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von Shiv
GeschichteFamilie, Suspense / P16 Slash
Josuke Higashikata Jotaro Kujo Keicho Nijimura Noriaki Kakyoin Okuyasu Nijimura Rohan Kishibe
01.06.2019
06.04.2020
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09.08.2019 10.057
 
Misfortune




Die Vorfreunde, den Achtundzwanzigjährigen doch schon früher begrüßen zu können, überwältigte den Schüler schließlich und er nickte schnell, während er sich schnell die Schuhe auszog.
„Ich habe dir doch gesagt, dass ich heute nach der Schule noch arbeiten muss.“, entgegnete er seiner Mutter und folgte ihr schließlich in die Küche, „Außerdem, warum machst du so ein großes Geheimnis aus unserem Besuch. Ich weiß doch, das Jotaro herkommen wollte, aber es ist schön, dass…“
Als er statt der erwarteten Person jedoch einen ihm fremden, rothaarigen Mann entdeckte – welcher auf eine gewisse Weise auf die Beschreibung passte, welche Okuyasu ihm erst hatte zukommen lassen –, blieb er augenblicklich stehen und blickte zu seiner Mutter, versuchte in jenem Moment abzuschätzen ob dieser Besuch ein schlechter Scherz war, oder er sich das alles vielleicht doch nur einbildete.
„Jotaro braucht leider noch eine Weile. Er hat vor knappen zwei Stunden angerufen und Bescheid gesagt. Voraussichtlich ist er aber nächste Woche Montag hier. Er wollte uns aber jemanden vorstellen – das ist Kakyoin Noriaki. Er hat vor einer knappen halben Stunde hier geklingelt.“, lächelte Tomoko dann auch schon und trat einen Schritt beiseite, um den Blick somit gänzlich auf einen schlanken, rothaarigen Mann freizugeben, welcher sich in jenem Moment von dem Küchenstuhl erhob und auf den Higashikata zuging.
Sofort streckte er ihm seine Hand entgegen und lächelte leicht.
„Jotaro hat mir schon viel von dir erzählt, ich bin wirklich froh, dass ich dich auch endlich einmal kennenlernen kann.“

Josuke blickte den Mann skeptisch an, dann sah er zu seiner Mutter, versuchte sich eine logische Erklärung aus der Situation zu schließen und sah im Anschluss auch schon zurück zu dem Rothaarigen. Für einen Augenblick musterte er den Mann noch einmal und seufzte schließlich. Er musste schon zugeben, dass dieser Mann ein deutlich attraktives, aber auf eine gewisse Weise auch einschüchterndes Gesamtbild abgab. Warum er jedoch so empfand, konnte er sich in diesem Moment noch nicht erklären. Sein inneres sagte ihm einfach nur, dass an dieser Situation irgendetwas deutlich komisch war.
„Warum schreibt Jotaro mir das nicht? Er sagte, er würde mir Bescheid geben, wenn er genaueres weiß. Wir haben gestern Abend noch miteinander telefoniert und da sagte er zu mir noch, dass es unklar ist, wann er genau ankommt. Er wusste nur, dass es wahrscheinlich in der nächsten Woche sein wird.“, schnaufte der Schwarzhaarige und nahm die Hand des Brillenträgers schließlich an.
Er bemerkte erst in jenem Moment zwei feine Narben in dem Gesicht seines Gegenübers, welche sich über beide seiner Augen zogen. Davon jedoch wollte er sich in diesen Sekunden ganz sicher nicht ablenken lassen.
„Und wer sind sie? Was haben sie mit Jotaro zu tun?“
„Aber Jotaro meinte am Telefon, das er dir schon eine SMS geschrieben hatte, weil er dich nicht erreichen konnte.“, klinkte sich die Mutter des Higashikata noch einmal ins Gespräch ein.
„Ja, mir hatte er auch davon erzählt – du warst der erste, den er zu erreichen versuchte. Aber... Es tut mir leid, dass ich hier grade mit der Tür ins Haus gefallen bin. Mein Name ist Kakyoin Noriaki. Ich bin Jotaros Freund.“, lächelte der Rothaarige beinahe schon ein wenig zu freundlich, was die Situation nur noch ein wenig suspekter wirken ließ.

Jene Worte verwunderten Tomoko nicht mehr, woraus sich ziemlich schnell schließen ließ, dass sie es anscheinend bereits wusste. Wahrscheinlich hatte er sich ihr mit den gleichen Worten vorgestellt.
„Jotaros Freund?“, stellte der Schüler die verwirrte Frage und zog seine Hand augenblicklich zurück, „Schön… Ich habe vergessen das ich noch lernen muss. Wir schreiben morgen einen Test, ich muss lernen. Bitte entschuldigt mich.“
Der Higashikata sah noch einmal kurz zu seiner Mutter, nickte eben jener zu und drehte sich dann auch schon um, um die Küche wieder zu verlassen. In jenem Augenblick konnte er die Enttäuschung kaum mehr verstecken, welche sich in dem Schüler breit machte. Die Situation war mehr als nur merkwürdig. Für einen Augenblick wollte der Rothaarige zu Worten ansetzen, verkniff sich diese aber im Anschluss lieber und sah einfach nur zu seiner Mutter. Diese sah jedoch genauso ratlos aus und konnte schließlich einfach nur mit den Schultern zucken.
„Habe ich etwas Falsches gesagt? Vielleicht war ich ein wenig zu vorschnell.“, gab Kakyoin zu bedenken, doch Tomoko schüttelte einige Sekunden später auch schon den Kopf.
„Gib ihm einfach ein wenig Zeit, wahrscheinlich war sein Tag sehr anstrengend, immerhin arbeitet er neben der Schule noch. Ich werde jetzt einfach schon einmal das Abendessen vorbereiten und dann hat er sich vielleicht auch schon auf andere Gedanken gebracht oder beruhigt. Da müssen wir einfach abwarten.“, versuchte die Schwarzhaarige die Situation zu klären, selbst wenn sie in jenem Moment auch nur mutmaßen konnte.
Immerhin wollte sie ihn nicht beim Lernen stören, konnte zudem auch gar nicht wissen, dass er nicht einmal lernte, sondern in jenem Augenblick bereits auf dem Weg zu seinem besten Freund war. Aus dem Fenster zu fliehen war immerhin auch kein sonderlich schwieriges Unterfangen.

Der Schwarzhaarige konnte seine Enttäuschung nicht mehr verstecken, alles was an jenem Tag passiert war schien wieder unglaublich präsent zu sein. Der Kuss, der wahrscheinlich verhauene Test, der stressige Arbeitstag und dann auch noch…
Kakyoin Noriaki, der Freund seines Neffen!
Der Higashikata stoppte vor der Tür seines besten Freundes und hämmerte gegen eben jene. Klingeln? Dafür blieb keine Zeit.
„Okuyasu, mach‘ sofort die Tür auf, ich muss heute Nacht bei dir schlafen, es ist ein Notfall!“, rief der Schüler aufgebracht.
In jenem Augenblick dauerte es nur wenige Augenblicke, bis die Tür auch schon förmlich aufgerissen wurde.
„Josuke, ich hab‘ dir doch geschrieben, dass ich gleich zu euch komme, wenn ich das Essen für meinen Bruder rausgestellt und aufgetaut habe. Was ist denn los?“, fragte der Nijimura gleich, trat dann aber auch schon einen Schritt zurück.
Immerhin war es noch nicht sonderlich lang her, dass sie sich verabschiedet hatten, vielleicht waren gerade einmal fünfzehn Minuten vergangen. Möglicherweise hatte der Higashikata seinen Schlüssel vergessen, auch wenn Okuyasu sich eigentlich sicher war, in der Küche Licht gesehen zu haben, als sie sich verabschiedet hatten.

Dennoch deutete er ihm schließlich, dass er reinkommen sollte – immerhin schien es wichtig zu sein und er hätte seinen besten Freund keinesfalls einfach vor der Tür stehenlassen. Dann mussten sie ihre Pläne wohl ein wenig anpassen, doch auch das war kein wirkliches Problem.
„Ich habe diese Nachricht nicht bekommen, aber ich habe ein Problem.“, schnaufte der Schwarzhaarige und trat in das Haus des Nijimura ein, „Du musst dir vorstellen, nach allem was heute passiert ist, kam eben der absolute Höhepunkt… Wäre es okay, wenn ich heute bei dir schlafe? Ich will gerade nicht nach Hause, ich erklär‘ dir auch gleich wieso… Lass‘ uns in die Küche gehen, ich helfe dir beim Essen machen.“
Die Worte des Higashikata waren für Okuyasu selbst viel zu wirr und in diesem Moment vollkommen unverständlich, doch wollte und konnte er einfach nicht den Mund halten, er war einfach zu aufgewühlt.
„Ja sicher, beruhig‘ dich erstmal. Aber viel müssen wir wirklich nicht mehr an dem Essen machen, es muss einfach nur aufgewärmt werden. Hast du schon was gegessen?“
Zwar glaubte der beste Freund Josukes dies nicht, da eigentlich nicht einmal Zeit dafür war und er wusste, dass der Higashikata das Angebot von Tonio ebenfalls abgelehnt hatte, doch er fragte trotzdem lieber noch einmal nach – einfach nur um sicherzugehen.

