzählst mir etwas von dir? Ich meine, ich kann keine Wunder bewirken, aber ich kann es zumindest versuchen.“
„Eigentlich bringst du meinen Tag gerade schon genug durcheinander.“, seufzte der Mangaka im Anschluss und strich sich leicht über die Stirn, richtete sein Stirnband, „Aber wenn dein Großvater Polizist ist, kann ich auch gleich ihn anrufen, damit er dich nach Hause begleitet. Dann bekommt es schon niemand mit.“

Augenblicklich schüttelte der Higashikata den Kopf und ging einen Schritt auf den Älteren zu.
„Mein Großvater sollte das niemals erfahren, weder das ich in der Schule fehle noch das ich irgendwo herumschleiche.“, entgegnete Josuke seufzend, „Hör mir zu, ich… Du hast mein Leben echt auf den Kopf gestellt, alles was ich will, ist dich kennenzulernen. Gib mir drei Wochen Zeit.“
Nach jenen Worten betrachtete der Schüler den Älteren, strich sich selbst noch einmal einige Haarsträhnen aus dem Gesicht und biss sich auf die Lippe.
Was sollte er in diesen drei Wochen machen, um diesen Kerl besser kennenzulernen?
Wie sollte er diese Zeitgrenze selbst einhalten können?
Was hatte er da eigentlich gesagt?
„Wieso ausgerechnet drei Wochen? Soll das eine Wette werden, oder wie darf ich das verstehen?“
Man erntete immer was man säte und in diesem Fall war es deutlich ein Missverständnis.

Für einen Augenblick sah Josuke ihn ernst an, zuckte mit den Schultern und trat noch einen Schritt näher an ihn heran. Strich sich über den Nacken und blickte dem Mangaka direkt in die Augen, bevor er kurz und verspielt lächelte.
„Sieh es wie du es sehen willst, Sensei.“, entgegnete er ihm schließlich.
Der Higashikata hatte ihm gesagt er würde sein Leben spannender gestalten, das er jedoch geradewegs in ein Missverständnis hineingeriet ahnte der Dunkelhaarige nicht.
„Dann sehe ich es als ein ‚vergiss es‘. Wenn du tratschen willst, kannst du das auch direkt vor meinen Augen machen – sollte dann ein wenig einfacher sein. Allerdings würde ich gleichzeitig vorschlagen, das du gehst, bevor ich mich vergesse. Ich erwarte, dass du mir mein Hemd morgen früh zurückbringst und mich danach in Ruhe lässt. Wenn du gut genug Bescheid weißt, um dir eine solche Wette zu erlauben, weißt du wahrscheinlich auch, dass ich andere Probleme habe, als mich mit Publicity abzugeben. Meinetwegen kannst du das auch deinem Wettpartner oder deinen Wettpartnern ausrichten, das ist mir egal.“, stapelte Rohan in jenem Moment einige seiner Papiere, bevor er dem Schüler seine Tasche und die Tüte in die Hand drückte und ihn anschließend des Raumes verwies, die Tür hinter ihm beinahe schon ins Schloss schlug.

Äußerlichkeiten machten eigentlich gar nichts aus, doch auf den ersten Blick hatte Josuke keinesfalls gewirkt, als könnte er sich auch nur annähernd genug interessieren, um über einen Mangaka zu recherchieren. Er wirkte wie ein normaler Schüler – wenn auch mit einer ausgefallenen Optik – ein bisschen rebellisch aber dennoch… War er anscheinend die falsche Person. Das ihn seine Menschenkenntnis derart getäuscht hatte, war für Rohan zum einen unbegreiflich und zum anderen viel zu überraschend. Seinen Manga würde das sicher nicht voranbringen, auch wenn sich beinahe vermuten ließ, dass die Leser eine solche Wendung wahrscheinlich auch noch begrüßen würden. Für ihn kam es immerhin genauso unerwartet. Er selbst war sich sicher, die Situation unter vollkommener Kontrolle zu haben. Nur hatte er das anscheinend nicht. Wer in diesem Moment mit wem spielte war nicht einmal mehr deutlich auszumachen. Das Spiel allerdings auch noch mitzuspielen, kam ebenfalls nicht in Frage. Wenn, dann musste er die Situation wenden. Immerhin wusste auch er inzwischen die ein oder andere heikle Angelegenheit von dem Higashikata. Möglicherweise ließ sich eine Vereinbarung treffen, auch wenn das nach der letzten Lösung dieses Problems klang. Mit der Faust schlug der Zwanzigjährige gegen die Tür, nur um sie im Nachhinein auch noch einmal aufzureißen. Wie erwartet stand der Schüler noch immer vollkommen verloren mitten auf dem Gang, schien nicht mit der Wendung gerechnet zu haben und dennoch war es Rohan in diesem Moment gleich.
„Wenn du Glück hast, und ich dir nach dem Mist überhaupt noch irgendetwas erzähle, verschwindest du nach den drei Wochen.“
Nach jenen Worten knallte die Tür auch schon wieder in das Schloss.


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A/N:
Ich möchte mich wirklich extrem bei euch entschuldigen, das ich jetzt so lang nicht geuploadet habe, mit der ganzen Corona-Kriese habe ich einfach alles aus den Augen verloren und dann kam meine P5R Bestellung auch noch einen Tag vor Release an und ich habe ich gänzlich vergessen. Das ich noch nicht vergessen habe, hin und wieder etwas zu trinken, ist alles... Haha ^^"
Aber ich werde jetzt wieder regelmäßiger uploaden, daher möchte ich mich auch noch mal bei euch allen bedanken, die trotz der Pause noch dabei sind. Vielen Dank, ich habe hier in den nächsten Tagen echt noch viel aufzuholen.

Eure Shiv
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