Kurz nach diesen Worten wank er seinen besten Freund aber auch schon mit sich, führte ihn in die geräumige Küche in dem doch ziemlich alten Häuschen und bot ihm schon einmal einen Sitzplatz an. Auf der Arbeitsplatte der Küche stand bereits eine recht große Plastikdose mit noch gefrorenem Essen; was sich jedoch darin befand, konnte er in jenem Moment noch nicht einmal erahnen. Dafür war die Dose durch das Antauen zu sehr angelaufen.
„Nein… Nein, gegessen habe ich noch nichts. Mir ist aber auch der Appetit vergangen, wenn ich ehrlich sein soll.“, murrte Josuke und setzte sich an den Küchentisch, „Ich kann es immer noch nicht fassen… Dieser Kerl der bei uns zu Hause war, so ein rothaariger Kerl mit schwarzen Sachen und einem grünen Schal, wie der, den du beschrieben hast, der hat meinen Tag wirklich komplett versaut. Heute war der wohl schlimmste Tag meines Lebens…“
Dass er die ganze Situation ein wenig überdramatisierte, interessierte ihn in diesem Augenblick nicht einmal mehr. Der Higashikata ließ seinen Kopf auf die Tischplatte sinken und biss sich auf der Lippe herum. Auf der einen Seite war er unheimlich nervös immerhin hatte er seiner Mutter nicht Bescheid gesagt und auf der anderen Seite war er einfach nur enttäuscht.
Warum hatte Jotaro denn nie über diesen ‚Freund‘ gesprochen?
Was machte dieser Mann ausgerechnet an diesem Tag in ihrem Haus?
Und wieso musste es unbedingt Jotaro sein?
Der Schwarzhaarige schnaufte und schloss die Augen.
„Das klingt wirklich fast wie der Typ aus dem Café, von dem ich dir heute Morgen erzählt habe. Aber was macht der bei dir zuhause? Irgendwie verstehe ich das noch nicht so wirklich...“, entgegnete Okuyasu vorsichtig und setzte sich erst einmal gegenüber von dem Higashikata an den Tisch.

In jenem Moment war es weitaus wichtiger, sich erst einmal anzuhören, was Josuke zu sagen hatte, da konnte auch das Essen warten.
„Der Typ ist Jotaros Freund… Verstehst du, sein Freund. Jotaro hat einen Freund und ich habe keine Ahnung wie lange die beiden schon ein Paar sind. All die Arbeit, all die Hoffnungen, alles war umsonst… Sein Name ist, glaube ich… Kakyoin Noriaki oder so. Zu meiner Schande habe ich ihm nicht wirklich zugehört.“, murrte der Schwarzhaarige und schloss die Augen, „Ich habe keine Lust mehr, warum muss das alles Heute passieren? Da würde ich mich doch ernsthaft lieber mit diesem Unbekannten beschäftigen. Der hat mich wenigstens nur genötigt…“
Schnaufend hob der Higashikata schließlich den Kopf und sah zu seinem besten Freund, blickte eben jenen fragend und verzweifelt an und seufzte schließlich leise. Wenigstens hatte der Schwarzhaarige noch seinen besten Freund, der seine Sorgen kannte.
„Bist du dir sicher, dass die beiden wirklich ein Paar sind? Vielleicht hat er sich auch einfach nur die falschen Worte ausgesucht und es nicht so gemeint wie es dann rübergekommen ist. Ich kenne das doch selbst, ich kann ja auch nicht immer die richtigen Worte finden.“, versuchte der Nijimura wenigstens die Möglichkeiten durchzugehen, welche die Situation hergab.
So viel Unglück konnte sich doch nicht an einem einzelnen Tag ansammeln.
„Ich glaube, dann hätte er gesagt, dass er ein Freund von Jotaro ist und nicht, dass er Jotaros Freund ist.“, entgegnete der Schwarzhaarige augenblicklich und seufzte leise, „Ich habe einfach keine Lust mehr, Jotaro hätte es mir doch sagen können. Auch wenn er nur ein Freund von ihm ist. Warum hat er mir nichts davon erzählt?“

Die Enttäuschung des Schülers war groß. Sein Neffe hatte ihm nicht erzählt, dass er sich auf anderen oder weiteren Besuch einstellen musste, geschweige denn hatte er ihm gesagt, dass er eine Beziehung führte.
„Vielleicht hat er ihn ja erst kürzlich kennengelernt? Ich weiß es leider auch nicht. Von uns beiden hast du immerhin mehr Kontakt zu ihm – was auch irgendwie klar ist. Aber wie gesagt, ich drücke mich auch manchmal so komisch aus. Als mich Tonio heute gefragt hat, ob wir uns kennen, habe ich ihm auch gesagt, dass du mein Freund bist. Ich habe da nicht einmal wirklich drüber nachgedacht.“, versuchte der Nijimura zu erklären.
„Das ist etwas vollkommen anderes! Du bist wie ich noch jung, da sagt man sowas schon einmal, aber dieser Kerl, der sah mir nicht mehr aus wie Sechzehn. Er ist, denke ich mal, Student oder so und da muss man sich schon ausdrücken können, immerhin… Ach, ist doch auch egal. Ich will mit dem Thema nichts mehr zu tun haben. Dann hat Jotaro eben einen Freund, es liegt jetzt an mir ihm zu beweisen das ich mindestens genauso toll bin, wie dieser Kakyoin… Oder wie auch immer er hieß.“, schnaufe Josuke und betrachtete seinen besten Freund.

In jenem Moment öffnete sich schließlich die Tür. Der großgewachsene, blonde Mann trat zusammen mit einem langhaarigen, jungen Mann in das Haus ein und ließ seine Tasche einfach auf den Boden fallen.
„Ich bin wieder da!“, rief Keicho und strich sich kurz über den Nacken, „Ich habe einen Freund mitgebracht. Bist du in der Küche, Brüderchen?“
„Ja! Wir haben Besuch, also ich habe Besuch und wollte ihn heute hier übernachten lassen. Das Essen ist auch gleich fertig, wenn ich es in die Mikrowelle stelle.“, entgegnete er gleich und sah dann auch schon wieder zu Josuke.
Dieser schien akribisch die Tischplatte vor sich zu mustern. Auf eine gewisse Weise hatte Okuyasu das Gefühl, dass das, was sein bester Freund dort plante einfach nicht gut gehen konnte, doch er wollte ihn auch nicht belehren. Wahrscheinlich war es das Letzte, was der Higashikata in diesem Augenblick hören wollte und wahrscheinlich hätte es ihm auch nicht geholfen. Vielleicht konnte sein Bruder ja ein wenig für andere Gedanken und eine bessere Stimmung sorgen. An jenem Abend hörte er sich wenigstens schon einmal nicht derart gestresst an wie an den anderen Tagen, an welchen er mindestens genauso spät nach Hause kam.

Der Blonde trat zusammen mit Akira schließlich in die Küche ein, nickte seinem Bruder kurz zu und legte Josuke schließlich die Hand auf die Schulter, lächelte leicht und nickte dann.
„Kannst ihn ruhig in deinem Zimmer schlafen lassen, ich lass Akira dann einfach bei mir schlafen… Ach so, du kennst ihn ja noch nicht. Das ist Otoishi Akira, der Sohn meines Chefs und… Ein sehr guter Freund von mir.“, lächelte er und deutete dem Langhaarigen sich zu setzen, „Aber wie war euer Tag denn so?“
„Frag nicht, bitte…“, schnaufte der Schwarzhaarige und begrüßte den Bruder seines besten Freundes mit einem mehr oder minder ernstgemeinten Handzeig.
„Anstrengend. Das ist wahrscheinlich die beste Beschreibung.“, ergänzte der jüngere Nijimura dann auch schon die Worte seines besten Freundes, nachdem er Akira begrüßt hatte.
Dessen Anwesenheit irritierte ihn zwar ein wenig, da er – trotz, dass sein Bruder meinte, dass dieser ein sehr guter Freund von ihm sei - ihn zuvor noch nie gesehen hatte, doch in diesem Moment wollte er sich davon auch nicht irritieren lassen. Zum Nachfragen hatte er auch später noch Zeit; oder auch am nächsten Tag. Dennoch wurde er das Gefühl nicht los, Akira außerhalb der Begleitung seines Bruders schon einmal gesehen zu haben. Aber wenn er der Sohn von Keichos Chef war, war dies wahrscheinlich auch nicht verwunderlich.
„Was ist denn passiert? Die Schule und die Arbeit können euch doch noch nicht die Nerven kosten, oder musstet ihr eine Doppelschicht machen?“, lachte Keicho heiser und sah zu Akira, „Möchtest du gleich auch noch was trinken? Du hast Morgen doch auch einen ruhigen Tag, richtig?“

Josuke schnaufte und legte seinen Kopf auf seine Arme, versuchte in jenem Augenblick die richtigen Worte zu finden und murrte schließlich einfach nur leise.
„Es war weder das Eine noch das Andere, der Tag ist einfach blöd gelaufen – um nicht zu sagen, dass es komplett bescheuert war.“, versuchte er einer konkreten Antwort aus dem Weg zu gehen.
„Vielleicht war es auch nur eine Pechsträhne und morgen wird es dann besser.“, fügte Okuyasu noch hinzu und stand anschließend auch schon auf, „Also, wer will jetzt etwas essen?“
Keicho und Akira hoben im Gleichklang die Hand, während der Schüler noch auf die Reaktion Josukes wartete. Leicht hob Josuke ebenfalls die Hand und nickte dann einfach nur. Sein bester Freund hatte wahrscheinlich Recht, es war einfach nur eine Pechsträhne.
„Jungs, eine Pechsträhne kommt im Arbeitsleben öfter vor, als ihr denkt. Wenn ihr es mit Kunden zu tun habt, dann braucht ihr eine Engelsgeduld. Eine solche Erfahrung in der Schulzeit, kann euch gut vorbereiten.“, entgegnete Keicho und streckte sich, „Aber um die Stimmung mal zu heben, habt ihr Lust noch einen Film mit uns zu sehen? Akira hat sich vorhin noch in der Videothek einen Film ausgeliehen.“
„Klingt eigentlich nach einer ganz guten Idee. Hast du auch Lust, Josuke?“, fragte der Nijimura während er bereits Teller aus dem Schrank räumte und anschließend das Essen verteilte.

Danach konnte er die Teller wenigstens einfach nacheinander in die Mikrowelle stellen.
„Klar, warum nicht? Macht bestimmt Spaß.“, nickte der Schwarzhaarige und lächelte leicht, „Was ist es denn für ein Film?“
Der Blonde kratzte sich am Hinterkopf und sah zu seinem Besuch, versuchte in jenem Augenblick die passenden Worte zu finden, doch musste er einen Moment später auch schon aufgeben.
„Keine Ahnung, frag den Musikexperten. Er hat den Film ausgesucht. Ich stand nur vor der Videothek.“, lachte der ältere Nijimura.
„Werdet ihr dann schon sehen; ich habe den Film selbst noch nicht gesehen, deswegen kann ich nichts versprechen. Das er gut aussieht – von dem, was der Trailer hergegeben hat zumindest – kann ich dir aber schon mal sagen.“, zuckte Akira mit den Schultern und lehnte sich leicht zurück, „Aber ich weiß, dass in den letzten Monaten viele darüber geredet haben.“
„Dann kann man sich nur überraschen lassen.“, lachte Keicho und lehnte sich an den Stuhl, „Sag mal Brüderchen, waren die Hausaufgaben eigentlich richtig?“
Josuke stimmte in das leise Lachen ein, sah zu dem Langhaarigen und musterte eben jenen für einen Moment. Wenn sich der Higashikata nicht täuschte, dann war dieser junge Mann der Musiker, welcher immer in der Stadtmitte spielte. Seine Gitarrenkünste waren unter den Menschen in Morioh Town bekannt, immerhin sah man nicht jeden Tag einen auffälligen Mann wie Akira.
„Zum Teil waren sie richtig, ja, aber den Rest konnte der Lehrer nicht lesen. Wahrscheinlich waren wir zu müde.“, musste Okuyasu leicht lachen.
„Ach, verflucht… Es tut mir leid, wenn du wegen mir jetzt eine schlechtere Note bekommst.“, schnaufte der Blonde und schüttelte den Kopf.

In jenem Augenblick verfluchte er sich wirklich dafür am Vorabend noch so lange unterwegs gewesen zu sein, doch er konnte es in jenem Moment auch nicht mehr ändern. Es war bereits geschehen und die Zeit zurückdrehen konnte er nicht.
„Das nächste Mal, kommst du einfach zu mir, wenn du mit den Hausaufgaben nicht weiterkommst. Dann können wir zusammen lernen, dann macht es auch mehr Spaß.“, lächelte Josuke leicht und streckte sich kurz, „Ach so… Keicho, du kennst doch recht viele Menschen in der Stadt, oder?“
Für einen Augenblick betrachtete der ältere Nijimura den Schwarzhaarigen recht komisch, dann jedoch nickte er auch schon.
„Ich kenne wirklich viele Menschen. Ich glaube zwar, dass Akira mehr Menschen in dieser Stadt kennt, aber was ist denn dein Anliegen?“, fragte der Blonde.
„Kennst du vielleicht einen Kerl, der blaugrüne Haare hat und ein recht auffälliges, ebenfalls grünes Stirnband trägt?“
Der blonde Nijimura musste in jenem Augenblick nicht einmal lange überlegen, schüttelte augenblicklich den Kopf und strich sich über den Nacken.
„Tut mir leid, so eine Person habe ich noch nie gesehen.“
„Ich habe bisher auch noch niemanden gesehen, der auf die Beschreibung passen könnte. Weißt du vielleicht noch etwas Genaueres? Ich meine, nur anhand der Haarfarbe und des Stirnbands kann man nicht sonderlich viel ausmachen.“, mischte sich somit auch schon Akira in das Gespräch ein.

Immerhin hatte Keicho recht, auch wenn bei ihm noch der Fakt eine Rolle spielte, dass er am Tag meist so viele Gesichter sah, dass er sich bereits in jenem Moment nicht mehr sicher war, ob zwischen all den Menschen, welche er täglich sah, doch einmal eine blaugrünhaarige Person an ihm vorbeigehuscht war. Vorerst waren die Beschreibungen jedoch einfach zu vage, um sich wirklich zu erinnern, zumal die Frage für ihn auch ein wenig aus dem Kontext gerissen wirkte.
„Wirklich viel kann ich dir auch nicht sagen… Er ist wahrscheinlich ein Stück kleiner als ich und trug einen langen Mantel. Er hat aber recht viel Kraft in den Armen, also denke ich mal, dass er vielleicht auch recht sportlich ist... Seine Lippen waren voll und an ihnen haftete der Geschmack von Kaffee. Ich weiß das klingt jetzt wirklich alles komisch, aber… Ich muss einfach wissen, ob ihr ihn vielleicht kennt.“, erklärte der Schwarzhaarige leise.
War es wirklich die richtige Entscheidung, jetzt nach dem Fremden zu suchen?
Josuke wurde im nächsten Moment unglaublich unsicher. Er konnte das Thema immerhin nicht einfach wechseln, wenn die beiden Männer nachfragten. Keicho hingegen sah zu dem Higashikata und blickte dann zu Akira, schluckte leicht und blickte dann wieder zu dem besten Freund seines Bruders.
Warum suchte Josuke nach einem Mann, von dem er wusste, wie er schmeckte?
Das war sicher nicht das erste, was man von jemandem erfahren musste.

Im ersten Moment bemerkte Josuke nicht einmal, dass er von dem Violetthaarigen mit einer hochgezogenen Augenbraue gemustert wurde. Natürlich hatte jener nicht mit einer solchen Beschreibung gerechnet, bei welcher er sich bereits wieder fragte, woher er dies eigentlich wissen sollte. Sicher hätte er vielleicht die Leute ausfiltern können, welche er mit einem Kaffeebecher in der Hand gesehen hatte, doch auch dies hätte keine sonderlich gute Auskunft ergeben – und vor allem keine Genaue.
„Wenn du schon weißt wie er schmeckt, solltest du dann nicht auch wissen, wie der Typ heißt und wo du ihn finden kannst?“, fragte der Musiker ein wenig ungläubig und verschränkte die Arme vor der Brust.
Er konnte die Informationen und deren Gründe noch nicht wirklich zuordnen, geschweige denn verstehen. Wahrscheinlich war es das Beste, das sich auch Okuyasu im Anschluss noch einmal in das Gespräch einmischte und wenigstens versuchte, die Situation auf eine gewisse Weise aufzuklären. Mehr als es zu probieren konnte er ohnehin nicht. Zumal er auch nicht wusste, ob er es überhaupt schaffte, all das richtig zu erklären. Die besten Erklärungen hatte er immerhin auch nicht parat.
„Das ist alles nicht so leicht wie du denkst – er kennt den Kerl wirklich nicht; ich habe ihn heute auch das erste Mal gesehen. Nicht einmal Tonio kennt ihn und der kennt hier auch so gut wie jeden, der schon einmal bei ihm gegessen hat. Aber was diesen komischen Kerl angeht – er hat Josuke heute Morgen vor der Schule überfallen und mit überfallen meine ich genötigt.“, erklärte der Schüler während er schon einmal die Teller verteilte, welche endlich alle erwärmt waren.

Auch wenn er noch immer hoffte, dass es nicht nur die Teller waren, welche von der Mikrowelle profitiert hatten. Aufgetaut war das Essen aber wenigstens auf jeden Fall. Der Blonde strich sich über den Nacken und griff nach dem Besteck, welches sein Bruder bereits auf den Tisch gelegt hatte.
„Vielleicht solltest du eine Anzeige aufgeben, das hilft dir vielleicht den Typen zu finden. Aber… Wenn er dich genötigt hat, bist du dir wirklich ganz sicher, ihn nicht doch zu kennen?“, stellte Keicho schließlich die Frage und betrachtete Josuke.
„Ich kenne ihn wirklich nicht und ich habe ihn auch noch nie gesehen.“, entgegnete der Higashikata, „Als wir heute Morgen an der Schule standen, hat dieser Typ mich einfach an die Wand gedrückt und mich geküsst. Ich weiß auch nicht, wieso er das gemacht hat. Das ist ja eigentlich das, was ich wissen will.“
Leise seufzte der Schwarzhaarige nach diesen Worten, wusste in jenem Augenblick nicht wirklich wie er mit der Situation umgehen sollte, doch klang die Idee des Blonden auf eine gewisse Weise genau nach dem was er suchte. Allerdings konnte er nicht einfach seine Handynummer auf Papiere schreiben und diese in der Stadt verteilen. Er musste sich etwas anderes überlegen, einen Treffpunkt vielleicht. Doch im Grunde war auch das zu unsicher. Er konnte sich nicht darauf verlassen, dass genau er diesen Aushang sehen würde und wenn Josuke selbst noch einmal genau darüber nachdachte, wollte er auch gar nicht wissen, welche Menschen er damit vielleicht anlockte.

An einem öffentlichen Treffpunkt konnte sich immerhin auch jedermann einfinden, der den Aushang gesehen hatte. Dabei die richtige Person zu erwischen, forderte in jenem Fall wahrscheinlich mehr Glück als das Schicksal ihm zugestehen würde. Zeitweilen schien er sich immerhin mitten in einer Pechsträhne zu befinden. Wahrscheinlich brauchte er es dann nicht einmal zu versuchen. Zudem musste er sich auch deutlich in Gedanken zurückrufen, dass er vielleicht nur ein Pendler war. Wenn niemand ihn gesehen hatte, war er vielleicht nur an diesem einen Tag zu Besuch und somit inzwischen vielleicht auch schon wieder verschwunden. Möglicherweise sollte er auch einfach aufhören, darüber nachzudenken.
„Ja, gut, unter den Umständen würde ich es wahrscheinlich auch wissen wollen. Ich weiß nicht einmal, wie ich in der Situation reagiert hätte, aber mir gegenüber war auch noch niemand übergriffig.“, musste Akira leicht lachen.
Zwar wollte er auch nicht zwingend den Eindruck vermitteln, dass er Josuke auslachte, doch er musste auch deutlich gestehen, dass die ganze Erklärung durchaus amüsant klang.
„Ich will eigentlich auch nur wissen wieso er das gemacht hat, ich will einen Grund und einen Namen.“, lächelte der Higashikata, „Aber du kannst wirklich froh sein, dass dir so etwas noch nicht passiert ist. Seit dem Vorfall, fällt es mir unheimlich schwer nicht mehr daran zu denken. Manchmal habe ich noch das Gefühl den Kaffee auf meinen Lippen zu schmecken, obwohl das nicht möglich ist.“

Der Blonde zuckte leicht mit den Schultern und begann in seinem Essen herumzustochern, überlegte für einen Augenblick und sah dann zu seinem Besuch.
„Vielleicht könntest du ja mal deine Freunde aus der Uni fragen, ob die so einen Kerl kennen oder gesehen haben. Ich meine, ich habe ihn hier noch nie gesehen daher gibt es drei Möglichkeiten. Die erste Möglichkeit wäre, dass er nur auf der Durchreise war, die Zweite, dass er vielleicht neu zuzieht – oder zugezogen ist – und die Letzte ist, dass er hier nur jemanden besucht.“, nickte Keicho und sah dann zu Josuke, um seine Worte noch einmal mit einem nicken zu bestätigen.
„Ja, daran habe ich eben auch gedacht.“, bestätigte auch Akira die Worte noch einmal, „Aber… Pass auf, ich kann dir einen Vorschlag machen. Du gibst mir deine Handynummer, dann schreibe ich dir eine Nachricht, du speicherst meine Nummer und wenn ich jemanden sehen sollte, der ungefähr so aussehen könnte, schreibe ich dir und sag‘ dir Bescheid. Du müsstest mir nur noch sagen, wie alt du ihn schätzt, das grenzt das Ganze vielleicht ein wenig ein.“
„Ich denke mal, dass er ein bisschen älter ist als wir. Vielleicht ist er auch neunzehn oder zwanzig.“, antwortete Okuyasu, hatte ihn an jenem Morgen immerhin besser gesehen als Josuke und vor allem hatte er ihn auch länger ansehen können.
Selbst wenn es ihm dennoch zu schnell ging. Auch für ihn war dieser Fremde viel zu schnell wieder verschwunden, um das er sein Gesicht irgendwie in seinen Gedanken behalten konnte.

Der Higashikata nickte und zog sein Handy aus seiner Tasche, er kannte seine Handynummer immerhin nicht auswendig, musste sie immerhin auch nicht so vielen Leuten mitteilen. Als er das Elektrogerät schließlich entsperren wollte, schnaufte der Schwarzhaarige leise und legte das Handy auf den Tisch.
„Mein Handy ist leer. Jetzt weiß ich natürlich auch, wieso ich deine SMS nicht bekommen habe… Könnte ich mein Handy gleich vielleicht aufladen?“, fragte er seinen besten Freund und sah dann zu Akira, „Wir können es gerne so machen, vielleicht haben wir ja Glück.“
„Klar, im Wohnzimmer dürfte von gestern Abend noch ein freies Ladekabel herumliegen, das kannst du dann benutzen, du hast ja das gleiche Modell wie Okuyasu, richtig? Nach dem Essen gehen wir wahrscheinlich ohnehin ins Wohnzimmer, wenn wir uns noch einen Film ansehen wollen, dann könnt ihr auch die Nummern tauschen.“, bestätigte dann auch schon Keicho, bevor Okuyasu auch nur die Möglichkeit besaß, irgendetwas dazu zu sagen.
In diesem Augenblick war sein Bruder anscheinend einfach schneller.
„Das stimmt, wir haben das gleiche Handy.“, lachte Josuke und lächelte dankbar, „In Ordnung, ich kümmere mich dann nach dem Essen um den Abwasch, immerhin ist das, das Mindeste was ich tun kann.“
„Nein, das kommt gar nicht erst infrage. Ihr hattet heute einen anstrengenden Tag, also machen wir das. Ihr könnt euch schon einmal ins Wohnzimmer setzen und dann kommen wir gleich nach. Viel ist es immerhin nicht.“, entgegnete Keicho gleich und schüttelte den Kopf.

Im Vergleich zu den beiden Schülern hatten er und Akira immerhin wirklich einen ziemlich angenehmen Tag. Immerhin hatte er zwar eine Doppelschicht übernommen, doch an jenem Tag war im Laden nicht viel los. Akira und er hatten beinahe den ganzen Tag Zeit, sich zu unterhalten, doch unter der Woche durften sie in den meisten Fällen auch nicht mit sonderlich viel Kundschaft rechnen. Die schlimmsten Arbeiten bezogen sich dann auf das Durchzählen des Lagers und das Aufstocken. Somit war ihr Tag im Vergleich sogar noch ziemlich entspannend. Josuke seufzte und schüttelte leicht den Kopf, wiedersprach Keicho jedoch nicht mehr. Der blonde Nijimura würde seine Meinung ohnehin nicht ändern, somit musste der Higashikata es nicht einmal probieren. Der Schwarzhaarige kannte den Bruder seines besten Freundes immerhin, wusste das eben jener in einer solchen Angelegenheit einfach nicht mit sich reden ließ.
„In Ordnung, dann warten wir einfach schon einmal im Wohnzimmer und bereiten alles für den Film vor.“, gab der Schwarzhaarige schließlich einfach wieder.
Ein bestätigendes Nicken folgte, bevor die beiden auch schon die leeren Teller zusammenstellten und diese wenigstens noch zur Arbeitsfläche brachten. Es war dennoch ein wenig Arbeit, die sie den beiden abnehmen konnten.

*


In der Küche der Higashikatas war in der Zwischenzeit wieder die Ruhe eingekehrt, bis die junge Mutter schließlich aufstand und zur Küchentür ging, den Namen ihres Sohnes rief und auf eine Antwort wartete.
„Wahrscheinlich ist er zu sehr mit dem Lernen beschäftigt. Er ist wirklich ein fleißiger Junge, wenn er nicht die ganze Zeit vor seiner Spielekonsole sitzen würde…“, seufzte die Schwarzhaarige und sah zu dem Rothaarigen, „Würdest du ihn wohl zum Essen rufen?“
„Sind sie sich sicher, dass das eine gute Idee ist? Er scheint nicht sonderlich gut auf mich zu sprechen zu sein.“, gab Kakyoin noch einmal zu bedenken.
In seinen Augen war es vielleicht besser, wenn er es am nächsten Tag noch einmal versuchen würde. Möglicherweise hatte es auf Josuke komisch gewirkt, dass er einfach anwesend war, als er nach Hause kam. Es war für ihn eventuell eine zu große Änderung, gleich einen Fremden im Haus zu begrüßen, nachdem er von einem anstrengenden Arbeitstag nach Hause kam. Jotaro wollte immerhin eigentlich noch einmal mit ihm sprechen, ihn darauf vorbereiten, doch wenn er ihn nicht erreichen konnte, war es kein Wunder, wenn der Schüler sich vollkommen überfallen fühlte. In seiner Situation wäre ihm selbst wahrscheinlich ebenfalls unwohl.
„Er mag zwar überfordert gewirkt haben, aber ich glaube heimlich freut er sich. Immerhin bedeutet ihm Jotaro wirklich sehr viel, wenn er hier ist, dann ist Josuke nur noch bei ihm anzutreffen, manchmal ist das wirklich sehr schlimm.“, lachte die junge Mutter und nickte dann, „Versuch‘ es einfach noch einmal, Josuke ist eigentlich ziemlich nett.“

Die Schwarzhaarige lächelte freundlich zu dem Rothaarigen und legte ihre Hände bittend aneinander. Sie wollte immerhin auch, dass sich Josuke gut mit dem Freund von Jotaro verstand.
„In Ordnung, aber ich kann ihn nicht zwingen. Ich werde mein Bestes versuchen.“, bestätigte der Student schließlich und begab sich dann auch schon auf den Weg nach oben.
Immerhin wollte er nicht allzu viel Zeit verstreichen lassen, wenn das Essen bereits fertig war. Nach diesem wollte er immerhin auch zum Hotel zurück, wollte sich nicht vollkommen aufdrängen und so war es immerhin auch mit Jotaro abgesprochen.

Oben angekommen klopfte er leicht an die Tür, rief noch einmal nach dem Schüler, doch dieser meldete sich erneut nicht. Wenn Noriaki ehrlich sein sollte, hatte er mit eben jener Reaktion bereits gerechnet. Er ging davon aus, das Josuke ihn möglicherweise ignorieren würde oder vielleicht in jenem Moment auch über Kopfhörer Musik hörte und ihn deswegen nicht verstand. Aus jenem Grund versuchte er es schließlich auch noch einmal und entschied sich dann, die Zimmertür leicht zu öffnen. Bereits in jenem Moment kam ihm ein leichter Windzug entgegen, welcher ihn bereits etwas ahnen ließ. Eben jene Vermutung bestätigte sich schlussendlich auch recht schnell, nachdem er die Tür gänzlich geöffnet hatte und nichts weiter als ein vollkommen leeres Zimmer vorfinden konnte, dessen Fenster bis zum Anschlag offenstand.
„Miss Higashikata? Josuke ist nicht mehr in seinem Zimmer.“, rief er somit nach unten und schüttelte leicht den Kopf.
Darauf hatte er es wirklich nicht anlegen wollen.
„Dann ist er sicher bei Okuyasu. Ich habe ihm doch gesagt, dass er sagen soll, wenn er am Abend noch einmal weg will… Das tut mir wirklich leid, vielleicht braucht Josuke wirklich einfach nur ein bisschen Zeit.“, rief die Schwarzhaarige zu dem Rothaarigen und seufzte.
Tomoko hatte nicht mit eben jener Reaktion gerechnet. Natürlich, Josuke hing unglaublich an seinem Neffen, doch dass er dermaßen trotzig reagieren würde, hatte sie nicht erwartet. Doch im Voraus konnte sie es immerhin auch gar nicht wissen.
„Vielleicht sagt er ja noch Bescheid. Hatte Jotaro nicht angemerkt, dass er nicht an sein Handy gegangen ist? Möglicherweise hat auch einfach nur der Akku aufgegeben.“

In jenem Moment versuchte der Rothaarige die Situation eigentlich nur noch zu entschärfen – auf eine gewisse Weise zumindest – soweit es möglich war. Anscheinend war Tomoko dies jedoch bereits gewohnt und wenn er wenigstens bei einem Freund war, musste man sich wahrscheinlich nicht allzu viele Gedanken machen. Dennoch war dieses Kennenlernen definitiv anders abgelaufen als er und Jotaro es sich vorgestellt hatten. Eigentlich hatte der Schwarzhaarige gemeint, das alles gut laufen würde, dass er seinen Onkel kannte und jener ganz sicher auch positiv auf ihn reagieren würde, doch dem war anscheinend nicht so. Wahrscheinlich machte er sich in jenem Moment aber auch nur zu viele Gedanken als er schließlich wieder die Treppen herunterstieg und sich dann auch schon wieder in der Küche einfand.
„Sollen wir auf ihn warten oder etwas unternehmen?“
Wenn der Rothaarige ehrlich sein sollte, war er sich in diesem Moment absolut nicht sicher, was sie eigentlich unternehmen sollten oder ob überhaupt etwas unternommen werden sollte. Er selbst konnte immerhin nur von Hollys Sicht sprechen und diese hätte Jotaro wahrscheinlich auch bedingungslos vertraut, wäre dieser einfach verschwunden. Doch in einer fremden Familie war dies wiederum etwas vollkommen anderes.

Die Higashikata wank ab und stellte schließlich zwei Teller auf den Küchentisch, bat Kakyoin mit einer einladenden Geste sich zu setzen und lächelte leicht.
„Mach dir keine Sorgen, wenn er bei Okuyasu ist, dann kann es schon einmal spät werden. Dann spielen die beiden entweder die neusten Spiele oder lernen, da vergisst Josuke auch schon einmal, dass er mir eigentlich noch Bescheid geben muss.“, entgegnete die junge Mutter leise lachend und setzte sich selbst an den Tisch, „Aber ich vertraue ihm, immerhin ist er mein Sohn. Er wird schon wissen, was er tut.“
„Wenn… Sie das sagen.“, gab der Rothaarige schließlich wieder, auch wenn er dabei mehr als nur unsicher klang.
Dennoch nahm er es in diesem Augenblick einfach hin, konnte immerhin nicht mehr machen. Anscheinend mussten sie also an jenem Abend noch allein essen. Vielleicht würde es sich am nächsten Tag schon wieder legen – wenn sie Glück hatten. Immerhin musste er ganz sicher vor der Schule noch einmal zum Haus zurückkehren. Seinen Rucksack hatte er immerhin nicht mitgenommen, dieser stand noch immer in seinem Zimmer und gab in jenem Moment eigentlich nicht mehr als eine gute Deko ab.

*


Der jüngere Nijimura war nach dem Essen mit seinem besten Freund ins Wohnzimmer gegangen, um dort schon einmal alles vorzubereiten, als sie schließlich einige Kissen und zwei Decken auf das Sofa gelegt hatten, seufzte Josuke und zog sein Handy noch einmal aus seiner Hosentasche.
Hatte er sein Handy, nach dem Telefonat mit Jotaro denn nicht geladen?
Langsam setzte er sich auf den Sessel, welcher neben dem Sofa stand und zog seine Beine an seinen Körper heran, legte seine Stirn auf seine Knie und murrte leise.
„Dürfte ich das Ladekabel kurz in Anspruch nehmen? Ich… Würde nur gern Jotaro anrufen.“, gab er seinem besten Freund leise wieder.
„Klar. Keicho hat ja gesagt, dass du es benutzen kannst, dann kannst du auch dein Handy komplett daran laden. Wenn du willst, kannst du zum Telefonieren auch rausgehen oder in den Hausflur – dann kannst du das Kabel mitnehmen.“, entgegnete sein bester Freund gleich.
„Dann gehe ich kurz in den Hausflur, danke Okuyasu.“, lächelte Josuke leicht und bekam von dem Angesprochenen gleich eine bestätigende Handgeste gezeigt.

Als der Higashikata schließlich aufgestanden war, nahm er das Kabel zur Hand welches offensichtlich auf dem Tisch im Wohnzimmer lag und verließ mit eben jenem den Raum. Er setzte sich auf die Treppenstufe, nahe einer Steckdose und schloss dann sein Handy an das Kabel an, wartete einen Moment und startete das Elektrogerät schließlich. Es dauerte einen Augenblick, bis das Handy vollkommen hochgefahren war, doch konnte der Schwarzhaarige einfach nicht mehr abwarten und öffnete augenblicklich seine SMS. In den Kurznachrichten, welche ihm angezeigt wurden, befanden sich zwei Ungelesene, eine von Okuyasu und eine von seiner Mailbox. Sofort tippte er auf die Kurznachrichten, welche er mit Jotaro ausgetauscht hatte.
[21:10] Hallo Jotaro, könnte ich dich vielleicht kurz anrufen? Habe erst jetzt gesehen das du mich angerufen hast.
Vorerst folgte jedoch erst einmal keine Antwort.  Wahrscheinlich hatte er sich mit den Zeitunterschieden zu sehr vertan. Natürlich, zu jenem Zeitpunkt war es bei Jotaro in New York gerade einmal kurz nach acht Uhr. In diesem Moment befand er sich wahrscheinlich noch immer mitten in einem Studiengang, dann brauchte er sich nicht einmal zu wundern, wenn er vorerst keine Antwort erhielt. Der Schwarzhaarige wusste jedoch, das Jotaro ihn anrufen oder anschreiben würde, wenn er die Kurznachricht sah. Dennoch störte es den Higashikata, denn eigentlich wollte er so schnell es ihm nur möglich war die Wahrheit erfahren.
War Kakyoin Noriaki sein fester Freund oder hatte sich der Student nur falsch ausgedrückt?

Josuke seufzte schließlich und schrieb seiner Mutter noch eine Kurznachricht, dass er sich bei Okuyasu befand und die Nacht bei seinem besten Freund verbringen würde. Eben jene antwortete ihm wenigstens auch gleich, schrieb ihm, dass er sich am nächsten Morgen anscheinend erst einmal mit seinem Großvater anfreunden musste, da sie das Haus ein wenig früher verließ, doch das war bei Weitem kein großes Problem. Es war inzwischen ohnehin schon eine ganze Weile her, dass er den Vater seiner Mutter gesehen hatte. Als Polizist hatte er immerhin fast ununterbrochen etwas zu tun; auch wenn man es von jener kleinen Stadt vielleicht nicht einmal erwartete. Wenngleich ihn auch dies noch auf eine Idee brachte. Seinen Großvater konnte er sicher auch einmal nach dem Unbekannten fragen, auch wenn er sich dann wahrscheinlich sämtliche Erklärungen ersparen würde. Doch die Idee war erst einmal nicht abwegig und das war das Wichtigste. Er konnte seinen Großvater immerhin auch einfach nach dem Fremden fragen, weil ein Freund von ihm diesen suchte. Dies war immerhin nicht abwegig und sinnvoll klang diese Idee auch. Nachdem er jedoch schließlich alles wichtige an seinem Mobiltelefon erledigt hatte, begab er sich wieder ins Wohnzimmer und setzte sich auf das Sofa. Leicht lächelte er seinen besten Freund an, räusperte sich dann jedoch und deutete auf die Tür.
„Wollen wir dann noch schnell was zum Trinken holen? Keicho und Akira müssten immerhin auch gleich soweit sein.“, nickte Josuke und sah Okuyasu dabei an.
„Klar; hast du Jotaro erreichen können?“, fragte sein bester Freund aber dennoch.

Sonderlich lang hatte er sich immerhin nicht aufgehalten. Ob jene Zeit wirklich für ein Gespräch ausreichte – Josuke hätte immerhin in jeder Situation etwas gefunden, um das Gespräch mit Jotaro ein wenig zu verlängern – wagte der jüngere Nijimura in jenem Moment noch zu bezweifeln. Der Higashikata stand schließlich noch einmal auf und schüttelte leicht den Kopf, wollte seinen besten Freund die Informationen immerhin auch nicht verschweigen, wenngleich es auch nicht wirklich viele waren. Josuke suchte in seiner Hosentasche nach seinem Kamm, richtete mit eben jenem seine Haare noch einmal und lächelte dann.
„Wegen der Zeitverschiebung hat er mir noch nicht geantwortet, wahrscheinlich ist er gerade noch beschäftigt. Immerhin hat er als Meeresbiologe auch alle Hände voll zu tun, aber sobald er mir antwortet, werde ich ihn direkt anrufen.“, entgegnete der Schwarzhaarige.
„Ach so, das habe ich auch vollkommen vergessen. Dann lass‘ uns erst einmal die Getränke aus der Küche holen. Wahrscheinlich haben sich die beiden einfach nur verquatscht und dann brauchen sie schon mal die Hälfte nicht mehr tragen.“

Okuyasu nickte nach seinen Worten, stand selbst von dem Sofa auf, von welchem aus er schon einmal den Fernseher und den DVD-Player eingeschaltet hatte. Somit mussten sie die DVD später nur noch einlegen und konnten dann den Film genießen. Wenn Josuke ehrlich war, dann freute er sich schon auf den Film, hoffte währenddessen ein wenig entspannen zu können und wollte auch einfach nur versuchen, sich mit diesem Film vielleicht ein wenig zu ermüden. Sein Herz schlug noch immer unglaublich schnell und auch sein Geist war noch immer viel zu unruhig, so wusste der Higashikata, würde er nicht schlafen können.
„Es waren doch nur vier Teller und vier Gabeln, daran dauert doch nichts so lange. Und reden könnten die beiden auch im Wohnzimmer.“, lachte Josuke schließlich und öffnete die Küchentür.
Als die besten Freunde schließlich die Küche betraten, konnten sie Keicho und Akira entdecken, welche in jenem Augenblick mehr als nur nah waren. Der blonde Nijimura hatte seine Hände in den Haaren des Langhaarigen vergraben und gab dem Musiker immer wieder kleinere Küsse auf den Hals. Der jüngere der Nijimurabrüder seufzte in jenem Augenblick einfach nur, räusperte sich dann aber auch schon.

Auf eine gewisse Weise musste er natürlich gestehen, dass er durchaus ein wenig schockiert war, schlussendlich – beim genaueren Überdenken der Situation – schien es aber schon beinahe wieder absehbar.
„Wir können auch schon mal hochgehen, dann verschieben wir das mit dem Film einfach auf Morgen…“, schlug der Schüler dann auch schon vor, wollte in jenem Moment eigentlich nur, das sie für einen Augenblick voneinander abließen.
Bemerkt hatten sie die Anwesenheit der beiden immerhin noch nicht. In gewissem Sinne war es mehr aus Rücksicht gegenüber Josuke als das es ihn störte. Keicho zuckte zusammen und drehte sich augenblicklich zu seinem kleinen Bruder um, zog dadurch aus Versehen an den Haaren seines Freundes und räusperte sich leise. Er sah Akira, entschuldigend an und strich sich über den Nacken, lachte ein wenig überfordert und blickte zu Okuyasu.
„Also… Nein, wir… Wir kommen jetzt, ich…“, schluckte der ältere Nijimura, „Es tut mir leid… Okuyasu, ich glaube wir haben wohl die Zeit vergessen.“
„Meinst du wirklich, der nimmt dir das jetzt noch ab? Gib doch einfach zu, dass wir nicht einfach nur ‚gute Freunde‘ sind, die sind doch beide nicht mehr zwölf.“, schnaufte Akira nach jenen Worten auch schon und rieb sich leicht den Kopf.

In jenem Moment war es ihm auch vollkommen egal, ob er den Plan des Nijimura somit mit Füßen getreten hatte, doch noch einmal würde er sich sicher nicht an den Haaren ziehen lassen. Die beiden waren alt genug und wenn Okuyasu den Kuss, welchen sein bester Freund an jenem Morgen ertragen musste, bereits überlebt hatte, war er dadurch sicher auch nicht mehr schockiert. Seufzend nickte der blonde Nijimura und strich sich noch einmal über den Nacken, bevor er zu seinem kleinen Bruder und dessen besten Freund blickte. Kurz sah er noch einmal zu seinem Freund und schnaufte dann.
„Akira hat recht, Okuyasu, wir sind nicht nur gute Freunde… Um ehrlich zu sein, sind wir schon seit einer Weile ein Paar. Ich wusste nicht, wie ich es dir sagen sollte.“, erklärte Keicho seufzend und lehnte sich an die Küchenzeile.
Für einen kurzen Moment musste Josuke lächeln.
„Du hättest es einfach gerade raus sagen können, ich hätte das schon verstanden. Ich freue mich ja auch für euch und so schlimm ist das nicht. Josuke tendiert doch auch mehr zum gleichen Geschlecht.“, zuckte der jüngere Nijimura dann auch schon mit den Schultern und ging an den beiden vorbei, um erst einmal zu dem Kühlschrank zu gelangen.
Die Getränke brachten sich immerhin auch nicht von selbst ins Wohnzimmer. Dieser Gedanke war bei Weitem zu verlockend.
„Du bist echt der beste kleine Bruder, den man sich nur wünschen kann.“, lachte der Blonde leise auf und nickte dann leicht, wenngleich er auch ein wenig verzweifelt wirkte, „Wir kommen dann wirklich gleich nach.“

Nach diesen Worten lächelte der Nijimura seinen Freund noch einmal an, schloss die Augen und genoss das Wissen, dass sein Bruder seine Beziehung akzeptierte. Josuke schüttelte in jenem Augenblick den Kopf und verschränkte die Arme vor der Brust, musste dann jedoch auch schon lächeln und ging zu seinem besten Freund, um diesem zu helfen. Auf Proteste oder rechtfertigen hatte er anscheinend an jenem Abend auch keine Lust mehr, anderenfalls hätte er sich wahrscheinlich doch ein wenig über die Anmerkung aufgeregt, welche ihn betraf. Schließlich nickte aber auch Okuyasu einfach nur noch einmal kurz, gab den beiden noch ein Handzeichen und verschwand zusammen mit Josuke – bewaffnet mit einigen Flaschen – wieder aus der Küche, nur um sich wieder ins Wohnzimmer setzen zu können. Anscheinend schienen die beiden anderen ihr Versprechen in jenem Moment tatsächlich einzuhalten und folgten bereits wenige Augenblicke später. Akira ging sofort, beinahe wie selbstverständlich, auf den Fernseher und den daran angeschlossenen DVD-Player zu. Es wirkte beinahe als würde er sich bereits im Wohnzimmer auskennen, doch es zweifelte auch keiner der Anwesenden daran, das Keicho ihn vielleicht auch zuvor schon einmal zu sich nach Hause eingeladen hatte – möglicherweise während eines freien Tages, während sein kleiner Bruder noch in der Schule war.

Josuke und Okuyasu hatten es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht, hatten sich recht nah zusammengesetzt, damit der Blonde und sein Freund ebenfalls noch Platz auf dem Sofa fanden. Neugierig betrachteten die Schüler das Tun des Langhaarigen, doch eben jener verstand es, den Bildschirm zu verdecken. Keicho setze schließlich ebenfalls auf das Sofa und streckte sich noch einmal, wartete in jenem Moment ebenfalls nur darauf das Akira von dem Fernseher zurücktrat und den Blick auf den Bildschirm freigab. Als dieser schließlich von dem Elektrogerät zurücktrat und zu dem Blonden ging zog dieser nur eine Augenbraue hoch. Auf dem Bildschirm nicht wirklich viel zu sehen, was den älteren Nijimura schließlich doch ahnen ließ, was für ein Film es sein könnte.
„Das ist aber nicht was ich denke, oder?“, fragte der Blonde nach und schnaufte.
„Ich hab' doch gesagt, dass es ein Film ist, über den in letzter Zeit recht viel geredet wird.“, entgegnete Akira gleich uns zuckte selbst noch einmal mit den Schultern.

Bevor der Vorspann des Films jedoch irgendetwas verraten konnte, hatte er ihn auch schon gestartet und sich schließlich auf das Sofa fallenlassen. Der Blonde legte sich eine Hand auf die Stirn und blickte zu seinem Freund, zog eben jenen an sich heran und musste dann leicht den Kopf schütteln.
„Dann lasse ich mich einfach überraschen.“, lachte der Nijimura leise, „Okuyasu, Josuke, wenn es euch zu heftig wird, könnt ihr ruhig nach oben gehen.“
Der Schwarzhaarige lehnte seinen Kopf an die Schulter seines besten Freundes und nickte dann leicht. In seinen Augen konnte nichts schlimmer sein, als der Tag, den er hinter sich hatte.
„Mach dir keine Gedanken.“, lächelte der Higashikata.
In seinen Augen konnte es immerhin auch nicht schlimmer werden als es ohnehin bereits war. Es gab für den Schüler kaum noch etwas, das er an diesem Abend befürchtete und das konnte sein bester Freund deutlich verstehen.
„Es ist nur ein Film, das werden wir schon überleben.“, fügte auch Okuyasu noch hinzu, doch bemerkte schließlich recht schnell, dass er viel zu hohe Töne gespuckt hatte.
Es war ein Horrorfilm, was hätte es auch anderes sein sollen?
Er hatte immerhin nichts anderes von seinem Bruder erwartet. Jedoch musste der jüngere Nijimura nach einigen Minuten feststellen, dass sein bester Freund viel zu ruhig atmete. Für einen Augenblick blickte er zu Josuke und zuckte mit der Schulter, der Schwarzhaarige sah augenblicklich zu ihm auf und seufzte, lehnte sich jedoch augenblicklich wieder an ihn.

Ein wenig verschlafen griff der beste Freund des Nijimura nach der Flasche, welche Okuyasu ihm angeboten hatte. Der Higashikata fand den Horrorfilm eigentlich nicht so schlimm wie er es zu Beginn erwartet hatte, auch wenn er sich durch Okuyasu immer wieder erschreckte. Jener war allerdings auch sichtlich froh, als der Film endlich ein Ende gefunden hatte. Zombies hätten ihn bei Weitem nicht interessiert, aber Geister waren ein vollkommen anderes Kaliber. Diese konnten vielleicht wirklich existieren, man konnte es immerhin weder abstreiten noch bestätigen; das machte es derart furchterregend.

Als jedoch endlich wieder Ruhe eingekehrt war und sowohl Akira als auch Keicho sich zum Schlafen verabschiedet hatten, schien Josuke wieder hellwach.
„Also mich wundert es jetzt nicht mehr, warum so viele darüber reden. Meinst du, das beruht wirklich auf wahren Tatsachen?“, fragte Okuyasu vorsichtig nach.
Zwar wollte er diese Antwort eigentlich schon in dem Moment, in welchem er die Frage ausgesprochen hatte nicht mehr hören, doch dafür war es im Endeffekt bereits zu spät.
„Ich denke nicht, es ist immerhin nur ein Film.“, schüttelte Josuke den Kopf, „Außerdem passiert das immer nur Leuten in Amerika – wenn überhaupt.“
In jenem Augenblick stand der Higashikata auf und streckte sich ausgiebig, spürte das sein Nacken vollkommen verspannt war und seufzte. Für einen Moment blickte er zu seinem besten Freund und lächelte dann.
„Wir lassen heute Nacht das Licht an, ja? Dann musst du keine Angst haben, auch wenn ich glaube, dass es hier keine Geister gibt.“, fügte er seinen Worten noch hinzu.
„Aber darüber werden wir dann nie wieder sprechen. Mit niemandem.“, gab Okuyasu gleich wieder und stand dann auch schon wieder vom Sofa auf, streckte sich kurz und deutete dann auch schon nach oben, „Dann sollten wir wahrscheinlich auch besser ins Bett gehen. Morgen müssen wir ja wieder früh raus.“
„Keine Sorge, ich binde es schon niemandem auf die Nase.“, lachte Josuke und nickte dann, „Aber… Okuyasu, lass mich noch kurz nach meinen SMS sehen, ja? Ich mache mir ein bisschen Sorgen um Jotaro, denn auch wenn er bei irgendetwas Wichtigem ist, schreibt er mir manchmal.“

Nach eben jenen Worten ging der Schwarzhaarige schon einmal die Treppen hinauf, zu seinem Handy, wollte sehen ob er bereits eine Kurznachricht erhalten hatte, doch noch zeigte ihm sein Handy keine eingegangene Nachricht an. Seufzend strich er sich über den Nacken.
„Hey, mach dir keine Sorgen. Vielleicht sind sie auch grade nicht in einer Vorlesung, sondern haben eine Anschauung oder einen praktischen Test. Grade Jotaro kann gut auf sich aufpassen.“, versuchte Okuyasu es noch einmal, auch wenn er genau wusste, das Josuke diese Worte in jenem Augenblick wahrscheinlich nicht einmal hören wollte.
Wahrscheinlich wäre es ihm selbst genauso ergangen, aber es war das einzige, was er in jenen Moment tun konnte. Mehr als warten konnten sie nicht und der Nijimura konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass ausgerechnet Jotaro etwas passiert sein sollte. Doch in jenem Augenblick musste er auch wieder an die Worte seines besten Freundes denken, Geister erschienen nur in Amerika und dort lebte und arbeitete der Neffe des Schwarzhaarigen. Für einen Augenblick wollte er nichts sagen, als der Higashikata schließlich den Kopf hob und Okuyasu betrachtete.
„Wahrscheinlich hast du Recht. Ich meine, es ist Jotaro. Er wird sich schon melden, wenn er Zeit hat.“, entgegnete Josuke seinem besten Freund leicht lächelnd.

Lächelnd bedankte sich der Schwarzhaarige jedoch schließlich und begann sich nach dem eintreten in das Zimmer schon einmal seine Schuluniform aufzuknöpfen, um eben jene über den Schreibtischstuhl des Nijimura zu hängen. Auch sein T-Shirt legte er über die Stuhllehnte, immerhin störte es ihn nicht sich vor seinem besten Freund auszuziehen. Kurz sah er zu Okuyasu und strich sich leicht durch sein Haar, zerstörte sich in jenem Augenblick selbst die Frisur, doch dies interessierte ihn wenigstens in jenem Moment nicht, immerhin wollten sie sich ohnehin Schlafenlegen.
„Hättest du vielleicht ein T-Shirt für mich, ich habe keine Schlafsachen dabei.“, fügte der Higashikata seinen Worten hinzu und begann schon einmal seine Hose auszuziehen.
„Klar, du kannst dir eins aus meinem Schrank raussuchen, wenn es dich nicht stört, dass die meisten davon ärmellos sind. Ich ziehe mich auch schon mal um – oder willst du auch lieber richtige Schlafsachen?“, fragte Okuyasu in jenem Moment lieber noch einmal nach, wollte wenigstens, dass sich Josuke auch wohlfühlte.
Zwar war es bei Weitem nicht das erste Mal, das sein bester Freund bei ihm übernachtete, doch an jenem Tag gab es eigentlich mehr als genug Turbulenzen. Er konnte sich immerhin nicht einmal wirklich ausmalen, wie der Higashikata die ganze Situation zwischen Akira und Keicho eigentlich aufgenommen hatte; immerhin hatte er ihn auch nicht danach gefragt.
„Danke aber nein, ich bleibe bei einem einfachen T-Shirt. Du weißt doch, dass ich Pyjamas nicht so mag.“, wank Josuke schließlich ab.

Nach jenen Worten zog er seine Hose aus, legte eben jene noch zuvor einmal spärlich und nicht zwingend ordentlich zusammen und legte sie zu den anderen Kleidungsstücken. Erst nachdem er dies getan hatte, machte er sich auf den Weg zu dem Schrank des Nijimura und zog einfach das oberste Shirt aus dem Schrank, um eben jenes schnell überzuziehen, dies genügte ihm immerhin zum Schlafen.
„Einen Versuch war es wert; immerhin ist es schon einige Zeit her, dass wir mal beieinander geschlafen haben, hätte ja sein können, dass sich das in der Zwischenzeit geändert hat.“, lachte der Nijimura leicht und legte sich schon einmal hin.
Wenn er ehrlich sein sollte, war er mehr als nur müde und geschafft von dem langen Tag. Der Film hatte ihm schließlich auch noch den Rest gegeben, doch je schwerer ihm die Lider wurden, umso weniger konnte er wenigstens auch über den Film nachdenken und hatte dadurch vielleicht auch kein Déjà-vu im Traum. Der Higashikata lachte ebenfalls leise und schüttelte schließlich den Kopf, legte sich dann ebenfalls ins Bett und schloss die Augen für einen Moment. In jenem Augenblick bemerkte der Schwarzhaarige, dass er unglaublich fertig war – nicht wirklich müde – jedoch geschafft durch die Erlebnisse des Tages.
„Danke nochmal, dass die spontane Übernachtung hier funktioniert hat.“, flüsterte Josuke leise und deckte sich richtig zu, wollte in der Nacht immerhin nicht frieren.
„Dafür brauchst du dich nicht bedanken.“, entgegnete Okuyasu müde, gähnte nach seinen Worten noch einmal leicht und hielt sich dabei die Hand vor den Mund.

Langsam rückte er sich ein wenig zurecht und drehte sich schon einmal auf die Seite, bevor er noch einmal zu Worten ansetzte, wollte wenigstens noch etwas dazu gesagt haben und das alles nicht einfach so im Raum stehenzulassen.
„Außerdem sind wir beste Freunde, da ist man immer füreinander da. Ich hätte dich auch hier schlafen lassen, hättest du mir mitten in der Nacht Steine ans Fenster geworfen.“
„Das Gleiche gilt auch für dich. Schlaf jetzt aber gut, du hast dir die Auszeit wirklich verdient.“, flüsterte der Higashikata und schloss die Augen wieder.
In jenem Augenblick wollte er sich zur Ruhe zwingen, jedoch konnte er einfach nicht. In seinem Inneren herrschte eine unglaubliche Unruhe, welche er einfach nicht beruhigen konnte. Josuke stellte sich viel zu viele Fragen, doch auf jede einzelne, die seinen Geist die Ruhe raubte, konnte er keine Antwort finden.
Wieso hatte dieser Fremde ihn geküsst?
Woher kam dieser Kakyoin Norikaki?
Stimmte es, was dieser Kerl gesagt hatte?
Hatte Jotaro wirklich… Eine Beziehung?
In jenem Moment schien es keine Antwort zu geben. Wahrscheinlich brauchte er auch gar nicht erst eine selbige zu erwarten und dennoch tat er es auf eine gewisse Weise.

Schlafen konnte er in jenem Augenblick nicht, beneidete seinen besten Freund in jenem Moment beinahe, das jener eingeschlafen war, nachdem er die Worte seinerseits noch einmal bestätigt hatte, aber er machte sich auch nicht so viele Gedanken, hörte einfach auf das, was sein Herz ihm sagte. Möglicherweise wäre es einfacher für ihn, wenn auch er das tun würde, doch er konnte einfach nicht. Just in jener Sekunde vibrierte jedoch auch schon sein Handy auf dem Boden neben dem Bett. Anscheinend war dies eine Art Zeichen. Augenblicklich setzte sich Josuke auf, griff nach dem Handy und entsperrte eben jenes. Als er schließlich sah, dass er eine Kurznachricht von Jotaro erhalten hatte stand er leise auf und verließ das Zimmer seines besten Freundes. Okuyasu sollte immerhin nicht zwingend wach werden, wenn er den Kujo endlich anrufen konnte. Erst als der Higashikata auf der Treppe saß, öffnete er die Nachricht des Achtundzwanzigjährigen.
[0:42] Du kannst mich anrufen, wenn du aufstehst. Morgen habe ich frei und werde dementsprechend länger wach sein.
Als der Higashikata diese Nachricht las, musste er lächeln und öffnete augenblicklich sein Telefonbuch, um den Älteren anzurufen. Er wollte nicht bis zum morgigen Tag warten, er wollte die Stimme seines Neffen hören, wollte die Bestätigung, dass er einfach zu viel in die Situation hineininterpretiert hatte. Als die Nummer des Kujo gewählt wurde, wurde er unglaublich nervös.

Bis der Anruf jedoch angenommen wurde, dauerte es nicht sonderlich lang. Im Hörer konnte man noch einige andere Stimmen und den Wind rauschen hören, bevor der Ältere sich räusperte und danach schließlich auch meldete. Jedoch nicht mit den Worten, welche Josuke in jenem Moment vielleicht erwartet hatte.
„Ich dachte, du würdest schon schlafen. Deswegen hatte ich dir auch geschrieben, dass du am Morgen anrufen sollst. Ist es bei euch nicht schon ziemlich spät?“, fragte der Meeresbiologe gleich.
Immerhin war es zu jenem Zeitpunkt mitten in der Woche.
„Das geht schon in Ordnung, ich konnte ohnehin nicht schlafen. Heute ist ziemlich viel passiert und… Ich weiß auch nicht, ich bin einfach nicht müde.“, gab der Schwarzhaarige augenblicklich wieder, „Bist du noch bei der Arbeit?“
Der Higashikata wollte Jotaro nicht augenblicklich auf Kakyoin ansprechen, wollte immerhin nicht unhöflich wirken. Die Möglichkeit bestand immerhin noch immer, dass sich der Rothaarige einfach nur falsch ausgedrückt hatte und nur ein guter Freund seines deutlich älteren Neffen war. Insgeheim hoffte Josuke dies sogar.
„Ich war. Eigentlich verlasse ich das Unigelände grade. Aber hat dich die Nachricht erreicht, dass ich am Montag bei euch ankomme? Wahrscheinlich war dein Handy ausgeschaltet als ich versucht habe, dich anzurufen.“, meinte Jotaro gleich.
„Ja, Mama hat es mir erzählt als ich vorhin bei ihr war.“, lächelte Josuke augenblicklich, „Ich freue mich schon darauf, vielleicht können wir dann ja etwas zusammen unternehmen.“

Der Higashikata freute sich wirklich unheimlich auf das Wiedersehen mit seinem Neffen. Er vermisste den schwarzhaarigen Meeresbiologen wirklich mehr, als er es vielleicht sollte. Doch dessen war er sich bereits seit Längerem bewusst. Genau aus diesem Grund war es eigentlich endlich an der Zeit, es Jotaro wissen zu lassen, doch…
„Das hatte ich eigentlich geplant. Aber dann gehe ich auch schon einmal davon aus, dass du meinen Freund bereits kennengelernt hast. Deswegen wollte ich dir eigentlich auch noch Bescheid sagen, aber um ihn dann noch zurückzuschicken war es schon zu spät.“, begann der Kujo zu erklären.
„Er ist also wirklich dein Freund?“, schluckte der Schwarzhaarige und lehnte seinen Kopf an das Treppengeländer, „Das freut mich für dich, er machte einen wirklich sehr netten Eindruck. Er ist auch ein Student, nicht wahr?“
Josuke biss sich auf die Lippe und versuchte seine Enttäuschung vor Jotaro zu verbergen. Er wollte immerhin nicht, dass sein Neffe durch ihn unglücklich wurde. Also hatte er Recht behalten, Kakyoin war sein Freund und hatte sich nicht nur komisch ausgedrückt. Diese Information ließ den Tag noch finsterer erscheinen.
„Ja, aber er macht nicht das Gleiche wie ich – eigentlich beschäftigt er sich hauptsächlich mit künstlerischen Dingen. Mich freut es aber, dass ihr euch versteht, auch wenn ich mir das eigentlich schon gedacht habe. Immerhin habt ihr einige gemeinsame Interessen und es würde mich wundern, wenn er mit jemandem einmal nicht zurechtkommen würde. Aber einfach ist er auch nicht immer.“

Kurz schluckte der Schwarzhaarige und schloss die Augen, wollte eigentlich das Thema wechseln, doch wollte er auch nicht unhöflich wirken.
„Über unsere Interessen konnten wir nicht wirklich sprechen. Wir wollten, aber ich konnte mich nicht konzentrieren. Heute ist wirklich zu viel auf einmal passiert.“, schnaufte der Schwarzhaarige und strich sich durch sein Haar.
„Wegen der Arbeit und der Schule oder ist irgendwas passiert?“, folgte somit auch schon die durchaus berechtigte Frage.
Wenn Jotaro ehrlich sein sollte, wirkte Josuke in jenem Moment ohnehin mehr als komisch – genau wie der Fakt, dass er so spät noch telefonierte, wenn er sonst eigentlich verantwortungsbewusst genug war, um ausreichend Schlaf einzuholen. Demnach war das Nachfragen in seinen Augen mehr als nur gerechtfertigt.
Für einen kurzen Moment überlegte der Higashikata was er sagen sollte, konnte seinem Neffen jedoch einfach nicht verschweigen was an jenem Tag passiert war. Immerhin war Jotaro für ihn da und hörte ihm immer zu.
„Ich… Ich wurde heute Morgen von irgendeinem Kerl geküsst, vor der Schule… Ich kenne ihn aber nicht und ich habe ihn auch noch nie gesehen. Alles was ich von ihm weiß ist, dass er Kaffee trinkt und blaugrüne Haare hat.“, schnaufte der Schüler, „Dann habe ich noch einen Test verhauen, die Arbeit bei Tonio war stressig und… Mama und ich haben uns dann noch einmal ein wenig gestritten, weil ich nichts essen wollte. Kakyoin hatte uns scheinbar etwas mitgebracht, aber ich hatte schon bei Tonio gegessen.“
Würde Jotaro ihm diese letzten Worte glauben?
Er log, nur um Jotaro in einem Glauben zu lassen, der nicht existierte. Doch ob dies die richtige Entscheidung war, konnte Josuke zu jenem Zeitpunkt noch nicht sagen. Eines jedoch wusste er, er verfluchte diesen rothaarigen Kerl.
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